All in, one out

„Influencer Marketing“ ist ja nun wirklich ein zu Tode gehyptes Thema und mittlerweile sollte auch jedem aufgegangen sein, dass es sich hierbei lediglich um alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Betagt wie ich bin, habe ich bereits oft erleben dürfen, wie eine Menge heiße Luft um nichts produziert wurde und irgendwann dann doch alle merkten, dass der Kaiser nackt ist.

Wenn alle in sein wollen, dann ist natürlich nur derjenige wirklich in, der out ist. Und daher freue ich mich nun auf den allerallerneuesten Schrei, das „Outfluencer Marketing“ – viel Vergnügen!

makketing auf die Ohren – re-heard 2

Und wieder begeben wir uns auf die Erinnerungsstraße und entdecken längst vergessene Perlen meiner radioeins-Interviews wieder….

Im März 2011 sprachen wir über Nagellack – und seine Verbindung zu Autolacken:

„Jägermeister“ war dann unser Thema für ein feucht-fröhliches Gespräch im April (hier mit meinem absoluten Lieblingsbild…)

Und nach einer kleinen Sommerpause drehte sich dann im August 2011 alles um Design von der Stange:

Viel Spaß beim Nachhören – to be continued!

 

Man niest nicht in geliehene Bücher – dafür gibt es Tempo-Taschentücher!

…lautete ein Werbespruch der 50er Jahre für ein Produkt, das nahezu eine 100%ige Markenbekanntheit hat und dessen Name stellvertretend für eine ganze Gattung verwendet wird: das Tempo-Taschentuch. Im Zuge dieser vergrippten Zeiten ward ich just zu diesem Thema bei radioeins ins Zweiaufeins-Studio geladen:

Stofftaschentücher kannten schon die alten Römer, allerdings benutzten sie diese nicht, um sich die Nase zu putzen, sondern um sich den Schweiß abzuwischen. Und auch unsere Servietten sind eigentlich nichts anderes als Stofftaschentücher. Lange waren diese Taschentücher als Ziertücher vor allen Dingen dem Adel vorbehalten, auch wenn dieser sich ebenfalls damit nicht unbedingt schneuzte, sondern sie eher zu repräsentativen Zwecken trug.

Mit dem Aufkommen und der Mode des Schnupftabaks kamen Nase und Tuch zusammen und schnell verlor sich der Status des Luxusgegenstandes: Das Taschentuch wurde gebräuchlich und da im 18. Jahrhundert die Herstellung von Stoff immer günstiger wurde, verkam es zum Alltagsgegenstand.

1929 meldete Oskar Rosenfelder das Papiertaschentuch unter dem Namen „Tempo“ als Warenzeichen in Deutschland an, fünf Jahre nachdem die Firma Kimberly-Clark das Papiertaschentuch sich unter dem Namen „Kleenex“ in den Vereinigten Staaten schützen ließ. Zunächst einmal ist ein „Tempo“ nichts anderes als ein sehr dünnes Blatt Zellstoffpapier, das mit einer Schicht Glycerin überzogen wurde, damit es sich weicher anfühlt. Der Name „Tempo“ war ein Zeichen der Zeit, denn in den Zwanzigern wurde alles immer schneller – und auch das Papiertaschentuch versprach Zeitersparnis, denn das aufwändige Waschen der Stofftaschentücher in Waschzubern entfiel nun – das Wegwarfprodukt war geboren.

Natürlich galt das Papiertaschentuch als wesentlich hygienischer als das Stofftaschentuch, doch bestreiten Mediziner dies mittlerweile. Zwar sei jedes Taschentuch, das nur einmal verwendet werde, prinzipiell hygienischer als ein wiederholt verwendetes Tuch, aber einmal benutzte und dann gekochte Stofftücher schützen genauso vor Viren und Bakterien.

35 Millionen Päckchen wurden bereits 1933 jährlich produziert und verkauft, heute sind es über 20 Milliarden Taschentüchen, die in der so genannten „Z-Faltung“ angeboten werden, damit sie auch mit einer Hand schnell und einfach entfaltet werden können. Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt mehr als 55 Päckchen Papiertaschentücher pro Jahr.

Unter dem Druck der Nazis emigrierte Oskar Rosenfelder – und bekam sein Werk  auch nach dem Kriegsende nicht mehr zurück. 1935 übernahm Gustav Schickedanz, Nationalsozialist und späterer Gründer des Kaufhauses Quelle, für wenig Geld die Fabriken und die Rechte an der Marke Tempo. Nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich „Tempo“ in den Herzen und an den Nasen der deutschen Bevölkerung, schnell wurde die Milliarde-Marke geknackt.

Legendär sind nicht nur viele Spots, sondern auch die Werbesprüche von „Tempo“:

Auf Schnupfen-Nächten liegt ein Fluch!

Da hilft das Tempo-Taschentuch.

oder 

Die Liebe kann in Schnupfenfällen

am feuchten Taschentuch zerschellen,

er sollte drum zum Naseputzen

ein Tempo-Taschentuch benutzen!

1994 übernahm dann der US-Multi Procter & Gamble das Unternehmen, der es dann 2007 an die schwedische SCA verkaufte, einen der Hauptkonkurrenten von Tempo, sie stellen nämlich „Zewa“ und vor allen Dingen die „Softies“ her. Nach der Übernahme von „Tempo“ mussten sie diese für den deutschsprachigen Raum jedoch abtreten (an das italienische Unternehmen „Sofidel“, deren Marke „Regina“ manchem ein Begriff ist), außerhalb von Deutschland und Österreich hält die SCA jedoch noch eine Lizenz für den Vertrieb von „Softies“.

Das wahre Geheimnis der Tempo-Taschentücher enthüllt jedoch dieser Clip:

makketing auf die Ohren – wie alles anfing

Wie doch die Zeit vergeht… Vor 8 Jahren, im Januar 2010, war ich das erste Mal zu Gast bei radioeins in Potsdam-Babelsberg und lernte dort die 2auf1-Crew kennen: die Moderatoren Daniel und Sven sowie Dave, den Redakteur. Die Chemie stimmte und schon bald darauf war ich das erste Mal als Marketing-Experte on air. Fast 75 Interviews sind in diesem Zeitraum entstanden – und da ich mich selbst nicht mehr an alle erinnern konnte, werde ich nun in loser Reihenfolge, aber chronolgisch hier die Takes noch einmal posten.

Es begann alles mit sauber, rein und keimfrei….

…gefolgt von der (männlichen) Problemzone Gesicht:

Abschließend mein drittes Interview zum Thema „künstlicher Hype“:

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 

Die Zuckerpuppe mit der Tütensuppe

„Tüte“ lautet das Sujet der heutigen Zwei auf eins-Sendung bei radioeins.So ein Thema kommt mir ja normalerweise gar nicht in die Tüte (haha), aber was es denn nun mit der Tütensuppe auf sich hat, das fand ich wiederum spannend genug, um doch nach Babelsberg zu fahren:

Wenn wir über Tütensuppe reden wollen, dann kommen wir an drei Namen nicht vorbei: Justus Liebig, Julius Maggi und die Gebrüder Knorr.

Der Chemiker Justus Liebig entwickelte 1852 ein „Fleischinfusum“, um Menschen mit schweren Magen und Darmerkrankungen vor dem Tod zu retten. Er fertigte daraus dann das bekannte „Liebigs Fleischextrakt“, das jedoch nur wenig und zunächst auch nur über Apotheken verkauft wurde. Erst als der deutsche Ingenieur Georg Christian Giebert 1862 von Liebig die Lizenz zur Großproduktion in Uruguay bekam, wurde der Fleischetrakt in großen Mengen produziert und weltweit verkauft.  Als Nahrungsmittel für die arme Bevölkerung war es zu teuer, es setzte sich aber als Würze für Suppen und andere Speisen durch, auch dank der Sammelbilder (die natürlich stets den Zeitgeist wiedergaben):

Letzendlich ist der Extrakt lediglich das Ergebnis vom Vorgang des Auskochens. Man reduziert die Fleisch- und Knochensuppe so lange, bis ein eigentlich ungenießbarer Bodensatz übrig bleibt, bestehend aus Eiweiß, Fett und Würze. Kocht man diesen wieder mit Wasser auf, entsteht eine Suppe. Liebig kochte den Fleischextrakt zusammen mit Gemüse, würzte ihn, vermischte ihn mit Fett und presste ihn in Form. Fertig war der Brühwürfel.

Die Gebrüder Knorr übernahmen von ihrem Vater eine Fabrik, die bereits auf die Produktion von Mehlen und Dörrobst spezialisiert war. 1889 übernahmen sie die Produktion der „Erbswurst“, die schon im deutsch-französischen Krieg an die Soldaten als eiserne Ration verteilt wurde. Diese bestand ursprünglich aus Erbsenmehl, Rinderfett, entfettetem Speck, Speisesalz, Zwiebeln und Gewürzen. Heute liest sich die Zutatenliste ein wenig anders: Erbsmehl, geräucherter Speck, Palmöl, Speisesalz, geräucherte Hefe, Rauch- und andere Aromen sowie vor allem Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat, Dinatriuminosinat, Dinatriumguanylat und Hefeextrakt.

Für Knorr warb selbst ein Kaiser, wenngleich als junger Mann….

Der Schweizer Julius Maggi wollte weniger die Soldaten ernähren, sondern war vielmehr um das Wohl der Arbeiterinnen und Arbeiter in den zahlreichen Fabriken besorgt. Diese ernährten sich meist schlecht, denn die knappe Zeit zum Kochen und minderwertige Produkte führten zu wenig nahrhaften Essen. Vitamine und Ballaststoffe fehlten, so dass die Folge Mangelkrankheiten und eine erhöhten Sterblichkeit war. Maggi erfand 1884 ein Mehl aus Hülsenfrüchten, den so genannten Leguminosen und kurze Zeit später gab es auf dieser Basis auch die ersten Fertigsuppen, 1886 dann auch als erste Trockensuppe. Aufreissen, anrühren, aufkochen – fertig war die Suppe!

Nun schienen diese Suppen doch ein wenig fad zu schmecken, denn schon kurze Zeit später erfand Julius Maggi auch die Maggi-Würze, die hauptsächlich aus Sojabohnen und Weizen bestand. Sie wurde zum Konkurrenten von dem Fleischextrakt, den Justus von Liebig schon 1840 zusammengerührt hatte und der inzwischen weltweit verkauft wurde.

Julius Maggi erkannte ebenso schon früh die Bedeutung von Werbung. Er gründete ein „Reclame- und Pressebureau“ und machte sowohl seinen Namen als auch das rot-gelbe Logo und insbesondere die Flasche zur unverwechselbaren Marke.

Ihre charakteristische Form mit dem dicken Bauch, dem langen Hals und dem kleinen Dosierkopf soll Julius Maggi selbst entworfen haben, diese soll an ein Ausrufezeichen erinnern. Mit wenig Aufwand lässt sich so ein Ausrufezeichen in der Küche setzen!

Der später dann berühmt gewordene Autor Frank Wedekind verdiente sich sein erstes Geld mit Reklame-Texten für „Maggi“, auch wenn diese heute für uns eher sperrig klingen:

“Die Poesie ist die Würze des Lebens, der Witz die Würze der Unterhaltung, wie Maggi`s Suppen- und Speisewürze diejenige eines jeden guten Mittagstisches.“

Musik in meinen Werbeohren ist dann eher dies:

«Das wissen selbst die Kinderlein: Mit Würze wird die Suppe fein. Drum holt das
Gretchen munter die Maggi-Flasch’ herunter.»

Mit Erfolg, denn heute steht Maggi-Würze nach wie vor in jeder sechsten Küche in Deutschland…

Julius Maggi erfand aber nicht nur die Tüten-Suppen und die Maggi-Würze, er setzte sich zudem sehr für seine Arbeiter ein und gründete zum Beispiel eine eigene Renten- und Krankenkasse. Er ließ Firmenkantinen, Wohnungen und Ferienheime bauen, in die er seine Arbeiter in den Urlaub schickte.

Im 1. Weltkrieg geriet „Maggi“ im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten: In Frankreich war Julius Maggi ebenfalls mit seinen Brühwürfeln sehr erfolgreich, allein 1912 verkaufte er bis zu 6 Millionen Brühwürfel unter dem Namen „Bouillon Kub“ – monatlich!  Der Erfolg lag auch in der Verpackung in schönen Metalldosen und dem Aufhängen zahlreicher Plakate und Metallschilder mit Werbung. Doch zu Beginn des Krieges verbreitete sich das Gerücht, Maggi sei eine deutsche Firma, die also dem damaligen „Feind“ gehörte. Die Werbeschilder würden in Wirklichkeit dazu dienen, den deutschen Truppen die strategischen Stützpunkte zu verraten. Die Bürgermeister der Städte wurden aufgefordert, alle Maggi-Würfelwerbungen, die sich in Ihrer Gemeinde, in der Nähe der Bahngleise oder in der Nähe von wichtigen Bauwerken wie Brücken, Tunneln, Viadukten oder Abzweigungen befinden, zu vernichten. Alle Werbeplakate wurden entfernt und Maggi wurde der Spionage beschuldigt.

Trotz der vielen Geschmacksverstärker spricht aus Expertensicht nichts dagegen, solche Produkte zu nutzen, da sie in der Regel aus guten Zutaten schonend hergestellt werden, wie manche Ernährungsexperten meinen. Für frische Waren seien Tütensuppen und Würzmischungen auf Dauer jedoch kein Ersatz. Dennoch muten manche Tricks an wie direkt aus Frankensteins Labor: So wird Transglutaminase (ein Enzym, das Eiweißmoleküle miteinander vernetzt) dazu eingesetzt, dass Fleischreste zu kompletten Filetstücken veredelt werden und Würstchen mehr Biss bekommen. Rohstoffe können somit eingespart und Fleischreste wieder in ganze Stücke gewandelt werden. Wohl bekomm’s!

Die schönsten Pausen sind Milka

Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel das sind die Herren von „Zwei auf eins„… nein, natürlich nicht, aber das Thema der heutigen Sendung lautet „Kuh“ und ich bin in das radioeins-Studio geladen, um über die berühmteste lila Kuh ever zu sprechen: die Milka-Kuh.

Die lila Kuh, wer kennt sie nicht? Selbst, wenn sie als so plumpe Fälschung daher kommt:

Doch wie kam die Kuh zur Schokolade und vor allen Dingen: Wie wurde sie lila?

Die Geschichte beginnt mit dem Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard, der mit Schweizer Uhren und Stickereien bestückt in die USA auswanderte. Sein Plan, damit zum erfolgreichen Geschäftsmann zu werden, ging jedoch nicht auf und so kehrte er 1824 in die Schweiz zurück. Er eröffnete dort seine eigene Confiserie und stieg in die Massenproduktion von Schokolade ein, indem er bis zu 30 kg Schokolade am Tag selber herstellte. Diese Schokolade enthielt jedoch noch keine Alpenmilch und war zartbitter. Erst ab 1890 entwickelte Suchard die Milchschokolade und 1901 wurde dann die Marke „Milka“ registriert (MILch und KAkao).

Die ersten Tafel waren bereits lila und auch die Kuh lässt sich auf ihnen schon wiederfinden:

Doch es gab harte Konkurrenz für unsere Kuh: Um die Exotik des Kakaos zu betonen wurde Milka beispielsweise 1913 mit Papageien beworben, selbst ein Kamel war auf der Verpackung zu finden. Größter Konkurrent wurde jedoch ein Bernhardiner, der statt des berühmten Fäßchens eine Tafel Milka um den Hals trug.

Aber die Kuh setze sich letztendlich durch.

Lila wurde die Kuh dann 1973: Adelheid, ein mehrfach preisgekröntes Rind aus Simmenthal, hatte die Idealmaße, einen großen Kopf, geschwungene Hörner und einen gerade Rücken. Unter tierärztlicher Aufsicht wurde sie – nur auf einer Seite, wahrscheinlich ihrer Schokoladenseite – mit wasserlöslicher Farbe besprüht, was durchaus etwas länger dauern konnte, steht so ein Rindvieh doch nicht gerne lange still…

Seit 2004 ist das Milka-Lila geschützt, keine andere Schokolade darf so lila sein. Dabei ist dies ja eine sehr ungewöhnliche Farbe für Lebensmittel… wenn das Brot lila schimmert, solltet ihr es lieber nicht mehr essen…

Milka hat mit seinen Agenturen zusammen ein gutes Gespür für kultige Werbung entwickelt. Erinnert sei hier an den Alm-Öhi Peter Steiner:

oder auch an die sportlichen lila Pausen:

Und mittlerweile geht die Kuh sogar zur Schule:

Apropos Schule: Tatsächlich hat 1995 bei einem Malwettbewerb mit 40.000 bayrischen Schülern jedes dritte Kind die Kühe auf dem Malbogen lila ausgemalt….

 

 

 

 

Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä – Hauptsache: Geschenke!!!!

Auch am heiligsten aller heiligen Sonntage führt mich mein Weg ins romantische Potsdam-Babelsberg zum „radioeins„-Studio, um dort mit den Jungs von „Zweiaufeins“ ein wenig über Geschenke, Marketing und Weihnachten zu plauschen:

Jedes Jahr das gleiche Bild: Kaum ist der Totensonntag vorbei, startet die vorweihnachtliche Schlacht um den Konsumenten, besser gesagt, um seine Euros. Und jedes Jahr kommt es uns so vor, als würde es immer noch mehr, noch lauter und noch bunter….

Aber wieso schenken wir uns überhaupt etwas zu Weihnachten? Dazu gibt es die verschiedensten Erklärungsansätze: So hat uns Gott ja quasi seinen Sohn an Weihnachten geschenkt, was den Menschen Anlass genug sein sollte, ebenso Gaben zu verteilen. Auch die heiligen drei Könige brachten Geschenke (Weihrauch, Gold und Myrrhe) für das Christkind mit, weshalb in manchen Ländern erst am 6. Januar die Geschenke übergeben werden. Historisch betrachtet wurde hier von den Christen ein heidnischer Brauch übernommen: Die alten Römer feierten zum Jahresende die Saturnalien, an denen die Reichen den Armen gute Gaben schenkten, auch um den eigenen Wohlstand zu demonstrieren. So sammeln Christen am 17. Dezember, dem Lazarus-Tag, Essen, Kleidung und andere lebensnotwendige Dinge, damit diese dann zu Weihnachten an Bedürftige verschenkt werden können.

Im Mittelalter rückten die Kinder in den Mittelpunkt des Schenkens: Zunächst erhielten sie am 28. Dezember Gaben zum „Fest der unschuldigen Kinder“, dann verlagerte sich dies jedoch auf den 6. Dezember (St. Nikolaus) für die Jungs und auf den 13. Dezember für Mädchen (St. Lucia). Es war Luther, der sich daran störte, denn im protestantischen Glauben war kein Platz für Heilige als Mittler zwischen Mensch und Gott. Und so setzte er den Anspruch, dass die Geschenke am 24.12., zur Geburt des Heiligen Christus, zu übergeben seien, wie auch hier im Clip erklärt wird:

Erst im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten dann „bürgerlich“ und als Fest für die ganze Familie verstanden, was dazu führte, dass die Zahl der Beschenkten und der Geschenke merklich anwuchs:

Und so sagt der HDE, der Handelsverband Deutschland, auch dieses Jahr wieder einen neuen Rekord für den Einzelhandel voraus: 94,5 Milliarden Euro sollen umgesetzt werden, was 466,- € pro Kopf entspricht. Doch nicht alle Beteiligten profitieren in gleicher Weise davon, denn von dem Gesamtplus von 3% im Handel wird der Online-Handel mit 10% erwartetem Umsatzplus der größere Gewinner sein. 51% der Deutschen gaben einer Umfrage zufolge an, dieses Jahr ihre Geschenke ausschließlich online einzukaufen. Der stationäre Handel muss sich also etwas einfallen lassen – und das führt genau zu dem oben beschriebenen Weihnachtsoverkill: noch mehr Event, mehr Clowns, mehr Livemusik, mehr Modenschauen….. Und mit noch mehr Gedöns werden dann weitere Kunden aus den Städten vor die Rechner getrieben, denn mir geht beispielsweise dieser Rummel so auf die Nerven, dass auch ich immer mehr online bestelle. Ein Teufelskreislauf also?

Könnte der Handel nicht einfach auf das rummelige Weihnachtsgeschäft verzichten? Wohl kaum, denn fast 20% des Jahresumsatz werden in den Adventswochen erzielt – durchschnittlich. Manche Branchen wie Spielwaren, Bücher, Unterhaltungseletronik, Uhren machen zwischen 25 – 40% ihres Gesamtumsatzes in diesem Zeitraum, ein Wegbrechen des Weihnachtsgeschäftes wäre also katastrophal. Eher wird versucht, die Einkaufszeit zu verlängern, um noch mehr Umsatz zu machen, z.B. mit dem „Black Friday“ und dem „Cyber Monday“. 1,7 Milliarden Euro Umsatz haben den deutschen Einzelhändlern diese beiden Tage im letzten Jahr beschert – und damit war der „Black Friday“ 2016 der drittstärkste Umsatztag im Weihnachtsgeschäft nach dem 12. und dem 19.12.

Der Geschenke-Wahnsinn wird also vermutlich immer so weiter gehen, denn der Kreativität des Handels sind keine Grenzen gesetzt. Zu wichtig sind die Einnahmen aus den letzten Wochen des Jahres, als dass man auf diese verzichten könnte.

Ich habe ja beschlossen, mich diesem ganzen Stress zu entziehen, Für mich hat Weihnachten nichts mehr mit Konsum zu tun. Ich setze mich heute abend mit meinem Lieblingsessen zu meinem Weihnachtsbaum, den ich passend feierlich geschmückt habe:

In diesem Sinne wünsche ich allen makketing-Freunden: Frohe Weihnachten und: