Volle Gönnung!

Die Herren von Zweiaufeins gelten ja als gut betucht – um diesen Status zu wahren, senden sie jeden Sonntag eine kluge Radioshow. Und auch heute habe ich meinen Luxuskörper nach Babelsberg geschwungen, um mit meiner Eloquenz zu protzen. Und schon sind die Themen des heutigen radioeins-Gespräches in einem Satz untergebracht…

„Tuch“ war das Thema heute und wir haben uns gefragt, warum manche gut betuchten Leute viel Geld für Luxus-Objekte ausgeben:

Jedes Produkt, das wir erwerben und bezahlen, gibt uns einen Gegenwert: den Material- und Aufwandswert, den Gebrauchswert und einen ideellen Wert, oftmals repräsentiert durch die Marke. Diese Werte sind eng miteinander verwoben, so dass wir als Verbraucher meistens gar nicht exakt trennen und erklären können, warum wir etwas erworben haben.

Als Luxus-Produkte werden nun Dinge verstanden, bei denen im Aufwand der Herstellung und in der Verwendung von Ressourcen (wie Zeit, Material) mehr verbraucht wird, als notwendig ist. Überspitzt gesagt also Gegenstände, die in Produktion, Besitz und Aufwand überflüssig sind. Was man nicht unbedingt sofort mit Verschwendung gleichsetzen sollte. Luxus unterlag historisch betrachtet lange Zeit strikten Regeln, einem Code, der von Standes- und Klassenverhältnissen geprägt war. Er folgte einer Reihe von geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen wie Kleiderordnungen, Tischsitten und zeremoniellen Vorschriften.

Doch wer definiert das, wer legt das fest, was „überflüssig“ ist? Wenn wir uns etwas Luxuriöses gönnen, dann kann das von außen als Verschwendung betrachtet werden, wir aber haben das Produkt gekauft, weil es ein Wohlbefinden bei uns auslöst. Jeder entscheidet also für sich selbst, was Luxus ist, denn Luxus wird zur Selbstdarstellung (Status)  wie auch zur Selbsterfahrung genutzt.  Kaufen wir den teuren Pulli, weil er sich so schön weich anfühlt oder damit die anderen an der Marke sehen können, was ich mir leisten kann?

Konsum macht Menschen immer dann am glücklichsten, wenn der Kauf verspricht, dass man hinterher ein anderer Mensch ist. Und das will natürlich gezeigt werden – über Statussymbole. Doch das Darstellen dieser Symbole wird immer häufiger als Protzen verstanden (was natürlich immer nur die anderen machen…) Protz, das ist die soziale Darstellung von Luxus.Dicke Uhren, große Autos, das goldene Feuerzeug,  teure, häßliche Klamotten – das waren die Statussymbole von vorgestern: Teure Küchen, exklusive Messer, das limitierte Olivenöl, das waren Statussymbole von gestern. Im Moment liegt das Nicht-Zeigen im Trend: Stealth Wealth (getarnter Wohlstand) bzw. „inconspicuous consumption“ (unauffälliger Konsum). Die alten Statussymbole sind nichts mehr wert, wenn Aldi monatlich eine Gourmet-Woche ausruft oder man sich den Porsche auch leasen oder leihen kann.Die alten Statussymbole haben ihre Exklusivität verloren: die Verknappung. Die Exklusivität, die uns in der Werbung versprochen wird, ist natürlich eine Illusion. Was sich alle leisten können, ist kein Merkmal mehr zur Abgrenzung und zur Unterscheidung. Wo Überfluss Standard ist, wird freiwillige Einschränkung  und Understatement sexy, man schmückt sich mit dem, was man nicht hat:  kein Marken-Logo, keine Erreichbarkeit, kein Facebook-Account, keine bösen Industrie-Produkte im Kühlschrank.

Luxus wird scheinbar immateriell: die meisten Menschen geben heute an, dass Zeit zu haben für sie der größte Luxus wäre. Auch Gesundheit, Bildung, und „Self-Care“, also Achtsamkeit für sich selbst, werden als neue Statussymbole hoch gehalten. Cocooning, der Rückzug in die eigene Wohnhöhle, Gemütlichkeit… doch auch all die kleinen und größeren Anschaffungen zum hygge-Feeling dienen als Unterscheidungsmerkmal, als Statussymbol ( „ich bin entspannter als du!“)  und letztendlich lässt sich damit dann auch wieder sehr gut Geld verdienen….

Die Zukunft des Luxus könnte im Vermeiden liegen: Minimalismus und Unsichtbarkeit statt Protzen und Aufdrängen. Bis es aber soweit ist, kaufe ich mir noch schnell eine fette Blingbling-Goldkette….

 

 

Ein Satz in Manhattan…

Wer diesen Titel zuende denken kann, der ist deutlich ein Kind der 70er… 🙂

„Satz“ ist das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung und da ist es naheliegend, sich einmal mit Werbesätzen, also Claims und Slogans zu beschäftigen. Da ich mich heute erst auf der Rückreise aus dem Urlaub befinde, kann ich nicht live im radioeins-Studio sein, das Gespräch haben wir deshalb vorher aufgezeichnet:

Was unterscheidet zunächst einmal den Claim von Slogan? Ganz einfach, auch wenn 50% der Marketingmenschen diese Begriffe gerne vertauschen: Beim „Claim“ kann man sich den Siedler oder auch den Goldgräber vorstellen, der seinen Claim absteckt, sein Gebiet. Und das ist nicht nur sein Gebiet für einen Tag oder zwei Wochen, sondern für sehr lange Zeit. Er hat dies „acclaimed“. Der Claim ist daher der Werbespruch, der kontinuierlich und über einen langen Zeitraum kommuniziert wird und so eng mit der Marke verbunden ist: „Have a break, have a Kitkat“ wird seit 1957 bis heute verwendet. Oder auch „Mentos. The Freshmaker“. Ohne Not sollte der Claim auch nicht verändert werden, denn seine Bedeutung für die Verankerung der Marke in den Köpfen ist nicht zu unterschätzen.

„Slogan“ hingegen kommt aus dem Gälischen: „sluagh-ghairm“ ist der Schlachtruf und der konnte sich je nach dem Feind, gegen den es gerade ging, ändern. Der Slogan ist daher von kurzfristiger Natur, kampagnenbezogen. „Ich liebe es“ ist also der Claim von McDonalds, „Ob du’s glaubst oder nicht“ ist hingegen der Slogan der aktuellen Kampagne.

Vor allen Dingen die Claims bohren sich tief in unsere Gehirnwindungen hinein, zumindest früher taten sie dies, als es noch weniger Media-Kanäle und weniger „Information Overload“ gab. Daher können wir uns auch alle besser an die (mitunter längst vergangenen) Claims aus unserer Jugend erinnern als an die aktuellen von heute. Damit der Claim funktioniert, muss er ständig wiederholt werden und möglichst viele Kontakte mit dem Werbeopfer erzielen. Was früher einfach war aufgrund der Beschränkung an Werbemöglichkeiten, ist mittlerweile ungleich schwerer: Wer schaut heute noch linear fern und zappt bei Werbeblöcken nicht weg? Wer hört heute noch Radio (meine Studierenden jedenfalls größtenteils nicht mehr)? Und selbst wenn eine Zielgrupe noch affin für die „alten Medien“ ist, so benötigt man viele, teure Schaltungen.

Das Investment ist jedoch lohnend: Sage ich „Steinschlag in der Windschutzscheibe“, antworten mir die meisten sofort mit „Carglass“. Warum? „Carglass repariert, Carglass tauscht aus!“ nervt uns seit Jahren im Fernsehen wie im Radio – und auch wenn wir die Spots öde, blöde und schnöde finden, so findet dennoch eine Verankerung statt. Werbung muss nicht gefallen, die Frequenz entscheidet!

Wir wissen also, wer Flügel verleiht, wer Kinder und Erwachsene froh macht, wer so leicht ist, dass er sogar auf Milch schwimmt, wer mobil macht bei Arbeit, Sport und Spiel, und was man trinken sollte, wenn einem so viel Gutes widerfährt. Im Falle eines Falles….eben. Und da ja gerade Ostern war: Ei,ei, ei…..

Vorsicht ist jedoch bei englischen Claims geboten: Laut einer Studie von 2016 gaben 64% der Deutschen an, Claims auf englisch nicht korrekt zu verstehen, 28% waren gar nicht in der Lage, die Aussage im Sinne des Absenders zu deuten. Dies gilt dabei für alle Altersgruppen, nicht nur für die Älteren. Auch die Zuordnung des englischsprachigen Claims zur Marke gelingt deutlich schlechter: Nur 6% waren in der Lage, den Claim korrekt mit der Marke zu verknüpfen. 81% schafften es noch nicht einmal, den Claim der richtigen Branche zuzuschreiben. Ein „Nice to sweet you“ von Lindt mag ja lustig sein, wird aber nicht verstanden. Selbst das „Run simple“ von SAP konnte von zwei Drittel der Befragten nicht richtig übersetzt werden. Und auch Skittles „Taste the rainbow“ bedeutet nicht „teste den Regenbogen“…

Der globalisierten Welt zum Trotz: nicht immer ist englisch also die beste Lösung.

Schnell noch die Auflösung, falls jemand Schwierigkeiten mit den Beispielen oben hatte:

Red Bull verleiht Flügel, Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso, Milky Way ist so leicht, dass er sogar in Milch schwimmt und Mars macht mobil bei Arbeit, Sport und Spiel. Wenn einem so viel Gutes widerfährt, dann ist das einen Asbach Uralt wert. Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles und: Ei, ei, ei…Verpoorten! Was sich reimt (oder gesungen wird) geht übrigens noch viel leichter in den Kopf.

In diesem Sinne: Mein makketing, dein makketing – makketing ist für alle da!

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie man sich bettet, so liegt man

Eine Stunde Schlaf hat man uns heute geraubt, eine Stunde weniger, um an der Matratze zu horchen – und dennoch habe ich mich frisch und munter in das radioeins-Studio nach Babelsberg aufgemacht. Denn dort warteten schon die Herren von zweiaufeins, deren Thema heute „Reingelegt!“ lautet – naheliegend vor dem morgigen 1. April.

Gesprochen haben wir aber tatsächlich über Matratzen….und warum nicht nur wir uns da tagtäglich drauflegen, sondern warum auch viele Investoren reingelegt wurden:

Matratzen-Anbieter haben ja neuerdings sehr hippe Namen: Emma, Max, Eve, Casper, muun, Bruno oder Felix sind uns vor allen Dingen aus der Fernsehwerbung bekannt. Sie kosten nur noch 200,- €, kommen per Post und man kann meist 100 Tage testen, bevor man sie bei Nichtgefallen einfach wieder zurücksenden kann. Und das funktioniert?

Nicht wirklich, denn wir haben im letzten Jahr gesehen, dass die ersten Anbieter sich von den Märkten zurückziehen („Eve“) oder gar Insolvenz anmelden mussten („muun“). Der deutsche Matratzenmarkt ist verhältnismäßig klein mit knapp 1,5 Mrd. € Umsatz im Jahr (im Vergleich dazu Mode ca. 60 Mrd oder Möbel mit über 30 Mrd Euro). Begehrlichkeiten wecken die hohen Margen, denn der Wareneinsatz, gerade bei den einfachen Schaumstoffmodellen ist gering, 50% Gewinn sind selbst hier immer noch zu erzielen. Und wir alle müssen schlafen…und essen…und regelmäßig Haare schneiden, die Matratze ist also ein Produkt, das jeder von uns benötigt, denn wir verbringen unser Leben zu etwa einem Drittel mit Schlafen – insgesamt mehr als 24 Jahre. Aber im Schnitt kauft der Deutsche sich alle 10 – 15 Jahre eine neue Matratze. Onlinegeschäftsmodelle funktionieren aber in erster Linie dadurch, dass der teuer gewonnene Kunden immer wieder bei mir kauft, was bei Matratzen nicht passiert, zumal es auch kaum Zusatzprodukte gibt.

Ein weiteres Prinzip im Onlinehandel liegt in der Gewinnmaximierung durch das Ausschalten von Großhandels- und Handelsmargen. Verkauft man direkt, muss man nichts abgeben – und kann diesen Mehrgewinn über den Preis an den Kunden weiterreichen. Aber auch das hat einen Pferdefuß: die Retouren. Zurückgesandte Matratzen sind unverkäuflich, denn niemand möchte dauerhaft auf einer Matratze schlafen, auf der jemand anderes sich bereits hundert Tage gewälzt hat. Die Betonung liegt auf „dauerhaft“, denn im Hotel stört uns das beispielsweise nicht, aber da verbringen wir ja in der Regel auch nur wenige Nächte. Daher werden zurückgesandte Matratzen meistens geschreddert und im besten Fall re- bzw. downgecycelt – unter ökologischen Gesichtspunkten nicht die beste Wahl.

Wären Investoren halbwegs vernünftig, dann hätte ihnen das alles schon vorher auffallen müssen, stattdessen haben sie aber alle viel viel Geld in die Matratzen-Startups reingepumpt. Die Nische wurde immer umkämpfter, es musste also mehr geworben werden – teuer geworben, denn Fernseh- und Funkwerbung kostet Geld, so hat bett1 eine Millionen Euro 2018 allein in TV-Werbung im Umfeld der Fußball-WM gesteckt. bett1 ist übrigens neben dem amerikanischen Anbieter Casper einer der erfolgreichsten Anbieter, was jedoch auch damit zusammenhängt, dass Stiftung Warentest die „Bodyguard“-Matratze regelmäßig mit Bestnoten auszeichnet. Die Werbung in den Suchmaschinen verschlingt ebenfalls Unsummen, so dass man mittlerweile davon ausgehen kann, dass über 275,- € in jeden neugewonnen Kunden investiert werden muss.

Dann also doch lieber zum Matratzenhändler an der Ecke? Nun ja, die gesamte Branche bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, denn dort verlocken dauerhafte Räumungsverkäufe zum schnellen – überteuerten – Kauf. Anders als bei Produkten des täglichen Konsum fehlt uns als Kunden bei Matratzen oft das Preisgefühl und daher versucht der Handel mit hohen Rabatten unser Interesse zu wecken. Da es sich zudem meistens um Eigenmarken der Anbieter handelt, wird der Preisvergleich erschwert, wir können also gar nicht herausfinden, ob der Rabatt uns tatsächlich einen Preisvorteil beschert. Auch der beworbene „Räumungsverkauf“ bedeutet nicht, dass die ganze Filiale schließt, sondern vielleicht nur eine Ecke im Geschäft oder ein Teil des Lagers.

Und letztendlich verkauft man uns ja keine schnöde Matratze, sondern: guten, erholsamen Schlaf. Aufwachen ohne Rückenschmerzen. Und das sollte uns doch viel Geld wert sein, oder?

 

Beidseitig verwendbar – der Erfolg liegt auf der Hand

Diesmal erreichte mich die Anfrage der charmanten „Zweiaufeins„-Redakteurin als ich gerade auf dem…..Bürostuhl saß, so dass die Anfrage, zum Thema „Blatt“ doch etwas über Toilettenpapier zu erzählen, für mich nicht von der Hand zu weisen war. Also auf ins radioeins-Studio!

Anlass für das Thema war der neuerliche Hype im stillen Örtchen: Nach Einhorn- und Weihnachtspapier mit Spekulatiusduft ist das Papier nun – vorerst natürlich nur limitiert – auf den Hund gekommen, genauer gesagt auf den Mops. Fast schon gelangweilt muss ich feststellen, dass sich die übliche Erregungskurve wiederholte: Hamsterkäufe, Ausverkauf, Preisexplosionen bei Ebay, Nachproduktion. Never change a winning Klopapier-Hype…

Natürlich müssen Menschen schon seit Menschengedenken – und sich hinterher auch irgendwie säubern. Jede Menge Hilfsmittel kamen dabei zum Einsatz: Gras, Blätter, Fell, Lumpen, Muschelschalen, Heu, Stroh, Moos, eingeweichte Maiskolben,  Holzspäne, auf Stöckchen aufgespießte Schwämmchen (bei den alten Römern), flache Steine ( bei den alten Griechen), Kokosnussrinde (auf Hawaii), und alles, was gerade so in der Nähe herumfleuchte. Forscher gehen tatsächlich davon aus, dass die Menschen sich sogar mit herumlaufendem Federvieh, also Hühnern, Gänsen und Enten, den Po abwischten.

Das erste Klopapier gab es bereits im 14. Jahrhundert in China. Für den Kaiser wurde es 1391 erstmals hergestellt, und es muss ein Erfolg gewesen sein, denn das kaiserliche Versorgungsamt ordnete eine Jahresproduktion von 720.000 Blatt an. Wobei ein solches Blatt etwa einen halben Quadratmeter groß war, von dem man kleine Fetzen für das Hinterteil riss.

In einer Fabrik wurde Klopapier erstmals 1857 hergestellt, und zwar von Joseph Gayetty in den USA.  Es bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloe-Extrakten getränkt. Er bewarb es bis in die späten 20er als „Gayettys medicated Papers“.

1871 wurde Seth Wheeler zum offiziellen „Erfinder“ von Toilettenpapier, denn er ließ sich gerolltes und perforiertes Papier patentieren und verkaufte als erster Toilettenpapierrollen.

Wenig später, 1890, gründetenThomas Seymour, Edward Irvin and Clarence Wood Scott die Scott Paper Company in Philadelphia. Allerdings scheute die Firma sich, den eigenen Namen auf dieses anrüchige Papier zu drucken. Auch in England, wo in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln auf den Markt kam, war man schamhaft. Der Hersteller W.C. Alcock bot sein Produkt als „Papierlockenwickler“ an. Ab 1896 produzierte die Scott Paper Company Toilettenpapier unter ihrem eigenen Markennamen und wurde 1925 weltweit führende Klopapier-Marke.

In Deutschland sollte es bis 1928 dauern, denn auch hierzulande galt das Produkt als anrüchig, man hantierte bis dato mit Zeitungspapier oder Blättern. Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk  produzierte das neue Klopapier zwar zunächst aus Krepp, aber seine Rolle hatte immerhin 1.000 Blatt, die alle perforiert waren und so leicht von der Rolle gingen. Damit sich die Käufer nicht in Grund und Boden schämen mussten beim Erwerb von Klopapier, warb Klenk mit dem Spruch: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Hakle führte 1972 das zweilagige und 1984 das dreilagige sowie bereits 1977 das feuchte Toilettenpapier in Deutschland ein. In der DDR hingegen blieb Krepppapier die einzig verfügbare Sorte.

Während man in Deutschland das Klopapier faltet, wird es in England, Frankreich und Südeuropa (jeder dritte) sowie in den USA (fast jeder) geknüllt. Daher ist Toilettenpapier in den USA sehr flach und weist kaum Struktur auf (für den deutschen Markt ungeeignet). Jeder Amerikaner verbraucht im Durchschnitt 57 Blatt am Tag. Für die deutschen Falter ist hingegen die Reißfestigkeit des Papiers wichtig – und es ist von großer Bedeutung, dass das Toilettenpapier flauschig-zart und 2-, 3-, 4-lagig ist, es gibt über 80 verschiedene Sorten in Deutschland. Selbst 5lagiges Papier ist mittlerweile im Angebot; wer die Preise von Toilettenpapier vergleicht, muss allerdings beachten, dass er vom fünflagigen Papier in der Regel weniger Blatt pro Sitzung braucht als vom dreilagigen – und daher auch länger damit auskommt, was den höheren Preis zusätzlich rechtfertigen mag.

2016 verbrauchten die Deutschen fast drei Milliarden Rollen, was 18 Kilogramm je Bundesbürger im Jahr entspricht. In den letzten zehn Jahren ist der Bedarf von 1 auf 1,5 Millionen Tonnen Toilettenpapier allein in Deutschland gestiegen.

Düfte werden übrigens nicht auf das Papier aufgetragen, denn der Po soll mit Duftstoffen nicht in Kontakt kommen. Getränkt wird lediglich die Papprolle, auf der das Papier aufgewickelt ist. Farben hingegen sind sehr umstritten: Die Kommunen und Gemeinden haben größere Probleme, den Farbrückständen in den Kläranlagen Herr zu werden. Ausserdem ist es umstritten wie viel der Farben unsere Schleimhaut am Popo aufnimmt und wie schädlich diese sind. Dermatologen raten daher, auf Farbstoffe im Toilettenpapier generell zu verzichten.

 

 

 

 

Nicht mehr alle heißen Tassen im Schrank…

Selbst im fernen Sauerland bin ich immer erreichbar für die Fragen und Nöte des „Zweiaufeins„-Teams – und diesmal trieb sie die Frage um, ob in der heissen Tasse mehr drin ist als nur heisse Marketing-Luft. Das radioeins-Interview kann hier nachgehört werden:

Ein bißchen mehr als Luft ist schon in den Tütensuppen zu finden: Kartoffelstärke für die Sämigkeit, billige Süßungsmittel wie Maisfruktose, Anti-Klumpmittel, Phosphate, zu viel Salz, viele, viele Kalorien… viel interessanter ist jedoch, was in diesen „ready-to-heat“-Mahlzeiten nicht zu finden ist: Vitamine, Mineralstoffe oder irgendetwas Nahrhaftes. Selbst die auf der Tüte oder Tasse abgebildeten Bestandteile sind nur in winzigen Spuren vorhanden: Champignoncreme enthält nur 0,6 gr Pilzextrakt, Rindfleischsuppe nur 0,3 gr Rindfleischextrakt – und Extrakte sind letztendlich nichts anderes als billig herzustellende Aromastoffe.

Wie zum Beispiel bei Hefe-, aber auch Soja- oder Weizenextrakten handelt es sich hierbei um die löslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Zellen und diese Extrakte bilden die Grundlage der wahrgenommenen Aromen. Sie enthalten viel natürliches Glutamat (wie zum Beispiel auch Parmesan oder Pilze), das im Mund das Umami-Geschmacksgefühl auslöst, aber eben auch im Verdacht steht, unsere Sättigungsbremse auszuhebeln und somit die Appetitregulation zu verändern. Diese Aromastoffe gauklen unserem Körper vor, etwas Gesundes zu essen, obwohl er eigentlich nur nicht verwertbaren Müll bekommt.

Das Tolle (für die Food-Industrie) ist jedoch, dass das natürliche Glutamat laut der deutschen Zusatzstoff-Zulassungsverordnung eben kein Zusatzstoff, sondern eine Zutat, also ein Lebensmittelbestandteil ist – und daher nicht gesondert ausgewiesen werden muss (im Gegensatz zu künstlichem Glutamat) Und somit können die Hersteller nun frank und frei damit werben, dass ihre Produkte „natürlich ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“ oder „ohne künstliche Geschmacksverstärker“ angerührt wurden. Das macht sich natürlich gut auf den Verpackungen, auf denen wir auch keine E-Stoffe mehr zu lesen bekommen, denn diese schrecken den Verbraucher ab. Im Zuge des „Clean Labeling“ werden diese Zutaten nun ausgeschrieben, denn „Zitronensäure“, „Milchzucker“ und „Weizenextrakt“ klingen gleich viel besser.

Doch was will man als Konsument auch anderes erwarten bei einem Preis von 0,89 € für 3 Teller Steinpilzsuppe? Und selbst bei diesen Preisen wäre selbstgemacht immer noch billiger, schmackhafter und gesünder, wie die Verbraucherzentrale Hamburg nachweist.

Aber Schnelligkeit und Bequemlichkeit und die leckeren, leckeren Aromastoffe sind eben unwiderstehliche Argumente….

 

Wenn ich Königin von Deutschland wär’….

Ich hab es ja nicht so mit der yellow press und den großen Adelshäusern, daher zuckte ich unwillkürlich zusammen, als die reizende Redakteurin von „zweiaufeins“ mich fragte, ob ich nicht zum Thema „König“ etwas erzählen wolle. Doch dem Marketör ist nichts zu schwör und deshalb begab ich mich in das „radioeins„-Studio um über Königinnen zu sprechen:

Im Vorfeld bin ich tief eingetaucht in das Thema der Produktköniginnen, von denen es hunderte verschiedene in Deutschland gibt. Als erstes fällt einem da ja die Weinkönigin ein, die dieses Jahr zum 71. Mal vom Deutschen Weininstitut gekürt werden wird. Die Weinregion Pfalz kam in den 1930er zuerst auf die Idee, sich von einer jungen Frau repräsentieren zu lassen, seit 1949 wählt das Weininstitut jährlich die Gesamtkönigin aus, wobei es natürlich noch -zig regionale Prinzessinnen und Königinnen gibt.

Und das nicht nur in Sachen Wein: Seit den 2000ern haben mehr und mehr Stadtverwaltungen und Verbände die Strahlkraft der Majestäten entdeckt – es gibt Kraut-, Gurken-, Most-, Meerettich-, Spargel-, Apfel-, Heukuren-, Pellkartoffel- Thermen-, Dupferl- und Weißwurstköniginnen, um nur einige aufzuzählen. Allein Hessen beherbergt über 100 Produkthoheiten.

Was wir Deutschen machen, machen wir ja gründlich und so gibt es seit 2003 die „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen e.V.„, in der fast 150 der Hoheiten organisiert sind und die unter anderem jedes Jahr die „Parade der Produktköniginnen“ auf der „Grünen Woche“ in Berlin veranstalten.

Wie echte Monarchen repräsentieren auch unsere Königinnen nur – und machen keine Politik. Und da man mit Frauen einfach besser Werbung machen kann, gibt es so gut wie keine Könige. Der Boom seit den 2000ern erklärt sich dadurch, dass erkannt wurde, wie werbewirksam sich schon die Wahl mit diversen Vorentscheidungen ausschlachten lässt. Die Königin selbst ist dann verpflichtet, während ihrer Regentschaft auf Messen und bei öffentlichen Auftritten ordentlich Werbung für das Produkt und die Region zu machen – und das äußerst kostengünstig, ist es doch ein unbezahltes Ehrenamt. Außer Reisespesen nichts gewesen, jede Anzeigenkampagne wäre deutlich teurer und könnte Charme und Anmut bei weitem nicht so gut vermitteln:

Und wer hat es erfunden? Richtig, die Amerikaner. Schon seit Anfang des 20. Jahrhundert wurden dort eine Vielzahl regionaler Princesses und Queens gekürt, Dairy, Apple, Rose, Pumpkin, Tobacco, Turkey….you name it – seit den 50ern dann auch Weinköniginnen in Kalifornien. Der Übergang von der Produktkönigin zum Schönheitswettbewerb ist dabei fließender geworden. In Deutschland hingegen müssen viele Königinnen vor einer Jury nicht nur Charme und Schlagfertigkeit beweisen, sondern auch ihr Wissen wird abgefragt – und da gehört die entsprechende Vorbereitung unbedingt dazu, wie wir hier bei den Bierprinzessinnen sehen können:

Also eines weiß ich jetzt genau: In meinem nächsten Leben möchte ich auch Bierkönigin werden….  🙂

 

57 Varieties of „Wie die Tomate in den Ketchup kam“

Der Titel ist natürlich übertrieben, aber „rot“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung am Sonntag – und ihr Hilferuf nach Aufklärung zum Thema „Ketchup“ ereilte mich diesmal in weiter Ferne, nämlich im vorweihnachtlichen Kopenhagen. Dort gibt es die weltbekannten Hot Dogs, natürlich mit Tomatensoße:

Daher gab es das „radioeins„-Interview diesmal nur am Telefon:

(die Qualität ist bescheiden, aber wahrscheinlich kann ich noch vor Weihnachten den Take mit einer besseren Variante austauschen)

   

Dass Tomate und Ketchup nicht unbedingt das Gleiche sind, merken wir schon daran, dass in der deutschen Sprache mit der Bezeichnung „Tomatenketchup“ die Eigenständigkeit der beiden betont wird. Schon die Frage, woher der Begriff „Ketchup“ kommt, ist nicht genau geklärt: Da gibt es auf der einen Seite die Verfechter der französischen Abstammung von dem Wort für eine scharf gewürzte Marinade, der escabêche. Auf der anderen Seite die Theorie der chinesischen Fischsoße kê-tsiap, ein Konzentrat, mit dem britische Seefahrer im 17. Jahrhundert auf der Rückfahrt ihre fade Seemannskost an Bord aufgepeppt haben sollen. Noch heute findet man im wohlsortierten Asia-Shop „Kejap Manis“, eine süße, dicke Sojasoße.

In England versuchten dann einige Fabrikanten, diese Würze „nachzubauen“ und verwendeten dafür allerlei abenteuerliche Zutaten wie Austern, Pilze oder Nüsse – nur keine Tomaten. Diese Soßen waren noch weit von dem entfernt, was wir heute Ketchup nennen.

Auftritt James Mease, ein amerikanischer Wissenschaftler und Gärtner, der das erste Tomatenrezept 1812 in Philadelphia veröffentlichte. Er versuchte in erster Linie einen Weg zu finden, die zu der Zeit als ungenießbar geltende Tomate irgendwie zu verarbeiten. Erst um 1830 wurde die Tomate in den USA populär, in Deutschland übrigens erst Jahrzehnte später. Doch auch in seiner Rezeptur überwogen noch die Gewürze und vor allen Dingen der Brandy, um die Soße haltbar zu machen, denn aufgrund der kurzen Erntezeit mussten diese irgendwie konserviert werden. Neben den schon genannten Zutaten wurde dafür auch Kohleteer verwendet, dennoch bildeten sich immer wieder toxische Mengen an Bakterien und Sporen. Das angebliche Wundermittel mit Heilkräften konnte also durchaus giftig wirken….

Henry J. Heinz, Sohn deutscher Auswanderer, verkaufte in den 1870ern zunächst eingelegten Meerettich – aber nicht in Dosen, sondern in Gläsern, denn er wollte, dass man die Qualität des Produktes von aussen sehen konnte. Im wachsenden Markt der Lebensmittelkonserven kam er dann auf die Idee, das toxische Ketchup zu entgiften und auf die gefährlichen Zusatzstoffe zu verzichten. Er nutzte Essig, also Säure als konservierendes Element, musste aber zur Geschmacksbalance ordentlich Zucker hinzufügen. Ketchup ist also ein Produkt, dessen Geschmack nicht wegen des Geschmackes, sondern wegen der Haltbarkeit kreiert wurde. Noch heute befindet sich in Heinz-Ketchup 25,5 gr Zucker auf 100 gr Ketchup, was einer Menge von 48 Stück Würfelzucker entspricht, wie Stiftung Warentest 2016 feststellte.

Doch das Produkt erfreute sich großer Beliebtheit, schon 1900 war Heinz Marktführer, 1905 stellte er 5 Mio. Flaschen pro Jahr her, 1907 bereits 13 Mio. In Deutschland blieb Ketchup zunächst ein Importprodukt, erst 1937 wurde die erste Produktion in Bremen aufgenommen. Den Durchbruch erlebte das Ketchup aber bei uns erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als GIs und Briten ihre Lieblingssoße bei uns einführten.

Berühmt wurde Heinz mit seiner Flaschenhals-Banderole und dem Begriff „57 Varieties“. Angeblich soll man hier draufklopfen, wenn der Ketchup nicht schnell genug aus der Flasche fließt, die ideale Flußgeschwindigkeit soll übrigens bei 0,045 km/h liegen…. Heinz sah in New York das Werbeschild eines Schusters, der 21 verschiedene Schuharten anbot, und fand die Idee so umwerfend, dass er seine beiden Glückszahlen 5 und 7 miteinander kombinierte und so die „57 Varieties“ erfand.

Auch wenn die Familie Heinz die Marke und die Produktion schon lange verkauft hat, so werden immer noch in jeder Sekunde 3 Flaschen Heinz-Ketchup in einer der über 140 Ländern, in denen sie erhältlich sind, verkauft. Nur ein Rückschlag musste in jüngster Zeit verkraftet werden: Nach einer über 40jährigen Beziehung kündigte McDonalds Heinz 2013 seine Freundschaft, da der neue Geschäftsführer Bernado Hess früher bei Burger King tätig war….da versteht man keinen Spaß.

Und abschließend noch eine kleine Anekdote: Der Vetter von H.J. Heinz kam ebenso wie er aus Kallstadt in der Pfalz und hieß Friedrich Trump, ein Vorfahr des jetzigen Präsidenten…die Welt ist klein.