makketing auf die Ohren – wie alles anfing

Wie doch die Zeit vergeht… Vor 8 Jahren, im Januar 2010, war ich das erste Mal zu Gast bei radioeins in Potsdam-Babelsberg und lernte dort die 2auf1-Crew kennen: die Moderatoren Daniel und Sven sowie Dave, den Redakteur. Die Chemie stimmte und schon bald darauf war ich das erste Mal als Marketing-Experte on air. Fast 75 Interviews sind in diesem Zeitraum entstanden – und da ich mich selbst nicht mehr an alle erinnern konnte, werde ich nun in loser Reihenfolge, aber chronolgisch hier die Takes noch einmal posten.

Es begann alles mit sauber, rein und keimfrei….

…gefolgt von der (männlichen) Problemzone Gesicht:

Abschließend mein drittes Interview zum Thema „künstlicher Hype“:

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 

Die Zuckerpuppe mit der Tütensuppe

„Tüte“ lautet das Sujet der heutigen Zwei auf eins-Sendung bei radioeins.So ein Thema kommt mir ja normalerweise gar nicht in die Tüte (haha), aber was es denn nun mit der Tütensuppe auf sich hat, das fand ich wiederum spannend genug, um doch nach Babelsberg zu fahren:

Wenn wir über Tütensuppe reden wollen, dann kommen wir an drei Namen nicht vorbei: Justus Liebig, Julius Maggi und die Gebrüder Knorr.

Der Chemiker Justus Liebig entwickelte 1852 ein „Fleischinfusum“, um Menschen mit schweren Magen und Darmerkrankungen vor dem Tod zu retten. Er fertigte daraus dann das bekannte „Liebigs Fleischextrakt“, das jedoch nur wenig und zunächst auch nur über Apotheken verkauft wurde. Erst als der deutsche Ingenieur Georg Christian Giebert 1862 von Liebig die Lizenz zur Großproduktion in Uruguay bekam, wurde der Fleischetrakt in großen Mengen produziert und weltweit verkauft.  Als Nahrungsmittel für die arme Bevölkerung war es zu teuer, es setzte sich aber als Würze für Suppen und andere Speisen durch, auch dank der Sammelbilder (die natürlich stets den Zeitgeist wiedergaben):

Letzendlich ist der Extrakt lediglich das Ergebnis vom Vorgang des Auskochens. Man reduziert die Fleisch- und Knochensuppe so lange, bis ein eigentlich ungenießbarer Bodensatz übrig bleibt, bestehend aus Eiweiß, Fett und Würze. Kocht man diesen wieder mit Wasser auf, entsteht eine Suppe. Liebig kochte den Fleischextrakt zusammen mit Gemüse, würzte ihn, vermischte ihn mit Fett und presste ihn in Form. Fertig war der Brühwürfel.

Die Gebrüder Knorr übernahmen von ihrem Vater eine Fabrik, die bereits auf die Produktion von Mehlen und Dörrobst spezialisiert war. 1889 übernahmen sie die Produktion der „Erbswurst“, die schon im deutsch-französischen Krieg an die Soldaten als eiserne Ration verteilt wurde. Diese bestand ursprünglich aus Erbsenmehl, Rinderfett, entfettetem Speck, Speisesalz, Zwiebeln und Gewürzen. Heute liest sich die Zutatenliste ein wenig anders: Erbsmehl, geräucherter Speck, Palmöl, Speisesalz, geräucherte Hefe, Rauch- und andere Aromen sowie vor allem Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat, Dinatriuminosinat, Dinatriumguanylat und Hefeextrakt.

Für Knorr warb selbst ein Kaiser, wenngleich als junger Mann….

Der Schweizer Julius Maggi wollte weniger die Soldaten ernähren, sondern war vielmehr um das Wohl der Arbeiterinnen und Arbeiter in den zahlreichen Fabriken besorgt. Diese ernährten sich meist schlecht, denn die knappe Zeit zum Kochen und minderwertige Produkte führten zu wenig nahrhaften Essen. Vitamine und Ballaststoffe fehlten, so dass die Folge Mangelkrankheiten und eine erhöhten Sterblichkeit war. Maggi erfand 1884 ein Mehl aus Hülsenfrüchten, den so genannten Leguminosen und kurze Zeit später gab es auf dieser Basis auch die ersten Fertigsuppen, 1886 dann auch als erste Trockensuppe. Aufreissen, anrühren, aufkochen – fertig war die Suppe!

Nun schienen diese Suppen doch ein wenig fad zu schmecken, denn schon kurze Zeit später erfand Julius Maggi auch die Maggi-Würze, die hauptsächlich aus Sojabohnen und Weizen bestand. Sie wurde zum Konkurrenten von dem Fleischextrakt, den Justus von Liebig schon 1840 zusammengerührt hatte und der inzwischen weltweit verkauft wurde.

Julius Maggi erkannte ebenso schon früh die Bedeutung von Werbung. Er gründete ein „Reclame- und Pressebureau“ und machte sowohl seinen Namen als auch das rot-gelbe Logo und insbesondere die Flasche zur unverwechselbaren Marke.

Ihre charakteristische Form mit dem dicken Bauch, dem langen Hals und dem kleinen Dosierkopf soll Julius Maggi selbst entworfen haben, diese soll an ein Ausrufezeichen erinnern. Mit wenig Aufwand lässt sich so ein Ausrufezeichen in der Küche setzen!

Der später dann berühmt gewordene Autor Frank Wedekind verdiente sich sein erstes Geld mit Reklame-Texten für „Maggi“, auch wenn diese heute für uns eher sperrig klingen:

“Die Poesie ist die Würze des Lebens, der Witz die Würze der Unterhaltung, wie Maggi`s Suppen- und Speisewürze diejenige eines jeden guten Mittagstisches.“

Musik in meinen Werbeohren ist dann eher dies:

«Das wissen selbst die Kinderlein: Mit Würze wird die Suppe fein. Drum holt das
Gretchen munter die Maggi-Flasch’ herunter.»

Mit Erfolg, denn heute steht Maggi-Würze nach wie vor in jeder sechsten Küche in Deutschland…

Julius Maggi erfand aber nicht nur die Tüten-Suppen und die Maggi-Würze, er setzte sich zudem sehr für seine Arbeiter ein und gründete zum Beispiel eine eigene Renten- und Krankenkasse. Er ließ Firmenkantinen, Wohnungen und Ferienheime bauen, in die er seine Arbeiter in den Urlaub schickte.

Im 1. Weltkrieg geriet „Maggi“ im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten: In Frankreich war Julius Maggi ebenfalls mit seinen Brühwürfeln sehr erfolgreich, allein 1912 verkaufte er bis zu 6 Millionen Brühwürfel unter dem Namen „Bouillon Kub“ – monatlich!  Der Erfolg lag auch in der Verpackung in schönen Metalldosen und dem Aufhängen zahlreicher Plakate und Metallschilder mit Werbung. Doch zu Beginn des Krieges verbreitete sich das Gerücht, Maggi sei eine deutsche Firma, die also dem damaligen „Feind“ gehörte. Die Werbeschilder würden in Wirklichkeit dazu dienen, den deutschen Truppen die strategischen Stützpunkte zu verraten. Die Bürgermeister der Städte wurden aufgefordert, alle Maggi-Würfelwerbungen, die sich in Ihrer Gemeinde, in der Nähe der Bahngleise oder in der Nähe von wichtigen Bauwerken wie Brücken, Tunneln, Viadukten oder Abzweigungen befinden, zu vernichten. Alle Werbeplakate wurden entfernt und Maggi wurde der Spionage beschuldigt.

Trotz der vielen Geschmacksverstärker spricht aus Expertensicht nichts dagegen, solche Produkte zu nutzen, da sie in der Regel aus guten Zutaten schonend hergestellt werden, wie manche Ernährungsexperten meinen. Für frische Waren seien Tütensuppen und Würzmischungen auf Dauer jedoch kein Ersatz. Dennoch muten manche Tricks an wie direkt aus Frankensteins Labor: So wird Transglutaminase (ein Enzym, das Eiweißmoleküle miteinander vernetzt) dazu eingesetzt, dass Fleischreste zu kompletten Filetstücken veredelt werden und Würstchen mehr Biss bekommen. Rohstoffe können somit eingespart und Fleischreste wieder in ganze Stücke gewandelt werden. Wohl bekomm’s!

Die schönsten Pausen sind Milka

Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel das sind die Herren von „Zwei auf eins„… nein, natürlich nicht, aber das Thema der heutigen Sendung lautet „Kuh“ und ich bin in das radioeins-Studio geladen, um über die berühmteste lila Kuh ever zu sprechen: die Milka-Kuh.

Die lila Kuh, wer kennt sie nicht? Selbst, wenn sie als so plumpe Fälschung daher kommt:

Doch wie kam die Kuh zur Schokolade und vor allen Dingen: Wie wurde sie lila?

Die Geschichte beginnt mit dem Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard, der mit Schweizer Uhren und Stickereien bestückt in die USA auswanderte. Sein Plan, damit zum erfolgreichen Geschäftsmann zu werden, ging jedoch nicht auf und so kehrte er 1824 in die Schweiz zurück. Er eröffnete dort seine eigene Confiserie und stieg in die Massenproduktion von Schokolade ein, indem er bis zu 30 kg Schokolade am Tag selber herstellte. Diese Schokolade enthielt jedoch noch keine Alpenmilch und war zartbitter. Erst ab 1890 entwickelte Suchard die Milchschokolade und 1901 wurde dann die Marke „Milka“ registriert (MILch und KAkao).

Die ersten Tafel waren bereits lila und auch die Kuh lässt sich auf ihnen schon wiederfinden:

Doch es gab harte Konkurrenz für unsere Kuh: Um die Exotik des Kakaos zu betonen wurde Milka beispielsweise 1913 mit Papageien beworben, selbst ein Kamel war auf der Verpackung zu finden. Größter Konkurrent wurde jedoch ein Bernhardiner, der statt des berühmten Fäßchens eine Tafel Milka um den Hals trug.

Aber die Kuh setze sich letztendlich durch.

Lila wurde die Kuh dann 1973: Adelheid, ein mehrfach preisgekröntes Rind aus Simmenthal, hatte die Idealmaße, einen großen Kopf, geschwungene Hörner und einen gerade Rücken. Unter tierärztlicher Aufsicht wurde sie – nur auf einer Seite, wahrscheinlich ihrer Schokoladenseite – mit wasserlöslicher Farbe besprüht, was durchaus etwas länger dauern konnte, steht so ein Rindvieh doch nicht gerne lange still…

Seit 2004 ist das Milka-Lila geschützt, keine andere Schokolade darf so lila sein. Dabei ist dies ja eine sehr ungewöhnliche Farbe für Lebensmittel… wenn das Brot lila schimmert, solltet ihr es lieber nicht mehr essen…

Milka hat mit seinen Agenturen zusammen ein gutes Gespür für kultige Werbung entwickelt. Erinnert sei hier an den Alm-Öhi Peter Steiner:

oder auch an die sportlichen lila Pausen:

Und mittlerweile geht die Kuh sogar zur Schule:

Apropos Schule: Tatsächlich hat 1995 bei einem Malwettbewerb mit 40.000 bayrischen Schülern jedes dritte Kind die Kühe auf dem Malbogen lila ausgemalt….

 

 

 

 

Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä – Hauptsache: Geschenke!!!!

Auch am heiligsten aller heiligen Sonntage führt mich mein Weg ins romantische Potsdam-Babelsberg zum „radioeins„-Studio, um dort mit den Jungs von „Zweiaufeins“ ein wenig über Geschenke, Marketing und Weihnachten zu plauschen:

Jedes Jahr das gleiche Bild: Kaum ist der Totensonntag vorbei, startet die vorweihnachtliche Schlacht um den Konsumenten, besser gesagt, um seine Euros. Und jedes Jahr kommt es uns so vor, als würde es immer noch mehr, noch lauter und noch bunter….

Aber wieso schenken wir uns überhaupt etwas zu Weihnachten? Dazu gibt es die verschiedensten Erklärungsansätze: So hat uns Gott ja quasi seinen Sohn an Weihnachten geschenkt, was den Menschen Anlass genug sein sollte, ebenso Gaben zu verteilen. Auch die heiligen drei Könige brachten Geschenke (Weihrauch, Gold und Myrrhe) für das Christkind mit, weshalb in manchen Ländern erst am 6. Januar die Geschenke übergeben werden. Historisch betrachtet wurde hier von den Christen ein heidnischer Brauch übernommen: Die alten Römer feierten zum Jahresende die Saturnalien, an denen die Reichen den Armen gute Gaben schenkten, auch um den eigenen Wohlstand zu demonstrieren. So sammeln Christen am 17. Dezember, dem Lazarus-Tag, Essen, Kleidung und andere lebensnotwendige Dinge, damit diese dann zu Weihnachten an Bedürftige verschenkt werden können.

Im Mittelalter rückten die Kinder in den Mittelpunkt des Schenkens: Zunächst erhielten sie am 28. Dezember Gaben zum „Fest der unschuldigen Kinder“, dann verlagerte sich dies jedoch auf den 6. Dezember (St. Nikolaus) für die Jungs und auf den 13. Dezember für Mädchen (St. Lucia). Es war Luther, der sich daran störte, denn im protestantischen Glauben war kein Platz für Heilige als Mittler zwischen Mensch und Gott. Und so setzte er den Anspruch, dass die Geschenke am 24.12., zur Geburt des Heiligen Christus, zu übergeben seien, wie auch hier im Clip erklärt wird:

Erst im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten dann „bürgerlich“ und als Fest für die ganze Familie verstanden, was dazu führte, dass die Zahl der Beschenkten und der Geschenke merklich anwuchs:

Und so sagt der HDE, der Handelsverband Deutschland, auch dieses Jahr wieder einen neuen Rekord für den Einzelhandel voraus: 94,5 Milliarden Euro sollen umgesetzt werden, was 466,- € pro Kopf entspricht. Doch nicht alle Beteiligten profitieren in gleicher Weise davon, denn von dem Gesamtplus von 3% im Handel wird der Online-Handel mit 10% erwartetem Umsatzplus der größere Gewinner sein. 51% der Deutschen gaben einer Umfrage zufolge an, dieses Jahr ihre Geschenke ausschließlich online einzukaufen. Der stationäre Handel muss sich also etwas einfallen lassen – und das führt genau zu dem oben beschriebenen Weihnachtsoverkill: noch mehr Event, mehr Clowns, mehr Livemusik, mehr Modenschauen….. Und mit noch mehr Gedöns werden dann weitere Kunden aus den Städten vor die Rechner getrieben, denn mir geht beispielsweise dieser Rummel so auf die Nerven, dass auch ich immer mehr online bestelle. Ein Teufelskreislauf also?

Könnte der Handel nicht einfach auf das rummelige Weihnachtsgeschäft verzichten? Wohl kaum, denn fast 20% des Jahresumsatz werden in den Adventswochen erzielt – durchschnittlich. Manche Branchen wie Spielwaren, Bücher, Unterhaltungseletronik, Uhren machen zwischen 25 – 40% ihres Gesamtumsatzes in diesem Zeitraum, ein Wegbrechen des Weihnachtsgeschäftes wäre also katastrophal. Eher wird versucht, die Einkaufszeit zu verlängern, um noch mehr Umsatz zu machen, z.B. mit dem „Black Friday“ und dem „Cyber Monday“. 1,7 Milliarden Euro Umsatz haben den deutschen Einzelhändlern diese beiden Tage im letzten Jahr beschert – und damit war der „Black Friday“ 2016 der drittstärkste Umsatztag im Weihnachtsgeschäft nach dem 12. und dem 19.12.

Der Geschenke-Wahnsinn wird also vermutlich immer so weiter gehen, denn der Kreativität des Handels sind keine Grenzen gesetzt. Zu wichtig sind die Einnahmen aus den letzten Wochen des Jahres, als dass man auf diese verzichten könnte.

Ich habe ja beschlossen, mich diesem ganzen Stress zu entziehen, Für mich hat Weihnachten nichts mehr mit Konsum zu tun. Ich setze mich heute abend mit meinem Lieblingsessen zu meinem Weihnachtsbaum, den ich passend feierlich geschmückt habe:

In diesem Sinne wünsche ich allen makketing-Freunden: Frohe Weihnachten und:

Bevor es zu spät ist: Support your local Späti!

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? – das könnte man sich am 3. Advent glatt fragen, wenn man noch kein einziges Weihnachtsgeschenk hat… „Spät“ ist jedoch das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung und aus diesem Anlass widme ich mich einer bedrohten Spezies, dem Späti:

Spätis sind aus Berlin nicht mehr wegzudenken und als Nahversorger ein wichtiger Bestandteil der Kiez-Kultur. In Berlin gibt es gut 1.000 Spätis, man findet sie jedoch auch in Leipzig, Dresden und vielen anderen ostdeutschen Bundesländern. Denn tatsächlich ist der „Spätverkauf“ ein Überbleibsel der DDR-Zeit, sollten doch die Schichtarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit Lebensmittel wie auch Genußartikel erhalten können. Im Westen Deutschlands gab und gibt es hingegen die „Trinkhallen“, in denen die im Zuge der Industrialisierung rasch anwachsende Zahl an Arbeitern und Arbeiterinnen mit Trinkwasser versorgt wurden. Später kamen dann Bier, Schnaps und Tabak hinzu. Was dem einen sein Späti, ist also dem anderen seine Trinkhalle und dem Rheinländer sein Büdchen….

Was früher „Tante Emma“ war, ist heute „Onkel Ahmed“, denn neben dem Verkauf haben alle diese Läden eine wichtige soziale Funktion: Sie sind Orte des kommunikativen Austausches; man trifft sich, kommt ins Gespräch, pflegt soziale Kontakte und erfährt hier ganz konkrete Nachbarschaftshilfe, wie der folgende arte-Beitrag zeigt:

Doch es droht Ungemach in Form des Berliner Ladenöffnungsgesetzes, hier heißt es nämlich in §4:

(1) An Sonn- und Feiertagen dürfen öffnen:Verkaufsstellen, die für den Bedarf von Touristen ausschließlich Andenken, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiseführer, Tabakwaren, Verbrauchsmaterial für Film- und Fotozwecke, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch sowie Lebens- und Genussmittel zum sofortigen Verzehr anbieten, von 13.00 bis 20.00 Uhr und am 24. Dezember, wenn dieser Tag auf einen Adventssonntag fällt, von 13.00 bis 17.00 Uhr

sowie

Verkaufsstellen, deren Angebot ausschließlich aus einer oder mehreren der Warengruppen Blumen und Pflanzen, Zeitungen und Zeitschriften, Back- und Konditorwaren, Milch und Milcherzeugnisse besteht, von 7.00 bis 16.00 Uhr

also ganz eindeutig Spätis nicht, denn auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist sonntags nicht erlaubt. Gestattet sind also Bedarfsartikel für Touristen, Zeitungen, Andenken, Tabakwaren, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch (Anti-Mückenspray, Wundpflaster) sowie Lebensmittel und Genussmittel zum sofortigen Verzehr, also Getränke, Süßwaren, Eis, belegte Brötchen, Obst, Konditorwaren und abgepacktes Eis. Nicht erlaubt sind Lebensmittel zur Zubereitung, Tiefkühlwaren, Gerichte in Dosen, sowie Waren zur Vorratshaltung im Haushalt, etwa große Waschmittelpackungen. Und auch wenn manche Spätis diese Waren sonntags mit Decken verhüllen und „unsichtbar“ machen, so verhängt das Ordnungsamt dennoch unerbittlich Bußgelder bis zu 2.500 € (inbesondere in Neukölln).

Für Tankstellen gilt hingegen eine Ausnahmeregelung, wenden sich diese doch an Reisende und die Mitreisenden. Konsequenterweise dürften also Tankstellen ihre Waren nicht an Fußgänger verkaufen (außer er ist deutlich als Wanderer auf der Durchreise zu identifizieren…). Den Spätis wird es also zum Verhängnis, dass sie Nahversorger im Kiez sind und deren Kunden dort wohnen. Und die menschliche Funktion des Spätis ist im Gesetzt nicht vorgesehen. Doch es regt sich Widerstand:

Und auch der Berliner Späti e.V. will den Tankstellen nicht kampflos das Feld überlassen. Wer seinen Späti also liebt, der sollte ihn auch weiterhin unterstützen, und Druck auf die Politik machen, denn die Tankstellen verfügen über eine starke Lobby, denen die Spätis natürlich ein Dorn im Auge sind, wenn es um den Umsatz geht. Rettet euren Späti, denn:

Oh Wunderbaum, oh Wunderbaum, wie grün riecht jetzt der Innenraum…

„Üble Gerüche überdecken“ – auf dieses Thema kam der begnadete Redakteur Dave von 2auf1, als es um den Marketing-Aspekt des Themas „Decke“ gehen sollte. Und so sprach ich nun am Sonntag im radioeins-Studio über das Thema „Wunderbaum“:

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Bäumchen im zweistelligen Millionenbereich  verkauft und man kann die deutsche Bevölkerung getrost einteilen in diejenigen, die den Wunderbaum lieben – und diejenigen, die ihn hassen. Vater des Wunderbaums ist Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker mit deutschen Wurzeln. Dieser forschte über die Gewinnung von Kiefernadelöl und wie es der Zufall (oder die Legende) so wollte, traf er eines Tages den Fahrer eines Milchwagens, der sich über die üblen Gerüche ausgelaufener Milch in seinem Fahrzeug beklagte. Sämann konzentrierte den Kieferduft auf einen Karton und gründete 1952 sein Unternehmen.

Die in den USA „Little Trees“ genannten Bäumchen fanden großen Anklang bei Taxifahrern, die ihren Fahrgästen frischen Duft und eine schöne Dekoration bieten wollten. Mittlerweile erfreuen sich die Geruchsbomben fast weltweit großer Beliebtheit:

Wunderbaum – erfrischt nicht nur die Luft, sondern auch das Herz. Dieser Satz ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern der Claim der Marke.

Von den über 60 Düften, die es mittlerweile gibt, führt in Deutschland mit Abstand „Vanille“ das Feld an, gefolgt von „Sportfrische“ und „Neuwagen“, es gibt aber auch „Cocktail Trees“ in den Geschmacks…ääh…Geruchsrichtungen „Pina Colada“, „Mai Tai“ und „Margarita“ (wonach reicht eigentlich eine Margarita??) oder auch die „Rock Range“, unter anderem mit den Düften „Born to Rock“ und „Wild Child“.

Auf der nach oben offenen Odeur-Skala ist also noch vieles möglich, nur eines sollte man nie: die Folie ganz vom Bäumchen entfernen, denn dann kommt es zum olfaktorischen Overkill. Also immer nur Stückchen für Stückchen runterziehen und tief durchatmen….

Schließen möchte ich jedoch mit diesem sehr sehenswerten Beitrag: Unboxing the Wunderbaum 🙂

Universal Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Millionär – wer träumt nicht davon? Zumindest Herr Finger und Herr Oswald von „Zwei auf Eins“ versuchen  noch, mit ehrlicher Moderationsarbeit reich zu werden, und luden mich zur Unterstützung ins radioeins-Studio, um mit Ihnen über den Mythos des Tellerwäschers zu reden:

Woher kommt dieser Grundglaube des „American Dream“, dass jeder es schaffen kann, wenn er sich nur genug anstrengt? Als Einwanderungsland zogen die Vereinigten Staaten all jene an, die einen neuen Start wagen wollten. Die Immigranten kamen oftmals mittellos mit kaum mehr als ein paar armseligen Besitztümer an und arbeiteten hart für den Neuanfang. Einige schafften es, sich erfolgreich zu etablieren, andere scheiterten hingegen und einige wenige wurden durch Fleiß, Leistung und natürlich durch Glück sehr vermögend. Der Glaube an die Möglichkeit des sozialen Aufstieges in eine höhere Klasse macht daher einen entscheidenden Teil des amerikanischen Nationalsbewußtseins aus, inklusive mythischer Verklärung:

 

Fast 80% der US-Amerikaner glauben nach der Hertz-Studie fest an diesen Grundsatz, obwohl nur 1% es tatsächlich aus armen Verhältnissen in die obersten 5% der vermögenden US-Bevölkerung schaffen. Der Haken an der Sache ist eben, dass Fleiß, Leistung und Anstrengung alleine nicht ausreichend sind – sonst wären mit Sicherheit schon die meisten von uns mehrfache Millionäre. Neben Bildung ist Glück nach wie vor der entscheidende Faktor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Natürlich unterschlagen die vielen Erfolgsratgeber diesen Umstand gerne, wirkt er doch wie ein Verkaufsgift.

Wenn wir uns nicht vor Augen halten, dass Glück der Erfolgsfaktor ist, dann finden wir uns schnell in einer Falle wieder, denn dann bedeutet ja der Umkehrschluss, dass wir uns eben noch nicht genug angestrengt haben und noch nicht genug Leistung erbracht haben – da wir noch erfolglos sind. Das ist natürlich Humbug, treibt aber viele Menschen in die (Selbst)Optimierungsfalle: Immer noch mehr geben, noch mehr leisten, damit sich endlich der Erfolg einstellt.

Man geht hier dem sogenannten „Survivorship Bias“ auf den Leim: Die wenigen erfolgreichen Menschen bekommen mehr Aufmerksamkeit als die vielen Gescheiterten. Im zweiten Weltkrieg untersuchten britische Flugzeugingenieure die Einschusslöcher der Flugzeuge, die nach einem Kampfeinsatz zurückkehrten. Es wurde festgestellt, dass die Einschusslöcher dabei nicht gleichmäßig verteilt waren. Manche Stellen wurden deutlich häufiger getroffen als andere. Man kam nun auf die Idee, diese häufig getroffenen Stellen besonders zu verstärken. Der Mathematiker Abraham Wald riet davon ab, denn die Flugzeuge waren ja trotz der Einschüsse sicher zurückgekommen und gelandet.Die Flugzeuge, die jedoch abgeschossen wurden, wurden wahrscheinlich genau an den Stellen getroffen, an denen man bei den zurückgekehrten Flugzeugen keine Löcher fand. Wald empfahl daher, die Flugzeuge an den Stellen zu verstärken, an denen keine Einschüsse gefunden wurden – und hatte damit Recht.

Bildquelle: McGeddon

Wir ziehen also die falschen Schlüsse, wenn wir uns nur auf Selfmade-Menschen konzentrieren und deren angeblichen Erfolgsrezepte. Lieber sollten wir die Gescheiterten im Blick behalten und von deren Fehlern lernen.

Ob Jamie Oliver, der als Küchenhilfe anfing, oder Jürgen Gosch, der als Kind mit Krabbenpulen sein erstes Geld verdiente und dann als Aalverkäufer am Sylter Strand seine Karriere startete, ob Starbucks-Gründer Howard Schultz, der sich sein Studium durch Blutspenden finanzierte, oder Guy Laliberté, der vom kleinen Straßenkünstler zum großen „Cirque du Soleil“-Macher wurde, sie haben es alle nicht geschafft, weil sie härter arbeiteten als die anderen, sondern weil im richtigen Moment sich für sie die richtigen Türen geöffnet haben und sie ihre Chancen ergriffen.