Oh Wunderbaum, oh Wunderbaum, wie grün riecht jetzt der Innenraum…

„Üble Gerüche überdecken“ – auf dieses Thema kam der begnadete Redakteur Dave von 2auf1, als es um den Marketing-Aspekt des Themas „Decke“ gehen sollte. Und so sprach ich nun am Sonntag im radioeins-Studio über das Thema „Wunderbaum“:

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Bäumchen im zweistelligen Millionenbereich  verkauft und man kann die deutsche Bevölkerung getrost einteilen in diejenigen, die den Wunderbaum lieben – und diejenigen, die ihn hassen. Vater des Wunderbaums ist Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker mit deutschen Wurzeln. Dieser forschte über die Gewinnung von Kiefernadelöl und wie es der Zufall (oder die Legende) so wollte, traf er eines Tages den Fahrer eines Milchwagens, der sich über die üblen Gerüche ausgelaufener Milch in seinem Fahrzeug beklagte. Sämann konzentrierte den Kieferduft auf einen Karton und gründete 1952 sein Unternehmen.

Die in den USA „Little Trees“ genannten Bäumchen fanden großen Anklang bei Taxifahrern, die ihren Fahrgästen frischen Duft und eine schöne Dekoration bieten wollten. Mittlerweile erfreuen sich die Geruchsbomben fast weltweit großer Beliebtheit:

Wunderbaum – erfrischt nicht nur die Luft, sondern auch das Herz. Dieser Satz ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern der Claim der Marke.

Von den über 60 Düften, die es mittlerweile gibt, führt in Deutschland mit Abstand „Vanille“ das Feld an, gefolgt von „Sportfrische“ und „Neuwagen“, es gibt aber auch „Cocktail Trees“ in den Geschmacks…ääh…Geruchsrichtungen „Pina Colada“, „Mai Tai“ und „Margarita“ (wonach reicht eigentlich eine Margarita??) oder auch die „Rock Range“, unter anderem mit den Düften „Born to Rock“ und „Wild Child“.

Auf der nach oben offenen Odeur-Skala ist also noch vieles möglich, nur eines sollte man nie: die Folie ganz vom Bäumchen entfernen, denn dann kommt es zum olfaktorischen Overkill. Also immer nur Stückchen für Stückchen runterziehen und tief durchatmen….

Schließen möchte ich jedoch mit diesem sehr sehenswerten Beitrag: Unboxing the Wunderbaum 🙂

Universal Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Millionär – wer träumt nicht davon? Zumindest Herr Finger und Herr Oswald von „Zwei auf Eins“ versuchen  noch, mit ehrlicher Moderationsarbeit reich zu werden, und luden mich zur Unterstützung ins radioeins-Studio, um mit Ihnen über den Mythos des Tellerwäschers zu reden:

Woher kommt dieser Grundglaube des „American Dream“, dass jeder es schaffen kann, wenn er sich nur genug anstrengt? Als Einwanderungsland zogen die Vereinigten Staaten all jene an, die einen neuen Start wagen wollten. Die Immigranten kamen oftmals mittellos mit kaum mehr als ein paar armseligen Besitztümer an und arbeiteten hart für den Neuanfang. Einige schafften es, sich erfolgreich zu etablieren, andere scheiterten hingegen und einige wenige wurden durch Fleiß, Leistung und natürlich durch Glück sehr vermögend. Der Glaube an die Möglichkeit des sozialen Aufstieges in eine höhere Klasse macht daher einen entscheidenden Teil des amerikanischen Nationalsbewußtseins aus, inklusive mythischer Verklärung:

 

Fast 80% der US-Amerikaner glauben nach der Hertz-Studie fest an diesen Grundsatz, obwohl nur 1% es tatsächlich aus armen Verhältnissen in die obersten 5% der vermögenden US-Bevölkerung schaffen. Der Haken an der Sache ist eben, dass Fleiß, Leistung und Anstrengung alleine nicht ausreichend sind – sonst wären mit Sicherheit schon die meisten von uns mehrfache Millionäre. Neben Bildung ist Glück nach wie vor der entscheidende Faktor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Natürlich unterschlagen die vielen Erfolgsratgeber diesen Umstand gerne, wirkt er doch wie ein Verkaufsgift.

Wenn wir uns nicht vor Augen halten, dass Glück der Erfolgsfaktor ist, dann finden wir uns schnell in einer Falle wieder, denn dann bedeutet ja der Umkehrschluss, dass wir uns eben noch nicht genug angestrengt haben und noch nicht genug Leistung erbracht haben – da wir noch erfolglos sind. Das ist natürlich Humbug, treibt aber viele Menschen in die (Selbst)Optimierungsfalle: Immer noch mehr geben, noch mehr leisten, damit sich endlich der Erfolg einstellt.

Man geht hier dem sogenannten „Survivorship Bias“ auf den Leim: Die wenigen erfolgreichen Menschen bekommen mehr Aufmerksamkeit als die vielen Gescheiterten. Im zweiten Weltkrieg untersuchten britische Flugzeugingenieure die Einschusslöcher der Flugzeuge, die nach einem Kampfeinsatz zurückkehrten. Es wurde festgestellt, dass die Einschusslöcher dabei nicht gleichmäßig verteilt waren. Manche Stellen wurden deutlich häufiger getroffen als andere. Man kam nun auf die Idee, diese häufig getroffenen Stellen besonders zu verstärken. Der Mathematiker Abraham Wald riet davon ab, denn die Flugzeuge waren ja trotz der Einschüsse sicher zurückgekommen und gelandet.Die Flugzeuge, die jedoch abgeschossen wurden, wurden wahrscheinlich genau an den Stellen getroffen, an denen man bei den zurückgekehrten Flugzeugen keine Löcher fand. Wald empfahl daher, die Flugzeuge an den Stellen zu verstärken, an denen keine Einschüsse gefunden wurden – und hatte damit Recht.

Bildquelle: McGeddon

Wir ziehen also die falschen Schlüsse, wenn wir uns nur auf Selfmade-Menschen konzentrieren und deren angeblichen Erfolgsrezepte. Lieber sollten wir die Gescheiterten im Blick behalten und von deren Fehlern lernen.

Ob Jamie Oliver, der als Küchenhilfe anfing, oder Jürgen Gosch, der als Kind mit Krabbenpulen sein erstes Geld verdiente und dann als Aalverkäufer am Sylter Strand seine Karriere startete, ob Starbucks-Gründer Howard Schultz, der sich sein Studium durch Blutspenden finanzierte, oder Guy Laliberté, der vom kleinen Straßenkünstler zum großen „Cirque du Soleil“-Macher wurde, sie haben es alle nicht geschafft, weil sie härter arbeiteten als die anderen, sondern weil im richtigen Moment sich für sie die richtigen Türen geöffnet haben und sie ihre Chancen ergriffen.

 

 

Me so einhorny

Es begab sich vor gar nicht einmal allzu langer Zeit, dass ein scheues, schüchternes Einhorn (moi) sich auf den Weg machte zu radioeins in das kalte Potsdam-Babelsberg, um sich dort den zwei wackeren Recken (die Herren von Zweiaufeins) zu stellen und ihnen ein wenig darüber zu erzählen, warum man heute nur ein Bild von einem Einhorn auf etwas raufpappen muss, um es erfolgreich zu verkaufen:

Und tatsächlich gibt es im Moment kein Produkt, das nicht irgendwie mit Einhörnern wirbt: Vom Turnschuh (Chucks) über Schokolade (Ritter-Sport verkaufte über 150.000 Tafeln an einem Tag), Frappucino ‚(Starbucks), Gewürzmischungen (aus 100 Prozent Einhornpups) bis hin zu Toilettenpapier:

Doch woher kommt auf einmal dieser Hype? Sind Einhörner wirklich die neue Diddl-Maus?

Zunächst einmal quälten uns die süßlichen Viecher quasi schon immer. Wer sich in meinen Altersgefilden bewegt, erinnert sich bestimmt noch an dieses Machwerk: The last Unicorn von 1982.

Doch in den letzten Jahren trafen zwei Umstände aufeinander: Zum einen die Startup-Wirtschaft, die den Begriff „Unicorn“ prägte für jene Gründungen, die es schaffen, in kurzer Zeit mit einer Milliarde US-Dollar bewertet zu werden (wie z.B. Skype, Spotify, Zalando, Delivery Hero). Zum anderen die Infantilisierung der jungen Erwachsenen: Während wir es kaum erwarten konnten, endlich erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen mit aller Kraft und allem Kitsch an ihrer Jugendphase festhalten.

Die Sehnsucht nach der besseren Welt (der Kindheit) in harten Zeiten – und welches Symbol eignet sich da besser als das niedliche, leicht phallische Einhorn, dem schon seit dem Mittelalter magische Kräfte zugesprochen werden? Zudem steht das Einhorn in dem Ruf, etwas Einzigartiges zu sein. Daher werden Einhorn-Produkte auch gerne künstlich limitiert auf den Markt gebracht, denn man muss schnell sein, wenn man ein Einhorn fangen möchte.

Zunächst wurde dieser Trend von der Unterhaltungsindustrie befeuert, die kleinen wie großen Mädchen immer neue Einhorn- und Feen-Geschichten erzählt, wie z.B. bei der beliebten Serie (Kika!!!) „Mia and me“:

 

Da in dieser jungen Generation der Ewig-Pubertierenden jedoch alle irgendwas mit Computern machen, entstanden in kurzer Zeit auch viele viele bunte Meme:

Irgendwie passte es dann auch nur noch zu gut, dass 2015 zwei junge Herren auf die Idee kamen, vegane Kondome „auf dem Weg zu Fairness und Nachhaltigkeit“ unter der Marke „Einhorn“ anzubieten. Natürlich lassen es sich die Gründer auch nicht nehmen, gerne und oft im Einhornkostüm Werbung für ihre Marke zu machen:

Und das sehr erfolgreich, denn bislang wurden nach eigenen Angaben über 5 Millionen Einhorn-Kondome verkauft…

Ich bin jetzt kurz davor, einen Glitzer-Zuckerwatten-Schock zu bekommen – und beende meinen bunten Eintrag mit meinem Lieblings-Einhorn-Spot:

P.S.

Übrigens: Einhörner sind soo 2016…. Giraffe ist das neue Einhorn!

 

„Schau, da fliegt eine Berga-Motte!“

…witzelte wahrscheinlich schon der alte Earl Grey, Namensgeber der beliebten Teesorte. „Alt und grau“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung, zu der ich mich in das „radioeins„-Studio begab, um ein wenig über diese und andere Marketing-Legenden zu plaudern.

Charles Grey, 2. Earl Grey (1764-1845), war ein großer Reformator und britischer Premierminister und als dieser hob er u.a. das Preismonopol der East India Company im Teehandel mit China auf. Ein wichtiger Schritt, denn damals wurde bereits sieben Mal mehr Tee als Kaffee in England getrunken.

Wie kam der Tee jedoch nun zu seinem Namen? Darum ranken sich eine Vielzahl von Legenden: Ein Mandarin soll dem Engländer auf einer seiner Reisen nach China den mit Bergamotteöl parfümierten Tee serviert haben, nachdem Grey ihm (wahlweise auch dem Sohn) vor dem Ertrinken gerettet hatte. Es heißt aber auch, dass er gerade Tee trank, als er einen Zweig der Zitrusfrucht geschenkt bekam; weil er sonst nichts damit anzufangen wusste, warf er ein paar Blätter in das Getränk. Die bekannteste Legende besagt jedoch, dass bei einem Sturm auf einer Überfahrt  von China nach England die transportierte Ladung des Schiffes schlecht gesichert war und durcheinander geworfen wurde. Das auslaufende Bergamottöl sickerte auf die Teeballen. Mitgeführte Duftöle schützten damals auf den langen Schiffspassagen den jeweils tief im Schiffsrumpf lagernden Tee vor der Annahme von Moder-, Fisch- und Teergeschmack. Die Ladung sollte nun nach der Ankunft schon vernichtet werden, als Lord Grey auf die Idee kam, den verschmutzten Tee zu probieren. Und siehe da, er schmeckte!

Belegt ist tatsächlich nur, dass Grey den Londoner Hoflieferanten Twinings damit beauftragte, Schwarztee mit dem Öl der Bergamotte zu parfümieren. Der Tee erfreute sich zunächst in der Londoner Oberschicht großer Beliebtheit; heute ist er ein Massenprodukt, selbst in Deutschland macht er fast die Hälfte der aromatisierten Tees aus.

Twinings hatte seinerzeit leider vergessen, sich die Teemischung schützen zu lassen. Also kann der Namen „Earl Grey“ von jedem Teeanbieter genutzt werden. Allerdings ist der königliche Hoflieferant der einzige Produzent, der sich mit der Familie des Namensgebers schmücken darf, und so grüßt der gegenwärtige Earl Grey (der sechste) von der Twinings-Packung.

Eine andere, sehr einträgliche Marketing-Legende erzählt uns die Firma Moleskine. Der Hersteller der kleinen und großen Notizbücher fügt jedem dieser ein kleines Blättchen bei, auf dem die Geschichte der Kladden erzählt wird: So arbeiteten schon Vincent Van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Bruce Chatwin mit diesen Notizbüchern.

Aber hat Hemingway tatsächlich seine Werke in die Notizbücher der Marke „Moleskine“ verfasst? Schwer vorstellbar, denn erst 1997 kamen die uns heute vertrauten Bücher auf den Markt.

Eine der drei Gründerinnen von Moleskine, Maria Sebregondi, erzählte in einem Interview, dass diese Legende wichtig für die Vermarktung war:

Wir präsentierten das Notizbuch zudem mit einer Story: Die Nutzer sollten das Gefühl haben, in solch einem Notizbuch habe schon Ernest Hemingway geschrieben.

Auch Künstler wie Pablo Picasso und Vincent van Gogh nutzten sie. Es war also nicht nur das neue Design des Notizbuches, das entscheidend war, sondern auch die Story und der Vertrieb: So sind wir für die Vermarktung in die Buchhandlungen gegangen. Unsere Notizbücher wurden offeriert als Bücher, die der Käufer erst noch schreiben muss. (…)

Ernest Hemingway hat nie Notizbücher von Moleskine benutzt. Vincent van Gogh natürlich auch nicht. Wenn Sie in ein Museum gehen, können Sie sehen, dass Künstler wie Picasso und van Gogh tatsächlich Skizzenbücher dieser Art benutzt haben. Wir haben also keine Geschichte erfunden. Aber ein Notizbuch von Moleskine war es natürlich nicht. (…)

Wir behaupten nichts Unwahres. Als unsere Notizbücher neu waren, hatte die Story sicherlich noch eine größere Bedeutung als heute. (Quelle)

Der Name „Moleskine“ geht auf den Autoren Bruce Chatwin zurück, der – vergleichbare – Notizbücher aufgrund des Einbandes Moleskin (Maulwurfshaut) nannte. Das «e» am Ende des Wortes kam hinzu, damit man es auf Französisch besser aussprechen kann. Und so kann es auch jeder nennen, wie er möchte.

Auch über Ronald McDonald gibt es tolle Legenden: So sollte er ursprünglich „Donald McDonald“ heißen, aber aus Furcht vor Verwechslung mit Donald Duck (und dem Disney-Konzern), bekam er das „R“ verpasst. Und in Japan soll Ronald ein furchtbarer Flop gewesen sein, da dort weiß bekanntlich die Farbe der Trauer ist und sein weißgeschminktes Gesicht angeblich die Konsumenten abschreckte. Auch das stimmt so natürlich nicht, denn weiß ist in Japan auch die Farbe der Schönheit und der Reinheit, wie man an den weiß geschminkten Gesichtern der Geishas leicht nachvollziehen kann. Der frühe Flop von McDonalds in Japan hatte eher etwas mit der Ablehnung westlicher und insbesonders amerikanischer Lebenskultur zu tun, was sich natürlich heute ganz anders darstellt.

Was mich jedoch am meisten abschreckt, ist der erste Ronald McDonald in der Werbung. Der sah 1963 nämlich noch so aus:

 

 

Bill Gates nie schlecht

Das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung lautet „Mikro“ und an selbiges habe ich mich ins radioeins-Studio begeben, um ein wenig über Microsoft und insbesondere über Bill Gates zu plaudern:

Wie macht man das eigentlich, sein halbes Vermögen verschenken und dann doch wieder zum reichsten Mann der Welt werden? Zunächst müssen wir uns anschauen, wie Bill Gates als Zwanzigjähriger zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen das Microsoft-Imperium aufgebaut hat.

Gates war der Inbegriff des Nerds, der schon zu Schulzeiten (Anfang der 70er) programmierte und mit Allen zusammen einen BASIC Interpreter entwickelte, was – für alle Laien zusammengefasst – mit Programmiersprache zu tun hat. 1975 gründete er mit Allen zusammen ‚Micro-Soft‘, um dieses Programm auch vertreiben zu können.

Kurzer Reise zurück in die Zeit: 1975 hat niemand von uns an PCs gedacht. Im Keller meiner Schule stand der ganze Stolz unseres Mathe-Lehrers, eine Zuse, und dieser Rechner nahm noch einen ganzen Raum ein. Unsere nerdige Informatik-AG bastelte dementsprechend noch mit Lochkarten rum, was mir bald zu langweilig wurde. 1977 startete im SWF die Fernsehsendung „Telespiele“ mit Thomas Gottschalk und das sah dann so aus:

1981 wurde dann die Show in das erste Programm übernommen – just in dem Jahr, in dem Allen und Gates für IBM ein eigenes Betriebssystem entwickelten (tolle Überleitung, oder?). Sie bauten das aus einer Version von QDOS (quick and dirty operating system), was ihnen später die erste Klage wegen Urheberrechtsverletzung einbrachte.

Gates handelte mit IBM einen cleveren Vertrag aus: IBM erhielt nicht, wie sonst damals durchaus üblich, das Copyright. Gates verlangte eine Lizenzgebühr für jede verwendete Version und das Recht, MS-DOS auch an andere Unternehmen verkaufen zu dürfen. IBM glaubte damals nicht daran, dass es jemals einen Massenmarkt für PCs geben könnte und stimmte diesen Vertragsbedingungen daher gerne zu. Ein großer Fehler, wie wir allen wissen, denn 1995 verkauften sich schon über 60 Millionen PCs weltweit, 2005 waren es über 200 Millionen und 2011 über 365 Millionen…und die meisten haben MS-DOS als Betriebssystem – und seit den 90ern das von Gates entwickelte „Windows“ als Benutzeroberfläche.

Damit war die Grundlage für seinen Reichtum gelegt, denn alleine die Microsoft-Aktie stieg Jahr für Jahr. Zwar hält Gates heute nur noch Aktien im Wert von läppischen 330 Mio $, aber sein Vermögen beläuft sich, Stand heute, auf über 80 Milliarden Euro. Auf http://www.live-counter.com/Bill-Gates/ könnt ihr live in Echtzeit mitverfolgen, wie sein Vermögen steigt. Denn angenommen, er würde seine Milliarden nur zu 3% verzinsen, so würde sein Vermögen täglich um über 6,5 Mio. Euro zunehmen: 273.000 € in jeder Stunde = 4.550 € pro Minute = 76 € pro Sekunde!

Natürlich investiert Gates sein Geld in Unternehmensbeteiligungen und so hält er Anteile an Coca Cola wie auch AutoNation, dem größten US-Händler für Neu- und Gebrauchtwagen, und vielen Startups – aber auch an Monsanto. Durch geschickte Investments hat sein Fond-Manager Larson Gates Vermögen von 2009 – 2014 verdoppelt.

Bereits 1999 gründete Gates zusammen mit seiner Frau die „Bill & Melinda Gates Stiftung“ 28 Milliarden $ soll Gates 2007 selbst in seine Stifung investiert haben, deren größtes Ziel neben der Bekämpfung von Krankheiten und Armut das Ende des Welthungers ist. Dafür sammeln sie bei vielen Unternehmen und Unternehmern Geld ein, denn um dieses Ziel zu erreichen, sind 2,5 Billionen US$ (=2.500 Mrd. $) nötig. Auch Waren Buffett hat bereits 82 Mio. Aktien im Wert von 10,5 Mrd $ in die Stiftung gesteckt und angekündigt, 1/6 seines Vermögens an die Stiftung zu vererben. Über 92 weitere Superreiche haben sich diesem Spendenversprechen bereits angeschlossen, denn mehr als eine Absichtserklärung ist es bislang nicht. Pro Jahr investiert die Foundation über 4 Milliarden $ in Gesundheitsprojekte und Impfstoffe. Die mit Abstand größte Privatstiftung der Welt tut also viel Gutes, steht aber auch stark in der Kritik, denn der Trust legt sein Vermögen bei vielen Unternehmen an wie Monsanto, BP, Shell, Exxon, die nicht nur wegen zahlreicher Umweltvergehen, sondern auch wegen Verletzung der Menschenrechte immer wieder in den Fokus geraten.

Dafür, dass die Stiftung den Klimawandel bekämpfen und saubere Energien fördern möchte, ist diese Anlagestrategie doch ein wenig merkwürdig…..

 

 

 

 

 

Dicke Dinger, heiße Würstchen und jede Menge Frischfleisch

„Kann man in diesem Sommer noch unbesorgt seine Würstchen grillen?“, fragen sich viele marketing-affine Grillmeister verunsichert. Ja doch, solange es nicht die Bruzzler von Wiesenhof sind, denn die haben sich wieder einmal eher mit Senf als mit Ruhm bekleckert. Alles zum Fall Wiesenhof und Atze Schröder aber auch zu Werbeskandalen grundsätzlich wollten die Herren von Zweiaufeins wissen und so luden sie mich – immer wieder sonntags – ins radioeins-Studio ein:

Worum geht es? Wiesenhof hat einen Spot für seine Würstchen produzieren lassen und da das deutsche Grillwesen in erster Linie anscheinend von Männern betrieben wird, wählte man Atze Schröder als Testimonial und ließ ihn in bewährter Manier eine Anzüglichkeit nach der nächsten absondern. Hahaha, schenkelklopf, da lacht der deutsche Stammtisch. Dumpf, dumpfer, dieser Spot:

*Aktualisiert*: Dieser Spot wurde bei youtube gelöscht, aber hier findet ihr noch die wesentlichen Aussagen:

Nun hätte das unter „schlechter Geschmack ganz unten“ abgelegt werden können, wäre nicht dieser Satz zu hören:

„Und, seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Hier ist das Ding. Danach müssen Gina und Lisa erst mal in die Traumatherapie.“

Diese Anspielung auf den laufenden Vergewaltigungsprozess von Gina-Lisa Lohfink, der zum medialen Ereignis geworden ist, brachte dem Spot, der bereits seit Ende März auf YouTube zu sehen war, schlagartig ins Gespräch. War er mit seinem Altherrenhumor bislang nur geschmacklos, so war er nach dem Bekanntwerden der Prozessdetails nur noch widerwärtig.

Immerhin eine Entschuldigung folgte:

Der Werbespot ist vor einem Jahr gedreht worden und hätte niemals veröffentlicht werden dürfen.

schreibt Atze Schröder auf seiner Facebook-Seite. Wurde er aber. Und selbst vor einem Jahr waren die Vergewaltigungsvorwürfe in den Medien (seit 2014 wird darüber berichtet) ein Thema und somit bekannt oder zumindest leicht recherchierbar. Der Spot war also auch schon vor einem Jahr unter aller Sau. Spätestens bei der Veröffentlichung auf YouTube im März hätte man aber wissen müssen, dass hier jeglicher Spaß aufhört und mit „man“ meine ich ganz konkret die Marketingverantwortlichen bei Wiesenhof, Atze Schröder, die Agentur, die diesen Spot konzipiert hat, das Team, das diesen Spot produziert hat, usw.

Doch bei Wiesenhof gilt anscheinend: Auch schlechte News sind News und bringen den Fokus auf das Produkt, denn Anzüglichkeiten in Sachen Wurst gehören zum Werbekonzept; der Wahnsinn hat Methode:

In Zeiten knapper Aufmerksamkeit seitens des begehrten Konsumenten muss der Anbieter sich eben etwas einfallen lassen – und was erregt die männliche Aufmerksamkeit als nackte Haut?

Ob Sex sells sei dahingestellt, aber mann guckt zumindest hin. Der Aufschrei empörter Frauen (sind sowieso alles Spaßbremsen) wird ebenso in Kauf genommen wie die mögliche Rüge vom Werberat:

Wenn der Werberat eine Werbemaßnahme beanstandet, wird das betroffene Unternehmen dazu aufgefordert,

  • entweder die Kampagne aus der Öffentlichkeit zu nehmen
  • oder die Werbung entsprechend der Beanstandung abzuändern.

Entspricht ein Unternehmen dieser Aufforderung nicht, rügt der Werberat und schaltet die Öffentlichkeit ein: Die Redaktionen der Massenmedien erhalten eine Mitteilung über die Rüge, die sich dann in der Berichterstattung und Kommentierung der Presse widerspiegelt.

erklärt der „Deutsche Werberat“ dazu auf seiner Website; mehr als ein „Dududu!“ ist die Rüge also nicht.

Dementsprechend wird der kalkulierte Skandal auch nach wie vor gerne eingesetzt. Folgende Kategorien ziehen dabei immer:

  1. Sex

Diese Motive sind übrigens allesamt vom Werberat gerügt worden….

Auch die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, liebt die Zweideutigkeit: So warb sie mit der Abbildung eines jungen Mannes mit halb geöffneter Hose und dem Satz „Ich mag’s am liebsten mit jungem Gemüse“…. Doch auch die anderen Motive spielen mit der „Fleischeslust“:

2. Gewalt

Unvergessen die vielen Schockmotive der Benetton-Kampagne in den 90ern. Auch hier setzte man auf den kalkulierten Aufschrei, der angeblich die Gesellschaft zum Nachdenken bringen, letztendlich aber dem Pulloververkauf dienen sollte.

Und diese Kampagne führt uns dann nahtlos zu

3. Religion

Auch hier kann sich der Absender ziemlich sicher sein, dass die öffentliche Empörung schnell erfolgt…

Mehrere Unternehmen versuchten beispielsweise, das letzte Abendmahl auf ihre ganz eigene Weise darzustellen – und scheiterten in aller Regel damit:

Schon Ende der 60er schockte die Werbeikone Charles Wilp die Nation mit sinnlich dahinschmelzenden Nonnen, die vom Afri-Cola-Genuß ganz berauscht in höheren Sphären zu schweben schienen. Immerhin hatte er sich im Vorfeld dieser Kampagne sicherheitshalber das OK vom Kölner Kardinal Frings geholt, der wohl nur meinte: „Warum sollen unsere Nonnen keine geschminkten Lippen haben und Afri Cola trinken?“ (Quelle)

Das erinnert mich wiederum abschließend an das HiFi-Geschäft, das vor langen Jahren damit warb: „Wenn Sie Ihre Stereoanlage bei uns kaufen, sparen Sie genug Geld, um sich vor Freude sinnlos zu betrinken.“ Auch hier rügte der Werberat den Slogan als  Appell zum Alkoholmissbrauch…

 

 

Von wegen: Red Bull verleiht gar keine Flügel!

Wir haben es doch alle schon geahnt: Red Bull verleiht gar nix – und schon gar nicht Flügel. Alles Lüge! Und lügen darf man nicht, das haben uns unsere Eltern beigebracht. Das muss sich auch ein US-Amerikaner gedacht haben, der Red Bull kurzerhand verklagte. Anlass genug, mich in das radioeins-Studio einzuladen, um über diesen Fall und andere Werbelügen zu sprechen. Das Zweiaufeins-Interview lässt sich wie immer hier nachzuhören:

Um eine langwierige und teure Massenklage zu vermeiden, hat sich Red Bull 2014 mit dem Kläger auf einen Vergleich in Höhe von 13 Millionen US-Dollar geeinigt. Diese wurden nun nicht an eine Person ausgezahlt, sondern jeder Konsument, der zwischen 2002 und 2014 eine Dose Red Bull gekauft hatte, konnte eine Entschädigung in Höhe von 10 Dollar in bar beantragen – oder alternativ Red Bull-Produkte im Wert von 15 Dollar erhalten.

Red Bull ist dabei nicht das erste Unternehmen, das es in Sachen „Werbelüge“ getroffen hat: 2012 musste Ferrero 4 Dollar pro Glas zurückerstatten (gesamt 3 Millionen Dollar), nachdem eine Mutter entsetzt festgestellt hatte, dass Nutella nicht wirklich so gesund ist, wie die Werbung behauptet, sondern eigentlich die gleichen Zutaten enthält wie ein Schokoriegel .

Wer davon angespornt jetzt auf die Suche nach vollmundigen Werbeversprechungen geht („Doping für die Haare“, „weißer als weiß gewaschen“), den muss ich leider enttäuschen: Die „erkennbare reklamehafte Übertreibung“ ist laut deutschem Wettbewerbsrecht zulässig und dem hiesigen Konsumenten kann durchaus zugetraut werden, Metaphern, Analogien und andere Stilmittel als leicht aussageverzerrend hinzunehmen. Zudem kennt das deutsche Recht keine Sammelklagen, die in den USA schnell zu diesen hohen Schadenssummen führen; es gibt bei uns keine Gruppen-, sondern nur die individuelle Betroffenheit, d.h. jeder Kläger muss seinen individuellen Schaden und die Kausalität darstellen können.

Ausgenommen sind davon jedoch alle Wirkungsversprechen, insbesondere bei Lebensmitteln. Seit 2005 überprüft die europäische Lebensmittelagentur EFSA im italienischen Parma nicht nur die Lebensmittelsicherheit, sondern auch die Werbeaussagen. Sollten diese („stärkt die Abwehrkräfte“) nicht nachweisbar sein, wird die Verwendung untersagt.

In den USA ist das also anders und so gibt es keine Klageidee, die ungewöhnlich genug wäre, um nicht den entsprechenden Anwalt zu finden, der sie vor Gericht bringt. Einige Jahre lang wurde der „True Stella Award“ für die dreistesten Versuche, Schadensersatz und Schmerzensgeld zu erstreiten, vergeben, benannt nach Stella Liebeck, die 1992 McDonalds verklagte, weil diese den Kaffee deutlich heißer brühten als die Wettbewerber und auf den Bechern davor nicht warnten. Neben dem Schmerzensgeld für Liebeck setzte die Jury 2,7 Millionen US-Dollar Strafzahlung fest, orientiert an der Summe, die McDonalds an zwei Tagen nur mit dem Verkauf von Kaffee einnimmt.

Für Red Bull waren die 13 Millionen eher eine Zahlung aus der Portokasse, denn abgesehen von der weltweiten Bericherstattung, die aufgrund der Aufmerksamkeit durchaus einen Werbewert hat, gibt das Brauseunternehmen ohnehin gut ein Drittel seines Umsatzes für Werbung aus, geschätzt sind das 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Da muss man das mit dem Flügelverleih nicht so genau nehmen…

Also: Red Bull verleiht keine Flügel.Oder vielleicht doch?