Me so einhorny

Es begab sich vor gar nicht einmal allzu langer Zeit, dass ein scheues, schüchternes Einhorn (moi) sich auf den Weg machte zu radioeins in das kalte Potsdam-Babelsberg, um sich dort den zwei wackeren Recken (die Herren von Zweiaufeins) zu stellen und ihnen ein wenig darüber zu erzählen, warum man heute nur ein Bild von einem Einhorn auf etwas raufpappen muss, um es erfolgreich zu verkaufen:

Und tatsächlich gibt es im Moment kein Produkt, das nicht irgendwie mit Einhörnern wirbt: Vom Turnschuh (Chucks) über Schokolade (Ritter-Sport verkaufte über 150.000 Tafeln an einem Tag), Frappucino ‚(Starbucks), Gewürzmischungen (aus 100 Prozent Einhornpups) bis hin zu Toilettenpapier:

Doch woher kommt auf einmal dieser Hype? Sind Einhörner wirklich die neue Diddl-Maus?

Zunächst einmal quälten uns die süßlichen Viecher quasi schon immer. Wer sich in meinen Altersgefilden bewegt, erinnert sich bestimmt noch an dieses Machwerk: The last Unicorn von 1982.

Doch in den letzten Jahren trafen zwei Umstände aufeinander: Zum einen die Startup-Wirtschaft, die den Begriff „Unicorn“ prägte für jene Gründungen, die es schaffen, in kurzer Zeit mit einer Milliarde US-Dollar bewertet zu werden (wie z.B. Skype, Spotify, Zalando, Delivery Hero). Zum anderen die Infantilisierung der jungen Erwachsenen: Während wir es kaum erwarten konnten, endlich erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen mit aller Kraft und allem Kitsch an ihrer Jugendphase festhalten.

Die Sehnsucht nach der besseren Welt (der Kindheit) in harten Zeiten – und welches Symbol eignet sich da besser als das niedliche, leicht phallische Einhorn, dem schon seit dem Mittelalter magische Kräfte zugesprochen werden? Zudem steht das Einhorn in dem Ruf, etwas Einzigartiges zu sein. Daher werden Einhorn-Produkte auch gerne künstlich limitiert auf den Markt gebracht, denn man muss schnell sein, wenn man ein Einhorn fangen möchte.

Zunächst wurde dieser Trend von der Unterhaltungsindustrie befeuert, die kleinen wie großen Mädchen immer neue Einhorn- und Feen-Geschichten erzählt, wie z.B. bei der beliebten Serie (Kika!!!) „Mia and me“:

 

Da in dieser jungen Generation der Ewig-Pubertierenden jedoch alle irgendwas mit Computern machen, entstanden in kurzer Zeit auch viele viele bunte Meme:

Irgendwie passte es dann auch nur noch zu gut, dass 2015 zwei junge Herren auf die Idee kamen, vegane Kondome „auf dem Weg zu Fairness und Nachhaltigkeit“ unter der Marke „Einhorn“ anzubieten. Natürlich lassen es sich die Gründer auch nicht nehmen, gerne und oft im Einhornkostüm Werbung für ihre Marke zu machen:

Und das sehr erfolgreich, denn bislang wurden nach eigenen Angaben über 5 Millionen Einhorn-Kondome verkauft…

Ich bin jetzt kurz davor, einen Glitzer-Zuckerwatten-Schock zu bekommen – und beende meinen bunten Eintrag mit meinem Lieblings-Einhorn-Spot:

P.S.

Übrigens: Einhörner sind soo 2016…. Giraffe ist das neue Einhorn!

 

Und bist du nicht viral, so brauch ich Gewalt!

Über 10 Jahre ist es nun schon her, dass auf Youtube das erste Video hochgeladen wurde. Es besticht nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine raffinierte Machart:

Ein früher Viralerfolg, denn über 29 Millionen Menschen haben sich dieses zu Herzen gehende Stück digitaler Kultur zu Gemüte geführt. Heute werden in jeder Minute 400 Stunden Material bei Youtube eingestellt und natürlich stellt sich die Frage: Wer soll das alles ansehen? Und dann noch womöglich weiterteilen? Denn natürlich träumen viele der Uploader von der viralen Verbreitung ihres ganz persönlichen Katzenvideos – und damit verbunden den Vermarktungsmillionen via Google.

Doch leider werden mehr als die Hälfte der Videos keine 500 mal angeklickt und sind somit eher virale Rohrkrepierer. Doch könnte es nicht sein, dass sich in diesem Bodensatz der Clip-Kultur nicht doch noch das ein oder andere Goldnugget finden lassen könnte?  Das vermutet zumindest Junk Jukin Media und so wühlen sich deren Mitarbeiter durch die unendlichen Weiten des Webs auf der Suche nach bislang erfolglosen Videos mit Potential. Werden solche Trüffel gefunden, dann erwirbt Jukin Media für kleines Geld die Urheberrechte und startet danach den viralen Großangriff: Via Tumblr, Twitter und anderer Kanäle wird der Clip nun so massiv geteilt, bis andere on- wie offline-Medien darauf aufmerksam werden. Und schon greift das Lizensierungsmodell, bei dem – so die Kritik – viel bei Jukin hängen bleibt und wenig an den Urheber weitergegeben wird.

Spannendes Modell, aber wenn man sich bei Jukin einmal durch die Videos (die meisten sind doch eher auf dem Upps-Pannenshow-Niveau) klickt, dann stellt man schnell fest, dass die meisten davon zurecht nicht beachtet worden sind *gähn*. Ob das Prinzip „mit aller Gewalt viral machen“ so erfolgversprechend ist, sei dahingestellt.

Von sich aus viral wirkt alles, was überrascht, berührt und zum Lachen bringt:

oder Menschen aktiviert, wie dieser Clip gegen Mobbing in der Schule zeigt:

Anstatt sich jetzt einfach mit dem Smartphone auf die Lauer zu legen und zu warten, dass Onkel Jürgen ausrutscht, könnte man sich eben doch lieber ein paar gute Gedanken zum Inhalt machen…. das wäre nicht nur unterhaltsamer für uns Betrachter, sondern vielleicht dann auch der größere virale Erfolg.

 

 

 

 

 

 

Twinkle, twinkle, little Starbucks

Eigentlich funkelt ja der Stern – aber die Melodie dieses alten Wiegenliedes gehört zu „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ – und das wiederum schlägt den Bogen zu Starbucks (…ich alter Fuchs). Wieder einmal war ich zu Gast bei „Zweiaufeins“ um im „radioeins„-Studio etwas über „stars“ zu erzählen:

Über Kaffee sprachen wir vor einem Jahr schon einmal, doch diesmal stand Starbucks im Mittelpunkt unseres Interviews, denn Weihnachten naht. Und bei Starbucks gibt es, wie schon seit fast 20 Jahren, eine spezielle Weihnachtsdesign-Becher-Edition. Schlicht, einfach, rot.

Durchaus wohltuend in all dem Geblinke und Gebimmel, das uns in weihnachtliche Kaufstimmung bringen soll und dabei doch zunehmend zum Dekoterror wird. Manchen Zeitgenossen war diese Schlichtheit hingegen nicht christlich genug:

Joshua Feuerstein, eine amerikanischer Evangelist und ehemaliger Pastor, ist der Meinung, dass Starbucks nur deshalb alle Weihnachtssymbole von den Bechern entfernt hat, weil sie – offentsichtlich –  Jesus hassen. Ich weiß nicht, was in der Bibel von Herrn Feuerstein steht, aber eigentlich gilt die Vorweihnachtszeit als Zeit der Besinnlichkeit und der Vorfreude – und hat – im biblischen Sinn – eher weniger mit Rentieren, Schneemännern. Schlitten, Weihnachtsmännern und Schneeflöckchen zu tun.

Nun sollte der geneigte Starbucks-Besucher also als Namen „Merry (oder vielmehr „Mary“ oder „Murray“) Christmas“ angeben, um Starbucks zu zwingen, so wenigstens ein wenig christlich/weihnachtliches auf den Becher schreiben zu müssen. Die von ihm losgetretene Aktion – das Video erreicht viral immerhin mehr als 12 Millionen Klicks – erreichte jedoch unter dem Hashtag #starbuckshatesjesus eher das Gegenteiil:  Die Starbuckianer posteten Parodien auf das Video oder verzierten ihre Becher mit anderen, durchaus unchristlichen Botschaften. Ein Tweet brachte es auf den Punkt: „Wenn du eine Kaffeekette als Botschafter Jesu brauchst, musst du dein Verhältnis zu Gott überprüfen.“

Vielleicht sollte Herr Feuerstein einfach mal einen kleinen Weihnachtstrip nach Berlin machen, denn hier gibt es nach wie vor den wundervollen „Starbucks Weihnachtsbecher Berlin“:

Auch online bestellbar…. 🙂

Laaaaaangweeeeeiiiiiiliiiiiig!!!!!

Es gibt eine Menge sehr langweiliger Videos im Internet, aber das hier ist wirklich das „most boring viral video“. Es geht um:

(…) luxury, house, mansion, friends, cars, travel, first class, happiness, premium, car insurance, don’t worry, there’s no mistake in the text, read on, mobiles, handbags, love, friendship, exclusive, enjoy, dresses, clothes (…)

Och nöö…. aber neugierig hat es mich dann doch gemacht – und deswegen präsentiere ich euch heute das allerlangweiligste virale Video (seid stark, haltet bis zum Ende durch!):

(…), yes, read on, the youtube software is looking at us and we have to trick it, beauty, youth, dream home, mortgages, mobile telephony, finance, new cars, shoes, medical insurance, banks, credit cards, mortgage simulator, house insurance, adsl offers and all kinds of words which, linked to this video, through youtube software, make advertisers automatically pay to appear round about, so they unwittingly help the Arrels Foundation and thousands of homeless. Please share this.

„Idee schlägt Budget“ ist einer der großen Vorteile von viralem Marketing und gerade deshalb auch für soziale Organisationen sehr interessant. Hier könnte man schon sagen „Idee bringt Budget“, denn mit jedem Klick auf diesen Clip verdient die Arrels Fundacio ein wenig Geld.

Knapp 3.000 Obdachlose schlafen in Barcelona auf den Strassen – und das soll und muss nicht sein. Wo die Politik versagt, ist Bürger-Engagement vonnöten. Bereits seit 1987 kümmert sich die Arrels Fundacio um die Obdachlosen vor Ort. 60% ihres Budgets beziehen sie über private Spenden – und gehen dabei gerne ungewöhnliche Wege, wie z.B. mit den homelessfonts:

Liebe Kreative, bitte zugreifen!

Soziales Engagement braucht Ideen und Aufmerksamkeit – und manchmal hilft es, über den Tellerand zu schauen und sich inspirieren zu lassen!

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In eigener Sache: Ab September erscheint mein Newsletter mit Rück- und Ausblicken, allen Terminen zu Veranstaltungen und vielen Überraschungen. Wer sich bis zum 30. August dafür hier anmeldet, kann mit etwas Glück eines von drei „Green Marketing“-Büchern gewinnen!

Glaube? Alles nur Marketing…

Dass die katholische Kirche das moderne Marketing „erfunden“ hat, ahnten wir seit dem wunderbaren Buch „Jesus wäscht weißer“ von Bruno Ballardini – doch nun ist überraschenderweise Exklusiv-Material aufgetaucht, dass Jesus himself mit seinem Marketing-Team zeigt:

Auferstehung? Nur ein weiterer Marketingstunt der 1one Productions, die das Video auch selbstbewusst auf ihrer Referenzseite präsentieren.

Sollte es aber letztendlich nicht vielmehr heißen: „Marketing? Alles nur Glaube…“? Doch darauf komme ich dann demnächst zurück… 🙂

Ich hasse….

Weihnachten, das Fest der Liebe… und der Geschenke, die übersüßten, überteuerten Heissgetränke mit leichten Spuren von Alkohol, die lärmenden Weihnachtsmärkte, die exzessiven Weihnachtsfeiern, das Völlegefühl von Gans, Kloß, Rotkohl….. ach, ich liebe Weihnachten!

Manche aber möchten lieber nichts wie weg aus diesem Trubel – und da bieten sich natürlich tolle Ziele an – je weiter, desto besser. Leider gibt es auch am Urlaubsort reichlich Störendes – die Einheimischen beispielsweise. Kann man leider nix machen, denn:

Einheimische am Strand des Urlaubsortes sind kein Reisemangel. Auch dann nicht, wenn sie einen gewissen Lärmpegel erzeugen.

AG Aschaffenburg, AZ 13C 3517/95

Und so hasst man seinen Urlaubsort eben auch – so wie dieser junge Mann hier:

Blaue Tasche weg, Geld weg, Papiere weg. Aber wird es nicht schön? Passt doch irgendwie wieder in die Vorweihnachtszeit…irgendwie… Dahinter steckt (natürlich) die Tourism Authority of Thailand (TAT), die sich dachten, dass die konventionellen Imagekampagnen ziemlich durchgedudelt seien und eine solche, nun ja, „Anti-Kampagne“ mehr Aufmerksamkeit bringen würde. 2,3 Millionen Klicks sind dabei schon ein veritabler viraler Erfolg.

Blauen Himmel, Strand und freche Affen haben eben viele Destinationen, aber wahre Gastfreundschaft gibt es eben nur in Thailand. Und clevere Tourismus-Marketing-Köpfe….

Tanz den Mussolini…

..tanz den Jesus Christus! – trällerten wir zumindest in meiner Jugend. Ich will hier natürlich nicht in den kulturpessimistischen Kanon einstimmen, dass das Jungvolk von heute ja gar nicht mehr weiß, wer Jesus Christus war, geschweige denn Mussolini, aber immerhin zeigt die folgende Kampagne, dass man mit „Tanz den Dunk! Tanz die Granate! Tanz den Touchdown!“ mehr Nähe zur begehrten Zielgruppe herstellen kann:

Immerhin: Es geht hier um Tanz, klassischen Tanz! Da behaupte noch einmal jemand, diese Gamer hätten keine Kultur…

Tanz deinen Sieg! Und ich freu mich jetzt schon auf die Einsendungen (und ich hoffe, sie werden zumindest genauso… so…. so „entertaining“ wie diese hier).