Der Markt reguliert(e) sich selbst: Zeitenwende im Marketing?

Wandel durch Handel, grenzenloses Wachstum, der sich selbst regulierende Markt – die marktwirtschaftlichen Glaubenssätze haben ausgedient.

Nichts wird mehr so bleiben, wie es vorher einmal war. Die Verfechter des freien Marktes, die jeden staatlichen Eingriff verdammten, sind jetzt diejenigen, die oftmals am lautesten nach dem Ausgleich durch den Staat rufen.

Wir lernen gerade auf die bittere Art, dass Handel keinen politischen Wandel bringt: Nach dem Mauerfall dachten wir nicht mehr in Blöcken, sondern glaubten, dass international agierende Konzerne und Großorganisationen wie der Internationale Währungsfonds uns statt der Politik lenken und führen würden. Die fortschreitende Globalisierung könne man nicht zurückdrehe, hieß es – und doch komme ich mir gerade wie auf dem Jahrmarkt vor, wo der Rekommandeur ankündigt, dass die Fahrt jetzt rückwärts geht.

War gestern noch das Home-Office die Verheißung der Glückseligkeit, streben nun die Arbeitnehmenden in die Büros zurück, um zuhause keine Heizkosten auflaufen zu lassen. Ein Unternehmen, dass kürzlich mehr Home-Office anbot, um damit seine Energiekosten zu reduzieren, bekam sofort Ärger mit dem Betriebsrat. Dumm, wenn man ehrlich ist….

»Wir waren nicht naiv, wir waren gierig«, beschreibt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager jüngst die Einstellung der Europäer. In unserer bequemen Konsumgesellschaft haben wir gedacht, dass wir auf das Verzichten verzichten könnten. Wer nicht mitmachte im Kaufwahn, galt als lustfeindlich. Doch nun macht der Mangel uns zu Spar-tanern, eine wunderbare Wortschöpfung, die ich neulich irgendwo las. Wer mehr spart, ist jetzt der moralisch Überlegene…

Ich persönlich hoffe und glaube, dass es – trotz allem – ein Wandel zum Besseren wird, wenn wir es endlich schaffen, diese falschen Glaubenssätze endgültig zu überwinden. Doch wenn die Märkte sich nun radikal verändern werden, so frage ich mich als Marketing-Mensch auch, wie denn das Marketing der neuen Zeit aussehen wird: Ehrlicher? Weniger verkäuferisch und mehr beziehungsaufbauend? Oder noch lauter schreiend, um an die zurückgehaltenen Euros zu kommen?

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ (Georg Christoph Lichtenberg)

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