makketing auf die Ohren – wie alles anfing

Wie doch die Zeit vergeht… Vor 8 Jahren, im Januar 2010, war ich das erste Mal zu Gast bei radioeins in Potsdam-Babelsberg und lernte dort die 2auf1-Crew kennen: die Moderatoren Daniel und Sven sowie Dave, den Redakteur. Die Chemie stimmte und schon bald darauf war ich das erste Mal als Marketing-Experte on air. Fast 75 Interviews sind in diesem Zeitraum entstanden – und da ich mich selbst nicht mehr an alle erinnern konnte, werde ich nun in loser Reihenfolge, aber chronolgisch hier die Takes noch einmal posten.

Es begann alles mit sauber, rein und keimfrei….

…gefolgt von der (männlichen) Problemzone Gesicht:

Abschließend mein drittes Interview zum Thema „künstlicher Hype“:

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 

Die Zuckerpuppe mit der Tütensuppe

„Tüte“ lautet das Sujet der heutigen Zwei auf eins-Sendung bei radioeins.So ein Thema kommt mir ja normalerweise gar nicht in die Tüte (haha), aber was es denn nun mit der Tütensuppe auf sich hat, das fand ich wiederum spannend genug, um doch nach Babelsberg zu fahren:

Wenn wir über Tütensuppe reden wollen, dann kommen wir an drei Namen nicht vorbei: Justus Liebig, Julius Maggi und die Gebrüder Knorr.

Der Chemiker Justus Liebig entwickelte 1852 ein „Fleischinfusum“, um Menschen mit schweren Magen und Darmerkrankungen vor dem Tod zu retten. Er fertigte daraus dann das bekannte „Liebigs Fleischextrakt“, das jedoch nur wenig und zunächst auch nur über Apotheken verkauft wurde. Erst als der deutsche Ingenieur Georg Christian Giebert 1862 von Liebig die Lizenz zur Großproduktion in Uruguay bekam, wurde der Fleischetrakt in großen Mengen produziert und weltweit verkauft.  Als Nahrungsmittel für die arme Bevölkerung war es zu teuer, es setzte sich aber als Würze für Suppen und andere Speisen durch, auch dank der Sammelbilder (die natürlich stets den Zeitgeist wiedergaben):

Letzendlich ist der Extrakt lediglich das Ergebnis vom Vorgang des Auskochens. Man reduziert die Fleisch- und Knochensuppe so lange, bis ein eigentlich ungenießbarer Bodensatz übrig bleibt, bestehend aus Eiweiß, Fett und Würze. Kocht man diesen wieder mit Wasser auf, entsteht eine Suppe. Liebig kochte den Fleischextrakt zusammen mit Gemüse, würzte ihn, vermischte ihn mit Fett und presste ihn in Form. Fertig war der Brühwürfel.

Die Gebrüder Knorr übernahmen von ihrem Vater eine Fabrik, die bereits auf die Produktion von Mehlen und Dörrobst spezialisiert war. 1889 übernahmen sie die Produktion der „Erbswurst“, die schon im deutsch-französischen Krieg an die Soldaten als eiserne Ration verteilt wurde. Diese bestand ursprünglich aus Erbsenmehl, Rinderfett, entfettetem Speck, Speisesalz, Zwiebeln und Gewürzen. Heute liest sich die Zutatenliste ein wenig anders: Erbsmehl, geräucherter Speck, Palmöl, Speisesalz, geräucherte Hefe, Rauch- und andere Aromen sowie vor allem Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat, Dinatriuminosinat, Dinatriumguanylat und Hefeextrakt.

Für Knorr warb selbst ein Kaiser, wenngleich als junger Mann….

Der Schweizer Julius Maggi wollte weniger die Soldaten ernähren, sondern war vielmehr um das Wohl der Arbeiterinnen und Arbeiter in den zahlreichen Fabriken besorgt. Diese ernährten sich meist schlecht, denn die knappe Zeit zum Kochen und minderwertige Produkte führten zu wenig nahrhaften Essen. Vitamine und Ballaststoffe fehlten, so dass die Folge Mangelkrankheiten und eine erhöhten Sterblichkeit war. Maggi erfand 1884 ein Mehl aus Hülsenfrüchten, den so genannten Leguminosen und kurze Zeit später gab es auf dieser Basis auch die ersten Fertigsuppen, 1886 dann auch als erste Trockensuppe. Aufreissen, anrühren, aufkochen – fertig war die Suppe!

Nun schienen diese Suppen doch ein wenig fad zu schmecken, denn schon kurze Zeit später erfand Julius Maggi auch die Maggi-Würze, die hauptsächlich aus Sojabohnen und Weizen bestand. Sie wurde zum Konkurrenten von dem Fleischextrakt, den Justus von Liebig schon 1840 zusammengerührt hatte und der inzwischen weltweit verkauft wurde.

Julius Maggi erkannte ebenso schon früh die Bedeutung von Werbung. Er gründete ein „Reclame- und Pressebureau“ und machte sowohl seinen Namen als auch das rot-gelbe Logo und insbesondere die Flasche zur unverwechselbaren Marke.

Ihre charakteristische Form mit dem dicken Bauch, dem langen Hals und dem kleinen Dosierkopf soll Julius Maggi selbst entworfen haben, diese soll an ein Ausrufezeichen erinnern. Mit wenig Aufwand lässt sich so ein Ausrufezeichen in der Küche setzen!

Der später dann berühmt gewordene Autor Frank Wedekind verdiente sich sein erstes Geld mit Reklame-Texten für „Maggi“, auch wenn diese heute für uns eher sperrig klingen:

“Die Poesie ist die Würze des Lebens, der Witz die Würze der Unterhaltung, wie Maggi`s Suppen- und Speisewürze diejenige eines jeden guten Mittagstisches.“

Musik in meinen Werbeohren ist dann eher dies:

«Das wissen selbst die Kinderlein: Mit Würze wird die Suppe fein. Drum holt das
Gretchen munter die Maggi-Flasch’ herunter.»

Mit Erfolg, denn heute steht Maggi-Würze nach wie vor in jeder sechsten Küche in Deutschland…

Julius Maggi erfand aber nicht nur die Tüten-Suppen und die Maggi-Würze, er setzte sich zudem sehr für seine Arbeiter ein und gründete zum Beispiel eine eigene Renten- und Krankenkasse. Er ließ Firmenkantinen, Wohnungen und Ferienheime bauen, in die er seine Arbeiter in den Urlaub schickte.

Im 1. Weltkrieg geriet „Maggi“ im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten: In Frankreich war Julius Maggi ebenfalls mit seinen Brühwürfeln sehr erfolgreich, allein 1912 verkaufte er bis zu 6 Millionen Brühwürfel unter dem Namen „Bouillon Kub“ – monatlich!  Der Erfolg lag auch in der Verpackung in schönen Metalldosen und dem Aufhängen zahlreicher Plakate und Metallschilder mit Werbung. Doch zu Beginn des Krieges verbreitete sich das Gerücht, Maggi sei eine deutsche Firma, die also dem damaligen „Feind“ gehörte. Die Werbeschilder würden in Wirklichkeit dazu dienen, den deutschen Truppen die strategischen Stützpunkte zu verraten. Die Bürgermeister der Städte wurden aufgefordert, alle Maggi-Würfelwerbungen, die sich in Ihrer Gemeinde, in der Nähe der Bahngleise oder in der Nähe von wichtigen Bauwerken wie Brücken, Tunneln, Viadukten oder Abzweigungen befinden, zu vernichten. Alle Werbeplakate wurden entfernt und Maggi wurde der Spionage beschuldigt.

Trotz der vielen Geschmacksverstärker spricht aus Expertensicht nichts dagegen, solche Produkte zu nutzen, da sie in der Regel aus guten Zutaten schonend hergestellt werden, wie manche Ernährungsexperten meinen. Für frische Waren seien Tütensuppen und Würzmischungen auf Dauer jedoch kein Ersatz. Dennoch muten manche Tricks an wie direkt aus Frankensteins Labor: So wird Transglutaminase (ein Enzym, das Eiweißmoleküle miteinander vernetzt) dazu eingesetzt, dass Fleischreste zu kompletten Filetstücken veredelt werden und Würstchen mehr Biss bekommen. Rohstoffe können somit eingespart und Fleischreste wieder in ganze Stücke gewandelt werden. Wohl bekomm’s!

Me so einhorny

Es begab sich vor gar nicht einmal allzu langer Zeit, dass ein scheues, schüchternes Einhorn (moi) sich auf den Weg machte zu radioeins in das kalte Potsdam-Babelsberg, um sich dort den zwei wackeren Recken (die Herren von Zweiaufeins) zu stellen und ihnen ein wenig darüber zu erzählen, warum man heute nur ein Bild von einem Einhorn auf etwas raufpappen muss, um es erfolgreich zu verkaufen:

Und tatsächlich gibt es im Moment kein Produkt, das nicht irgendwie mit Einhörnern wirbt: Vom Turnschuh (Chucks) über Schokolade (Ritter-Sport verkaufte über 150.000 Tafeln an einem Tag), Frappucino ‚(Starbucks), Gewürzmischungen (aus 100 Prozent Einhornpups) bis hin zu Toilettenpapier:

Doch woher kommt auf einmal dieser Hype? Sind Einhörner wirklich die neue Diddl-Maus?

Zunächst einmal quälten uns die süßlichen Viecher quasi schon immer. Wer sich in meinen Altersgefilden bewegt, erinnert sich bestimmt noch an dieses Machwerk: The last Unicorn von 1982.

Doch in den letzten Jahren trafen zwei Umstände aufeinander: Zum einen die Startup-Wirtschaft, die den Begriff „Unicorn“ prägte für jene Gründungen, die es schaffen, in kurzer Zeit mit einer Milliarde US-Dollar bewertet zu werden (wie z.B. Skype, Spotify, Zalando, Delivery Hero). Zum anderen die Infantilisierung der jungen Erwachsenen: Während wir es kaum erwarten konnten, endlich erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen mit aller Kraft und allem Kitsch an ihrer Jugendphase festhalten.

Die Sehnsucht nach der besseren Welt (der Kindheit) in harten Zeiten – und welches Symbol eignet sich da besser als das niedliche, leicht phallische Einhorn, dem schon seit dem Mittelalter magische Kräfte zugesprochen werden? Zudem steht das Einhorn in dem Ruf, etwas Einzigartiges zu sein. Daher werden Einhorn-Produkte auch gerne künstlich limitiert auf den Markt gebracht, denn man muss schnell sein, wenn man ein Einhorn fangen möchte.

Zunächst wurde dieser Trend von der Unterhaltungsindustrie befeuert, die kleinen wie großen Mädchen immer neue Einhorn- und Feen-Geschichten erzählt, wie z.B. bei der beliebten Serie (Kika!!!) „Mia and me“:

 

Da in dieser jungen Generation der Ewig-Pubertierenden jedoch alle irgendwas mit Computern machen, entstanden in kurzer Zeit auch viele viele bunte Meme:

Irgendwie passte es dann auch nur noch zu gut, dass 2015 zwei junge Herren auf die Idee kamen, vegane Kondome „auf dem Weg zu Fairness und Nachhaltigkeit“ unter der Marke „Einhorn“ anzubieten. Natürlich lassen es sich die Gründer auch nicht nehmen, gerne und oft im Einhornkostüm Werbung für ihre Marke zu machen:

Und das sehr erfolgreich, denn bislang wurden nach eigenen Angaben über 5 Millionen Einhorn-Kondome verkauft…

Ich bin jetzt kurz davor, einen Glitzer-Zuckerwatten-Schock zu bekommen – und beende meinen bunten Eintrag mit meinem Lieblings-Einhorn-Spot:

P.S.

Übrigens: Einhörner sind soo 2016…. Giraffe ist das neue Einhorn!

 

„Schau, da fliegt eine Berga-Motte!“

…witzelte wahrscheinlich schon der alte Earl Grey, Namensgeber der beliebten Teesorte. „Alt und grau“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung, zu der ich mich in das „radioeins„-Studio begab, um ein wenig über diese und andere Marketing-Legenden zu plaudern.

Charles Grey, 2. Earl Grey (1764-1845), war ein großer Reformator und britischer Premierminister und als dieser hob er u.a. das Preismonopol der East India Company im Teehandel mit China auf. Ein wichtiger Schritt, denn damals wurde bereits sieben Mal mehr Tee als Kaffee in England getrunken.

Wie kam der Tee jedoch nun zu seinem Namen? Darum ranken sich eine Vielzahl von Legenden: Ein Mandarin soll dem Engländer auf einer seiner Reisen nach China den mit Bergamotteöl parfümierten Tee serviert haben, nachdem Grey ihm (wahlweise auch dem Sohn) vor dem Ertrinken gerettet hatte. Es heißt aber auch, dass er gerade Tee trank, als er einen Zweig der Zitrusfrucht geschenkt bekam; weil er sonst nichts damit anzufangen wusste, warf er ein paar Blätter in das Getränk. Die bekannteste Legende besagt jedoch, dass bei einem Sturm auf einer Überfahrt  von China nach England die transportierte Ladung des Schiffes schlecht gesichert war und durcheinander geworfen wurde. Das auslaufende Bergamottöl sickerte auf die Teeballen. Mitgeführte Duftöle schützten damals auf den langen Schiffspassagen den jeweils tief im Schiffsrumpf lagernden Tee vor der Annahme von Moder-, Fisch- und Teergeschmack. Die Ladung sollte nun nach der Ankunft schon vernichtet werden, als Lord Grey auf die Idee kam, den verschmutzten Tee zu probieren. Und siehe da, er schmeckte!

Belegt ist tatsächlich nur, dass Grey den Londoner Hoflieferanten Twinings damit beauftragte, Schwarztee mit dem Öl der Bergamotte zu parfümieren. Der Tee erfreute sich zunächst in der Londoner Oberschicht großer Beliebtheit; heute ist er ein Massenprodukt, selbst in Deutschland macht er fast die Hälfte der aromatisierten Tees aus.

Twinings hatte seinerzeit leider vergessen, sich die Teemischung schützen zu lassen. Also kann der Namen „Earl Grey“ von jedem Teeanbieter genutzt werden. Allerdings ist der königliche Hoflieferant der einzige Produzent, der sich mit der Familie des Namensgebers schmücken darf, und so grüßt der gegenwärtige Earl Grey (der sechste) von der Twinings-Packung.

Eine andere, sehr einträgliche Marketing-Legende erzählt uns die Firma Moleskine. Der Hersteller der kleinen und großen Notizbücher fügt jedem dieser ein kleines Blättchen bei, auf dem die Geschichte der Kladden erzählt wird: So arbeiteten schon Vincent Van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Bruce Chatwin mit diesen Notizbüchern.

Aber hat Hemingway tatsächlich seine Werke in die Notizbücher der Marke „Moleskine“ verfasst? Schwer vorstellbar, denn erst 1997 kamen die uns heute vertrauten Bücher auf den Markt.

Eine der drei Gründerinnen von Moleskine, Maria Sebregondi, erzählte in einem Interview, dass diese Legende wichtig für die Vermarktung war:

Wir präsentierten das Notizbuch zudem mit einer Story: Die Nutzer sollten das Gefühl haben, in solch einem Notizbuch habe schon Ernest Hemingway geschrieben.

Auch Künstler wie Pablo Picasso und Vincent van Gogh nutzten sie. Es war also nicht nur das neue Design des Notizbuches, das entscheidend war, sondern auch die Story und der Vertrieb: So sind wir für die Vermarktung in die Buchhandlungen gegangen. Unsere Notizbücher wurden offeriert als Bücher, die der Käufer erst noch schreiben muss. (…)

Ernest Hemingway hat nie Notizbücher von Moleskine benutzt. Vincent van Gogh natürlich auch nicht. Wenn Sie in ein Museum gehen, können Sie sehen, dass Künstler wie Picasso und van Gogh tatsächlich Skizzenbücher dieser Art benutzt haben. Wir haben also keine Geschichte erfunden. Aber ein Notizbuch von Moleskine war es natürlich nicht. (…)

Wir behaupten nichts Unwahres. Als unsere Notizbücher neu waren, hatte die Story sicherlich noch eine größere Bedeutung als heute. (Quelle)

Der Name „Moleskine“ geht auf den Autoren Bruce Chatwin zurück, der – vergleichbare – Notizbücher aufgrund des Einbandes Moleskin (Maulwurfshaut) nannte. Das «e» am Ende des Wortes kam hinzu, damit man es auf Französisch besser aussprechen kann. Und so kann es auch jeder nennen, wie er möchte.

Auch über Ronald McDonald gibt es tolle Legenden: So sollte er ursprünglich „Donald McDonald“ heißen, aber aus Furcht vor Verwechslung mit Donald Duck (und dem Disney-Konzern), bekam er das „R“ verpasst. Und in Japan soll Ronald ein furchtbarer Flop gewesen sein, da dort weiß bekanntlich die Farbe der Trauer ist und sein weißgeschminktes Gesicht angeblich die Konsumenten abschreckte. Auch das stimmt so natürlich nicht, denn weiß ist in Japan auch die Farbe der Schönheit und der Reinheit, wie man an den weiß geschminkten Gesichtern der Geishas leicht nachvollziehen kann. Der frühe Flop von McDonalds in Japan hatte eher etwas mit der Ablehnung westlicher und insbesonders amerikanischer Lebenskultur zu tun, was sich natürlich heute ganz anders darstellt.

Was mich jedoch am meisten abschreckt, ist der erste Ronald McDonald in der Werbung. Der sah 1963 nämlich noch so aus:

 

 

Aufgedeckt! Die Zahnfee ist in Wirklichkeit ein Feerich!!

Oder wie heißen männliche Feen gleich noch einmal? Egal….

Aus der Schweiz kommt nun diese investigative Hochleistung: Erste Bilder belegen, dass die Zahnfee männlich ist!

Ab sofort werde also auch ich meine zweiten Zähne sammeln, wenn es denn eines Tages so weit sein wird, und unter mein Kopfkissen legen. Und dann auf Herrn Winter warten – und wehe, meine Wünsche werden nicht erfüllt!

Diese schöne Kampagnen-Idee hatte Dr. Winter zusammen mit einer Werbeagentur und sie zeigt, dass gute, witzige Werbung nicht nur den vermeintlich „großen“ Unternehmen vorbehalten ist, und dass auch Dienstleister sich darüber Gedanken machen sollten, wie sie sich clever in Szene setzen können. Auf der sehr amüsanten Website zeigen der Doc und sein Team von „Lückenfüllern“, wie sie uns auf den Zahn wohlfühlen. Und natürlich kann man ihm auch auf Facebook folgen….

Wer da noch Angst vor’m Zahnarzt hat, ist selber Schuld – und ich wäre sofort Patient bei der Fummelfee, wenn es nicht so weit weg wäre…

Eine wirklich gut gemachte Imagekampagne. Wer mehr zum Thema „Eigenmarketing“ und „Wie werde ich zur Marke“ wissen möchte, der kann sich schon einmal den 7. November freihalten, denn da werde ich zu Gast bei „meeet“ in Berlin sein und genau darüber sprechen…

Ganz ausgezeichnet!

„Lehren heißt, zeigen was man liebt“ und als makketing berate ich ja nicht nur leidenschaftlich gerne in Sachen Marketing, sondern blogge, spreche im Radio, schreibe Bücher, halte Vorträge – und unterrichte. Immer in der Hoffnung, dass der Funke der Leidenschaft von mir auch auf meine Kunden, Leser, Hörer und die Studierenden überspringt.

Dementsprechend freue ich mich sehr, dass ich von der renommierten „Europäischen Medien- und Business-Akademie“ (EMBA) mit dem EMBA Lead Award 2016 als „bester Lehrender“ ausgezeichnet wurde.

2016-07-13 17.58.56

Ein Award, mit dem nicht nur das Campus-Management die Wertschätzung meiner Arbeit ausdrückt, sondern der auch maßgeblich das Urteil der Studierenden widerspiegelt. So ist es mir anscheinend gelungen, jenseits der Benotung von Klausuren, Interesse an Marketing und den vielfältigen Verknüpfungen mit uns als Marketingopfer wie -täter zu wecken und – trotz aller Passion – vieles auch kritisch zu hinterfragen, denn wir müssen Wirtschaftssysteme nicht als gegeben hinnehmen.

Mich erfüllt diese Auszeichnung mit viel Stolz und ich war auch sehr überrascht, als ich ihn erhalten habe, wie man dem Bild vielleicht ansehen kann:

2016-07-13 17.59.22

Dicke Dinger, heiße Würstchen und jede Menge Frischfleisch

„Kann man in diesem Sommer noch unbesorgt seine Würstchen grillen?“, fragen sich viele marketing-affine Grillmeister verunsichert. Ja doch, solange es nicht die Bruzzler von Wiesenhof sind, denn die haben sich wieder einmal eher mit Senf als mit Ruhm bekleckert. Alles zum Fall Wiesenhof und Atze Schröder aber auch zu Werbeskandalen grundsätzlich wollten die Herren von Zweiaufeins wissen und so luden sie mich – immer wieder sonntags – ins radioeins-Studio ein:

Worum geht es? Wiesenhof hat einen Spot für seine Würstchen produzieren lassen und da das deutsche Grillwesen in erster Linie anscheinend von Männern betrieben wird, wählte man Atze Schröder als Testimonial und ließ ihn in bewährter Manier eine Anzüglichkeit nach der nächsten absondern. Hahaha, schenkelklopf, da lacht der deutsche Stammtisch. Dumpf, dumpfer, dieser Spot:

*Aktualisiert*: Dieser Spot wurde bei youtube gelöscht, aber hier findet ihr noch die wesentlichen Aussagen:

Nun hätte das unter „schlechter Geschmack ganz unten“ abgelegt werden können, wäre nicht dieser Satz zu hören:

„Und, seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Hier ist das Ding. Danach müssen Gina und Lisa erst mal in die Traumatherapie.“

Diese Anspielung auf den laufenden Vergewaltigungsprozess von Gina-Lisa Lohfink, der zum medialen Ereignis geworden ist, brachte dem Spot, der bereits seit Ende März auf YouTube zu sehen war, schlagartig ins Gespräch. War er mit seinem Altherrenhumor bislang nur geschmacklos, so war er nach dem Bekanntwerden der Prozessdetails nur noch widerwärtig.

Immerhin eine Entschuldigung folgte:

Der Werbespot ist vor einem Jahr gedreht worden und hätte niemals veröffentlicht werden dürfen.

schreibt Atze Schröder auf seiner Facebook-Seite. Wurde er aber. Und selbst vor einem Jahr waren die Vergewaltigungsvorwürfe in den Medien (seit 2014 wird darüber berichtet) ein Thema und somit bekannt oder zumindest leicht recherchierbar. Der Spot war also auch schon vor einem Jahr unter aller Sau. Spätestens bei der Veröffentlichung auf YouTube im März hätte man aber wissen müssen, dass hier jeglicher Spaß aufhört und mit „man“ meine ich ganz konkret die Marketingverantwortlichen bei Wiesenhof, Atze Schröder, die Agentur, die diesen Spot konzipiert hat, das Team, das diesen Spot produziert hat, usw.

Doch bei Wiesenhof gilt anscheinend: Auch schlechte News sind News und bringen den Fokus auf das Produkt, denn Anzüglichkeiten in Sachen Wurst gehören zum Werbekonzept; der Wahnsinn hat Methode:

In Zeiten knapper Aufmerksamkeit seitens des begehrten Konsumenten muss der Anbieter sich eben etwas einfallen lassen – und was erregt die männliche Aufmerksamkeit als nackte Haut?

Ob Sex sells sei dahingestellt, aber mann guckt zumindest hin. Der Aufschrei empörter Frauen (sind sowieso alles Spaßbremsen) wird ebenso in Kauf genommen wie die mögliche Rüge vom Werberat:

Wenn der Werberat eine Werbemaßnahme beanstandet, wird das betroffene Unternehmen dazu aufgefordert,

  • entweder die Kampagne aus der Öffentlichkeit zu nehmen
  • oder die Werbung entsprechend der Beanstandung abzuändern.

Entspricht ein Unternehmen dieser Aufforderung nicht, rügt der Werberat und schaltet die Öffentlichkeit ein: Die Redaktionen der Massenmedien erhalten eine Mitteilung über die Rüge, die sich dann in der Berichterstattung und Kommentierung der Presse widerspiegelt.

erklärt der „Deutsche Werberat“ dazu auf seiner Website; mehr als ein „Dududu!“ ist die Rüge also nicht.

Dementsprechend wird der kalkulierte Skandal auch nach wie vor gerne eingesetzt. Folgende Kategorien ziehen dabei immer:

  1. Sex

Diese Motive sind übrigens allesamt vom Werberat gerügt worden….

Auch die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, liebt die Zweideutigkeit: So warb sie mit der Abbildung eines jungen Mannes mit halb geöffneter Hose und dem Satz „Ich mag’s am liebsten mit jungem Gemüse“…. Doch auch die anderen Motive spielen mit der „Fleischeslust“:

2. Gewalt

Unvergessen die vielen Schockmotive der Benetton-Kampagne in den 90ern. Auch hier setzte man auf den kalkulierten Aufschrei, der angeblich die Gesellschaft zum Nachdenken bringen, letztendlich aber dem Pulloververkauf dienen sollte.

Und diese Kampagne führt uns dann nahtlos zu

3. Religion

Auch hier kann sich der Absender ziemlich sicher sein, dass die öffentliche Empörung schnell erfolgt…

Mehrere Unternehmen versuchten beispielsweise, das letzte Abendmahl auf ihre ganz eigene Weise darzustellen – und scheiterten in aller Regel damit:

Schon Ende der 60er schockte die Werbeikone Charles Wilp die Nation mit sinnlich dahinschmelzenden Nonnen, die vom Afri-Cola-Genuß ganz berauscht in höheren Sphären zu schweben schienen. Immerhin hatte er sich im Vorfeld dieser Kampagne sicherheitshalber das OK vom Kölner Kardinal Frings geholt, der wohl nur meinte: „Warum sollen unsere Nonnen keine geschminkten Lippen haben und Afri Cola trinken?“ (Quelle)

Das erinnert mich wiederum abschließend an das HiFi-Geschäft, das vor langen Jahren damit warb: „Wenn Sie Ihre Stereoanlage bei uns kaufen, sparen Sie genug Geld, um sich vor Freude sinnlos zu betrinken.“ Auch hier rügte der Werberat den Slogan als  Appell zum Alkoholmissbrauch…