makketing Marketing Show 11: Welche Marketing Skills werden 2025 benötigt?

Das sind wir wieder – endlich! In der neuen Episode widmen wir uns einem drängenden Thema, nämlich der Frage, woher eigentlich all die spezialisiert ausgebildeten Marketing-Experten herkommen sollen.

Das Problem ist bekannt: In den letzten Jahren haben sich die Ansprüche an die Marketingfähigkeiten der Ein- wie Umsteiger drastisch verändert: Heute geht es nicht mehr um die Reichweitenberechnung von Printmedien oder Radiospotschaltungen, sondern zunehmend um Inbound Marketing, Content Creation und digitale Kompetenz. Die Nachfrage nach entsprechend ausgebildeten Fachleuten ist riesig, nur das Angebot ist mager.

Marcus, Nina, Benjamin

Wir sprechen dazu mit unserem „makketier“ Dr. Nina Schaffert, Director der XU School of Online Marketing, die mit der Studie „Marketing Skills 2025“ erstmals nachgefragt hat, welche Marketingfähigkeiten in der nahen Zukunft tatsächlich benötigt werden. Sie berichtet uns nicht nur von den Studienergebnissen, sondern beantwortet uns zudem die Frage, was Unternehmen machen müssen, um diese Wissenslücken möglichst schnell füllen zu können.

Das Gespräch war so spannend, dass wir gar nicht merkten, wie die Zeit verflog, und so haben wir die dumme Antwort auf die kluge Frage diesmal weggelassen und uns nur noch dem heißen Sch…ß gewidmet, nämlich dem Buch „Advertising for Skeptics“ von Bob Hoffman.

Wie schon in seinen anderen Büchern und in seinem Blog hält Hoffman der Branche einen Spiegel vor und zeigt äußerst unterhaltsam auf, dass man nicht jedem Marketing-Hype glauben, sondern ihn vielmehr kritisch hinterfragen sollte. Ein großes Lesevergnügen, das gerade uns Marketeers mal wohltuend erdet und vom hohen Ross runterholt. Meine Empfehlung.

Doch nun viel Spaß mit der makketing Marketing Show Episode 11!

Darf ich mich vorstellen: der Gandalf des Marketing!

Kaum lässt man sich mal einen Bart wachsen, schon sprießen die Vergleiche…. Was als Vorstellung durch die werte Kollegin Dr. Inga Großmann einmal begann, bekommt eine Eigendynamik – makketing wird zum Gandalf des Marketing!

Es gibt selbstverständlich Schlimmeres – und natürlich haben wir den Spitznamen beim Erstellen der XU-Brainbites ganz bewusst verwendet. Die Zielgruppe sind junge TikToker – und solche, die es noch werden wollen – , denen ich hier erzähle, wie sie es anstellen müssen, um zur Personal Brand zu werden und professionell Toks zu erstellen. Wenn da so ein alter Mann steht, muss man eben versuchen, ein bißchen „Credibility“ aufzubauen – obwohl: Wissen diese jungen Menschen überhaupt, wer Gandalf ist? Anyway…

Die XU Brainbites zum Thema TikTok werden übrigens von mehreren Experten angeboten, wie man hier im Teaser sehen kann:

Alles zu dem spannenden Angebot der XU Group lässt sich hier finden: https://brainbites.xu.de/en/

So, ich gehe dann mal meinen Hut waschen und schnitze mit einen neuen Stab….

Wenn ich nur so begehrt wär‘ wie der bebo sher

Wer sich jetzt fragt, wer oder was ein „bebo sher“ ist, ist entweder spätgeboren oder nicht in den ostdeutschen Bundesländern sozialisiert worden. Oder beides. Ich persönlich kenne den „bebo sher“ auch nur aus ulkig-kultigen Werbspots:

„sher“ ist natürlich nicht entstanden aus der Unkenntnis der englischen Sprache, sondern steht für „schnell – hautschonend – elektrisch – rasiert“. Und „bebo“ ist das Kürzel für den VEB Bergmann Borsig.

Bergmann Borsig war eigentlich ein Betrieb der Schwerindustrie, der Generatoren, Turbinen und andere Bauteile für Kraftwerke herstellte. Die Produktion des „bebo sher“ erfolgte daher auch nicht freiwillig: Der Ministerrat der DDR sah die Folgen der Mangelwirtschaft an Konsum- und Gebrauchsgegenständen und suchte nach einer Lösung. 1953 wurden per Beschluss die großen Produktionsbetriebe dazu verpflichtet, neben ihren eigentlichen Produkten auch Güter des täglichen Bedarfs herzustellen. Bei Bergmann Borsig war das nicht nur der Rasierer, sondern auch Rollschuhe, Schlittschuhe und Schlüsselringe.

Ich finde es spannend, dass in Corona-Zeiten das, was damals zwangsweise angeordnet wurde, heute eine Überlebensstrategie geworden ist: Craft-Bier-Brauereien haben kurzfristig Desinfektionsmittel hergestellt, Trigema hat Masken genäht, Theater-Werkstätten haben Plexiglaswände gebaut und verkauft. Und ich meine Überlebensstrategie ganz ernst, denn ich bin davon überzeugt, dass die fatalen Auswirkungen (nicht nur) auf Produktions- und Zulieferbetriebe erst im Herbst und Winter dieses Jahres spürbar werden. Wer jetzt in der Lage ist, kreatives und innovatives Potential zu sehen, zu entwickeln und sich auf die so neu entstehenden Märkte zu begeben, hat eine gute Chance, gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Business as usual, das Hoffen auf die Rückkehr in eine „Normalität“ wie vor Corona, das Verharren in der Starre, das werden die Sargnägel für manche Betriebe sein.

An dieser Stelle möchte ich meine Freunde von den Fabriktestern erwähnen, die seit über 10 Jahren produzierendes Gewerbe darin trainieren, ihre Produktion zu optimieren und ihren Vertrieb zu verbessern. Sie haben schnell reagiert und stehen interessierten UnternehmerInnen zur Verfügung, um diese Potenziale zu erkennen und – wie Schätze – zu heben. Denn oftmals hilft der Blick von aussen, die Chancen zu sehen, die die Betriebsblindheit unsichtbar macht.

Und daher kann ich nur mit einer Frage schließen: „Was wird Ihr bebo sher?“

 

 

 

 

7 Gründe, warum Listen immer noch funktionieren (mit gifs!)

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Feeds nur noch aus „Listicles“ (einer Kombinationen aus Liste (engl. „list“) und Artikel (engl. „article“) ) bestehen. „Die 15 wichtigsten Tralalas“, die „6 Insider Tipps für erfolgreiches Was-weiß-ich“ und so weiter. Alles, was so in den Content-Marketing-Abteilungen herumspringt, scheint ausschließlich auf Listicles fokussiert zu sein: einfach zu machen, schnell zu konsumieren, noch schneller wieder verdaut und vergessen. Listicles sind der Big Mac des Content Marketing, Fast Food. Doch warum funktionieren sie immer noch?

  • 1. Wir sind mit Listen vertraut – seit Kindheitstagen

Der Wunschzettel zu Weihnachten? Eine Liste. Welche Kinder können zum Geburtstag eingeladen werden? Eine Liste. Sternchen sammeln für Haushaltsarbeiten? Eine Liste. Das Hausaufgabenheft? Eine Liste. Und womit fixt man die lieben Kleinen richtig an? Genau: mit dem „Lotta-Leben Listenbuch“.

Doch auch sonst werden wir in unserer Vergangenheit schnell fündig: die zehn Gebote, die sieben Todsünden, die zwölf Heldentaten des Herkules, die sieben Weltwunder (würden heute wahrscheinlich eher mit “ die sieben coolsten places to see – mit Instagram-Selfie-Spot-Tipp“ heissen).

Wir werden zudem tagtäglich von Input überflutet: „Diesen Tsunami an Informationen versucht unser Gehirn automatisch zu sortieren und ihren Sinn zu erkennen. Deshalb werden wir von Listicles angezogen.“, so beschrieb schon der Autor Steve Denning deren Magnetismus.

Wir haben also das Listendenken quasi bereits in unseren Genen angelegt („die fünf wichtigsten Sequenzen unserer DNA“).

  • 2. „Ich hab doch keine Zeit! Zum Lesen!“

Online-Leser lesen anders: Das Lesen eines Online-Textes dauert rund 25% länger als das Lesen eines Print-Textes, was daran liegt, dass am Bildschirm die Augen schneller ermüden und wir uns schlechter konzentrieren können. Wir lesen im Internet zudem meist nicht Zeile für Zeile, sondern scannen die Inhalte von oben nach unten und dabei nehmen wir zunächst die Überschriften wahr. Listicles bestehen ja fast nur aus Überschriften…. Sie sind also der perfekte kleine Ablenkungssnack für Zwischendurch, wenn man es denn schafft, sich wieder loszureissen.

  • 3. Ich hab doch keine Zeit! Zum Schreiben!“

Braucht man ja auch nicht. Der Druck in den Social Media Abteilungen ist ohnehin riesig groß, jeden Tag muss mehrmals irgendetwas abgesondert werden, was man den Netzwerken in den Rachen werfen kann. Schneller kann Content jedoch nicht erstellt werden – und da es weder so etwas wie Wissen noch einen roten Faden benötigt (die Reihenfolge ist ja beliebig), kann auch der Praktikant den lieben langen Tag Listen schreiben. Schnell noch ein paar lustige gifs hinzugefügt und schon ist die Aufmerksamkeit gesichert! Wer mir das nicht glaubt, der klicke einfach auf „listverse„, dem Universum aller Listicles…

Wenn mir also eines Tages nichts mehr einfällt, dann kommen die „5 wichtigsten Marketing-Bücher, die ihr gelesen haben müsst“, die „8 wichtigsten Marketing-Dokus, die ihr gesehen haben müsst“, der „1 wichtigste Marketing-Podcast, den ihr gehört haben müsst.“ – und: „Die 5 Haltungen, in denen ich bei 36 Grad am wenigsten schwitze, wenn ich mich nicht bewege.“ Das ist eine Drohung, kein Versprechen.

  • 4. Die Millenials lieben Listicles!

Ja, aber die lieben auch Club Mate, Matcha Eis und TikTok. Nächster Punkt, bitte.

  • 5. Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zugegeben, auch ich klicke auf Listicles, manchmal. Hat wohl was mit Sadomasochismus zu tun. Denn auch, wenn ich weiß, dass von den „10 Geheimtipps an deinem Urlaubsort“ mindestens 7 in jedem Reiseführer (print wie online) stehen und 2 schon wieder geschlossen sind, so ist doch insgeheim die Hoffnung da, dass einer, ja wenigstens nur einer der Tipps wirklich etwas neues ist. Nur spätestens nach dem Listicle ist der dann auch nicht mehr geheim, sondern überlaufen.

  • 6. Keine Fragen mehr, Euer Ehren!

Listen sind aufgrund ihrer Struktur nicht nur leicht zu konsumieren, sondern sie bringen uns auch eine ersehnte Eindeutigkeit. So – und nicht anders ist die Welt und das Leben. Das Prinzip „Bestseller-Liste“: Auf der Liste zu erscheinen, ist bereits ein Erfolg. Wer sie anführt, ist ein Siegertyp. Und so stillen Listicles das ewig-menschliche Bedürfnis nach Wettbewerb, Vergleichbarkeit und Eindeutigkeit. Was viele lesen, muss auch gut sein. Und für die Non-Konformisten gibt es ja noch die Liste mit den Geheimtipps… Wenn auch die Inhalte keinen Mehrwert bieten, so doch die Struktur: Alles wird einfach, eindeutig und klar.

Die Mehrdeutigkeit der Welt und unseres Lebens überfordert ja viele von uns. Wie schön, dass Listen unsere Lebensbereiche strukturieren… Und natürlich empfinden wir so etwas wie tiefe Dankbarkeit dem Schöpfer dieser Listen – und vielleicht binden wir uns ja sogar dauerhaft an diesen Contentlieferer.

7. Mach mit, mach’s nach, mach’s besser!

Listen sind nie vollendet. So willkürlich die Anzahl der Items sind (und angeblich sollen ja Listen mit 29 Bestandteilen besonders erfolgreich sein), so unvollständig bleiben sie jedoch. Und das kann nun zum „Call to action“ genutzt werden, in dem man die Lesenden dazu aufruft, die Liste doch um ihre Ideen und Vorschläge zu erweitern. Jetzt betreten wir endgültig die heilige Halle der Interaktion im Tempel des Content-Marketing.

Achtet doch selbst einmal darauf, wie viele Liste euch täglich begegnen – nicht nur online, sondern auch in Printmedien oder im Fernsehen lauern Listicles auf uns. Und mein Haus- und Hofsender „radioeins“ beschert uns jeden Sommersonntag die 100 besten Songs. Es gibt also kein Entkommen. Wollen wir überhaupt entkommen? Wenn nein, welches sind denn eure Lieblingslisten? Was gefällt euch am Listicle-Wahn und was nervt euch? Nutzt die Kommentarfunktion und diskutiert doch einfach mit…. 😉

 

 

 

Auch Sie, ja Sie, können mit Porno ganz groß rauskommen!

Dass ich so etwas titeln würde, habe ich mir auch nie träumen lassen, aber es ist wahr: Porno kann kleinen Unternehmenden den großen Erfolg bringen. Und Sie müssen sich noch nicht einmal ausziehen dafür!!

Pornhub, die kanadische Plattform für die schnelle Befriedigung zwischendurch, bietet kleinen Betrieben nämlich „ein großes Paket“ an:

Weltweit (!) können sich Unternehmen dafür bewerben, solange diese weniger als 100 Mitarbeitende haben. 1.000 Businesses werden ausgewählt und erhalten kostenfreie Werbeschaltungen, die zudem von der Pornhub Agentur Officer & Gentleman ebenso kostenfrei gestaltet werden.

Ok, warum sollte man als aufstrebende kleine Firma nun ausgerechnet auf Pornhub werben? Simple Antwort: Reichweite. Laut Pornhub besuchen 120 Millionen „unique visitors“ die Seite täglich. Pornhub verspricht, insgesamt 1 Milliarde Page-Impressions zu verschenken.

Porno ist ja zwischenzeitlich gesellschaftsfähig und Mainstream geworden – und hat nichts mehr mit den schmuddeligen Bahnhof-Kinos zu tun, in die sich früher Männer mit hochgestellten Mantelkrägen hineingeschlichen haben. Alle Altersklassen, alle Geschlechter, alle Bildungsgrade tummeln sich auf den xxx-Seiten. Und die zehn ausgewählten Beispiele im Video zeigen ja auch, dass die Betreiber*innen sich nie vorstellen konnten, je auf einer Pornoseite zu werden, es ihrem Geschäft aber durchaus einen kleinen Turbo gebracht hat.

Natürlich ist dies auch ein cleverer Marketing-Stunt von Pornhub, um damit das eigene Werbegeschäft zu promoten. Kreativ waren sie schon immer, ob sie nun Familienspots zu Weihnachten produzierten, Gutscheine für den Valentinstag verschenkten oder einfallslosen Kindern bei der Wahl des Muttertagsgeschenkes halfen:

Einfacher war es jedenfalls nie für kleine Unternehmen, kostenfrei eine hohe Reichweite zu bekommen. Also bewerbt euch und mit etwas Glück sprechen auch eure Neukunden euch demnächst mit „Ich hab da ihre Anzeige bei Pornhub gesehen“ an….

Das bisschen Werbung macht sich doch von selbst, sagt mein Chef…

Der schlimmste Satz lautet in allen Unternehmen gleich: „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Dicht gefolgt von: „Das bisschen Marketing macht bei uns der Chef mit“. Warum das zu kurz gedacht ist, habe ich im radioeins-Interview mit den Herren von „Zweiaufeins“ erörtert:

Wie im Interview erzählt, gibt es immer die Möglichkeit, Botschaften in die Köpfe der Konsumenten reinzuhämmern – wenn man das entsprechende Budget dafür zu Verfügung hat. Wenn nicht, dann heißt es: „Auffallen um jeden Preis!“. Aber ob ich beim nächsten Mal, wenn ich „Gas, Wasser, Scheiße“ denke, mich automatisch an Werner Harm erinnern werde….ich bezweifle es.

Neudeutsch gesprochen ist es in diesem Beispiel jedoch schon einmal gelungen, „Content“ zu schaffen, denn natürlich habe ich das Bild auf allen meinen sozialen Kanälen geteilt und Herrn Harm damit mehr Kontakte beschert, als er vielleicht auf klassische Weise erreicht hätte.

Im Marketing verschieben sich die Schwerpunkte: Es geht heute nicht mehr darum, mit langweiligen Werbebotschaften den Menschen auf die Nerven zu gehen, sondern stattdessen diese lieber quasi magisch anzuziehen, in dem man ihnen an möglichst vielen Kontaktpunkten spannende Inhalte anbietet. Inbound-Marketing wird das genannt und soll die neue Allzweckwaffe gegen Werbemüdigkeit sein (meine Skepsis schimmert hier etwas durch…).

Aber im Grunde mache ich hier nicht anderes: Mit dem radioeins-Interview habe ich unterhaltsamen Content geschaffen, den ich hier im Blog noch einmal aufbereite. Und natürlich poste ich dieses Blogbeitrag bei Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing und Instagram und multipliziere so den Content – wie seid ihr zu diesem Post gekommen?

Und wenn jetzt irgendwann mal jemand einen Workshop, Vortrag oder einen Dozenten zum Thema „Inbound-Marketing“ sucht – bei Google beispielsweise -, dann findet er/sie diesen Blogbeitrag und nimmt mit mir Kontakt auf und bucht mich.

Doch das ist natürlich noch nicht alles, den zum Inbound Marketing gehören auch Themen wie Suchmaschinen-Optimierung und -Werbung, Whitepaper, Podcasting, PR, Webinare und vieles mehr dazu.

Wer sich für dieses Thema interessiert – kann natürlich Kontakt mit mir aufnehmen – oder aber einen Blick auf das Angebot der XU-Group werfen, denn für diese habe ich gerade zwei Learning Journeys zu den Themen „Inbound Marketing“ und „Paid Media“ entwickelt und kuratiert mit einem Umfang von jeweils 160 Stunden.

Es ist also komplex – und weit mehr als nur „ein bisschen Werbung“. Natürlich sollte der Chef wissen, was in seinem Marketing passiert, aber alles alleine machen….?!

P.S.

Auch den Titel dieses Posts habe ich einem Song-Klassiker entlehnt, den die „alten Säcke“ unter uns noch kennen – für alle anderen hier noch das Original:

Billie, Billie don’t you lose my number…

„Kunde droht mit Anruf“, ist ja immer noch ein gern gemachter Scherz in manchen Büros, gemacht oftmals von dem leicht feisten Kollegen mit den Diddl-Socken. Tatsächlich lässt sich an der Kunden-Hotline bestens ablesen, wie viel wir dem Unternehmen wirklich wert sind und wie ernst man uns nimmt.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Mobilfunk: Bei Anbieter 1 sprach ich immerhin mit Menschen, allerdings weiß ich bis heute nicht, wo die eigentlich saßen und ob sie meiner Sprache überhaupt mächtig waren, denn anscheinend lasen sie nur ab, was auf dem Monitor vor ihnen stand. Auf meine Rückfragen konnten sie nicht antworten, so dass das Gespräch leider erfolglos beendet wurde. Aber mir wurden wiederholt irgendwelche Gigabyte angeboten, die ich weder brauchte noch wollte.

Bei Anbieter Nummer 2 sprechen nur noch die Chatbots – und damit es nicht zu eintönig wird, gibt es eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber auch die haben mir bei meinem Problem nicht helfen können. Ich rief dann übrigens direkt bei dem Shop an, wo ich tags zuvor das sündhaft teure Handy gekauft hatte, das nun Probleme bereitete, aber auch dort gelangte ich – egal zu welcher Zeit – nach 2x Klingeln direkt zum Anrufbeantworter.

Ich glaube, von diesen Geschichten hat jeder welche auf Lager. Wenn man ein Problem hat, dann soll man bloß nicht anrufen, denn im Zweifelsfall gibt es bereits bei YouTube ein Video dazu.

Wie un-end-lich dumm und kundenunfreundlich. Es geht nämlich auch ganz anders:

Taika cans with telephone number on it

Taika, finnisch für Magie, bringt Kaffee in Dosen auf den Markt. Das besondere sind hier die beigefügten Adaptogene, biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Doch es geht mir gar nicht um das Produkt. Sondern um die nicht sehr unauffällig platzierte Telefonnummer auf den Dosen.

Kalle Freese, einer der Gründer, erklärte dies im Interview:

This is the perfect example of the “wow” experience I love to create for my customers. (…) With Taika, we’re building the version 3.0 of what I call “scalable hospitality:” leveraging technology to accentuate the product experience and enable our customers to connect with the brand in a fun and accessible way.

In the beginning, I put my personal number on the cans so people could text us feedback and order more. It worked so well that we decided to put the number front and center. We’ve had some hilarious philosophical discussions with people trying to figure out whether they’re talking to a bot or a human. It’s fun and weird—a pretty good substitute for not being able to go to your local coffee shop right now.

(Quelle)

Jetzt könnte man meinen, das sei ja nur ein kleiner Gag, aber an anderer Stelle berichteten die Gründer, dass diese direkte Erfahrung, die die Kunden mit der Marke machen, nicht nur die Bindung erhöht, sondern auch eine hervorragende Form der Marktforschung ist und sie viele Interessenten, die sich nur mal „just for fun“ gemeldet hatten, nach 15 – 20 Textnachrichten zum bestellenden Kunden verwandelten.“Ruf! Mich! An!“ funktioniert also auch, wenn man seine Kunden nicht anschreit und mit der Peitsche bedroht…

Man muss eben nur zuhören und seine Kunden als Impulsgeber verstehen – und schon bekommt der Begriff „Kundenwert“ eine ganz neue Bedeutung! Es liegt an der grundsätzlichen Philosophie hinter dem Produkt, denn die Ausgangsfrage der Gründer lautete: „Wie fühlst du dich, wenn du Kaffee trinkst?“. Das führt zu ganz unterschiedlichen Aspekten, denn der eine Kaffee morgens soll uns wach (und ansprechbar) machen, der Kaffee am Nachmittag uns entspannen und der Espresso nach dem Essen soll das Völlegefühl nehmen.

James Hoffmann, einer der Investoren, nennt diesen Ansatz: „Coffee as a destination“

Ok, um ehrlich zu sein, der Kundenwert funktioniert natürlich auch bei Taika (folgt ihnen auf Instagram!) noch im ganz klassischen Sinne, denn eine Dose kostet 5 – 6 $….

Als ich diesen Preis das ersten Mal las, brauchte mein schwaches Herz erst einmal einen frisch gebrühten Kaffee – ganz ohne Adaptogene.

Abschließend für alle diejenigen, die sich an den tollen, titelgebenden Song von Phil Collins aus dem Jahre 1985 nicht erinnern können, hier noch zum Abschluß – vielleicht als Begleitung zum Heißgetränk –  das *räusper* epische Musik-Video:

All in, one out

„Influencer Marketing“ ist ja nun wirklich ein zu Tode gehyptes Thema und mittlerweile sollte auch jedem aufgegangen sein, dass es sich hierbei lediglich um alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Betagt wie ich bin, habe ich bereits oft erleben dürfen, wie eine Menge heiße Luft um nichts produziert wurde und irgendwann dann doch alle merkten, dass der Kaiser nackt ist.

Wenn alle in sein wollen, dann ist natürlich nur derjenige wirklich in, der out ist. Und daher freue ich mich nun auf den allerallerneuesten Schrei, das „Outfluencer Marketing“ – viel Vergnügen!

This is the end of the Supermarkt as we know it

Was nervt am Einkaufen im Supermarkt am meisten? Die sperrigen Einkaufwagen, die einem immer im Weg rumstehen? Die langen Schlangen an den Kassen? Die Kundin vor einem, die die 67 Cent einzeln aus ihrem Portemonnaie sucht? Oder doch eher der Kunde, der seinen Einkauf für 3,89 € mit der Kreditkarte zahlt, 2x seine Geheimnummer falsch eingibt und dann erst noch die in seinem Kalender verschlüsselte Geheimnummer entschlüsseln muss, bevor er endlich zahlen kann?

Oder ganz einfach: alles zusammen??

Unsere Qualen haben ein Ende, denn Amazon hat sich nun daran gemacht, den stationären Lebensmitteleinzelhandel neu zu denken – und das ist dabei herausgekommen:

Keine Schlangen, keine Kassen. Pack & Go sozusagen. Noch ist der Shop in der Betaphase und nur für Angestellte von Amazon zu nutzen, aber 2017 soll der erste Laden in Seattle eröffnet werden. Und wie schon zuvor bei seinen Buchgeschäften wird Amazon das Konzept bei Erfolg breit streuen.

Doch nicht nur Lebensmittel und andere „klassische“ Supermarkt-Artikel, sondern auch fertige Mahlzeiten will Amazon anbieten sowie eine Art „Kochhaus„: Rezepte und genau proportionierte Zutaten, die man dann zuhause in kurzer Zeit zubereiten kann. Und natürlich wird es in den Läden genau das geben, was beim Online-Handel so sehr vermisst wird: das Einkaufserlebnis, z.B. an Live-Kochstationen.

Bitter ist diese Entwicklung für den deutschen Handel, der (wieder einmal) aus dem Mustopp kommt: In Vorbereitung auf den Konkurrenten „Amazon fresh“ haben alle großen Ketten eigene Lieferservices aufgebaut, bei denen sie jedoch nach wie vor draufzahlen, jede Lieferung kostet sie Geld. Doch Amazon denkt gar nicht daran, sich weiter´nur am Online-Handel zu orientieren. Sie haben die Logistik, die Technologie und die Kunden, um solche Konzepte durchzuziehen – und sie sparen Personalkosten, denn Kassierer sind in diesem Modell nicht mehr nötig.

Amazon Go: 2017 in Seattle – und ganz bald auch bei uns um die Ecke…

 

I put a smell on you

Weihnachten steht vor der Tür, es riecht bald lecker nach Zimtsternen, Glühwein, gebrannten Mandeln – und dem Duft eines frisch geöffneten Apple Mac-Kartons.

Denn für alle Apple-Jünger ist sie endlich da, quasi Weihrauch und Taufkerze in einem, die „New Mac“-Duftkerze!

Für lachhafte 24 $ plus Versandkosten bekommt man den einmaligen und unwiderstehlichen Geruch eines frisch ausgepacktes Mac-Books nach Hause geliefert. Da oller Karton jetzt auf Dauer (bis zu 55 Stunden Brennzeit) nicht sooo gut riecht, ist die selbstverständlich handgegossene Kerze mit dezenten Duftnoten von wahlweise Minze, Pfirsich, Basilikum, Lavendel oder Salbei angereichert.

Und – Donald wird es freuen – sie wird in South Carolina hergestellt, ein uramerikanisches Produkt also (was man vom Mac nun nicht wirklich behaupten kann…)

Was kommt als nächstes? Die Deutsche Bahn plant wahrscheinlich schon einen Versuch mit der Berliner-S-Bahn-Duftkerze und auch der andere Mac überlegt bestimmt schon, wie man die Pommes-Verpackung als Aroma einfangen kann. Und auf einmal wird der Schnupfen mein Freund….