Wenn ich nur so begehrt wär‘ wie der bebo sher

Wer sich jetzt fragt, wer oder was ein „bebo sher“ ist, ist entweder spätgeboren oder nicht in den ostdeutschen Bundesländern sozialisiert worden. Oder beides. Ich persönlich kenne den „bebo sher“ auch nur aus ulkig-kultigen Werbspots:

„sher“ ist natürlich nicht entstanden aus der Unkenntnis der englischen Sprache, sondern steht für „schnell – hautschonend – elektrisch – rasiert“. Und „bebo“ ist das Kürzel für den VEB Bergmann Borsig.

Bergmann Borsig war eigentlich ein Betrieb der Schwerindustrie, der Generatoren, Turbinen und andere Bauteile für Kraftwerke herstellte. Die Produktion des „bebo sher“ erfolgte daher auch nicht freiwillig: Der Ministerrat der DDR sah die Folgen der Mangelwirtschaft an Konsum- und Gebrauchsgegenständen und suchte nach einer Lösung. 1953 wurden per Beschluss die großen Produktionsbetriebe dazu verpflichtet, neben ihren eigentlichen Produkten auch Güter des täglichen Bedarfs herzustellen. Bei Bergmann Borsig war das nicht nur der Rasierer, sondern auch Rollschuhe, Schlittschuhe und Schlüsselringe.

Ich finde es spannend, dass in Corona-Zeiten das, was damals zwangsweise angeordnet wurde, heute eine Überlebensstrategie geworden ist: Craft-Bier-Brauereien haben kurzfristig Desinfektionsmittel hergestellt, Trigema hat Masken genäht, Theater-Werkstätten haben Plexiglaswände gebaut und verkauft. Und ich meine Überlebensstrategie ganz ernst, denn ich bin davon überzeugt, dass die fatalen Auswirkungen (nicht nur) auf Produktions- und Zulieferbetriebe erst im Herbst und Winter dieses Jahres spürbar werden. Wer jetzt in der Lage ist, kreatives und innovatives Potential zu sehen, zu entwickeln und sich auf die so neu entstehenden Märkte zu begeben, hat eine gute Chance, gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Business as usual, das Hoffen auf die Rückkehr in eine „Normalität“ wie vor Corona, das Verharren in der Starre, das werden die Sargnägel für manche Betriebe sein.

An dieser Stelle möchte ich meine Freunde von den Fabriktestern erwähnen, die seit über 10 Jahren produzierendes Gewerbe darin trainieren, ihre Produktion zu optimieren und ihren Vertrieb zu verbessern. Sie haben schnell reagiert und stehen interessierten UnternehmerInnen zur Verfügung, um diese Potenziale zu erkennen und – wie Schätze – zu heben. Denn oftmals hilft der Blick von aussen, die Chancen zu sehen, die die Betriebsblindheit unsichtbar macht.

Und daher kann ich nur mit einer Frage schließen: „Was wird Ihr bebo sher?“

 

 

 

 

7 Gründe, warum Listen immer noch funktionieren (mit gifs!)

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Feeds nur noch aus „Listicles“ (einer Kombinationen aus Liste (engl. „list“) und Artikel (engl. „article“) ) bestehen. „Die 15 wichtigsten Tralalas“, die „6 Insider Tipps für erfolgreiches Was-weiß-ich“ und so weiter. Alles, was so in den Content-Marketing-Abteilungen herumspringt, scheint ausschließlich auf Listicles fokussiert zu sein: einfach zu machen, schnell zu konsumieren, noch schneller wieder verdaut und vergessen. Listicles sind der Big Mac des Content Marketing, Fast Food. Doch warum funktionieren sie immer noch?

  • 1. Wir sind mit Listen vertraut – seit Kindheitstagen

Der Wunschzettel zu Weihnachten? Eine Liste. Welche Kinder können zum Geburtstag eingeladen werden? Eine Liste. Sternchen sammeln für Haushaltsarbeiten? Eine Liste. Das Hausaufgabenheft? Eine Liste. Und womit fixt man die lieben Kleinen richtig an? Genau: mit dem „Lotta-Leben Listenbuch“.

Doch auch sonst werden wir in unserer Vergangenheit schnell fündig: die zehn Gebote, die sieben Todsünden, die zwölf Heldentaten des Herkules, die sieben Weltwunder (würden heute wahrscheinlich eher mit “ die sieben coolsten places to see – mit Instagram-Selfie-Spot-Tipp“ heissen).

Wir werden zudem tagtäglich von Input überflutet: „Diesen Tsunami an Informationen versucht unser Gehirn automatisch zu sortieren und ihren Sinn zu erkennen. Deshalb werden wir von Listicles angezogen.“, so beschrieb schon der Autor Steve Denning deren Magnetismus.

Wir haben also das Listendenken quasi bereits in unseren Genen angelegt („die fünf wichtigsten Sequenzen unserer DNA“).

  • 2. „Ich hab doch keine Zeit! Zum Lesen!“

Online-Leser lesen anders: Das Lesen eines Online-Textes dauert rund 25% länger als das Lesen eines Print-Textes, was daran liegt, dass am Bildschirm die Augen schneller ermüden und wir uns schlechter konzentrieren können. Wir lesen im Internet zudem meist nicht Zeile für Zeile, sondern scannen die Inhalte von oben nach unten und dabei nehmen wir zunächst die Überschriften wahr. Listicles bestehen ja fast nur aus Überschriften…. Sie sind also der perfekte kleine Ablenkungssnack für Zwischendurch, wenn man es denn schafft, sich wieder loszureissen.

  • 3. Ich hab doch keine Zeit! Zum Schreiben!“

Braucht man ja auch nicht. Der Druck in den Social Media Abteilungen ist ohnehin riesig groß, jeden Tag muss mehrmals irgendetwas abgesondert werden, was man den Netzwerken in den Rachen werfen kann. Schneller kann Content jedoch nicht erstellt werden – und da es weder so etwas wie Wissen noch einen roten Faden benötigt (die Reihenfolge ist ja beliebig), kann auch der Praktikant den lieben langen Tag Listen schreiben. Schnell noch ein paar lustige gifs hinzugefügt und schon ist die Aufmerksamkeit gesichert! Wer mir das nicht glaubt, der klicke einfach auf „listverse„, dem Universum aller Listicles…

Wenn mir also eines Tages nichts mehr einfällt, dann kommen die „5 wichtigsten Marketing-Bücher, die ihr gelesen haben müsst“, die „8 wichtigsten Marketing-Dokus, die ihr gesehen haben müsst“, der „1 wichtigste Marketing-Podcast, den ihr gehört haben müsst.“ – und: „Die 5 Haltungen, in denen ich bei 36 Grad am wenigsten schwitze, wenn ich mich nicht bewege.“ Das ist eine Drohung, kein Versprechen.

  • 4. Die Millenials lieben Listicles!

Ja, aber die lieben auch Club Mate, Matcha Eis und TikTok. Nächster Punkt, bitte.

  • 5. Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zugegeben, auch ich klicke auf Listicles, manchmal. Hat wohl was mit Sadomasochismus zu tun. Denn auch, wenn ich weiß, dass von den „10 Geheimtipps an deinem Urlaubsort“ mindestens 7 in jedem Reiseführer (print wie online) stehen und 2 schon wieder geschlossen sind, so ist doch insgeheim die Hoffnung da, dass einer, ja wenigstens nur einer der Tipps wirklich etwas neues ist. Nur spätestens nach dem Listicle ist der dann auch nicht mehr geheim, sondern überlaufen.

  • 6. Keine Fragen mehr, Euer Ehren!

Listen sind aufgrund ihrer Struktur nicht nur leicht zu konsumieren, sondern sie bringen uns auch eine ersehnte Eindeutigkeit. So – und nicht anders ist die Welt und das Leben. Das Prinzip „Bestseller-Liste“: Auf der Liste zu erscheinen, ist bereits ein Erfolg. Wer sie anführt, ist ein Siegertyp. Und so stillen Listicles das ewig-menschliche Bedürfnis nach Wettbewerb, Vergleichbarkeit und Eindeutigkeit. Was viele lesen, muss auch gut sein. Und für die Non-Konformisten gibt es ja noch die Liste mit den Geheimtipps… Wenn auch die Inhalte keinen Mehrwert bieten, so doch die Struktur: Alles wird einfach, eindeutig und klar.

Die Mehrdeutigkeit der Welt und unseres Lebens überfordert ja viele von uns. Wie schön, dass Listen unsere Lebensbereiche strukturieren… Und natürlich empfinden wir so etwas wie tiefe Dankbarkeit dem Schöpfer dieser Listen – und vielleicht binden wir uns ja sogar dauerhaft an diesen Contentlieferer.

7. Mach mit, mach’s nach, mach’s besser!

Listen sind nie vollendet. So willkürlich die Anzahl der Items sind (und angeblich sollen ja Listen mit 29 Bestandteilen besonders erfolgreich sein), so unvollständig bleiben sie jedoch. Und das kann nun zum „Call to action“ genutzt werden, in dem man die Lesenden dazu aufruft, die Liste doch um ihre Ideen und Vorschläge zu erweitern. Jetzt betreten wir endgültig die heilige Halle der Interaktion im Tempel des Content-Marketing.

Achtet doch selbst einmal darauf, wie viele Liste euch täglich begegnen – nicht nur online, sondern auch in Printmedien oder im Fernsehen lauern Listicles auf uns. Und mein Haus- und Hofsender „radioeins“ beschert uns jeden Sommersonntag die 100 besten Songs. Es gibt also kein Entkommen. Wollen wir überhaupt entkommen? Wenn nein, welches sind denn eure Lieblingslisten? Was gefällt euch am Listicle-Wahn und was nervt euch? Nutzt die Kommentarfunktion und diskutiert doch einfach mit…. 😉

 

 

 

Auch Sie, ja Sie, können mit Porno ganz groß rauskommen!

Dass ich so etwas titeln würde, habe ich mir auch nie träumen lassen, aber es ist wahr: Porno kann kleinen Unternehmenden den großen Erfolg bringen. Und Sie müssen sich noch nicht einmal ausziehen dafür!!

Pornhub, die kanadische Plattform für die schnelle Befriedigung zwischendurch, bietet kleinen Betrieben nämlich „ein großes Paket“ an:

Weltweit (!) können sich Unternehmen dafür bewerben, solange diese weniger als 100 Mitarbeitende haben. 1.000 Businesses werden ausgewählt und erhalten kostenfreie Werbeschaltungen, die zudem von der Pornhub Agentur Officer & Gentleman ebenso kostenfrei gestaltet werden.

Ok, warum sollte man als aufstrebende kleine Firma nun ausgerechnet auf Pornhub werben? Simple Antwort: Reichweite. Laut Pornhub besuchen 120 Millionen „unique visitors“ die Seite täglich. Pornhub verspricht, insgesamt 1 Milliarde Page-Impressions zu verschenken.

Porno ist ja zwischenzeitlich gesellschaftsfähig und Mainstream geworden – und hat nichts mehr mit den schmuddeligen Bahnhof-Kinos zu tun, in die sich früher Männer mit hochgestellten Mantelkrägen hineingeschlichen haben. Alle Altersklassen, alle Geschlechter, alle Bildungsgrade tummeln sich auf den xxx-Seiten. Und die zehn ausgewählten Beispiele im Video zeigen ja auch, dass die Betreiber*innen sich nie vorstellen konnten, je auf einer Pornoseite zu werden, es ihrem Geschäft aber durchaus einen kleinen Turbo gebracht hat.

Natürlich ist dies auch ein cleverer Marketing-Stunt von Pornhub, um damit das eigene Werbegeschäft zu promoten. Kreativ waren sie schon immer, ob sie nun Familienspots zu Weihnachten produzierten, Gutscheine für den Valentinstag verschenkten oder einfallslosen Kindern bei der Wahl des Muttertagsgeschenkes halfen:

Einfacher war es jedenfalls nie für kleine Unternehmen, kostenfrei eine hohe Reichweite zu bekommen. Also bewerbt euch und mit etwas Glück sprechen auch eure Neukunden euch demnächst mit „Ich hab da ihre Anzeige bei Pornhub gesehen“ an….

Das bisschen Werbung macht sich doch von selbst, sagt mein Chef…

Der schlimmste Satz lautet in allen Unternehmen gleich: „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Dicht gefolgt von: „Das bisschen Marketing macht bei uns der Chef mit“. Warum das zu kurz gedacht ist, habe ich im radioeins-Interview mit den Herren von „Zweiaufeins“ erörtert:

Wie im Interview erzählt, gibt es immer die Möglichkeit, Botschaften in die Köpfe der Konsumenten reinzuhämmern – wenn man das entsprechende Budget dafür zu Verfügung hat. Wenn nicht, dann heißt es: „Auffallen um jeden Preis!“. Aber ob ich beim nächsten Mal, wenn ich „Gas, Wasser, Scheiße“ denke, mich automatisch an Werner Harm erinnern werde….ich bezweifle es.

Neudeutsch gesprochen ist es in diesem Beispiel jedoch schon einmal gelungen, „Content“ zu schaffen, denn natürlich habe ich das Bild auf allen meinen sozialen Kanälen geteilt und Herrn Harm damit mehr Kontakte beschert, als er vielleicht auf klassische Weise erreicht hätte.

Im Marketing verschieben sich die Schwerpunkte: Es geht heute nicht mehr darum, mit langweiligen Werbebotschaften den Menschen auf die Nerven zu gehen, sondern stattdessen diese lieber quasi magisch anzuziehen, in dem man ihnen an möglichst vielen Kontaktpunkten spannende Inhalte anbietet. Inbound-Marketing wird das genannt und soll die neue Allzweckwaffe gegen Werbemüdigkeit sein (meine Skepsis schimmert hier etwas durch…).

Aber im Grunde mache ich hier nicht anderes: Mit dem radioeins-Interview habe ich unterhaltsamen Content geschaffen, den ich hier im Blog noch einmal aufbereite. Und natürlich poste ich dieses Blogbeitrag bei Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing und Instagram und multipliziere so den Content – wie seid ihr zu diesem Post gekommen?

Und wenn jetzt irgendwann mal jemand einen Workshop, Vortrag oder einen Dozenten zum Thema „Inbound-Marketing“ sucht – bei Google beispielsweise -, dann findet er/sie diesen Blogbeitrag und nimmt mit mir Kontakt auf und bucht mich.

Doch das ist natürlich noch nicht alles, den zum Inbound Marketing gehören auch Themen wie Suchmaschinen-Optimierung und -Werbung, Whitepaper, Podcasting, PR, Webinare und vieles mehr dazu.

Wer sich für dieses Thema interessiert – kann natürlich Kontakt mit mir aufnehmen – oder aber einen Blick auf das Angebot der XU-Group werfen, denn für diese habe ich gerade zwei Learning Journeys zu den Themen „Inbound Marketing“ und „Paid Media“ entwickelt und kuratiert mit einem Umfang von jeweils 160 Stunden.

Es ist also komplex – und weit mehr als nur „ein bisschen Werbung“. Natürlich sollte der Chef wissen, was in seinem Marketing passiert, aber alles alleine machen….?!

P.S.

Auch den Titel dieses Posts habe ich einem Song-Klassiker entlehnt, den die „alten Säcke“ unter uns noch kennen – für alle anderen hier noch das Original:

Billie, Billie don’t you lose my number…

„Kunde droht mit Anruf“, ist ja immer noch ein gern gemachter Scherz in manchen Büros, gemacht oftmals von dem leicht feisten Kollegen mit den Diddl-Socken. Tatsächlich lässt sich an der Kunden-Hotline bestens ablesen, wie viel wir dem Unternehmen wirklich wert sind und wie ernst man uns nimmt.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Mobilfunk: Bei Anbieter 1 sprach ich immerhin mit Menschen, allerdings weiß ich bis heute nicht, wo die eigentlich saßen und ob sie meiner Sprache überhaupt mächtig waren, denn anscheinend lasen sie nur ab, was auf dem Monitor vor ihnen stand. Auf meine Rückfragen konnten sie nicht antworten, so dass das Gespräch leider erfolglos beendet wurde. Aber mir wurden wiederholt irgendwelche Gigabyte angeboten, die ich weder brauchte noch wollte.

Bei Anbieter Nummer 2 sprechen nur noch die Chatbots – und damit es nicht zu eintönig wird, gibt es eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber auch die haben mir bei meinem Problem nicht helfen können. Ich rief dann übrigens direkt bei dem Shop an, wo ich tags zuvor das sündhaft teure Handy gekauft hatte, das nun Probleme bereitete, aber auch dort gelangte ich – egal zu welcher Zeit – nach 2x Klingeln direkt zum Anrufbeantworter.

Ich glaube, von diesen Geschichten hat jeder welche auf Lager. Wenn man ein Problem hat, dann soll man bloß nicht anrufen, denn im Zweifelsfall gibt es bereits bei YouTube ein Video dazu.

Wie un-end-lich dumm und kundenunfreundlich. Es geht nämlich auch ganz anders:

Taika cans with telephone number on it

Taika, finnisch für Magie, bringt Kaffee in Dosen auf den Markt. Das besondere sind hier die beigefügten Adaptogene, biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Doch es geht mir gar nicht um das Produkt. Sondern um die nicht sehr unauffällig platzierte Telefonnummer auf den Dosen.

Kalle Freese, einer der Gründer, erklärte dies im Interview:

This is the perfect example of the “wow” experience I love to create for my customers. (…) With Taika, we’re building the version 3.0 of what I call “scalable hospitality:” leveraging technology to accentuate the product experience and enable our customers to connect with the brand in a fun and accessible way.

In the beginning, I put my personal number on the cans so people could text us feedback and order more. It worked so well that we decided to put the number front and center. We’ve had some hilarious philosophical discussions with people trying to figure out whether they’re talking to a bot or a human. It’s fun and weird—a pretty good substitute for not being able to go to your local coffee shop right now.

(Quelle)

Jetzt könnte man meinen, das sei ja nur ein kleiner Gag, aber an anderer Stelle berichteten die Gründer, dass diese direkte Erfahrung, die die Kunden mit der Marke machen, nicht nur die Bindung erhöht, sondern auch eine hervorragende Form der Marktforschung ist und sie viele Interessenten, die sich nur mal „just for fun“ gemeldet hatten, nach 15 – 20 Textnachrichten zum bestellenden Kunden verwandelten.“Ruf! Mich! An!“ funktioniert also auch, wenn man seine Kunden nicht anschreit und mit der Peitsche bedroht…

Man muss eben nur zuhören und seine Kunden als Impulsgeber verstehen – und schon bekommt der Begriff „Kundenwert“ eine ganz neue Bedeutung! Es liegt an der grundsätzlichen Philosophie hinter dem Produkt, denn die Ausgangsfrage der Gründer lautete: „Wie fühlst du dich, wenn du Kaffee trinkst?“. Das führt zu ganz unterschiedlichen Aspekten, denn der eine Kaffee morgens soll uns wach (und ansprechbar) machen, der Kaffee am Nachmittag uns entspannen und der Espresso nach dem Essen soll das Völlegefühl nehmen.

James Hoffmann, einer der Investoren, nennt diesen Ansatz: „Coffee as a destination“

Ok, um ehrlich zu sein, der Kundenwert funktioniert natürlich auch bei Taika (folgt ihnen auf Instagram!) noch im ganz klassischen Sinne, denn eine Dose kostet 5 – 6 $….

Als ich diesen Preis das ersten Mal las, brauchte mein schwaches Herz erst einmal einen frisch gebrühten Kaffee – ganz ohne Adaptogene.

Abschließend für alle diejenigen, die sich an den tollen, titelgebenden Song von Phil Collins aus dem Jahre 1985 nicht erinnern können, hier noch zum Abschluß – vielleicht als Begleitung zum Heißgetränk –  das *räusper* epische Musik-Video:

All in, one out

„Influencer Marketing“ ist ja nun wirklich ein zu Tode gehyptes Thema und mittlerweile sollte auch jedem aufgegangen sein, dass es sich hierbei lediglich um alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Betagt wie ich bin, habe ich bereits oft erleben dürfen, wie eine Menge heiße Luft um nichts produziert wurde und irgendwann dann doch alle merkten, dass der Kaiser nackt ist.

Wenn alle in sein wollen, dann ist natürlich nur derjenige wirklich in, der out ist. Und daher freue ich mich nun auf den allerallerneuesten Schrei, das „Outfluencer Marketing“ – viel Vergnügen!

This is the end of the Supermarkt as we know it

Was nervt am Einkaufen im Supermarkt am meisten? Die sperrigen Einkaufwagen, die einem immer im Weg rumstehen? Die langen Schlangen an den Kassen? Die Kundin vor einem, die die 67 Cent einzeln aus ihrem Portemonnaie sucht? Oder doch eher der Kunde, der seinen Einkauf für 3,89 € mit der Kreditkarte zahlt, 2x seine Geheimnummer falsch eingibt und dann erst noch die in seinem Kalender verschlüsselte Geheimnummer entschlüsseln muss, bevor er endlich zahlen kann?

Oder ganz einfach: alles zusammen??

Unsere Qualen haben ein Ende, denn Amazon hat sich nun daran gemacht, den stationären Lebensmitteleinzelhandel neu zu denken – und das ist dabei herausgekommen:

Keine Schlangen, keine Kassen. Pack & Go sozusagen. Noch ist der Shop in der Betaphase und nur für Angestellte von Amazon zu nutzen, aber 2017 soll der erste Laden in Seattle eröffnet werden. Und wie schon zuvor bei seinen Buchgeschäften wird Amazon das Konzept bei Erfolg breit streuen.

Doch nicht nur Lebensmittel und andere „klassische“ Supermarkt-Artikel, sondern auch fertige Mahlzeiten will Amazon anbieten sowie eine Art „Kochhaus„: Rezepte und genau proportionierte Zutaten, die man dann zuhause in kurzer Zeit zubereiten kann. Und natürlich wird es in den Läden genau das geben, was beim Online-Handel so sehr vermisst wird: das Einkaufserlebnis, z.B. an Live-Kochstationen.

Bitter ist diese Entwicklung für den deutschen Handel, der (wieder einmal) aus dem Mustopp kommt: In Vorbereitung auf den Konkurrenten „Amazon fresh“ haben alle großen Ketten eigene Lieferservices aufgebaut, bei denen sie jedoch nach wie vor draufzahlen, jede Lieferung kostet sie Geld. Doch Amazon denkt gar nicht daran, sich weiter´nur am Online-Handel zu orientieren. Sie haben die Logistik, die Technologie und die Kunden, um solche Konzepte durchzuziehen – und sie sparen Personalkosten, denn Kassierer sind in diesem Modell nicht mehr nötig.

Amazon Go: 2017 in Seattle – und ganz bald auch bei uns um die Ecke…

 

I put a smell on you

Weihnachten steht vor der Tür, es riecht bald lecker nach Zimtsternen, Glühwein, gebrannten Mandeln – und dem Duft eines frisch geöffneten Apple Mac-Kartons.

Denn für alle Apple-Jünger ist sie endlich da, quasi Weihrauch und Taufkerze in einem, die „New Mac“-Duftkerze!

Für lachhafte 24 $ plus Versandkosten bekommt man den einmaligen und unwiderstehlichen Geruch eines frisch ausgepacktes Mac-Books nach Hause geliefert. Da oller Karton jetzt auf Dauer (bis zu 55 Stunden Brennzeit) nicht sooo gut riecht, ist die selbstverständlich handgegossene Kerze mit dezenten Duftnoten von wahlweise Minze, Pfirsich, Basilikum, Lavendel oder Salbei angereichert.

Und – Donald wird es freuen – sie wird in South Carolina hergestellt, ein uramerikanisches Produkt also (was man vom Mac nun nicht wirklich behaupten kann…)

Was kommt als nächstes? Die Deutsche Bahn plant wahrscheinlich schon einen Versuch mit der Berliner-S-Bahn-Duftkerze und auch der andere Mac überlegt bestimmt schon, wie man die Pommes-Verpackung als Aroma einfangen kann. Und auf einmal wird der Schnupfen mein Freund….

 

Rollin‘ rollin‘ rollin‘

…though the streams are swollen, keep them doggies rollin‘, Rawhide!!!!!

Wer jetzt an Jake und Elwood Blues denkt, ist zwar popkulturell mit mir auf einer Wellenlänge, aber leider noch nicht im Thema, denn es geht um das Fahrrad. Mobil, be- und geliebt, von wachsender Bedeutung für den städtischen Verkehr, aber ein kaum benutzter Werbeträger – bis jetzt!

Bislang waren Sattelbezüge und bunte Fähnchen das höchste der Werbegefühle, doch nun wagt Kino-Mo mit seinen Video-Bikes den Sprung in die Zukunft:

Fahrräder fahren langsam genug, so dass die Botschaft von Fußgängern wie Autofahrern bestens wahrgenommen werden können – in der dunklen Jahreszeit ebenso wie in der hellen. Es stellt sich nur die Frage: Will man das?

Was für den einzelnen Biker ein schöner kleiner Nebenverdienst sein kein, ist für normalsterbliche Passanten nur noch eine weitere Werbebelästigung im öffentlichen Raum. Weggucken ist kaum möglich, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, unter die Räder zu geraten.

Wo ist aber das Ende? Laufbänder mit Werbebotschaften rund um Kinderwägen? Laufräder, die bei der Betätigung Werbesongs für Barbie absondern? Gibt es denn wirklich nirgends mehr Ruhe??

Wenn schon kommerzielle Botschaften, dann doch bitte mit Sinn und Understatement, wie es zum Beispiel Volvo mit seinem „Life Paint“ praktiziert:

Wasserbasiert, abwaschbar, ohne Rückstände auf der besprühten Fläche und der Erlös geht zudem noch an die Stiftung „Wings for Life“. Leider nur limitiert.

Und so kommen wir auf das stets gleiche Fazit: Kontakte schinden und um Aufmerksamkeit buhlen ist heute nicht mehr der Schlüssel in die Köpfe und Herzen der Konsumenten. Gutes Engagement schon.

 

 

Und bist du nicht viral, so brauch ich Gewalt!

Über 10 Jahre ist es nun schon her, dass auf Youtube das erste Video hochgeladen wurde. Es besticht nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine raffinierte Machart:

Ein früher Viralerfolg, denn über 29 Millionen Menschen haben sich dieses zu Herzen gehende Stück digitaler Kultur zu Gemüte geführt. Heute werden in jeder Minute 400 Stunden Material bei Youtube eingestellt und natürlich stellt sich die Frage: Wer soll das alles ansehen? Und dann noch womöglich weiterteilen? Denn natürlich träumen viele der Uploader von der viralen Verbreitung ihres ganz persönlichen Katzenvideos – und damit verbunden den Vermarktungsmillionen via Google.

Doch leider werden mehr als die Hälfte der Videos keine 500 mal angeklickt und sind somit eher virale Rohrkrepierer. Doch könnte es nicht sein, dass sich in diesem Bodensatz der Clip-Kultur nicht doch noch das ein oder andere Goldnugget finden lassen könnte?  Das vermutet zumindest Junk Jukin Media und so wühlen sich deren Mitarbeiter durch die unendlichen Weiten des Webs auf der Suche nach bislang erfolglosen Videos mit Potential. Werden solche Trüffel gefunden, dann erwirbt Jukin Media für kleines Geld die Urheberrechte und startet danach den viralen Großangriff: Via Tumblr, Twitter und anderer Kanäle wird der Clip nun so massiv geteilt, bis andere on- wie offline-Medien darauf aufmerksam werden. Und schon greift das Lizensierungsmodell, bei dem – so die Kritik – viel bei Jukin hängen bleibt und wenig an den Urheber weitergegeben wird.

Spannendes Modell, aber wenn man sich bei Jukin einmal durch die Videos (die meisten sind doch eher auf dem Upps-Pannenshow-Niveau) klickt, dann stellt man schnell fest, dass die meisten davon zurecht nicht beachtet worden sind *gähn*. Ob das Prinzip „mit aller Gewalt viral machen“ so erfolgversprechend ist, sei dahingestellt.

Von sich aus viral wirkt alles, was überrascht, berührt und zum Lachen bringt:

oder Menschen aktiviert, wie dieser Clip gegen Mobbing in der Schule zeigt:

Anstatt sich jetzt einfach mit dem Smartphone auf die Lauer zu legen und zu warten, dass Onkel Jürgen ausrutscht, könnte man sich eben doch lieber ein paar gute Gedanken zum Inhalt machen…. das wäre nicht nur unterhaltsamer für uns Betrachter, sondern vielleicht dann auch der größere virale Erfolg.