I love advertising because I love lying

„We know the product is going to stink. We know that because we live in the world, and we know that everything stinks. We all believe, ‚Hey, maybe this one won’t stink.‘ We are a hopeful species. Stupid but hopeful. But we’re happy in that moment between the commercial and the purchase. And I think spending your life trying to dupe innocent people out of hard-won earnings to buy useless, low-quality, misrepresented items and services is an excellent use of your energy.“

Gut gebrüllt, Löwe, möchte man Jerry Seinfield zurufen, der seine Dankesrede bei den Clio-Awards dazu nutzte, kurz und knapp mit der Marketing-Industrie abzurechnen. Der Hofnarr hat seine Schuldigkeit getan…. Ob jemand davon aufgewacht ist? Ich fürchte nicht, denn noch heute würden wie 1991 (was Seinfield in seiner Rede erwähnt) gierige Marketeers auf die Bühne springen, um sich einen Clio zu schnappen. Solange nervige Werbung mit Preisen ausgezeichnet wird, wird es noch lange bei nerviger Werbung bleiben.

Es ist daher an der Zeit, Marketing endlich neu zu denken.

Reklame

Ich wollte von gar nichts wissen.

Da habe ich eine Reklame erblickt,

Die hat mich in die Augen gezwickt

Und ins Gedächtnis gebissen.

 

Sie predigte mir von früh bis spät

Laut öffentlich wie im stillen

Von der vorzüglichen Qualität

Gewisser Bettnässer-Pillen.

 

Ich sagte: »Mag sein! Doch für mich nicht! Nein, nein!

Mein Bett und mein Gewissen sind rein!«

 

Doch sie lief weiter hinter mir her.

Sie folgte mir bis an die Brille.

Sie kam mir aus jedem Journal in die Quer

Und säuselte: »Bettnässer-Pille.«

Sie war bald rosa, bald lieblich grün.

Sie sprach in Reimen von Dichtem.

Sie fuhr in der Trambahn und kletterte kühn

Nachts auf die Dächer mit Lichtern.

 

Und weil sie so zähe und künstlerisch

Blieb, war ich ihr endlich zu Willen.

Es liegen auf meinem Frühstückstisch

Nun täglich zwei Bettnässer-Pillen.

 

Die ißt meine Frau als »Entfettungsbonbon«.

Ich habe die Frau belogen.

Ein holder Frieden ist in den Salon

Meiner Seele eingezogen.

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

 

Oh God, we’re friends with a cookie….

Marketers und Makketianer, all‘ ihr Consumer Whisperers, Mother Targeters und Brand Guardians – stimmt ein in diese – unsere – wunderbare Anthem:

Denn wir können stolz darauf sein, dass wir -vertising an fast alles andocken können….!

(Nun ja, ich hab mal schnell nachgeguckt…. also ich folge keinem Keks und bin auch mit keinem befreundet…. aber mit Schokolade, Hotels, einem Reisebüro und Lingerie. Muss ich mir Sorgen machen??)

Starbucks macht großes Theater

„Richtig gute Unternehmen finden eine Balance zwischen Disziplin und Kreativität. Aber wir waren an einem Punkt angekommen, an dem Effizienz alles war und es nur noch darum ging, wie wir noch schneller noch mehr Kunden abfertigen können. Dabei haben wir vergessen, dass es darum geht, in unseren Filialen großes Theater zu machen, eine Geschichte zu erzählen, ein fühlbares Erlebnis zu schaffen. (…) Die besten Marken der Welt versuchen nicht, cool zu sein, sondern relevant zu bleiben. Adidas und Mercedes haben das geschafft: Sie sind sehr groß und allgegenwärtig, aber wirken dabei nicht gewöhnlich. Für uns heißt das, nicht nur direkt auf das Verkaufen von Kaffee zu schauen, sondern die grundlegende Veränderung des Konsumentenverhaltens im Auge zu behalten. Wir sind bei den sozialen Medien wie Facebook ganz vorn dabei, und in vielen unserer Filialen kann man inzwischen mit dem Mobiltelefon bezahlen.“

Starbucks-Chef Howard Schultz im Interview mit dem „Spiegel“, Nr. 37/2011.