57 Varieties of „Wie die Tomate in den Ketchup kam“

Der Titel ist natürlich übertrieben, aber „rot“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung am Sonntag – und ihr Hilferuf nach Aufklärung zum Thema „Ketchup“ ereilte mich diesmal in weiter Ferne, nämlich im vorweihnachtlichen Kopenhagen. Dort gibt es die weltbekannten Hot Dogs, natürlich mit Tomatensoße:

Daher gab es das „radioeins„-Interview diesmal nur am Telefon:

(die Qualität ist bescheiden, aber wahrscheinlich kann ich noch vor Weihnachten den Take mit einer besseren Variante austauschen)

   

Dass Tomate und Ketchup nicht unbedingt das Gleiche sind, merken wir schon daran, dass in der deutschen Sprache mit der Bezeichnung „Tomatenketchup“ die Eigenständigkeit der beiden betont wird. Schon die Frage, woher der Begriff „Ketchup“ kommt, ist nicht genau geklärt: Da gibt es auf der einen Seite die Verfechter der französischen Abstammung von dem Wort für eine scharf gewürzte Marinade, der escabêche. Auf der anderen Seite die Theorie der chinesischen Fischsoße kê-tsiap, ein Konzentrat, mit dem britische Seefahrer im 17. Jahrhundert auf der Rückfahrt ihre fade Seemannskost an Bord aufgepeppt haben sollen. Noch heute findet man im wohlsortierten Asia-Shop „Kejap Manis“, eine süße, dicke Sojasoße.

In England versuchten dann einige Fabrikanten, diese Würze „nachzubauen“ und verwendeten dafür allerlei abenteuerliche Zutaten wie Austern, Pilze oder Nüsse – nur keine Tomaten. Diese Soßen waren noch weit von dem entfernt, was wir heute Ketchup nennen.

Auftritt James Mease, ein amerikanischer Wissenschaftler und Gärtner, der das erste Tomatenrezept 1812 in Philadelphia veröffentlichte. Er versuchte in erster Linie einen Weg zu finden, die zu der Zeit als ungenießbar geltende Tomate irgendwie zu verarbeiten. Erst um 1830 wurde die Tomate in den USA populär, in Deutschland übrigens erst Jahrzehnte später. Doch auch in seiner Rezeptur überwogen noch die Gewürze und vor allen Dingen der Brandy, um die Soße haltbar zu machen, denn aufgrund der kurzen Erntezeit mussten diese irgendwie konserviert werden. Neben den schon genannten Zutaten wurde dafür auch Kohleteer verwendet, dennoch bildeten sich immer wieder toxische Mengen an Bakterien und Sporen. Das angebliche Wundermittel mit Heilkräften konnte also durchaus giftig wirken….

Henry J. Heinz, Sohn deutscher Auswanderer, verkaufte in den 1870ern zunächst eingelegten Meerettich – aber nicht in Dosen, sondern in Gläsern, denn er wollte, dass man die Qualität des Produktes von aussen sehen konnte. Im wachsenden Markt der Lebensmittelkonserven kam er dann auf die Idee, das toxische Ketchup zu entgiften und auf die gefährlichen Zusatzstoffe zu verzichten. Er nutzte Essig, also Säure als konservierendes Element, musste aber zur Geschmacksbalance ordentlich Zucker hinzufügen. Ketchup ist also ein Produkt, dessen Geschmack nicht wegen des Geschmackes, sondern wegen der Haltbarkeit kreiert wurde. Noch heute befindet sich in Heinz-Ketchup 25,5 gr Zucker auf 100 gr Ketchup, was einer Menge von 48 Stück Würfelzucker entspricht, wie Stiftung Warentest 2016 feststellte.

Doch das Produkt erfreute sich großer Beliebtheit, schon 1900 war Heinz Marktführer, 1905 stellte er 5 Mio. Flaschen pro Jahr her, 1907 bereits 13 Mio. In Deutschland blieb Ketchup zunächst ein Importprodukt, erst 1937 wurde die erste Produktion in Bremen aufgenommen. Den Durchbruch erlebte das Ketchup aber bei uns erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als GIs und Briten ihre Lieblingssoße bei uns einführten.

Berühmt wurde Heinz mit seiner Flaschenhals-Banderole und dem Begriff „57 Varieties“. Angeblich soll man hier draufklopfen, wenn der Ketchup nicht schnell genug aus der Flasche fließt, die ideale Flußgeschwindigkeit soll übrigens bei 0,045 km/h liegen…. Heinz sah in New York das Werbeschild eines Schusters, der 21 verschiedene Schuharten anbot, und fand die Idee so umwerfend, dass er seine beiden Glückszahlen 5 und 7 miteinander kombinierte und so die „57 Varieties“ erfand.

Auch wenn die Familie Heinz die Marke und die Produktion schon lange verkauft hat, so werden immer noch in jeder Sekunde 3 Flaschen Heinz-Ketchup in einer der über 140 Ländern, in denen sie erhältlich sind, verkauft. Nur ein Rückschlag musste in jüngster Zeit verkraftet werden: Nach einer über 40jährigen Beziehung kündigte McDonalds Heinz 2013 seine Freundschaft, da der neue Geschäftsführer Bernado Hess früher bei Burger King tätig war….da versteht man keinen Spaß.

Und abschließend noch eine kleine Anekdote: Der Vetter von H.J. Heinz kam ebenso wie er aus Kallstadt in der Pfalz und hieß Friedrich Trump, ein Vorfahr des jetzigen Präsidenten…die Welt ist klein.

 

 

 

 

Die Welt genäse, gäbe es mehr Erdbeerkäse

Ich bin mir nicht sicher, ob hier der Konjunktiv II von „genesen“ angemessen ist, aber es sieht einfach schön aus… 🙂

Ich war wieder einmal eingeladen in die radioeins-Studios, das Thema bei den Herren von „Zweiaufeins“ lautete: „Kreis“. Die Redaktion wie auch die Moderatoren fragten sich nämlich, warum in letzter Zeit die Social Media-Abteilungen der Firmen immer wilder „auskreisen“….

Auslöser für das Thema war folgender Post von der Firma „Kaufland“, den ich auch in unserer makketing-Facebookgruppe gepostet hatte und der sich hoher Beliebtheit erfreute:

In Zeiten von Instagram & Co hat grundsätzlich das Bild an Bedeutung gewonnen, doch Bilder alleine reichen nicht, es muss auch noch ein knackiger, witziger Spruch dabei sein. In Zeiten der allseits beliebten „Twitterperlen“ haben sich die User und Konsumenten an diese Form der schnellen, unterhaltsamen Informationsaufnahme gewöhnt – zumal die Chance, dass die Botschaft mit so einem Motiv viral verbreitet wird, recht hoch ist.

Das Erstaunliche an diesem Motiv ist jedoch eher der Bezug, denn „Frauentausch-Nadine“ und ihre Auslassungen zum Thema gesunde Ernährung sind immerhin schon 7 Jahre alt. Nur für den sehr sehr unwahrscheinlichen Fall, dass unter meiner geneigten Leserschaft sich jemand befinden sollte, der sie nicht kennt, dem sei hier ein Ausschnitt nachgereicht:

So wie man in meiner Generation früher nur „Setz dich, nimm dir nen Keks, mach’s dir bequem…“ und andere Brian-Sprüche von sich gab und sich sicher sein konnte, dass  alle in seiner Altersklasse es verstanden, so ist das heute eben der Erdbeerkäse – in digitalen Zeiten aber mit viel viel mehr „Eingeweihten“.

Nun kann ja der beste Social Media-Verantwortliche nicht jeden Tag nur wahnsinnig kreativ sein, so dass auch jeder, aber wirklich jeder alte Witz in der Zwischenzeit mehrmals recycelt wurde. Zum Beispiel dieser hier (aus aktuellem Anlass):

Hamwa gelacht. Das bringt mich aber zu einem zweiten Aspekt, denn neben Witzigsein muss heute blitzschnell reagiert werden – und die Reaktion darf nicht beleidigt oder besserwisserisch ausfallen, sondern idealerweise – ihr ahnt es schon: witzig. Auf den Aldi-Post bei Facebook meldete sich nämlich Kaufland:

Manchmal sind auch Verspekulationen nicht schlimm 😉 Tolle Weihnachtsleckereien findet ihr natürlich bei uns 🍭🍫🎅

Also Abteilung „besserwisserisch“. ALDI Süd hat aber schnell darauf reagiert:
ALDI SÜD Ok, tchuligom Herr Kontrollrolf. #werhatserfunden #machkeinauge

 

Und das ist wiederum komisch und so bekam auch dieser Post zurecht seine Anerkennung in vielfacher Teilung – und medialer Berichterstattung. (Für die Älteren: „Mach kein Auge“ bedeutet: „Sei nicht neidisch, Bruda“).

Ein anderes Unternehmen, dass blitzschnell urkomisch agiert, ist die Berliner BVG. Dort sitzen mittlerweile Leute in der Social Media Redaktion, die auch Gags für die „heute-Show“ oder „Neo Magazin Royale“ schreiben, und beim Bild einer vergessenen Gans in einer Strassenbahn dann auch schon mal wie folgt antworten:

Denn der dritte beachtliche Aspekt ist, dass heute Humor eingesetzt wird, um mit Kommentar-Trollen zurecht zu kommen. Den ewigen Pöblern und Madig-Machern kann man nämlich weder mit Information beikommen noch mit Ignorieren. Aber mit Witz bis hin zur Veräppelung:

Man muss sich nicht alles gefallen lassen, aber man muss cool dabei bleiben, nichts persönlich nehmen, nie aus Wut oder Euphorie schreiben, und immer, immer noch einmal lesen, was man tippt. (Quelle)

wird einer der Schreiber in der brandeins zitiert. Auch bei McDonalds hat man längst erkannt, dass man gegen all die Halbwahrheiten, die im Netz kursieren, eine ganze besondere Art der Aufklärungkampagne fahren muss. Pommes bei Mäkkes bestehen aus Sägespänen? Hier die Antwort:

Bei der BVG geht es ebenso dementsprechend – zumindest in der Kommunikation – mehr um die Wahrnehmung und weniger um das Produkt:

Auch dieser Spot erfreute sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern führte dazu, dass die Berliner laut Marktforschung die BVG nun als zuverlässiger erachtet haben. Wunderbare Welt des Marketings!

Der jüngste Streich der BVG stellt den Menschen in den Mittelpunkt, denn es gilt zum einen, Nachwuchs zu gewinnen, und zum anderen, dafür zu sorgen, dass den Mitarbeitern auch im Alltag Respekt gezollt wird:

Tatsächlich sind laut Pressemitteilung der BVG ein Großteil der Darsteller echte Kollegen:

Mehr als die Hälfte der Darstellerinnen und Darsteller, der Sängerinnen und Sänger, der Tänzerinnen und Tänzer sorgt im Alltag dafür, dass unsere Stadt rund um die Uhr in Bewegung bleibt, ob auf dem Fahrersitz, in der Werkstatt oder an einer anderen Position in Deutschlands größten Nahverkehrsunternehmen.(Quelle)

Der Unterhaltungswert ist immer groß – vielleicht sollten einfach mehr Firmen ihre Kommunikationsabteilungen mal zum Auskreisen bringen….

 

 

makketing heißt jetzt „I bims vong der Werbung“

„Don’t believe the hype, it’s a sequel!“ möchte man ausrufen, wenn man sieht, was die Social Media Republik jüngst wieder erregt hat. Absolute Experten im Thema „Erregungskurve“ sind zwar eigentlich Daniel und Sven, aber dennoch luden sie mich ins radioeins-Studio, um mit ihnen über ein 70 Jahre altes Spiel zu sprechen:

Worum geht es? „Scrabble“, das gute alte Buchstabenspiel (das ich ja nicht mehr spielen mag, seit meine Schwägerin mir das Wort „Efeuschaden“ nicht anerkannte), feiert dieser Tage 70jähriges – und da kam man in der Marketingabteilung von Mattel auf eine tolle Verjüngungsidee:

Ab sofort sollte „Scrabble“ nun „Buchstaben YOLO“ heißen….! Oder, wie es die Marketingabteilung von Mattel weiter trieb:

WTFun? 70 Jahre und immer noch cool. Scrabble, das lustige Wortspiel, dreht den Swag auf und heißt ab sofort Buchstaben YOLO! MC Fitti und seine Freunde feiern auch schon.

In den sozialen Netzwerken schaukelte sich eine Empörungswelle sondergleichen hoch, wie immer, wenn mit liebgewordenen Relikten, die eine kollektive Erinnerung an die Vergangenheit beinhalten, respektlos umgegangen wird. Schnell vermutete man einen Scherz, doch Mattel zog die Entscheidung „gnadenlos“ durch. Selbst als die Redaktion von „jetzt.de“ nachforschte, gab die Pressesprecherin folgendes zur Auskunft:

„Heutzutage wird in der Gesellschaft teilweise ganz anders gesprochen als noch vor 70 Jahren und das liegt nicht zuletzt an den vielzähligen Jugendlichen mit ihren kreativen Wortkreationen. Als Herausgeber von Scrabble beobachten wir diese Entwicklungen natürlich mehr denn je und haben uns letztlich dazu entschlossen, zeitgemäß zu agieren und vielleicht den ein oder anderen der Generation Y von der Spielekonsole zurück zum Säckchen mit den Buchstaben zu holen.“ (Quelle)

Schockschwerenot, sie schienen es also ernst zu meinen…! Dass „Yolo“ (you only live once“) bereits 2012, also vor einer halben Ewigkeit, zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde und es auch überhaupt keinen Sinn ergibt (Buchstaben YOLO?????), dass MC Fitti seine glanzvollen Tage mindestens ebensolange hinter sich hat und sich vor allen Dingen schon 2014 über den Begriff lustig gemacht hat, das alles hätte einen natürlich schon stutzig machen können…

Doch da es ja nichts Wichtigeres gibt zur Zeit, in der Weltpolitk beispielsweise, stiegen alle Medien darauf ein. Die Erregungswelle potenzierte sich – und gebar immerhin einige witzige Ideen für weitere Spielnamen:

Dann kam leider, leider acht Tage später die Aufklärung:

Es war alles nur ein Marketing-Gag. Menno, wir hatten gerade so viel Spaß gehabt. Aber war die Kampagne jetzt ein Erfolg? Magere 56.000 Clicks hat das Video von Mattel bei youtube, das ist unter viralen Gesichtspunkten so gut wie nichts. Immerhin besser, als das, was Mattel sonst so verbrochen hat für seinen Spiele-Klassiker:

Dieser Clip kam – zurecht – auf gerade einmal 9.800 Clicks….

Der Prank war gut gemacht, denn neben dem Video gab es auch eine hochoffizielle Presse-Erklärung seitens Mattel – und auch die Pressesprecherin zog den Scherz durch. Dennoch überrascht und verwundert es mich, wie unkritisch Medien Meldungen übernehmen, ohne diese zu hinterfragen. Hauptsache, man hat sie als erster on air oder in den Online-News oder gedruckt. Wenn sich hier der Eindruck verfestigt, dass Schnelligkeit vor Tiefe geht, dann wird der Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Medien weiter wachsen.

Wie man aus alten Trends dennoch gute Viral-Werbung machen kann, zeigte uns jüngst Aldi Nord:

Das wurde dann auch mit 2,3 Millionen Clicks belohnt.

Schrei vor Glück oder gib Facebook zurück

Die Sommerpause ist vorbei, „Zwei auf eins“ sendet wieder und zum heutigen Thema „Schrei“ wurde ich wieder ins radioeins-Studio eingeladen, um zu berichten, was gerade im Marketing der letzte Schrei ist:

Momentan ist es als Unternehmen schwer angesagt, sich öffentlich von Facebook abzuwenden: So illustre Kandidaten wie Tesla, Dr. Oetker (zum Teil) und selbst der altehrwürdige ORF haben dies in letzter Zeit getan. Was ist an dran an der Flucht aus dem ehemaligen Social Leit- nun Leidmedium?

1.Es war einmal eine Zielgruppe…

Facebook galt lange Zeit als die einzige und vor allen Dingen letzte Möglichkeit, Jugendliche und junge Menschen werblich zu erreichen. Die Generation Werbeverweigerer tummelte sich dort, hinterließ viele viele Daten und regte sich über ein paar bezahlte Posts in der Timeline kaum auf. Doch die Teens sind jetzt weg: Schwer genervt davon, dass die Eltern, Onkel, Tanten, Oma, Opa und die Lehrer nun auch bei Facebook sind, schwer genervt von viel zu viel Werbung und vor allen Dingen schwer genervt von der Facebook-Politik, verstärkt Unternehmensinhalte anzuzeigen, wandte sich die begehrte Zielgruppe ab. 2015 gaben sieben von zehn Jugendlichen an, regelmäßig auf Facebook zu sein, heute ist es nur noch jeder zweite. Auch hat sich der Umgang grundsätzlich geändert: Facebook wird weniger aktiv genutzt, sondern mehr passiv. Die Anzahl der privaten Postings geht zurück, ebenso die der Likes und Shares. Viele checken nur noch schnell, was gerade so passiert ist und switchen dann wieder weg.

Gewinner dieser Entwicklung: YouTube Snapchat und Instagram.

2. Der Algorithmus, wo man mitmuss…

…ist nun ein anderer. Denn Facebook zeigt seinen Usern, um sie zu halten und zurückzugewinnen, nun wieder mehr Posts von ihren Freunden und weniger von Unternehmen an. Das finden diese Anbieter nun weniger witzig. Gerade Medienunternehmen fühlen sich durch den Algorithmus benachteiligt, der bestimmt, welche Inhalte auf den News Feeds auftauchen. Zudem sinken die Interaktionen und Shares der Nutzer gerade bei Medieninhalten rapide um 30%, dafür sind die Kommentare ein Tummelplatz von Hatern. Der ORF will sich das nicht mehr antun und seine Facebook-Präsenz um 80% reduzieren. So will man im ORF-TV und -Radio auf jegliche Nennung und Werbung für den ORF-Auftritt auf Facebook verzichten und stattdessen auf das eigene Onlineangebot verweisen.

3. Skandale, Skandale, Skandale

Nachdem bekannt geworden war, dass die britische Firma Cambridge Analytica die privaten Daten von über 50 Millionen Facebookern missbraucht hatte, war das wohl der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Der Hashtag  #deletefacebook wurde zum Trend-Topic bei Twitter, der Whatsapp-Gründer Brian Acton verkündete beispielsweise öffentlich, seinen Account bei Facebook zu löschen.

Dr Oetker sprang auf diesen Zug auf, und ließ seine Twitter-Follower darüber abstimmen, ob sie ihren Auftritt (für die Pizza-Angebote) löschen sollten.

Die erforderlichen 1.000 Retweets waren schnell erreicht und tatsächlich: Dr. Oetker löschte seinen Auftritt am 21. März und postete den Beweis auf Twitter. Doch schon am 22. März hieß es:

und bei Facebook: „Facebook löschen kann jeder. Am 01.04. zeigen wir euch wahre Größe.“ Glaubwürdigkeit? Egal.

Auch Mozilla, der Lautsprecherhersteller Sonos und viele andere Unternehmen kündigten an, ihren Facebookauftritt zu löschen (oder ruhen zu lassen), bis Facebook seinen Datenschutz verbessern würde.

4. Mach kaputt, was du kaputt gemacht hast.

Der Sonderpreis für Facebooklöschung geht an Elon Musk, der ohnehin ein schwieriges Verhältnis zu Facebook hat: 2016 zerstörte die Explosion seiner SpaceX-Rakete einen teuren Facebook-Satelliten. Musk wusste angeblich gar nicht, dass seine Firma einen Facebook-Auftritt hat. Und so versprach er bei Twitter, diesen zu löschen und den von Tesla gleich mit, denn der sehe sowieso langweilig aus.

Tatsächlich waren beide dann nicht mehr erreichbar – vorübergehend, denn mittlerweile sind sie es wieder.

Also: viel Wind um nichts. Allein in Deutschland hat Facebook noch über 31 Millionen Facebook-Nutzer, auch wenn diese vielleicht weniger aktiv sind als zuvor. Doch kein Unternehmen hat Zeit und Geld in den Aufbau von Social Media Kanälen und Communities investiert, um diese leichtfertig zu verlassen. Aber lautstark darüber zu spekulieren, macht immer Sinn…. honi soit qui mal y pense.

 

 

Alles riesig und mit Perwoll gewaschen

Höre ich das Thema „Riesen“ denke ich ja altersbedingt sofort an: „Wie werden wie Riesen sein, uns wird die Welt zu klein“ (der passende Song/Interpret kann gerne von euch in den Kommentaren gepostet werden), die Herren von „2aufeins“ hatten aber was ganz anderes im Hinterkopf, als sie mich ins radioeins-Studio riefen: die Waschmittel-Werbung unserer Kindheit mit der Riesenwaschkraft!

Der weiße Riese von Henkel wurde 1966 geboren und sieht heute immer noch sehr frisch aus, wie man oben sehen kann. Von Anfang an spielte die „Riiiiiiesen-Waschkraft“ eine große Rolle – und die später dann schier endlose Wäscheleine:

Meterlange Wäscheleinen mit duftig-sauberen Kleidchen und weißer als weißen Hemden ließen Hausfrauenherzen höher schlagen:

Doch „riesig“ muss heute eher klein sein: Die Waschmitteltrommel hat ausgedient, heute werden in erster Linie Konzentrate bzw. Tabs gekauft. Wir verpulvern dadurch nur noch knapp 5 kg Waschmittel pro Kopf und Jahr im Vergleich zu 11 kg Ende der Achtziger.

Also alles bestens? Mitnichten. Noch immer kommen in konventionellen Waschmitteln genauso viel Chemikalien zum Einsatz wie zu Zeiten von Klementines Zehn-Kilo-Trommel. Denn bei den Konzentraten fallen nur die Füllstoffe weg, die Menge der Tenside ist fast immer noch genauso hoch wie bei den alten Vollwaschmitteln. Und: Viele Konsumenten dosieren nach Gefühl, so wird oftmals ein Fünftel mehr von dem Konzentrat in die Waschmaschine geschüttet als eigentlich nötig wäre.

Klementine, eine weitere Werbefigur unserer Jugend,sprang schon in den 90ern auf diesen Zug auf:

Die Kritik an den Waschmitteln ist groß: Sie enthalten Palmöl, die verwendeten Enzyme wie Protease und Lipase sind oftmals gentechnisch veränderte Substanzen und auch hinter der Bezeichnung „Duftstoffe“ verstecken sich häufig polyzyklische Moschusverbindungen. Diese künstlichen Parfümstoffe sind schwer abbaubar und gelangen über die Nahrungskette in das menschliche Fettgewebe, wo sie sich anreichern können. Genauso sind sie für allergische Reaktionen auf der Haut oder bei den Atemwegen verantwortlich zu machen.

Früher war alles einfacher – zumindest in der Werbung. Wer erinnert sich nicht an „Ist der neu? Nein, mit Perwoll gewaschen!“:

Ich habe mich immer gefragt, warum diese Werbefiguren stets und in jeder Lebenssituation eine Packung Perwoll zur Hand haben – und die auch ohne weiteres verschenken….

Ein weiteres Mysterium meiner Jugend war Tilly:

Wer badet schon seine Hände in Spülmittel? Das war damals gar nicht so ungewöhnlich, denn bei normalen Maniküren wurde die Haut in einer Saufenlauge aufgeweicht, um die Nagelhaut danach besser zurückschieben zu können. Die Kundin tunkt also ihre Finger nicht aus Versehen, sondern vorsätzlich in die Seifenlauge und erfährt dann das Geheimnis – die Seifenlauge ist mit Palmolive angesetzt. Denn Palmolive ist so sanft zur Haut dass Tilly es im Nagelstudio zur schonenden Behandlung der Nägel einsetzen kann:

Hab ich als Kind natürlich nicht gewußt….

Und als Mann bin ich ohnehin nicht im Visier der Haushaltsreiniger-Werbeindustrie. Obwohl sich in Deutschland konstant um die 11 Millionen Männer als Hausmänner bezeichnen, finden diese in der Werbung so gut wie nie statt. Und wenn, dann nur als Helfer aus Verlegenheit:

oder als coole Socke:

Italien, du hast es besser! Da gibt es die „uomini casalinghi„, die sich mit Stolz sogleich organisiert haben und vom „il piacere di occuparsi della dimensione domestica“ schwärmen, dem Vergnügen, sich der Hausarbeit zu widmen.

Bei uns ist der neue Mann im Idealfall der neue Vater, aber scheinbar ist nach dem Windelwechseln auch schon Schluss:

makketing auf die Ohren – re-heard 3

Moooordoooooor….! Noch befinden wir uns im Jahr 2011, doch auch damals haben uns schon jede Menge spannender Themen bei 2auf1 beschäftigt.

So unterhielten wir uns im September über Herrn Dyson und seine beutellosen Staubsauger:

Gefolgt im November von der tragischen Geschichte des Charles Goodyear und seiner bahnbrechenden Erfindung:

2012 begannen wir dann mit einem dreifachen „Hard! Rock! Hallelujah!“* und sprachen über die Geschichte der Hard Rock Cafes:

Viel Spaß beim Nachhören!

*Wer sich als Spätgeborener daran nicht mehr erinnern kann, dem sei hier das Werk noch einmal in seiner ganzen Pracht präsentiert:

 

 

 

 

 

 

 

Grünes Lego? Na Logo!

„Wandel“ lautet das heutige Thema der „Zweiaufeins„-Sendung und ich habe mich in Richtung Babelsberg zum radioeins-Studio aufgemacht, um über den Wandel in Sachen Nachhaltigkeit zu sprechen:

Unsere Ausgangsfrage lautet: Lego produziert jetzt nachhaltige Bauklötzchen – ist das wirklich ein Wandel oder doch nur Green Washing?

Bislang werden Lego-Steine aus sogenannten ABS („Acrylnitril-Butadien-Styrol“) – Kunststoffen hergestellt, die nur aus Erdöl produziert werden können. Die Lego-Büsche, -Blätter und -Bäume werden nun auf Basis von pflanzlichen Polyethylen aus Zuckerrohr fabriziert, ein Material, das einerseits besonders fest und stabil, zum anderen aber biegsamer sein wird. Dafür verwendet Lego nachhaltig erzeugtes Zuckerrohr von zertifizierten Produzenten. Durch diesen Materialumstieg können nach eigener Angabe die CO2-Emissionen für die Produktion zukünftig um 70 Prozent reduziert werden.

Ist das jetzt gut oder nur grüne Augenwischerei? Grundsätzlich gilt:

Jedes Unternehmen, das sich ernsthaft, glaubwürdig und nachweisbar darum bemüht, seine Produkte nachhaltiger herzustellen, beispielsweise durch die Verwendung klimaneutraler Rohstoffe, durch die Vermeidung von Müll während der Produktion und nach dem Gebrauch, aber auch durch soziale Verbesserung im Bereich der gesamten Wertschöpfungskette, leitet einen dringend notwendigen Wandel ein und verdient unsere Anerkennung.

Von Green Washing reden wir, wenn Unternehmen diese Maßnahmen umsetzen, um damit ihren Profit zu steigern, indem sie beispielsweise das Thema absatzfördernd einsetzen, also wenn erst mit jedem verkauften Kasten Bier ein Stück Natur gerettet wird. Über dieses Thema sprachen wir vor zwei Jahren schon einmal, hier kann es nachgelesen und  -gehört werden:

Green Washing bertreibt Lego meiner Meinung nach (noch) nicht: Außer einigen Pressemitteilungen, die natürlich auf öffentliche Aufmerksamkeit gestoßen sind, was aber auch völlig normal und konform ist, findet noch kein „Ausschlachten“ des Themas statt.

Seit 2015 investiert Lego in einen eigenen “ LEGO Sustainable Materials Centre“ über 100 Millionen € in die Forschung, Entwicklung und Umsetzung von neuen, nachhaltigen Rohstoffen. Dazu gehört auch die Maßnahme, bis 2030 Produktionsabfälle komplett vermeiden zu wollen. Und doch sollte leise, konstruktive Kritik angebracht sein:

Lego verwendet nach eigenen Angaben nachhaltig angebautes Zuckerrohr aus Brasilien, das den Richtlinien der Bioplastic Feedstock Alliance (BFA) entspricht, aber es stellt sich die Frage, ob für den erhöhten Zuckerrohr-Bedarf nicht andere Nutzflächen, z.B. für den Nahrungsanbau, verdrängt werden oder gar Waldflächen gerodet werden müssen. Gerade bei der Verwendung von essbaren Pflanzen als Rohmaterial konkurriert der Anbieter daher mit der Nahrungsmittelproduktion. Das gilt auch für die anderen Rohstoffvarianten, die Lego nach eigenen Angaben testet: Getreide, Mais und Zucker.

Auch sind die Bauteile nicht komplett biologisch abbaubar und damit nicht kompostierfähig. Es ist und bleibt ein Kunststoff und so besteht nach wie vor die Gefahr, dass  wenn dieser in die Umwelt gelangt, er zum Problem für viele Lebewesen werden könnte. Zwar können die neuen Bausteine theoretisch auch genauso recycelt werden wie die bisherigen, interessanter wäre es jedoch, wenn man Materialien aus Recycling zur Herstellung neuer Klötzchen gewinnen könnte.

Grundsätzlich problematisch ist zudem, dass es keine klare Definition von Biokunststoff oder Bioplastik gibt: Biobasierter Kunststoff ist nicht automatisch biologisch abbaubar, während erdölbasierter es sein kann. Zudem gibt es zahlreiche Plastikprodukte, die aus Mischungen von konventionellem mit Bioplastik bestehen.

Die neue Kollektion macht bislang gerade einmal 1 bis 2 Prozent der gesamten Lego-Bauteile aus und zwar nur die „botanischen Elemente“ wie Blätter, Büsche und Bäume. Allerdings will Lego bis 2030  seine gesamte Produktion umstellen und nur noch Bausteine aus nachhaltigen Materialien herstellen.

Bei rund 55 Milliarden jährlich produzierten Bausteine ist dies also erst ein Anfang,  aber ein wichtiger Schritt im Wandel hin zu nachhaltiger Produktion ist gemacht!