makketing spricht…. über Kaffee

„Der Kaffee muß heiß sein wie die Küsse eines Mädchens am ersten Tag, süß wie die Nächte in ihren Armen und schwarz wie die Flüche der Mutter, wenn sie es erfährt.“, lautet ein arabisches Sprichwort – dementsprechend naheliegend war es von der Redaktion von Zwei auf eins zum Thema „heiß“ mich als Kaffee-Experten einzuladen…äääh, als Marketing-Experten natürlich. Das radioeins-Interview lässt sich hier nachhören:

In Ergänzung zum Gespräch möchte ich hier nun tief in die Werbespot-Geschichte eintauchen und einige Goldbohnen der deutschen Kaffeewerbung wieder in Erinnerung bringen. Starten wir mit Tante Adele aus den 30ern…

Damals musste nicht nur die Qualität betont, sondern auch noch das richtige Kochen kommuniziert werden – eine Kunst wie sonst nur die Tee-Zeremonie. Die dann doch irgendwie berauschende Wirkung des Kaffees belegt dieser Spot:

Ach, die gute alte Zeit… als auch noch die Geschlechterrollen zumindest in der Kaffeewerbung in Ordnung waren….

Doch die Frau lernt schnell…dank Jacobs:

Und dann: die Emanzipation! The Empire strikes back! In Form des Kaffeekränzchens…:

Männer können’s einfach nicht. Und das obwohl der bekannteste Kaffeetrinker uns jahrelang terrorisiert hat:

Doch zurück zu Jacobs: Auch das Thema Demenz (wahrscheinlich aufgrund mangelnden Kaffeekonsums) wurden frühzeitig aufgenommen:

Aber egal, frau wird durch Kaffee erst zur Superwoman:

…und auch unsere Freunde und Helfer wollen sanft geküßt werden…:

Viele Kaffeemarken von früher sind mittlerweile verschwunden, auch unser Geschlechterverständnis hat sich in der Zwischenzeit verändert. Dennoch trinken die Deutschen von Jahr zu Jahr immer mehr Kaffee – nur zunehmend seltener im Rahmen eines Kaffeekränzchens und dafür immer häufiger „to go“:

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Hektische Betriebsamkeit ist angesagt, nur die Faulen können noch den Tag im Café verschwenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Pappbecher wurde zum Statussymbol und der Kaffee zum schnellen Doping auf dem Weg zur Arbeit. Doch „to go“ ist ja so 2013, denn 2014 muss alles noch rasanter gehen…

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„Schneller, höher, weiter“ heißt die Devise, dabei sein ist schon lange nicht mehr alles. Der „Coffee to go“ ist quasi der Rollkoffer unter den Kaffees…

 

 

 

 

 

 

 

Vielleicht sollten wir uns doch wieder stärker auf die Kaffeehaus-Kultur besinnen, denn:

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Zu guter Letzt: Wer sich seinen Kaffee wirklich wieder selbst machen möchte, also inklusive Röstung und Mahlung, und das alles auch noch so fair wie nur möglich, dem sein ein Blick auf das Berliner Startup „Bonaverde“ empfohlen:

Pretty in hellblau? Gendermarketing und pink stinks

Anläßlich meines radioeins-Interviews bei Zweiaufeins zum Thema „rosa“ (wie üblich hier im talketing-Blog nachhörbar) möchte ich das Gesagte hier noch ein wenig vertiefen:

„Mädchen lieben rosa und Jungs mögen blau – das war schon immer so!“, heißt es ja gerne. Doch so vehement das auch vorgetragen wird, so falsch ist diese Aussage auch, denn es handelt sich bei dieser Farbzuordnung um ein verhaltnismäßig neues Phänomen. Traditionell trugen Jungs das „kleine Rot“, also rosa, da rot lange als „männliche“ Farbe galt: Blut, Kampf, Leidenschaft – eben „typisch“ männliche Eigenschaften. Mädchen hingegen war das „kleine Blau“ vorbehalten, denn blau war wiederum die Farbe der Jungfrau Maria.

Erst ab 1920 änderte sich diese Einteilung, bedingt durch den Rückgang des kirchlichen Einflusses auf der einen Seite und die Dominanz der Farbe blau in der (männlichen) Arbeitswelt (Blaumann, Jeans usw) und bei Uniformen (Marine).

Die geschlechtsspezifischen Farben sind also gar nicht so geschlechtsspezifisch und gar von einem „pink“ und einem „blue brain“ bei Mädchen und Jungens zu sprechen, ist also weit hergeholt.

Wenn da nicht die Marketingabteilungen wären, die selbstverständlich entdeckt haben, dass Frauen anders einkaufen als Männer – und eigentlich auch viel konsumfreudiger sind. Prompt war das Gender Marketing geboren, das  – wenn es um die Konsumentin geht – sich gerne auf „shrink it and pink it“ runterbrechen lässt.  Pink ist neidlich und welche Frau möchte nicht auf ewig kleines Mädchen bleiben? Es lässt sich eben werbetechnisch am einfachsten in Schubladen denken und so produziert die Industrie pinkes Spielzeug für Mädchen und blaues für Jungs – wie jüngst Ferrero, die der Meinung waren, pinkfarbene Ü-Eier für Mädchen auf den Markt zu werfen:

Man war sehr verwundert, als sich ein shitstorm ungeahnten Ausmaßes über Ferrero ergoß, denn schließlich hat man doch „nur“ Gender Marketing angewendet. Eben. Nicht nur, dass kleine Mädchen kaum noch der pinken Welt entkommen können, zudem sollen sie sich auch noch über kleine, sexy magersüchtige Elfen erfreuen….  Auch Lego bekam den Unmut der sensiblisierten Konsumentinnen zu spüren, denn auch hier muss man sich fragen, warum Mädchen  auf Frisier- und Beautysalons reduziert werden:

Lego rechtfertigt jedoch LEGO Friends, einen Bausatz mit lila Klötzchen, die Mädchen zum Bauen animieren sollen. Mädchen hätten nun mal ein „Puppen-Gen“ und würden sich sonst nicht mit solchen Sachen befassen. Wenn man aber ihre Vorliebe für rosa nutze, um sie dann für etwas zu begeistern, was sie sonst ignorieren würden, sei das doch eine gute Sache. (Quelle: SZ)

Der Widerstand wächst jedoch: „Pink stinks“ heißt die Bewegung, die sich seit zwei Jahren gegen Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien wendet, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Diese „Pinkifizierung“ trifft Mädchen und Jungen gleichermaßen, und Pinkstinks möchte diesem Trend entgegenwirken. Wir werben für ein kritisches Medienbewusstsein, Selbstachtung, ein positives Körperbild und alternative weibliche Rollenbilder für Kinder.

Denn die Welt ist nicht nur pink und nicht nur Barbie. Apropos Barbie: Die würde nämlich als Puppe ganz anders aussehen, wenn sich Mattel an den wirklichen Proportionen von Frauen orientieren würde – so wie es der amerikanische Künstler (und Forscher) Nickolay Lamm auf der Grundlage der Maße einer durchschnittlichen 19jährigen Amerikanerin getan hat:

Pink, blond, blöd, Frau.  Das ist dann das Ergebnis, wenn Gender Marketing verinnerlicht wird:

Extragroße, pinke Frauenparkplätze am Frankfurter Flughafen, schön mit Blümchen….

Es ist also nicht immer die Feminismus-Sexismus-Keule, wenn es darum geht, Klischees zu hinterfragen. Manche Unternehmen reagieren auch richtig auf die heutigen Anforderungen: So weiß Bauknecht nicht mehr, was Frauen wünschen, sondern wirbt nun mit dem Claim: „Bauknecht heute leben“. In Schweden ist man sogar noch einen Schritt weitergegangen, denn da hat die Spielzeugkette „Top Toy“ den ersten genderneutralen Spielzeugkatalog verteilt, in dem Mädchen mit Waffen und Autos spielen und Jungs mit Puppenhäusern und Schminksachen:

Ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn die Welt ist nicht nur in pink und hellblau unterteilt….

An die Kette genommen…

Egal durch welche deutsche Fußgängerzone wir schlendern, wir finden dort die immergleichen Geschäfte vor: von A wie Apollo über B wie Backwerk bis Z wie ZGS Schülerhilfe. Allen ist eines gemeinsam: Diese Firmen organisieren ihren Wachstum über Franchise-Partner.

Was macht es für einen Franchisenehmer nun eigentlich so interessant, sich mit einer Lizenz selbstständig zu machen, fragten sich die Dame und die Herren von Zweiaufeins bei radioeins, und da sie keine gute Antwort fanden, befragten sie das makketing-Orakel (nachzuhören wie stets hier im talketing-Blog).

Wir haben in Deutschland ca. 67.000 Franchisenehmer, die eines der rund 1.000 Franchisesysteme für sich entdeckt haben – Franchise ist dabei auch ein wichtiger Arbeitsplatz-Beschaffer: Fast 500.000 Menschen arbeiten in Franchise-Betrieben, die jährlichen Umsatzzahlen schwanken zwischen 60 und 80 Mrd. Euro.

Ein Erfolgsrezept also? Der Franchisenehmer übernimmt eine bestehende, erprobte Geschäftsidee, den Namen, das Corporate Design, kann die Rechte nutzen und profitiert von den Einkaufsvorteilen, was seinen Markteintritt natürlich enorm erleichtert und beschleunigt. Er muss sich zudem nicht um Marketing und PR kümmern, erhält oftmals einen Gebietsschutz und kann sich voll und ganz auf das Kerngeschäft konzentrieren. Selbstständigkeit „light“ also, denn all das müssen sich Gründer normalerweise mühsam erarbeiten (in so tollen Gründungsinkubatoren wie der garage in Berlin beispielsweise).

Ganz umsonst ist das natürlich nicht, denn für die Übergabe einer schlüsselfertigen Geschäftsidee wird eine einmalige, manchmal auch recht hohe Lizenzgebühr fällig (für eine McDonalds-Lizenz beispielsweise mind. 760.000 Euro) und auch dann muss monatlich ein gewisser Anteil am Umsatz (je nach System bis zu 33%) an die Mutter abgegeben werden.

Und für diese zugegebenermaßen hohe Sicherheit zahlt man den Preis, dass man keinerlei strategische Entscheidungen fällen kann: Alles kommt aus der Zentrale, der Franchisenehmer setzt einfach nur um.

Es hängt also vom Gründer ab: Je nachdem, ob er Freiheit und dafür Risiko oder Sicherheit und dafür eingeschränkte Entscheidungsfreiheit bevorzugt, eignet sich ein Franchise-System mal mehr und mal weniger. Die Top Ten im deutschen Franchise-Ranking 2012 werden übrigens von Mrs. Sporty, Vom Fass und McDonald’s angeführt, mehr dazu findet ihr hier.

Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer:

The winner takes it all: Online-Shopping für Milliardäre

Ach, es ist schon ein Kreuz mit dem Reichsein, wohin soll man so als Milliardär nur sein teuer ergaunertes Geld hinverschwenden? Das hat auch Sven und Daniel von Zweiaufeins bei radioeins schlaflose Nächte bereitet, so dass sie mich in ihrer Verzweiflung einluden, um über den „The Billionaire Shop“ zu sprechen, den exklusivsten Online-Shop für den Multimillionär (nachzuhören wie immer hier im talketing-Blog).

Der schnelle Einkauf für Zwischendurch hat dabei für jeden mindstens achtstelligen Kontostand etwas dabei, denn es muss ja nicht immer gleich die Privatinsel auf den Bahamas für 65,5 Mio Euro sein…

…manchmal tut es auch die „Tour de I’lle“-Armbanduhr von Vacheron Constantine für fast schon geschenkte 2,95 Mio €. Mit Kleinkram hält man sich auf dieser Seite auch gar nicht auf: Die Kategorien lauten lediglich: Kunst, Autos, Motorräder, Helikopter, Yachten, Jets, Residenzen und Uhren.

Gezielt wird hier der Impulskäufer gesucht, denn wie in jedem Online-Shop kann man viel Beratung nicht erwarten, dafür erfolgt die Lieferung selbstverständlich frei Haus. Die Macher des Shops verstehen ihn als „destination for winners“ – und zwar im wörtlichen Sinne. Den hinter all dem steht ein schwedisches Team, das auch die internationale Glücksspiel-Plattform „Multilotto“ betreibt. Man habe dort nämlich festgestellt, dass die frischgebackenen Lotto-Multimillionäre gar nicht wüssten, wohin mit dem vielen Geld – und so böte man diesen nun endlich eine Einkaufshilfe an.

Klingt zu schön, um wahr zu sein – und so entpuppt sich das Ganze auch als riesig großer PR-Gag. Keines der dort angebotenen Artikel kann man wirklich erwerben, denn stets erscheint die Fehlermeldung, dass er leider schon ausverkauft sei. Viel mehr geht es darum, neben dem „Buy“-Button den „Buy the easy way €4“-Link zu klicken, der direkt auf die Multilotto-Website führt (wo dann auch bis zu 146 Mio. Euro zu gewinnen sind….).

Das Kalkül ging auf, denn zum Launch des Billionaire Shop im Dezember 2012 stürzten sich viele Medien auf die Meldung und verbreiteten den Shop und seine URL eifrig weiter. Und bestimmt hat der eine oder andere Besucher dann auch schnell einmal 4 Euro Einsatz gezahlt….

Es bleibt also auch weiterhin traurig, das Milliardärs-Dasein. Aber wer will auch schon reich sein?

Häschen in die Grube – Bunnies in den Playboy-Club

An Ostern bringt der Hase die Eier, was damit zu tun hat, dass nach der Reformation die Protestanten doch von so manchem katholischen Brauch nicht lassen wollten und ihre Hühnereier zur Segnung und als Symbol der Fruchtbarkeit in den Ostergottesdienst brachten. Es musste also schnell ein eigenes Fruchtbarkeitssymbol her…. der Hase, denn schneller als die Karniggels vermehrt sich ja kaum was! Und so verschmolzen dann zwei Symbole zum Osterhasen.

Fruchtbarkeit, Vermehrung, zumindest der dazugehörige Akt, das alles spielt auch eine Rolle, wenn es um den „Playboy“ geht und seine berühmten Bunnies. Und dieses Phänomen wurde nun bei meinem österlichen Radioauftritt bei 2aufeins @ radioeins näher betrachtet (nachzuhören wie immer hier auf dem talketing-Blog).

Im letzten Herbst hat in Köln nämlich der erste „Playboy-Club“ auf deutschem Boden eröffnet – über 50 Jahre nach der  Eröffnung des Ur-Clubs in Chikago. Hugh Hefner, Vater aller Playboys, hatte damals bereits erkannt, dass er seine Marke mit Leben füllen muss, denn der „Playboy“ war mehr als nur ein Herrenmagazin mit guten Interviews, sondern er verkörperte einen Lifestyle, der erfahren werden musste. Inspiriert hatte ihn dabei Disney mit seinen Plänen für Disneyland. 1960, 7 Jahre nach der ersten Ausgabe, öffnete der Club seine Pforten und sollte mit erstklassigen Speisen und Getränken sowie exklusiven Entertainment die Mitglieder begeistern. DAS Highlight waren jedoch die Bedienungen: bildhübsche, langbeinige junge Damen, die im Bunny-Kostüm durch den Club „hoppelten“. Einen guten Eindruck davon gibt uns der Trailer zur gleichnamigen NBC-Serie:

In den folgenden Jahren wurde eine Vielzahl von Clubs weltweit gegründet, der Mitgliedsbeitrag lag bei 25 $ – bei einer geschätzten Million Mitgliedern zu den besten Zeiten ein angenehmes kleines Zubrot für Hefner. Eine Zeitlang waren diese Clubs „hip“ und zogen überall Prominente an von den Beatles über Tony Bennet, Julie Christie, Ursula Andress, Roman Polanski, Michelangelo Antonioni, Sidney Poitier, Peter Sellers, Rudolf Nureyev bis hin zu Woody Allen, um nur einige zu nennen.

Die NBC-Serie wurde nach 4 der ersten 6 Episoden bereits wieder eingestellt – und so ging es auch den meisten Playboy-Clubs, Anfang der 90er waren die meisten bereits Geschichte. 2006 erfolgte ein spektakulärer Wiederbelebungsversuch in Las Vegas, doch auch dieser Club musste 2012 wieder schliessen, denn die Marke „Playboy“ befand sich in der Krise. Das Bunny-Symbol ist eines der am meisten kopierten Logos der Welt, ein wild uferndes Lizenzgeschäft tat sein übriges dazu, um sich nackte Photoshop-Schönheiten anzuschauen ging mann ins Internet, und Sex als Thema fand in allen Medien statt. Eine Style-Bibel war der „Playboy“ auch schon lange nicht mehr und so musste sich die Marke neu erfinden.

Sehr hilfreich dabei ist das Sixties-Revival, das insbesondere durch die grandiose Serie „Mad Men“ eingeleitet wurde: Männer in scharfgeschnittenen Anzügen, in der einen Hand einen Cocktail, in der anderen eine Zigarette und in der dritten ein top gestyltes Girl. Das ist eben der gute alte „Playboy“-Stil, der nun von den Nachgeborenen erlebt werden kann. Köln als Ort des ersten deutschen Playboy-Clubs lässt sich auch mit der großen Werbeszene in diesem Raum erklären – nur das mit der A-Prominenz klappte noch nicht so ganz zur Eröffnung:

Aber es gibt Bunnies ohne Ende… die Mitgliedschaft ist etwas teurer geworden mit 1.500 Euro jährlich oder 15.000 Euro auf Lebenszeit. Ob das funktionieren wird, bleibt abzuwarten. Die Busen-Bar „Hooters“hat es in Berlin auch gerade einmal 1  1/2 Jahre geschafft, bevor das Aus kam.

Der Playboy selbst hat Indien als zukünftigen Markt entdeckt; dort wurde kürzlich der erste Club eröffnet, 120 weitere Playboy-Clubs, -Bars und -Cafes sollen bis 2022 entstehen. Und auch Israel hat seit neuestem seine eigene Playboy-Ausgabe…. Der Mythos stirbt nie!

Propaganda du musst wandern, von dem einen Mund zum anderen…

Man ahnt es schon: Mundpropaganda ist das Thema, zu dem ich dieses Mal bei radioeins zu „2aufeins“ eingeladen wurde. Das Interview lässt sich hier im talketing-Blog nachhören – und wie immer gibt es an dieser Stelle noch ein bißchen ‚was zum Nachlesen…

Der unschöne Begriff „Mundpropaganda“ wird dabei im Marketing längst durch „Buzz Marketing“ oder auch Empfehlungsmarketing ersetzt und es handelt sich hierbei um die Königsklasse der Kommunikation. Alle wollen dahin, aber keiner weiß so genau, wie.

Gesprochen haben wir Menschen ja schon immer – und uns dabei auch selten den Mund verbieten lassen. Nichts ist beispielsweise schneller und erfolgreicher verbreitet als ein Gerücht und da haben wir auch schon einen wesentlichen Kern der Mund-zu-Mund-Propaganda: Es sind in erster Linie schlechte Nachrichten, Skandale und Unerhörtes, die weitergegeben werden. Warum? Weil nichts langweiliger ist als gute Nachrichten. Unsere gesamte Medienlandschaft lebt bis heute von diesem Grundsatz.

Paul Weber: Das Gerücht

Unternehmen sind nun daran interessiert, dieses wirkungsvolles Instrument für ihre Zwecke einzusetzen, denn schon in den 80ern wurde, u.a. von Jay Conrad Levinson erkannt, dass es nicht die teuren Werbekampagnen sind, die uns ein Produkt kaufen lassen, sondern die Empfehlung unserer Freunde. Levinson prägte daraufhin den Begriff „Guerilla-Marketing“: Ziel ist es, durch ungewöhnliche, überraschende Kommunikation ins Gespräch zu kommen. Das war in den Zeiten vor dem Internet gar nicht so einfach…

Das Internet und in der Folge „Social Media Marketing“ aka „Web 2.0“ hat nun viele neue Kanäle eröffnet, auf denen wir uns mitteilen können, und schon 1999 haben einige Autoren erkannt, was das für eine Tragweite haben wird. Die Verfasser des „Cluetrain-Manifest“ formulierten 95 Thesen zu den Märkten, deren erste lautete: „Märkte sind Gespräche“. Es geht heute nicht mehr darum, uns plump etwas zu verkaufen, sondern darum, mit uns ins Gespräch zu kommen, uns Plattformen für Gespräche zu bieten, in unsere Gespräche einzudringen.

Nur ein Beispiel sei hier genannt: die beliebten und mächtigen Bewertungsportale wie Holidaycheck, Tripadvisor, Qype aber auch Bewertungen bei Amazon usw. Jeder 2. liest laut bitkom solche Kritiken vor dem Kauf, ein Drittel der Befragten gab an, sich bei Online-Käufen sogar direkt davon beeinflussen zu lassen. Eine Studie zu dem Bewertungsportal Yelp ergab, dass schon ein halber Stern mehr zu 19 Prozent zusätzlichen Reservierungen bei Bars und Restaurants führte.

Kannten wir bei der Mund-zu-Mund-Propaganda noch die Menschen, die uns und denen wir etwas weitererzählten, so vertrauen wir bei diesen Portalen dem Urteil komplett fremder Menschen – und da liegt natürlich auch die Manipulationsmöglichkeit nahe, insbesondere, wenn gute wie auch schlechte Bewertungen solche Auswirkungen auf mein Unternehmen haben können. So wird angenommen, dass zwischen 10 bis zu 30% aller Einträge Fakes sind.

Letztendlich kann man Empfehlungen (anders als Twitter-Follower und Facebooks-Fans) nicht kaufen: Wir empfehlen nur das weiter, was uns wirklich begeistert. Das Erfüllen unserer Erwartungen reicht dabei nicht aus, es muss das kleine magische Etwas-mehr sein. Doch Unternehmen geben lieber viel Geld für Prämien und Werbung aus, denn das ist viel einfacher, als sich Gedanken darüber zu machen, womit sie uns begeistern könnten…. schade eigentlich.

Voll von der Prinzenrolle

Wie kommt der Prinz eigentlich zur Rolle, fragten sich die Jungs von 2aufeins bei radioeins erst selbst – und dann mich. Nachzuhören ist das Interview wie immer hier im talketing-Blog

Es war der belgische Bäckermeister Edouard de Beukelaer, der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts in seiner Bäckerei Kekse herstellte – ein Wissen, das er sich in seinen Lehrjahren aus England mitgebracht hatte. Kekse und Kuchen waren bis dato nicht sonderlich haltbar und daher auch eher Luxusartikel und nicht für die breite Masse gedacht. De Beukelaer gründete 1870 die erste Keksfabrik in Belgien und produzierte dort auch seine Doppelkekse.

Gewidmet hatte de Beukelaer seinen Doppelkeks dem belgischen Thronprinzen Leopold II, von dem bekannt war, dass er äußerst gerne Schokolade und Kuchen naschte. Allerdings galt es als unschicklich, sich die Hände mit Schokolade schmutzig zu machen, so dass der Doppelkeks die perfekte Erfindung war, um Schokolade zu essen, ohne sich die Finger zu beschmutzen. Ursprünglich nannte de Beukelaer seinen Keks „le petit prince fourré“, den kleinen gefüllten Prinzen.

Der große Durchbruch folgte dann 1894, als de Beukelaer seinen Keks auf der Weltausstellung in Antwerpen präsentierte – und damit in der Folge groß und klein auf dem ganzen Kontinent in den Bann seiner Prinzenrolle brachte.

1955 gründete der Sohn dann in Kempen am Niederrhein einen weitere Fabrik und so wurde auch Deutschland schnell erobert – aus meiner Kindheit ist die Prinzenrolle nicht wegzudenken:

Über Umwege, zwischenzeitlich gehörte das Unternehmen Danone, firmiert de Beukelaer heute als Griesson-deBeukelaer und ist vollständig in den Händen der deutschen Backdynastie Gries und Söhne. Mehr als 40 Millionen Packungen werden jedes Jahr produziert, davon bleiben ca. 35 Millionen in Deutschland.

Nicht alle Produktvarianten erwiesen sich jedoch als erfolgreich: Weder konnte sich „Erdbeerquark“ am Markt durchsetzen noch die Nuß-Variante, obwohl in der Werbung das kleine Wörtchen „geil“ fernsehtauglich gemacht wurde (ein ziemlicher Skandal…)

Man kann aber auch in der Prinzenrolle schlafen… nämlich im „Food-Hotel“ in Neuwied, in dem es unter anderem ein Prinzenrollen-Zimmer gibt:

Aber nicht das Bett vollkrümeln…. 🙂

„Ich rutsch‘ mal schnell zum Essen“ – Arbeiten bei Google

Als Dave, der Redakteur, mich diesmal zum Gespräch bei „2aufeins“ in „radio eins“ (hier im talketing-Blog nachzuhören) einlud, stockte ich kurz, als er meinte, dass dieswöchige Thema sei „Rutschen“. Während ich in Gedanken schon die Geschichte der verschiedensten Hersteller von Spielplatzrutschen durchgegangen bin, kam schnell die Erleichterung: In Zürich könne man doch bei Google mit der Rutsche in die Kantine flutschen – warum mache man denn sowas?

Stimmt das denn überhaupt? Es stimmt. Das Hauptquartier von Google in Zürich ist weniger Arbeits- als Spielplatz:

BBC Google Zurich from Camenzind Evolution on Vimeo.

Und auch im neuen Londoner Büro durfte der Innendesigner mal so richtig ausflippen:

Selbstredend gibt es im Marketing dafür eine Fachbezeichnung, denn auch die Mitarbeitermotivation und -förderung durch Raumgestaltung ist eines der vielen Instrumente des Marketing-Mixes. Und da die alle mit „p“ anfangen (die 4 berühmten „P“s lauten product, price, placement und promotion), beginnt auch dieses mit „p“: physical facilities.

Ausgangspunkt ist die Erkennntis, dass glückliche und zufriedene Mitarbeiter mehr Milch geben – im Sinne von Kreativität, Loyalität, Einsatz. Und so, wie Kühe nicht mehr auf engsten Raum gehalten werden wollen und sollen, so sind auch die Zeiten der Großraumbüros passé. Für Google (und die andere wie adidas, Vodafone oder Siemens) ist dies zugleich ein Wettbewerbsvorteil, wenn es um den Kampf um die besten Köpfe geht, denn viele Uni-Absolventen wollen natürlich lieber an einem so coolen Ort arbeiten und nicht in langweiligen Büroräumen.

Für die Konzerne ist es zudem eine Frage der Kosten: Selten sind alle Arbeitsplätze besetzt, gut 40% aller Büroplätze bleiben aufgrund Krankheit, Urlaub und Aussenterminen unbesetzt. Es ist daher auch eine reine Notwendigkeit, dem Mitarbeiter keinen festen, sondern möglichst einen mobilen Arbeitsplatz einzuräumen. Dank Laptop, Handy und Rollschrank ist das nun möglich.

Die Änderung unserer Arbeitszeiten, die Mobilität und der immer stärker werdende Wunsch, autark und leistungsorientiert beispielsweise auch von zuhause aus zu arbeiten, verändern die Bürolandschaften. Im Spiegel-online-Interview antwortet der Designer des Londoner Google-Büros auf die Frage:

Frage: Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in fünf Jahren arbeiten? Wird sich das grundlegend wandeln?

Penson: Ich gehe davon aus, dass es sich schon in zwei Jahren grundlegend ändert, wie unsere Arbeitsplätze aussehen. Ich erledige einen Großteil meiner Arbeit schon heute vom iPhone aus. Und bald werden Tablets die Desktop-PCs und Laptops fast völlig verdrängt haben. Dann braucht man eigentlich gar keinen Schreibtisch mehr und ist viel freier in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes.

Es geht also weniger um das Design an sich, das natürlich – logisch – auch irgendwann zur Normalität dazugehört und einen langweiligen Job nicht besser macht. Die Möglichkeit, seine Arbeit selbstbestimmt und losgelöst von 9-to-5-Anwesenheitspflichten ausführen zu können, motiviert Menschen mehr als vieles andere (was die Wissenschaft schon vor Jahren erkannt hat, in der Wirtschaft aber nur schleppend ankam, wie Daniel Pink hier ausführt:

).

Und zu guter Letzt ist eine solch motivierende Innenarchitektur immer auch Werbung in eigener Sache: nicht nur, um die besten Absolventen anwerben zu können, sondern auch, um sich als cooles, hippes, junges, modernes Unternehmen nach aussen zu positionieren. Denn bei weitem nicht alle Google-Offices sind so extravagant wie die in Zürich oder London… Das in Hamburg zum Beispiel sieht ja fast schon ein wenig erbärmlich aus gegen die Flagschiffe… 🙂

Chuck, der Mörderturnschuh

…oder verwechsele ich da gerade was?

Anläßlich meines „2aufeins„-Interviews bei „radioeins“ (das hier im talketing-Blog nachgehört werden kann) möchte ich ein bißchen etwas zu den „Converse All Star Chuck Taylor“ erzählen.

Die Chucks sind ein natürlich nicht nur eine Übermarke, sondern ein kulturelles Phanömen, schafft es dieser Turnschuh doch, trotz Massenproduktion (der Absatz liegt weltweit bei einer Milliarde Paar) immer noch ein Stück Subkultur und Teil einer Gegenkultur zu bleiben: Keine Turnschuhmarke steht mehr für Rebellion als die Chucks.

Mit dem Älterwerden der rebellierenden Jugendlichen wird deren Produkt vom Zeichen des Anders-Seins zum Massenprodukt – und taugt für die nachwachsende Generation natürlich nicht mehr als Zeichen des Protestes: Wer will schon gegen die Eltern-Generation aufbegehren – mit deren Symbolen? So ist ein Che Guevara – T-Shirt heute eher ein modisches Statement als ein politisches… Doch der „Chuck“ hat dies geschafft.

Die Firma Converse Rubber Shoe Company wurde 1908 in den USA von Marquis M. Converse gegründet und stellte zunächst nur winterfestes Schuhwerk her. 1917 kam dann der erste Basketballschuh „All Star“ für die noch sehr junge Sportart auf den Markt, denn Basketball wurde erst seit 1891 nach Regeln gespielt. Und zwar zumeist in Tanzsälen und auf deren Parkettböden quietschten die Gummisohlen der Turnschuhe – das typische Geräusch ist bis heute geblieben.

Marquis Converse

Bekanntester Vertreter des vornehmlich noch von Weißen gespielten Sportes war Chuck Taylor, der seit 1918 die Schuhe trug (er war zufälligerweise auch Converse-Mitarbeiter) und bewarb. Er war somit eines der ersten Testimonials für eine Sportmarke in der noch jungen Werbegeschichte.

Seine Signatur prägte dann den runden Knöchelschutz an den Seiten – und so war der „Converse All Star Chuck Taylor“, kurz „Chuck“ geboren.

Der Schuh trat einen Siegeszug an: Bald spielten viele Basketball-Mannschaften mit Chucks, und als der Sport 1936 olympisch wurde, gewannen die Amerikaner die Goldmedaille – natürlich in Chucks.

In den 50er wandelte sich der Sportschuh zum Alltagsschuh und wurde damals in erster Linie von Rockabillies getragen, auch von James Dean und Elvis Presley. Das College-Modell hatten die Beach Boys an den Füßen, Mick Jagger heiratete im Anzug mit Chucks, John Lennon und Yoko Ono trugen sie ebenso.

In den 70ern entdeckten dann die Punks den Chuck – als einzig wirklich tragbaren Turnschuh, wie ein Fanzine damals vermerkte. Die Ramones waren leidenschaftliche Chuck-Träger. In den 80ern vereinnahmte der Hard Rock den Schuh und das damit verbundene Lebensgefühl, als Beispiel sei nur Van Halen genanntn. Und in den 90er wurde mit Grunge ein neuer Höhepunkt der Chuck-Geschichte erreicht (Kurt Cobain trug Chucks, als er sich erschoß).

Die Marke zeigt also eine unglaublich hohe Anpassungsfähigkeit, was zum einen in dem klaren, einfachen Design begründet zu liegen scheint, zum anderen aber mit der Individualisierbarkeit des Produktes: Das weiße Leinen lässt sich hervorragend mit Filzstiften beschriften – vom Peace-Symbol über das Anarchy-Zeichen bis hin zum Band-Schriftzug.

gehört irgendwie zusammen

2001 ging Converse-Konkurs, doch die Produkte gab es immer noch, sie wurden schwarz in China weitergefertigt und auf den Markt geworfen. 2003 kauften Nike die Marke und übernahm offiziell die Massenproduktion, doch selbst dies tat der Kultmarke keinen Abbruch – so trugen in den 2000ern u.a. die Strokes Chucks…

Ob sich die Chucks als Zeichen der Rebellion auch weiterhin halten werden? Ich weiß es nicht, aber selbst Harry Potter trug Chucks… und somit bleibt der „Converse All Star Chuck Taylor“ wohl noch lange der Schuh der „Anders-Seienden“….

tesa macht Musik – die haften bleibt

Ok, mir ist wirklich kein besserer Titel eingefallen…

Anläßlich meines Besuchs bei radioeins und meines Interviews zum Thema „tesa“ mit den Herren von „2aufeins“ (hier nachzuhören) liefere ich hier wieder ein wenig mehr Material.

tesa war lange Zeit eine Sparte der Beiersdorf AG bis es 2011 eigenständig wurde. Paul Carl Beiersdorf versuchte in seiner 1882 gegründeten „Fabrik dermotherapeutischer Präparate“ ein Wundpflaster zu entwickeln, das nicht die Haut reizte. 1890 kaufte der Apotheker Oscar Troplowitz Beiersdorf die Firma ab und entwickelte das Pflaster weiter, das dann 1901 als „Leukoplast“ auf den Markt kam. Der Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm war dabei eher ein Abfallprodukt.

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Troplowitz ist quasi auch der Vater von dem Lippenpflegestift „Labello“, den er 1909 mit einem revolutionären Drehhüllengehäuse verkaufte; 1911 folgte dann die erste Fett- und Feuchtigkeitscreme der Welt: Nivea.

Der Name „tesa“ entstand erst 1908 und geht zurück auf die Beiersdorf-Kontoristin Elsa Tesmer. Diese bekam wie ihre Kolleginnen den Auftrag, Namen zu erfinden und kreierte diesen aus den Silben ihres Namens.

Noch fanden aber der Klebefilm und tesa nicht zusammen. Zunächst wurde unter diesem Name die patentierte Zahnpastatube der Marke Pebeco geführt – mit wenig Erfolg, so dass der Name tesa dann für eine neuartige Tauchmasse zum Überhäuten von Wurstwaren (also einfach: eine Wurstpelle) benutzt wurde.

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Erst 1935, als der Klebefilm weiterentwickelt und transparent wurde kam der Beiersdorf-Mitarbeiter Hugo Kirchberg auf die Idee, diesen „tesa-Klebefilm“ zu nennen – und als „tesa-Film“ hat er es dann in unsere Köpfe, in unseren Sprachgebrauch und in den Duden geschafft. tesa ist einer der bekanntzesten Marken in Deutschland. Seit 1941 hieß die Klebefilm-Sparte dann „tesa“. Kirchberg erfand noch viele weitere Produkte, wie beispielsweise den Abroller, der heute von kaum einem Schreibtisch wegzudenken ist.

Mit dem tesa-Film kam auch tesa-Krepp auf den Markt, gefolgt 1951 von tesa-Moll. Heute gibt es für den Endkunden ca. 300 verschiedene Produkte, die aber nur 25% des Umsatz der tesa SE ausmachen. Die restlichen 75% werden durch ca. 6.200 Produkte für die Industrie erwirtschaftet.

Der Zufall spielte eine große Rolle, als in den 80ern die „Powerstrips“ „erfunden“ wurden: Ein Klebstoff-Techniker vergass, den Deckel des Klebstoffkneters zu schliessen, als er in die Mittagspause ging. Bei seiner Rückkehr war das Lösungsmittel verdampft und er fand eine feste, klebrige Masse vor, die sich jedoch gut abziehen liess. Der mobile Nagel war geboren. Er trägt bis zu 1,5 kg und damit das 1.500fache seines eigenen Gewichtes.

Ach ja, mit tesa lässt sich natürlich auch hervorragend Musik machen… glaubt ihr nicht? Seht selbst: