Klein ist das neue Groß…

Produkt-Modifikationen gehören spätestens seit unserem Säulenheiligen Ansoff zur täglichen Arbeit der Entwicklungsabteilungen. Wurde jahrelang alles nur noch größer und größer, so kehrt sich der Trend nun um. Nicht mehr mini, sondern minimini ist jetzt angesagt, z.B. Schokoriegel in Bites-Form (spart das mühselige Abbeißen….) – eine so gute Idee, dass man sich glatt fragen könnte: Warum sind die da nicht schon eher darauf gekommen? Antwort: Die Achtziger waren schuld…

und das gleich doppelt:

Doch auch Coca Cola hat sich dem Mini-Format verschrieben; die neuen Kleinstbüchsen sollen nur noch 90 Kalorien enthalten (sprich: einen Schluck). Großer Vorteil der Petitessen: Man spart enorm Platz. So ein Kiosk schrumpft dann gleich mal auf Hüfthöhe, wie man kürzlich in Berlin erleben konnte:

Da komme selbst ich erdnaher Murkel mir bald als Riese vor…

 

Sine copiare et impera!

Für irgendetwas muss das große Latinum ja gut gewesen sein… Divide et impera – teile und herrsche – benannte Machiavelli 1532 die Strategie, Gruppierungen in Untergruppen einzuteilen, um diese leichter zu beherrschen.

Wer heute jedoch im Marketing erfolgreich sein möchte, sollte seinen Markt nicht nur segmentieren (dividere), sondern auch zulassen, dass die Nutzer die eigenen Inhalte kopieren und bearbeiten. Sine copiare – lass das Kopieren zu! (Falls das falsch formuliert sein sollte, so bitte ich meinen Lateinlehrer posthum um Vergebung)

Der Erfolg viraler Kampagnen hängt nämlich davon ab, ob, wie schnell und wie erfolgreich sie kopiert werden, denn jede Parodie erweist sich als huldvolle Referenz an das Original.

Das berühmte First Kiss Video, das ja auch nur Werbung für eine Modemarke ist (über 80 Millionen Klicks), wurde in kürzester Zeit vielfach kopiert, vom „First Blowjob“ bis hin zur Minecraft-Variante oder zum „First Sniff“:

Zunehmend lassen sich dabei zudem andere Anbieter finden, die auf einen fahrenden Erfolgszug aufspringen:

Die Kunst ist es, diese Parodien gelassen zuzulassen… Auch der bislang erfolgreichste deutsche Clip (10 Millionen Klicks), Supergeil, hat wunderbare Nachahmer gefunden:

Und der legendäre Van Damme – Spot von Volvo (über 72 Millionen Klicks) fand kreative Antworten, u.a. von Chuck Norris:

die dann wiederum beantwortet wurde:

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da hätten Unternehmen jeden Nachahmer, jede Kopie verfolgt, belangt, verboten. Nicht nur wäre das heutzutage ohnehin technisch vergeblich, es ist auch die Einsicht entstanden, dass User, die sich mit dem Material beschäftigen, nur zum Ruhm beitragen können.

Diese Offenheit ist in der Tat ein Erfolgsrezept: Auch MC Fitti, der vollbärtige Sohn (?) vom Supergeil-Lichtenstein, verbietet seinen Fans nicht das Remixen seiner Songs, sondern animiert sie dazu und teilt diese über seine eigenen Social Media – Kanäle weiter. Zusammen mit den über 100 Videos, die er auf seinem Youtube-Kanal zur Verfügung gestellt hat, hat er sich eine solide Fanbase erarbeitet, die ihn dann in das Bewusstsein der breiten Masse getragen hat.

Teilen alleine macht heute also den viralen Erfolg nicht mehr aus – die Bearbeitung bringt’s!

 

Virales Marketing auf den Punkt gebracht

Botschaften ansteckend machen – das ist das hehre Ziel hinter dem viralen Marketing. Klingt immer ganz einfach, ist aber ganz schön schwer, denn damit ein viraler Spot sich wirklich verbreitet und Erfolg hat, müssen einige Zutaten stimmen, wie ich in einem der kommenden Posts aufzeigen werde.

Just bin ich aber gerade über den wunderbaren Spot der Webguerillas gestolpert, der – ohne viele Worte darum zu machen – das Prinzip auf den Punkt bringt (und Sex sells ja immer):

Spürt ihr auch so ein Jucken…? 🙂

Kontakte schaden halt nur dem, der sie hat, wie ich ja schon an anderer Stelle ausgeführt habe – es geht stets um die Qualität und nicht um die Quantität. Demnächst mehr!

Go ahead and jump!

… sang David Lee Roth mit Van Halen 1984, aber ich kann nur vermuten, dass Felix Baumgärtner diesen Song in Kopf hatte, als er zu seinem legendären Sprung aus 39 Kilometern Höhe ansetzte.

Was hat dieser Sprung eigentlich dem Sponsor, Red Bull, gebracht, fragten sich und dann auch mich die Herren von „Zweiaufeins„. Das „radioeins„-Interview ist hier nachzuhören:

50 Millionen Euro soll es Red Bull den Schätzungen nach gekostet haben, diesen spektakulären Stunt zu finanzieren. Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass weltweit Hunderte Millionen Menschen den Sprung gesehen haben. Auf YouTube wurde das Video mehr als 350 Millionen mal angeklickt, allein dort sahen 8 Millionen Menschen den Sprung live. Auch ntv hatte mit mehr als 7 Millionen Zuschauern in Deutschland fast 20% Einschaltquote. Und alle sahen immer und überall das omnipräsente Red Bull – Logo…. Wenn man dann noch bedenkt, dass ein einzelner 30-Sekunden-Spot beim Superbowl schon 2,3 Millionen Euro kostet, dann hat sich diese Aktion für Red Bull mehr als gerechnet.

Und eigentlich war das für Dietrich Mateschitz, Firmengründer von Red Bull, auch nur der berühmte Griff in die Portokasse, denn mittlerweile werden jährlich über 5 Milliarden Dosen der Gummibärchenbrause weltweit verkauft, was dem Konzern schätzungsweise über 4,2 Milliarden Euro Umsatz beschert. Mateschitz hat dabei seit jeher stets gut ein Drittel des Umsatzes in die Werbung investiert, also ca. 1,4 Milliarden Euro. Was sind da schon 50 Millionen? Apple gibt übrigens zum Vergleich 1% seines Umsatzes für Marketingmaßnahmen aus, ungefähr 900 Millionen Dollar…

Aber der Sprung hatte für Mateschitz noch einen weiteren willkommenen Effekt: Es brachte seinen TV-Sender „Servus TV“ ebenso in die Köpfe der deutschsprachigen Zuschauer wie Red Bull selbst, denn das Unternehmen hat sich längst vom Produkt gelöst und betreibt nicht nur einen Fernsehsender, sondern mit der gleichnamigen, sehr erfolgreichen Zeitschrift und den Magazinen „Terra Mater“  und „Red Bulletin“ ein Medien- und Verlagshaus sowie ein Musiklabel.

Auch hier ist Mateschitz konsequent und setzt damit seine Philosophie fort. So wie er früh entschied, nicht nur als Sponsor für viel Geld sein Logo irgendwo hinzupappen, sondern sich aktiv in den jeweiligen Sport zu integrieren (so gehören zu Red Bull auch 2 Formel1-Teams, sondern auch Fußball und Eishockeyteams) und auch für den Erfolg mitverantwortlich zu sein, so will er nun auch nicht mehr teure Werbeung in anderen Medien schalten, sondern selber Medien betreiben und Inhalte liefern.

Und damit hat der Baumgärtner-Jump als drittes noch einen neuen Hype ausgelöst, den des Content-Marketings. Content Marketing ist Kommunikation mit Kunden und Interessenten, ohne (direkt) zu verkaufen. Es werden nicht nur das eigene Unternehmen und seine Produkte möglichst positiv dargestellt, sondern es werden auch andere Informationen, Wissen und vor allen Dingen Unterhaltung angeboten. Denn natürlich haben viele Unternehmen nach dieser Aktion die sehr einfache Rechnung aufgemacht, dass gut gemachte Unterhaltung weniger kostet und mehr Menschen erreicht als nackte Werbung.

So hat Coca Cola seine Corporate Website in ein sehenswertes Online-Magazin namens „Journey“ verwandelt. Content ist – zumindest im Moment – King. Und gibt vielen arbeitslosen Journalisten wieder eine Aufgabe….

1984 sang Van Halen „Jump“ – und das noch ganz ohne Red Bull, denn der Drink kam erst 1987 auf den Markt. Mateschitz, der zuvor bei Blendax als Marketingmanager gearbeitet hatte, wußte, dass man für ein komplett neues Produkt mit klassischer Werbung viel zu viel Zeit und viel zu viel Geld benötigen würde, um es am Markt zu etablieren. So setzte er schon früh auf Guerilla-Marketing und ließ beispielsweise seinen Freund, den Formel1-Piloten Gerhard Berger, bei jeder Gelegenheit Red Bull trinken.

Red Bull ist sich auch dieser Denkweise treu geblieben, wie folgende Beispiele zeigen:

Von den Lippen abgelesen… Schokoladenwerbung

Tatsächlich muss das Produkt diesmal schon im Titel genannt werden, denn sonst würde man bei folgenden Beispielen nicht darauf kommen. Nun ist zwar bekannt, dass Leistungskommunikation ein Arschloch ist und Nutzen- vor Leistungskommunikation erfolgen sollte, aber irgendwann entfernen sich Botschaft und Produkt doch sehr weit voneinander (was der Unterhaltsamkeit jedoch keinen Abbruch tut… 🙂 ) :

Aaah, free the joy…. das geht natürlich nur mit dem richtigen Riegel, in diesem Fall von Cadbury. Liegt nun nur nicht unbedingt auf der Hand:

Aber irgendwie gehören Schokolade und Lippen ja zusammen…. fanden wohl auch die 2,6 Mio. Klickenden dieses Clips. Produkt? Wer braucht schon ein Produkt, wenn es um Aufmerksamkeit geht? Nur – ob das wirklich effektiv ist…. ich habe meine Zweifel.

Manchmal kann jedoch selbst Cadbury nicht auf das Produkt verzichten:

 

 

 

Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…

Gut, der Valentinstag ist nun schon wieder vorbei und alle Floristen zählen ihre Münzlein, aaaber, meine lieben Herren, die Herzensdamen freuen sich auch an den anderen 364 Tagen des Jahres über Blumen (und nicht immer nur dann, wenn man wieder was ausgefressen hat).

Doch was, wenn man noch als Single sein Dasein fristet? Keine Sorge, der Winter neigt sich seinem Ende entgegen, der Frühling lässt sich schon erahnen, die Säfte sprießen… und damit wir die große Liebe nicht aus Versehen einfach dahinziehen lassen, sollte folgende Idee dauerhaft Schule machen:

Jetzt kann er kommen, der Prinz…  🙂

Back to the future? Forward into the past!

Es gibt einen neuen Lieblingssport unter Fluggesellschaften: der Battle um das außergewöhnlichste Sicherheitsvideo. Was haben wir nicht schon alles gesehen von lustigen Tänzern bis hin zur gesamten Belegschaft des „Herr der Ringe“-Sets bei Air New Zealand.

Delta überrascht nun mit einer amüsanten, kleinen Zeitreise in die 80er:

Und als Zeiteuge kann ich nur bestätigen: Ja, es war wirklich so (schlimm)…. 🙂