Selberreisen war gestern: der Remote Control Tourist

Herrliche Zeiten kommen auf uns zu, denn wir müssen ja gar nichts mehr selber machen: Wir shoppen online und ersparen uns das Gedrängel mit quietschenden Teenies in den Geschäften, wir pappen uns Elektroden an den Körper, die für uns die Muskeln bewegen, und selber kochen müssen wir ja schon lange nicht mehr. Nur dieses doofe Reisen mit all seinen Unannehmlichkeiten (Wartezeiten, andere Menschen, Jet Lag, andere Menschen, fremde Sprachen und Speisen, andere Menschen….) konnte man bislang nicht abwälzen.

Doch dank der australischen Tourism Victoria brauche ich nun zumindest nicht mehr nach Melbourne zu fahren, denn ich kann jetzt meinen RCT (Remote Control Tourist) via Twitter und Facebook durch die Stadt steuern:

4 gecastete Touristen erkundeten vom 9. – 13. Oktober die Metropole, gelenkt von den Social Media Usern, ausgestattet mit Helmkamera, Google Maps Karte und GPS-Empfängern. Und viele viele Australienfans nutzen dieses Angebot, das man sich auf youtube anschauen kann. Hier nur als Vorgeschmack die Zusammenfassung des ersten Tages:

Toll, oder? Füße hoch, Bierchen auf und schon ist man mittendrin und live dabei. Was man da allein an Geld sparen kann…. ich bin begeistert! Ach…. wie…. ?  Das Motto lautet „Go before you go“? Ich soll den Spaß mitmachen, um dann auch – angefixt von den tollen Bildern – die nächste Reise nach Melbourne gleich buchen? Alles nur eine innovative Social Media Tourismus Werbung, die zeigt, wie man diese modernen Tools effektiv in seine Kommunikation einbinden kann?

Zu früh gefreut, ich muss wohl auch weiterhin selbst verreisen…

 

 

Facedeals: Gute Angebote nur noch für die Schönen?

Gesichtserkennung – der heiße Scheiß von morgen – wobei „morgen“ wirklich morgen bzw. ganz doll nah in der Zukunft meint. Denn mit „Facedeals“ können wir endlich mit dem Gesicht bezahlen… naja noch nicht ganz, aber fast. Seht selbst:

So, liebe Leute, dann räumt mal schön eure Bilder bei Facebook auf, denn ich sehe es schon kommen, dass der eine oder andere Laden uns nur noch reinlässt, wenn wir gut genug aussehen – keine Chance für Hackfressen. Oder Glatzen… Oder Hipster mit Schnauzbart…obwohl, das wäre doch mal was!

Selbst wenn das Ganze nur ein Fake sein sollte, was ich nicht wirklich annehme, so zeigt es doch sehr anschaulich auf, wohin die Reise gehen wird: Wir geben genug von uns preis, so dass personalisierte Angebote in Echtzeit schon heute möglich sind – und warum nicht mit unserem Gesicht einchecken?

Jeden, den es jetzt gruselt und der einen Aufschrei kaum zu unterdrücken vermag, dem sei gesagt, dass wir Älteren – wie immer – sowieso keine bedeutende Rolle mehr in den Überlegungen der Marketeers spielen. Es ist die heutige Jugend, die es in Kürze einfach erwarten wird, dass die Geschäfte mit Facedeals ausgestattet sein werden. Menschen wie Annie zum Beispiel:

So wachsen die kleinen Racker heutzutage auf… wer über 40 wäre heute dazu in der Lage, auch nur annähernd so mühelos und selbstsicher die diversen Programme zu bedienen? Meine Sozialisation sah noch so aus, dass wir im Informatik-Unterricht Lochkarten (!!!) hergestellt haben… oder elektronische Würfel… während im Schulkeller die Zuse vor sich hinratterte (P. Wanke forever!)…

Zurück zum Marketing: Die meisten Unternehmen verpennen ja hier in Deutschland noch die wachsende Bedeutung von Location-based-Marketing – wer bei Facedeals jedoch nicht rechtzeitig agiert, läuft Gefahr, die junge Klientel zu verlieren. Nicht wir machen die Märkte, die Märkte machen uns….

Endlich: Anschwärzen 3.0

Unsere schönen neuen Medien der 3.0-Welt kann man nicht nur für’s Stalken einsetzen, sondern sie eignen sich auch hervorragend zum Anschwärzen unverschämter Flegel und rüpelhafter Rüpel. Wer hat sich beispielsweise noch nicht über diese Falschparker geärgert, die Geh- und Radwege zuparken? Und viel mehr noch über unsere Ordnungskräfte, die so etwas beflissentlich übersehen? In Russland gibt es jetzt eine ganz einfache Lösung für dieses Problem:

 

Da freut sich der kleine Hobby-Blockwart und auch die goldene Hausnummer könnte demnächst für parkrowdy-befreite Strassenzüge wieder eingeführt werden. Ich ahnte bisher ja gar nicht, wieviel Macht ich mit meinem Smartphone in den Händen halte…. 🙂

Wenn der Makler auf den Facebook-Account zugreifen darf…

…dann entstehen auch im Immobilienbereich Angebote, die natürlich nur „persönlich auf Sie zugeschnitten“ sind.

Die schöne neue Web 2.0-Welt kann manchmal auch ziemlich spooky sein, zum Beispiel wenn sie in die Hände der Falschen gerät. Kennen wir ja: Neurolinguistische Programmierung per se ist ja nicht doof, als dann aber die ganzen Autoverkäufer und Bankangestellten darin geschult wurden, hat es sein Image doch ganz stark verloren. Und spätestens seit jeder Bäckereifachverkäufer der Meinung ist, mich erst „pacen“ zu müssen, bevor er mir mein Brötchen verkaufen kann, geht ganz doll ‚was schief….

Nun also die Makler, Wohnungs- und Hausverkäufer. Die haben sich gefragt, wie man die Floskel „taylor-made“ wirklich in die Tat umsetzen kann – und entdeckten Facebook:

„The Social Home“ – wohnen war ja vorher auch eher so eine wenig soziale Angelegenheit…

Was bedeutet das nun für die (recht nahe und gar nicht mehr so ferne) Zukunft? Auch der Autohändler und der Bankberater werden uns fb-gerecht ansprechen (ich erinnere nur an die Idee der Schufa). Und der Bäcker ordnet die Sesamkörner auf dem Brötchen in Form meines Profilfotos an… ihr werdet es noch erleben…

Orwell lässt grüßen – your Social Network is watching your fress-attacks!

Essen ist bekanntlich der Sex das Alters – und exzessives Genießen bringt dann leider doch auch unangenehme Folgen mit sich (zum Beispiel bei täglicher Nutzung des Pizza-Ruf-Magneten…). Nun gibt es endlose Abnehmprogramme, um die Strandfigur noch rechtzeitig zum Sommer 2013 zu erreichen – jedoch kämpfen alle mit dem gleichen Problem: Wie können die gefürchteten nächtlichen Fress-Attacken vermieden werden?

Da die Selbstkontrolle nicht funktioniert, müssen eben die Facebook-Freunde dafür herhalten – und das geht dann so:

Na das ist doch mal toll! Und es gibt unendliche Einsatzmöglichkeiten… man prokrastiniert schon wieder und daddelt lieber Farmville? Zack – schon melden sich die lieben Kollegen und ermahnen einen sanft zur Weiterarbeit! Man flirtet am Wochenende fremd? Rrring – die Schwägerin erinnert einen sofort an das Ehe-Gelübde… Und das sind nur die harmlosen Dinge, die mir spontan einfallen… 🙂 Wenn George Orwell selig das noch erlebt hätte…

Sex sells? Von wegen…

Begleitend zu meinem Interview (nachzuhören hier) bei „2aufeins“ auf „radioeins“ möchte ich heute hier wieder das Thema ein wenig bebildern.

„Sex sells“? Nun, zumindest gehören Sex und Werbung sehr eng zusammen. Schon früh erkannten die Hersteller, dass mit der richtigen Prise Freizügigkeit zumindest die Aufmerksamkeit der (meist männlichen) Konsumenten gewonnen werden kann – was Ende des 19. Jahrhunderts auch mit mehr Absatz einherging. So verkaufte Pearl Tobacco schon 1871 seine Zigaretten in einer (für damaligen Verhältnisse) sexy Verpackung:

1885 zog W.Duke & Sons nach und fügte seinen Zigaretten-Verpackungen Sammelbilder mit erotischen Fotographien von Starlets bei – was sich durchaus großer Beliebtheit erfreute:

Und diese Anzeige für Seife warb mit dezent homoerotischen Untertönen:

Heute sieht das dann so aus:

Sex in der Werbung ist allgegenwärtig – aber wirkt, verkauft er auch? Nein, sagt die MediaAnalyzer Studie: Nackte Haut zieht zwar unsere Aufmerksamkeit auf das Plakat oder die Anzeige, aber dort bleibt sie dann auch. Der Absender wird kaum noch wahrgenommen. Bei dem mit Eye-Tracking durchgeführten Verfahren kam heraus, dass Männer sich zwar das Model ganz genau angucken, aber das Logo des Absenders nicht.

Frauen versuchen, den Blick auf die nackte Haut zu vermeiden. In beiden Fällen ist also nichts gewonnen – außer Aufmerksamkeit. Aber ob das reicht? Manche Dinge möchte man aber auch wirklich nicht sehen…

Sex in der Werbung muss dabei nicht immer mit der großen Nacktkeule kommen, es gibt auch Beispiele, in denen subtiler mit Erotik gespielt wird *räusper*:

Oder wie bei der legendären Calvin Klein-Kampagne, bei der uns die damals 15jährige Brooke Shields mitteilte, dass nichts zwischen ihr und ihrer CK-Jeans passe…

Heutzutage sind wir medial jedoch total oversexed. Nackte Haut? *gähn* Oben ohne? *alterhut* Alles wurde schon gezeigt, alles wurde schon gesehen – kein Wunder, dass auch die Werbung „härter“ wurde und mit „porn chic“ (wie man auch das lustig machen kann, ist hier nachzulesen) nachlegte:

Nun ja… für manche Branchen (Mode, Beauty usw) ist es nach wie vor wichtig, uns mit diesen Bildern klarzumachen, dass wir sexy und begehrenswert werden – aber ausschließlich mit ihren Produkten natürlich.

Sex wirkt jedoch am allerbesten, wenn er Spaß macht (ist ja wie im richtigen Leben) und daher sind Kampagnen, die Sex augenzwinkernd einsetzen, wesentlich erfolgreicher:

Oder was meint ihr?

Mehr sexy, lustige und ungewöhnliche Spots gibt es übrigens täglich auf Facebook in der „makketing“-Gruppe!

Wer immer schon mal auf Fred werben wollte…

Das Schöne an dem ganzen Social Media Gedöns ist ja, dass auch dumme Ideen immer wieder neu aufgekocht werden können. Schon 2005 verkaufte Keri Smith ihre Stirn als Werbefläche und ließ sich damals dann den Schriftzug des Meistbietenden tätowieren:

… für sage und schreibe 10.000 Dollar.

Wer jetzt denkt: „Das ist mal eine tolle Idee, ich will auch jemanden mit meiner Werbung tätowieren!“, dem kann geholfen werden, den Fred versteigert seinen Arm (wie langweilig – im Vergleich zu einer Stirn…) – seht selbst:

Nun ja wir sind 2012, da ist es dann nur noch ein QR-Code, aber besser als gar nichts… 🙂

Apropos Social Media: Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass wir (Blogger, Facebooker, Twitterer…) vollkommen vereinsamen und nur noch vor’m Schirm hängen und uns die Finger wund tippen. Social Media addiction hurts…. Doch auch da naht endlich Hilfe:

In diesem Sinne: Raus in die Sonne!