…und zum 2.! Die makketing Marketing Show

Die Zeit vergeht ja wie im Fluge – denn schon steht die zweite Folge unserer Marketing-Show bereit, um euch mit spannenden Themen die Zeit zu vertreiben:

So sprechen wir zunächst über verbotene Werbespots in Großbritannien. Dort hat es zum einen Philadelphia

und zum anderen VW getroffen:

Was da genau los ist und wieso manche Unternehmen, wie zum Beispiel „True Fruits“, bewusst mal ganz gerne in die unterste Schublade greifen das diskutieren wir im „thematischen Thema“. Als Makketier zu Gast ist dieses Mal Daniel Heinrich von „Foodfuxx„, der uns ein wenig darüber berichtet, wie man eine Vertriebsagentur für nachhaltige Bio-Lebensmittel betreibt.

Bei der „dummen Antwort auf die kluge Frage“ klären wir diesmal, was eigentlich ein „Corporate Influencer“ ist. Und beim „heißen Schß“ stellen wir uns die Gretchen-Frage und präsentieren die „Jesus-Latsche 2019“:

Es erwartet euch also wieder ein buntes Marketing-Potpurri, präsentiert und unterstützt von der EMBA-Medienakademie, bei der ich mich herzlich bedanken möchte!

Alles hat ein Ende, nur der Ladenschluss hat zwei…drei….viele!

Jetzt ist aber Schluss mit lustig – denn die Herren von „Zweiaufeins“ entschwinden pünktlich zum Ferienbeginn in die wohlverdiente Sommerpause. Heute ist nun die letzte Sendung vor den Ferien, „Schluss“ ist das Thema und ich bin ins radioeins-Studio geladen, um ein wenig über den „Ladenschluss“ zu parlieren:

Im Deutschland des 19. Jahrhundert waren die Geschäfte in der Regel an sieben Tagen in der Woche geöffnet – und das von 5 – 23 Uhr. Die Geschäfte wurden oftmals von der Familie geführt, Ladenraum und Wohnraum waren kombiniert, häufig zudem zusammen mit der Produktion (die gute alte Backstube). Ende des 19. Jahrhunderts eröffneten die ersten Warenhäuser in Deutschland, Wohnen, Produzieren und Verkaufen war nicht mehr unter einem Dach und in Familienhand, sondern nun gab es eine wachsende Zahl von angestellten Verkäufern – und die galt es zu schützen. So wurde bereits 1891 zunächst geregelt, dass sonntags nur noch 5 Stunden verkauft werden darf. Das erste „Ladenschlussgesetz“ trat im Jahre 1900 in Kraft: Geschäfte durften werktags nur noch von 5 bis 21 Uhr öffnen, die Sonntagsruhe wurde gewahrt und für die jüdischen Geschäftsinhaber auf den Samstag erweitert.

Nach und nach verkürzten sich die Ladenöffnungszeiten weiter, mal auf freiwilliger Absprache mit den Städten und Gemeinden, mal gesetzlich geregelt: So einigte man sich erst auf einen Ladenschluss werktags um 20 Uhr, dann wurden die Öffnungszeiten auf 7 bis 19 Uhr festgelegt und die Nationalsozialisten setzten dann 18.30h als Ladenschluss fest.

Ausnahmen gab es jedoch schon immer: Für Lebensmittelgeschäfte, Kioske, Bäckereien Tankstellen, Bahnhofsgeschäfte, Apotheken und Gaststätten konnten Sonderregelungen vereinbart werden. Seit 1957 galt: Geschäfte dürfen montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr und samstags bis 14 Uhr geöffnet sein. Schon damals gab es den „langen Samstag“; am ersten Sonnabend in einem Monat durften die Geschäfte bis 18.00h offen bleiben.

1989 wurde dann der„lange Donnerstag“ eingeführt, Läden durften an diesem Tag bis 20.30h verkaufen. Lange wurde um diesen „Dienstleistungsabend“ politisch gestritten, der so genannt wurde, weil auch Behörden und Dienstleister wie Banken länger arbeiten sollten. Die Verbraucher nahmen aber diesen langen Donnerstag dankbar an.

Nach und nach wurden die Öffnungszeiten weiter liberalisiert, der „lange Donnerstag“ entfiel, da an jedem Tag bis 20.00h geöffnet sein durfte, dann kam der Samstag noch hinzu und nun dürfen Geschäfte werktags von 6 bis 20 Uhr ihre Waren anbieten und verkaufen. Sonn- und feiertags bleiben die Läden geschlossen. Natürlich gibt es auch weiterhin Sonderregelungen für Bäckereien, Geschäfte in Bahnhöfen, Flughäfen und in bestimmten Urlaubsregionen wie Kurorte. Die Ladenöffnungszeiten sind zudem nun Ländersache, d.h. jedes Bundesland kann selbst entscheiden, welche Ausnahmen es zulässt, z.B. Sonderöffnungszeiten zu Messen, Märkten, Großveranstaltungen, usw. Ging es früher noch um den Schutz der Arbeitnehmer (der zwischenzeitlich gesetzlich gesondert geregelt ist), so gerät heute immer stärker der Aspekt des Anwohnerschutzes,  insbesondere vor der Lärmbelästigung bei Anlieferung oder durch die Kunden in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Ebenso wurden europaweit die Ladungsöffnungszeiten dereguliert, so gibt es in Tschechien kein Ladenschlussgesetz, in England gibt es werktags keine Beschränkungen, dafür aber sonntags besondere Regeln: Märkte mit mehr als 280 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen lediglich für sechs Stunden öffnen, und um 18 Uhr muss Schluss sein. Kleinere Läden dürfen auch sonntags rund um die Uhr verkaufen.In Österreich wird der Ladenschluss etwas strenger gehandhabt.

„Öffnungszeiten 24/7“ (24 Stunden, 7 Tage die Woche) sind weltweit zur Normalität geworden: Ob in China, Brasilien oder den USA, überall können zumindest kleine Anbieter ihre Waren rund um die Uhr anbieten. Oftmals sind diese Läden wieder Familienbetriebe, geführt von Immigranten und Zuwanderern, die sich damit etablieren und einen Lebensunterhalt schaffen, in dem sie es den wachsenden und lang arbeitenden Mittelschichten ermöglichen, zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren zu können.

Und wir hier in Berlin? Wir haben unsere Spätis! Doch auch diese sind unter Druck geraten, was die Öffnungszeiten angeht, wie ihr in diesem makketing-Beitrag nachlesen und -hören könnt.

 

 

 

Beidseitig verwendbar – der Erfolg liegt auf der Hand

Diesmal erreichte mich die Anfrage der charmanten „Zweiaufeins„-Redakteurin als ich gerade auf dem…..Bürostuhl saß, so dass die Anfrage, zum Thema „Blatt“ doch etwas über Toilettenpapier zu erzählen, für mich nicht von der Hand zu weisen war. Also auf ins radioeins-Studio!

Anlass für das Thema war der neuerliche Hype im stillen Örtchen: Nach Einhorn- und Weihnachtspapier mit Spekulatiusduft ist das Papier nun – vorerst natürlich nur limitiert – auf den Hund gekommen, genauer gesagt auf den Mops. Fast schon gelangweilt muss ich feststellen, dass sich die übliche Erregungskurve wiederholte: Hamsterkäufe, Ausverkauf, Preisexplosionen bei Ebay, Nachproduktion. Never change a winning Klopapier-Hype…

Natürlich müssen Menschen schon seit Menschengedenken – und sich hinterher auch irgendwie säubern. Jede Menge Hilfsmittel kamen dabei zum Einsatz: Gras, Blätter, Fell, Lumpen, Muschelschalen, Heu, Stroh, Moos, eingeweichte Maiskolben,  Holzspäne, auf Stöckchen aufgespießte Schwämmchen (bei den alten Römern), flache Steine ( bei den alten Griechen), Kokosnussrinde (auf Hawaii), und alles, was gerade so in der Nähe herumfleuchte. Forscher gehen tatsächlich davon aus, dass die Menschen sich sogar mit herumlaufendem Federvieh, also Hühnern, Gänsen und Enten, den Po abwischten.

Das erste Klopapier gab es bereits im 14. Jahrhundert in China. Für den Kaiser wurde es 1391 erstmals hergestellt, und es muss ein Erfolg gewesen sein, denn das kaiserliche Versorgungsamt ordnete eine Jahresproduktion von 720.000 Blatt an. Wobei ein solches Blatt etwa einen halben Quadratmeter groß war, von dem man kleine Fetzen für das Hinterteil riss.

In einer Fabrik wurde Klopapier erstmals 1857 hergestellt, und zwar von Joseph Gayetty in den USA.  Es bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloe-Extrakten getränkt. Er bewarb es bis in die späten 20er als „Gayettys medicated Papers“.

1871 wurde Seth Wheeler zum offiziellen „Erfinder“ von Toilettenpapier, denn er ließ sich gerolltes und perforiertes Papier patentieren und verkaufte als erster Toilettenpapierrollen.

Wenig später, 1890, gründetenThomas Seymour, Edward Irvin and Clarence Wood Scott die Scott Paper Company in Philadelphia. Allerdings scheute die Firma sich, den eigenen Namen auf dieses anrüchige Papier zu drucken. Auch in England, wo in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln auf den Markt kam, war man schamhaft. Der Hersteller W.C. Alcock bot sein Produkt als „Papierlockenwickler“ an. Ab 1896 produzierte die Scott Paper Company Toilettenpapier unter ihrem eigenen Markennamen und wurde 1925 weltweit führende Klopapier-Marke.

In Deutschland sollte es bis 1928 dauern, denn auch hierzulande galt das Produkt als anrüchig, man hantierte bis dato mit Zeitungspapier oder Blättern. Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk  produzierte das neue Klopapier zwar zunächst aus Krepp, aber seine Rolle hatte immerhin 1.000 Blatt, die alle perforiert waren und so leicht von der Rolle gingen. Damit sich die Käufer nicht in Grund und Boden schämen mussten beim Erwerb von Klopapier, warb Klenk mit dem Spruch: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Hakle führte 1972 das zweilagige und 1984 das dreilagige sowie bereits 1977 das feuchte Toilettenpapier in Deutschland ein. In der DDR hingegen blieb Krepppapier die einzig verfügbare Sorte.

Während man in Deutschland das Klopapier faltet, wird es in England, Frankreich und Südeuropa (jeder dritte) sowie in den USA (fast jeder) geknüllt. Daher ist Toilettenpapier in den USA sehr flach und weist kaum Struktur auf (für den deutschen Markt ungeeignet). Jeder Amerikaner verbraucht im Durchschnitt 57 Blatt am Tag. Für die deutschen Falter ist hingegen die Reißfestigkeit des Papiers wichtig – und es ist von großer Bedeutung, dass das Toilettenpapier flauschig-zart und 2-, 3-, 4-lagig ist, es gibt über 80 verschiedene Sorten in Deutschland. Selbst 5lagiges Papier ist mittlerweile im Angebot; wer die Preise von Toilettenpapier vergleicht, muss allerdings beachten, dass er vom fünflagigen Papier in der Regel weniger Blatt pro Sitzung braucht als vom dreilagigen – und daher auch länger damit auskommt, was den höheren Preis zusätzlich rechtfertigen mag.

2016 verbrauchten die Deutschen fast drei Milliarden Rollen, was 18 Kilogramm je Bundesbürger im Jahr entspricht. In den letzten zehn Jahren ist der Bedarf von 1 auf 1,5 Millionen Tonnen Toilettenpapier allein in Deutschland gestiegen.

Düfte werden übrigens nicht auf das Papier aufgetragen, denn der Po soll mit Duftstoffen nicht in Kontakt kommen. Getränkt wird lediglich die Papprolle, auf der das Papier aufgewickelt ist. Farben hingegen sind sehr umstritten: Die Kommunen und Gemeinden haben größere Probleme, den Farbrückständen in den Kläranlagen Herr zu werden. Ausserdem ist es umstritten wie viel der Farben unsere Schleimhaut am Popo aufnimmt und wie schädlich diese sind. Dermatologen raten daher, auf Farbstoffe im Toilettenpapier generell zu verzichten.

 

 

 

 

Nicht mehr alle heißen Tassen im Schrank…

Selbst im fernen Sauerland bin ich immer erreichbar für die Fragen und Nöte des „Zweiaufeins„-Teams – und diesmal trieb sie die Frage um, ob in der heissen Tasse mehr drin ist als nur heisse Marketing-Luft. Das radioeins-Interview kann hier nachgehört werden:

Ein bißchen mehr als Luft ist schon in den Tütensuppen zu finden: Kartoffelstärke für die Sämigkeit, billige Süßungsmittel wie Maisfruktose, Anti-Klumpmittel, Phosphate, zu viel Salz, viele, viele Kalorien… viel interessanter ist jedoch, was in diesen „ready-to-heat“-Mahlzeiten nicht zu finden ist: Vitamine, Mineralstoffe oder irgendetwas Nahrhaftes. Selbst die auf der Tüte oder Tasse abgebildeten Bestandteile sind nur in winzigen Spuren vorhanden: Champignoncreme enthält nur 0,6 gr Pilzextrakt, Rindfleischsuppe nur 0,3 gr Rindfleischextrakt – und Extrakte sind letztendlich nichts anderes als billig herzustellende Aromastoffe.

Wie zum Beispiel bei Hefe-, aber auch Soja- oder Weizenextrakten handelt es sich hierbei um die löslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Zellen und diese Extrakte bilden die Grundlage der wahrgenommenen Aromen. Sie enthalten viel natürliches Glutamat (wie zum Beispiel auch Parmesan oder Pilze), das im Mund das Umami-Geschmacksgefühl auslöst, aber eben auch im Verdacht steht, unsere Sättigungsbremse auszuhebeln und somit die Appetitregulation zu verändern. Diese Aromastoffe gauklen unserem Körper vor, etwas Gesundes zu essen, obwohl er eigentlich nur nicht verwertbaren Müll bekommt.

Das Tolle (für die Food-Industrie) ist jedoch, dass das natürliche Glutamat laut der deutschen Zusatzstoff-Zulassungsverordnung eben kein Zusatzstoff, sondern eine Zutat, also ein Lebensmittelbestandteil ist – und daher nicht gesondert ausgewiesen werden muss (im Gegensatz zu künstlichem Glutamat) Und somit können die Hersteller nun frank und frei damit werben, dass ihre Produkte „natürlich ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“ oder „ohne künstliche Geschmacksverstärker“ angerührt wurden. Das macht sich natürlich gut auf den Verpackungen, auf denen wir auch keine E-Stoffe mehr zu lesen bekommen, denn diese schrecken den Verbraucher ab. Im Zuge des „Clean Labeling“ werden diese Zutaten nun ausgeschrieben, denn „Zitronensäure“, „Milchzucker“ und „Weizenextrakt“ klingen gleich viel besser.

Doch was will man als Konsument auch anderes erwarten bei einem Preis von 0,89 € für 3 Teller Steinpilzsuppe? Und selbst bei diesen Preisen wäre selbstgemacht immer noch billiger, schmackhafter und gesünder, wie die Verbraucherzentrale Hamburg nachweist.

Aber Schnelligkeit und Bequemlichkeit und die leckeren, leckeren Aromastoffe sind eben unwiderstehliche Argumente….

 

Wenn ich Königin von Deutschland wär’….

Ich hab es ja nicht so mit der yellow press und den großen Adelshäusern, daher zuckte ich unwillkürlich zusammen, als die reizende Redakteurin von „zweiaufeins“ mich fragte, ob ich nicht zum Thema „König“ etwas erzählen wolle. Doch dem Marketör ist nichts zu schwör und deshalb begab ich mich in das „radioeins„-Studio um über Königinnen zu sprechen:

Im Vorfeld bin ich tief eingetaucht in das Thema der Produktköniginnen, von denen es hunderte verschiedene in Deutschland gibt. Als erstes fällt einem da ja die Weinkönigin ein, die dieses Jahr zum 71. Mal vom Deutschen Weininstitut gekürt werden wird. Die Weinregion Pfalz kam in den 1930er zuerst auf die Idee, sich von einer jungen Frau repräsentieren zu lassen, seit 1949 wählt das Weininstitut jährlich die Gesamtkönigin aus, wobei es natürlich noch -zig regionale Prinzessinnen und Königinnen gibt.

Und das nicht nur in Sachen Wein: Seit den 2000ern haben mehr und mehr Stadtverwaltungen und Verbände die Strahlkraft der Majestäten entdeckt – es gibt Kraut-, Gurken-, Most-, Meerettich-, Spargel-, Apfel-, Heukuren-, Pellkartoffel- Thermen-, Dupferl- und Weißwurstköniginnen, um nur einige aufzuzählen. Allein Hessen beherbergt über 100 Produkthoheiten.

Was wir Deutschen machen, machen wir ja gründlich und so gibt es seit 2003 die „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen e.V.„, in der fast 150 der Hoheiten organisiert sind und die unter anderem jedes Jahr die „Parade der Produktköniginnen“ auf der „Grünen Woche“ in Berlin veranstalten.

Wie echte Monarchen repräsentieren auch unsere Königinnen nur – und machen keine Politik. Und da man mit Frauen einfach besser Werbung machen kann, gibt es so gut wie keine Könige. Der Boom seit den 2000ern erklärt sich dadurch, dass erkannt wurde, wie werbewirksam sich schon die Wahl mit diversen Vorentscheidungen ausschlachten lässt. Die Königin selbst ist dann verpflichtet, während ihrer Regentschaft auf Messen und bei öffentlichen Auftritten ordentlich Werbung für das Produkt und die Region zu machen – und das äußerst kostengünstig, ist es doch ein unbezahltes Ehrenamt. Außer Reisespesen nichts gewesen, jede Anzeigenkampagne wäre deutlich teurer und könnte Charme und Anmut bei weitem nicht so gut vermitteln:

Und wer hat es erfunden? Richtig, die Amerikaner. Schon seit Anfang des 20. Jahrhundert wurden dort eine Vielzahl regionaler Princesses und Queens gekürt, Dairy, Apple, Rose, Pumpkin, Tobacco, Turkey….you name it – seit den 50ern dann auch Weinköniginnen in Kalifornien. Der Übergang von der Produktkönigin zum Schönheitswettbewerb ist dabei fließender geworden. In Deutschland hingegen müssen viele Königinnen vor einer Jury nicht nur Charme und Schlagfertigkeit beweisen, sondern auch ihr Wissen wird abgefragt – und da gehört die entsprechende Vorbereitung unbedingt dazu, wie wir hier bei den Bierprinzessinnen sehen können:

Also eines weiß ich jetzt genau: In meinem nächsten Leben möchte ich auch Bierkönigin werden….  🙂

 

Die Welt genäse, gäbe es mehr Erdbeerkäse

Ich bin mir nicht sicher, ob hier der Konjunktiv II von „genesen“ angemessen ist, aber es sieht einfach schön aus… 🙂

Ich war wieder einmal eingeladen in die radioeins-Studios, das Thema bei den Herren von „Zweiaufeins“ lautete: „Kreis“. Die Redaktion wie auch die Moderatoren fragten sich nämlich, warum in letzter Zeit die Social Media-Abteilungen der Firmen immer wilder „auskreisen“….

Auslöser für das Thema war folgender Post von der Firma „Kaufland“, den ich auch in unserer makketing-Facebookgruppe gepostet hatte und der sich hoher Beliebtheit erfreute:

In Zeiten von Instagram & Co hat grundsätzlich das Bild an Bedeutung gewonnen, doch Bilder alleine reichen nicht, es muss auch noch ein knackiger, witziger Spruch dabei sein. In Zeiten der allseits beliebten „Twitterperlen“ haben sich die User und Konsumenten an diese Form der schnellen, unterhaltsamen Informationsaufnahme gewöhnt – zumal die Chance, dass die Botschaft mit so einem Motiv viral verbreitet wird, recht hoch ist.

Das Erstaunliche an diesem Motiv ist jedoch eher der Bezug, denn „Frauentausch-Nadine“ und ihre Auslassungen zum Thema gesunde Ernährung sind immerhin schon 7 Jahre alt. Nur für den sehr sehr unwahrscheinlichen Fall, dass unter meiner geneigten Leserschaft sich jemand befinden sollte, der sie nicht kennt, dem sei hier ein Ausschnitt nachgereicht:

So wie man in meiner Generation früher nur „Setz dich, nimm dir nen Keks, mach’s dir bequem…“ und andere Brian-Sprüche von sich gab und sich sicher sein konnte, dass  alle in seiner Altersklasse es verstanden, so ist das heute eben der Erdbeerkäse – in digitalen Zeiten aber mit viel viel mehr „Eingeweihten“.

Nun kann ja der beste Social Media-Verantwortliche nicht jeden Tag nur wahnsinnig kreativ sein, so dass auch jeder, aber wirklich jeder alte Witz in der Zwischenzeit mehrmals recycelt wurde. Zum Beispiel dieser hier (aus aktuellem Anlass):

Hamwa gelacht. Das bringt mich aber zu einem zweiten Aspekt, denn neben Witzigsein muss heute blitzschnell reagiert werden – und die Reaktion darf nicht beleidigt oder besserwisserisch ausfallen, sondern idealerweise – ihr ahnt es schon: witzig. Auf den Aldi-Post bei Facebook meldete sich nämlich Kaufland:

Manchmal sind auch Verspekulationen nicht schlimm 😉 Tolle Weihnachtsleckereien findet ihr natürlich bei uns 🍭🍫🎅

Also Abteilung „besserwisserisch“. ALDI Süd hat aber schnell darauf reagiert:
ALDI SÜD Ok, tchuligom Herr Kontrollrolf. #werhatserfunden #machkeinauge

 

Und das ist wiederum komisch und so bekam auch dieser Post zurecht seine Anerkennung in vielfacher Teilung – und medialer Berichterstattung. (Für die Älteren: „Mach kein Auge“ bedeutet: „Sei nicht neidisch, Bruda“).

Ein anderes Unternehmen, dass blitzschnell urkomisch agiert, ist die Berliner BVG. Dort sitzen mittlerweile Leute in der Social Media Redaktion, die auch Gags für die „heute-Show“ oder „Neo Magazin Royale“ schreiben, und beim Bild einer vergessenen Gans in einer Strassenbahn dann auch schon mal wie folgt antworten:

Denn der dritte beachtliche Aspekt ist, dass heute Humor eingesetzt wird, um mit Kommentar-Trollen zurecht zu kommen. Den ewigen Pöblern und Madig-Machern kann man nämlich weder mit Information beikommen noch mit Ignorieren. Aber mit Witz bis hin zur Veräppelung:

Man muss sich nicht alles gefallen lassen, aber man muss cool dabei bleiben, nichts persönlich nehmen, nie aus Wut oder Euphorie schreiben, und immer, immer noch einmal lesen, was man tippt. (Quelle)

wird einer der Schreiber in der brandeins zitiert. Auch bei McDonalds hat man längst erkannt, dass man gegen all die Halbwahrheiten, die im Netz kursieren, eine ganze besondere Art der Aufklärungkampagne fahren muss. Pommes bei Mäkkes bestehen aus Sägespänen? Hier die Antwort:

Bei der BVG geht es ebenso dementsprechend – zumindest in der Kommunikation – mehr um die Wahrnehmung und weniger um das Produkt:

Auch dieser Spot erfreute sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern führte dazu, dass die Berliner laut Marktforschung die BVG nun als zuverlässiger erachtet haben. Wunderbare Welt des Marketings!

Der jüngste Streich der BVG stellt den Menschen in den Mittelpunkt, denn es gilt zum einen, Nachwuchs zu gewinnen, und zum anderen, dafür zu sorgen, dass den Mitarbeitern auch im Alltag Respekt gezollt wird:

Tatsächlich sind laut Pressemitteilung der BVG ein Großteil der Darsteller echte Kollegen:

Mehr als die Hälfte der Darstellerinnen und Darsteller, der Sängerinnen und Sänger, der Tänzerinnen und Tänzer sorgt im Alltag dafür, dass unsere Stadt rund um die Uhr in Bewegung bleibt, ob auf dem Fahrersitz, in der Werkstatt oder an einer anderen Position in Deutschlands größten Nahverkehrsunternehmen.(Quelle)

Der Unterhaltungswert ist immer groß – vielleicht sollten einfach mehr Firmen ihre Kommunikationsabteilungen mal zum Auskreisen bringen….

 

 

makketing heißt jetzt „I bims vong der Werbung“

„Don’t believe the hype, it’s a sequel!“ möchte man ausrufen, wenn man sieht, was die Social Media Republik jüngst wieder erregt hat. Absolute Experten im Thema „Erregungskurve“ sind zwar eigentlich Daniel und Sven, aber dennoch luden sie mich ins radioeins-Studio, um mit ihnen über ein 70 Jahre altes Spiel zu sprechen:

Worum geht es? „Scrabble“, das gute alte Buchstabenspiel (das ich ja nicht mehr spielen mag, seit meine Schwägerin mir das Wort „Efeuschaden“ nicht anerkannte), feiert dieser Tage 70jähriges – und da kam man in der Marketingabteilung von Mattel auf eine tolle Verjüngungsidee:

Ab sofort sollte „Scrabble“ nun „Buchstaben YOLO“ heißen….! Oder, wie es die Marketingabteilung von Mattel weiter trieb:

WTFun? 70 Jahre und immer noch cool. Scrabble, das lustige Wortspiel, dreht den Swag auf und heißt ab sofort Buchstaben YOLO! MC Fitti und seine Freunde feiern auch schon.

In den sozialen Netzwerken schaukelte sich eine Empörungswelle sondergleichen hoch, wie immer, wenn mit liebgewordenen Relikten, die eine kollektive Erinnerung an die Vergangenheit beinhalten, respektlos umgegangen wird. Schnell vermutete man einen Scherz, doch Mattel zog die Entscheidung „gnadenlos“ durch. Selbst als die Redaktion von „jetzt.de“ nachforschte, gab die Pressesprecherin folgendes zur Auskunft:

„Heutzutage wird in der Gesellschaft teilweise ganz anders gesprochen als noch vor 70 Jahren und das liegt nicht zuletzt an den vielzähligen Jugendlichen mit ihren kreativen Wortkreationen. Als Herausgeber von Scrabble beobachten wir diese Entwicklungen natürlich mehr denn je und haben uns letztlich dazu entschlossen, zeitgemäß zu agieren und vielleicht den ein oder anderen der Generation Y von der Spielekonsole zurück zum Säckchen mit den Buchstaben zu holen.“ (Quelle)

Schockschwerenot, sie schienen es also ernst zu meinen…! Dass „Yolo“ (you only live once“) bereits 2012, also vor einer halben Ewigkeit, zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde und es auch überhaupt keinen Sinn ergibt (Buchstaben YOLO?????), dass MC Fitti seine glanzvollen Tage mindestens ebensolange hinter sich hat und sich vor allen Dingen schon 2014 über den Begriff lustig gemacht hat, das alles hätte einen natürlich schon stutzig machen können…

Doch da es ja nichts Wichtigeres gibt zur Zeit, in der Weltpolitk beispielsweise, stiegen alle Medien darauf ein. Die Erregungswelle potenzierte sich – und gebar immerhin einige witzige Ideen für weitere Spielnamen:

Dann kam leider, leider acht Tage später die Aufklärung:

Es war alles nur ein Marketing-Gag. Menno, wir hatten gerade so viel Spaß gehabt. Aber war die Kampagne jetzt ein Erfolg? Magere 56.000 Clicks hat das Video von Mattel bei youtube, das ist unter viralen Gesichtspunkten so gut wie nichts. Immerhin besser, als das, was Mattel sonst so verbrochen hat für seinen Spiele-Klassiker:

Dieser Clip kam – zurecht – auf gerade einmal 9.800 Clicks….

Der Prank war gut gemacht, denn neben dem Video gab es auch eine hochoffizielle Presse-Erklärung seitens Mattel – und auch die Pressesprecherin zog den Scherz durch. Dennoch überrascht und verwundert es mich, wie unkritisch Medien Meldungen übernehmen, ohne diese zu hinterfragen. Hauptsache, man hat sie als erster on air oder in den Online-News oder gedruckt. Wenn sich hier der Eindruck verfestigt, dass Schnelligkeit vor Tiefe geht, dann wird der Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Medien weiter wachsen.

Wie man aus alten Trends dennoch gute Viral-Werbung machen kann, zeigte uns jüngst Aldi Nord:

Das wurde dann auch mit 2,3 Millionen Clicks belohnt.