Auf diese Steine können Sie bauen….

Welches Elternteil ist wohl noch nie auf den Stein der Steine getreten, wenn es im Dunklen im Kinderzimmer herumtaperte…? Ein Schmerz, der in Erinnerung bleibt. „Stein“ ist auch das Thema bei „Zweiaufeins“ diesmal und ich durfte auf radioeins ein wenig über die fabelhafte Geschichte des Lego-Steins erzählen, nachzuhören wie immer demnächst hier!

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Los ging es 1932, als Ole Kirk Christiansen die Lego-Gruppe gründete. Die Keimzelle war: eine Schreinerei – und alle Spielzeuge, die hergestellt wurden, waren aus Holz: Häuser, Lastwagen, Tiere usw. Nebenbei wurde auch eine Menge anderer nützlicher Dinge wie Trittleitern, Bügelbretter und Hocker hergestellt, da in den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise Spielzeug allein als Geschäftsmodell nicht tragend war.

Godtfred Kirk Christiansen – Artikel - LEGO.com DE

Doch nach und nach wurde Spielzeug wieder stärker nachgefragt, die Werkstatt wurde größer, mehr Personal musste eingestellt werden – und ein guter Name musste her! Ole Kirk Christiansen leitete damals vom dänischen „leg godt“, was „gut spielen“ bedeutet, den allseits bekannten Namen „Lego“ ab. Andere Quellen behaupten, dass Lego im Lateinischen „ich baue zusammen“ bedeutet – die dänische Variante erscheint mir jedoch glaubwürdiger.

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An Plastik war tatsächlich erst nach dem 2. Weltkrieg zu denken, doch Christiansen erkannte früh die Chance: 1947 kaufte er eine der ersten Kunststoff-Spritzgussmaschinen in Dänemark und begann, Plastikspielzeuge zu entwickeln. Das erste Spielzeug, das produziert wurde, war ein LKW, der auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden konnte. Schnell wuchs das Sortiment auf gut 200 verschiedene Spielzeuge an, inklusive eines „automatischen Bindesteins“ mit vier, bzw. acht verbindenden „Zapfen“… der Lego-Stein war geboren!

Doch noch wurde Plastikspielzeug kaum nachgefragt, die Kunden wollten nach wie vor lieber Holz- oder Metall-Spielzeug kaufen. Holzbausteine hatten jedoch einen großen Nachteil: Sie hielten nicht zusammen und stürzten schnell um. Das Bausystem der Lego-Steine war wesentlich stabiler, da die Steine miteinander verbunden werden konnten. Als dann noch der Bestand des Holzspielzeuges bei einem Brand im Lagerhaus 1960 größtenteils vernichtet wurde, fokussierte sich Christiansen endgültig auf Plastik. Der Lego-Stein wurde patentiert und dann kamen auch zügig die ersten Bausätze auf den Markt.

Das Design des ursprünglichen patentierten Lego-Steins wurde übrigens nie geändert, die Steine von damals lassen sich also nach wie vor mit den Steinen von heute verbauen, was bei der Langlebigkeit der Steine auch durchaus möglich wäre. Hergestellt werden diese aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS-Kunststoff). Sie sind ungiftig, wenig anfällig für Verfärbungen und äußerst robust. Mehr als 400 Milliarden Legosteine wurden seit der Markteinführung im Jahr 1958 bislang hergestellt. Und aus sechs Lego-Bausteinen mit acht Punkten lassen sich 915 Millionen Kombinationen zusammenbauen.

1958 verstarb Christiansen, doch sein Sohn Godtfred führte das Geschäft weiter. 1962 gelang der Schritt in die Vereinigten Staaten – mittlerweile ist Lego in mehr als 140 Ländern weltweit erhältlich.

1969 kam dann „Duplo“ zur Lego-Familie dazu: doppelt so große Steine (Duplo kommt vom lat. „duplus“, doppelt), mit denen auch die kleineren Hände der jüngeren Kinder besser zurecht kommen konnten.

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Lego war stets innovativ und erweiterte die Sets kontinuierlich: 1978 kam Lego City auf den Markt und viele weitere folgten. 1998 rutschte Lego jedoch in eine tiefe Krise: Erstmals seit der Gründung schrieben sie einen Verlust von 28 Millionen Dollar. Tausende Angestellte verloren ihren Job. Grund war einerseits der permanente Wachstumsdrang: Kleidung, Bücher, Schmuck – Lego wollte überall dabei sein und hatte dabei das Kerngeschäft aus den Augen verloren. Auch die Legoland-Themenparks verschlangen viele Ressourcen und noch mehr Geld, vor allem weil den Dänen in diesem Marktsegment das Know-How fehlte. Andererseits gab es Ende der 1990er-Jahre erstmals ernsthafte Konkurrenz im Kinderzimmer: Playstation und Nintendo-Konsolen waren die neuen Favoriten der Kinder. Das Unternehmen hatte zudem das Vertrauen in den kleinen Stein verloren – die Identitätskrise war perfekt.

Die Rettung lag im Lizenzgeschäft: Sets zu Star Wars, Minecraft, Batman, den Marvel Super Heroes und den DC Super Heroes sowie Harry Potter erwiesen sich als Verkaufsschlager – trotz der hohen Preise, die bedingt durch die Lizenzgebühren bezahlt werden müssen.

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Heute beschäftigt Lego weltweit rund 16.000 Menschen und betreibt Fabriken in Dänemark, Ungarn, Tschechien, Mexiko und China. Der Umsatz lag 2019 bei 5,15 Milliarden Euro, der Gewinn bei 1,1 Milliarden. Weltweit betreibt der Konzern 570 Geschäfte. In China verbucht Lego ein jährliches Wachstum im zweistelligen Bereich. In der Lego-Fabrik in Billund werden 4,7 Millionen Lego-Steine pro Stunde hergestellt, das entspricht 1300 Steinen pro Sekunde, weltweit sind es jedes Jahr etwa 19 Milliarden Lego-Teile, das sind dann 36.000 pro Minute.

Größter Kritikpunkt: Letztendlich reden wir hier von Plastik – und ein Ende der Verwendung des Kunststoffes ist noch nicht in Sicht, denn bislang hat sich noch kein organischer Stoff gefunden, der alle Anforderungen an einen Lego-Stein erfüllt, auch wenn Lego über 100 Millionen € jährlich in die Forschung investiert.

Die wunderbare Welt der Werbung in den 80ern

Wer bei “ Ich heiße Ulricke Jokiel und esse unheimlich gerne Schokolade“ sofort an „Yogurette“ denkt, ist wie ich ein Kind der 80er… In unserer neuen Podcast-Folge vom „Rendezvous unterm Neonlicht“ haben Benjamin und ich uns nun einmal die Werbehelden unserer Jugend vorgenommen – nachzuhören ist die Episode hier:

Für all‘ diejenigen meiner geneigten Leserinnen und Leser, die später geboren sind und denen all das, was wir da erzählen, nichts sagt, möchte ich eine kleine Auswahl ausgesuchter Werbeperlen der 80er hier nun präsentieren. Beginnen wir mit Ulricke (und ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Ulricke mit „ck“ kennengelernt zu haben….):

„Himmlisch joghurt-leicht“ war schon damals eine dreiste Lüge, denn zweieinhalb Riegel haben in etwa so viele Kalorien wie ein Stück Sahnetorte. Doch es gab nicht nur die Yogurette-Ulli, sondern auch die Mon-Cherie-Gabi…

…und die Milky-Way-Mutti:

Das Frauenbild der 80er spiegelt sich in den Werbungen wider: Die Frau war Hausfrau und Mutter – und die Welt war noch in Ordnung, wenn es das Richtige zu essen gab:

Parmesello….. ich möchte gar nicht weiter darüber nachdenken….

Damals kam auch der Chef noch persönlich zuhause vorbei:

Und wenn die Uschi dann mal vergessen hat, den guten Kaffee zu kaufen, dann gab es ja GottseiDank noch Frau Sommer:

Denn – man merke – Mühe allein genügt nicht:

Die Verstimmungen hielten jedoch nie lange an, zumindest solange man das richtige Deo benutzte:

Wechsel wir doch mal zur Abteilung: Ohrwürmer des Grauens…

Und hier bitte einmal unbedingt auf die ausgesprochen modische Erscheinung der jungen Dame achten….

Kommen wir nun zu der von mir gemeinerweise als Waffenhändlerin bezeichneten Privatjet-Nutzerin:

Auch bei Mäcces war man sich für nichts zu schade…

…und suchte sich das beste Testimonial, das man in den 80ern finden konnte:

Wer sich jetzt erst einmal erholen möchte, kann es sich nun gemütlich machen, schön in die Kissen kuscheln und eine Duftkerze anzünden:

Hach, erste Liebe in den 80ern….*seufz*

Genug geschmachtet, jetzt wird getanzt!

Und das führt uns zu dem großen Cola-Krieg des Jahrzehnts, bei dem Pepsi – zumindest werbetechnisch – punkten konnte:

Doch nicht nur Michael Jackson, sondern auch David Bowie

und Tina Turner warben für die klebrige Brause:

Zum – vorläufigen Abschluss – noch zwei Klassiker:

Ach, und wer sich jetzt noch fragt, was ein „Kassetten-Karussell“ sein soll – bitte schön:

To be continued….

Ice, Ice Hasso

Kaum steigen die Temperaturen sanft, schon denken die Herren von „Zweiaufeins“ nur an eines: Eis! Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass es nicht um die eigenen Genüsse geht, sondern Eis für Hunde! Was es damit auf sich hat, erzählte ich im radioeins-Interview:

Denn tatsächlich bietet die Kult-Eisfirma Ben & Jerry’s seit Ende Januar Speiseeis für Hunde an. Bislang gibt es die „Doggie Desserts“, so der Name, jedoch nur in den USA.

Zum Auftakt gibt es das Hunde-Eis in zwei Sorten: „Pontch’s Mix“ ist mit Erdnussbutter und salzlosen Knabberbrezeln angerührt, „Rosie’s Batch“ erfreut den Waldi mit Kürbis und Mini-Keksen.

Auf der Website von „Ben & Jerry’s“ erfährt der interessierte Leser, dass Hunde jedoch eigentlich gar kein Eis essen sollten. Denn auch Hunde können laktoseintolerant sein. Aber selbst bei den Vierbeinern, die keine Laktoseintoleranz haben, können Milchprodukte Verdauungsprobleme verursachen. Deshalb wurden die Hundedesserts mit sehr begrenzten Milch-Mengen und stattdessen mit Sonnenblumenbutter zubereitet.

Der Rest der Zutaten ist identisch mit denen, die für die veganen Sorten des Hauses genutzt werden. Das Eis wurde zwar nicht für den menschlichen Genuss entwickelt, wer aber unbedingt kosten möchte, könne dies tun, er müsse eben nur die Kombination aus Kürbis und Keksen mögen.

Die „Doggie Desserts“ gibt es im Einzelbecher und im Viererpack. Und sie sind, wie auch das B&J-Eis für Zweibeiner, nicht gerade günstig: Der Einzelbecher kostet 2,99 Dollar, der Viererpack ist für 4,99 Dollar zu haben. Doch Tierfreunden ist für ihre Lieblinge nichts zu teuer.

Für Unilever, dem Unternehmer, zu dem die Marke Ben & Jerry’s gehört, ist dies der späte Einstieg in den Milliarden-Markt „Tierfutter“, der in erster Linie von der Mars-Corporation (u.a. Marken wie Trill, Cesar, Pedigree, Royal Canin, Sheba, Whiskas, Frolic, kitekat, Chappi, Catsan) und Nestlé (Purina) dominiert wird.

Doch auch in Deutschland ist der Markt für Tierfutter milliardenschwer: Mit einem Gesamtumsatz von 4,325 Milliarden Euro konnte der Fach- und Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2019 ein Umsatzplus von 2,4 Prozent verzeichnen. Für 2020 ist mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, da viele Deutsche sich in Corona-Zeiten ein Haustier zulegten, um ihre Einsamkeit durch den Lockdown zu lindern. Oder auch, weil dank Homeoffice die Lebensumstände für die Tierhaltung gegeben waren. So sind Haustiere nicht nur für viele Familien ein „Muss“, 33 Prozent aller Singles haben ebenso ein Heimtier.

Im Jahr 2019 besaßen 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland Haustiere. Insgesamt lebten die Menschen hierzulande mit 34 Millionen Hunden, Katzen, Kleinsäugern und Ziervögeln zusammen.

Die Katze ist dabei weiterhin Deutschlands Liebling: 14,7 Millionen Fellknäuel leben in 23 Prozent der Haushalte. Hunde belegen den zweiten Platz der Lieblingstiere: So stieg die Anzahl im Jahr 2019 auf 10,1 Millionen Hunde in 20 Prozent der deutschen Haushalte; das sind 700.000 Hunde mehr als noch im Jahr 2018.

Doch für viele Tierhalter ist das Haustier nicht nur sozialer Begleiter, sondern es wird wie ein Familienmitglied behandelt und ist oftmals Kindersatz, z.B. wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind. Das Geschäft mit Tierfutter und -zubehör scheint also fast so krisensicher zu sein wie das mit Babynahrung und -ausstattung, zumindest solange es Tierhalter gibt, die ihre Lieblinge ebenso verwöhnen wie ihre Kinder.

So verwundert es nicht, dass das Geschäft rund um domestizierte Hunde, Katzen, Nager, Vögel, Fische und Reptilien ausgerechnet in der Adventszeit boomt und auch für den deutschen Tierfachhandel der Dezember der stärkste Verkaufsmonat des Jahres ist. Und das nicht etwa nur, weil viele Kinder ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen unter dem Weihnachtsbaum finden. Die Toprenner sind: Adventskalender, Spielzeug und Bekleidung, denn fast die Hälfte der deutschen Herrchen und Frauchen beschenken auch ihr Tier zum Weihnachtsfest.

Ben & Jerry’s sind also in den großen Markt „Tierfutter“ eingestiegen – und beweisen auch sonst oft ein gutes Näschen für Trends. So gibt es nun schon seit geraumer Zeit das „Netflix-Eis“ in Kooperation mit dem Streaming-Anbieter: Netflix & Chill’d.

Denn wer schiebt sich nicht beim Netflix-Gucken den einen oder anderen süßen oder salzigen Snack in den Mund? Es lag deshalb nahe, dass Netflix selbst etwas an den Snacks verdienen will. In „Netflix & Chill’d“ kommt nun das Beste aus allen Welten zusammen: Erdnussbutter-Eis mit „süß-salziges Brezel Swirl und Fudge Brownie“. Also süß und salzig und kalt: der perfekte Binge-Begleiter!

Alles muss raus – denn es ist Schlussverkauf!

Die Herren von „Zweiaufeins“ gehen in die „Verlängerung“, zumindest ist dies das Thema der Sendung. Wieso kommt es einem so vor, als ob früher doch einmal klar definierte Schlussverkäufe mittlerweile nicht mehr aufhören wollen und immer weiter verlängert werden? Zur Klärung dieser Frage riefen sie mich aus dem radioeins-Studio an – und nachhören könnt ihr das Interview hier:

Der klassische Sommer- wie Winterschlussverkauf, wie ihn viele vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen, wurde bis 2004 über das UWG geregelt, das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Das entstand nach und nach ab 1894, die erste vollständige Fassung trat 1909 in Kraft.

Im alten UWG gab es eine klare Regelung zu Sonderverkäufen: Sobald diese aus dem Rahmen des regelmäßigen Geschäftsverkehrs fielen, der Beschleunigung des Warenabsatzes dienten und den Eindruck der Gewährung besonderer Kaufvorteile hervorriefen, konnten die Wettbewerber diese abmahnen und gegebenenfalls sogar gerichtlich verbieten lassen. „Komplette Sommerware reduziert“ oder „Diese Woche alle Damenschuhe um 30 % herabgesetzt“ fielen unter dieses Verbot der Sonderveranstaltung, lediglich reduzierte Einzelteile, Restposten oder Auslaufmodelle waren erlaubt.

Seit 1950 wurden zudem die Schlussverkäufe geregelt. Zwei Saisonschlussverkäufe pro Jahr duften zu fest regulierten Zeiten durchgeführt werden: zum einen der Winterschlussverkauf in der letzten Januar- und der ersten Februarwoche und der Sommerschlussverkauf in der letzten Juli- und der ersten Augustwoche. Der Verkauf war auf 12 Tage beschränkt und es durften zudem nur saisonabhängige Waren wie Bekleidung, Schuhe, Lederwaren oder Sportartikel angeboten werden. Das führte zu vielen „Feinheiten“ im Verkauf: Koffer durften z.B. nur angeboten werden, wenn sie aus Leder oder Stoff hergestellt waren, Hartschalenkoffer hingegen waren nicht erlaubt.

Und auch sogenannte Jubiläumsverkäufe waren klar geregelt, sie waren nur alle 25 Jahre erlaubt, also zum 25., 50., 75., 100. Geburtstag usw. Auch diese Einschränkung entfiel mit der Novelle des UWG von 2004, Jubiläumsverkäufe sind nicht mehr gesetzlich geregelt, d.h. jedes Jubiläum kann gefeiert werden und auch eine zeitliche Beschränkung gibt es nicht mehr.

Also im Grunde können nun alle Gewerbetreibenden jederzeit Werbeaktionen und Sonderverkäufe starten – natürlich nur, solange sie auch weiterhin mit dem UWG im Einklang stehen….

Warum gibt es denn dann überhaupt noch SSV & WSV? Diese hatten ursprünglich durchaus einen triftigen Grund, denn gerade im Textilbereich gab es damals nur zwei Kollektionswechsel im Jahr: die Frühling-/Sommerkollektion und die Herbst-/Winterkollektion. Damit der Handel also Platz schaffen konnte für die Waren der neuen Kollektion, mussten die Lager geräumt werden – und dazu diente der Schlussverkauf. Die Zeiten der zwei Kollektionen im Jahr sind schon lange vorbei, die Fast-Fashion-Anbieter erneuern ihr Angebot kontinuierlich, so dass ein richtiger Kollektionswechsel kaum noch festzustellen ist. Aber: Der Verbraucher ist ein Gewohnheitstier und wollte seine geliebten Schlussverkäufe nicht missen – und so hat der Handel diese auch nach 2004 beibehalten, wenn auch zu angepassten Zeiten und mit mehr Sortimenten, denn nun kann ja alles in den Schlussverkauf, was weg muss.

Merke: Never change a winning Schlussverkauf!

Wer die Wahl hat, hat Plakat

Man wird das Gefühl nicht los, dass Wahlwerbung von Wahl zu Wahl noch bekloppter und nichtssagender wird – ein Gefühl, das die Herren von „Zwei auf Eins“ wohl auch haben, denn sie baten mich zum Interview auf radioeins.

Plakate waren neben Handzettel schon seit der Verbreitung der Druckerpressen ein Medium der Information – und hierbei auch der politischen Information. Könige und Regierungen verkündeten ihre Ideen und Maßnahmen auf Affichen (dem französischen Wort für Plakat) und die rebellischen Untertanen überklebten diese dann mit ihren Plakaten des Widerspruchs.

Als Napoleon III 1851 die Regierungsgeschäfte in Paris per Staatsstreich übernahm, gehörte es daher zu einer seiner ersten nächtlichen Anordnungen, die Druckereien zu besetzen, um so dem Widerstand ein wichtiges Kommunikationsmittel zu nehmen.

Früher war ja eh alles besser…hust. Aber in den 50ern, da gabe es noch ordentliche Feindbilder, an denen man sich im Wahlkampf reiben konnte:

Heute gibt es keine Feindbilder mehr – und irgendwie fischen alle im selben Wasser und versuchen, die Wähler von den Rändern wieder zurückzubekommen, was jedoch nur zu noch austauschbareren Slogans führt.

Damals war das mit dem Wählen ja auch einfacher. Es gab die großen Volksparteien, die so hießen, weil sich wirklich noch große Teile der deutschen Bevölkerung hinter sich vereinen konnten – und das Wahlverhalten war oftmals eine Haltungsfrage, die familiengeprägt war und auch nicht in Frage gestellt wurde. Der Pott wählt rot, der Villenvorort schwarz (und die Zahnärzte gelb).

Ganz im Ernst – jeder Slogan hätte hier ausgetauscht werden können – und das Plakat würde immer noch funktionieren…. es lebe die große Beliebigkeit!

Es hat sich eben auch viel mit unserer Wahrnehmung verändert, denn heute stehen wir nicht mehr vor den Plakatwänden und lesen uns die Inhalte durch, sondern in den meisten Fällen radeln, rollern oder fahren wir an den fast 28.000 Plakattafeln, die im Bundeswahlkampf deutschlandweit aufgestellt werden, vorbei. Da geht niemand auf die Bremsen und steigt aus, um sich ganz genau durchzulesen, was da steht, sondern Motiv und Headline müssen schnell erfasst werden können:

Das Aufhängen von Plakaten muss – ebenso wie Infostände und Veranstaltungen – genehmigt werden. Verantwortlich ist dabei die jeweilige Gemeinde. Wichtig ist hier jedoch vor allen Dingen das Beachten der Straßenverkehrsordnung. So darf ein Plakat beispielsweise den Verkehr nicht behindern, keine Verkehrsschilder oder Ampeln verdecken und nicht die Sicht einschränken.

Die politischen Parteien haben in der Regel einen Anspruch auf Genehmigung – zumindest in den letzten Wochen vor dem Wahltermin. Die zuständige Behörde kann aber entscheiden, wie viele Wahlplakate aufgehängt bzw. aufgestellt werden dürfen, wo und ab wann genau.

Es existiert keine übergeordnete gesetzliche Regelung in Sachen Wahlwerbung: Grundsätzlich ist sie erlaubt und geschützt durch das Grundgesetz und die dazugehörigen Artikel zu Presse- und Kunstfreiheit sowie das Parteienprivileg.

Anything goes? Na ja, wichtig ist es, dass man ganz dicht an seiner Zielgruppe bleibt, wie die folgenden beiden Beispiele zeigen (und bitte jetzt nicht die Frage nach den Inhalten von politischen Botschaften stellen…..):

Die Dackelbesitzer haben es der CDU übrigens gedankt und sie zur stärksten Partei gemacht….

Posterboy Lindner hatte damit im letzten Wahlkampf weniger Glück….

Natürlich freuen sich jetzt nicht alle MitbürgerInnen über die Wahlwerbung im öffentlichen Raum, manche sprechen von visueller Umweltverschmutzung, andere greifen zum Stift und nicht erlaubten Mitteln:

Das ist Sachbeschädigung und wird in der Regel mit einer Geldstrafe geahndet. Dann doch lieber kreativ werden und sich in den sozialen Medien austoben:

Ich glaube an das Heilige Marketing…

Das heilige Marketing? Ist das nicht reichlich blasphemisch, könnte man sich da jetzt fragen. Und doch wird heute oft vom „Markt des Glaubens“ gesprochen, bei dem sich die Konsumenten ganz nach Gusto bedienen können – da eine Prise Buddhismus, hier ein Hauch Naturverbundenheit und Bäume umarmen, noch ein wenig Sternzeichen dazu und fertig ist er, der „Glaube to go“.

Der Jesuiten-Pater meiner Nachbargemeinde sprach jüngst von der „spirituellen Marktwirtschaft“, in der sich der christliche Glaube behaupten müsse – und seitdem bin ich im Namen des Herrn unterwegs – mit spirituellem Marketing!

Spaß (?) beiseite: Das Thema „Glaube“ beschäftigt mich schon seit langer Zeit und das Ergebnis ist mein neuer Podcast: „Erzähl mir von deinem Glauben – ein persönlicher Podcast“:

Und hier stockt der geneigte Lesende vielleicht schon, denn: Was soll denn das sein, ein „persönlicher Podcast“?

Ganz einfach: Ich möchte mit Menschen über ihren Glauben und ihre Glaubenserfahrung sprechen – und das weit über Religionen hinaus. Nicht immer muss man an Gott oder Götter glauben, manche glauben auch an Sternzeichen, den freien Markt, sich selbst, die Kunst, das fliegende Spaghetti-Monster, das Schicksal, den Zufall, Bayern München oder oder oder.

Eines gibt es aber nicht: den richtigen Glauben. Oder den falschen. Oder wie man zu glauben hat. Jeder Mensch glaubt individuell, ganz persönlich und hat somit auch seine ganz eigene Glaubensgeschichte.

Ich bin mir sicher, dass diese vielen kleinen Erzählungen uns ein großes Bild des Glaubens geben werden.

Jede Folge stellt die gleichen Fragen in den Mittelpunkt: Wie ist man zu seinem Glauben gekommen – oder wie ist der Glaube zu einem gelangt? Wie lebt man seinen Glauben im Alltag und trägt diesen nach außen? Und mit welchen Zweifeln hat man schon gekämpft und wie haben diese Glaubenskrisen diesen vielleicht nur noch stärker gemacht?

Zurück zum Marketing:

San Precario – der heilige Precarius

Wie ich oft betone, ist Marketing eine Form moderner Alchemie: Man versucht, mit dem Stein des Weisen Gold zu machen, kann aber froh sein, wenn am Ende wenigstens Porzellan dabei herauskommt. Marketing ist „trial & error“ und man muss ganz doll daran glauben, dass eine Kampagne auch den Erfolg bringt, den uns der Werber zuvor versprochen hat. Doch auch sonst finden wir in der Wirtschaft nicht nur den Irrglauben an den freien Markt, der schon alles richten wird, sondern auch den Glauben an den Erfolg von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle bis heute nur Verluste angehäuft haben – und bei denen sich das perspektivisch auch nicht ändern wird. Wer hat nicht alles, wider den mahnenden Worten mancher Warner, an das Modell „Wirecard“ glauben wollen?

Googelt man „Marketing“ und „heilig“ dann drehen sich die Ergebnisse in erster Linie um den „heiligen Gral“, das Nonplusultra. Vielleicht glauben wir Marketeers doch besonders stark an Wunder?

Und nicht nur wir: Auch die Konsumenten hängen an den Lippen von Influencern und glauben ihnen jedes Wort, sie haben fast schon den Status von Heiligen. Wir tragen das Markenprodukt mit einem Logo als Monstranz unserer Selbst vor uns her und so weiter und so weiter.

Abschließend möchte ich euch an dieser Stelle die Auftakt-Folge noch zu Gehör geben: Hier erzählt Pater Gerald Tanye von seiner ganz persönlichen Glaubenserfahrung:

 

 

 

Doch schon in den nächsten Folgen spreche ich mit einer Künstlerin über ihren Glauben an die Liebe und an Schutzengel und einem jungen Mann über seinen Glauben an die Musik. Es bleibt also spannend…

Zu finden sind diese und alle kommenden Folgen überall dort, wo es Podcasts gibt, also auf Spotify, Deezer, bei iTunes und Amazon und, und, und….

 

Warum nicht jeder Kaffeefilter eine Filtertüte ist

Wieder einmal war ich zu Gast bei den Herren von „Zweiaufeins„, wenn auch corona-bedingt nur am Telefon und nicht im radioeins-Studio. Thema der Sendung war „Filter“ und ich sollte ihnen nun brühwarm ein wenig über die Filtertüte berichten:

Tatsächlich ist der Begriff „Filtertüte“ als eingetragenes Warenzeichen gesetzlich geschützt – und zwar von der Firma Melitta, deren Gründungsfamilie Bentz sich vor über hundert Jahren die Erfindung der Filtertüte patentieren ließ. Vor der Erfindung der Filtertüte wurde das Kaffeepulver entweder komplett in das aufgebrühte Wasser gegeben und dann durch ein Sieb geschüttet oder man verwendete einen Kaffeebeutel, ähnlich wie ein Teebeutel, der mehrmals verwendet wurde, aber als Nachteil mit sich brachte, dass der Kaffee bitter schmeckte.

Eine weitere Methode der Kaffeezubereitung war die Verwendung eines herkömmlichen Siebes, in das ein Leinentuch oder ein ausgeschnittenes Löschpapier eingesetzt wurde. Auftritt Melitta Bentz, die um die Jahrhundertwende schwer davon genervt war, dass ständig Kaffeesatzkrümel zwischen ihren Zähnen kleben blieben. Melitta, damals 34, schlug mit Hammer und Nagel Löcher in einen Messingtopf, legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes auf den Boden und hat so den Kaffeefilter erfunden. Diese Weise, mittels einer Art Löschpapier und einem blechernen Trichter Kaffee zuzubereiten, wird bereits in der 1784 erschienenen „Oeconomischen Encyclopädie“ von Johann Georg Krünitz unter dem äußerst ausführlichen Eintrag „Kaffe“ als bekannt vorausgesetzt – und als beste Art der Kaffeebereitung gepriesen. Aber offenbar hatte sich zuvor noch niemand die Mühe gemacht, diese Idee zu Geld zu machen. 1908 war sie nun nach einigen Weiterentwicklungen so weit, einen Filtertopf zusammen mit passenden, kreisrunden Filtrierpapier-Scheiben anzubieten. Die zylindrischen Gefäße bestanden zunächst aus Aluminium und trugen die Prägung „Original Melitta“.

Nachdem  ihr das kaiserliche Patentamt einen Gebrauchsmusterschutz für ihren Filter erteilte, meldeten Melitta und Hugo Bentz mit 73 Pfennigen Startkapital beim Dresdner Gewerbeamt ein „kaufmännisches Agentur- und Kommissionsgeschäft“ an. Zunächst produzierte Familie Bentz ihre Filtertüten in der heimischen Wohnung, im Jahr 1915 zog die Firma in eine ehemalige Schlosserei um.

Doch auch diese wurde schnell zu klein und so zog die Firma 1929, nachdem zudem beide Söhne in das Unternehmen eingestiegen waren, nach Minden, da in Dresden keine angemessenen Räumlichkeiten zur Verfügung standen. Bis heute wird „Melitta“ von einem Familienmitglied (mit)geleitet. Die Filtertüte, so wie wir sie heute kennen, wurde dann 1937 zusammen mit dem dazugehörigen, mit Ablaufrillen versehenen Aufsatz patentiert.

Es ist übrigens vollkommen egal, ob man weiße oder braune Filtertüten verwendet: Die braun eingefärbten Filtertüten sollen lediglich den Eindruck erwecken, dass sie aus ressourcen-schonenden Rohstoffen gefertigt wären. Aber alle anständigen Kaffeefilterpapiere sind sowieso kompostierbar und müssen, wenn überhaupt, chlorfrei und natürlich gebleicht sein.

Filterpapier ist per Definition ein „holzfreies, ungeleimtes, aus Hadern hergestelltes Saugpapier, das durch besondere Reinheit gekennzeichnet ist und dessen Scheidefähigkeit und Filtriergeschwindigkeit definiert sind.“ Hadern sind eigentlich Papiere aus Stoffresten, allerdings werden in der Herstellung von Filterpapier eher Faserstoffe aus Nutzpflanzen verwenden. Hochwertig sind diese Papiere in jedem Fall, denn sie müssen je nach Papierstruktur und Faserzusammensetzung sehr genau bestimmen können, welche Stoffe voneinander geschieden werden sollen und mit welcher Schnelligkeit das passiert. So gelangen am Ende einer normalen Filterbenutzung etwa 22 Prozent der Inhaltsstoffe, die aus einer Bohne gelöst wurden, im Kaffee, inkl. 20% der Kaffee-Öle.

Zurück zu Melitta. Die Werke wuchsen nach dem Krieg weiter in verschiedene Geschäftsfelder. Zunächst stieg man in das Porzellangeschäft ein: Mit den Kaffee-, Tee- und Tafelservice aus Porzellan und Steingut von Melitta wurde der Begriff des „schön gedeckten Tischs“ in der Wirtschaftswunderzeit maßgeblich geprägt. Später kamen dann Produkte wie Süßigkeiten und vor allen Dingen Kaffee dazu: So produzierte Melitta als erster Hersteller filterfein gemahlenen und vakuumverpackten Kaffee.

Heute gehören zur Melitta-Holding auch Produkte wie Reinigungsmittel für den Haushalt, Staubsauger- und Müllbeutel (Marke Swirl) und Frischhalte-Produkte. Bekannte Marken sind z.B. „Swirl“ und „Toppits“.

In diesen Text eingestreut habe ich euch einige der Werbespots mit dem „Melitta-Mann“ Egon Wellenbrink. Von 1989 bis 1999 stand dieser in über 130 verschiedenen Werbespots vor der Kamera. Regisseur in den ersten drei Jahren war übrigens der bekannte Schweizer Komiker Emil Steinberger.

Melitta hat im Rahmen der Corona-Epidemie weltweit Millionen von Mund-Nase-Schutzmasken hergestellt und die erste Million Masken an Gesundheitseinrichtungen verschenkt.

 

 

 

7 Gründe, warum Listen immer noch funktionieren (mit gifs!)

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Feeds nur noch aus „Listicles“ (einer Kombinationen aus Liste (engl. „list“) und Artikel (engl. „article“) ) bestehen. „Die 15 wichtigsten Tralalas“, die „6 Insider Tipps für erfolgreiches Was-weiß-ich“ und so weiter. Alles, was so in den Content-Marketing-Abteilungen herumspringt, scheint ausschließlich auf Listicles fokussiert zu sein: einfach zu machen, schnell zu konsumieren, noch schneller wieder verdaut und vergessen. Listicles sind der Big Mac des Content Marketing, Fast Food. Doch warum funktionieren sie immer noch?

  • 1. Wir sind mit Listen vertraut – seit Kindheitstagen

Der Wunschzettel zu Weihnachten? Eine Liste. Welche Kinder können zum Geburtstag eingeladen werden? Eine Liste. Sternchen sammeln für Haushaltsarbeiten? Eine Liste. Das Hausaufgabenheft? Eine Liste. Und womit fixt man die lieben Kleinen richtig an? Genau: mit dem „Lotta-Leben Listenbuch“.

Doch auch sonst werden wir in unserer Vergangenheit schnell fündig: die zehn Gebote, die sieben Todsünden, die zwölf Heldentaten des Herkules, die sieben Weltwunder (würden heute wahrscheinlich eher mit “ die sieben coolsten places to see – mit Instagram-Selfie-Spot-Tipp“ heissen).

Wir werden zudem tagtäglich von Input überflutet: „Diesen Tsunami an Informationen versucht unser Gehirn automatisch zu sortieren und ihren Sinn zu erkennen. Deshalb werden wir von Listicles angezogen.“, so beschrieb schon der Autor Steve Denning deren Magnetismus.

Wir haben also das Listendenken quasi bereits in unseren Genen angelegt („die fünf wichtigsten Sequenzen unserer DNA“).

  • 2. „Ich hab doch keine Zeit! Zum Lesen!“

Online-Leser lesen anders: Das Lesen eines Online-Textes dauert rund 25% länger als das Lesen eines Print-Textes, was daran liegt, dass am Bildschirm die Augen schneller ermüden und wir uns schlechter konzentrieren können. Wir lesen im Internet zudem meist nicht Zeile für Zeile, sondern scannen die Inhalte von oben nach unten und dabei nehmen wir zunächst die Überschriften wahr. Listicles bestehen ja fast nur aus Überschriften…. Sie sind also der perfekte kleine Ablenkungssnack für Zwischendurch, wenn man es denn schafft, sich wieder loszureissen.

  • 3. Ich hab doch keine Zeit! Zum Schreiben!“

Braucht man ja auch nicht. Der Druck in den Social Media Abteilungen ist ohnehin riesig groß, jeden Tag muss mehrmals irgendetwas abgesondert werden, was man den Netzwerken in den Rachen werfen kann. Schneller kann Content jedoch nicht erstellt werden – und da es weder so etwas wie Wissen noch einen roten Faden benötigt (die Reihenfolge ist ja beliebig), kann auch der Praktikant den lieben langen Tag Listen schreiben. Schnell noch ein paar lustige gifs hinzugefügt und schon ist die Aufmerksamkeit gesichert! Wer mir das nicht glaubt, der klicke einfach auf „listverse„, dem Universum aller Listicles…

Wenn mir also eines Tages nichts mehr einfällt, dann kommen die „5 wichtigsten Marketing-Bücher, die ihr gelesen haben müsst“, die „8 wichtigsten Marketing-Dokus, die ihr gesehen haben müsst“, der „1 wichtigste Marketing-Podcast, den ihr gehört haben müsst.“ – und: „Die 5 Haltungen, in denen ich bei 36 Grad am wenigsten schwitze, wenn ich mich nicht bewege.“ Das ist eine Drohung, kein Versprechen.

  • 4. Die Millenials lieben Listicles!

Ja, aber die lieben auch Club Mate, Matcha Eis und TikTok. Nächster Punkt, bitte.

  • 5. Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zugegeben, auch ich klicke auf Listicles, manchmal. Hat wohl was mit Sadomasochismus zu tun. Denn auch, wenn ich weiß, dass von den „10 Geheimtipps an deinem Urlaubsort“ mindestens 7 in jedem Reiseführer (print wie online) stehen und 2 schon wieder geschlossen sind, so ist doch insgeheim die Hoffnung da, dass einer, ja wenigstens nur einer der Tipps wirklich etwas neues ist. Nur spätestens nach dem Listicle ist der dann auch nicht mehr geheim, sondern überlaufen.

  • 6. Keine Fragen mehr, Euer Ehren!

Listen sind aufgrund ihrer Struktur nicht nur leicht zu konsumieren, sondern sie bringen uns auch eine ersehnte Eindeutigkeit. So – und nicht anders ist die Welt und das Leben. Das Prinzip „Bestseller-Liste“: Auf der Liste zu erscheinen, ist bereits ein Erfolg. Wer sie anführt, ist ein Siegertyp. Und so stillen Listicles das ewig-menschliche Bedürfnis nach Wettbewerb, Vergleichbarkeit und Eindeutigkeit. Was viele lesen, muss auch gut sein. Und für die Non-Konformisten gibt es ja noch die Liste mit den Geheimtipps… Wenn auch die Inhalte keinen Mehrwert bieten, so doch die Struktur: Alles wird einfach, eindeutig und klar.

Die Mehrdeutigkeit der Welt und unseres Lebens überfordert ja viele von uns. Wie schön, dass Listen unsere Lebensbereiche strukturieren… Und natürlich empfinden wir so etwas wie tiefe Dankbarkeit dem Schöpfer dieser Listen – und vielleicht binden wir uns ja sogar dauerhaft an diesen Contentlieferer.

7. Mach mit, mach’s nach, mach’s besser!

Listen sind nie vollendet. So willkürlich die Anzahl der Items sind (und angeblich sollen ja Listen mit 29 Bestandteilen besonders erfolgreich sein), so unvollständig bleiben sie jedoch. Und das kann nun zum „Call to action“ genutzt werden, in dem man die Lesenden dazu aufruft, die Liste doch um ihre Ideen und Vorschläge zu erweitern. Jetzt betreten wir endgültig die heilige Halle der Interaktion im Tempel des Content-Marketing.

Achtet doch selbst einmal darauf, wie viele Liste euch täglich begegnen – nicht nur online, sondern auch in Printmedien oder im Fernsehen lauern Listicles auf uns. Und mein Haus- und Hofsender „radioeins“ beschert uns jeden Sommersonntag die 100 besten Songs. Es gibt also kein Entkommen. Wollen wir überhaupt entkommen? Wenn nein, welches sind denn eure Lieblingslisten? Was gefällt euch am Listicle-Wahn und was nervt euch? Nutzt die Kommentarfunktion und diskutiert doch einfach mit…. 😉

 

 

 

Ich geh‘ mal in den Garten und pflück‘ mir frischen Fisch!

Klingt absurd, oder? Aber es gibt eben auch „veganen Fisch“ und darüber sprach ich vor einiger Zeit mit Daniel von „Zwei auf eins“ im radioeins-Interview:

Nun sind vegane Produkte keine Neuheit mehr und auch vegane Fischprodukte oder Meeresfrüchte gibt es als Nischenprodukte schon seit geraumer Zeit. Aber Frosta hat sich des Themas angenommen und ist nun – wenn auch vorsichtig – in die Offensive gegangen mit „Fisch vom Feld„.

Die Überfischung der Meere, wachsendes Umweltbewusstsein und der Umstieg der Verbraucher auf nicht-tierische Produkte beschäftigen die Fischbranche, wobei der generelle Trend zu veganen Produkten nach wie vor ungebrochen ist: So verzeichnet die Firma Quorn, die seit 1985 vegetarische Lebensmittel herstellt, gerade die besten Verkaufszahlen in ihrer Geschichte und die Rügenwalder Mühle wird in 2020 voraussichtlich fast 40% ihres Umsatzes mit Fleischalternativ-Produkten erwirtschaften.

Für Frosta geht es dabei nicht nur um ein gutes Image, sondern tatsächlich auch um ein ökonomisches Problem: Fisch und Gemüse werden im Einkauf immer teurer: Der Preis für Alaska-Seelachs stieg in 2019 allein um fast 50%. Aber diese Preiserhöhung lässt sich nicht einfach an den Kunden weiterreichen und im Handel durchsetzen, so dass die Margen in den Keller fielen.

„Fisch vom Feld“ soll also nun der Rettungsschlag aus diesem Dilemma werden:

Weiße Bohnen, Blumenkohl und andere weiße Gemüsearten bilden die Grundlage, denn der Gemüse-Fisch muss ja weiß aussehen, was bei vielen anderen proteinhaltigen Lebensmitteln einfach nicht der Fall ist. So färben Algen oder grüne Bohnen den Fisch eben – grün. Nicht so appetitlich….

Auch auf Soja wurde aus Umweltgründen verzichtet. Doch der alternative Fisch sollte nicht nur wie Fisch aussehen, er musste auch so schmecken und das gleiche Mundgefühl erzeugen. Da kommt nun ein kleiner Trick zugute, denn viele der Fischprodukte werden ja paniert verzehrt – und da sitzt das knusprige Gefühl und viel von dem Geschmack. Und, Hand auf’s Herz, so ein Fischstäbchen schmeckt nun wirklich selten nach Fisch…. Panade, Soße, Beilage und schon ist die Illusion perfekt!

Und so ist „Fisch vom Feld“ frei von deklarations­pflichtigen Zusatz­stoffen, Geschmacks­verstärkern, Aromen, Farb- und Konservierungs­stoffen.

Wem jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft und wer sofort zum nächsten Supermarkt des Vertrauens sprinten möchte, den muss ich leider enttäuschen: Die Produkte werden zunächst in Großküchen, Kantinen und der Systemgastronomie getestet.

Wer jedoch in Berlin wohnt, der könnte sich die Wartezeit ein wenig verkürzen, in dem er vegane Sushi probiert, zum Beispiel im Secret Garden in Friedrichshain!

Ich persönlich muss bei diesem Thema ja die ganze Zeit an etwas völlig anderes denken, nämlich an „Findet den Fisch!“ (Guck doch mal im Rüssel nach!). Aber ich gehöre ja auch zur Generation W (?!). Für alle anderen:

 

 

 

 

Wenn bei Genua die rote Sonne hinter der Akropolis versinkt…

Manchmal werde ich ja das Gefühl nicht los, dass einige Marketing-Abteilungen ihre Kunden für komplett blöde halten, so z.B. Barilla.

 

Zappe ich doch neulich entspannt durch die Werbeblöcke und entdecke folgenden Spot:

Basilikum, Parmesan, Pesto alla Genovese – doch halt, was läuft denn da im Hintergrund? Ein Sirtaki?? Ein Tanz in der Tradition griechischer Volkstänze? Das nenne ich mal Beliebigkeit.

Nun könnte man ja argumentieren, dass im vereinten Europa das alles egal ist und irgendwie Mittelmeerraum eben Mittelmeerraum sei. Hauptsache, es klingt nach Urlaub. Und schließlich gab es in der Antike auch griechische Kolonien auf dem italienischen Festland und Sizilien (gut, bis nach Genua sind sie nie gekommen, aber egal…). Aber warum nennt man das Pesto dann nicht gleich „mediterraneo“? Die betreuende Agentur sitzt wohl in Amsterdam, bei der Entfernung kann man schon mal etwas verwechseln, aber hat denn bei Barilla niemand diesen Spot abgenommen?

Wie man es dreht und wendet, es stimmt vorne wie hinten nicht. Und ich finde es ärgerlich. Denn wenn beim Spot schon geschummelt wird, dann möchte ich gar nicht wissen, was beim Produkt alles nicht ganz „sauber“ ist. Nebenbei bemerkt, kann man sich sein Pesto auch ganz leicht selbst machen – und es gibt übrigens auch sehr schöne traditionelle Musik aus Genua: