Universal Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Millionär – wer träumt nicht davon? Zumindest Herr Finger und Herr Oswald von „Zwei auf Eins“ versuchen  noch, mit ehrlicher Moderationsarbeit reich zu werden, und luden mich zur Unterstützung ins radioeins-Studio, um mit Ihnen über den Mythos des Tellerwäschers zu reden:

Woher kommt dieser Grundglaube des „American Dream“, dass jeder es schaffen kann, wenn er sich nur genug anstrengt? Als Einwanderungsland zogen die Vereinigten Staaten all jene an, die einen neuen Start wagen wollten. Die Immigranten kamen oftmals mittellos mit kaum mehr als ein paar armseligen Besitztümer an und arbeiteten hart für den Neuanfang. Einige schafften es, sich erfolgreich zu etablieren, andere scheiterten hingegen und einige wenige wurden durch Fleiß, Leistung und natürlich durch Glück sehr vermögend. Der Glaube an die Möglichkeit des sozialen Aufstieges in eine höhere Klasse macht daher einen entscheidenden Teil des amerikanischen Nationalsbewußtseins aus, inklusive mythischer Verklärung:

 

Fast 80% der US-Amerikaner glauben nach der Hertz-Studie fest an diesen Grundsatz, obwohl nur 1% es tatsächlich aus armen Verhältnissen in die obersten 5% der vermögenden US-Bevölkerung schaffen. Der Haken an der Sache ist eben, dass Fleiß, Leistung und Anstrengung alleine nicht ausreichend sind – sonst wären mit Sicherheit schon die meisten von uns mehrfache Millionäre. Neben Bildung ist Glück nach wie vor der entscheidende Faktor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Natürlich unterschlagen die vielen Erfolgsratgeber diesen Umstand gerne, wirkt er doch wie ein Verkaufsgift.

Wenn wir uns nicht vor Augen halten, dass Glück der Erfolgsfaktor ist, dann finden wir uns schnell in einer Falle wieder, denn dann bedeutet ja der Umkehrschluss, dass wir uns eben noch nicht genug angestrengt haben und noch nicht genug Leistung erbracht haben – da wir noch erfolglos sind. Das ist natürlich Humbug, treibt aber viele Menschen in die (Selbst)Optimierungsfalle: Immer noch mehr geben, noch mehr leisten, damit sich endlich der Erfolg einstellt.

Man geht hier dem sogenannten „Survivorship Bias“ auf den Leim: Die wenigen erfolgreichen Menschen bekommen mehr Aufmerksamkeit als die vielen Gescheiterten. Im zweiten Weltkrieg untersuchten britische Flugzeugingenieure die Einschusslöcher der Flugzeuge, die nach einem Kampfeinsatz zurückkehrten. Es wurde festgestellt, dass die Einschusslöcher dabei nicht gleichmäßig verteilt waren. Manche Stellen wurden deutlich häufiger getroffen als andere. Man kam nun auf die Idee, diese häufig getroffenen Stellen besonders zu verstärken. Der Mathematiker Abraham Wald riet davon ab, denn die Flugzeuge waren ja trotz der Einschüsse sicher zurückgekommen und gelandet.Die Flugzeuge, die jedoch abgeschossen wurden, wurden wahrscheinlich genau an den Stellen getroffen, an denen man bei den zurückgekehrten Flugzeugen keine Löcher fand. Wald empfahl daher, die Flugzeuge an den Stellen zu verstärken, an denen keine Einschüsse gefunden wurden – und hatte damit Recht.

Bildquelle: McGeddon

Wir ziehen also die falschen Schlüsse, wenn wir uns nur auf Selfmade-Menschen konzentrieren und deren angeblichen Erfolgsrezepte. Lieber sollten wir die Gescheiterten im Blick behalten und von deren Fehlern lernen.

Ob Jamie Oliver, der als Küchenhilfe anfing, oder Jürgen Gosch, der als Kind mit Krabbenpulen sein erstes Geld verdiente und dann als Aalverkäufer am Sylter Strand seine Karriere startete, ob Starbucks-Gründer Howard Schultz, der sich sein Studium durch Blutspenden finanzierte, oder Guy Laliberté, der vom kleinen Straßenkünstler zum großen „Cirque du Soleil“-Macher wurde, sie haben es alle nicht geschafft, weil sie härter arbeiteten als die anderen, sondern weil im richtigen Moment sich für sie die richtigen Türen geöffnet haben und sie ihre Chancen ergriffen.

 

 

Me so einhorny

Es begab sich vor gar nicht einmal allzu langer Zeit, dass ein scheues, schüchternes Einhorn (moi) sich auf den Weg machte zu radioeins in das kalte Potsdam-Babelsberg, um sich dort den zwei wackeren Recken (die Herren von Zweiaufeins) zu stellen und ihnen ein wenig darüber zu erzählen, warum man heute nur ein Bild von einem Einhorn auf etwas raufpappen muss, um es erfolgreich zu verkaufen:

Und tatsächlich gibt es im Moment kein Produkt, das nicht irgendwie mit Einhörnern wirbt: Vom Turnschuh (Chucks) über Schokolade (Ritter-Sport verkaufte über 150.000 Tafeln an einem Tag), Frappucino ‚(Starbucks), Gewürzmischungen (aus 100 Prozent Einhornpups) bis hin zu Toilettenpapier:

Doch woher kommt auf einmal dieser Hype? Sind Einhörner wirklich die neue Diddl-Maus?

Zunächst einmal quälten uns die süßlichen Viecher quasi schon immer. Wer sich in meinen Altersgefilden bewegt, erinnert sich bestimmt noch an dieses Machwerk: The last Unicorn von 1982.

Doch in den letzten Jahren trafen zwei Umstände aufeinander: Zum einen die Startup-Wirtschaft, die den Begriff „Unicorn“ prägte für jene Gründungen, die es schaffen, in kurzer Zeit mit einer Milliarde US-Dollar bewertet zu werden (wie z.B. Skype, Spotify, Zalando, Delivery Hero). Zum anderen die Infantilisierung der jungen Erwachsenen: Während wir es kaum erwarten konnten, endlich erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen mit aller Kraft und allem Kitsch an ihrer Jugendphase festhalten.

Die Sehnsucht nach der besseren Welt (der Kindheit) in harten Zeiten – und welches Symbol eignet sich da besser als das niedliche, leicht phallische Einhorn, dem schon seit dem Mittelalter magische Kräfte zugesprochen werden? Zudem steht das Einhorn in dem Ruf, etwas Einzigartiges zu sein. Daher werden Einhorn-Produkte auch gerne künstlich limitiert auf den Markt gebracht, denn man muss schnell sein, wenn man ein Einhorn fangen möchte.

Zunächst wurde dieser Trend von der Unterhaltungsindustrie befeuert, die kleinen wie großen Mädchen immer neue Einhorn- und Feen-Geschichten erzählt, wie z.B. bei der beliebten Serie (Kika!!!) „Mia and me“:

 

Da in dieser jungen Generation der Ewig-Pubertierenden jedoch alle irgendwas mit Computern machen, entstanden in kurzer Zeit auch viele viele bunte Meme:

Irgendwie passte es dann auch nur noch zu gut, dass 2015 zwei junge Herren auf die Idee kamen, vegane Kondome „auf dem Weg zu Fairness und Nachhaltigkeit“ unter der Marke „Einhorn“ anzubieten. Natürlich lassen es sich die Gründer auch nicht nehmen, gerne und oft im Einhornkostüm Werbung für ihre Marke zu machen:

Und das sehr erfolgreich, denn bislang wurden nach eigenen Angaben über 5 Millionen Einhorn-Kondome verkauft…

Ich bin jetzt kurz davor, einen Glitzer-Zuckerwatten-Schock zu bekommen – und beende meinen bunten Eintrag mit meinem Lieblings-Einhorn-Spot:

P.S.

Übrigens: Einhörner sind soo 2016…. Giraffe ist das neue Einhorn!

 

Aufgedeckt! Die Zahnfee ist in Wirklichkeit ein Feerich!!

Oder wie heißen männliche Feen gleich noch einmal? Egal….

Aus der Schweiz kommt nun diese investigative Hochleistung: Erste Bilder belegen, dass die Zahnfee männlich ist!

Ab sofort werde also auch ich meine zweiten Zähne sammeln, wenn es denn eines Tages so weit sein wird, und unter mein Kopfkissen legen. Und dann auf Herrn Winter warten – und wehe, meine Wünsche werden nicht erfüllt!

Diese schöne Kampagnen-Idee hatte Dr. Winter zusammen mit einer Werbeagentur und sie zeigt, dass gute, witzige Werbung nicht nur den vermeintlich „großen“ Unternehmen vorbehalten ist, und dass auch Dienstleister sich darüber Gedanken machen sollten, wie sie sich clever in Szene setzen können. Auf der sehr amüsanten Website zeigen der Doc und sein Team von „Lückenfüllern“, wie sie uns auf den Zahn wohlfühlen. Und natürlich kann man ihm auch auf Facebook folgen….

Wer da noch Angst vor’m Zahnarzt hat, ist selber Schuld – und ich wäre sofort Patient bei der Fummelfee, wenn es nicht so weit weg wäre…

Eine wirklich gut gemachte Imagekampagne. Wer mehr zum Thema „Eigenmarketing“ und „Wie werde ich zur Marke“ wissen möchte, der kann sich schon einmal den 7. November freihalten, denn da werde ich zu Gast bei „meeet“ in Berlin sein und genau darüber sprechen…

Noch fix die Familie unter Drogen setzen…

„Mami, Mami, ich habe schon wieder mein Spritzbesteck beim Dealer vergessen!“

„Aber mein Schatz, das macht doch nix, wir können doch noch familienfixen….!“

Ja, das geht jetzt, Familienfixen ist der neue Trend von Maggi:

Schafft Aufmerksamkeit. Denn wenn man nicht genau hinguckt bei der lästigen Fernsehwerbung, so schreckt man doch auf und glaubt, nicht richtig gehört zu haben.

Clever. Das schärfste Granulat hält der Maggi-Dealer dir parat.

Erinnert mich an die sehr lustige Mockumentary“Twinfruit„, bei der aus Dosenobst „Dobst“ wurde. Hat man dann verworfen, weil es zu dicht an „Dope“ war… vielleicht hätten die Kreativen von Maggi sich das einmal anschauen sollen….

Aber immerhin: Erstmals gibt einer der Großen zu, dass diese Aromastoffe durchaus süchtig machen können/sollen und die lieben Kleinen schon frühestmöglich angefixt werden müssen. Und Mama ist die beste….Dealerin. Eine so ehrliche Werbung hatte ich von Maggi dann doch nicht erwartet 🙂

 

Dicke Dinger, heiße Würstchen und jede Menge Frischfleisch

„Kann man in diesem Sommer noch unbesorgt seine Würstchen grillen?“, fragen sich viele marketing-affine Grillmeister verunsichert. Ja doch, solange es nicht die Bruzzler von Wiesenhof sind, denn die haben sich wieder einmal eher mit Senf als mit Ruhm bekleckert. Alles zum Fall Wiesenhof und Atze Schröder aber auch zu Werbeskandalen grundsätzlich wollten die Herren von Zweiaufeins wissen und so luden sie mich – immer wieder sonntags – ins radioeins-Studio ein:

Worum geht es? Wiesenhof hat einen Spot für seine Würstchen produzieren lassen und da das deutsche Grillwesen in erster Linie anscheinend von Männern betrieben wird, wählte man Atze Schröder als Testimonial und ließ ihn in bewährter Manier eine Anzüglichkeit nach der nächsten absondern. Hahaha, schenkelklopf, da lacht der deutsche Stammtisch. Dumpf, dumpfer, dieser Spot:

*Aktualisiert*: Dieser Spot wurde bei youtube gelöscht, aber hier findet ihr noch die wesentlichen Aussagen:

Nun hätte das unter „schlechter Geschmack ganz unten“ abgelegt werden können, wäre nicht dieser Satz zu hören:

„Und, seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Hier ist das Ding. Danach müssen Gina und Lisa erst mal in die Traumatherapie.“

Diese Anspielung auf den laufenden Vergewaltigungsprozess von Gina-Lisa Lohfink, der zum medialen Ereignis geworden ist, brachte dem Spot, der bereits seit Ende März auf YouTube zu sehen war, schlagartig ins Gespräch. War er mit seinem Altherrenhumor bislang nur geschmacklos, so war er nach dem Bekanntwerden der Prozessdetails nur noch widerwärtig.

Immerhin eine Entschuldigung folgte:

Der Werbespot ist vor einem Jahr gedreht worden und hätte niemals veröffentlicht werden dürfen.

schreibt Atze Schröder auf seiner Facebook-Seite. Wurde er aber. Und selbst vor einem Jahr waren die Vergewaltigungsvorwürfe in den Medien (seit 2014 wird darüber berichtet) ein Thema und somit bekannt oder zumindest leicht recherchierbar. Der Spot war also auch schon vor einem Jahr unter aller Sau. Spätestens bei der Veröffentlichung auf YouTube im März hätte man aber wissen müssen, dass hier jeglicher Spaß aufhört und mit „man“ meine ich ganz konkret die Marketingverantwortlichen bei Wiesenhof, Atze Schröder, die Agentur, die diesen Spot konzipiert hat, das Team, das diesen Spot produziert hat, usw.

Doch bei Wiesenhof gilt anscheinend: Auch schlechte News sind News und bringen den Fokus auf das Produkt, denn Anzüglichkeiten in Sachen Wurst gehören zum Werbekonzept; der Wahnsinn hat Methode:

In Zeiten knapper Aufmerksamkeit seitens des begehrten Konsumenten muss der Anbieter sich eben etwas einfallen lassen – und was erregt die männliche Aufmerksamkeit als nackte Haut?

Ob Sex sells sei dahingestellt, aber mann guckt zumindest hin. Der Aufschrei empörter Frauen (sind sowieso alles Spaßbremsen) wird ebenso in Kauf genommen wie die mögliche Rüge vom Werberat:

Wenn der Werberat eine Werbemaßnahme beanstandet, wird das betroffene Unternehmen dazu aufgefordert,

  • entweder die Kampagne aus der Öffentlichkeit zu nehmen
  • oder die Werbung entsprechend der Beanstandung abzuändern.

Entspricht ein Unternehmen dieser Aufforderung nicht, rügt der Werberat und schaltet die Öffentlichkeit ein: Die Redaktionen der Massenmedien erhalten eine Mitteilung über die Rüge, die sich dann in der Berichterstattung und Kommentierung der Presse widerspiegelt.

erklärt der „Deutsche Werberat“ dazu auf seiner Website; mehr als ein „Dududu!“ ist die Rüge also nicht.

Dementsprechend wird der kalkulierte Skandal auch nach wie vor gerne eingesetzt. Folgende Kategorien ziehen dabei immer:

  1. Sex

Diese Motive sind übrigens allesamt vom Werberat gerügt worden….

Auch die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, liebt die Zweideutigkeit: So warb sie mit der Abbildung eines jungen Mannes mit halb geöffneter Hose und dem Satz „Ich mag’s am liebsten mit jungem Gemüse“…. Doch auch die anderen Motive spielen mit der „Fleischeslust“:

2. Gewalt

Unvergessen die vielen Schockmotive der Benetton-Kampagne in den 90ern. Auch hier setzte man auf den kalkulierten Aufschrei, der angeblich die Gesellschaft zum Nachdenken bringen, letztendlich aber dem Pulloververkauf dienen sollte.

Und diese Kampagne führt uns dann nahtlos zu

3. Religion

Auch hier kann sich der Absender ziemlich sicher sein, dass die öffentliche Empörung schnell erfolgt…

Mehrere Unternehmen versuchten beispielsweise, das letzte Abendmahl auf ihre ganz eigene Weise darzustellen – und scheiterten in aller Regel damit:

Schon Ende der 60er schockte die Werbeikone Charles Wilp die Nation mit sinnlich dahinschmelzenden Nonnen, die vom Afri-Cola-Genuß ganz berauscht in höheren Sphären zu schweben schienen. Immerhin hatte er sich im Vorfeld dieser Kampagne sicherheitshalber das OK vom Kölner Kardinal Frings geholt, der wohl nur meinte: „Warum sollen unsere Nonnen keine geschminkten Lippen haben und Afri Cola trinken?“ (Quelle)

Das erinnert mich wiederum abschließend an das HiFi-Geschäft, das vor langen Jahren damit warb: „Wenn Sie Ihre Stereoanlage bei uns kaufen, sparen Sie genug Geld, um sich vor Freude sinnlos zu betrinken.“ Auch hier rügte der Werberat den Slogan als  Appell zum Alkoholmissbrauch…

 

 

Kaufst du noch oder isst du schon?

Ingvar Kamprad wurde 90 und das ist Grund genug für die Herren von 2auf1 ihn und sein Lebenswerk in die Sendung zum Thema „Fleisch“ aufzunehmen. Und damit nicht genug, haben sie mich auch noch ins radioeins– Studio geladen, um über IKEA und Köttbullar zu sprechen:

Erste Hürde: die korrekte Aussprache. Köttbullar wird nämlich mitnichten Köttbullar ausgesprochen, sondern: „Schöttbüllar“. Hab ich extra bei Youtube nachgelesen:

Zweite Hürde: Was ist denn da eigentlich drin, in den lustigen Elchklopsen? So viele Elche kann es ja gar nicht geben, wie täglich in den 315 IKEA-Restaurants Köttbullar-Portionen verschlungen werden (man spricht von 150 Millionen pro Jahr weltweit). Vor drei Jahren war IKEA vom Pferdefleisch-Skandal betroffen, denn bis zu 10% Pferd fand sich in den Klopsen. Aber wer wird da schon kleinlich sein, Pferd und Elch sind ja auch irgendwie verwandt. Also entfernt. Also sehr entfernt.

Peer Schader vom „Krautreporter“ hat einmal genauer hingesehen:

„Köttbullar mit Kartoffelpüree, Preiselbeeren und Rahmsoße“: Die Ikea-Fleischbällchen werden von den Experten mehrheitlich okay bewertet. Sie bestehen aus Rind (56 Prozent) und Schwein (28 Prozent), Zwiebeln, Paniermehl, Eiern, Salz, Eiweiß, Pfefferextrakt (gleich mehr dazu) und Eiweiß. Im Püree steckt Molkenpulver für die Milchnote und Aroma; Farbstoff (Beta-Carotin, E160a) sorgt dafür, dass das Püree trotz unterschiedlicher Kartoffeln immer gleich aussieht. (Quelle)

Soviel zum Elch. Wieder eine Illusion weniger. „Pfefferextrakt“ meint übrigens „Pfefferaroma“, aber Aroma ist so ein Ih-bäh-Begriff, der gleich an künstliche Aromen erinnert. Letztendlich will man sich nur die Kosten für echten, teuren Pfeffer sparen. Schader kommt auch beim Kalorienvergleich auf ein interessantes Ergebnis:

Eine 15er-Portion Köttbullar mit Kartoffelpüree, Preiselbeeren und Rahmsoße kommt demnach auf 974 Kalorien (4.074 kJ). Zum Vergleich: Wer bei McDonald’s zwei Hamburger, eine kleine Pommes und eine Sechser-Portion Chicken McNuggets verdrückt, erreicht 1.005 Kalorien (4.205 kJ). Mit zwei Big Mac liegt man leicht darüber (1.018 Kalorien, 4.259 kJ).

Das ist die Hälfte des täglichen Kalorienumsatzes, der laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Frauen empfohlen wird – aber man darf ja nicht vergessen, dass nach dem Essen noch die schweren Teelichter und Servietten nach Hause geschleppt werden müssen, da braucht man viel Kraft!

Das Essen im sogenannten „IKEA-Restaurant“ bewegt sich also auf besserem Kantinen-Niveau. Jeder 5. Kunde isst bei IKEA, sieht in den niedrigen Restaurantpreisen bestätigt, dass IKEA immer und überall günstig ist und geht glücklich und zufrieden zur Kasse (glücklich, weil IKEA ziemlich viel Zucker verwendet). Das Geschäft mit dem Essen ist für IKEA nicht unwichtig, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet:

Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2014/2015 stieg in Deutschland um 7,7 Prozent auf 4,435 Milliarden Euro. Und die hauseigenen Restaurants dürften einiges dazu beigetragen haben, das Unternehmen auf Wachstumskurs zu halten. 204 Millionen Euro Umsatz hat Ikea Deutschland 2014/15 im Food-Bereich erzielt, 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit war das Geschäftsfeld sogar wichtiger als der Online-Handel, der 189,6 Millionen Euro Umsatz einspielte. (Quelle)

Der Möbelkauf wird als weniger nervig empfunden, wenn das Essen als Belohnung für die geschundenen Nerven winkt; eine Idee vom Gründer Kamprad selbst, der der Meinung war, dass niemand mit knurrendem Magen gerne einkaufen geht – und Köttbullar gibt es eben nach wie vor nur bei IKEA: ein Frequenzbringer und zusätzlicher Anziehungsmagnet im IKEA-Uiversum.

Dementsprechend gehört IKEA zu den 10 größten Systemgastronomieanbietern Deutschlands – vor Starbucks, Vapiano oder den Block-Häusern:

Fastfood-Kantine IKEA? Das zeigt sich sehr deutlich im Innenstadt-IKEA in Hamburg-Altona, das erste seiner Art in Deutschland. Sie hat zwar die meisten Besucher, ist aber bei weitem nicht die umsatzstärkste Filiale, was auch am verkleinerten Sortiment liegt. Das Restaurant ist hier „Stadteilkantine“, ein wichtiger Treffpunkt in der Fußgängerzone, so dass IKEA es schon bald nach der Eröffnung vergrößern musste. Diese sich verändernde Bedeutung unterschätzt IKEA nicht, im Gegeteil: Bis 2017 sollen sämtliche deutsche Restaurants umgebaut und modernisiert werden. Eine Viertelmillion Euro pro Filiale (immerhin 50 Häuser) investiert der Konzern.

Und – natürlich – gibt es jetzt seit April 2015 „vegetarische Köttbullar“: das Gemüsebällchen Grönsaksbullar (nachdem fast 26.000 Menschen weltweit eine Petition für vegane Kottböllar unterschrieben hatten). Veganer aufgepasst! Spuren von Milch oder Ei können nicht ausgeschlossen werden…

Und falls es noch jemand nicht wissen sollte: „IKEA“ ist ein sogenanntes Akronym und setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben des Vor- (Ingvar) und Nachnamens (Kamprad) seines Gründers, der elterlichen Farm, auf der er aufwuchs (Elmtaryd), und seines Heimatortes (Agunnaryd). Falls Herr Jauch mal fragt….

FOC me Baby one more time

Ohne Anzüglichkeiten bekommt man in dieser Zeit der knappen Aufmerksamkeit ja gar keine Beachtung mehr… Es geht also um FOC, um Factory Outlet Center, und zu diesem Thema war ich zu Gast bei Zwei auf eins im radioeins-Studio:

Seit wann es Factory Outlets, also den Fabrikverkauf, überhaupt gibt, lässt sich dabei nicht genau feststellen. Schon früh fingen Fabrikbesitzer damit an, unverkaufte Ware oder fehlerhafte Produkte sehr sehr günstig direkt ab Werk zu verkaufen, zunächst nur an die eigenen Mitarbeiter, später dann an alle Interessenten, Günstig war die Ware auch, da bem Kauf ab Werk die Marge wegfällt, die der Händler auf das Produkt aufschlägt. Der Einzelhandel mit seinem ganz eigenen Kostenblock (teure Innenstadtlagen, Personal, Ladenausstattung) wurde und wird also gezielt umgangen. Um es sich mit dem Fachhandel nicht ganz zu verderben, setzen die Hersteller daher auf Produkte „2. Wahl“, also Ware mit kleinen Fehlern oder nicht verkaufte Ware der vorrigen Saison. Da es jedoch die üblichen Saisonphasen nicht mehr gibt und heute bis zu 30 Kollektionen im Jahr herausgebracht werden, gilt in der Regel, dass die Produkte zunächst 3 Monate dem Verkauf durch den Fachhandel vorbehalten bleiben, bevor sie im Outlet-Center angeboten werden.

1974 wurde in Pennsylvania die erste Outlet-Mall errichtet, also der Zusammenschluss mehrerer Fabrikverkäufe an einem Ort. In der Folge entstanden über 325 weitere Outlet-Center in den Vereinigten Staaten. Ab Mitte der 80er Jahre entstanden die ersten FOC dann in Frankreich und Großbritannien, seit Mitte der 90er breiten sich diese auch in Deutschland aus. Heute gibt es bei uns 257 Outlet-Center.

Erstes Outlet-Center in Reading, PA

Mittlerweile gibt es über 13.000 Outlet-Stores allein in den USA und selbstredend werden dort die Produkte in aller Regel auch gar nicht mehr produziert, sondern kommen aus asiatischen Fabriken. Aber die Schnäppchenjäger-Mentalität der Konsumenten hat die Unternehmern schnell reagieren lassen: Es wird geschätzt, dass lediglich 10 – 15% der angebotenen Produkte noch 2.Wahl- oder Second-Season-Ware ist und der Rest extra für die Outlets produziert wird, oftmals auch in minderer Qualität, die den kleinen Preis dann rechtfertigt. Zudem kommt es häufiger vor, dass mit falschen Preisauszeichnungen ein höherer Preisabschlag signalisiert wird, als er tatsächlich stattgefunden hat.

Doch ganz egal, das Konzept funktioniert nach wie vor bestens, so zum Beispiel in Metzingen, einem der bekanntesten Outlet-Center in Deutschland.3,5 Millionen nationale und internationale Kaufwillige (rund 37% kommen aus dem Ausland, weitere 35% reisen bundesweit an) zieht der ursprünglich als Fabrikverkauf von BOSS gestartete FOC-Bereich an, um weitere 10.000 qm soll erweitert werden.

Der Bürgermeister freut sich, bringen doch die Center-Touristen reichlich Steuern ins Geldsäckl (allein in Metzingen fallen 75.000 Übernachtungen im Jahr durch Shopping-Gäste an), aber natürlich ziehen die Outlet-Center den Innenstädten die Kaufkraft ab – Verödung droht. Nicht nur unmittelbar am Outlet-Ort, sondern auch in den Nachbarstädten. So klagten 2014 die Städte Reutlingen und Tübingen gegen die geplante Erweiterung der Outlet-City.

Ganz anders hat es da Bad Münstereifel gemacht, denn hier wurde die gesamte Stadt zum Outlet-Center: Nach dem Ausbleiben der Kurgäste war es wirtschaftlich schlecht bestellt um die kleine Stadt. Privatinvestoren kauften 30 Häuser in der mittelalterlichen Innenstadt und bauten diese für 40 Millionen Euro um. Von den 14.000 qm Verkaufsfläche der Stadt gehören ihnen nun 10.000 qm, 12.500 qm sollen es werden. Nicht ganz ohne Vorteil ist es dabei, dass Bad Münstereifel als Kurstadt 40 verkaufsoffene Sonn- und Feiertage im Jahr hat – und so konnten 600 Vollzeitsarbeitsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig aber gibt es nun in der Innenstadt keine Apotheke, keine Drogerie und keine Kindergeschäfte mehr.