Billie, Billie don’t you lose my number…

„Kunde droht mit Anruf“, ist ja immer noch ein gern gemachter Scherz in manchen Büros, gemacht oftmals von dem leicht feisten Kollegen mit den Diddl-Socken. Tatsächlich lässt sich an der Kunden-Hotline bestens ablesen, wie viel wir dem Unternehmen wirklich wert sind und wie ernst man uns nimmt.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Mobilfunk: Bei Anbieter 1 sprach ich immerhin mit Menschen, allerdings weiß ich bis heute nicht, wo die eigentlich saßen und ob sie meiner Sprache überhaupt mächtig waren, denn anscheinend lasen sie nur ab, was auf dem Monitor vor ihnen stand. Auf meine Rückfragen konnten sie nicht antworten, so dass das Gespräch leider erfolglos beendet wurde. Aber mir wurden wiederholt irgendwelche Gigabyte angeboten, die ich weder brauchte noch wollte.

Bei Anbieter Nummer 2 sprechen nur noch die Chatbots – und damit es nicht zu eintönig wird, gibt es eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber auch die haben mir bei meinem Problem nicht helfen können. Ich rief dann übrigens direkt bei dem Shop an, wo ich tags zuvor das sündhaft teure Handy gekauft hatte, das nun Probleme bereitete, aber auch dort gelangte ich – egal zu welcher Zeit – nach 2x Klingeln direkt zum Anrufbeantworter.

Ich glaube, von diesen Geschichten hat jeder welche auf Lager. Wenn man ein Problem hat, dann soll man bloß nicht anrufen, denn im Zweifelsfall gibt es bereits bei YouTube ein Video dazu.

Wie un-end-lich dumm und kundenunfreundlich. Es geht nämlich auch ganz anders:

Taika cans with telephone number on it

Taika, finnisch für Magie, bringt Kaffee in Dosen auf den Markt. Das besondere sind hier die beigefügten Adaptogene, biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Doch es geht mir gar nicht um das Produkt. Sondern um die nicht sehr unauffällig platzierte Telefonnummer auf den Dosen.

Kalle Freese, einer der Gründer, erklärte dies im Interview:

This is the perfect example of the “wow” experience I love to create for my customers. (…) With Taika, we’re building the version 3.0 of what I call “scalable hospitality:” leveraging technology to accentuate the product experience and enable our customers to connect with the brand in a fun and accessible way.

In the beginning, I put my personal number on the cans so people could text us feedback and order more. It worked so well that we decided to put the number front and center. We’ve had some hilarious philosophical discussions with people trying to figure out whether they’re talking to a bot or a human. It’s fun and weird—a pretty good substitute for not being able to go to your local coffee shop right now.

(Quelle)

Jetzt könnte man meinen, das sei ja nur ein kleiner Gag, aber an anderer Stelle berichteten die Gründer, dass diese direkte Erfahrung, die die Kunden mit der Marke machen, nicht nur die Bindung erhöht, sondern auch eine hervorragende Form der Marktforschung ist und sie viele Interessenten, die sich nur mal „just for fun“ gemeldet hatten, nach 15 – 20 Textnachrichten zum bestellenden Kunden verwandelten.“Ruf! Mich! An!“ funktioniert also auch, wenn man seine Kunden nicht anschreit und mit der Peitsche bedroht…

Man muss eben nur zuhören und seine Kunden als Impulsgeber verstehen – und schon bekommt der Begriff „Kundenwert“ eine ganz neue Bedeutung! Es liegt an der grundsätzlichen Philosophie hinter dem Produkt, denn die Ausgangsfrage der Gründer lautete: „Wie fühlst du dich, wenn du Kaffee trinkst?“. Das führt zu ganz unterschiedlichen Aspekten, denn der eine Kaffee morgens soll uns wach (und ansprechbar) machen, der Kaffee am Nachmittag uns entspannen und der Espresso nach dem Essen soll das Völlegefühl nehmen.

James Hoffmann, einer der Investoren, nennt diesen Ansatz: „Coffee as a destination“

Ok, um ehrlich zu sein, der Kundenwert funktioniert natürlich auch bei Taika (folgt ihnen auf Instagram!) noch im ganz klassischen Sinne, denn eine Dose kostet 5 – 6 $….

Als ich diesen Preis das ersten Mal las, brauchte mein schwaches Herz erst einmal einen frisch gebrühten Kaffee – ganz ohne Adaptogene.

Abschließend für alle diejenigen, die sich an den tollen, titelgebenden Song von Phil Collins aus dem Jahre 1985 nicht erinnern können, hier noch zum Abschluß – vielleicht als Begleitung zum Heißgetränk –  das *räusper* epische Musik-Video:

Heute schon gequencht?

„Mensch, schmeckt das stark!“ – so gehen gute Slogans! Ihr ahnt schon, dass etwas „stark“ schmeckte, ist lange, lange her und hat etwas mit Kindheit in den 70ern zu tun. Auch die Herren Finger und Oswald sind nicht mehr die Jüngsten und so luden sie mich zum Gespräch (corona-bedingt nicht ins Studio), denn diesmal ging es um „Pulver“ – und hier um ganz besondere „Zaubermittel“… Nachzuhören demnächst hier!

Wer in den späten siebziger und achtziger Jahren seine Kindheit im Westen verbracht hat, der kann eigentlich an „Quench“ nicht vorbei gekommen sein, denn viele Sommer lang war es das angesagte Erfrischungsgetränk. Beutel aufreissen, das Pulver in eine Karaffe Wasser geschüttet, umgerührt, am besten noch Eiswürfel rein und schon war der Durstlöscher fertig! Den Geschmack von Quench haben wahrscheinlich noch viele von uns auf der Zunge….

Das große Rühren war damals durchaus normal, denn es gab noch viele andere Getränke wie Cefrisch, Lipton Ice Tea und und und. Für die Muttis und Vatis war es zum einen leichter, 20 Beutel aus dem Supermarkt mitzubringen als eine Kiste Glasflaschen (PET gab es damals noch nicht) – und es war auch billiger. Und natürlich machte man sich damals weder große Gedanken über den Zuckergehalt noch über die Künstlichkeit – Hauptsache, die Kinder waren nicht mehr durstig!

Für den großen Quench-Verbrauch gab es nicht nur die Beutel, sondern auch Quench in der Dose, mit praktischem Portionierer – ich habe heute noch den Geruch in der Nase, der einem entgegenströmte, wenn man die Dose öffnete. Und natürlich machte auch die Werbung unmissverständlich klar, dass die angesagten Muttis selbstverständlich Quench anrührten:

Mit dem Aufkommen von Gesundheitsbewußtsein, leichteren Flaschen und besserer Ernährung, aber auch mit dem Beginn des Mineralwasser-Booms in den 80ern verschwanden diese Produkte aus den Regalen, obwohl sie von vielen Konsumenten schmerzlich vermisst werden, wie man in vielen Foren nachlesen kann (Quench eignete sich auch perfekt als Guss für die „Quenchtorte“…). 2006 gab es den Versuch eines Remakes mit 22 verschiedenen Geschmacksrichtungen, der aber scheiterte.

Das Pulver-Prinzip hat sich in andere Bereiche verlagert, ob es Folgemilchprodukte, Diätpülverchen oder Sportshakes zum Anrühren sind. Doch in unserer Kindheit gab es ja nicht nur Pulver zum Trinken, sondern auch zum Fingerreinstecken… die Rede ist natürlich von Ahoj-Brause!

Der Kaufmann Theodor Beltle entdeckte beim Experimentieren mit Natron und Weinsäure, dass Wasser diese beiden Elemente zum Leben erweckt, denn die Zugabe von Flüssigkeit lässt Kohlensäure entstehen. Fasziniert von seiner eigenen praktischen Erkenntnis, kommt ihm die Produktidee: „Brauselimonaden-Pulver für alle Bevölkerungsschichten“. Denn tatsächlich war das Brausepulver zunächst als praktische und günstige Alternative zu den teuren Limonaden ein „Arme-Leute-Produkt“. In den Zwanzigerjahren war Limonade noch kein allgegenwärtiger und verpönter Dickmacher, sondern ein Luxusartikel, den sich nur Besserverdiener leisten konnten.

Zusammen mit seinem Schwager Robert Friedel gründet Theodor Beltle daraufhin in Stuttgart die Robert Friedel GmbH – kurz: Frigeo – und beginnt mit der Herstellung der Frigeo-Trinktabletten, zunächst in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Orange.

In den 30ern werden die Trinktabletten dann durch die Pulverform als „Friedel-Brause“ abgelöst und zu Orange und Zitrone kommen die beiden neuen Geschmacksrichtungen Waldmeister und Himbeere hinzu. Das klassische Brause-Pulver Quartett im kultigen Tütchen ist geboren. Und auch der Matrose, der heute nicht mehr von dem Produkt zu trennen ist, lächelt von nun an von den Tütchen – und begrüßt seine Konsumenten mit „Ahoj“. Das Wort stammt in dieser Schreibweise aus dem Tschechischen und bedeutet so viel wie „hallo“ – klingt aber im deutschen Ohr auch nach „Ahoi“ und erinnert damit an den klassischen Seemannsgruß.

Doch Frigeo überdehnte die Marke, es gab auf einmal so exotische Sorten wie Pina Colada und Caipirinha und 2002 musste Insolvenz angemeldet werden. Für „Ahoj“ war das vielleicht das große Glück, denn Katjes übernahm und pumpte nicht nur Geld, sondern auch deren langjähriges Knowhow in die Marke hinein. Zunächst wurde das Portfolio bereinigt und alles flog raus bis auf die vier klassischen Grundgeschmäcker. Der Markenkern wurde also gestärkt und danach dann diversifiziert: 2007 wurden Ahoj-Bonbons mit Brausefüllung auf den Markt gebracht, zwei Jahre später Fruchtgummis mit Brausepulver – natürlich jeweils in den klassischen Geschmäckern Waldmeister, Zitrone, Orange und Himbeere. Bei McDonalds gab es 2009 dann McFlurry mit Ahoj-Brause und 2013 folgte der Müller-Joghurt, der mit Ahoj-Brausekügelchen garniert wurde.

2017 erfolgte der bislang größte Schritt für die Marke, als Katjes eine fertige Limonade in der Dose launchte. Eine Million Dosen wollten sie im ersten Jahr verkaufen, am Ende waren es drei Millionen.

 

Auch wenn heute die meisten Ahoj-Nutzer wohl nach wie vor eher den Finger in die Tüte stecken, um ihn dann genüßlich abzuschlecken, statt eine Trinkbrause daraus zu machen, erfreut sich Ahoj nach wie vor einer ungebrochenen Beliebtheit. Der Bekanntheitsgrad soll bei 97% liegen.

Vielleicht liegt das ja auch an dem erotischen Kribbeln, wenn das Pulver aus einem Bauchnabel geschleckt wird, so wie es Oskar Matzerath in der „Blechtrommel“ tut. Harald Schmidt sah sich einst veranlasst, dies zum 50. Geburtstag des Buches nachzuspielen – und einen besseren Schluss kann ich mir für diesen Blogbeitrag gar nicht wünschen… 🙂

 

 

Simply the best. Better than all the rest.

Um es gleich einmal klar zu stellen: Es geht nicht um Tina Turner in diesem Blog-Beitrag. Und auch nicht um Autos. „Das Beste kommt am Anfang“ lautet das Thema, mit dem Daniel Finger und Sven Oswald in das neue Jahr starten – und so war auch ich wieder einmal zu Gast bei „Zweiaufeins“ im radioeins-Studio, um über Superlative in der Werbung zu sprechen:

Wir leben in einer wunderbaren bunten Warenwelt, in der wir stets nur das Beste kaufen können: Gilette – für das Beste im Mann, Kellogs – das Beste jeden Morgen und „nur das Beste aus der Frucht“ gibt uns Granini. Schon 1959 versprach uns Persil „das beste Persil, das es je gab“, und „das Beste, was deiner am Rhein harrt“, war damals schon Deinhard. Und wer kennt nicht die vielen vielen Radiosender, die uns mit den Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und dem Besten von heute bedudeln.

Mein persönlicher Liebling ist jedoch eine Kampagne der CMA aus dem Jahre 1971: „Beim Fleischer schneidet man am besten ab.“ Das waren noch Slogans….

Doch auch andere Superlative sind uns aus der Werbung vertraut: So sind die schönsten Pausen lila, uns lockt die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt, und Barilla brachte uns die beliebteste Pasta-Kollektion der Italiener.

Aber sind all diese Superlative heute noch zeitgemäß – und interessieren sie uns Konsumenten überhaupt noch? Verankert ist diese Superlativ-Werbung in einem alten Marketing-Denken: Der Anbieter möchte die eigene Leistung besonders wirkungsvoll hervorheben, um den Kunden suggestiv zu beeinflussen. Das funktioniert mit Superlativen, aber auch mit Komparativen („besser als…“) oder der Verwendung von bestimmten Artikeln („VW. Das Auto“). Es kommt dabei jedoch nicht auf die konkrete Behauptung oder die konkrete bildliche Darstellung an, sondern vielmehr darauf, wie diese von dem Empfänger verstanden wird/werden soll.

Rechtlich betrachtet ist, zumindest solange nicht eine objektiv nachweisbare Irreführung im Sinn des § 5 UWG (irreführende Werbung) vorliegt, Superlativ-Werbung gesetzlich nicht verboten. Wie immer ist jedoch die Grenzziehung im Einzelfall eher schwierig.

Denn natürlich muss die Behauptung wahr und im Zweifelsfall nachweisbar und idealerweise auch dauerhaft sein, aber zum Wesen der Werbung gehört ja anerkannter Maßen die Übertreibung: Wenn also der Verbraucher dazu in der Lage ist, einen Slogan oder Werbespruch als reines Werturteil oder Übertreibung zu verstehen und nicht als objektiv nachprüfbare Aussage, dann wäre auch das wiederum zulässig. Und da kommen dann die Anwälte und Gerichte ins Spiel…

1973 kam die dänische Carlsberg-Brauerei auf die Idee, sich diesen ganzen juristischen Fragen mit einer gewitzten Kampagne zu entziehen, in dem sie einfach behaupteten, wahrscheinlich das beste Bier der Welt zu sein. Über 30 Jahre lang hielt diese Kampagne, bis man bei Carlsberg feststellte, dass sie weit zurückgefallen waren in den Rankings der Biertrinker. Sie waren wohl nicht mehr das wahrscheinlich beste Bier:

Man habe die Qualität des Produktes aus den Augen verloren und nur noch Masse produziert anstatt Klasse, man habe eines der biligesten Biere am Markt, aber bei weitem nicht mehr das beste. Also haben sie sich daran gemacht, ihr Bier wieder qualitativ zu verbessern:

Und so sind sie heute nicht mehr das „wahrscheinlich beste Bier“, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Carlsberg versteht dies als Ehrlichkeitsoffensive: den Fehler erkennen, öffentlich eingestehen, sich (und das Produkt) verbessern – aber auch durch die augenzwinkernd-ironisch gebrochene Kampagne den Bezug zur Tradition herstellen.

Gerade bei den jungen, kritischen Konsumenten soll diese neue Ehrlichkeit gut ankommen. Na dann: Prost!

In der Tat, neben den rechtlichen Aspekten der Superlativ-Werbung stellt der sich verändernde Konsument und die explodierende Waren- und Werbeflut die größte Herausforderung dar: Wenn im letzten Jahrhundert ein Anbieter behauptete, der Beste zu sein, so konnte dies zur Abgrenzung bei einer Handvoll Wettbewerber und wenigen großen Medienkanälen gut und effektvoll kommuniziert werden. Doch heute schreien uns alle auf allen Kanälen an, dass sie die Größten, Besten, Tollsten sind, mit dem Resultat, dass wir als Konsumenten nicht mehr hinhören und -sehen und diesen Aussagen auch keinen Glauben mehr schenken, weil sie uns einfach nur noch nerven. Das Beste ist für mich, was mir den höchsten persönlichen Nutzen bietet und nicht die besten Leistungswerte hat, die mich gar nicht interessieren. Und letztendlich ist uns jede Person und jedes Unternehmen unsympathisch, dass sich ständig auf die Brust trommelt und uns erklärt, wie großartig sie sind. Schwächen machen menschlich und sympathisch, Angeber durchschauen wir sofort.

Fazit: Wenn wir niemandem mehr trauen, der in Superlativen von sich spricht, dann ist es vielleicht endlich mal an der Zeit, dass sich die Marketeers was besseres einfallen lassen.

„Ein Boss will doch jeder gerne sein“

Ja, auch ich würde das gerne werden, aber an meinen beiden Oberbossen von „2auf1„, Daniel Finger und Sven Oswald, komme ich natürlich noch lange nicht ran. Ich bleibe eben ein kleiner Stift – und das ist just auch das Thema (also eigentlich Filz, aber das passt mir jetzt nicht so gut in den Kontext…), über das wir uns neulich bei radioeins unterhalten haben:

Der Filzstift, ein Stift, bei dem eine Flüssigkeit die Stiftspitze tränkt, wurde in den 50ern in den USA zunächst auf den Markt gebracht, in den 60ern dann aber von den Japanern als Faserschreiber weiterentwickelt. Heute wird übrigens kein Filz mehr verwendet, sondern Spitzen aus Kunststoff mit vordefinierten Kapillaren.

1960 wurde in Hamburg die Firma „edding“ gegründet, die sich zunächst auf den Import von japanischen Filzschreibern beschränkte. Doch bald kam die Idee auf, dass es doch günstiger und vor allen Dingen profitabler wäre, einen eigenen Stift zu produzieren – und so erblickte der „edding No. 1“ das Licht der Welt. Zum Einsatz kam er nicht nur in den Büros, sondern auch in den Lagern und Werkstätten, denn die Tinte der edding-Stifte haftete auch an fettigen, feuchten und heißen Oberflächen. Produziert werden die Stifte erst seit 1993 in Deutschland, zuvor war edding ein reines Vertriebsunternehmen. Das Sortiment ist auf knapp 200 verschiedene Produkte angewachsen, darunter auch Lackstifte und Nagellack unter dem Namen L.A.Q.U.E..

Neben dem edding liegen aber noch die Stifte einer weiteren Marke auf (nicht nur) Deutschlands Schreibtischen: Schwan Stabilo. Ursprünglich war Schwan zunächst eine Bleistift-Fabrik, gegründet 1855 in Nürnberg, doch 1970 gelang dem damaligen Chef, Günter Schwanhäußer, ein großer Coup: Auf einer Geschäftsreise durch die USA beobachtete er in Chicago wie Studenten ein Stück Holz mit Schaumstoff umwickelten und es in eine braune Flüssigkeit dippten, um damit Textstellen markieren zu können. Inspiriert von dem Gedanken, dass das doch einfacher gehen müßte, entwickelte Schwanhäußer den Textmarker, der schon ein Jahr später auf den Markt kam.

Der „Stabilo Boss“ war zunächst sehr teuer – und richtete sich daher an die Zielgruppe der im Namen erwähnten Bosse. „Wir verkaufen keine gelben Linien, sondern Zeitersparnis“, soll Schwanhäußer geäußert haben und das war insbesondere für Menschen ideal, die wenig Zeit und viel Post hatten – Manager eben. Und so verschickte er als Marketingaktion seine Marker an 800 ausgewählte Manager und Minister, um sie von seinem Produkt zu überzeugen. Kurze Zeit später wurde das Produkt zum Verkaufsschlager, was Schwanhäußer nicht verwunderte, denn: „Ein Boss will doch jeder gern sein.“

Schwan Stabilo war jedoch stets sehr umtriebig und innovativ: 1925 wurde der „Dünnkernstift mit bruchfester Mine“ auf den Markt gebracht, der bis heute in vielen Federtaschen zu finden ist. Es wurden aber auch Dermatographen für medizinische Zwecke hergestellt und basierend auf den Erfolg der Dermatographen bei den Frauen der Ärzte, die sich damit gerne schminkten, weil er lang haftend und nicht verlaufend war, engagierte sich Schwan Stabilo dann im Bereich der Kosmetik und produzierte Augenbrauenstifte. Bis heute macht Schwan Stabilo als Weltmarktführer für Kosmetikstifte gut die Hälfte seines Umsatzes mit kosmetischen Produkten, die sie für nahezu alle bekannten Kosmetikmarken herstellen.

Und sie haben noch weiter diversifiziert und sind zwischenzeitlich in das Outdoor-Geschäft eingestiegen: Wer zum Beispiel einen Deuter-Rucksack sein eigen nennt, trägt ein Stück Schwan Stabilo auf seinem Rücken.

Manchmal ist es halt nur ein kurzer Weg vom Filzstift zum Rucksack….

 

 

Marken, Moneten, Menstruation – makketing Marketing Show eben!

Mmmmh, so eine schöne Alliteration…. passt aber auch zur 4. Folge der makketing Marketing Show, denn sie führt uns zu vielen spannenden Fragen: Stecken Marken in der Krise? Bedroht vom Handel und von Micro-Brands (3:23)? Führt eine neue Generation von jungen Frauen und deren Körperbewußtsein zu einem neuen Frauenbild in der Werbung für Tampons und Binden (29:36)? Wie berechnet man eigentlich sein Werbebudget (1:02:28) ? Und was schenkt man dem Marketeer zu Weihnachten (1:14:00)?

Eine vollgepackte Sendung u.a. mit unserem Makketier Sascha Johne, der sich in seiner Diplomarbeit an das Thema Menstruation in der Werbung rangemacht hat.

Benjamin stand ja diesmal quasi als Marken-Botschafter am Mikrophon. Er ist aber immer seeehr konzentriert bei der Sache, daher guckt er auch so angestrengt…. 🙂
Unsere Weihnachtsgeschenktipps sind zum einem die Sushi-Socken:
Bestellen kann man diese zum Beispiel hier bei Amazon.
Zum anderen empfehle ich das Buch „Tell me!“ von Thomas Pyczak, das im Rheinwerk-Verlag erschienen ist:
Ein wunderbarer Einstieg in das Thema Storytelling und wie man dieses geschickt im Marketing einsetzen kann.Gut geschreiben und mit vielen Beispielen aus der Praxis.
Diese Sendung wird präsentiert und unterstützt von vjsual, dem Anbieter von Erklärvideos und ist wie immer eine Produktion der Podcastmacherei.

Jetzt wird es gemütlich! Die makketing Marketing Show wird hygge!

Die dritte Episode der makketing Marketing Show ist abhörbereit:
Die dunkle Jahreszeit hat uns gepackt und wir machen es uns gemütlich… Kerzen, Kissen, Kuscheln. „Hygge“ heißt der Lifestyle-Trend, der ordentlich vermarktet wird (2:53).
Mit unserem „makketier“ Thomas Bechtle sprechen wir über den endlich grenzenlosen Konsum nach dem Mauerfall 1989 und darüber, was er sich als erstes von seinem Begrüßungsgeld gekauft hat (27:44). Das ganze Interview zum Thema „30 Jahre Mauerfall“ gibt es in unserem anderen Podcast zu hören, dem „Rendezvous unter’m Neonlicht“.
Oder direkt hier:
Als „heißen Sch..ß“ empfiehlt Benjamin das Buch „Der unvernünftige Kunde“ (43:57), geschrieben von Florian Bauer und Hardy Koth, erschienen im Redline Verlag.
Und zu guter Letzt sprechen wir über Cause bzw. Purpose bzw. Woke-Marketing und geben eine „dumme Antwort auf eine kluge Frage“ (56:08).
Hier sind die Videos, über die wir im Beitrag sprechen:

Viel Spaß beim Anhören!
Die makketing Marketing Show ist eine Produktion der Podcastmacherei (www.podcastmacherei.de).

…und zum 2.! Die makketing Marketing Show

Die Zeit vergeht ja wie im Fluge – denn schon steht die zweite Folge unserer Marketing-Show bereit, um euch mit spannenden Themen die Zeit zu vertreiben:

So sprechen wir zunächst über verbotene Werbespots in Großbritannien. Dort hat es zum einen Philadelphia

und zum anderen VW getroffen:

Was da genau los ist und wieso manche Unternehmen, wie zum Beispiel „True Fruits“, bewusst mal ganz gerne in die unterste Schublade greifen das diskutieren wir im „thematischen Thema“. Als Makketier zu Gast ist dieses Mal Daniel Heinrich von „Foodfuxx„, der uns ein wenig darüber berichtet, wie man eine Vertriebsagentur für nachhaltige Bio-Lebensmittel betreibt.

Bei der „dummen Antwort auf die kluge Frage“ klären wir diesmal, was eigentlich ein „Corporate Influencer“ ist. Und beim „heißen Schß“ stellen wir uns die Gretchen-Frage und präsentieren die „Jesus-Latsche 2019“:

Es erwartet euch also wieder ein buntes Marketing-Potpurri, präsentiert und unterstützt von der EMBA-Medienakademie, bei der ich mich herzlich bedanken möchte!

Alles hat ein Ende, nur der Ladenschluss hat zwei…drei….viele!

Jetzt ist aber Schluss mit lustig – denn die Herren von „Zweiaufeins“ entschwinden pünktlich zum Ferienbeginn in die wohlverdiente Sommerpause. Heute ist nun die letzte Sendung vor den Ferien, „Schluss“ ist das Thema und ich bin ins radioeins-Studio geladen, um ein wenig über den „Ladenschluss“ zu parlieren:

Im Deutschland des 19. Jahrhundert waren die Geschäfte in der Regel an sieben Tagen in der Woche geöffnet – und das von 5 – 23 Uhr. Die Geschäfte wurden oftmals von der Familie geführt, Ladenraum und Wohnraum waren kombiniert, häufig zudem zusammen mit der Produktion (die gute alte Backstube). Ende des 19. Jahrhunderts eröffneten die ersten Warenhäuser in Deutschland, Wohnen, Produzieren und Verkaufen war nicht mehr unter einem Dach und in Familienhand, sondern nun gab es eine wachsende Zahl von angestellten Verkäufern – und die galt es zu schützen. So wurde bereits 1891 zunächst geregelt, dass sonntags nur noch 5 Stunden verkauft werden darf. Das erste „Ladenschlussgesetz“ trat im Jahre 1900 in Kraft: Geschäfte durften werktags nur noch von 5 bis 21 Uhr öffnen, die Sonntagsruhe wurde gewahrt und für die jüdischen Geschäftsinhaber auf den Samstag erweitert.

Nach und nach verkürzten sich die Ladenöffnungszeiten weiter, mal auf freiwilliger Absprache mit den Städten und Gemeinden, mal gesetzlich geregelt: So einigte man sich erst auf einen Ladenschluss werktags um 20 Uhr, dann wurden die Öffnungszeiten auf 7 bis 19 Uhr festgelegt und die Nationalsozialisten setzten dann 18.30h als Ladenschluss fest.

Ausnahmen gab es jedoch schon immer: Für Lebensmittelgeschäfte, Kioske, Bäckereien Tankstellen, Bahnhofsgeschäfte, Apotheken und Gaststätten konnten Sonderregelungen vereinbart werden. Seit 1957 galt: Geschäfte dürfen montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr und samstags bis 14 Uhr geöffnet sein. Schon damals gab es den „langen Samstag“; am ersten Sonnabend in einem Monat durften die Geschäfte bis 18.00h offen bleiben.

1989 wurde dann der„lange Donnerstag“ eingeführt, Läden durften an diesem Tag bis 20.30h verkaufen. Lange wurde um diesen „Dienstleistungsabend“ politisch gestritten, der so genannt wurde, weil auch Behörden und Dienstleister wie Banken länger arbeiten sollten. Die Verbraucher nahmen aber diesen langen Donnerstag dankbar an.

Nach und nach wurden die Öffnungszeiten weiter liberalisiert, der „lange Donnerstag“ entfiel, da an jedem Tag bis 20.00h geöffnet sein durfte, dann kam der Samstag noch hinzu und nun dürfen Geschäfte werktags von 6 bis 20 Uhr ihre Waren anbieten und verkaufen. Sonn- und feiertags bleiben die Läden geschlossen. Natürlich gibt es auch weiterhin Sonderregelungen für Bäckereien, Geschäfte in Bahnhöfen, Flughäfen und in bestimmten Urlaubsregionen wie Kurorte. Die Ladenöffnungszeiten sind zudem nun Ländersache, d.h. jedes Bundesland kann selbst entscheiden, welche Ausnahmen es zulässt, z.B. Sonderöffnungszeiten zu Messen, Märkten, Großveranstaltungen, usw. Ging es früher noch um den Schutz der Arbeitnehmer (der zwischenzeitlich gesetzlich gesondert geregelt ist), so gerät heute immer stärker der Aspekt des Anwohnerschutzes,  insbesondere vor der Lärmbelästigung bei Anlieferung oder durch die Kunden in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Ebenso wurden europaweit die Ladungsöffnungszeiten dereguliert, so gibt es in Tschechien kein Ladenschlussgesetz, in England gibt es werktags keine Beschränkungen, dafür aber sonntags besondere Regeln: Märkte mit mehr als 280 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen lediglich für sechs Stunden öffnen, und um 18 Uhr muss Schluss sein. Kleinere Läden dürfen auch sonntags rund um die Uhr verkaufen.In Österreich wird der Ladenschluss etwas strenger gehandhabt.

„Öffnungszeiten 24/7“ (24 Stunden, 7 Tage die Woche) sind weltweit zur Normalität geworden: Ob in China, Brasilien oder den USA, überall können zumindest kleine Anbieter ihre Waren rund um die Uhr anbieten. Oftmals sind diese Läden wieder Familienbetriebe, geführt von Immigranten und Zuwanderern, die sich damit etablieren und einen Lebensunterhalt schaffen, in dem sie es den wachsenden und lang arbeitenden Mittelschichten ermöglichen, zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren zu können.

Und wir hier in Berlin? Wir haben unsere Spätis! Doch auch diese sind unter Druck geraten, was die Öffnungszeiten angeht, wie ihr in diesem makketing-Beitrag nachlesen und -hören könnt.

 

 

 

Beidseitig verwendbar – der Erfolg liegt auf der Hand

Diesmal erreichte mich die Anfrage der charmanten „Zweiaufeins„-Redakteurin als ich gerade auf dem…..Bürostuhl saß, so dass die Anfrage, zum Thema „Blatt“ doch etwas über Toilettenpapier zu erzählen, für mich nicht von der Hand zu weisen war. Also auf ins radioeins-Studio!

Anlass für das Thema war der neuerliche Hype im stillen Örtchen: Nach Einhorn- und Weihnachtspapier mit Spekulatiusduft ist das Papier nun – vorerst natürlich nur limitiert – auf den Hund gekommen, genauer gesagt auf den Mops. Fast schon gelangweilt muss ich feststellen, dass sich die übliche Erregungskurve wiederholte: Hamsterkäufe, Ausverkauf, Preisexplosionen bei Ebay, Nachproduktion. Never change a winning Klopapier-Hype…

Natürlich müssen Menschen schon seit Menschengedenken – und sich hinterher auch irgendwie säubern. Jede Menge Hilfsmittel kamen dabei zum Einsatz: Gras, Blätter, Fell, Lumpen, Muschelschalen, Heu, Stroh, Moos, eingeweichte Maiskolben,  Holzspäne, auf Stöckchen aufgespießte Schwämmchen (bei den alten Römern), flache Steine ( bei den alten Griechen), Kokosnussrinde (auf Hawaii), und alles, was gerade so in der Nähe herumfleuchte. Forscher gehen tatsächlich davon aus, dass die Menschen sich sogar mit herumlaufendem Federvieh, also Hühnern, Gänsen und Enten, den Po abwischten.

Das erste Klopapier gab es bereits im 14. Jahrhundert in China. Für den Kaiser wurde es 1391 erstmals hergestellt, und es muss ein Erfolg gewesen sein, denn das kaiserliche Versorgungsamt ordnete eine Jahresproduktion von 720.000 Blatt an. Wobei ein solches Blatt etwa einen halben Quadratmeter groß war, von dem man kleine Fetzen für das Hinterteil riss.

In einer Fabrik wurde Klopapier erstmals 1857 hergestellt, und zwar von Joseph Gayetty in den USA.  Es bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloe-Extrakten getränkt. Er bewarb es bis in die späten 20er als „Gayettys medicated Papers“.

1871 wurde Seth Wheeler zum offiziellen „Erfinder“ von Toilettenpapier, denn er ließ sich gerolltes und perforiertes Papier patentieren und verkaufte als erster Toilettenpapierrollen.

Wenig später, 1890, gründetenThomas Seymour, Edward Irvin and Clarence Wood Scott die Scott Paper Company in Philadelphia. Allerdings scheute die Firma sich, den eigenen Namen auf dieses anrüchige Papier zu drucken. Auch in England, wo in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln auf den Markt kam, war man schamhaft. Der Hersteller W.C. Alcock bot sein Produkt als „Papierlockenwickler“ an. Ab 1896 produzierte die Scott Paper Company Toilettenpapier unter ihrem eigenen Markennamen und wurde 1925 weltweit führende Klopapier-Marke.

In Deutschland sollte es bis 1928 dauern, denn auch hierzulande galt das Produkt als anrüchig, man hantierte bis dato mit Zeitungspapier oder Blättern. Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk  produzierte das neue Klopapier zwar zunächst aus Krepp, aber seine Rolle hatte immerhin 1.000 Blatt, die alle perforiert waren und so leicht von der Rolle gingen. Damit sich die Käufer nicht in Grund und Boden schämen mussten beim Erwerb von Klopapier, warb Klenk mit dem Spruch: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Hakle führte 1972 das zweilagige und 1984 das dreilagige sowie bereits 1977 das feuchte Toilettenpapier in Deutschland ein. In der DDR hingegen blieb Krepppapier die einzig verfügbare Sorte.

Während man in Deutschland das Klopapier faltet, wird es in England, Frankreich und Südeuropa (jeder dritte) sowie in den USA (fast jeder) geknüllt. Daher ist Toilettenpapier in den USA sehr flach und weist kaum Struktur auf (für den deutschen Markt ungeeignet). Jeder Amerikaner verbraucht im Durchschnitt 57 Blatt am Tag. Für die deutschen Falter ist hingegen die Reißfestigkeit des Papiers wichtig – und es ist von großer Bedeutung, dass das Toilettenpapier flauschig-zart und 2-, 3-, 4-lagig ist, es gibt über 80 verschiedene Sorten in Deutschland. Selbst 5lagiges Papier ist mittlerweile im Angebot; wer die Preise von Toilettenpapier vergleicht, muss allerdings beachten, dass er vom fünflagigen Papier in der Regel weniger Blatt pro Sitzung braucht als vom dreilagigen – und daher auch länger damit auskommt, was den höheren Preis zusätzlich rechtfertigen mag.

2016 verbrauchten die Deutschen fast drei Milliarden Rollen, was 18 Kilogramm je Bundesbürger im Jahr entspricht. In den letzten zehn Jahren ist der Bedarf von 1 auf 1,5 Millionen Tonnen Toilettenpapier allein in Deutschland gestiegen.

Düfte werden übrigens nicht auf das Papier aufgetragen, denn der Po soll mit Duftstoffen nicht in Kontakt kommen. Getränkt wird lediglich die Papprolle, auf der das Papier aufgewickelt ist. Farben hingegen sind sehr umstritten: Die Kommunen und Gemeinden haben größere Probleme, den Farbrückständen in den Kläranlagen Herr zu werden. Ausserdem ist es umstritten wie viel der Farben unsere Schleimhaut am Popo aufnimmt und wie schädlich diese sind. Dermatologen raten daher, auf Farbstoffe im Toilettenpapier generell zu verzichten.

 

 

 

 

Nicht mehr alle heißen Tassen im Schrank…

Selbst im fernen Sauerland bin ich immer erreichbar für die Fragen und Nöte des „Zweiaufeins„-Teams – und diesmal trieb sie die Frage um, ob in der heissen Tasse mehr drin ist als nur heisse Marketing-Luft. Das radioeins-Interview kann hier nachgehört werden:

Ein bißchen mehr als Luft ist schon in den Tütensuppen zu finden: Kartoffelstärke für die Sämigkeit, billige Süßungsmittel wie Maisfruktose, Anti-Klumpmittel, Phosphate, zu viel Salz, viele, viele Kalorien… viel interessanter ist jedoch, was in diesen „ready-to-heat“-Mahlzeiten nicht zu finden ist: Vitamine, Mineralstoffe oder irgendetwas Nahrhaftes. Selbst die auf der Tüte oder Tasse abgebildeten Bestandteile sind nur in winzigen Spuren vorhanden: Champignoncreme enthält nur 0,6 gr Pilzextrakt, Rindfleischsuppe nur 0,3 gr Rindfleischextrakt – und Extrakte sind letztendlich nichts anderes als billig herzustellende Aromastoffe.

Wie zum Beispiel bei Hefe-, aber auch Soja- oder Weizenextrakten handelt es sich hierbei um die löslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Zellen und diese Extrakte bilden die Grundlage der wahrgenommenen Aromen. Sie enthalten viel natürliches Glutamat (wie zum Beispiel auch Parmesan oder Pilze), das im Mund das Umami-Geschmacksgefühl auslöst, aber eben auch im Verdacht steht, unsere Sättigungsbremse auszuhebeln und somit die Appetitregulation zu verändern. Diese Aromastoffe gauklen unserem Körper vor, etwas Gesundes zu essen, obwohl er eigentlich nur nicht verwertbaren Müll bekommt.

Das Tolle (für die Food-Industrie) ist jedoch, dass das natürliche Glutamat laut der deutschen Zusatzstoff-Zulassungsverordnung eben kein Zusatzstoff, sondern eine Zutat, also ein Lebensmittelbestandteil ist – und daher nicht gesondert ausgewiesen werden muss (im Gegensatz zu künstlichem Glutamat) Und somit können die Hersteller nun frank und frei damit werben, dass ihre Produkte „natürlich ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“ oder „ohne künstliche Geschmacksverstärker“ angerührt wurden. Das macht sich natürlich gut auf den Verpackungen, auf denen wir auch keine E-Stoffe mehr zu lesen bekommen, denn diese schrecken den Verbraucher ab. Im Zuge des „Clean Labeling“ werden diese Zutaten nun ausgeschrieben, denn „Zitronensäure“, „Milchzucker“ und „Weizenextrakt“ klingen gleich viel besser.

Doch was will man als Konsument auch anderes erwarten bei einem Preis von 0,89 € für 3 Teller Steinpilzsuppe? Und selbst bei diesen Preisen wäre selbstgemacht immer noch billiger, schmackhafter und gesünder, wie die Verbraucherzentrale Hamburg nachweist.

Aber Schnelligkeit und Bequemlichkeit und die leckeren, leckeren Aromastoffe sind eben unwiderstehliche Argumente….