Geht ins Ohr, bleibt im Kopf

„Fein“ ist diesmal das Thema bei den Herren von „Zweiaufeins“ und bei der Vorbereitung sind sie über einen alten Werbeklassiker gestolpert, bei dem die Unterschiede nicht riesig sind, aber fein: Chantré:

Grund genug, mich wieder einmal ins Studio einzuladen, um über Werbesprüche zu sprechen – und warum manche besser im Kopf bleiben als andere.

Chantré – der weiche Weinbrand…. steckte wie seine Wettbewerber Asbach Uralt, Mariacron,Scharlachberg und Dujardin Mitter der Achtziger in der Krise, denn durch zwei Erhöhungen der Branntweinsteuer wurde die Flasche fast 40% teurer. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch sank daraufhin spürbar von 8 auf 6,5 Liter. Es galt also, sich von der Konkurrenz abzugrenzen: Waren die anderen Weinbrände eher kräftig, punktete Chantré nun als mild und weich – mit Erfolg, der Absatz zog wieder an.

„Für das Beste im Mann“, „Nichts ist unmöglich…“ oder „Da weiß man, was man hat“ – ganz viele Claims und Slogans sind tief in unserem Gedächtnis verankert. Was macht nun den Erfolg dieser Werbesprüche aus? Und wieso können wir uns eher an die Werbungen von früher erinnern als an die von heute?

Einer der vielen Erfolgsfaktoren ist der Rhythmus: Alles was sich reimt oder gar mit einer Melodie, also Gesang, verbunden wird, geht direkt in den Kopf: „Waschmaschinen leben länger mit….“ oder auch „Ich will so bleiben wie ich bin – ….“ Da hat man doch gleich den entsprechenden Song im Kopf!

„Was Goethe war für die Erbauung, ist Bullrich-Salz für die Verdauung “ oder auch „Mars macht mobil – bei Arbeit, Sport und Spiel“, „Heute bleibt die Küche kalt, da gehen wir in den….“ – in den 50ern, 60ern und 70ern wurde noch ordentlich gereimt in der deutschen Werbewelt.

Doch mit der Zeit sank unsere Aufmerksamkeit, Werbesprüche mussten kürzer werden, auf den Punkt gebracht: „Brille?….“, „…can do“, oder „…. lohnt sich“ zeigen, dass wir heute gar keine Zeit mehr haben, gereimte Slogans zu verinnerlichen, sondern die Würze in der Kürze liegt.

Ganz entscheidend für den Erfolg eines Werbespruchs ist die Frequenz, die Wiederholung. Umso öfter wir einen Slogan hören und lesen, desto nachhaltiger wird er im Kopf verankert. Kein Wunder, dass gerade bei Daniel, Sven und mir so viele Sprüche im Gedächtnis geblieben sind, denn in unserer Kindheit gab es genau zwei Fernsehsender, die Werbung ausgestrahlt haben: ARD und ZDF, geballt, konzentriert und reguliert im Vorabendprogramm, also wenn wir unsere geliebten Serien wie „Väter der Klamotte“ oder „Hart, aber herzlich“ sahen. Es waren immer die gleichen Werbespots, die sich da in unser kollektives Gedächtnis hineingefräst haben. Und da wir mangels Auswahl alle vor den gleichen beiden Sendern saßen, wanderten viele der Slogans auch in den allgemeinen Sprachgebrauch: „Ist der neu?“ wurde spaßeshalber stets mit „Nein, mit Perwoll gewaschen“ beantwortet – „nicht immer, aber immer öfter!“ „Mit Brille wär das nicht passiert“, „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ oder „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ – wenn wir diese Sätze nutzen, können wir fast sicher sein, dass unser Gegenüber weiß, wovon wir sprechen.

Natürlich helfen auch alle Verballhornungen von Werbesprüchen, den Absender noch tiefer zu verankern: „Wenn’s hinten kneift und vorne beißt, nimm….“, „Der Mann ist tot, die Witwe kichert, denn er war….. versichert“.

Natürlich ist das kein deutsches Phänomen: „Good things came to those who wait“ vom Guinness Beer gilt als der meistzitierte Werbespruch in Großbritannien,

gefolgt von Tescos „Every little helps“. In den USA hat sich „If your grandfather hadn’t worn it, you wouldn’t exist.” von Old Spice als Dauerbrenner erwiesen.

Also: Rhythmus, Prägnanz, Frequenz – mit diesen drei Zutaten können Werbesprüche zum Kult werden!

Aus dem Wald ertönt die Bitte…

Na, wer kann diesen Titel vervollständigen? Ich würde mal vermuten, niemand aus meiner geschätzten Leserschaft, der unter 30 ist….. unter 40? Wird auch schon schwer. „…nimm die Hand von meiner Paechbrot-Schnitte!“ Diese und andere Werbereime der Firma Paechbrot konnte man in den 80ern in den Berliner U-Bahnen finden – und sie haben sich hervorragend in unsere Gehirne eingebrannt.

Ralf Maltzahn Bauabteilungsleiter Amt Bad Oldesloe-Land
Ulli-Frechdachs: Ich bin Produkttester für die Milka Lila Pause!!!

So wie die Farbe der schönsten Pausen. „Pause“ ist auch das Thema bei den Jungs von „Zweiaufeins“ und coronabedingt sprachen wir am Telefon über das Verschwinden der gut merkbaren Werbeclaims und nicht im radioeins-Studio.

„Wenn einem also Gutes widerfährt, dann ist das einen Asbach-Uralt wert.“ Nur einer von vielen Klassikern der deutschen Werbesprüche, der selbst schon „asbachuralt“ ist, aber dennoch in vielen Köpfen herumgeistert. Doch was bleibt von den aktuellen Werbungen in unseren Köpfen? So gut wie nichts.

Das hat nun mehrere Gründe. Der erste liegt in der Zersplitterung der Medien-Landschaft. Wir hatten ja früher nichts, und vor allen Dingen keine große Auswahl an Medien. Im Fernsehen gab es lange Zeit nur zwei Sender, die äußerst begrenzte Werbeblöcke ausstrahlten (ARD & ZDF) und selbst als die privaten Sender dazu kamen, war das noch ziemlich überschaubar. Gleiches galt für die Radiosender. Gut, dafür ging man häufiger ins Kino, wo die Werbeblöcke noch deutlich länger waren. Aber das alles ist nichts im Vergleich zu der Vielzahl der analogen und digitalen Medienkanäle, die wir heute zur Auswahl haben.

Hat ein Unternehmen früher also seine Spots im deutschen Werbefernsehen plaziert, konnte es sicher sein, eine große Zahl von Menschen damit zu erreichen – und durch viele Wiederholungen auch die nötige Frequenz an Kontakten herzustellen, die es benötigt, um eine Botschaft dauerhaft in den Köpfen unterzubringen. Heute gilt es zunächst einmal, die zielgruppenkonformen Kanäle zu bestimmen – und selbst dann ist die Auswahl der buchbaren Medien noch riesig. Das Dilemma der Werbetreibenden liegt darin, sich entweder auf wenige Kanäle zu konzentrieren und diese hochfrequent zu bespielen, was aber stets bedeutet, auch viele Menschen nicht zu erreichen, oder aber breit zu streuen und viele Kanäle auszuwählen, wo man dann aber (auch aus Kostengründen) selten die nötige „Verankerungskontaktzahl“ erreicht.

Ein zweiter Grund ist in unserem Medienkonsum-Verhalten zu finden: Wir haben Antikörper gegen Werbung entwickelt und wissen, diese gut zu vermeiden. Bei Fernsehen wird einfach weggezappt, wenn der Werbeblock beginnt, falls wir überhaupt noch werbefinanziertes Fernsehen schauen und nicht schon längst die oft werbefreien oder zumindest -reduzierten Mediatheken oder Streamingdienste nutzen. Auch Radiosender werden zumindest von jungen Zielgruppen nicht mehr gehört, wozu auch, es gibt doch Soundcloud, Spotify & Co.

Das ist dahingehend für unsere Werbesprüche besonders dramatisch, da sich diese über unseren Hörsinn in unsere Gehirne einnisten, und zwar besonders gut, wenn sie sich reimen oder gar gesungen werden. Brechen nun aber die Medien weg, die die Ohren ansprechen (und wir haben momentan auch dank der sozialen Medien eine sehr starke Bildlastigkeit in der Kommunikation), dann verankert sich eben nichts mehr.

Zu guter Letzt gibt es einfach kaum noch gute Claims. Viele Unternehmen agieren multinational oder gar global und wählen deshalb englische Claims, die hier von vielen gar nicht verstanden und auch nicht so gut gemerkt werden wie die guten alten deutschen Reime. Statt „Hoffentlich Allianz versichert“ heißt es heute eben „Axa – Know You Can“. Na vielen Dank auch.

Kleiner Test: Wer kennt den aktuellen Claim

a) des „Spiegel“?

b) von Zalando?

c) von Obi?

Lösung

a) Wir halten der Welt den Spiegel vor.

b) free to be

c) Alles machbar. Mit Obi.