Ich geh‘ mal in den Garten und pflück‘ mir frischen Fisch!

Klingt absurd, oder? Aber es gibt eben auch „veganen Fisch“ und darüber sprach ich vor einiger Zeit mit Daniel von „Zwei auf eins“ im radioeins-Interview:

Nun sind vegane Produkte keine Neuheit mehr und auch vegane Fischprodukte oder Meeresfrüchte gibt es als Nischenprodukte schon seit geraumer Zeit. Aber Frosta hat sich des Themas angenommen und ist nun – wenn auch vorsichtig – in die Offensive gegangen mit „Fisch vom Feld„.

Die Überfischung der Meere, wachsendes Umweltbewusstsein und der Umstieg der Verbraucher auf nicht-tierische Produkte beschäftigen die Fischbranche, wobei der generelle Trend zu veganen Produkten nach wie vor ungebrochen ist: So verzeichnet die Firma Quorn, die seit 1985 vegetarische Lebensmittel herstellt, gerade die besten Verkaufszahlen in ihrer Geschichte und die Rügenwalder Mühle wird in 2020 voraussichtlich fast 40% ihres Umsatzes mit Fleischalternativ-Produkten erwirtschaften.

Für Frosta geht es dabei nicht nur um ein gutes Image, sondern tatsächlich auch um ein ökonomisches Problem: Fisch und Gemüse werden im Einkauf immer teurer: Der Preis für Alaska-Seelachs stieg in 2019 allein um fast 50%. Aber diese Preiserhöhung lässt sich nicht einfach an den Kunden weiterreichen und im Handel durchsetzen, so dass die Margen in den Keller fielen.

„Fisch vom Feld“ soll also nun der Rettungsschlag aus diesem Dilemma werden:

Weiße Bohnen, Blumenkohl und andere weiße Gemüsearten bilden die Grundlage, denn der Gemüse-Fisch muss ja weiß aussehen, was bei vielen anderen proteinhaltigen Lebensmitteln einfach nicht der Fall ist. So färben Algen oder grüne Bohnen den Fisch eben – grün. Nicht so appetitlich….

Auch auf Soja wurde aus Umweltgründen verzichtet. Doch der alternative Fisch sollte nicht nur wie Fisch aussehen, er musste auch so schmecken und das gleiche Mundgefühl erzeugen. Da kommt nun ein kleiner Trick zugute, denn viele der Fischprodukte werden ja paniert verzehrt – und da sitzt das knusprige Gefühl und viel von dem Geschmack. Und, Hand auf’s Herz, so ein Fischstäbchen schmeckt nun wirklich selten nach Fisch…. Panade, Soße, Beilage und schon ist die Illusion perfekt!

Und so ist „Fisch vom Feld“ frei von deklarations­pflichtigen Zusatz­stoffen, Geschmacks­verstärkern, Aromen, Farb- und Konservierungs­stoffen.

Wem jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft und wer sofort zum nächsten Supermarkt des Vertrauens sprinten möchte, den muss ich leider enttäuschen: Die Produkte werden zunächst in Großküchen, Kantinen und der Systemgastronomie getestet.

Wer jedoch in Berlin wohnt, der könnte sich die Wartezeit ein wenig verkürzen, in dem er vegane Sushi probiert, zum Beispiel im Secret Garden in Friedrichshain!

Ich persönlich muss bei diesem Thema ja die ganze Zeit an etwas völlig anderes denken, nämlich an „Findet den Fisch!“ (Guck doch mal im Rüssel nach!). Aber ich gehöre ja auch zur Generation W (?!). Für alle anderen:

 

 

 

 

Auch Sie, ja Sie, können mit Porno ganz groß rauskommen!

Dass ich so etwas titeln würde, habe ich mir auch nie träumen lassen, aber es ist wahr: Porno kann kleinen Unternehmenden den großen Erfolg bringen. Und Sie müssen sich noch nicht einmal ausziehen dafür!!

Pornhub, die kanadische Plattform für die schnelle Befriedigung zwischendurch, bietet kleinen Betrieben nämlich „ein großes Paket“ an:

Weltweit (!) können sich Unternehmen dafür bewerben, solange diese weniger als 100 Mitarbeitende haben. 1.000 Businesses werden ausgewählt und erhalten kostenfreie Werbeschaltungen, die zudem von der Pornhub Agentur Officer & Gentleman ebenso kostenfrei gestaltet werden.

Ok, warum sollte man als aufstrebende kleine Firma nun ausgerechnet auf Pornhub werben? Simple Antwort: Reichweite. Laut Pornhub besuchen 120 Millionen „unique visitors“ die Seite täglich. Pornhub verspricht, insgesamt 1 Milliarde Page-Impressions zu verschenken.

Porno ist ja zwischenzeitlich gesellschaftsfähig und Mainstream geworden – und hat nichts mehr mit den schmuddeligen Bahnhof-Kinos zu tun, in die sich früher Männer mit hochgestellten Mantelkrägen hineingeschlichen haben. Alle Altersklassen, alle Geschlechter, alle Bildungsgrade tummeln sich auf den xxx-Seiten. Und die zehn ausgewählten Beispiele im Video zeigen ja auch, dass die Betreiber*innen sich nie vorstellen konnten, je auf einer Pornoseite zu werden, es ihrem Geschäft aber durchaus einen kleinen Turbo gebracht hat.

Natürlich ist dies auch ein cleverer Marketing-Stunt von Pornhub, um damit das eigene Werbegeschäft zu promoten. Kreativ waren sie schon immer, ob sie nun Familienspots zu Weihnachten produzierten, Gutscheine für den Valentinstag verschenkten oder einfallslosen Kindern bei der Wahl des Muttertagsgeschenkes halfen:

Einfacher war es jedenfalls nie für kleine Unternehmen, kostenfrei eine hohe Reichweite zu bekommen. Also bewerbt euch und mit etwas Glück sprechen auch eure Neukunden euch demnächst mit „Ich hab da ihre Anzeige bei Pornhub gesehen“ an….

Das bisschen Werbung macht sich doch von selbst, sagt mein Chef…

Der schlimmste Satz lautet in allen Unternehmen gleich: „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Dicht gefolgt von: „Das bisschen Marketing macht bei uns der Chef mit“. Warum das zu kurz gedacht ist, habe ich im radioeins-Interview mit den Herren von „Zweiaufeins“ erörtert:

Wie im Interview erzählt, gibt es immer die Möglichkeit, Botschaften in die Köpfe der Konsumenten reinzuhämmern – wenn man das entsprechende Budget dafür zu Verfügung hat. Wenn nicht, dann heißt es: „Auffallen um jeden Preis!“. Aber ob ich beim nächsten Mal, wenn ich „Gas, Wasser, Scheiße“ denke, mich automatisch an Werner Harm erinnern werde….ich bezweifle es.

Neudeutsch gesprochen ist es in diesem Beispiel jedoch schon einmal gelungen, „Content“ zu schaffen, denn natürlich habe ich das Bild auf allen meinen sozialen Kanälen geteilt und Herrn Harm damit mehr Kontakte beschert, als er vielleicht auf klassische Weise erreicht hätte.

Im Marketing verschieben sich die Schwerpunkte: Es geht heute nicht mehr darum, mit langweiligen Werbebotschaften den Menschen auf die Nerven zu gehen, sondern stattdessen diese lieber quasi magisch anzuziehen, in dem man ihnen an möglichst vielen Kontaktpunkten spannende Inhalte anbietet. Inbound-Marketing wird das genannt und soll die neue Allzweckwaffe gegen Werbemüdigkeit sein (meine Skepsis schimmert hier etwas durch…).

Aber im Grunde mache ich hier nicht anderes: Mit dem radioeins-Interview habe ich unterhaltsamen Content geschaffen, den ich hier im Blog noch einmal aufbereite. Und natürlich poste ich dieses Blogbeitrag bei Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing und Instagram und multipliziere so den Content – wie seid ihr zu diesem Post gekommen?

Und wenn jetzt irgendwann mal jemand einen Workshop, Vortrag oder einen Dozenten zum Thema „Inbound-Marketing“ sucht – bei Google beispielsweise -, dann findet er/sie diesen Blogbeitrag und nimmt mit mir Kontakt auf und bucht mich.

Doch das ist natürlich noch nicht alles, den zum Inbound Marketing gehören auch Themen wie Suchmaschinen-Optimierung und -Werbung, Whitepaper, Podcasting, PR, Webinare und vieles mehr dazu.

Wer sich für dieses Thema interessiert – kann natürlich Kontakt mit mir aufnehmen – oder aber einen Blick auf das Angebot der XU-Group werfen, denn für diese habe ich gerade zwei Learning Journeys zu den Themen „Inbound Marketing“ und „Paid Media“ entwickelt und kuratiert mit einem Umfang von jeweils 160 Stunden.

Es ist also komplex – und weit mehr als nur „ein bisschen Werbung“. Natürlich sollte der Chef wissen, was in seinem Marketing passiert, aber alles alleine machen….?!

P.S.

Auch den Titel dieses Posts habe ich einem Song-Klassiker entlehnt, den die „alten Säcke“ unter uns noch kennen – für alle anderen hier noch das Original:

How I never met your mother

Viele Branchen sind von der Corona-Krise hart gebeutelt, so auch die Gastronomie. Gemütlichkeit und schöne Atmosphäre mögen angesichts der Hygiene-Auflagen nicht aufkommen, so dass nach wie vor Take-away und Home-Cooking angesagt sind. Doch:

Bei uns sind nicht nur Menschen zu Gast, sondern auch Innovation und Austausch, Trends und Tradition, Kultur und Politik.

schreiben die Initiatoren des „Leaders Club“ und deshalb versuchen sie, mit der Kampagne #ohnegastokeinhappyend auch darauf aufmerksam zu machen, welch wichtige Rolle Cafés, Bars und Restaurants in unseren Lieblingsfilmen und -serien spielen.

Auf der Website finden sich alle Motive zum Download  und zur Weiterverbreitung, in Hamburg hängen die Motive dank der freundlichen Unterstützung der Wall AG auch in der Öffentlichkeit.

Und in der Tat: Was wäre „Friends“ ohne das Central Perk?

Ein gelungener Ansatz, mit viel Kreativität aufzuzeigen, dass Orte, an denen wir uns treffen, um gemeinsam zu speisen, so viel mehr sind als nur Essen und Trinken:

Wir sind Zuflucht, Treffpunkt, Wohnzimmer und Speisekammer. Wir begleiten Menschen ihr ganzes Leben. (…)

Wir sorgen dafür, dass unsere Zunge Augen macht. Bei uns schmeckt, fühlt, riecht, sieht und hört man sich einmal um die Welt.

führt der Leaders Club aus. Und vielleicht ist dieser Ansatz auch eine Vorlage für andere Branchen? Wo hätte Bastian Balthasar Bux die unendliche Geschichte mitnehmen können, wenn die Buchhandlung geschlossen gewesen wäre? Und wohin hätte Tony Lip im „Green Book“ den Pianisten Don Shirley gefahren, wenn keine Konzerte mehr stattgefunden hätten? Und auch der „Little Shop of Horrors“ funktioniert nur schlecht, wenn der Amazon-Bote Audrey II nach Hause bringt…

Events, kleine Geschäfte, Buchläden, Reisen sind so viel mehr als nur die wirtschaftlichen Aspekte, die momentan im Vordergrund stehen mögen. Aber diese Aspekte sind für viele Menschen abstrakt. Doch wenn man Mneschen erreichen, berühren und aufrütteln möchten, dann muss man konkreter werden. Der Leaders Club geht meiner Meinung nach hier einen Schritt in die richtige Richtung. Dringend zur Nachahmung empfohlen!

 

 

Wenn bei Genua die rote Sonne hinter der Akropolis versinkt…

Manchmal werde ich ja das Gefühl nicht los, dass einige Marketing-Abteilungen ihre Kunden für komplett blöde halten, so z.B. Barilla.

 

Zappe ich doch neulich entspannt durch die Werbeblöcke und entdecke folgenden Spot:

Basilikum, Parmesan, Pesto alla Genovese – doch halt, was läuft denn da im Hintergrund? Ein Sirtaki?? Ein Tanz in der Tradition griechischer Volkstänze? Das nenne ich mal Beliebigkeit.

Nun könnte man ja argumentieren, dass im vereinten Europa das alles egal ist und irgendwie Mittelmeerraum eben Mittelmeerraum sei. Hauptsache, es klingt nach Urlaub. Und schließlich gab es in der Antike auch griechische Kolonien auf dem italienischen Festland und Sizilien (gut, bis nach Genua sind sie nie gekommen, aber egal…). Aber warum nennt man das Pesto dann nicht gleich „mediterraneo“? Die betreuende Agentur sitzt wohl in Amsterdam, bei der Entfernung kann man schon mal etwas verwechseln, aber hat denn bei Barilla niemand diesen Spot abgenommen?

Wie man es dreht und wendet, es stimmt vorne wie hinten nicht. Und ich finde es ärgerlich. Denn wenn beim Spot schon geschummelt wird, dann möchte ich gar nicht wissen, was beim Produkt alles nicht ganz „sauber“ ist. Nebenbei bemerkt, kann man sich sein Pesto auch ganz leicht selbst machen – und es gibt übrigens auch sehr schöne traditionelle Musik aus Genua:

Billie, Billie don’t you lose my number…

„Kunde droht mit Anruf“, ist ja immer noch ein gern gemachter Scherz in manchen Büros, gemacht oftmals von dem leicht feisten Kollegen mit den Diddl-Socken. Tatsächlich lässt sich an der Kunden-Hotline bestens ablesen, wie viel wir dem Unternehmen wirklich wert sind und wie ernst man uns nimmt.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Mobilfunk: Bei Anbieter 1 sprach ich immerhin mit Menschen, allerdings weiß ich bis heute nicht, wo die eigentlich saßen und ob sie meiner Sprache überhaupt mächtig waren, denn anscheinend lasen sie nur ab, was auf dem Monitor vor ihnen stand. Auf meine Rückfragen konnten sie nicht antworten, so dass das Gespräch leider erfolglos beendet wurde. Aber mir wurden wiederholt irgendwelche Gigabyte angeboten, die ich weder brauchte noch wollte.

Bei Anbieter Nummer 2 sprechen nur noch die Chatbots – und damit es nicht zu eintönig wird, gibt es eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber auch die haben mir bei meinem Problem nicht helfen können. Ich rief dann übrigens direkt bei dem Shop an, wo ich tags zuvor das sündhaft teure Handy gekauft hatte, das nun Probleme bereitete, aber auch dort gelangte ich – egal zu welcher Zeit – nach 2x Klingeln direkt zum Anrufbeantworter.

Ich glaube, von diesen Geschichten hat jeder welche auf Lager. Wenn man ein Problem hat, dann soll man bloß nicht anrufen, denn im Zweifelsfall gibt es bereits bei YouTube ein Video dazu.

Wie un-end-lich dumm und kundenunfreundlich. Es geht nämlich auch ganz anders:

Taika cans with telephone number on it

Taika, finnisch für Magie, bringt Kaffee in Dosen auf den Markt. Das besondere sind hier die beigefügten Adaptogene, biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Doch es geht mir gar nicht um das Produkt. Sondern um die nicht sehr unauffällig platzierte Telefonnummer auf den Dosen.

Kalle Freese, einer der Gründer, erklärte dies im Interview:

This is the perfect example of the “wow” experience I love to create for my customers. (…) With Taika, we’re building the version 3.0 of what I call “scalable hospitality:” leveraging technology to accentuate the product experience and enable our customers to connect with the brand in a fun and accessible way.

In the beginning, I put my personal number on the cans so people could text us feedback and order more. It worked so well that we decided to put the number front and center. We’ve had some hilarious philosophical discussions with people trying to figure out whether they’re talking to a bot or a human. It’s fun and weird—a pretty good substitute for not being able to go to your local coffee shop right now.

(Quelle)

Jetzt könnte man meinen, das sei ja nur ein kleiner Gag, aber an anderer Stelle berichteten die Gründer, dass diese direkte Erfahrung, die die Kunden mit der Marke machen, nicht nur die Bindung erhöht, sondern auch eine hervorragende Form der Marktforschung ist und sie viele Interessenten, die sich nur mal „just for fun“ gemeldet hatten, nach 15 – 20 Textnachrichten zum bestellenden Kunden verwandelten.“Ruf! Mich! An!“ funktioniert also auch, wenn man seine Kunden nicht anschreit und mit der Peitsche bedroht…

Man muss eben nur zuhören und seine Kunden als Impulsgeber verstehen – und schon bekommt der Begriff „Kundenwert“ eine ganz neue Bedeutung! Es liegt an der grundsätzlichen Philosophie hinter dem Produkt, denn die Ausgangsfrage der Gründer lautete: „Wie fühlst du dich, wenn du Kaffee trinkst?“. Das führt zu ganz unterschiedlichen Aspekten, denn der eine Kaffee morgens soll uns wach (und ansprechbar) machen, der Kaffee am Nachmittag uns entspannen und der Espresso nach dem Essen soll das Völlegefühl nehmen.

James Hoffmann, einer der Investoren, nennt diesen Ansatz: „Coffee as a destination“

Ok, um ehrlich zu sein, der Kundenwert funktioniert natürlich auch bei Taika (folgt ihnen auf Instagram!) noch im ganz klassischen Sinne, denn eine Dose kostet 5 – 6 $….

Als ich diesen Preis das ersten Mal las, brauchte mein schwaches Herz erst einmal einen frisch gebrühten Kaffee – ganz ohne Adaptogene.

Abschließend für alle diejenigen, die sich an den tollen, titelgebenden Song von Phil Collins aus dem Jahre 1985 nicht erinnern können, hier noch zum Abschluß – vielleicht als Begleitung zum Heißgetränk –  das *räusper* epische Musik-Video:

Heute schon gequencht?

„Mensch, schmeckt das stark!“ – so gehen gute Slogans! Ihr ahnt schon, dass etwas „stark“ schmeckte, ist lange, lange her und hat etwas mit Kindheit in den 70ern zu tun. Auch die Herren Finger und Oswald sind nicht mehr die Jüngsten und so luden sie mich zum Gespräch (corona-bedingt nicht ins radioeins-Studio), denn diesmal ging es um „Pulver“ – und hier um ganz besondere „Zaubermittel“…

Wer in den späten siebziger und achtziger Jahren seine Kindheit im Westen verbracht hat, der kann eigentlich an „Quench“ nicht vorbei gekommen sein, denn viele Sommer lang war es das angesagte Erfrischungsgetränk. Beutel aufreissen, das Pulver in eine Karaffe Wasser geschüttet, umgerührt, am besten noch Eiswürfel rein und schon war der Durstlöscher fertig! Den Geschmack von Quench haben wahrscheinlich noch viele von uns auf der Zunge….

Das große Rühren war damals durchaus normal, denn es gab noch viele andere Getränke wie Cefrisch, Lipton Ice Tea und und und. Für die Muttis und Vatis war es zum einen leichter, 20 Beutel aus dem Supermarkt mitzubringen als eine Kiste Glasflaschen (PET gab es damals noch nicht) – und es war auch billiger. Und natürlich machte man sich damals weder große Gedanken über den Zuckergehalt noch über die Künstlichkeit – Hauptsache, die Kinder waren nicht mehr durstig!

Für den großen Quench-Verbrauch gab es nicht nur die Beutel, sondern auch Quench in der Dose, mit praktischem Portionierer – ich habe heute noch den Geruch in der Nase, der einem entgegenströmte, wenn man die Dose öffnete. Und natürlich machte auch die Werbung unmissverständlich klar, dass die angesagten Muttis selbstverständlich Quench anrührten:

Mit dem Aufkommen von Gesundheitsbewußtsein, leichteren Flaschen und besserer Ernährung, aber auch mit dem Beginn des Mineralwasser-Booms in den 80ern verschwanden diese Produkte aus den Regalen, obwohl sie von vielen Konsumenten schmerzlich vermisst werden, wie man in vielen Foren nachlesen kann (Quench eignete sich auch perfekt als Guss für die „Quenchtorte“…). 2006 gab es den Versuch eines Remakes mit 22 verschiedenen Geschmacksrichtungen, der aber scheiterte.

Das Pulver-Prinzip hat sich in andere Bereiche verlagert, ob es Folgemilchprodukte, Diätpülverchen oder Sportshakes zum Anrühren sind. Doch in unserer Kindheit gab es ja nicht nur Pulver zum Trinken, sondern auch zum Fingerreinstecken… die Rede ist natürlich von Ahoj-Brause!

Der Kaufmann Theodor Beltle entdeckte beim Experimentieren mit Natron und Weinsäure, dass Wasser diese beiden Elemente zum Leben erweckt, denn die Zugabe von Flüssigkeit lässt Kohlensäure entstehen. Fasziniert von seiner eigenen praktischen Erkenntnis, kommt ihm die Produktidee: „Brauselimonaden-Pulver für alle Bevölkerungsschichten“. Denn tatsächlich war das Brausepulver zunächst als praktische und günstige Alternative zu den teuren Limonaden ein „Arme-Leute-Produkt“. In den Zwanzigerjahren war Limonade noch kein allgegenwärtiger und verpönter Dickmacher, sondern ein Luxusartikel, den sich nur Besserverdiener leisten konnten.

Zusammen mit seinem Schwager Robert Friedel gründet Theodor Beltle daraufhin in Stuttgart die Robert Friedel GmbH – kurz: Frigeo – und beginnt mit der Herstellung der Frigeo-Trinktabletten, zunächst in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Orange.

In den 30ern werden die Trinktabletten dann durch die Pulverform als „Friedel-Brause“ abgelöst und zu Orange und Zitrone kommen die beiden neuen Geschmacksrichtungen Waldmeister und Himbeere hinzu. Das klassische Brause-Pulver Quartett im kultigen Tütchen ist geboren. Und auch der Matrose, der heute nicht mehr von dem Produkt zu trennen ist, lächelt von nun an von den Tütchen – und begrüßt seine Konsumenten mit „Ahoj“. Das Wort stammt in dieser Schreibweise aus dem Tschechischen und bedeutet so viel wie „hallo“ – klingt aber im deutschen Ohr auch nach „Ahoi“ und erinnert damit an den klassischen Seemannsgruß.

Doch Frigeo überdehnte die Marke, es gab auf einmal so exotische Sorten wie Pina Colada und Caipirinha und 2002 musste Insolvenz angemeldet werden. Für „Ahoj“ war das vielleicht das große Glück, denn Katjes übernahm und pumpte nicht nur Geld, sondern auch deren langjähriges Knowhow in die Marke hinein. Zunächst wurde das Portfolio bereinigt und alles flog raus bis auf die vier klassischen Grundgeschmäcker. Der Markenkern wurde also gestärkt und danach dann diversifiziert: 2007 wurden Ahoj-Bonbons mit Brausefüllung auf den Markt gebracht, zwei Jahre später Fruchtgummis mit Brausepulver – natürlich jeweils in den klassischen Geschmäckern Waldmeister, Zitrone, Orange und Himbeere. Bei McDonalds gab es 2009 dann McFlurry mit Ahoj-Brause und 2013 folgte der Müller-Joghurt, der mit Ahoj-Brausekügelchen garniert wurde.

2017 erfolgte der bislang größte Schritt für die Marke, als Katjes eine fertige Limonade in der Dose launchte. Eine Million Dosen wollten sie im ersten Jahr verkaufen, am Ende waren es drei Millionen.

 

Auch wenn heute die meisten Ahoj-Nutzer wohl nach wie vor eher den Finger in die Tüte stecken, um ihn dann genüßlich abzuschlecken, statt eine Trinkbrause daraus zu machen, erfreut sich Ahoj nach wie vor einer ungebrochenen Beliebtheit. Der Bekanntheitsgrad soll bei 97% liegen.

Vielleicht liegt das ja auch an dem erotischen Kribbeln, wenn das Pulver aus einem Bauchnabel geschleckt wird, so wie es Oskar Matzerath in der „Blechtrommel“ tut. Harald Schmidt sah sich einst veranlasst, dies zum 50. Geburtstag des Buches nachzuspielen – und einen besseren Schluss kann ich mir für diesen Blogbeitrag gar nicht wünschen… 🙂

 

 

Neuer Alltag, neue Gewohnheiten, neue Bedürfnisse – wie geht es weiter nach Covid 19?

Wie in der letzten Folge schon angekündigt, verlässt die makketing Marketing Show ihren normalen Rahmen und widmet sich in einem Special nur einem einzigen Thema: der Covid 19-Krise. Wie werden sich Märke und das Marketing verändern, wie kann ich mich als Selbständiger oder Unternehmer/in auf die Zeit nach der Krise vorbereiten?

 

Ben sprach im Podcast vom „House of change“ und den verschiedenen Phasen. Hier ein Schaubild dazu:

Die Herausforderung besteht darin, auf die veränderten Gewohnheiten zu reagieren.

Normalerweise tun wir uns ja eher schwer damit, liebgewonnene Abläufe zu verändern, aber – wie Richard Thaler schon vor 10 Jahren in seinem Buch „Nudge“ schrieb –  es gibt immer einschneidende Ereignisse (Umzug, Jobwechsel, Trennung vom Partner, Geburt des Kindes usw.), zu denen wir offener dafür sind, unser Verhalten grundlegend zu verändern. Die Covid-Krise ist ohne Zweifel so ein Einschnitt, der bei vielen Konsumenten zu nachhaltigen und dauerhaften Änderungen in der Art und Weise, wie sie konsumieren, geführt hat. Es wäre falsch zu glauben, dass mit dem Ende der Krise diese neuen Gewohnheiten wieder abgelegt werden.

Auch die Werbung ist stark zurückgefahren worden, was wiederum die werbetreibenden Medien unter Druck setzt, auch hier wird sich eine bereits vorher bestehende Krise noch deutlich verschärfen. Anlässe zu kommunizieren, gibt es aber noch reichlich:

Eine der guten, starken Kampagnen, die bei mir Gänsehaut ausgelöst hat, ist die #alleswaswirlieben-Kampagne, denn hier stimmt einfach alles:

Es geht in der Werbung im Moment nicht um Marken und Produkte, sondern es geht um Menschen:

 

Allerdings: mit dem entsprechenden Pathos lassen sich auch hervorragend Burger verkaufen…

Die ohnehin schon arg gebeutelte Autoindustrie reagierte auch umgehend:

Und abschließend noch das Video zu den erwähnten „Stadtlichthelden„:

Virales Marketing, ansteckende Ideen und Corona (das Bier) – die makketing Marketing Show No 6

Die Winterpause war länger als geplant, denn erst mussten wir viel arbeiten und dann funkte uns (allen) das Corona-Virus dazwischen… alles musste neu organisiert und in digitale Lebenswelten verschoben werden.

Doch nun ist sie endlich da: Die 6. Folge unserer makketing Marketing Show!

Hier übrigens der popkulturelle Bezug zum Thema…. 🙂

Beim thematischen Thema dreht sich diesmal alles um virales Marketing (ab 5:30)

Hier einige der erwähnten Beispiele (und ruhig mal auf die Klickzahlen schauen!):

Edeka ist supergeil…

und eine der Parodien dazu:

Nochmal Edeka: der sehr rührselige Weihnachtsclip…

So nahm Conrad diese Steilvorlage auf:

Nicht minder komisch ist auch der Casefilm (=Agentureinreichung bei Kreativ-Wettbewerben):

Noch ein Viral-Hit:

Und auch hier noch eine der unzähligen „Antworten“:

und abschließend noch Bespiele für das erwähnte Travolta-Meme:

 

Das Makketier muss Corona-bedingt leider ausfallen… dafür haben wir im „heißen Sch…ß“ (42:15) einige Buchempfehlungen für euch, die die Zeit in der Isolation verkürzen können.

 

Benjamins Tipp: „Mehr als eine Heimat“ von Ali Can, der in seinem Buch das Deutschsein neu definiert.

 

Ich empfehle:

„Bedeutsame Belanglosigkeiten“ von Vittorio Magnago Lampugnani nimmt euch mit in die faszinierende Welt der kleinen Dinge im Stadtraum…

Mit meiner Tochter lese ich gerade den „goldenen Kompass“ von Philip Puttmann

und dazu schauen wir parallel die Serienverfilmung „His dark materials“:

Und selbst für mich als eingeborenen und eingefleischten Berliner hat dieses Opus Magnum noch viele neue Erkenntnisse gebracht: „Berlin – Biografie einer großen Stadt“ von Jens Bisky. Und wann, wenn nicht jetzt, hat man schon Zeit, über 800 Seiten zu lesen?

Die kommende Episode wird dann unser „Corona-Special“: Was müssen UnternehmerInnen und und Unternehmen jetzt tun, um sich klug in der Krise zu verhalten – und sich auf den Restart optimal vorzubereiten?

Die „makketing Marketing Show“ ist eine Produktion der Podcastmacherei.

Simply the best. Better than all the rest.

Um es gleich einmal klar zu stellen: Es geht nicht um Tina Turner in diesem Blog-Beitrag. Und auch nicht um Autos. „Das Beste kommt am Anfang“ lautet das Thema, mit dem Daniel Finger und Sven Oswald in das neue Jahr starten – und so war auch ich wieder einmal zu Gast bei „Zweiaufeins“ im radioeins-Studio, um über Superlative in der Werbung zu sprechen:

Wir leben in einer wunderbaren bunten Warenwelt, in der wir stets nur das Beste kaufen können: Gilette – für das Beste im Mann, Kellogs – das Beste jeden Morgen und „nur das Beste aus der Frucht“ gibt uns Granini. Schon 1959 versprach uns Persil „das beste Persil, das es je gab“, und „das Beste, was deiner am Rhein harrt“, war damals schon Deinhard. Und wer kennt nicht die vielen vielen Radiosender, die uns mit den Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und dem Besten von heute bedudeln.

Mein persönlicher Liebling ist jedoch eine Kampagne der CMA aus dem Jahre 1971: „Beim Fleischer schneidet man am besten ab.“ Das waren noch Slogans….

Doch auch andere Superlative sind uns aus der Werbung vertraut: So sind die schönsten Pausen lila, uns lockt die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt, und Barilla brachte uns die beliebteste Pasta-Kollektion der Italiener.

Aber sind all diese Superlative heute noch zeitgemäß – und interessieren sie uns Konsumenten überhaupt noch? Verankert ist diese Superlativ-Werbung in einem alten Marketing-Denken: Der Anbieter möchte die eigene Leistung besonders wirkungsvoll hervorheben, um den Kunden suggestiv zu beeinflussen. Das funktioniert mit Superlativen, aber auch mit Komparativen („besser als…“) oder der Verwendung von bestimmten Artikeln („VW. Das Auto“). Es kommt dabei jedoch nicht auf die konkrete Behauptung oder die konkrete bildliche Darstellung an, sondern vielmehr darauf, wie diese von dem Empfänger verstanden wird/werden soll.

Rechtlich betrachtet ist, zumindest solange nicht eine objektiv nachweisbare Irreführung im Sinn des § 5 UWG (irreführende Werbung) vorliegt, Superlativ-Werbung gesetzlich nicht verboten. Wie immer ist jedoch die Grenzziehung im Einzelfall eher schwierig.

Denn natürlich muss die Behauptung wahr und im Zweifelsfall nachweisbar und idealerweise auch dauerhaft sein, aber zum Wesen der Werbung gehört ja anerkannter Maßen die Übertreibung: Wenn also der Verbraucher dazu in der Lage ist, einen Slogan oder Werbespruch als reines Werturteil oder Übertreibung zu verstehen und nicht als objektiv nachprüfbare Aussage, dann wäre auch das wiederum zulässig. Und da kommen dann die Anwälte und Gerichte ins Spiel…

1973 kam die dänische Carlsberg-Brauerei auf die Idee, sich diesen ganzen juristischen Fragen mit einer gewitzten Kampagne zu entziehen, in dem sie einfach behaupteten, wahrscheinlich das beste Bier der Welt zu sein. Über 30 Jahre lang hielt diese Kampagne, bis man bei Carlsberg feststellte, dass sie weit zurückgefallen waren in den Rankings der Biertrinker. Sie waren wohl nicht mehr das wahrscheinlich beste Bier:

Man habe die Qualität des Produktes aus den Augen verloren und nur noch Masse produziert anstatt Klasse, man habe eines der biligesten Biere am Markt, aber bei weitem nicht mehr das beste. Also haben sie sich daran gemacht, ihr Bier wieder qualitativ zu verbessern:

Und so sind sie heute nicht mehr das „wahrscheinlich beste Bier“, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Carlsberg versteht dies als Ehrlichkeitsoffensive: den Fehler erkennen, öffentlich eingestehen, sich (und das Produkt) verbessern – aber auch durch die augenzwinkernd-ironisch gebrochene Kampagne den Bezug zur Tradition herstellen.

Gerade bei den jungen, kritischen Konsumenten soll diese neue Ehrlichkeit gut ankommen. Na dann: Prost!

In der Tat, neben den rechtlichen Aspekten der Superlativ-Werbung stellt der sich verändernde Konsument und die explodierende Waren- und Werbeflut die größte Herausforderung dar: Wenn im letzten Jahrhundert ein Anbieter behauptete, der Beste zu sein, so konnte dies zur Abgrenzung bei einer Handvoll Wettbewerber und wenigen großen Medienkanälen gut und effektvoll kommuniziert werden. Doch heute schreien uns alle auf allen Kanälen an, dass sie die Größten, Besten, Tollsten sind, mit dem Resultat, dass wir als Konsumenten nicht mehr hinhören und -sehen und diesen Aussagen auch keinen Glauben mehr schenken, weil sie uns einfach nur noch nerven. Das Beste ist für mich, was mir den höchsten persönlichen Nutzen bietet und nicht die besten Leistungswerte hat, die mich gar nicht interessieren. Und letztendlich ist uns jede Person und jedes Unternehmen unsympathisch, dass sich ständig auf die Brust trommelt und uns erklärt, wie großartig sie sind. Schwächen machen menschlich und sympathisch, Angeber durchschauen wir sofort.

Fazit: Wenn wir niemandem mehr trauen, der in Superlativen von sich spricht, dann ist es vielleicht endlich mal an der Zeit, dass sich die Marketeers was besseres einfallen lassen.