Die schönsten Pausen sind Milka

Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel das sind die Herren von „Zwei auf eins„… nein, natürlich nicht, aber das Thema der heutigen Sendung lautet „Kuh“ und ich bin in das radioeins-Studio geladen, um über die berühmteste lila Kuh ever zu sprechen: die Milka-Kuh.

Die lila Kuh, wer kennt sie nicht? Selbst, wenn sie als so plumpe Fälschung daher kommt:

Doch wie kam die Kuh zur Schokolade und vor allen Dingen: Wie wurde sie lila?

Die Geschichte beginnt mit dem Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard, der mit Schweizer Uhren und Stickereien bestückt in die USA auswanderte. Sein Plan, damit zum erfolgreichen Geschäftsmann zu werden, ging jedoch nicht auf und so kehrte er 1824 in die Schweiz zurück. Er eröffnete dort seine eigene Confiserie und stieg in die Massenproduktion von Schokolade ein, indem er bis zu 30 kg Schokolade am Tag selber herstellte. Diese Schokolade enthielt jedoch noch keine Alpenmilch und war zartbitter. Erst ab 1890 entwickelte Suchard die Milchschokolade und 1901 wurde dann die Marke „Milka“ registriert (MILch und KAkao).

Die ersten Tafel waren bereits lila und auch die Kuh lässt sich auf ihnen schon wiederfinden:

Doch es gab harte Konkurrenz für unsere Kuh: Um die Exotik des Kakaos zu betonen wurde Milka beispielsweise 1913 mit Papageien beworben, selbst ein Kamel war auf der Verpackung zu finden. Größter Konkurrent wurde jedoch ein Bernhardiner, der statt des berühmten Fäßchens eine Tafel Milka um den Hals trug.

Aber die Kuh setze sich letztendlich durch.

Lila wurde die Kuh dann 1973: Adelheid, ein mehrfach preisgekröntes Rind aus Simmenthal, hatte die Idealmaße, einen großen Kopf, geschwungene Hörner und einen gerade Rücken. Unter tierärztlicher Aufsicht wurde sie – nur auf einer Seite, wahrscheinlich ihrer Schokoladenseite – mit wasserlöslicher Farbe besprüht, was durchaus etwas länger dauern konnte, steht so ein Rindvieh doch nicht gerne lange still…

Seit 2004 ist das Milka-Lila geschützt, keine andere Schokolade darf so lila sein. Dabei ist dies ja eine sehr ungewöhnliche Farbe für Lebensmittel… wenn das Brot lila schimmert, solltet ihr es lieber nicht mehr essen…

Milka hat mit seinen Agenturen zusammen ein gutes Gespür für kultige Werbung entwickelt. Erinnert sei hier an den Alm-Öhi Peter Steiner:

oder auch an die sportlichen lila Pausen:

Und mittlerweile geht die Kuh sogar zur Schule:

Apropos Schule: Tatsächlich hat 1995 bei einem Malwettbewerb mit 40.000 bayrischen Schülern jedes dritte Kind die Kühe auf dem Malbogen lila ausgemalt….

 

 

 

 

Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä – Hauptsache: Geschenke!!!!

Auch am heiligsten aller heiligen Sonntage führt mich mein Weg ins romantische Potsdam-Babelsberg zum „radioeins„-Studio, um dort mit den Jungs von „Zweiaufeins“ ein wenig über Geschenke, Marketing und Weihnachten zu plauschen:

Jedes Jahr das gleiche Bild: Kaum ist der Totensonntag vorbei, startet die vorweihnachtliche Schlacht um den Konsumenten, besser gesagt, um seine Euros. Und jedes Jahr kommt es uns so vor, als würde es immer noch mehr, noch lauter und noch bunter….

Aber wieso schenken wir uns überhaupt etwas zu Weihnachten? Dazu gibt es die verschiedensten Erklärungsansätze: So hat uns Gott ja quasi seinen Sohn an Weihnachten geschenkt, was den Menschen Anlass genug sein sollte, ebenso Gaben zu verteilen. Auch die heiligen drei Könige brachten Geschenke (Weihrauch, Gold und Myrrhe) für das Christkind mit, weshalb in manchen Ländern erst am 6. Januar die Geschenke übergeben werden. Historisch betrachtet wurde hier von den Christen ein heidnischer Brauch übernommen: Die alten Römer feierten zum Jahresende die Saturnalien, an denen die Reichen den Armen gute Gaben schenkten, auch um den eigenen Wohlstand zu demonstrieren. So sammeln Christen am 17. Dezember, dem Lazarus-Tag, Essen, Kleidung und andere lebensnotwendige Dinge, damit diese dann zu Weihnachten an Bedürftige verschenkt werden können.

Im Mittelalter rückten die Kinder in den Mittelpunkt des Schenkens: Zunächst erhielten sie am 28. Dezember Gaben zum „Fest der unschuldigen Kinder“, dann verlagerte sich dies jedoch auf den 6. Dezember (St. Nikolaus) für die Jungs und auf den 13. Dezember für Mädchen (St. Lucia). Es war Luther, der sich daran störte, denn im protestantischen Glauben war kein Platz für Heilige als Mittler zwischen Mensch und Gott. Und so setzte er den Anspruch, dass die Geschenke am 24.12., zur Geburt des Heiligen Christus, zu übergeben seien, wie auch hier im Clip erklärt wird:

Erst im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten dann „bürgerlich“ und als Fest für die ganze Familie verstanden, was dazu führte, dass die Zahl der Beschenkten und der Geschenke merklich anwuchs:

Und so sagt der HDE, der Handelsverband Deutschland, auch dieses Jahr wieder einen neuen Rekord für den Einzelhandel voraus: 94,5 Milliarden Euro sollen umgesetzt werden, was 466,- € pro Kopf entspricht. Doch nicht alle Beteiligten profitieren in gleicher Weise davon, denn von dem Gesamtplus von 3% im Handel wird der Online-Handel mit 10% erwartetem Umsatzplus der größere Gewinner sein. 51% der Deutschen gaben einer Umfrage zufolge an, dieses Jahr ihre Geschenke ausschließlich online einzukaufen. Der stationäre Handel muss sich also etwas einfallen lassen – und das führt genau zu dem oben beschriebenen Weihnachtsoverkill: noch mehr Event, mehr Clowns, mehr Livemusik, mehr Modenschauen….. Und mit noch mehr Gedöns werden dann weitere Kunden aus den Städten vor die Rechner getrieben, denn mir geht beispielsweise dieser Rummel so auf die Nerven, dass auch ich immer mehr online bestelle. Ein Teufelskreislauf also?

Könnte der Handel nicht einfach auf das rummelige Weihnachtsgeschäft verzichten? Wohl kaum, denn fast 20% des Jahresumsatz werden in den Adventswochen erzielt – durchschnittlich. Manche Branchen wie Spielwaren, Bücher, Unterhaltungseletronik, Uhren machen zwischen 25 – 40% ihres Gesamtumsatzes in diesem Zeitraum, ein Wegbrechen des Weihnachtsgeschäftes wäre also katastrophal. Eher wird versucht, die Einkaufszeit zu verlängern, um noch mehr Umsatz zu machen, z.B. mit dem „Black Friday“ und dem „Cyber Monday“. 1,7 Milliarden Euro Umsatz haben den deutschen Einzelhändlern diese beiden Tage im letzten Jahr beschert – und damit war der „Black Friday“ 2016 der drittstärkste Umsatztag im Weihnachtsgeschäft nach dem 12. und dem 19.12.

Der Geschenke-Wahnsinn wird also vermutlich immer so weiter gehen, denn der Kreativität des Handels sind keine Grenzen gesetzt. Zu wichtig sind die Einnahmen aus den letzten Wochen des Jahres, als dass man auf diese verzichten könnte.

Ich habe ja beschlossen, mich diesem ganzen Stress zu entziehen, Für mich hat Weihnachten nichts mehr mit Konsum zu tun. Ich setze mich heute abend mit meinem Lieblingsessen zu meinem Weihnachtsbaum, den ich passend feierlich geschmückt habe:

In diesem Sinne wünsche ich allen makketing-Freunden: Frohe Weihnachten und:

Bevor es zu spät ist: Support your local Späti!

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? – das könnte man sich am 3. Advent glatt fragen, wenn man noch kein einziges Weihnachtsgeschenk hat… „Spät“ ist jedoch das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung und aus diesem Anlass widme ich mich einer bedrohten Spezies, dem Späti:

Spätis sind aus Berlin nicht mehr wegzudenken und als Nahversorger ein wichtiger Bestandteil der Kiez-Kultur. In Berlin gibt es gut 1.000 Spätis, man findet sie jedoch auch in Leipzig, Dresden und vielen anderen ostdeutschen Bundesländern. Denn tatsächlich ist der „Spätverkauf“ ein Überbleibsel der DDR-Zeit, sollten doch die Schichtarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit Lebensmittel wie auch Genußartikel erhalten können. Im Westen Deutschlands gab und gibt es hingegen die „Trinkhallen“, in denen die im Zuge der Industrialisierung rasch anwachsende Zahl an Arbeitern und Arbeiterinnen mit Trinkwasser versorgt wurden. Später kamen dann Bier, Schnaps und Tabak hinzu. Was dem einen sein Späti, ist also dem anderen seine Trinkhalle und dem Rheinländer sein Büdchen….

Was früher „Tante Emma“ war, ist heute „Onkel Ahmed“, denn neben dem Verkauf haben alle diese Läden eine wichtige soziale Funktion: Sie sind Orte des kommunikativen Austausches; man trifft sich, kommt ins Gespräch, pflegt soziale Kontakte und erfährt hier ganz konkrete Nachbarschaftshilfe, wie der folgende arte-Beitrag zeigt:

Doch es droht Ungemach in Form des Berliner Ladenöffnungsgesetzes, hier heißt es nämlich in §4:

(1) An Sonn- und Feiertagen dürfen öffnen:Verkaufsstellen, die für den Bedarf von Touristen ausschließlich Andenken, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiseführer, Tabakwaren, Verbrauchsmaterial für Film- und Fotozwecke, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch sowie Lebens- und Genussmittel zum sofortigen Verzehr anbieten, von 13.00 bis 20.00 Uhr und am 24. Dezember, wenn dieser Tag auf einen Adventssonntag fällt, von 13.00 bis 17.00 Uhr

sowie

Verkaufsstellen, deren Angebot ausschließlich aus einer oder mehreren der Warengruppen Blumen und Pflanzen, Zeitungen und Zeitschriften, Back- und Konditorwaren, Milch und Milcherzeugnisse besteht, von 7.00 bis 16.00 Uhr

also ganz eindeutig Spätis nicht, denn auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist sonntags nicht erlaubt. Gestattet sind also Bedarfsartikel für Touristen, Zeitungen, Andenken, Tabakwaren, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch (Anti-Mückenspray, Wundpflaster) sowie Lebensmittel und Genussmittel zum sofortigen Verzehr, also Getränke, Süßwaren, Eis, belegte Brötchen, Obst, Konditorwaren und abgepacktes Eis. Nicht erlaubt sind Lebensmittel zur Zubereitung, Tiefkühlwaren, Gerichte in Dosen, sowie Waren zur Vorratshaltung im Haushalt, etwa große Waschmittelpackungen. Und auch wenn manche Spätis diese Waren sonntags mit Decken verhüllen und „unsichtbar“ machen, so verhängt das Ordnungsamt dennoch unerbittlich Bußgelder bis zu 2.500 € (inbesondere in Neukölln).

Für Tankstellen gilt hingegen eine Ausnahmeregelung, wenden sich diese doch an Reisende und die Mitreisenden. Konsequenterweise dürften also Tankstellen ihre Waren nicht an Fußgänger verkaufen (außer er ist deutlich als Wanderer auf der Durchreise zu identifizieren…). Den Spätis wird es also zum Verhängnis, dass sie Nahversorger im Kiez sind und deren Kunden dort wohnen. Und die menschliche Funktion des Spätis ist im Gesetzt nicht vorgesehen. Doch es regt sich Widerstand:

Und auch der Berliner Späti e.V. will den Tankstellen nicht kampflos das Feld überlassen. Wer seinen Späti also liebt, der sollte ihn auch weiterhin unterstützen, und Druck auf die Politik machen, denn die Tankstellen verfügen über eine starke Lobby, denen die Spätis natürlich ein Dorn im Auge sind, wenn es um den Umsatz geht. Rettet euren Späti, denn:

Oh Wunderbaum, oh Wunderbaum, wie grün riecht jetzt der Innenraum…

„Üble Gerüche überdecken“ – auf dieses Thema kam der begnadete Redakteur Dave von 2auf1, als es um den Marketing-Aspekt des Themas „Decke“ gehen sollte. Und so sprach ich nun am Sonntag im radioeins-Studio über das Thema „Wunderbaum“:

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Bäumchen im zweistelligen Millionenbereich  verkauft und man kann die deutsche Bevölkerung getrost einteilen in diejenigen, die den Wunderbaum lieben – und diejenigen, die ihn hassen. Vater des Wunderbaums ist Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker mit deutschen Wurzeln. Dieser forschte über die Gewinnung von Kiefernadelöl und wie es der Zufall (oder die Legende) so wollte, traf er eines Tages den Fahrer eines Milchwagens, der sich über die üblen Gerüche ausgelaufener Milch in seinem Fahrzeug beklagte. Sämann konzentrierte den Kieferduft auf einen Karton und gründete 1952 sein Unternehmen.

Die in den USA „Little Trees“ genannten Bäumchen fanden großen Anklang bei Taxifahrern, die ihren Fahrgästen frischen Duft und eine schöne Dekoration bieten wollten. Mittlerweile erfreuen sich die Geruchsbomben fast weltweit großer Beliebtheit:

Wunderbaum – erfrischt nicht nur die Luft, sondern auch das Herz. Dieser Satz ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern der Claim der Marke.

Von den über 60 Düften, die es mittlerweile gibt, führt in Deutschland mit Abstand „Vanille“ das Feld an, gefolgt von „Sportfrische“ und „Neuwagen“, es gibt aber auch „Cocktail Trees“ in den Geschmacks…ääh…Geruchsrichtungen „Pina Colada“, „Mai Tai“ und „Margarita“ (wonach reicht eigentlich eine Margarita??) oder auch die „Rock Range“, unter anderem mit den Düften „Born to Rock“ und „Wild Child“.

Auf der nach oben offenen Odeur-Skala ist also noch vieles möglich, nur eines sollte man nie: die Folie ganz vom Bäumchen entfernen, denn dann kommt es zum olfaktorischen Overkill. Also immer nur Stückchen für Stückchen runterziehen und tief durchatmen….

Schließen möchte ich jedoch mit diesem sehr sehenswerten Beitrag: Unboxing the Wunderbaum 🙂

Universal Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Millionär – wer träumt nicht davon? Zumindest Herr Finger und Herr Oswald von „Zwei auf Eins“ versuchen  noch, mit ehrlicher Moderationsarbeit reich zu werden, und luden mich zur Unterstützung ins radioeins-Studio, um mit Ihnen über den Mythos des Tellerwäschers zu reden:

Woher kommt dieser Grundglaube des „American Dream“, dass jeder es schaffen kann, wenn er sich nur genug anstrengt? Als Einwanderungsland zogen die Vereinigten Staaten all jene an, die einen neuen Start wagen wollten. Die Immigranten kamen oftmals mittellos mit kaum mehr als ein paar armseligen Besitztümer an und arbeiteten hart für den Neuanfang. Einige schafften es, sich erfolgreich zu etablieren, andere scheiterten hingegen und einige wenige wurden durch Fleiß, Leistung und natürlich durch Glück sehr vermögend. Der Glaube an die Möglichkeit des sozialen Aufstieges in eine höhere Klasse macht daher einen entscheidenden Teil des amerikanischen Nationalsbewußtseins aus, inklusive mythischer Verklärung:

 

Fast 80% der US-Amerikaner glauben nach der Hertz-Studie fest an diesen Grundsatz, obwohl nur 1% es tatsächlich aus armen Verhältnissen in die obersten 5% der vermögenden US-Bevölkerung schaffen. Der Haken an der Sache ist eben, dass Fleiß, Leistung und Anstrengung alleine nicht ausreichend sind – sonst wären mit Sicherheit schon die meisten von uns mehrfache Millionäre. Neben Bildung ist Glück nach wie vor der entscheidende Faktor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Natürlich unterschlagen die vielen Erfolgsratgeber diesen Umstand gerne, wirkt er doch wie ein Verkaufsgift.

Wenn wir uns nicht vor Augen halten, dass Glück der Erfolgsfaktor ist, dann finden wir uns schnell in einer Falle wieder, denn dann bedeutet ja der Umkehrschluss, dass wir uns eben noch nicht genug angestrengt haben und noch nicht genug Leistung erbracht haben – da wir noch erfolglos sind. Das ist natürlich Humbug, treibt aber viele Menschen in die (Selbst)Optimierungsfalle: Immer noch mehr geben, noch mehr leisten, damit sich endlich der Erfolg einstellt.

Man geht hier dem sogenannten „Survivorship Bias“ auf den Leim: Die wenigen erfolgreichen Menschen bekommen mehr Aufmerksamkeit als die vielen Gescheiterten. Im zweiten Weltkrieg untersuchten britische Flugzeugingenieure die Einschusslöcher der Flugzeuge, die nach einem Kampfeinsatz zurückkehrten. Es wurde festgestellt, dass die Einschusslöcher dabei nicht gleichmäßig verteilt waren. Manche Stellen wurden deutlich häufiger getroffen als andere. Man kam nun auf die Idee, diese häufig getroffenen Stellen besonders zu verstärken. Der Mathematiker Abraham Wald riet davon ab, denn die Flugzeuge waren ja trotz der Einschüsse sicher zurückgekommen und gelandet.Die Flugzeuge, die jedoch abgeschossen wurden, wurden wahrscheinlich genau an den Stellen getroffen, an denen man bei den zurückgekehrten Flugzeugen keine Löcher fand. Wald empfahl daher, die Flugzeuge an den Stellen zu verstärken, an denen keine Einschüsse gefunden wurden – und hatte damit Recht.

Bildquelle: McGeddon

Wir ziehen also die falschen Schlüsse, wenn wir uns nur auf Selfmade-Menschen konzentrieren und deren angeblichen Erfolgsrezepte. Lieber sollten wir die Gescheiterten im Blick behalten und von deren Fehlern lernen.

Ob Jamie Oliver, der als Küchenhilfe anfing, oder Jürgen Gosch, der als Kind mit Krabbenpulen sein erstes Geld verdiente und dann als Aalverkäufer am Sylter Strand seine Karriere startete, ob Starbucks-Gründer Howard Schultz, der sich sein Studium durch Blutspenden finanzierte, oder Guy Laliberté, der vom kleinen Straßenkünstler zum großen „Cirque du Soleil“-Macher wurde, sie haben es alle nicht geschafft, weil sie härter arbeiteten als die anderen, sondern weil im richtigen Moment sich für sie die richtigen Türen geöffnet haben und sie ihre Chancen ergriffen.

 

 

Me so einhorny

Es begab sich vor gar nicht einmal allzu langer Zeit, dass ein scheues, schüchternes Einhorn (moi) sich auf den Weg machte zu radioeins in das kalte Potsdam-Babelsberg, um sich dort den zwei wackeren Recken (die Herren von Zweiaufeins) zu stellen und ihnen ein wenig darüber zu erzählen, warum man heute nur ein Bild von einem Einhorn auf etwas raufpappen muss, um es erfolgreich zu verkaufen:

Und tatsächlich gibt es im Moment kein Produkt, das nicht irgendwie mit Einhörnern wirbt: Vom Turnschuh (Chucks) über Schokolade (Ritter-Sport verkaufte über 150.000 Tafeln an einem Tag), Frappucino ‚(Starbucks), Gewürzmischungen (aus 100 Prozent Einhornpups) bis hin zu Toilettenpapier:

Doch woher kommt auf einmal dieser Hype? Sind Einhörner wirklich die neue Diddl-Maus?

Zunächst einmal quälten uns die süßlichen Viecher quasi schon immer. Wer sich in meinen Altersgefilden bewegt, erinnert sich bestimmt noch an dieses Machwerk: The last Unicorn von 1982.

Doch in den letzten Jahren trafen zwei Umstände aufeinander: Zum einen die Startup-Wirtschaft, die den Begriff „Unicorn“ prägte für jene Gründungen, die es schaffen, in kurzer Zeit mit einer Milliarde US-Dollar bewertet zu werden (wie z.B. Skype, Spotify, Zalando, Delivery Hero). Zum anderen die Infantilisierung der jungen Erwachsenen: Während wir es kaum erwarten konnten, endlich erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen mit aller Kraft und allem Kitsch an ihrer Jugendphase festhalten.

Die Sehnsucht nach der besseren Welt (der Kindheit) in harten Zeiten – und welches Symbol eignet sich da besser als das niedliche, leicht phallische Einhorn, dem schon seit dem Mittelalter magische Kräfte zugesprochen werden? Zudem steht das Einhorn in dem Ruf, etwas Einzigartiges zu sein. Daher werden Einhorn-Produkte auch gerne künstlich limitiert auf den Markt gebracht, denn man muss schnell sein, wenn man ein Einhorn fangen möchte.

Zunächst wurde dieser Trend von der Unterhaltungsindustrie befeuert, die kleinen wie großen Mädchen immer neue Einhorn- und Feen-Geschichten erzählt, wie z.B. bei der beliebten Serie (Kika!!!) „Mia and me“:

 

Da in dieser jungen Generation der Ewig-Pubertierenden jedoch alle irgendwas mit Computern machen, entstanden in kurzer Zeit auch viele viele bunte Meme:

Irgendwie passte es dann auch nur noch zu gut, dass 2015 zwei junge Herren auf die Idee kamen, vegane Kondome „auf dem Weg zu Fairness und Nachhaltigkeit“ unter der Marke „Einhorn“ anzubieten. Natürlich lassen es sich die Gründer auch nicht nehmen, gerne und oft im Einhornkostüm Werbung für ihre Marke zu machen:

Und das sehr erfolgreich, denn bislang wurden nach eigenen Angaben über 5 Millionen Einhorn-Kondome verkauft…

Ich bin jetzt kurz davor, einen Glitzer-Zuckerwatten-Schock zu bekommen – und beende meinen bunten Eintrag mit meinem Lieblings-Einhorn-Spot:

P.S.

Übrigens: Einhörner sind soo 2016…. Giraffe ist das neue Einhorn!

 

„Schau, da fliegt eine Berga-Motte!“

…witzelte wahrscheinlich schon der alte Earl Grey, Namensgeber der beliebten Teesorte. „Alt und grau“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung, zu der ich mich in das „radioeins„-Studio begab, um ein wenig über diese und andere Marketing-Legenden zu plaudern.

Charles Grey, 2. Earl Grey (1764-1845), war ein großer Reformator und britischer Premierminister und als dieser hob er u.a. das Preismonopol der East India Company im Teehandel mit China auf. Ein wichtiger Schritt, denn damals wurde bereits sieben Mal mehr Tee als Kaffee in England getrunken.

Wie kam der Tee jedoch nun zu seinem Namen? Darum ranken sich eine Vielzahl von Legenden: Ein Mandarin soll dem Engländer auf einer seiner Reisen nach China den mit Bergamotteöl parfümierten Tee serviert haben, nachdem Grey ihm (wahlweise auch dem Sohn) vor dem Ertrinken gerettet hatte. Es heißt aber auch, dass er gerade Tee trank, als er einen Zweig der Zitrusfrucht geschenkt bekam; weil er sonst nichts damit anzufangen wusste, warf er ein paar Blätter in das Getränk. Die bekannteste Legende besagt jedoch, dass bei einem Sturm auf einer Überfahrt  von China nach England die transportierte Ladung des Schiffes schlecht gesichert war und durcheinander geworfen wurde. Das auslaufende Bergamottöl sickerte auf die Teeballen. Mitgeführte Duftöle schützten damals auf den langen Schiffspassagen den jeweils tief im Schiffsrumpf lagernden Tee vor der Annahme von Moder-, Fisch- und Teergeschmack. Die Ladung sollte nun nach der Ankunft schon vernichtet werden, als Lord Grey auf die Idee kam, den verschmutzten Tee zu probieren. Und siehe da, er schmeckte!

Belegt ist tatsächlich nur, dass Grey den Londoner Hoflieferanten Twinings damit beauftragte, Schwarztee mit dem Öl der Bergamotte zu parfümieren. Der Tee erfreute sich zunächst in der Londoner Oberschicht großer Beliebtheit; heute ist er ein Massenprodukt, selbst in Deutschland macht er fast die Hälfte der aromatisierten Tees aus.

Twinings hatte seinerzeit leider vergessen, sich die Teemischung schützen zu lassen. Also kann der Namen „Earl Grey“ von jedem Teeanbieter genutzt werden. Allerdings ist der königliche Hoflieferant der einzige Produzent, der sich mit der Familie des Namensgebers schmücken darf, und so grüßt der gegenwärtige Earl Grey (der sechste) von der Twinings-Packung.

Eine andere, sehr einträgliche Marketing-Legende erzählt uns die Firma Moleskine. Der Hersteller der kleinen und großen Notizbücher fügt jedem dieser ein kleines Blättchen bei, auf dem die Geschichte der Kladden erzählt wird: So arbeiteten schon Vincent Van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Bruce Chatwin mit diesen Notizbüchern.

Aber hat Hemingway tatsächlich seine Werke in die Notizbücher der Marke „Moleskine“ verfasst? Schwer vorstellbar, denn erst 1997 kamen die uns heute vertrauten Bücher auf den Markt.

Eine der drei Gründerinnen von Moleskine, Maria Sebregondi, erzählte in einem Interview, dass diese Legende wichtig für die Vermarktung war:

Wir präsentierten das Notizbuch zudem mit einer Story: Die Nutzer sollten das Gefühl haben, in solch einem Notizbuch habe schon Ernest Hemingway geschrieben.

Auch Künstler wie Pablo Picasso und Vincent van Gogh nutzten sie. Es war also nicht nur das neue Design des Notizbuches, das entscheidend war, sondern auch die Story und der Vertrieb: So sind wir für die Vermarktung in die Buchhandlungen gegangen. Unsere Notizbücher wurden offeriert als Bücher, die der Käufer erst noch schreiben muss. (…)

Ernest Hemingway hat nie Notizbücher von Moleskine benutzt. Vincent van Gogh natürlich auch nicht. Wenn Sie in ein Museum gehen, können Sie sehen, dass Künstler wie Picasso und van Gogh tatsächlich Skizzenbücher dieser Art benutzt haben. Wir haben also keine Geschichte erfunden. Aber ein Notizbuch von Moleskine war es natürlich nicht. (…)

Wir behaupten nichts Unwahres. Als unsere Notizbücher neu waren, hatte die Story sicherlich noch eine größere Bedeutung als heute. (Quelle)

Der Name „Moleskine“ geht auf den Autoren Bruce Chatwin zurück, der – vergleichbare – Notizbücher aufgrund des Einbandes Moleskin (Maulwurfshaut) nannte. Das «e» am Ende des Wortes kam hinzu, damit man es auf Französisch besser aussprechen kann. Und so kann es auch jeder nennen, wie er möchte.

Auch über Ronald McDonald gibt es tolle Legenden: So sollte er ursprünglich „Donald McDonald“ heißen, aber aus Furcht vor Verwechslung mit Donald Duck (und dem Disney-Konzern), bekam er das „R“ verpasst. Und in Japan soll Ronald ein furchtbarer Flop gewesen sein, da dort weiß bekanntlich die Farbe der Trauer ist und sein weißgeschminktes Gesicht angeblich die Konsumenten abschreckte. Auch das stimmt so natürlich nicht, denn weiß ist in Japan auch die Farbe der Schönheit und der Reinheit, wie man an den weiß geschminkten Gesichtern der Geishas leicht nachvollziehen kann. Der frühe Flop von McDonalds in Japan hatte eher etwas mit der Ablehnung westlicher und insbesonders amerikanischer Lebenskultur zu tun, was sich natürlich heute ganz anders darstellt.

Was mich jedoch am meisten abschreckt, ist der erste Ronald McDonald in der Werbung. Der sah 1963 nämlich noch so aus: