Inbound Marketing – willkommen in der Venusfalle

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„Sprung“ war diesmal das Thema bei „Zweiaufeins“ und ich konnte leider erkältungsbedingt nicht direkt ins Studio springen, sondern musste am Telefon die Frage beantworten, ob „Inbound Marketing“ nun der große Quantensprung im Marketing sei. Das radioeins Interview könnt ihr hier nachhören:

Vermeintlich vorbei sind also die Zeiten, in denen uns Werbung anschreit, jetzt geht es darum, uns nach und nach immer tiefer in den Sales Funnel zu ziehen – bis diese Falle zuschnappt und wir gar nicht mehr anders können, als Kunde zu werden.

Natürlich ist es gut gemeint, denn im Mittelpunkt stehen die Kunden und das Ziel, eine Vertrauensbasis zu ihnen aufzubauen und ihnen fortlaufend einen Mehrwert zu bieten. Anstatt sich Kunden aufzudrängen, geht es hier darum, ihr Interesse zu wecken, mit ihnen zu interagieren und sie zu begeistern.

Doch wie funktioniert Inbound Marketing nun genau? Durch guten, suchmaschinenoptimierten Content gelangen beispielsweise möglichst viele Menschen auf die Website und lesen deren Inhalte (z.B. Blogbeiträge). In den Inhalten geht es allerdings nicht darum, eine reine Verkaufsshow abzuliefern, sondern darum, sich und sein Unternehmen als Experten in der Branche zu positionieren. 

Nehmen wir an, jemand tippt in seine Suchmaschine „Kündigung Arbeitsvertrag“ und wir sind die tolle Anwaltskanzlei. Dann könnte jetzt zum Beispiel in den Suchergebnisse ein kluger Blog-Artikel zum Thema „Arbeitsrecht“ erscheinen, der die suchende Person auf unsere Website bringt.

Abgesehen von frei zugänglichen Blogbeiträgen gibt es auf der Website auch Premium Content, wie z.B. eine Checkliste – „Die 10 wichtigsten Punkte, auf die Sie bei einer Kündigung achten müssen“. In den Blogbeiträgen werden die Lesenden dazu aufgefordert, ihr Wissen zu vertiefen. Doch dieser Content ist besonders wertvoll, weswegen die Leser ihn nicht kostenlos bekommen. Sie bezahlen jedoch nicht mit Geld für den Download, sondern durch die Angabe ihrer Kontaktdaten.

Nun kann ich also per Email nachfragen, ob es vielleicht noch mehr Bedarf gibt, bzw. ob alle Fragen geklärt sind. Falls nicht, so können wir den nächsten Premium Content anbieten, z.B. ein Webinar oder ein Whitepaper zum Thema. Wiederum zahlt der Interessent mit Daten, diesmal etwas mehr als nur mit der Email-Adresse. Für uns könnte es jetzt wichtig sein, wie lange die betreffende Person schon beim Unternehmen arbeitet, was sie ungefähr verdient, oder auch, ob es sich um eine Privatperson handelt, die kündigen will, oder vielleicht einen Personalverantwortlichen, der Fragen zu diesem Thema hat. Ich kann dadurch nun den Kontakt bewerten und ganz gezielt weiteres Material anbieten.

Und so geht die Reise in den Verkaufstrichter immer tiefer. Wir bauen Vertrauen auf, zeigen unsere Expertise und ganz am Ende bieten wir das Beratungsgespräch an, um den neuen Mandanten endgültig zu gewinnen.

Wir bekommen also gut gemachten Content, Inhalte, geschenkt, die nützlich und hilfreich für uns sind – und merken über all die Whitepaper, Infografiken, Podcasts und Webinare dabei gar nicht, wie wir langsam kleben bleiben….

Ein Quantensprung? Das sollen andere entscheiden – auf jeden Fall aber ein deutlich effizienterer Weg, Kunden zu gewinnen, als mit klassischer Werbung.

Es geht also darum, den Kunden anzuziehen, mit ihm zu interagieren und – ganz wichtig – ihn zu begeistern. Denn die ganze Arbeit auf dem Weg durch den Verkaufstrichter ist vergeblich, wenn der Kunde dann letztendlich unzufrieden ist – und seine Unzufriedenheit womöglich noch in den sozialen Netzwerken teilt.

Begeistern wir unsere Kunden mit der Qualität unseres Produktes oder unserer Dienstleistung, dann wird er vielleicht zum Promoter, zum Empfehlenden, zum „Gute-Bewertung-Schreiber“ und bringt uns quasi automatisch wieder neue Interessenten, die die Reise durch unseren Sales Funnel antreten… in der Theorie ein traumhaftes System, das in der Praxis doch leider oft an diesem letzten Punkt der Begeisterung scheitert.

Die Sendung mit dem Wurm

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Heute bin ich ja raus aus solchen Themen, aber früher, ja früher, da haben wir auch mal den einen oder anderen Tequila getrunken. Und ich erinnere mich gut daran, dass es ganz besondere Flaschen gab, in denen ein Wurm schwamm – und wer das letzte Glas aus der Flasche erhielt, musste diesen dann auch trinken, als Mutbeweis.

Wie mutig die Herren von „Zweiaufeins“ sind – oder waren – das werde ich diesmal versuchen, in unserem Gespräch über diese hochprozentigen Würmer herauszufinden. Nachzuhören ist das radioeins-Interview hier:

Gleich zu Beginn müssen wir zwei Dinge richtig stellen: Der Wurm ist gar kein Wurm, sondern eine Raupe, und diese Schmetterlingsraupen werden auf spanisch „Gusano“ genannt. Sie schwimmen auch nicht in Tequila, sondern in ausgewählten Mezcals. Mezcal ist ein Oberbegriff für in Mexiko aus Agaven gebrannte Spirituosen, zu denen auch der Tequila gehört. So ist jeder Tequila automatisch ein Mezcal, aber nicht jeder Mezcal ein Tequila.

Wie kam nun der Wurm in die Flasche? Als Marketingmensch sollte man sofort hellhörig werden, wenn sich viele verschiedene Mythen um ein Produkt ranken – so wie hier. Er sei eine dringend benötigte Proteinquelle, soll natürlich die Potenz fördern (reines Wunschdenken), er mache besonders betrunken (wie Früchte in einer Bowle), er löse Halluzinationen aus, ein „intakter“ Wurm bestätige die Qualität des Destillats, denn ein zu hoher Methanolgehalt würde diesen auflösen, die aus Agaven, die von dieser Raupe befallen sind, hergestellten Destillate sollen einen besseren Geschmack haben – um nur einige zu nennen.

Wer schon einmal Tequila getrunken hat, weiß um das Ritual dieses Getränkes: Je nach Farbe befeuchtet man den Handrücken, streut Salz bzw. Zimt auf die Stelle, leckt dies ab, kippt den Tequila nach und beißt dann herzhaft in ein Stück Zitrone oder Orange.

In manchen Gegenden in Mexiko wird nun zum Mezcal-Trinken „Sal de Gusano“ gereicht, eine kleine Schale mit Gewürzen, die aussehen wie Paprikapulver. Dieses Pulver besteht aus einer Mischung von Chili, Salz und gemahlenen Raupen.

Das alleine brachte aber die Raupe noch nicht in die Flasche: Während des 2. Weltkrieges wurde aufgrund von Schnapsmangel viel Tequila in die USA exportiert und erfreut sich seit dieser Zeit großer Beliebtheit. Nur: Die Produzenten rund um das kleine Örtchen Tequila konnten keine ausreichenden Mengen davon produzieren.

Schon damals gab es in Mexiko sehr viele Mezcal-Destillerien, deren Produkte dann ebenfalls in die USA exportiert wurden. Die Strukturen waren jedoch nicht sehr professionell und teils sehr lokal. Auch die Qualitäten der Mezcal-Lieferungen fielen oftmals sehr unterschiedlich aus. Es gab noch keine ausgereiften Marken mit bunten Labels oder Geschichten, die man gut vermarkten konnte.

Zu guter Letzt war Mexiko damals – und ist es heute noch – ein beliebtes Reiseziel der Amerikaner, zunächst harter Abenteurer, heute eher trinkfester Partytouristen.

Nun kommt der Mezcal-Produzent Jacobo Lozano Páez ins Spiel, der in den 50ern tatsächlich die Raupe in die Flasche brachte: Zum einen war das ein gut sichtbares Unterscheidungs-merkmal, ein USP, mit dem sich sein Mezcal deutlich von dem anderer Produzenten abhob. Zum anderen war es eine aufregende Geschichte, er prägte nämlich die Legende von dem besseren Geschmack. Drittens war es perfekt als Männlichkeitsritual feierwütiger Burschen und zu guter Letzt war es das perfekte Souvenir aus dem Mexiko-Urlaub.

Die Raupe im Mezcal kurbelte jedenfalls mächtig die Verkäufe an. Eine Zeitlang wurde sogar Mezcal mit einem Wurm pro Glas ausgeschenkt, weil die Nachfrage danach so hoch war!

1995 versuchte eine Bewegung zum Schutze der mittlerweile aussterbenden Raupe, den Wurm im Mezcal verbieten zu lassen. Viele Produzenten fürchteten um ihr Geschäft, denn die Käufer könnten einen Mezcal ohne Wurm als unauthentisch empfinden. Der Kampf um den Mezcal mit Raupe breitete sich bis zur mexikanischen Regierung aus und als das mexikanische Gesundheitsministerium dann Anfang der 2000er die Raupe als essbar und ungefährlich einstufte, verebbte der Protest.

Alles also nur Marketing – und das ist nicht gerade ein seltenes Phänomen. So kennen wir alle die berühmte „Piemont“-Kirsche in den kleinen Mon Cheris. Tatsächlich ist der Anbau von Kirschen im Piemont eher selten, Haselnüsse findet man dort eher. Die Kirschen kommen aus Chile, Polen oder Baden-Württemberg, je nachdem, welche gerade den niedrigsten Preis haben. Manchem mag diese zerplatzte Illusion nun das Herz brechen – ich sag nur: Claudia Bertani!

Ferrero ist besonders gut im Erfinden wohlklingender Zutaten aus Marketinggründen: Auch die viel beworbenen „byzantinischen Königsnüsse“, die angeblich in Rocher verarbeitet wurden, hat es nie gegeben.

Beim bärigen Puschkin Black Sun, eigentlich einer Art Fruchtlikör, war es die „sibirische Steppenwurzel“, die dem süßen Getränk die gewünscht männliche Note im Marketing gab. Immerhin gibt es diese Wurzel wirklich.

Und würden sich Fischstäbchen wohl gut verkaufen, wenn man sie mit „aus pazifischem Pollack hergestellt“ anpreisen würde? Da klingt doch „Alaska Seelachs“ gleich viel besser…! Natürlich hat der Pollack auch nichts mit Lachs zu tun, sondern gehört zur Familie der Dorsche.

Die Raupe ist also die Kirsche ist die Königsnuss ist der Pollack – alles reines Marketing!

Du hast den Tesa-Film vergessen, mein Michael!

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Beim Thema Film muss es sich ja nicht nur um Hollywood-Blockbuster drehen, sondern, insbesondere wenn man den Marketing-Experten einlädt, es kann sich auch um ein Produkt der wunderbaren Warenwelt handeln. Und so sprachen die Herren von „2auf1“ mit mir diesmal über den Tesa-Film. Nachzuhören ist das radioeins-Interview hier:

Bevor wir jedoch zum Tesa-Film kommen, müssen wir ein bißchen weiter in die Zeit zurückreisen, zum Apotheker Paul Carl Beiersdorf, der Ende des 19. Jahrhunderts ein von ihm entwickeltes Verfahren zur Herstellung von Wundpflastern beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin anmeldete. Am 28. März 1882 erhielt er die Patentschrift Nr. 20057 zur „Herstellung von gestrichenen Pflastern“ ausgehändigt.

Diese Heilpflaster basierten zunächst auf dem kautschukähnlichen Saft des Guttaperchabaumes – die sogenannte Guttapercha-Pflastermulle. Das Geschäft mit den Pflastern lief so erfolgreich, dass sich Beiersdorf 1883 von seiner Apotheke trennte, um sich nur noch auf die Pflasterproduktion zu konzentrierten. Doch als sich 1890 Beiersdorfs 16jährger Sohn erschoß, weil er im Gymnasium nicht versetzt worden war, verkaufte er sein Labor und die Produktion an den jungen Apotheker Oscar Troplowitz, der den Namen Beierdorf beibehielt.

Die Weiterentwicklung der Wundpflaster verlief jedoch schleppend: Sie hafteten zwar ganz hervorragend, reizten aber die Haut und lösten sich nur sehr schwer. Böse Zungen behaupteten gar, es würde beim Abziehen die Haut mit herunterreißen.

Wozu konnte die Klebetechnik also sonst noch genutzt werden? 1896 brachte Troplowitz dann das „Cito Sport-Heftpflaster“ zum Abdichten defekter Fahrradreifen auf den Markt – das weltweit erste technische Klebeband. Die Nachfrage hielt sich allerdings in Grenzen. Mit dem Kautschuk-„Lassoband“, wurde dann der Industrie ein erstes Produkt angeboten: Bonbonfabrikanten nutzen dieses beispielsweise zum Abdichten und Verschließen von ihren Dosen. Durchsetzen konnte sich jedoch keines der Produkte richtig und so wurde die Entwicklung technischer Klebebänder, die ohnehin eher eine Notlösung war, bald wieder eingestellt.

Schnitt.

1934 wollte sich Hugo Kirchberg, ein junger Mann, der in Eisenach in einer kleinen Firma mit Bürobedarf handelte, sich beruflich verändern. Der Industriekaufmann verschickte fast 500 Bewerbungen in alle Welt, bekam aber nur Absagen. Er bewarb sich auch bei der Beiersdorf AG in Hamburg und schrieb von den „unbegrenzten Möglichkeiten der Selbstklebe-Technologie“, die er gern in einem persönlichen Gespräch darlegen würde.

Bei Beiersdorf sah man das anders und nahm die Vision nicht ernst. Dennoch lud man ihn zu einem Gespräch ein. Kirchberg fuhr nach Hamburg – und überzeugte. Er sollte zunächst den Vertrieb für technische Klebebänder organisieren.

Im Januar 1935 brachte das Unternehmen dann unter der Bezeichnung „Beiersdorfs-Kautschuk-Klebefilm“ ein Produkt aus transparenter Acetat-Folie auf den Markt. Kirchberg erkannte aber, dass dieses nahezu glasklare Folien-Klebeband kaum verkäuflich war, wenn man nicht gleichzeitig eine kombinierte Abroll-Abtrenn-Vorrichtung mit anbot, damit der Anwender es schnell und sauber verarbeiten konnte. Kurzerhand entwickelte er einen „Behälter für mit Trockenklebstoff versehene Klebestreifenrollen“, für den er 1935 seine Patenturkunde erhielt.

Nun war ihm nur noch der Name zu sperrig. Er ging in das firmeneigene Namensarchiv, wo Produktnamen „auf Vorrat“ entwickelt wurden und wurde fündig. „tesa“ sollte das Klebeband heißen!

Der Name geht zurück auf die Kontoristin Elsa Tesmer, die von 1903 bis1908 für Beiersdorf arbeitete. Der Name wurde für verschiedene Produkte ausprobiert, unter anderem auch für eine Zahnpastatube mit Drehmechanismus, aber auch eine neuartige Wurstpelle, jedoch konnte sich keines der Produkte am Markt durchsetzen und so galt der Name als verbrannt.

Doch Kirchberg ließ nicht locker und so wurde tesa 1936 als Marke für Selbstklebeprodukte etabliert – und 1941 dann endgültig in tesafilm umbenannt.

Nach dem Krieg lief das Geschäft nur mühsam wieder an. Rohstoffmangel führte zu Qualitätsverlusten, auch konnte die benötigte Menge nicht sofort produziert werden. Doch im Wiedererstarken der deutschen Industrie in den Wirtschaftswunderjahren erkannte Kirchberg seine Chance: „Peilen Sie jeden Fabrikschornstein an. Unter jedem Schornstein wird Tesa gebraucht“, soll er seine Mitarbeiter angewiesen haben. Die Industriesparte von tesa stellt heute tausende Klebeprodukte her für die Bau- wie die Automobilbranche, für die Lebensmittelindustrie wie für Flugzeugbauer.

Auch für den privaten Kunden wurden neue Produkte entwickelt: Da Anfang der 1950er-Jahre noch viele Gebäude vom Krieg stark beschädigt waren, kamen die Ingenieure von tesa auf die Idee, ein Produkt zu erfinden, mit dem man Fenster und Türen abdichten kann, ohne dass man handwerklich besonders geschickt sein und viel Geld ausgeben musste. Sie entwickelten ein selbstklebendes Abdichtungsprofil aus Kunststoffschaum, das 1954 unter dem Namen tesamoll am Markt eingeführt wurde.

Werbetechnisch ist vielleicht dem einen oder der anderen noch Kati in Erinnerung, die in den 70er Jahren naseweis die tesa-Produkte an die Kundschaft brachte und sogar ein wenig Kultstatus erreichte, wie man hier sehen kann.

„Wo die Jugend ist, da ist auch 4711 immer dabei!“

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Es gibt einen ganz besonderen Geruch, der mich an meine früheste Kindheit, meine Großmutter und Großtanten erinnert – und das ist der Duft von 4711 – Echt Kölnisch Wasser. Den Herren von „Zweiaufeins“ geht es anscheinend genauso, denn sie luden mich ins radioeins-Studio zum Interview:

Es muss furchtbar gestunken haben, Anfang des 18. Jahrhunderts in den Straßen von Köln: Kaum ein Haus verfügte über eine Toilette, die Menschen, auch der Adel, wuschen sich aus Angst vor Krankheiten so selten wie möglich – und Müll wurde einfach aus dem Fenster auf die Straße geworfen. Es roch nach Unrat, Abfall und Schweiß.

Johann Maria Farina hatte eine sehr feine Nase und arbeitete als Parfümeur in Köln. Er suchte nach einem Duft, der den Gestank der Stadt auszugleichen vermochte.

Johann Maria Farina

Dazu destillierte er Bergamotte, Limette, Pampelmuse und Orange und schuf so des erste moderne Parfum. Farina jubelte, dass er einen Duft gefunden habe, der ihn an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, kurz nach dem Regen. Diesen Duft nannte er „Farina Original Eau de Cologne“ – echt Köllnisch Wasser.

1709 eröffnete er eine eigene Parfümerie und wurde sehr schnell erfolgreich: Er belieferte Höfe und Könige, zeitweise kostete eine Flasche seines Duftes das halbe Jahresgehalt eines Beamten. Napoleon soll es sich jeden Morgen auf Kopf und Schultern gesprüht haben und Goethe ließ sich angeblich von getränkten Dufttüchern auf dem Schreibtisch inspirieren.

Wo es viel Erfolg gibt, gibt es natürlich auch Nachahmer – oder, wie wir heute sagen würden, „me-too-Produkte“ -, wie den wohlhabenden Kaufmann Wilhelm Mülhens, der ein besonderes Näschen für’s Geschäft hatte.

Wilhelm Mülhens

Der Legende nach schenkte ihm ein Kartäusermönch namens Farina (!) zu seiner Hochzeit 1792 die Rezeptur für ein Aqua Mirabilis, ein Wunderwasser zur inneren und äußeren Anwendung. Da diese Legende nicht stark genug war, kam er auf eine weitere Idee: Er nahm einfach andere Männer mit Nachnamen Farina als Teilhaber auf. Und so hieß sein Unternehmen dann eine Zeitlang „Franz Maria Farina in der Glockengasse der Post gegenüber“. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und kaufte 1803 einem Herrn Farina die Namensrechte ab, um sein Cologne weiterhin als „Farina-Duft“ bewerben zu können. Auch diese Namensrechte hat Mülhens noch zu Geld gemacht, in dem er sie an 30 weitere Wettbewerber verkaufte. Den Farinas stank das gewaltig und es wurden im Verlauf der Jahrhunderte unzählige Prozesse geführt…

Denn: Markenschutz gab es damals noch nicht, das erste Markenschutzgesetz wurde 1875 erlassen. Farina lässt seine Marke daraufhin als eine der Ersten überhaupt in Deutschland eintragen und untersagt Wilhelm Mülhens endlich den Gebrauch seines Namens.

Ein neuer Name war nun nötig – und der Enkel des Plagiators besann sich auf eine andere gute Geschichte: Als die Franzosen 1794 Köln besetzten, verlangten sie von dem Bürgermeister, dass er alle Häuser in Köln durchlaufend zu numerieren habe – ein Prinzip, wie es damals in Frankreich üblich war. Das Stammhaus der Mülhens in der Glockengasse erhielt die Nummer 4711. Bereits in den 1830er spielte man mit dieser Zahl und verwendete sie in ihrer Parfüm-Geschichte, nun aber wurde sie zum Markenzeichen.

Das ursprüngliche „Wunderwasser“, das „aqua mirabilis“, wurde übrigens zunächst als Heilmittel verkauft. Es sollte innerlich eingenommen werden. Die Rezeptur des Wassers ist zwar bis heute geheim und die Komposition wurde auch nie geändert. Bekannt sind nur die Hauptbestandteile: ätherische Öle von Citrusfrüchten, Rosmarin und Lavendel, gelöst in reinem Alkohol. Kindern wurde es damals tropfenweise in Wasser verabreicht, Erwachsene verdünnten es gerne mit Weißwein. Und noch heute gibt es in einigen Kölner Hotels den „Blau-Gold-Cocktail“, in den zusammen mit Danziger Goldwasser, Curacao Blau und Wodka auch ein Spritzer „4711“ hineingegeben wird, bevor man den Drink mit Sekt auffüllt.

Napoleon Bonaparte jedoch erließ 1810 ein Dekret, in dem gefordert wurde, alle Geheimrezepturen für die innerliche Anwendung bedingungslos offenzulegen. Natürlich wollte Wilhelm Mülhens sein Geheimrezept nicht preisgeben und bezeichnete sein Kölnisch Wasser nun als „Duftwaser“, das ausschließlich äußerlich anzuwenden sei. So umging er die Veröffentlichungspflicht der Inhaltsstoffe.

Selbst heute noch ist 4711 aber mehr, es wird als „Aroma-Therapeutikum“ bezeichnet, dessen Duft eingeatmet werden soll. Die ätherischen Öle wirken sich dann positiv auf den Organismus und die Gemütslage aus.

2006 gelang die Marke dann zu dem Parfum-Unternehmen Mäurer & Wirtz, die 4711 nicht nur wiederbelebten, sondern auch stark verjüngten (z.B. mit einem 4711 Remix Cologne), um damit an die Erfolge alter Zeiten anzuknüpfen.

An historischem Orte, in der Kölner Glockengasse, findet sich heute noch das 4711-Dufthaus, das nicht nur ein Flagship-Store, sondern auch ein Museum beherbergt mit geschichtlichen Führungen, Duft-Seminaren und Duft-Menüs.

Helsinki: Männersauna. Alles steht, die Frisur sitzt.

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Dieser Titel war, wenn ich mich recht erinnere, ein alter Otto-Witz, der jedoch vorzüglich zum heutigen Gespräch mit den Herren von „Zweiaufeins“ passt. Das Thema der Sendung ist „Sturm“ – und so kamen wir über die Sturmfrisur auf einen Kultklassiker der Werbung zu sprechen:

Ende der 80er eroberte diese ominöse Geschäftsfrau einen Platz in unserer Erinnerung. Sie flog, bestens gestylt, mit einem Privatjet von… Hamburg? Berlin? München? Egal, wen man fragt, her versagt das Gedächtnis und man bekommt die tollsten Antworten! Hier noch einmal der Originalspot:

Wir haben uns ja damals immer gefragt, was diese Dame überhaupt beruflich macht: Waffenschieberin? Und wieso muss der Privatjet in München zwischenlanden? Und warum reisen da noch so viele andere Menschen mit? Egal, Hauptsache, die Frisur sitzt!

3 Wetter Taft von Schwarzkopf gelang damit ein Weg ins kollektive Gedächtnis, denn jede passende (und auch unpassende) Gelegenheit wurde lange Zeit mit „naja, Hauptsache, die Frisur sitzt“ kommentiert. Und das macht sich natürlich bezahlt, denn, Stand 2020, die beliebteste Marke bei Haarspray ist 3 Wetter Taft, gefolgt von Wellaflex und Nivea.

Haarspray wurde 1955 erfunden und erstmals vermarktet. Die technische Voraussetzung für das Haarspray war die Erfindung der Sprühdose, die Flüssigkeit zerstäuben konnte. Das Haarspray wirkt dabei wie ein Haarnetz.

Als Rohstoff für die Herstellung von Haarspray diente übrigens zunächst Schellack, das Sekret der Lackschildlaus, aus dem früher auch die Schellackplatten hergestellt wurden. Erste Markennamen waren Wellaflex und Taft.

Natürlich wurde Haarspray sehr schnell sehr populär, um die aufgetürmten Frisuren zu fixieren und die Haarhelme zu festigen. Lange Zeit gab es zudem auch nur wenig Konkurrenz, so dass die Damen damals sich nicht „Haarspray in die Haare sprühten“, sondern die Haare „tafteten“.

Die Frisuren der 80er waren wie gemacht für den Haarpray-Absatz: „Glamouröse Wellen, die geföhnt, toupiert und mit Taft in Form gebracht werden, werten jeden Look auf. Eine Löwenmähne für eine Löwin eben, die als starke Frau weiß, was sie will. Und auch handwerklich gehören die 80er Styles zu meinen Favoriten. Hier können Friseur*innen einmal so richtig Hand anlegen. Mit Taft besprüht hält der Look auf jeden Fall auch zuhause!“ tut der Schwarzkopf Haarexperte Armin Morbach kund. Und während man in den 80ern noch schön durch Europa flog, wurde der Einsatz in den 90ern dann schon internationaler:

Schwarzkopf, das zum Henkel-Konzern gehört, geht zurück auf den Chemiker und Apotheker Hans Schwarzkopf, der im Jahr 1898 an der Passauer Straße in Berlin-Charlottenburg die „Farben-, Drogen- und Parfümeriehandlung“ eröffnete. Eine seiner Kundinnen hatte in England ein Haarwaschmittel in Pulverform entdeckt und bat ihn, es ihr zu bestellen. Schwarzkopf kam auf die Idee, selbst ein solches Produkt zu entwickeln, und brachte im Jahr 1904 ein Shampoo in Pulverform auf den Markt. Es kostete pro Tüte, die für eine Behandlung reichte, 20 Pfennige. Das Pulver wurde einfach in Wasser aufgelöst und erwies sich dank der bequemen Handhabung allen anderen damals erhältlichen Haarwaschseifen als überlegen. Das „Shampoon mit dem schwarzen Kopf“ wurde zum ersten „Haar- Markenartikel“ in Deutschland. Angesichts des Erfolges gab Schwarzkopf noch im selben Jahr seine Drogerie auf und konzentrierte sich ausschließlich auf die Produktion und Vermarktung seines Shampoos.

https://www.henkel.at/resource/image/825736/4x3/1000/750/b9a22d30e10ce60a11b63c282ec550cf/uA/1906-anzeige-shampoon.jpg

Der Haarspraymarkt ist mittlerweile jedoch seit Jahren rückläufig. Und Corona hat noch einmal das Seine dazu beigetragen, denn wozu sollte man sich noch aufwändige Frisuren stylen? Die wichtige Frage bei Schwarzkopf lautete also, wie kann man Haarspray und in diesem Fall insbesondere natürlich 3 Wetter Taft wieder in die Einkaufskörbe der Verbraucher zurückbringen?

Und so besann man sich in diesem Jahr auf den Erfolg der Kampagne von vor 30 Jahren. Nostalgie ist ein großes Thema im Marketing, schon andere Firmen wie die Allianz haben ihre alten Spots wieder ausgegraben, um uns mit dem wohligen Gefühl des Erinnerns zu aktivieren. Hach, endlich mal wieder im Privatflieger um die Welt düsen, endlich wieder zurück ins taffe Business – und dazu noch eine starke, erfolgreiche Frau! Natürlich kann man das heute nicht mehr ohne die notwendige ironische Brechung präsentieren – und so entstand eine Parodie, die vollkommen überspitzt dieselbe Werbewelt – aber eben ohne Taft – zeigt. Denn egal, wie es ist, eine Welt ohne 3 Wetter Taft ist eben auch keine Lösung. Hauptsache, die Frisur sitzt!

Kamm In zu Hair-Cooles

Heute wird es besonders crehairtiv, denn ich war wieder einmal Gast bei „Zweiaufeins“ und diesmal ging es um das Thema „Warum haben manche Frisiersalons so lustiglustige Namen?“. Ich bemühte mich, das Phänomen zu erklären:

Tatsächlich habe ich eine ganze Zeitlang merkwürdige Salon-Namen fotografiert und gesammelt, denn anscheinend sind unsere Haarkünstler besonders einfallsreich, wenn es um den Namen geht: Ob „Hairlich“ oder „Haarmonie“, „Barhaarmas“ oder „Bel Hair“, ob „4 Haareszeiten“ oder „Haarvanna Club“ – der Wortspiel-Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Meine persönlichen Favoriten sind übrigens neben „Hair Cooles“ der „Kaiserschnitt“ und „Fönix“…

Doch warum überschlagen sich nun die Haarichtekten derart, wenn es um die Namensfindung geht?

Zum einen galt es ab den spaßigen 80ern, sich deutlich von den traditionellen, eher als spießig empfundenen Bezeichnungen abzusetzen. „Salon Ingeborg“ oder „Ihr Friseur Manfred“ waren einfach nicht mehr zeitgemäß, zumal man ja auch die jungen Zielgruppen ansprechen und nicht mehr nur die Omas ondulierten wollte. Ich sag nur „Stu-stu-stu-Studioline“.

Zum anderen soll der besondere Namen bereits einen ersten Hinweis auf die Kreativität der Haar-Künstler geben. Schon in den 70ern musste der Friseurmeister dem „Coiffeur“ weichen, wollte man doch Weltgewandheit beweisen. Nun ging es um junge, freche, verrückte Schnitte – und das schafft eben nur ein wahrer Crehaartiver.

Und zu guter Letzt geht es auch darum, Aufmerksamkeit zu schaffen. Gute (Marken-) Namen sollen merk-würdig sein, also des Merkens würdig. Und in Instagram-Zeiten sorgt der gute designte Schriftzug mit dem komischen Namen dann auch für eine schnelle Weiterverbreitung. Kostenlose Werbung dank des guten Namens.

Doch was früher einmal besonders war, ist heute dann schon abgenutzt. So gibt es unzählige „Kamm In“s in der gesamten Republik verteilt. Und manchmal wirkt selbst der *hüstel* kreative Name etwas aufgesetzt, wenn der restliche Look dann nicht stimmt:

Der Friseur meines Vertrauens müsste anders aussehen….

So schlägt das Pendel langsam wieder zurück, immer häufiger sieht man wieder den „Salon Manuel“, immer öfter soll die Persönlichkeit, der Mensch hinter dem Haarschnitt, bzw. dem Haarschneidenden zur Geltung kommen.

Obwohl, manche können es dann mit der vermeintlichen Kreativität doch nicht ganz sein lassen:

Einfach haarsträubend…

Auf diese Steine können Sie bauen….

Welches Elternteil ist wohl noch nie auf den Stein der Steine getreten, wenn es im Dunklen im Kinderzimmer herumtaperte…? Ein Schmerz, der in Erinnerung bleibt. „Stein“ ist auch das Thema bei „Zweiaufeins“ diesmal und ich durfte auf radioeins ein wenig über die fabelhafte Geschichte des Lego-Steins erzählen:

Now we know - Album on Imgur

Los ging es 1932, als Ole Kirk Christiansen die Lego-Gruppe gründete. Die Keimzelle war: eine Schreinerei – und alle Spielzeuge, die hergestellt wurden, waren aus Holz: Häuser, Lastwagen, Tiere usw. Nebenbei wurde auch eine Menge anderer nützlicher Dinge wie Trittleitern, Bügelbretter und Hocker hergestellt, da in den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise Spielzeug allein als Geschäftsmodell nicht tragend war.

Godtfred Kirk Christiansen – Artikel - LEGO.com DE

Doch nach und nach wurde Spielzeug wieder stärker nachgefragt, die Werkstatt wurde größer, mehr Personal musste eingestellt werden – und ein guter Name musste her! Ole Kirk Christiansen leitete damals vom dänischen „leg godt“, was „gut spielen“ bedeutet, den allseits bekannten Namen „Lego“ ab. Andere Quellen behaupten, dass Lego im Lateinischen „ich baue zusammen“ bedeutet – die dänische Variante erscheint mir jedoch glaubwürdiger.

LEGO Logo selber nachbauen: Bauanleitung und Teileliste | PROMOBRICKS - LEGO  News

An Plastik war tatsächlich erst nach dem 2. Weltkrieg zu denken, doch Christiansen erkannte früh die Chance: 1947 kaufte er eine der ersten Kunststoff-Spritzgussmaschinen in Dänemark und begann, Plastikspielzeuge zu entwickeln. Das erste Spielzeug, das produziert wurde, war ein LKW, der auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden konnte. Schnell wuchs das Sortiment auf gut 200 verschiedene Spielzeuge an, inklusive eines „automatischen Bindesteins“ mit vier, bzw. acht verbindenden „Zapfen“… der Lego-Stein war geboren!

Doch noch wurde Plastikspielzeug kaum nachgefragt, die Kunden wollten nach wie vor lieber Holz- oder Metall-Spielzeug kaufen. Holzbausteine hatten jedoch einen großen Nachteil: Sie hielten nicht zusammen und stürzten schnell um. Das Bausystem der Lego-Steine war wesentlich stabiler, da die Steine miteinander verbunden werden konnten. Als dann noch der Bestand des Holzspielzeuges bei einem Brand im Lagerhaus 1960 größtenteils vernichtet wurde, fokussierte sich Christiansen endgültig auf Plastik. Der Lego-Stein wurde patentiert und dann kamen auch zügig die ersten Bausätze auf den Markt.

Das Design des ursprünglichen patentierten Lego-Steins wurde übrigens nie geändert, die Steine von damals lassen sich also nach wie vor mit den Steinen von heute verbauen, was bei der Langlebigkeit der Steine auch durchaus möglich wäre. Hergestellt werden diese aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS-Kunststoff). Sie sind ungiftig, wenig anfällig für Verfärbungen und äußerst robust. Mehr als 400 Milliarden Legosteine wurden seit der Markteinführung im Jahr 1958 bislang hergestellt. Und aus sechs Lego-Bausteinen mit acht Punkten lassen sich 915 Millionen Kombinationen zusammenbauen.

1958 verstarb Christiansen, doch sein Sohn Godtfred führte das Geschäft weiter. 1962 gelang der Schritt in die Vereinigten Staaten – mittlerweile ist Lego in mehr als 140 Ländern weltweit erhältlich.

1969 kam dann „Duplo“ zur Lego-Familie dazu: doppelt so große Steine (Duplo kommt vom lat. „duplus“, doppelt), mit denen auch die kleineren Hände der jüngeren Kinder besser zurecht kommen konnten.

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Lego war stets innovativ und erweiterte die Sets kontinuierlich: 1978 kam Lego City auf den Markt und viele weitere folgten. 1998 rutschte Lego jedoch in eine tiefe Krise: Erstmals seit der Gründung schrieben sie einen Verlust von 28 Millionen Dollar. Tausende Angestellte verloren ihren Job. Grund war einerseits der permanente Wachstumsdrang: Kleidung, Bücher, Schmuck – Lego wollte überall dabei sein und hatte dabei das Kerngeschäft aus den Augen verloren. Auch die Legoland-Themenparks verschlangen viele Ressourcen und noch mehr Geld, vor allem weil den Dänen in diesem Marktsegment das Know-How fehlte. Andererseits gab es Ende der 1990er-Jahre erstmals ernsthafte Konkurrenz im Kinderzimmer: Playstation und Nintendo-Konsolen waren die neuen Favoriten der Kinder. Das Unternehmen hatte zudem das Vertrauen in den kleinen Stein verloren – die Identitätskrise war perfekt.

Die Rettung lag im Lizenzgeschäft: Sets zu Star Wars, Minecraft, Batman, den Marvel Super Heroes und den DC Super Heroes sowie Harry Potter erwiesen sich als Verkaufsschlager – trotz der hohen Preise, die bedingt durch die Lizenzgebühren bezahlt werden müssen.

Star Wars™ | Themenwelten | Offizieller LEGO® Shop DE

Heute beschäftigt Lego weltweit rund 16.000 Menschen und betreibt Fabriken in Dänemark, Ungarn, Tschechien, Mexiko und China. Der Umsatz lag 2019 bei 5,15 Milliarden Euro, der Gewinn bei 1,1 Milliarden. Weltweit betreibt der Konzern 570 Geschäfte. In China verbucht Lego ein jährliches Wachstum im zweistelligen Bereich. In der Lego-Fabrik in Billund werden 4,7 Millionen Lego-Steine pro Stunde hergestellt, das entspricht 1300 Steinen pro Sekunde, weltweit sind es jedes Jahr etwa 19 Milliarden Lego-Teile, das sind dann 36.000 pro Minute.

Größter Kritikpunkt: Letztendlich reden wir hier von Plastik – und ein Ende der Verwendung des Kunststoffes ist noch nicht in Sicht, denn bislang hat sich noch kein organischer Stoff gefunden, der alle Anforderungen an einen Lego-Stein erfüllt, auch wenn Lego über 100 Millionen € jährlich in die Forschung investiert.

Ice, Ice Hasso

Kaum steigen die Temperaturen sanft, schon denken die Herren von „Zweiaufeins“ nur an eines: Eis! Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass es nicht um die eigenen Genüsse geht, sondern Eis für Hunde! Was es damit auf sich hat, erzählte ich im radioeins-Interview:

Denn tatsächlich bietet die Kult-Eisfirma Ben & Jerry’s seit Ende Januar Speiseeis für Hunde an. Bislang gibt es die „Doggie Desserts“, so der Name, jedoch nur in den USA.

Zum Auftakt gibt es das Hunde-Eis in zwei Sorten: „Pontch’s Mix“ ist mit Erdnussbutter und salzlosen Knabberbrezeln angerührt, „Rosie’s Batch“ erfreut den Waldi mit Kürbis und Mini-Keksen.

Auf der Website von „Ben & Jerry’s“ erfährt der interessierte Leser, dass Hunde jedoch eigentlich gar kein Eis essen sollten. Denn auch Hunde können laktoseintolerant sein. Aber selbst bei den Vierbeinern, die keine Laktoseintoleranz haben, können Milchprodukte Verdauungsprobleme verursachen. Deshalb wurden die Hundedesserts mit sehr begrenzten Milch-Mengen und stattdessen mit Sonnenblumenbutter zubereitet.

Der Rest der Zutaten ist identisch mit denen, die für die veganen Sorten des Hauses genutzt werden. Das Eis wurde zwar nicht für den menschlichen Genuss entwickelt, wer aber unbedingt kosten möchte, könne dies tun, er müsse eben nur die Kombination aus Kürbis und Keksen mögen.

Die „Doggie Desserts“ gibt es im Einzelbecher und im Viererpack. Und sie sind, wie auch das B&J-Eis für Zweibeiner, nicht gerade günstig: Der Einzelbecher kostet 2,99 Dollar, der Viererpack ist für 4,99 Dollar zu haben. Doch Tierfreunden ist für ihre Lieblinge nichts zu teuer.

Für Unilever, dem Unternehmer, zu dem die Marke Ben & Jerry’s gehört, ist dies der späte Einstieg in den Milliarden-Markt „Tierfutter“, der in erster Linie von der Mars-Corporation (u.a. Marken wie Trill, Cesar, Pedigree, Royal Canin, Sheba, Whiskas, Frolic, kitekat, Chappi, Catsan) und Nestlé (Purina) dominiert wird.

Doch auch in Deutschland ist der Markt für Tierfutter milliardenschwer: Mit einem Gesamtumsatz von 4,325 Milliarden Euro konnte der Fach- und Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2019 ein Umsatzplus von 2,4 Prozent verzeichnen. Für 2020 ist mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, da viele Deutsche sich in Corona-Zeiten ein Haustier zulegten, um ihre Einsamkeit durch den Lockdown zu lindern. Oder auch, weil dank Homeoffice die Lebensumstände für die Tierhaltung gegeben waren. So sind Haustiere nicht nur für viele Familien ein „Muss“, 33 Prozent aller Singles haben ebenso ein Heimtier.

Im Jahr 2019 besaßen 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland Haustiere. Insgesamt lebten die Menschen hierzulande mit 34 Millionen Hunden, Katzen, Kleinsäugern und Ziervögeln zusammen.

Die Katze ist dabei weiterhin Deutschlands Liebling: 14,7 Millionen Fellknäuel leben in 23 Prozent der Haushalte. Hunde belegen den zweiten Platz der Lieblingstiere: So stieg die Anzahl im Jahr 2019 auf 10,1 Millionen Hunde in 20 Prozent der deutschen Haushalte; das sind 700.000 Hunde mehr als noch im Jahr 2018.

Doch für viele Tierhalter ist das Haustier nicht nur sozialer Begleiter, sondern es wird wie ein Familienmitglied behandelt und ist oftmals Kindersatz, z.B. wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind. Das Geschäft mit Tierfutter und -zubehör scheint also fast so krisensicher zu sein wie das mit Babynahrung und -ausstattung, zumindest solange es Tierhalter gibt, die ihre Lieblinge ebenso verwöhnen wie ihre Kinder.

So verwundert es nicht, dass das Geschäft rund um domestizierte Hunde, Katzen, Nager, Vögel, Fische und Reptilien ausgerechnet in der Adventszeit boomt und auch für den deutschen Tierfachhandel der Dezember der stärkste Verkaufsmonat des Jahres ist. Und das nicht etwa nur, weil viele Kinder ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen unter dem Weihnachtsbaum finden. Die Toprenner sind: Adventskalender, Spielzeug und Bekleidung, denn fast die Hälfte der deutschen Herrchen und Frauchen beschenken auch ihr Tier zum Weihnachtsfest.

Ben & Jerry’s sind also in den großen Markt „Tierfutter“ eingestiegen – und beweisen auch sonst oft ein gutes Näschen für Trends. So gibt es nun schon seit geraumer Zeit das „Netflix-Eis“ in Kooperation mit dem Streaming-Anbieter: Netflix & Chill’d.

Denn wer schiebt sich nicht beim Netflix-Gucken den einen oder anderen süßen oder salzigen Snack in den Mund? Es lag deshalb nahe, dass Netflix selbst etwas an den Snacks verdienen will. In „Netflix & Chill’d“ kommt nun das Beste aus allen Welten zusammen: Erdnussbutter-Eis mit „süß-salziges Brezel Swirl und Fudge Brownie“. Also süß und salzig und kalt: der perfekte Binge-Begleiter!

Na, wo drückt denn die Ware?

„Druck“ ist das Thema bei den Herren von Zweiaufeins an diesem Sonntag und dazu unterhielten sie sich mit mir über das Thema „Warendruck“. Nachzuhören ist das radioeins-Interview hier:

Der Warendruck ist zunächst einmal ganz simpel die Frage, wie viel Ware ein Händler in seinem Geschäft unterbringen kann, also sowohl wie tief als auch wie breit sein Sortiment ist. Es lässt sich am Warendruck aber ganz gut ablesen, wie sich unsere Einkaufsgewohnheiten in den letzten 75 Jahren verändert haben.

Bevor sich der Supermarkt in Deutschland durchsetzen konnte, kauften die Deutschen ihre Lebensmittel auf dem Markt, beim Kolonialwaren-Händler oder beim Tante-Emma-Laden. Nachkriegsbedingt herrschte zunächst Warenknappheit: Ein Einkauf, den wir heute als normal bezeichnen würden, um über die nächsten drei Tage zu kommen, führte zu drei, vier, fünf verschiedenen Händlern.

Schon vor dem 2. Weltkrieg eröffnete Herbert Eklöh in Osnabrück nach amerikanischem Vorbild den ersten Selbstbedienungsladen Europas: 250 Quadratmeter Verkaufsfläche, 10 Abteilungen, Eingang und Ausgang getrennt. Die Organisation war schwierig: Möbel und Einkaufskörbe gab es nur als Sonderanfertigungen, vorverpackte Waren waren weithin unbekannt und auch die Werbung musste ganz anders betrieben werden. Während des Krieges wurde der Laden jedoch ausgebombt.

Eklöh gab aber nicht auf und eröffnete 1957 in der ehemaligen Kölner Rheinlandhalle den ersten Supermarkt der Bundesrepublik mit der heute noch imponierenden Verkaufsfläche von 2.000 Quadratmetern und einem Jahresumsatz von fast zehn Millionen Mark. Er war ein großer Verfechter der Supermarkt-Idee und galt als „Wanderprediger für Selbstbedienungs-Großraumläden“. Habt keine Angst vor Quadratmetern!, war seine Losung. 1959 verkaufte Eklöh seine fast 30 hochmodernen Selbstbedienungsläden an ein Konsortium der Warenhauskonzerne Karstadt, Hertie, Horten und Kaufhof.

Mit den Supermärkten wuchs die Bedeutung des großen Sortiments: Warendruck erzeugt Umsatzdruck – oder: Massen zeigen, dann werden auch Massen gekauft! Die kleinen Läden könnten trotz persönlicher Betreuung, Beratung und Service-Angeboten der Verlockung der Warenmassen nicht die Stirn bieten – und verloren den Kampf gegen die Selbstbedienung. Die Einkaufsmenge der Ketten ließ zudem die Preise für den Endkunden purzeln, so dass das Gesetz der Nachfrage zum Tragen kam: Sinkt der Preis, steigt die Nachfrage. Sinkt der Preis extrem, steigt die Nachfrage extrem. Sie steigt auch weiter, selbst wenn sich am Bedarf eigentlich gar nichts geändert hat.

Immer größer, immer mehr – die Konzentration der großen Handelsketten führte im Verlauf der Jahrzehnte dazu, dass der Handel seine Funktion als Flaschenhals nutzte. Immer mehr Produkte wollten sich auf dem Markt präsentieren, aber trotz aller Großflächen war nicht genug Platz da – wer als Hersteller im Handel präsent sein wollte, musste diesen Flaschenhals passieren. Die Handelsketten begriffen ihre Macht: Wer in das Sortiment aufgenommen werden wollte, musste Listungspreise zahlen, damit er „eingelistet“ wird. Doch damit nicht genug: Die Händler bestimmten die Preise, verlangten WKZs (Werbekostenzuschüsse) und Promotions, wälzten das Risiko der Überlagerung auf die Hersteller ab, indem sie Lagerausgleichsgarantien forderten und drohten immer wieder mit der Auslistung. So listete Edeka kürzlich nicht nur Heinz-Ketchup, sondern auch viele Produkte der Nestlé-Gruppe aus, um bessere Konditionen zu erzwingen. Gerade der wachsende Anteil an Eigenmarken der Handelsketten hilft dabei, die Daumenschraube auf die Markenhersteller anzuziehen.

Mit der Digitalisierung änderten sich die Vorzeichen jedoch wieder einmal, denn nun haben die Hersteller die Möglichkeiten über ihre eigenen Online- wie auch Flagship-Shops direkt an den Kunden zu verkaufen, ohne den zu mächtigen Handel zwischenschalten zu müssen. Nicht nur ändert sich dadurch die Kalkulation der Produkte, sondern die Hersteller erhalten nun das Kostbarste überhaupt: den direkten Zugang zum Kunden – und dessen Daten. Der Warendruck findet jetzt in den grenzenlosen Online-Angeboten statt, mit denen der klassische Handel nicht mehr mithalten kann.

Der Siegeszug der Mono-Marken-Shops lässt sich in den Einkaufszonen unserer Städte leicht erkennen. Nike hat z.B. schon 2017 verlauten lassen, statt der bislang 30.000 Einzelhändler nur noch 40 beliefern zu wollen – und stattdessen ihre Produkte über ihre eigenen Stores und Websites zu verkaufen. Die Flagship-Stores der Marken werden dabei viel mehr als Repräsentanz- und nicht als Verkaufsflächen verstanden: Die Ware kann hier „erlebt“ werden, die Kaufabwicklung übernimmt der Online-Shop.

Parallel sehen wir dazu das Sterben der Mehrmarken-Händler, auch der klassischen Kaufhäuser, denen oftmals die nun wiedererstarkten Hersteller die Konditionen diktieren. So werden beispielsweise die Bestellungen dieser Händler nur noch ausgeliefert, wenn sie auch andere Waren des Herstellers abnehmen. Der Mehrmarken-Händler bekommt also die georderten Kleider und Hosen nur, wenn er auch die Handtaschen abnimmt, selbst wenn diese für ihn nur schwer oder gar unverkäuflich sind.

Da wir als Konsumenten zunehmend unseren Grundbedarf im Internet bestellen, sehen wir eine wachsende Zahl an „Tante-Emma-Läden 2.0“ oder, wie es neudeutsch heißt, „kuratiertes Einkaufen“. Zu viel Auswahl führt nämlich zu einer Entscheidungsunlust und da sind wir doch sehr dankbar, wenn jemand, der sich auskennt, für uns eine Vorauswahl tätigt. Ob dies das Ende des „Warendrucks“ bedeutet, bleibt aber zu bezweifeln…

Aus dem Wald ertönt die Bitte…

Na, wer kann diesen Titel vervollständigen? Ich würde mal vermuten, niemand aus meiner geschätzten Leserschaft, der unter 30 ist….. unter 40? Wird auch schon schwer. „…nimm die Hand von meiner Paechbrot-Schnitte!“ Diese und andere Werbereime der Firma Paechbrot konnte man in den 80ern in den Berliner U-Bahnen finden – und sie haben sich hervorragend in unsere Gehirne eingebrannt.

Ralf Maltzahn Bauabteilungsleiter Amt Bad Oldesloe-Land
Ulli-Frechdachs: Ich bin Produkttester für die Milka Lila Pause!!!

So wie die Farbe der schönsten Pausen. „Pause“ ist auch das Thema bei den Jungs von „Zweiaufeins“ und coronabedingt sprachen wir am Telefon über das Verschwinden der gut merkbaren Werbeclaims und nicht im radioeins-Studio.

„Wenn einem also Gutes widerfährt, dann ist das einen Asbach-Uralt wert.“ Nur einer von vielen Klassikern der deutschen Werbesprüche, der selbst schon „asbachuralt“ ist, aber dennoch in vielen Köpfen herumgeistert. Doch was bleibt von den aktuellen Werbungen in unseren Köpfen? So gut wie nichts.

Das hat nun mehrere Gründe. Der erste liegt in der Zersplitterung der Medien-Landschaft. Wir hatten ja früher nichts, und vor allen Dingen keine große Auswahl an Medien. Im Fernsehen gab es lange Zeit nur zwei Sender, die äußerst begrenzte Werbeblöcke ausstrahlten (ARD & ZDF) und selbst als die privaten Sender dazu kamen, war das noch ziemlich überschaubar. Gleiches galt für die Radiosender. Gut, dafür ging man häufiger ins Kino, wo die Werbeblöcke noch deutlich länger waren. Aber das alles ist nichts im Vergleich zu der Vielzahl der analogen und digitalen Medienkanäle, die wir heute zur Auswahl haben.

Hat ein Unternehmen früher also seine Spots im deutschen Werbefernsehen plaziert, konnte es sicher sein, eine große Zahl von Menschen damit zu erreichen – und durch viele Wiederholungen auch die nötige Frequenz an Kontakten herzustellen, die es benötigt, um eine Botschaft dauerhaft in den Köpfen unterzubringen. Heute gilt es zunächst einmal, die zielgruppenkonformen Kanäle zu bestimmen – und selbst dann ist die Auswahl der buchbaren Medien noch riesig. Das Dilemma der Werbetreibenden liegt darin, sich entweder auf wenige Kanäle zu konzentrieren und diese hochfrequent zu bespielen, was aber stets bedeutet, auch viele Menschen nicht zu erreichen, oder aber breit zu streuen und viele Kanäle auszuwählen, wo man dann aber (auch aus Kostengründen) selten die nötige „Verankerungskontaktzahl“ erreicht.

Ein zweiter Grund ist in unserem Medienkonsum-Verhalten zu finden: Wir haben Antikörper gegen Werbung entwickelt und wissen, diese gut zu vermeiden. Bei Fernsehen wird einfach weggezappt, wenn der Werbeblock beginnt, falls wir überhaupt noch werbefinanziertes Fernsehen schauen und nicht schon längst die oft werbefreien oder zumindest -reduzierten Mediatheken oder Streamingdienste nutzen. Auch Radiosender werden zumindest von jungen Zielgruppen nicht mehr gehört, wozu auch, es gibt doch Soundcloud, Spotify & Co.

Das ist dahingehend für unsere Werbesprüche besonders dramatisch, da sich diese über unseren Hörsinn in unsere Gehirne einnisten, und zwar besonders gut, wenn sie sich reimen oder gar gesungen werden. Brechen nun aber die Medien weg, die die Ohren ansprechen (und wir haben momentan auch dank der sozialen Medien eine sehr starke Bildlastigkeit in der Kommunikation), dann verankert sich eben nichts mehr.

Zu guter Letzt gibt es einfach kaum noch gute Claims. Viele Unternehmen agieren multinational oder gar global und wählen deshalb englische Claims, die hier von vielen gar nicht verstanden und auch nicht so gut gemerkt werden wie die guten alten deutschen Reime. Statt „Hoffentlich Allianz versichert“ heißt es heute eben „Axa – Know You Can“. Na vielen Dank auch.

Kleiner Test: Wer kennt den aktuellen Claim

a) des „Spiegel“?

b) von Zalando?

c) von Obi?

Lösung

a) Wir halten der Welt den Spiegel vor.

b) free to be

c) Alles machbar. Mit Obi.