Oh Wunderbaum, oh Wunderbaum, wie grün riecht jetzt der Innenraum…

„Üble Gerüche überdecken“ – auf dieses Thema kam der begnadete Redakteur Dave von 2auf1, als es um den Marketing-Aspekt des Themas „Decke“ gehen sollte. Und so sprach ich nun am Sonntag im radioeins-Studio über das Thema „Wunderbaum“:

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Bäumchen im zweistelligen Millionenbereich  verkauft und man kann die deutsche Bevölkerung getrost einteilen in diejenigen, die den Wunderbaum lieben – und diejenigen, die ihn hassen. Vater des Wunderbaums ist Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker mit deutschen Wurzeln. Dieser forschte über die Gewinnung von Kiefernadelöl und wie es der Zufall (oder die Legende) so wollte, traf er eines Tages den Fahrer eines Milchwagens, der sich über die üblen Gerüche ausgelaufener Milch in seinem Fahrzeug beklagte. Sämann konzentrierte den Kieferduft auf einen Karton und gründete 1952 sein Unternehmen.

Die in den USA „Little Trees“ genannten Bäumchen fanden großen Anklang bei Taxifahrern, die ihren Fahrgästen frischen Duft und eine schöne Dekoration bieten wollten. Mittlerweile erfreuen sich die Geruchsbomben fast weltweit großer Beliebtheit:

Wunderbaum – erfrischt nicht nur die Luft, sondern auch das Herz. Dieser Satz ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern der Claim der Marke.

Von den über 60 Düften, die es mittlerweile gibt, führt in Deutschland mit Abstand „Vanille“ das Feld an, gefolgt von „Sportfrische“ und „Neuwagen“, es gibt aber auch „Cocktail Trees“ in den Geschmacks…ääh…Geruchsrichtungen „Pina Colada“, „Mai Tai“ und „Margarita“ (wonach reicht eigentlich eine Margarita??) oder auch die „Rock Range“, unter anderem mit den Düften „Born to Rock“ und „Wild Child“.

Auf der nach oben offenen Odeur-Skala ist also noch vieles möglich, nur eines sollte man nie: die Folie ganz vom Bäumchen entfernen, denn dann kommt es zum olfaktorischen Overkill. Also immer nur Stückchen für Stückchen runterziehen und tief durchatmen….

Schließen möchte ich jedoch mit diesem sehr sehenswerten Beitrag: Unboxing the Wunderbaum 🙂

Universal Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Millionär – wer träumt nicht davon? Zumindest Herr Finger und Herr Oswald von „Zwei auf Eins“ versuchen  noch, mit ehrlicher Moderationsarbeit reich zu werden, und luden mich zur Unterstützung ins radioeins-Studio, um mit Ihnen über den Mythos des Tellerwäschers zu reden:

Woher kommt dieser Grundglaube des „American Dream“, dass jeder es schaffen kann, wenn er sich nur genug anstrengt? Als Einwanderungsland zogen die Vereinigten Staaten all jene an, die einen neuen Start wagen wollten. Die Immigranten kamen oftmals mittellos mit kaum mehr als ein paar armseligen Besitztümer an und arbeiteten hart für den Neuanfang. Einige schafften es, sich erfolgreich zu etablieren, andere scheiterten hingegen und einige wenige wurden durch Fleiß, Leistung und natürlich durch Glück sehr vermögend. Der Glaube an die Möglichkeit des sozialen Aufstieges in eine höhere Klasse macht daher einen entscheidenden Teil des amerikanischen Nationalsbewußtseins aus, inklusive mythischer Verklärung:

 

Fast 80% der US-Amerikaner glauben nach der Hertz-Studie fest an diesen Grundsatz, obwohl nur 1% es tatsächlich aus armen Verhältnissen in die obersten 5% der vermögenden US-Bevölkerung schaffen. Der Haken an der Sache ist eben, dass Fleiß, Leistung und Anstrengung alleine nicht ausreichend sind – sonst wären mit Sicherheit schon die meisten von uns mehrfache Millionäre. Neben Bildung ist Glück nach wie vor der entscheidende Faktor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Natürlich unterschlagen die vielen Erfolgsratgeber diesen Umstand gerne, wirkt er doch wie ein Verkaufsgift.

Wenn wir uns nicht vor Augen halten, dass Glück der Erfolgsfaktor ist, dann finden wir uns schnell in einer Falle wieder, denn dann bedeutet ja der Umkehrschluss, dass wir uns eben noch nicht genug angestrengt haben und noch nicht genug Leistung erbracht haben – da wir noch erfolglos sind. Das ist natürlich Humbug, treibt aber viele Menschen in die (Selbst)Optimierungsfalle: Immer noch mehr geben, noch mehr leisten, damit sich endlich der Erfolg einstellt.

Man geht hier dem sogenannten „Survivorship Bias“ auf den Leim: Die wenigen erfolgreichen Menschen bekommen mehr Aufmerksamkeit als die vielen Gescheiterten. Im zweiten Weltkrieg untersuchten britische Flugzeugingenieure die Einschusslöcher der Flugzeuge, die nach einem Kampfeinsatz zurückkehrten. Es wurde festgestellt, dass die Einschusslöcher dabei nicht gleichmäßig verteilt waren. Manche Stellen wurden deutlich häufiger getroffen als andere. Man kam nun auf die Idee, diese häufig getroffenen Stellen besonders zu verstärken. Der Mathematiker Abraham Wald riet davon ab, denn die Flugzeuge waren ja trotz der Einschüsse sicher zurückgekommen und gelandet.Die Flugzeuge, die jedoch abgeschossen wurden, wurden wahrscheinlich genau an den Stellen getroffen, an denen man bei den zurückgekehrten Flugzeugen keine Löcher fand. Wald empfahl daher, die Flugzeuge an den Stellen zu verstärken, an denen keine Einschüsse gefunden wurden – und hatte damit Recht.

Bildquelle: McGeddon

Wir ziehen also die falschen Schlüsse, wenn wir uns nur auf Selfmade-Menschen konzentrieren und deren angeblichen Erfolgsrezepte. Lieber sollten wir die Gescheiterten im Blick behalten und von deren Fehlern lernen.

Ob Jamie Oliver, der als Küchenhilfe anfing, oder Jürgen Gosch, der als Kind mit Krabbenpulen sein erstes Geld verdiente und dann als Aalverkäufer am Sylter Strand seine Karriere startete, ob Starbucks-Gründer Howard Schultz, der sich sein Studium durch Blutspenden finanzierte, oder Guy Laliberté, der vom kleinen Straßenkünstler zum großen „Cirque du Soleil“-Macher wurde, sie haben es alle nicht geschafft, weil sie härter arbeiteten als die anderen, sondern weil im richtigen Moment sich für sie die richtigen Türen geöffnet haben und sie ihre Chancen ergriffen.

 

 

„Schau, da fliegt eine Berga-Motte!“

…witzelte wahrscheinlich schon der alte Earl Grey, Namensgeber der beliebten Teesorte. „Alt und grau“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung, zu der ich mich in das „radioeins„-Studio begab, um ein wenig über diese und andere Marketing-Legenden zu plaudern.

Charles Grey, 2. Earl Grey (1764-1845), war ein großer Reformator und britischer Premierminister und als dieser hob er u.a. das Preismonopol der East India Company im Teehandel mit China auf. Ein wichtiger Schritt, denn damals wurde bereits sieben Mal mehr Tee als Kaffee in England getrunken.

Wie kam der Tee jedoch nun zu seinem Namen? Darum ranken sich eine Vielzahl von Legenden: Ein Mandarin soll dem Engländer auf einer seiner Reisen nach China den mit Bergamotteöl parfümierten Tee serviert haben, nachdem Grey ihm (wahlweise auch dem Sohn) vor dem Ertrinken gerettet hatte. Es heißt aber auch, dass er gerade Tee trank, als er einen Zweig der Zitrusfrucht geschenkt bekam; weil er sonst nichts damit anzufangen wusste, warf er ein paar Blätter in das Getränk. Die bekannteste Legende besagt jedoch, dass bei einem Sturm auf einer Überfahrt  von China nach England die transportierte Ladung des Schiffes schlecht gesichert war und durcheinander geworfen wurde. Das auslaufende Bergamottöl sickerte auf die Teeballen. Mitgeführte Duftöle schützten damals auf den langen Schiffspassagen den jeweils tief im Schiffsrumpf lagernden Tee vor der Annahme von Moder-, Fisch- und Teergeschmack. Die Ladung sollte nun nach der Ankunft schon vernichtet werden, als Lord Grey auf die Idee kam, den verschmutzten Tee zu probieren. Und siehe da, er schmeckte!

Belegt ist tatsächlich nur, dass Grey den Londoner Hoflieferanten Twinings damit beauftragte, Schwarztee mit dem Öl der Bergamotte zu parfümieren. Der Tee erfreute sich zunächst in der Londoner Oberschicht großer Beliebtheit; heute ist er ein Massenprodukt, selbst in Deutschland macht er fast die Hälfte der aromatisierten Tees aus.

Twinings hatte seinerzeit leider vergessen, sich die Teemischung schützen zu lassen. Also kann der Namen „Earl Grey“ von jedem Teeanbieter genutzt werden. Allerdings ist der königliche Hoflieferant der einzige Produzent, der sich mit der Familie des Namensgebers schmücken darf, und so grüßt der gegenwärtige Earl Grey (der sechste) von der Twinings-Packung.

Eine andere, sehr einträgliche Marketing-Legende erzählt uns die Firma Moleskine. Der Hersteller der kleinen und großen Notizbücher fügt jedem dieser ein kleines Blättchen bei, auf dem die Geschichte der Kladden erzählt wird: So arbeiteten schon Vincent Van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Bruce Chatwin mit diesen Notizbüchern.

Aber hat Hemingway tatsächlich seine Werke in die Notizbücher der Marke „Moleskine“ verfasst? Schwer vorstellbar, denn erst 1997 kamen die uns heute vertrauten Bücher auf den Markt.

Eine der drei Gründerinnen von Moleskine, Maria Sebregondi, erzählte in einem Interview, dass diese Legende wichtig für die Vermarktung war:

Wir präsentierten das Notizbuch zudem mit einer Story: Die Nutzer sollten das Gefühl haben, in solch einem Notizbuch habe schon Ernest Hemingway geschrieben.

Auch Künstler wie Pablo Picasso und Vincent van Gogh nutzten sie. Es war also nicht nur das neue Design des Notizbuches, das entscheidend war, sondern auch die Story und der Vertrieb: So sind wir für die Vermarktung in die Buchhandlungen gegangen. Unsere Notizbücher wurden offeriert als Bücher, die der Käufer erst noch schreiben muss. (…)

Ernest Hemingway hat nie Notizbücher von Moleskine benutzt. Vincent van Gogh natürlich auch nicht. Wenn Sie in ein Museum gehen, können Sie sehen, dass Künstler wie Picasso und van Gogh tatsächlich Skizzenbücher dieser Art benutzt haben. Wir haben also keine Geschichte erfunden. Aber ein Notizbuch von Moleskine war es natürlich nicht. (…)

Wir behaupten nichts Unwahres. Als unsere Notizbücher neu waren, hatte die Story sicherlich noch eine größere Bedeutung als heute. (Quelle)

Der Name „Moleskine“ geht auf den Autoren Bruce Chatwin zurück, der – vergleichbare – Notizbücher aufgrund des Einbandes Moleskin (Maulwurfshaut) nannte. Das «e» am Ende des Wortes kam hinzu, damit man es auf Französisch besser aussprechen kann. Und so kann es auch jeder nennen, wie er möchte.

Auch über Ronald McDonald gibt es tolle Legenden: So sollte er ursprünglich „Donald McDonald“ heißen, aber aus Furcht vor Verwechslung mit Donald Duck (und dem Disney-Konzern), bekam er das „R“ verpasst. Und in Japan soll Ronald ein furchtbarer Flop gewesen sein, da dort weiß bekanntlich die Farbe der Trauer ist und sein weißgeschminktes Gesicht angeblich die Konsumenten abschreckte. Auch das stimmt so natürlich nicht, denn weiß ist in Japan auch die Farbe der Schönheit und der Reinheit, wie man an den weiß geschminkten Gesichtern der Geishas leicht nachvollziehen kann. Der frühe Flop von McDonalds in Japan hatte eher etwas mit der Ablehnung westlicher und insbesonders amerikanischer Lebenskultur zu tun, was sich natürlich heute ganz anders darstellt.

Was mich jedoch am meisten abschreckt, ist der erste Ronald McDonald in der Werbung. Der sah 1963 nämlich noch so aus:

 

 

Bill Gates nie schlecht

Das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung lautet „Mikro“ und an selbiges habe ich mich ins radioeins-Studio begeben, um ein wenig über Microsoft und insbesondere über Bill Gates zu plaudern:

Wie macht man das eigentlich, sein halbes Vermögen verschenken und dann doch wieder zum reichsten Mann der Welt werden? Zunächst müssen wir uns anschauen, wie Bill Gates als Zwanzigjähriger zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen das Microsoft-Imperium aufgebaut hat.

Gates war der Inbegriff des Nerds, der schon zu Schulzeiten (Anfang der 70er) programmierte und mit Allen zusammen einen BASIC Interpreter entwickelte, was – für alle Laien zusammengefasst – mit Programmiersprache zu tun hat. 1975 gründete er mit Allen zusammen ‚Micro-Soft‘, um dieses Programm auch vertreiben zu können.

Kurzer Reise zurück in die Zeit: 1975 hat niemand von uns an PCs gedacht. Im Keller meiner Schule stand der ganze Stolz unseres Mathe-Lehrers, eine Zuse, und dieser Rechner nahm noch einen ganzen Raum ein. Unsere nerdige Informatik-AG bastelte dementsprechend noch mit Lochkarten rum, was mir bald zu langweilig wurde. 1977 startete im SWF die Fernsehsendung „Telespiele“ mit Thomas Gottschalk und das sah dann so aus:

1981 wurde dann die Show in das erste Programm übernommen – just in dem Jahr, in dem Allen und Gates für IBM ein eigenes Betriebssystem entwickelten (tolle Überleitung, oder?). Sie bauten das aus einer Version von QDOS (quick and dirty operating system), was ihnen später die erste Klage wegen Urheberrechtsverletzung einbrachte.

Gates handelte mit IBM einen cleveren Vertrag aus: IBM erhielt nicht, wie sonst damals durchaus üblich, das Copyright. Gates verlangte eine Lizenzgebühr für jede verwendete Version und das Recht, MS-DOS auch an andere Unternehmen verkaufen zu dürfen. IBM glaubte damals nicht daran, dass es jemals einen Massenmarkt für PCs geben könnte und stimmte diesen Vertragsbedingungen daher gerne zu. Ein großer Fehler, wie wir allen wissen, denn 1995 verkauften sich schon über 60 Millionen PCs weltweit, 2005 waren es über 200 Millionen und 2011 über 365 Millionen…und die meisten haben MS-DOS als Betriebssystem – und seit den 90ern das von Gates entwickelte „Windows“ als Benutzeroberfläche.

Damit war die Grundlage für seinen Reichtum gelegt, denn alleine die Microsoft-Aktie stieg Jahr für Jahr. Zwar hält Gates heute nur noch Aktien im Wert von läppischen 330 Mio $, aber sein Vermögen beläuft sich, Stand heute, auf über 80 Milliarden Euro. Auf http://www.live-counter.com/Bill-Gates/ könnt ihr live in Echtzeit mitverfolgen, wie sein Vermögen steigt. Denn angenommen, er würde seine Milliarden nur zu 3% verzinsen, so würde sein Vermögen täglich um über 6,5 Mio. Euro zunehmen: 273.000 € in jeder Stunde = 4.550 € pro Minute = 76 € pro Sekunde!

Natürlich investiert Gates sein Geld in Unternehmensbeteiligungen und so hält er Anteile an Coca Cola wie auch AutoNation, dem größten US-Händler für Neu- und Gebrauchtwagen, und vielen Startups – aber auch an Monsanto. Durch geschickte Investments hat sein Fond-Manager Larson Gates Vermögen von 2009 – 2014 verdoppelt.

Bereits 1999 gründete Gates zusammen mit seiner Frau die „Bill & Melinda Gates Stiftung“ 28 Milliarden $ soll Gates 2007 selbst in seine Stifung investiert haben, deren größtes Ziel neben der Bekämpfung von Krankheiten und Armut das Ende des Welthungers ist. Dafür sammeln sie bei vielen Unternehmen und Unternehmern Geld ein, denn um dieses Ziel zu erreichen, sind 2,5 Billionen US$ (=2.500 Mrd. $) nötig. Auch Waren Buffett hat bereits 82 Mio. Aktien im Wert von 10,5 Mrd $ in die Stiftung gesteckt und angekündigt, 1/6 seines Vermögens an die Stiftung zu vererben. Über 92 weitere Superreiche haben sich diesem Spendenversprechen bereits angeschlossen, denn mehr als eine Absichtserklärung ist es bislang nicht. Pro Jahr investiert die Foundation über 4 Milliarden $ in Gesundheitsprojekte und Impfstoffe. Die mit Abstand größte Privatstiftung der Welt tut also viel Gutes, steht aber auch stark in der Kritik, denn der Trust legt sein Vermögen bei vielen Unternehmen an wie Monsanto, BP, Shell, Exxon, die nicht nur wegen zahlreicher Umweltvergehen, sondern auch wegen Verletzung der Menschenrechte immer wieder in den Fokus geraten.

Dafür, dass die Stiftung den Klimawandel bekämpfen und saubere Energien fördern möchte, ist diese Anlagestrategie doch ein wenig merkwürdig…..

 

 

 

 

 

Immer noch: Saufen für den Regenwald, den Artenschutz, den Weltfrieden

Na, wer kann sich daran noch erinnern?

Saufen für den Regenwald! Mit jedem Kasten Bier, den man kaufte, rettete man 2002 einen Quadratmeter bedrohter Natur. Toll! Und Anlaß genug für die Herren von „Zweiaufeins„, mich zum Thema „Kasten“ in das radioeins-Studio einzuladen, um über Sinn und Unsinn solcher Aktionen zu sprechen.

Zunächst einmal: Die Aktion war für Krombacher ein voller Erfolg:

„Wir sind gegen den Trend im Markt gewachsen“, sagt Weihrauch. „Und unsere Werte bei Authentizität, Sympathie und Glaubwürdigkeit sind deutlich gestiegen.“

zitert die „taz“ den Krombacher-Pressesprecher Franz-Josef Weihrauch. Und so setzt die Biermarke diese Aktion seit nun mehr 14 Jahren fort. Mittlerweile geht es nicht mehr um den weit entfernten Regenwald, sondern um den Artenschutz quasi vor unserer Haustür:

Krombacher hat tatsächlich Geld in Regenwaldprojekte gesteckt, was grundsätzlich löblich ist. Und doch sahen sie sich schnell einer wachsenden Zahl von Anfragen ausgesetzt, die genau wissen wollten, wie Krombacher den Umweltschutz über die Werbeaktion hinaus lebt. Wie sozial sie sich als Arbeitgeber verhalten, wo ihre Zutaten herkommen usw. usf. Und – ebenso löblich – es setzte ein Umdenken im Unternehmen ein, das 2011 in dem ersten Nachhaltigkeitsbericht gipfelte. Viele positive Effekte – ist das also eine gelungene „grüne“ Aktion?

Mitnichten, denn es handelt sich hier immer noch um eine Werbeaktion, bei der unter dem Vorwand, das grüne Gewissen zu beruhigen, vor allen Dingen eines erzielt werden soll: mehr Absatz. Und dieser Mißbrauch grüner Themen ist stets eine Form von Green Washing. Es steht jedem Unternehmen, jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer frei, sich sozial, fair und grün zu engagieren und Teile der erwirtschafteten Gewinne über soziale und ökologische Projekte wieder an die Gesellschaft zurückzugeben – und natürlich kann dies auch gerne im Rahmen der Website und anderer PR-Aktivitäten kommuniziert werden (Tue Gutes und sprich darüber!), aber wenn dieses Engagement in den Vordergrund geschoben wird, um damit Dinge zu verkaufen und Wachstum zu generieren, dann handelt es sich hier nicht mehr um ein öko-soziales Engagement, sondern eben um ödeschnödeblöde Werbung.

Und das Schlimme ist, dass man sich als Unternehmen damit tatsächlich auch seinen guten Ruf ruinieren kann: Beispiel Porta. Auch dieses Möbelhaus engagiert sich vorbildlich und unterstützt viele Projekte, wie man online nachlesen kann, aber auch hier wird dann u.a. eine große Funkspot-Werbekampagne gefahren, um die Kunden zum Möbelkauf am 7. Mai zu bewegen, denn:

 

Wirtschaftliche Unternehmen sind keine moralischen Instanzen und dürfen sich auch nicht dazu aufspielen. Sie können mich informieren, sie können mir ihre Partner vorstellen, mich dazu animieren, diese zu unterstützen. Aber wenn sie ihre Wohltaten von meinem Kaufverhalten abhängig machen (und das auch noch ziemlich unverhohlen im Rahmen von Werbeaktionen), dann verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit.

Auch H&M ist großartig darin, Green Washing zu betreiben, wie ich jüngst in einem Beitrag für meinen „Schwester-Blog“ greenmarketing aufgezeigt habe. Der Textilhändler lenkt mit einer großen, grünen Recycling-Kampagne vom eigentlichen Thema, den Produktionsbedingungen, ab.

Es handelt sich auch hier ziemlich unverhohlen um Abverkaufswerbung, der Kunde kommt beim Zurückbringen der Klamotten wieder in die Filiale zurück und kann mit den erhaltenen Gutschein gleich wieder neue Bekleidung kaufen. Das diese aber unter billigsten Bedingungen produziert wird, darüber schweigt sich H&M aus und seine Bemühungen, diese zu verbessern, sind eher marginal. Wie auch, plant doch das Unternehmen weiterhin jährlich 400 Filialen zu eröffnen, die alle mit billiger „fast fashion“ bestückt werden wollen.

Wenn Unternehmen damit weitermachen, uns unter grünen Aspekten ihre Produkte verkaufen zu wollen, dann wird Nachhaltigkeit nur noch zu einem beliebigen Zusatznutzen, dann hat es unser Wirtschaftssystem wieder einmal geschafft, sich einen Gegenansatz einzuverleiben und daraus Profit zu schlagen. Das dürfen wir als Konsumenten nicht zu lassen.

 

Da sprach der alte Häuptling der Indianer….

…saftig ist der Burger und weit ist ganz Berlin – uff!

Naja, so ähnlich zumindest, denn vor einigen Wochen war der Häuptling des Indianerstamms Seminolen aus Florida zu Gast in Berlin. Er weilte hier in seiner Funktion als Besitzer der Hard Rock Cafés und suchte nach einem geeigneten Standort für ein erstes Hard Rock-Hotel in der Hauptstadt. Das liest sich nun alles so verrückt, dass die Herren von „2aufeins“ mich dazu befragen wollten, was es denn mit diesen geschäftstüchtigen Stämmen auf sich hat. Nachzuhören wie immer demnächst hier.

In der Tat hat der Stamm der Florida- Seminolen, dem rund 4.000 Indianer angehören, bereits 2007 die Kette der Hard Rock-Cafés gekauft und sehr erfolgreich weitergeführt – von damals 700 Millionen Dollar Umsatz auf heute 3,9 Milliarden Dollar. Insgesamt gehören zum Hard Rock-Imperium nun weltweit 170 Cafés, 21 Hotels und 10 Casinos.

Casinos sind der Schlüssel zur Fragestellung, wieso gerade ein Indianerstamm ein so großes Interesse an der Hard Rock-Kette gehabt hat: Schon seit 1979 nutzten die Semiolen ihr Sonderrecht, Glückspiele durchführen zu dürfen (und zwar jenseits der staatlichen Regulierung) und eröffneten die ersten Bingohallen. Damit waren sie nicht alleine, über 460 Casinos in de USA stehen auf indianischem Grund und Boden und erfreuen sich großer Beliebtheit, denn nicht nur sind dort deutlich höhere Einsätze und Jackpots möglich, sondern ein weiteres Sonderrecht ermöglicht den Stämmen den steuerfreien Verkauf von Tabak und Alkohol.

Diese und eine Menge weiterer Sonderrechte erhielten die Indianerstämme zur Bewahrung ihrer Souveränität und vor allen Dingen als Ausgleich für das ihnen zugefügte Leid im Zuge der Besiedlung. Ziel war und ist es, die hohe Armut und Arbeitslosigkeit in den Reservaten zu bekämpfen, den Indianer eine Perspektive zu geben und mit besserer Infrastruktur auch Investoren anzuziehen. Seit 2006 kümmert sich im US-Innenministerium das „Office of Indian Energy and Economic Development“ um diese Belange und das mit Erfolg – eine Vielzahl von Stämmen konnten sich in den Bereichen Tourismus, Glückspiel, Handwerk, Landwirtschaft und Forsten profilieren und positionieren. So machte der größte Stamm der amerikanischen Indianer, die Cherokees, im letzten Jahr 829 Mio. Dollar Umsatz mit 40 Firmen, die u.a. auf den IT-Bereich spezialisiert sind.

Und der nächste, milliardenschwere Markt bahnt sich bereits an: Nach der Teil-Legalisierung von Marijuana in den Vereinigten Staaten beraten die Stämme zur Zeit darüber, wie sie mit ihrem Sonderrecht des Anbaus umgehen wollen. Attraktiver scheint dabei jedoch der Umstand zu sein, dass derzeit nur 220 von den über 700 US-Banken das Geld von den – legalen – Drogenhändlern annehmen, oftmals aufgrund der eigenen Governance-Regeln. Eigene Indianerbanken könnten diese Lücke schließen….

Ein älteres Interview zum Thema kann man hier nachhören und hier nachlesen und einen kleinen Eindruck zu den Hotels gibt es nier:

 

Let’s get physical!

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer….“, ach nein, es ging ja diesen Sonntag bei „Zwei auf eins“ um das Thema „Raum“, nicht „Weltraum“. Ich war in#s „radioeins„-Studio geladen, um ein wenig den Marketingaspekt von Räumen, insbesondere vom POS (point of sale) zu beleuchten, also dem Ort, an dem Dienstleistungen erbracht werden.

„Physical evidence“, der Sachbeweis, ist der englische Ausdruck für das, was in der deutschen Theorie „Ausstattungspolitik“ genannt wird, oder kurz gesagt: eine C&A-Filiale sieht anders aus als ein Prada-Shop.

Wer sich heute zum einen von den Wettbewerbern abgrenzen und zum anderen den Kunden zum Verweilen bringen möchte, der sollte heutzutage ein großes Augenmerk auf die Gestaltung jener Räume legen, in denen der Kontakt zum Endkunden stattfindet. Kein anderer Laden darf beispielsweise so aussehen wie ein Apple-Store:

Das besondere Design der Apple-Stores hat Erfolg: In den USA macht kein Unternehmen mehr Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche als Apple, Juweliere inklusive. Naheliegend, dass sich Apple die Gestaltung seiner Shops markenrechtlich schützen ließ. Kein anderer Shop darf nun so aussehen wie Apple.

Auch Banken sehen heute ganz anders aus als früher: Statt Tristesse grau in grau samt vor sich hinsterbenden Hydrokultur-Pflanzen und Kassierer hinter Glas sind moderne Banken nun hell, farbig und freundlich:

Denn der Kunde soll nun nicht mehr wie früher seinem Fluchtinstinkt Folge leisten, sondern verweilen, entspannen, sich wohlfühlen – ist er dann doch wesentlich offener für Beratung sowie die Angebote von Versicherungen, Fonds und anderen lieblichen Produkten.

Ja, auch dieses Bild zeigt eine Bankfiliale (der Deutschen Bank in der Berliner Friedrichstraße) – es handelt sich hierbei jedoch noch nur um eine Test-Filiale des Konzerns. Umgesetzt wird hier, was eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Kreditkarten-Firma Visa Europe ergeben hatte: Demnach wünschen sich 56 Prozent der Befragten die Bankfiliale der Zukunft wie einen Laden des US-Technologieunternehmens Apple, eben hell, luftig und modern. 46 Prozent nannten die US-Kaffeehauskette Starbucks als Vorbild.

Wiedererkennung (auch global), Image, Sympathie, Markenbild, Corporate Design, Verweildauer, das alles sind natürlich klassische Marketing-Werte, so dass es kein Wunder ist, dass sich die Marketing-Abteilungen immer mehr und stärker in die innenarchitektonische Gestaltung einmischen – bis hin zu den Licht-, Musik- und Geruchskonzepten.

Gewiss nicht meine Lieblingsmarke, aber die Abercrombie & Fitch – Stores ( und gleiches gilt für die Schwestermarke Hollister), kann man schon Meilen gegen Wind riechen. Der Beat peitscht ohrenbetäubend, das gesamte Ambiente ist im Halbdunklen gehalten – perfekte Inszenierung für alle, die nach 1995 auf die Welt gekommen sind, abschreckend genug für alle zuvor Geborenen.

Was uns bei Shops, Hotels und Restaurants noch halbwegs nachvollziehbar erscheint, gilt jedoch zunehmend auch für andere Dienstleister; seit Ärzte beispielsweise nicht mehr besucht werden, um gesund zu werden, sondern um gesund zu bleiben (von Kranken kann ja kein Arzt mehr überleben, die kostenpflichtigen Vorsorgeuntersuchungen bringen heute das Geld), müssen sie konsequenterweise sich auch dem Look der Wellness-Tempel öffnen: helle, freundliche Farben, Räucherstäbchen, in der einen Ecke ein Zier-Buddha und in der anderen plätschert ein Zimmerspringbrunnen.

Nein, das hier ist weder ein Club noch eine Bar, sondern es handelt sich um die Räumlichkeiten der Zahnarztpraxis KU64, entwickeltt von den CRAFT-Designern. Und damit sind wir dann doch wieder bei „Weltraum“, „Space“ und „Enterprise“ angekommen…

Marken wollen erfahren, erlebt werden – und gerade für den Handel kann hier eine rettende Lösung liegen, um sich von Online-Anbietern abzusetzen. Laden-Design als Wettbewerbsvorteil: Let’s get physical!