Go ahead and jump!

… sang David Lee Roth mit Van Halen 1984, aber ich kann nur vermuten, dass Felix Baumgärtner diesen Song in Kopf hatte, als er zu seinem legendären Sprung aus 39 Kilometern Höhe ansetzte.

Was hat dieser Sprung eigentlich dem Sponsor, Red Bull, gebracht, fragten sich und dann auch mich die Herren von „Zweiaufeins„. Das „radioeins„-Interview ist hier nachzuhören:

50 Millionen Euro soll es Red Bull den Schätzungen nach gekostet haben, diesen spektakulären Stunt zu finanzieren. Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass weltweit Hunderte Millionen Menschen den Sprung gesehen haben. Auf YouTube wurde das Video mehr als 350 Millionen mal angeklickt, allein dort sahen 8 Millionen Menschen den Sprung live. Auch ntv hatte mit mehr als 7 Millionen Zuschauern in Deutschland fast 20% Einschaltquote. Und alle sahen immer und überall das omnipräsente Red Bull – Logo…. Wenn man dann noch bedenkt, dass ein einzelner 30-Sekunden-Spot beim Superbowl schon 2,3 Millionen Euro kostet, dann hat sich diese Aktion für Red Bull mehr als gerechnet.

Und eigentlich war das für Dietrich Mateschitz, Firmengründer von Red Bull, auch nur der berühmte Griff in die Portokasse, denn mittlerweile werden jährlich über 5 Milliarden Dosen der Gummibärchenbrause weltweit verkauft, was dem Konzern schätzungsweise über 4,2 Milliarden Euro Umsatz beschert. Mateschitz hat dabei seit jeher stets gut ein Drittel des Umsatzes in die Werbung investiert, also ca. 1,4 Milliarden Euro. Was sind da schon 50 Millionen? Apple gibt übrigens zum Vergleich 1% seines Umsatzes für Marketingmaßnahmen aus, ungefähr 900 Millionen Dollar…

Aber der Sprung hatte für Mateschitz noch einen weiteren willkommenen Effekt: Es brachte seinen TV-Sender „Servus TV“ ebenso in die Köpfe der deutschsprachigen Zuschauer wie Red Bull selbst, denn das Unternehmen hat sich längst vom Produkt gelöst und betreibt nicht nur einen Fernsehsender, sondern mit der gleichnamigen, sehr erfolgreichen Zeitschrift und den Magazinen „Terra Mater“  und „Red Bulletin“ ein Medien- und Verlagshaus sowie ein Musiklabel.

Auch hier ist Mateschitz konsequent und setzt damit seine Philosophie fort. So wie er früh entschied, nicht nur als Sponsor für viel Geld sein Logo irgendwo hinzupappen, sondern sich aktiv in den jeweiligen Sport zu integrieren (so gehören zu Red Bull auch 2 Formel1-Teams, sondern auch Fußball und Eishockeyteams) und auch für den Erfolg mitverantwortlich zu sein, so will er nun auch nicht mehr teure Werbeung in anderen Medien schalten, sondern selber Medien betreiben und Inhalte liefern.

Und damit hat der Baumgärtner-Jump als drittes noch einen neuen Hype ausgelöst, den des Content-Marketings. Content Marketing ist Kommunikation mit Kunden und Interessenten, ohne (direkt) zu verkaufen. Es werden nicht nur das eigene Unternehmen und seine Produkte möglichst positiv dargestellt, sondern es werden auch andere Informationen, Wissen und vor allen Dingen Unterhaltung angeboten. Denn natürlich haben viele Unternehmen nach dieser Aktion die sehr einfache Rechnung aufgemacht, dass gut gemachte Unterhaltung weniger kostet und mehr Menschen erreicht als nackte Werbung.

So hat Coca Cola seine Corporate Website in ein sehenswertes Online-Magazin namens „Journey“ verwandelt. Content ist – zumindest im Moment – King. Und gibt vielen arbeitslosen Journalisten wieder eine Aufgabe….

1984 sang Van Halen „Jump“ – und das noch ganz ohne Red Bull, denn der Drink kam erst 1987 auf den Markt. Mateschitz, der zuvor bei Blendax als Marketingmanager gearbeitet hatte, wußte, dass man für ein komplett neues Produkt mit klassischer Werbung viel zu viel Zeit und viel zu viel Geld benötigen würde, um es am Markt zu etablieren. So setzte er schon früh auf Guerilla-Marketing und ließ beispielsweise seinen Freund, den Formel1-Piloten Gerhard Berger, bei jeder Gelegenheit Red Bull trinken.

Red Bull ist sich auch dieser Denkweise treu geblieben, wie folgende Beispiele zeigen:

Ein Gedanke zu „Go ahead and jump!

  1. Pingback: 23 Thesen zur Zukunft der Medien – and beyond! | makketing

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s