Und bist du nicht viral, so brauch ich Gewalt!

Über 10 Jahre ist es nun schon her, dass auf Youtube das erste Video hochgeladen wurde. Es besticht nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine raffinierte Machart:

Ein früher Viralerfolg, denn über 29 Millionen Menschen haben sich dieses zu Herzen gehende Stück digitaler Kultur zu Gemüte geführt. Heute werden in jeder Minute 400 Stunden Material bei Youtube eingestellt und natürlich stellt sich die Frage: Wer soll das alles ansehen? Und dann noch womöglich weiterteilen? Denn natürlich träumen viele der Uploader von der viralen Verbreitung ihres ganz persönlichen Katzenvideos – und damit verbunden den Vermarktungsmillionen via Google.

Doch leider werden mehr als die Hälfte der Videos keine 500 mal angeklickt und sind somit eher virale Rohrkrepierer. Doch könnte es nicht sein, dass sich in diesem Bodensatz der Clip-Kultur nicht doch noch das ein oder andere Goldnugget finden lassen könnte?  Das vermutet zumindest Junk Jukin Media und so wühlen sich deren Mitarbeiter durch die unendlichen Weiten des Webs auf der Suche nach bislang erfolglosen Videos mit Potential. Werden solche Trüffel gefunden, dann erwirbt Jukin Media für kleines Geld die Urheberrechte und startet danach den viralen Großangriff: Via Tumblr, Twitter und anderer Kanäle wird der Clip nun so massiv geteilt, bis andere on- wie offline-Medien darauf aufmerksam werden. Und schon greift das Lizensierungsmodell, bei dem – so die Kritik – viel bei Jukin hängen bleibt und wenig an den Urheber weitergegeben wird.

Spannendes Modell, aber wenn man sich bei Jukin einmal durch die Videos (die meisten sind doch eher auf dem Upps-Pannenshow-Niveau) klickt, dann stellt man schnell fest, dass die meisten davon zurecht nicht beachtet worden sind *gähn*. Ob das Prinzip „mit aller Gewalt viral machen“ so erfolgversprechend ist, sei dahingestellt.

Von sich aus viral wirkt alles, was überrascht, berührt und zum Lachen bringt:

oder Menschen aktiviert, wie dieser Clip gegen Mobbing in der Schule zeigt:

Anstatt sich jetzt einfach mit dem Smartphone auf die Lauer zu legen und zu warten, dass Onkel Jürgen ausrutscht, könnte man sich eben doch lieber ein paar gute Gedanken zum Inhalt machen…. das wäre nicht nur unterhaltsamer für uns Betrachter, sondern vielleicht dann auch der größere virale Erfolg.

 

 

 

 

 

 

Laaaaaangweeeeeiiiiiiliiiiiig!!!!!

Es gibt eine Menge sehr langweiliger Videos im Internet, aber das hier ist wirklich das „most boring viral video“. Es geht um:

(…) luxury, house, mansion, friends, cars, travel, first class, happiness, premium, car insurance, don’t worry, there’s no mistake in the text, read on, mobiles, handbags, love, friendship, exclusive, enjoy, dresses, clothes (…)

Och nöö…. aber neugierig hat es mich dann doch gemacht – und deswegen präsentiere ich euch heute das allerlangweiligste virale Video (seid stark, haltet bis zum Ende durch!):

(…), yes, read on, the youtube software is looking at us and we have to trick it, beauty, youth, dream home, mortgages, mobile telephony, finance, new cars, shoes, medical insurance, banks, credit cards, mortgage simulator, house insurance, adsl offers and all kinds of words which, linked to this video, through youtube software, make advertisers automatically pay to appear round about, so they unwittingly help the Arrels Foundation and thousands of homeless. Please share this.

„Idee schlägt Budget“ ist einer der großen Vorteile von viralem Marketing und gerade deshalb auch für soziale Organisationen sehr interessant. Hier könnte man schon sagen „Idee bringt Budget“, denn mit jedem Klick auf diesen Clip verdient die Arrels Fundacio ein wenig Geld.

Knapp 3.000 Obdachlose schlafen in Barcelona auf den Strassen – und das soll und muss nicht sein. Wo die Politik versagt, ist Bürger-Engagement vonnöten. Bereits seit 1987 kümmert sich die Arrels Fundacio um die Obdachlosen vor Ort. 60% ihres Budgets beziehen sie über private Spenden – und gehen dabei gerne ungewöhnliche Wege, wie z.B. mit den homelessfonts:

Liebe Kreative, bitte zugreifen!

Soziales Engagement braucht Ideen und Aufmerksamkeit – und manchmal hilft es, über den Tellerand zu schauen und sich inspirieren zu lassen!

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In eigener Sache: Ab September erscheint mein Newsletter mit Rück- und Ausblicken, allen Terminen zu Veranstaltungen und vielen Überraschungen. Wer sich bis zum 30. August dafür hier anmeldet, kann mit etwas Glück eines von drei „Green Marketing“-Büchern gewinnen!

Sex? Oder lieber gleich was essen?

Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass sie ein gutes Essen jederzeit dem Akt der Kopulation  vorziehen würden: Ist nicht so anstrengend, man schwitzt auch nicht dabei und der Genuß hält viieel länger an. Und in der Tat, so mancher Genießer gerät geradezu in orgiastische Verzückungen beim Verzehr leckerer Speisen. Höchste Zeit also, das mal marketingmäßig zu verwursten:

Das dazugehörige Spiel auf „Genußgesichter“ ist wirklich amüsant; ich lag erstaunlich oft daneben.

Doch ver steckt hinter diesem kleinen Spaß? Yam Tam Tam.. Yam Tam Tam? Ein neuer jugendlicher Kochkanal, der leider wie eine schlecht gemachte ARD-Vorabendserie daher kommt:

Ich dachte ja zuerst, die haben eine Serie aus den 80ern recycelt…oder zumindest das Personal… gruselig! Es bewahrheitet sich leider wieder einmal: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Und noch enttäuschter war ich, als ich sah, wer nun wieder hinter Yam Tam Tam steckt, nämlich die Lebensmittel liebenden Kollegen von Edeka. Da stehen dann auf der Website Perlen wie:

Das Erfolgsrezept für einen unterhaltsamen Kochkanal: Man nehme eine Genießerin, einen Küchenchaoten und eine Naschkatze, werfe alles in einen Topf, Deckel drauf und die Kamera an – fertig ist yumtamtam!

Ok, ich bin ja nun schon betagt – und Essen ist der Sex das Alters (Rezepte/Beileidsbekundungen bitte per mail an mich). Genußgesichter sind ohne Frage eine tolle Idee, aber zappelige Klischee-WGler animieren nun wirklich nicht zum Kochen. Natürlich soll Kochen Spaß machen, aber unfreiwillige Komik könnte einen gegenteiligen Effekt bewirken. Dann doch lieber die Kiste mal ausmachen und in der neuen „deli“ blättern…

(Vielen Dank an Carsten, der mich auf die Genußgesichter aufmerksam gemacht hat! 😉 )

Sine copiare et impera!

Für irgendetwas muss das große Latinum ja gut gewesen sein… Divide et impera – teile und herrsche – benannte Machiavelli 1532 die Strategie, Gruppierungen in Untergruppen einzuteilen, um diese leichter zu beherrschen.

Wer heute jedoch im Marketing erfolgreich sein möchte, sollte seinen Markt nicht nur segmentieren (dividere), sondern auch zulassen, dass die Nutzer die eigenen Inhalte kopieren und bearbeiten. Sine copiare – lass das Kopieren zu! (Falls das falsch formuliert sein sollte, so bitte ich meinen Lateinlehrer posthum um Vergebung)

Der Erfolg viraler Kampagnen hängt nämlich davon ab, ob, wie schnell und wie erfolgreich sie kopiert werden, denn jede Parodie erweist sich als huldvolle Referenz an das Original.

Das berühmte First Kiss Video, das ja auch nur Werbung für eine Modemarke ist (über 80 Millionen Klicks), wurde in kürzester Zeit vielfach kopiert, vom „First Blowjob“ bis hin zur Minecraft-Variante oder zum „First Sniff“:

Zunehmend lassen sich dabei zudem andere Anbieter finden, die auf einen fahrenden Erfolgszug aufspringen:

Die Kunst ist es, diese Parodien gelassen zuzulassen… Auch der bislang erfolgreichste deutsche Clip (10 Millionen Klicks), Supergeil, hat wunderbare Nachahmer gefunden:

Und der legendäre Van Damme – Spot von Volvo (über 72 Millionen Klicks) fand kreative Antworten, u.a. von Chuck Norris:

die dann wiederum beantwortet wurde:

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da hätten Unternehmen jeden Nachahmer, jede Kopie verfolgt, belangt, verboten. Nicht nur wäre das heutzutage ohnehin technisch vergeblich, es ist auch die Einsicht entstanden, dass User, die sich mit dem Material beschäftigen, nur zum Ruhm beitragen können.

Diese Offenheit ist in der Tat ein Erfolgsrezept: Auch MC Fitti, der vollbärtige Sohn (?) vom Supergeil-Lichtenstein, verbietet seinen Fans nicht das Remixen seiner Songs, sondern animiert sie dazu und teilt diese über seine eigenen Social Media – Kanäle weiter. Zusammen mit den über 100 Videos, die er auf seinem Youtube-Kanal zur Verfügung gestellt hat, hat er sich eine solide Fanbase erarbeitet, die ihn dann in das Bewusstsein der breiten Masse getragen hat.

Teilen alleine macht heute also den viralen Erfolg nicht mehr aus – die Bearbeitung bringt’s!

 

Spiel das Leben!

Eines meiner persönlichen Highlights auf der diesjährigen re:publica war neben dem Vortrag von Günther Dueck  Sebastian Deterding mit  seinen Ausführungen zu „Gamification“. Natürlich stürzen sich besonders die Marketing-Menschen auf dieses Thema, scheint dies doch die perfekte Kundenbindung zu ermöglichen…. aber wie funktioniert Gamification wirklich?

Deterding zeigt Möglichkeiten, Irrwege und Gefahren in seinem sehr kurzweiligen Vortrag auf – und letztendlich erfährt man mehr darüber, wie wir heute „Lernen“ gestalten sollten, wenn wir die dauerhafte Aufmerksamkeit und ein starkes Involvement der Lernenden erzielen wollen.

Wie ich mein Social Media organisiere

‚Sehr häufig werde ich gefragt: „Wo nimmst du nur all die Zeit her, die du aktiv  online in deinen Netzwerken verbringst?“, meist in Verbindung mit einem leicht fassungslosen Kopfschütteln…

So aufwändig ist das gar nicht und daher möchte ich in diesem Post einmal meinen ganz persönlichen Umgang mit Facebook und Co darlegen – gerne zur Nachahmung empfohlen! Für die meisten hier genannten Programme gibt es auch gute Alternativen, aber wie gesagt: So organisiere ich mich….

Um mich mit den Informationen zu versorgen, die für mich relevant sind, habe ich mir eine netvibes-Seite eingerichtet. Dies ist ein kostenloser RSS-Feed-Reader, der es mir erlaubt, alle für mich wichtigen Blogs auf einen Blick zu verfolgen und schnell spannende News herauszufiltern. Die netvibes-Site ist öffentlich, jeder Aussenstehende kann sich ebenso wie ich durch die Blogs durchklicken. Zusätzlich kann ich interessante Fundstücke, Videos und Links dort posten.

Alles, was mir so unterkommt, Bilder, Videos, Links, Zitate – on- wie offline – sammle ich auf meinem tumblr-Account. Tumblr bietet, wiederum kostenlos, eine Art „digitales Sammelsurium-Tagebuch“ – das Hinzufügen von Material funktioniert ganz einfach per Mausklick. Mir geht so nichts mehr verloren und ich kann dann später aus dem gesammelten „Zeugs“ meine „richtigen“ Einträge basteln. Auch meine tumblr-Seite ist öffentlich, jeder kann an meinen Fundstücken teilhaben, sie weiterleiten, kommentieren usw. Gleichzeitig ist mein Account so eingestellt, dass jeder Eintrag automatisch in meinem Twitter- und meinem Facebook-Account gepostet wird.

Twitter (@makketing) dient mir ebenfalls dazu, interessante Informationen zu entdecken, die mir sonst verborgen geblieben wären. Ich folge dort Marketing-Autoren und -Fachleuten, deren getwitterte Links mir wertvolle Quellen aufzeigen 🙂

Facebook dient der Kommunikation mit Freunden – doch nicht nur: In meiner Gruppe „makketing“ poste ich – und die anderen Mitglieder – Clips, Spots, Blogeinträge und vieles mehr in Sachen „gutes/schlechtes Marketing“. Es wird kommentiert, diskutiert, geteilt; nicht nur unter Freunden, sondern mit allen, die sich für diese Themen interessieren und an den Gesprächen teilnehmen wollen – ein kleiner makketing-tribe also 😉

Zu guter Letzt gibt es noch diesen Blog: Die Postings hier sind etwas länger und in der Regel auch bearbeitet, d.h. ausformuliert. Ziel ist es, einmal wöchentlich hier etwas kluges – oder zumindest unterhaltsames zu schreiben – und selbstverständlich wird jeder Blogeintrag auch wieder über Twitter, tumblr und Facebook kommuniziert – automatisch!

Social Media bietet mir also in erster Linie Werkzeuge, einen Teil meiner Arbeit und einen großen Teil meiner Kommunikation besser zu organisieren, als es mir zuvor möglich war. Dank meines Netbooks bin ich schnell, immer und überall online – wenn ich es sein will! Ich konsumiere nicht nur wesentlich leichter Inhalte, ich kann diese auch teilen, diskutieren und neue Inhalte produzieren. Das muss beileibe nicht jeder tun – bei mir gehört es aber zu meinem Job dazu (und jaaaa, es ist auch meine Leidenschaft, zu kommunizieren).

Zurück zum Ausgangspunkt: Wieviel Zeit kostet mich das nun täglich? Zwischen 60 – 90 Minuten verbringe ich damit, Informationen zu sichten, zu sammeln, aufzubereiten und zu teilen. Und ich lese trotzdem noch meine Zeitungen… 🙂 Ich nutze dazu bislang „tote“ Zeit zwischendurch (Wartezeiten, Leerläufe etc.) und es geht zu Lasten meines Fernsehkonsums – aber lieber bin ich online aktiv als mich vor der Kiste liegend nur berieseln zu lassen 🙂

Anregungen und eigene Erfahrungsberichte sind hier herzlich willkommen!