Die Welt genäse, gäbe es mehr Erdbeerkäse

Ich bin mir nicht sicher, ob hier der Konjunktiv II von „genesen“ angemessen ist, aber es sieht einfach schön aus… 🙂

Ich war wieder einmal eingeladen in die radioeins-Studios, das Thema bei den Herren von „Zweiaufeins“ lautete: „Kreis“. Die Redaktion wie auch die Moderatoren fragten sich nämlich, warum in letzter Zeit die Social Media-Abteilungen der Firmen immer wilder „auskreisen“….

Auslöser für das Thema war folgender Post von der Firma „Kaufland“, den ich auch in unserer makketing-Facebookgruppe gepostet hatte und der sich hoher Beliebtheit erfreute:

In Zeiten von Instagram & Co hat grundsätzlich das Bild an Bedeutung gewonnen, doch Bilder alleine reichen nicht, es muss auch noch ein knackiger, witziger Spruch dabei sein. In Zeiten der allseits beliebten „Twitterperlen“ haben sich die User und Konsumenten an diese Form der schnellen, unterhaltsamen Informationsaufnahme gewöhnt – zumal die Chance, dass die Botschaft mit so einem Motiv viral verbreitet wird, recht hoch ist.

Das Erstaunliche an diesem Motiv ist jedoch eher der Bezug, denn „Frauentausch-Nadine“ und ihre Auslassungen zum Thema gesunde Ernährung sind immerhin schon 7 Jahre alt. Nur für den sehr sehr unwahrscheinlichen Fall, dass unter meiner geneigten Leserschaft sich jemand befinden sollte, der sie nicht kennt, dem sei hier ein Ausschnitt nachgereicht:

So wie man in meiner Generation früher nur „Setz dich, nimm dir nen Keks, mach’s dir bequem…“ und andere Brian-Sprüche von sich gab und sich sicher sein konnte, dass  alle in seiner Altersklasse es verstanden, so ist das heute eben der Erdbeerkäse – in digitalen Zeiten aber mit viel viel mehr „Eingeweihten“.

Nun kann ja der beste Social Media-Verantwortliche nicht jeden Tag nur wahnsinnig kreativ sein, so dass auch jeder, aber wirklich jeder alte Witz in der Zwischenzeit mehrmals recycelt wurde. Zum Beispiel dieser hier (aus aktuellem Anlass):

Hamwa gelacht. Das bringt mich aber zu einem zweiten Aspekt, denn neben Witzigsein muss heute blitzschnell reagiert werden – und die Reaktion darf nicht beleidigt oder besserwisserisch ausfallen, sondern idealerweise – ihr ahnt es schon: witzig. Auf den Aldi-Post bei Facebook meldete sich nämlich Kaufland:

Manchmal sind auch Verspekulationen nicht schlimm 😉 Tolle Weihnachtsleckereien findet ihr natürlich bei uns 🍭🍫🎅

Also Abteilung „besserwisserisch“. ALDI Süd hat aber schnell darauf reagiert:
ALDI SÜD Ok, tchuligom Herr Kontrollrolf. #werhatserfunden #machkeinauge

 

Und das ist wiederum komisch und so bekam auch dieser Post zurecht seine Anerkennung in vielfacher Teilung – und medialer Berichterstattung. (Für die Älteren: „Mach kein Auge“ bedeutet: „Sei nicht neidisch, Bruda“).

Ein anderes Unternehmen, dass blitzschnell urkomisch agiert, ist die Berliner BVG. Dort sitzen mittlerweile Leute in der Social Media Redaktion, die auch Gags für die „heute-Show“ oder „Neo Magazin Royale“ schreiben, und beim Bild einer vergessenen Gans in einer Strassenbahn dann auch schon mal wie folgt antworten:

Denn der dritte beachtliche Aspekt ist, dass heute Humor eingesetzt wird, um mit Kommentar-Trollen zurecht zu kommen. Den ewigen Pöblern und Madig-Machern kann man nämlich weder mit Information beikommen noch mit Ignorieren. Aber mit Witz bis hin zur Veräppelung:

Man muss sich nicht alles gefallen lassen, aber man muss cool dabei bleiben, nichts persönlich nehmen, nie aus Wut oder Euphorie schreiben, und immer, immer noch einmal lesen, was man tippt. (Quelle)

wird einer der Schreiber in der brandeins zitiert. Auch bei McDonalds hat man längst erkannt, dass man gegen all die Halbwahrheiten, die im Netz kursieren, eine ganze besondere Art der Aufklärungkampagne fahren muss. Pommes bei Mäkkes bestehen aus Sägespänen? Hier die Antwort:

Bei der BVG geht es ebenso dementsprechend – zumindest in der Kommunikation – mehr um die Wahrnehmung und weniger um das Produkt:

Auch dieser Spot erfreute sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern führte dazu, dass die Berliner laut Marktforschung die BVG nun als zuverlässiger erachtet haben. Wunderbare Welt des Marketings!

Der jüngste Streich der BVG stellt den Menschen in den Mittelpunkt, denn es gilt zum einen, Nachwuchs zu gewinnen, und zum anderen, dafür zu sorgen, dass den Mitarbeitern auch im Alltag Respekt gezollt wird:

Tatsächlich sind laut Pressemitteilung der BVG ein Großteil der Darsteller echte Kollegen:

Mehr als die Hälfte der Darstellerinnen und Darsteller, der Sängerinnen und Sänger, der Tänzerinnen und Tänzer sorgt im Alltag dafür, dass unsere Stadt rund um die Uhr in Bewegung bleibt, ob auf dem Fahrersitz, in der Werkstatt oder an einer anderen Position in Deutschlands größten Nahverkehrsunternehmen.(Quelle)

Der Unterhaltungswert ist immer groß – vielleicht sollten einfach mehr Firmen ihre Kommunikationsabteilungen mal zum Auskreisen bringen….

 

 

Wer immer schon mal auf Fred werben wollte…

Das Schöne an dem ganzen Social Media Gedöns ist ja, dass auch dumme Ideen immer wieder neu aufgekocht werden können. Schon 2005 verkaufte Keri Smith ihre Stirn als Werbefläche und ließ sich damals dann den Schriftzug des Meistbietenden tätowieren:

… für sage und schreibe 10.000 Dollar.

Wer jetzt denkt: „Das ist mal eine tolle Idee, ich will auch jemanden mit meiner Werbung tätowieren!“, dem kann geholfen werden, den Fred versteigert seinen Arm (wie langweilig – im Vergleich zu einer Stirn…) – seht selbst:

Nun ja wir sind 2012, da ist es dann nur noch ein QR-Code, aber besser als gar nichts… 🙂

Apropos Social Media: Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass wir (Blogger, Facebooker, Twitterer…) vollkommen vereinsamen und nur noch vor’m Schirm hängen und uns die Finger wund tippen. Social Media addiction hurts…. Doch auch da naht endlich Hilfe:

In diesem Sinne: Raus in die Sonne!

Starbucks macht großes Theater

„Richtig gute Unternehmen finden eine Balance zwischen Disziplin und Kreativität. Aber wir waren an einem Punkt angekommen, an dem Effizienz alles war und es nur noch darum ging, wie wir noch schneller noch mehr Kunden abfertigen können. Dabei haben wir vergessen, dass es darum geht, in unseren Filialen großes Theater zu machen, eine Geschichte zu erzählen, ein fühlbares Erlebnis zu schaffen. (…) Die besten Marken der Welt versuchen nicht, cool zu sein, sondern relevant zu bleiben. Adidas und Mercedes haben das geschafft: Sie sind sehr groß und allgegenwärtig, aber wirken dabei nicht gewöhnlich. Für uns heißt das, nicht nur direkt auf das Verkaufen von Kaffee zu schauen, sondern die grundlegende Veränderung des Konsumentenverhaltens im Auge zu behalten. Wir sind bei den sozialen Medien wie Facebook ganz vorn dabei, und in vielen unserer Filialen kann man inzwischen mit dem Mobiltelefon bezahlen.“

Starbucks-Chef Howard Schultz im Interview mit dem „Spiegel“, Nr. 37/2011.