Hopfen und Malz straffen den Hals

Obwohl ja durchaus bekannt ist, dass mit Bier gewaschenes Haar besonders strahlt (…und riecht), konnte sich der Gerstensaft bislang noch nicht als vollwertiges Pflegeprodukt durchsetzen. Bislang…

Denn nun hat Carlsberg erkannt, dass neben so klitzekleinen Störstoffen wie Alkohol und Kalorien im Bier viel viel mehr steckt: Vitamine und Silizium beispielsweise. Logische Konsequenz: Was für den  Bauch (innen) gut ist, kann für den Bauch (außen) nicht schlecht sein:

Was zunächst wie ein Scherz anmutet, ist ernst gemeint. In limitierter Auflage gibt es nun ein schickes Bier-Pflegeset käuflich zu erwerben:

Shampoo, Bodylotion, Conditioner – und in jedem der Produkte soll angeblich mindestens ein halber Liter konzentrierten Bieres stecken – na denn: Prost!

Da hat wohl einer der Marketingmanager aufmerksam seinen Ansoff studiert: Vertikale Diversifikation lautet hier das Zauberwort, wenn ich aus den Bestandteilen meines Produktes ein neues Produkt für einen neuen Markt entwickle. Und was kommt als nächstes? Der Carlsberg-Beauty-Saloon? Zumindest der Barber-Shop ist – noch – eine reine Werbe-Phantasie…

Klein ist das neue Groß…

Produkt-Modifikationen gehören spätestens seit unserem Säulenheiligen Ansoff zur täglichen Arbeit der Entwicklungsabteilungen. Wurde jahrelang alles nur noch größer und größer, so kehrt sich der Trend nun um. Nicht mehr mini, sondern minimini ist jetzt angesagt, z.B. Schokoriegel in Bites-Form (spart das mühselige Abbeißen….) – eine so gute Idee, dass man sich glatt fragen könnte: Warum sind die da nicht schon eher darauf gekommen? Antwort: Die Achtziger waren schuld…

und das gleich doppelt:

Doch auch Coca Cola hat sich dem Mini-Format verschrieben; die neuen Kleinstbüchsen sollen nur noch 90 Kalorien enthalten (sprich: einen Schluck). Großer Vorteil der Petitessen: Man spart enorm Platz. So ein Kiosk schrumpft dann gleich mal auf Hüfthöhe, wie man kürzlich in Berlin erleben konnte:

Da komme selbst ich erdnaher Murkel mir bald als Riese vor…

 

Ansoff für Fortgeschrittene

Wenn es um die Entwicklung von Produktstrategien geht, dann kommt man an Igor und seiner Ansoff-Matrix nicht vorbei. Marktdurchdringung, Produktentwicklung, Markterweiterung und Diversifikation – alle meine lieben Teilnehmer können ein Lied davon singen…. Und insbesondere die Diversifikation macht Freude, wird diese doch noch in horizontal, lateral, vertikal vor- und vertikal nachgelagert unterschieden (das freut den IHK-Prüfling erst recht!).

Um Licht ins das Theoriedunkel zu bringen, habe ich heute einen schönen Spot gefunden, der die vertikal nachgelagerte Diversifikation bebildert. Bei der geht es nämlich um Produkte zur Verwendung des eigentlichen Produktes. Also wenn man zum Beispiel einen fetten Burger essen möchte, aber im Moment keine Hand frei hat…

Wer das bis bislang noch nicht verstanden hat, dem dürfte es spätestens jetzt klar sein – danke, Burger King! 🙂

Von Ansoff und Snickers-Sneakern

Zum Thema „Produktlinien“ war ich heute wieder einmal zu Gast in „2aufeins“ bei radioeins. Wie gewohnt, lässt sich das Interview hier auf dem talketing-Blog nachhören, und wie gewohnt gibt es hier ein paar Hintergünde zu dem Erzählten.

Wichtiger Mann in der Betrachtung von Produktlinien ist Harry Igor Ansoff, amerikanischer Professor russischer Herkunft, der auch als Vater und Begründer des strategischen Marketings gesehen wird.

Strategisch in dem Sinne, dass Aktionen am Markt weniger Reaktionen auf Geschehnisse sind, sondern vorab geplante Maßnahmen. Das gilt dann zum Beispiel auch, wenn man sich die Frage stellt, wie Wachstum organisiert werden kann, wenn der eigene Markt erst einmal durchdrungen ist. Ansoff hat hierzu eine Matrix entwickelt, die unter vielen verschiedenen Namen gelehrt wird, am geläufigsten ist mittlerweile jedoch die „Ansoff-Matrix“. Neben der Markterweiterung, also dem Bearbeiten neuer Märkte und Zielgruppen, ist eben die Produktentwicklung und die Diversifikation planbar.

In der Produktentwicklung gibt es Varianten, z.B. Farb – oder Gschmacksvarianten, und Modifikationen, die eher in der Form als im Inhalt ausgemacht werden.

Ritter Sport beispielsweise gab es ursprünglich in drei Geschmacksrichtungen, mittlerweile in unglaublich vielen leckeren Variationen.

Ritter Sport-Schokolade gibt es aber auch modifiziert: als Minis, als Würfel, in ganz großen Tafeln usw.

Eine ganz übliche Praxis also, den verschiedenen Wünschen und Bedürfnissen des Konsumenten entgegenzukommen – und Marktanteile zu sichern.

Ganz häufig ist jedoch auch die Diversifikation zu finden – mit neuen Produkten werden neue Märkte erobert. Ein neuer Markt gilt dann als neu, wenn andere Teilnehmer im Mikromarkt vorzufinden sind, also andere Lieferanten oder Wettbewerber oder Vertriebspartner oder Kundensegmente. Der Snickers-Schokoriegel konkurriert mit allen anderen Schokoriegeln um die Gunst der Kunden, als Eis muss er sich jedoch gegen neue Wettbewerber wie Langnese und Schöller positionieren – Snickers hat mit diesem Produkt diversifisiert. Oder der Klassiker: Nokia war ein finnischer Mischkonzern, der Dünger, Gummistiefel und Fahrradschläuche hergestellt hat, bis sie eines Tages auch der Meinung waren, Handys zusammenschrauben zu können. Neues Produkt, neuer Markt – Diversifikation.

Ob Camel nun Boots herstellt oder Snickers eines Tages Sneakers – stets zählt hier der gut eingeführte, bekannte Markenname und die geliebte Marke als Schlüssel zum Erfolg. Und auch Apple hat schon eifrig diversifiziert – und das durchaus strategisch: Mit dem iTunes-Store hat sich Apple vom Produkthersteller zum Inhalte-Verkäufer gewandelt – und damit eine weitere Basis seines Geschäftserfolges geschaffen.

Was die Jungs mit dem angebissenen Apfel sonst noch so vorhaben könnten, seht ihr hier: