Wenn ich nur so begehrt wär‘ wie der bebo sher

Wer sich jetzt fragt, wer oder was ein „bebo sher“ ist, ist entweder spätgeboren oder nicht in den ostdeutschen Bundesländern sozialisiert worden. Oder beides. Ich persönlich kenne den „bebo sher“ auch nur aus ulkig-kultigen Werbspots:

„sher“ ist natürlich nicht entstanden aus der Unkenntnis der englischen Sprache, sondern steht für „schnell – hautschonend – elektrisch – rasiert“. Und „bebo“ ist das Kürzel für den VEB Bergmann Borsig.

Bergmann Borsig war eigentlich ein Betrieb der Schwerindustrie, der Generatoren, Turbinen und andere Bauteile für Kraftwerke herstellte. Die Produktion des „bebo sher“ erfolgte daher auch nicht freiwillig: Der Ministerrat der DDR sah die Folgen der Mangelwirtschaft an Konsum- und Gebrauchsgegenständen und suchte nach einer Lösung. 1953 wurden per Beschluss die großen Produktionsbetriebe dazu verpflichtet, neben ihren eigentlichen Produkten auch Güter des täglichen Bedarfs herzustellen. Bei Bergmann Borsig war das nicht nur der Rasierer, sondern auch Rollschuhe, Schlittschuhe und Schlüsselringe.

Ich finde es spannend, dass in Corona-Zeiten das, was damals zwangsweise angeordnet wurde, heute eine Überlebensstrategie geworden ist: Craft-Bier-Brauereien haben kurzfristig Desinfektionsmittel hergestellt, Trigema hat Masken genäht, Theater-Werkstätten haben Plexiglaswände gebaut und verkauft. Und ich meine Überlebensstrategie ganz ernst, denn ich bin davon überzeugt, dass die fatalen Auswirkungen (nicht nur) auf Produktions- und Zulieferbetriebe erst im Herbst und Winter dieses Jahres spürbar werden. Wer jetzt in der Lage ist, kreatives und innovatives Potential zu sehen, zu entwickeln und sich auf die so neu entstehenden Märkte zu begeben, hat eine gute Chance, gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Business as usual, das Hoffen auf die Rückkehr in eine „Normalität“ wie vor Corona, das Verharren in der Starre, das werden die Sargnägel für manche Betriebe sein.

An dieser Stelle möchte ich meine Freunde von den Fabriktestern erwähnen, die seit über 10 Jahren produzierendes Gewerbe darin trainieren, ihre Produktion zu optimieren und ihren Vertrieb zu verbessern. Sie haben schnell reagiert und stehen interessierten UnternehmerInnen zur Verfügung, um diese Potenziale zu erkennen und – wie Schätze – zu heben. Denn oftmals hilft der Blick von aussen, die Chancen zu sehen, die die Betriebsblindheit unsichtbar macht.

Und daher kann ich nur mit einer Frage schließen: „Was wird Ihr bebo sher?“

 

 

 

 

Neuer Alltag, neue Gewohnheiten, neue Bedürfnisse – wie geht es weiter nach Covid 19?

Wie in der letzten Folge schon angekündigt, verlässt die makketing Marketing Show ihren normalen Rahmen und widmet sich in einem Special nur einem einzigen Thema: der Covid 19-Krise. Wie werden sich Märke und das Marketing verändern, wie kann ich mich als Selbständiger oder Unternehmer/in auf die Zeit nach der Krise vorbereiten?

 

Ben sprach im Podcast vom „House of change“ und den verschiedenen Phasen. Hier ein Schaubild dazu:

Die Herausforderung besteht darin, auf die veränderten Gewohnheiten zu reagieren.

Normalerweise tun wir uns ja eher schwer damit, liebgewonnene Abläufe zu verändern, aber – wie Richard Thaler schon vor 10 Jahren in seinem Buch „Nudge“ schrieb –  es gibt immer einschneidende Ereignisse (Umzug, Jobwechsel, Trennung vom Partner, Geburt des Kindes usw.), zu denen wir offener dafür sind, unser Verhalten grundlegend zu verändern. Die Covid-Krise ist ohne Zweifel so ein Einschnitt, der bei vielen Konsumenten zu nachhaltigen und dauerhaften Änderungen in der Art und Weise, wie sie konsumieren, geführt hat. Es wäre falsch zu glauben, dass mit dem Ende der Krise diese neuen Gewohnheiten wieder abgelegt werden.

Auch die Werbung ist stark zurückgefahren worden, was wiederum die werbetreibenden Medien unter Druck setzt, auch hier wird sich eine bereits vorher bestehende Krise noch deutlich verschärfen. Anlässe zu kommunizieren, gibt es aber noch reichlich:

Eine der guten, starken Kampagnen, die bei mir Gänsehaut ausgelöst hat, ist die #alleswaswirlieben-Kampagne, denn hier stimmt einfach alles:

Es geht in der Werbung im Moment nicht um Marken und Produkte, sondern es geht um Menschen:

 

Allerdings: mit dem entsprechenden Pathos lassen sich auch hervorragend Burger verkaufen…

Die ohnehin schon arg gebeutelte Autoindustrie reagierte auch umgehend:

Und abschließend noch das Video zu den erwähnten „Stadtlichthelden„:

Virales Marketing, ansteckende Ideen und Corona (das Bier) – die makketing Marketing Show No 6

Die Winterpause war länger als geplant, denn erst mussten wir viel arbeiten und dann funkte uns (allen) das Corona-Virus dazwischen… alles musste neu organisiert und in digitale Lebenswelten verschoben werden.

Doch nun ist sie endlich da: Die 6. Folge unserer makketing Marketing Show!

Hier übrigens der popkulturelle Bezug zum Thema…. 🙂

Beim thematischen Thema dreht sich diesmal alles um virales Marketing (ab 5:30)

Hier einige der erwähnten Beispiele (und ruhig mal auf die Klickzahlen schauen!):

Edeka ist supergeil…

und eine der Parodien dazu:

Nochmal Edeka: der sehr rührselige Weihnachtsclip…

So nahm Conrad diese Steilvorlage auf:

Nicht minder komisch ist auch der Casefilm (=Agentureinreichung bei Kreativ-Wettbewerben):

Noch ein Viral-Hit:

Und auch hier noch eine der unzähligen „Antworten“:

und abschließend noch Bespiele für das erwähnte Travolta-Meme:

 

Das Makketier muss Corona-bedingt leider ausfallen… dafür haben wir im „heißen Sch…ß“ (42:15) einige Buchempfehlungen für euch, die die Zeit in der Isolation verkürzen können.

 

Benjamins Tipp: „Mehr als eine Heimat“ von Ali Can, der in seinem Buch das Deutschsein neu definiert.

 

Ich empfehle:

„Bedeutsame Belanglosigkeiten“ von Vittorio Magnago Lampugnani nimmt euch mit in die faszinierende Welt der kleinen Dinge im Stadtraum…

Mit meiner Tochter lese ich gerade den „goldenen Kompass“ von Philip Puttmann

und dazu schauen wir parallel die Serienverfilmung „His dark materials“:

Und selbst für mich als eingeborenen und eingefleischten Berliner hat dieses Opus Magnum noch viele neue Erkenntnisse gebracht: „Berlin – Biografie einer großen Stadt“ von Jens Bisky. Und wann, wenn nicht jetzt, hat man schon Zeit, über 800 Seiten zu lesen?

Die kommende Episode wird dann unser „Corona-Special“: Was müssen UnternehmerInnen und und Unternehmen jetzt tun, um sich klug in der Krise zu verhalten – und sich auf den Restart optimal vorzubereiten?

Die „makketing Marketing Show“ ist eine Produktion der Podcastmacherei.