Kult schafft Kult

Dass man mit Darth Vader und dem ganzen „Star Wars“- Imperium viel Aufmerksamkeit bekommt, habe ich schon an anderer Stelle erörtert – doch die Werbung setzt immer häufiger auch auf andere Kultfiguren. Vorteil: Man kann (zumindest in der entsprechenden Zielgruppe) einen reichen Wissensschatz voraussetzen. Wer unter 20 kennt schon noch MacGyver? In meiner Generation ist das schon etwas ganz anderes – und unsereins kauft sich ja potentiell viel eher einmal einen Citan…

Mercedes belässt es aber nicht nur einfach so bei einem Spot, sondern hat eine ganze Mini-Web-Serie geschaffen, die aufwändig produziert wurde:

Die weiteren Folgen findet ihr selbstverständlich bei Youtube.

Mit „Pulp Fiction“ können auch die Jüngeren etwas anfangen. Immerhin war dieser Meilenstein der Filmgeschichte DAS Comeback für John Travolta, der sich schön schmierig ins Zeug legte. Womit ich nicht sagen möchte, dass diese beiden hier ein Comeback nötig hätten, aber schön schmierig ist es schon…

Das Kalkül geht auf, denn „Pick Fiction“ geniesst jetzt schon Kultstatus im Internet. Mit Kultfiguren kann man also durchaus auch Werbekult schaffen…

Wenn der Makler auf den Facebook-Account zugreifen darf…

…dann entstehen auch im Immobilienbereich Angebote, die natürlich nur „persönlich auf Sie zugeschnitten“ sind.

Die schöne neue Web 2.0-Welt kann manchmal auch ziemlich spooky sein, zum Beispiel wenn sie in die Hände der Falschen gerät. Kennen wir ja: Neurolinguistische Programmierung per se ist ja nicht doof, als dann aber die ganzen Autoverkäufer und Bankangestellten darin geschult wurden, hat es sein Image doch ganz stark verloren. Und spätestens seit jeder Bäckereifachverkäufer der Meinung ist, mich erst „pacen“ zu müssen, bevor er mir mein Brötchen verkaufen kann, geht ganz doll ‚was schief….

Nun also die Makler, Wohnungs- und Hausverkäufer. Die haben sich gefragt, wie man die Floskel „taylor-made“ wirklich in die Tat umsetzen kann – und entdeckten Facebook:

„The Social Home“ – wohnen war ja vorher auch eher so eine wenig soziale Angelegenheit…

Was bedeutet das nun für die (recht nahe und gar nicht mehr so ferne) Zukunft? Auch der Autohändler und der Bankberater werden uns fb-gerecht ansprechen (ich erinnere nur an die Idee der Schufa). Und der Bäcker ordnet die Sesamkörner auf dem Brötchen in Form meines Profilfotos an… ihr werdet es noch erleben…

Die Zukunft des Marketing – Teil 1: Web 3.0

Das Web 2.0 hat uns vom reinen Konsumieren der Inhalte weggeführt hin zum Produzieren und Teilen von Inhalten (jeder kann content absondern und ihn auch verbreiten) und selbst das ist keine kommunikative Einbahnstrasse mehr, sondern dank der vielen Kommentarmöglichkeiten ein einfach zu führender Dialog.

Web 2.0 hat nicht nur unser Privatleben, sondern erst recht das Marketing und die Business-Welt richtig durchgeschüttelt. Die Verunsicherung, wie man damit denn nun umzugehen habe, ist in den Unternehmen immer noch groß, überzeugende Social Media Konzepte gibt es nur wenige. Daher die durchaus bange Frage: Was kommt nun als nächstes?

Technisch bewegen wir uns auf das sogenannte „Web 3.0“ zu, die „augmented reality“, was nichts anderes heißt, als dass wir mit unseren Smartphones in Zukunft mehr sehen werden als das, was da ist. Ein Beispiel:

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das erste Filmstudio die „Lola rennt“- Film-Tour für Berlin verkaufen wird… Doch auch jenseits touristischer Angebote gibt es eine Menge Einsatzmöglichkeiten:

 

Ist das wirklich die Zukunft? Nein, das ist schon längst die Realität. Smartphone-Besitzer können sich „layar“ runterladen, falls es nicht ohnehin schon Bestandteil des Smartphone-Angebotes ist:

 

Wie die Zukunft des Marketing aussehen könnte, das zeigt uns Keiichi Matsuda in seinen Video-Arbeiten:

Gut, das könnte jetzt leicht übertrieben wirken, aber nach dem layar-Video ist ja nix mehr auszuschliessen….

Augmented reality wird also nach und nach in unser Leben eindringen – und eines Tages wird unser Leben dann so aussehen (das Video ist in 3D – wer also noch eine alte 3D-Brille zuhause rumzuliegen hat, sollte sich dies auch unbedingt in 3D angucken! Alle anderen können von 3 auf 2D umschalten, ist aber nur der halbe Spaß!):

Die Zukunft sieht bunt aus – freut euch… 😉

 

 

Besitz 2.0 – teilen statt horten

Ein wesentliches Merkmal des omnipräsenten Begriffes „Web 2.0“ besteht darin, dass wir nicht mehr nur Konsumenten sind, sondern aufgrund der vielen technischen Fortschritte jeder von uns auch Produzent von Inhalten sein kann und in der Lage ist, diesen in Social Networks  ganz leicht und einfach mitzuteilen.

Unsere Informationsgesellschaft, so wie wir sie lange Zeit gekannt haben, wurde dadurch bereits auf den Kopf gestellt: Wir benötigen keine Instanzen mehr, die Informationen sammeln und darüber entscheiden, was sie mitteilen und was nicht. Die klassischen Medien erholen sich nur sehr schwer von diesem Paradigmenwechsel – noch fehlen tragfähige Konzepte wie Redaktionen, Verlage usw. damit umgehen können.

Doch es geht nicht mehr nur noch um das Teilen von Informationen, sondern auch von Gütern: kollaborativer Konsum. Bestehender Besitz (gelesene Bücher, gesehen DVDs, getragene Kleidung) wird miteinander getauscht, Investitionsgüter nach Nutzung bezahlt statt angeschafft (Car- und Bike-Sharing, aber auch das Ausleihen von Werkzeug im Baumarkt). Wir bewegen uns weg vom „Hyperkonsum“ des letzten Jahrhunderts in eine Zeit, in der der Zugang zu Inhalten wichtiger ist als der Besitz des Mediums. Ich möchte Musik hören, muss dafür aber nicht mehr die CD besitzen.

Der folgende Clip zeigt wie „collaborative consumption“ sich in den USA bereits zum Mega-Trend entwickelt hat:

Es sind nun die herstellenden Unternehmen, die von dieser Entwicklung betroffen sind: Geteilter Konsum bedeutet, dass weniger benötigt, weniger eingekauft wird. Eine geringere Nachfrage lässt sich nun nicht mehr mit größerem Marketingaufwand begegnen, viele Produkte werden sich nicht in den gewohnten Mengen weiterhin am Markt verkaufen lassen. Stattdessen werden neue Geschäftsmodelle ihren Weg finden. So wenig wie die Medien auf diese „Revolution“ vorbereitet waren, scheinen auch die produzierenden Firmen die Entwicklung nicht wirklich wahrzunehmen. Doch: Tauschen und Teilen ist das neue „Shoppen“.

Denn gerade in Zeiten, in denen wir alle mobiler werden (gleich ob körperlich oder geistig), wollen wir weniger Ballast mit uns rumschleppen.

Hier noch ein Video mit dem TEDx-Vortag von Rachel Botsman zu diesem Thema: