Oma ist Schuld! An allem!!

Den ganzen Blogbeitrag lieber hören als lesen? Bitte schön!

Na gut, nicht an allem… aber vielleicht doch an unserem Wertempfinden?! Eigentlich ging es bei den Herren von „Zweiaufeins“ um Öl und den Wert von Handarbeit sowie Industrieprodukten, die damit manchmal den großen Reibach machen. Hier das radioeins-Interview:

Im Grunde geht es um unsere Wahrnehmung von Wert, den nur für diesen sind wir bereit, uns von unserem Liebsten zu trennen – vom Geld. Und die Wertkommunikation liegt dabei stets beim Anbieter, denn: Was der Kunde nicht sieht, was der Kunde nicht weiß, das bezahlt er nicht.

Ich hatte schon an vielen Stellen hier im Blog oder auch in den Interviews darüber gesprochen, wie wir mit schönen Bildern und tollen Texten eingelullt werden und so vermeintlicher Wert in unserem Köpfen entstehen soll. Aber oft haben wir ja bereits Vorstellungen davon, was gut und teuer ist. Gerade was teuer ist, muss ja gut sein. Denn wie sagte die Oma immer: „Was nichts kostet, ist nichts wert, was viel kostet, ist viel wert.“ Der hohe Preis gilt als Qualitätsindikator: Wenn andere für das Produkt so viel Geld bezahlen, dann kann es ja nur gut sein…“

Oma mag mit dieser Einschätzung noch richtig gelegen haben, dann handwerkliche Arbeiten oder auch Produkte aus Manufakturen hatte ihre Qualität und man zahlte dafür gerne seinen Preis.

Manufakturen – mit der Hand (manus) gemacht (faktum) gibt es heute noch, doch nicht immer ist dort alles handgemacht. Manchmal werden industriell vorgefertigte Teile einfach nur noch von Hand zusammengesetzt, aber schon stammt das Produkt aus einer Manufaktur – und wir sind bereit mehr zu bezahlen.

Hersteller müssen nicht immer selbst aufregende Wertigkeitsbildwelten heraufbeschwören, manchmal reicht es auch, bestehende Vorstellungen „anzuzapfen“. Wir wissen, dass natives Olivenöl extra vergine aus Italien kommt und seinen Preis hat. Schon kann ich billiges Öl in einer Flasche mit italienisch anmutendem Design teuer an dem Kunden bringen, denn der Look des Produktes verkauft mehr als der Inhalt. Auch bei Wein orientieren sich die meisten Käufer am Preis (teuer = gut, siehe Oma) und an der ansprechenden Gestaltung des Etiketts.

Bestimmt schmeckt dieses Olivenöl ganz hervorragend. Das handgeschriebene Etikett schafft Authentizität…

Warum funktioniert das? Zum einen haben wir alle ein sogenanntes subjektives Preisempfinden, das heißt, jede/r von uns hat sein ganz eigenes Preisraster, in das wir einsortieren, was für uns teuer, was billig und was seinen Preis wert ist. Wir können uns darüber austauschen, müssen uns dabei aber nicht einig werden. Manche meinen, dass es ein gutes Olivenöl schon für 5,- € gibt, andere sind der festen Überzeugung, dass man dafür mindestens 15,- € bezahlen muss.

…und auch dieses Olivenöl hat doch der Bauer gerade selbst abgefüllt, oder? In Wirklichkeit ist Farchioni der zweitgrößte italienische Olivenöl-Produzent, der jährlich 10.000 Tonnen Öl herstellt. 25% davon werden ins Ausland geliefert…

Zum anderen vermeidet unser Gehirn gerne Arbeit, weil das Energie kostet. Unsere grauen Zellen machen gut 2% unseres Körpergewichtes aus, verbrauchen aber rund 20% der Energie, die wir täglich zuführen. Kleine Abkürzungen und Vereinfachungen z.B. über das Design der Etiketten oder den Preis sind einfach energieeffizienter….

Fazit: Du willst Schrott verkaufen? Verpacke ihn schön, mach ihn teuer und erzähle eine gute Geschichte zur Wertigkeit. Zumindest einmal könnte es so funktionieren…

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