Immer noch: Saufen für den Regenwald, den Artenschutz, den Weltfrieden

Na, wer kann sich daran noch erinnern?

Saufen für den Regenwald! Mit jedem Kasten Bier, den man kaufte, rettete man 2002 einen Quadratmeter bedrohter Natur. Toll! Und Anlaß genug für die Herren von „Zweiaufeins„, mich zum Thema „Kasten“ in das radioeins-Studio einzuladen, um über Sinn und Unsinn solcher Aktionen zu sprechen.

Zunächst einmal: Die Aktion war für Krombacher ein voller Erfolg:

„Wir sind gegen den Trend im Markt gewachsen“, sagt Weihrauch. „Und unsere Werte bei Authentizität, Sympathie und Glaubwürdigkeit sind deutlich gestiegen.“

zitert die „taz“ den Krombacher-Pressesprecher Franz-Josef Weihrauch. Und so setzt die Biermarke diese Aktion seit nun mehr 14 Jahren fort. Mittlerweile geht es nicht mehr um den weit entfernten Regenwald, sondern um den Artenschutz quasi vor unserer Haustür:

Krombacher hat tatsächlich Geld in Regenwaldprojekte gesteckt, was grundsätzlich löblich ist. Und doch sahen sie sich schnell einer wachsenden Zahl von Anfragen ausgesetzt, die genau wissen wollten, wie Krombacher den Umweltschutz über die Werbeaktion hinaus lebt. Wie sozial sie sich als Arbeitgeber verhalten, wo ihre Zutaten herkommen usw. usf. Und – ebenso löblich – es setzte ein Umdenken im Unternehmen ein, das 2011 in dem ersten Nachhaltigkeitsbericht gipfelte. Viele positive Effekte – ist das also eine gelungene „grüne“ Aktion?

Mitnichten, denn es handelt sich hier immer noch um eine Werbeaktion, bei der unter dem Vorwand, das grüne Gewissen zu beruhigen, vor allen Dingen eines erzielt werden soll: mehr Absatz. Und dieser Mißbrauch grüner Themen ist stets eine Form von Green Washing. Es steht jedem Unternehmen, jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer frei, sich sozial, fair und grün zu engagieren und Teile der erwirtschafteten Gewinne über soziale und ökologische Projekte wieder an die Gesellschaft zurückzugeben – und natürlich kann dies auch gerne im Rahmen der Website und anderer PR-Aktivitäten kommuniziert werden (Tue Gutes und sprich darüber!), aber wenn dieses Engagement in den Vordergrund geschoben wird, um damit Dinge zu verkaufen und Wachstum zu generieren, dann handelt es sich hier nicht mehr um ein öko-soziales Engagement, sondern eben um ödeschnödeblöde Werbung.

Und das Schlimme ist, dass man sich als Unternehmen damit tatsächlich auch seinen guten Ruf ruinieren kann: Beispiel Porta. Auch dieses Möbelhaus engagiert sich vorbildlich und unterstützt viele Projekte, wie man online nachlesen kann, aber auch hier wird dann u.a. eine große Funkspot-Werbekampagne gefahren, um die Kunden zum Möbelkauf am 7. Mai zu bewegen, denn:

 

Wirtschaftliche Unternehmen sind keine moralischen Instanzen und dürfen sich auch nicht dazu aufspielen. Sie können mich informieren, sie können mir ihre Partner vorstellen, mich dazu animieren, diese zu unterstützen. Aber wenn sie ihre Wohltaten von meinem Kaufverhalten abhängig machen (und das auch noch ziemlich unverhohlen im Rahmen von Werbeaktionen), dann verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit.

Auch H&M ist großartig darin, Green Washing zu betreiben, wie ich jüngst in einem Beitrag für meinen „Schwester-Blog“ greenmarketing aufgezeigt habe. Der Textilhändler lenkt mit einer großen, grünen Recycling-Kampagne vom eigentlichen Thema, den Produktionsbedingungen, ab.

Es handelt sich auch hier ziemlich unverhohlen um Abverkaufswerbung, der Kunde kommt beim Zurückbringen der Klamotten wieder in die Filiale zurück und kann mit den erhaltenen Gutschein gleich wieder neue Bekleidung kaufen. Das diese aber unter billigsten Bedingungen produziert wird, darüber schweigt sich H&M aus und seine Bemühungen, diese zu verbessern, sind eher marginal. Wie auch, plant doch das Unternehmen weiterhin jährlich 400 Filialen zu eröffnen, die alle mit billiger „fast fashion“ bestückt werden wollen.

Wenn Unternehmen damit weitermachen, uns unter grünen Aspekten ihre Produkte verkaufen zu wollen, dann wird Nachhaltigkeit nur noch zu einem beliebigen Zusatznutzen, dann hat es unser Wirtschaftssystem wieder einmal geschafft, sich einen Gegenansatz einzuverleiben und daraus Profit zu schlagen. Das dürfen wir als Konsumenten nicht zu lassen.

 

2016 – alles auf Start!

3. Januar 2016 – noch halten die guten Vorsätze, mit denen man in das neue Jahr gestartet ist. Meiner lautet ja, im kommenden Jahr mindestens genauso oft zu Gast bei „Zweiaufeins“ im „radioeins„-Studio zu sein wie im letzten. Und daher fangen wir gleich heute einmal an:

„Start“ ist das Thema und was liegt da näher, als sich den „Startups“ zu widmen, die natürlich jede Menge Marketing benötigen. Ursprünglich wollte der geschätzte Redakteur Dave skurile Startup-Ideen bekommen, aber so skuril sind die ja gar nicht: Die merkwürdigsten Ideen gelingen und die am sichersten erscheinenden Konzepte scheitern fürchterlich. Letztendlich ist jede Idee so gut wie der Markt, der dafür vorhanden ist, bzw. sein sollte.

Manche gedachten Nischen entpuppen sich dann als ziemlich groß, wie das dänische Startup „Sprout“ gerade erfahren muss: Ein Bleistift, den man in die Erde stecken kann und dann wächst eine Pflanze daraus?

Ziemlich verrückte Idee, doch statt der erwarteten 5 – 10.000 Bleistifte verkauften sich in den ersten drei Monaten bereits 70.000 Stück. Mittlerweile sind große Unternehmen wie IKEA, Disney oder der Energiekonzern Enel auf sie aufmerksam geworden, so dass nun über 2,5 Millionen Stifte verkauft wurden. Keine Idee ist skuril genug, um nicht erfolgreich zu werden…

Doch was ist ein „Startup“ nun genau? Startups sind Gründungen, die sich in der ersten Phase des unternehmerischen Lebenszyklus befinden, also eine gute Idee und zumeist keine finanziellen Mittel haben. Wichtig ist dabei wirklich die Idee, die einen gewissen Grad an Innovation mit sich bringen sollte. Die Gründung einer normalen Currywurstbude zeichnet also noch kein Startup aus. Diese Idee sollte auch ein überdurchschnittlich hohes Wachstumspotential beinhalten, denn das wiederum lockt die Investoren an.

Zumeist ist in dieser Phase auch kein Geld für Marketing vorhanden, was ein wenig kontraproduktiv ist, denn wie erfährt die Welt von meinem tollen Produkt, wenn ich es ihr weder über Werbung mitteilen noch mir meinen Platz im Handel erkaufen kann? Einige Gründer setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda, doch diese lässt sich weder steuern noch kontrollieren – manche Idee starb so in Schönheit vor sich hin, denn wenn niemand weiß, dass es das Produkt gibt, kann es ja auch keiner weiterempfehlen. Auch Social Media winkt mit Verheißungen, aber sich heute in dem Dauerfeuerwerk auf Facebook, Twitter & Instagram durchzusetzen, bedarf immer höherer Investitionen – in Zeit und Geld und Manpower. Und bislang hat es kaum ein Produkt geschafft, ausschließlich mit Social-Media-Maßnahmen den Durchbruch zu schaffen: Den wenigen, denen es gelang (und die oftmals auch dadurch noch mehr Aufmerksamkeit erhielten), stehen hunderte entgegen, die es nicht geschafft haben (und über die niemand berichtet).

Doch was kann man dann tun? Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, frei nach dem Motto: „Wer gesehen werden will, muss sich bewegen.“ Gute Medienarbeit zählt genauso dazu, denn schließlich muss jede Tageszeitung, jeder Radiosender jeden Tag sein Medium mit neuen, interessanten Geschichten füllen. Oder man nimmt an TV-Spektakeln teil wie der „Höhle der Löwen“:

Bis zu 2 Millionen Zuschauer pro Folge hatten die bislang 2 Staffeln, 35 Deals wurden im Fernsehen abgeschlossen mit einem Gesamtinvestment-Volumen von 5 Millionen Euro. De facto sind jedoch 21 von diesen im Nachhinein geplatzt, lediglich ein Bruchteil der angekündigten Summen wurden tatsächlich investiert. Dennoch hat sich für sehr viele Teilnehmer der Auftritt bei den Löwen gerechnet, denn nach den Sendungen bekamen sie oftmals unzählige Anfragen von anderen Investoren und auch die Fernsehzuschauer wurden neugierig auf die Produkte. Jochen Schweizer hat auf der „Bits & Pretzels„-Konferenz erklärt, wo der Nutzen für die Startups liegt und warum nicht alle Deals wirklich zustande gekommen sind:

Mehr noch als für andere Unternehmen gilt für Startups die Prämisse im Marketing, möglich wenig zu streuen und so zielgenau wie möglich zu kommunizieren – und sich im Vorfeld darüber klar zu werden, wer denn eigentlich die Zielgruppe ist und wie man diese am besten erreichen kann. Diese Überlegungen sollten so früh wie möglich angestellt werden, denn der reine Fokus auf die Produktentwicklung führt oftmals am Markt vorbei.Und Märkte funktionieren ja wieder ganz nach ihren ganz eigenen Regeln….

 

The winner takes it all: Online-Shopping für Milliardäre

Ach, es ist schon ein Kreuz mit dem Reichsein, wohin soll man so als Milliardär nur sein teuer ergaunertes Geld hinverschwenden? Das hat auch Sven und Daniel von Zweiaufeins bei radioeins schlaflose Nächte bereitet, so dass sie mich in ihrer Verzweiflung einluden, um über den „The Billionaire Shop“ zu sprechen, den exklusivsten Online-Shop für den Multimillionär (nachzuhören wie immer hier im talketing-Blog).

Der schnelle Einkauf für Zwischendurch hat dabei für jeden mindstens achtstelligen Kontostand etwas dabei, denn es muss ja nicht immer gleich die Privatinsel auf den Bahamas für 65,5 Mio Euro sein…

…manchmal tut es auch die „Tour de I’lle“-Armbanduhr von Vacheron Constantine für fast schon geschenkte 2,95 Mio €. Mit Kleinkram hält man sich auf dieser Seite auch gar nicht auf: Die Kategorien lauten lediglich: Kunst, Autos, Motorräder, Helikopter, Yachten, Jets, Residenzen und Uhren.

Gezielt wird hier der Impulskäufer gesucht, denn wie in jedem Online-Shop kann man viel Beratung nicht erwarten, dafür erfolgt die Lieferung selbstverständlich frei Haus. Die Macher des Shops verstehen ihn als „destination for winners“ – und zwar im wörtlichen Sinne. Den hinter all dem steht ein schwedisches Team, das auch die internationale Glücksspiel-Plattform „Multilotto“ betreibt. Man habe dort nämlich festgestellt, dass die frischgebackenen Lotto-Multimillionäre gar nicht wüssten, wohin mit dem vielen Geld – und so böte man diesen nun endlich eine Einkaufshilfe an.

Klingt zu schön, um wahr zu sein – und so entpuppt sich das Ganze auch als riesig großer PR-Gag. Keines der dort angebotenen Artikel kann man wirklich erwerben, denn stets erscheint die Fehlermeldung, dass er leider schon ausverkauft sei. Viel mehr geht es darum, neben dem „Buy“-Button den „Buy the easy way €4“-Link zu klicken, der direkt auf die Multilotto-Website führt (wo dann auch bis zu 146 Mio. Euro zu gewinnen sind….).

Das Kalkül ging auf, denn zum Launch des Billionaire Shop im Dezember 2012 stürzten sich viele Medien auf die Meldung und verbreiteten den Shop und seine URL eifrig weiter. Und bestimmt hat der eine oder andere Besucher dann auch schnell einmal 4 Euro Einsatz gezahlt….

Es bleibt also auch weiterhin traurig, das Milliardärs-Dasein. Aber wer will auch schon reich sein?