„Ich rutsch‘ mal schnell zum Essen“ – Arbeiten bei Google

Als Dave, der Redakteur, mich diesmal zum Gespräch bei „2aufeins“ in „radio eins“ (hier im talketing-Blog nachzuhören) einlud, stockte ich kurz, als er meinte, dass dieswöchige Thema sei „Rutschen“. Während ich in Gedanken schon die Geschichte der verschiedensten Hersteller von Spielplatzrutschen durchgegangen bin, kam schnell die Erleichterung: In Zürich könne man doch bei Google mit der Rutsche in die Kantine flutschen – warum mache man denn sowas?

Stimmt das denn überhaupt? Es stimmt. Das Hauptquartier von Google in Zürich ist weniger Arbeits- als Spielplatz:

BBC Google Zurich from Camenzind Evolution on Vimeo.

Und auch im neuen Londoner Büro durfte der Innendesigner mal so richtig ausflippen:

Selbstredend gibt es im Marketing dafür eine Fachbezeichnung, denn auch die Mitarbeitermotivation und -förderung durch Raumgestaltung ist eines der vielen Instrumente des Marketing-Mixes. Und da die alle mit „p“ anfangen (die 4 berühmten „P“s lauten product, price, placement und promotion), beginnt auch dieses mit „p“: physical facilities.

Ausgangspunkt ist die Erkennntis, dass glückliche und zufriedene Mitarbeiter mehr Milch geben – im Sinne von Kreativität, Loyalität, Einsatz. Und so, wie Kühe nicht mehr auf engsten Raum gehalten werden wollen und sollen, so sind auch die Zeiten der Großraumbüros passé. Für Google (und die andere wie adidas, Vodafone oder Siemens) ist dies zugleich ein Wettbewerbsvorteil, wenn es um den Kampf um die besten Köpfe geht, denn viele Uni-Absolventen wollen natürlich lieber an einem so coolen Ort arbeiten und nicht in langweiligen Büroräumen.

Für die Konzerne ist es zudem eine Frage der Kosten: Selten sind alle Arbeitsplätze besetzt, gut 40% aller Büroplätze bleiben aufgrund Krankheit, Urlaub und Aussenterminen unbesetzt. Es ist daher auch eine reine Notwendigkeit, dem Mitarbeiter keinen festen, sondern möglichst einen mobilen Arbeitsplatz einzuräumen. Dank Laptop, Handy und Rollschrank ist das nun möglich.

Die Änderung unserer Arbeitszeiten, die Mobilität und der immer stärker werdende Wunsch, autark und leistungsorientiert beispielsweise auch von zuhause aus zu arbeiten, verändern die Bürolandschaften. Im Spiegel-online-Interview antwortet der Designer des Londoner Google-Büros auf die Frage:

Frage: Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in fünf Jahren arbeiten? Wird sich das grundlegend wandeln?

Penson: Ich gehe davon aus, dass es sich schon in zwei Jahren grundlegend ändert, wie unsere Arbeitsplätze aussehen. Ich erledige einen Großteil meiner Arbeit schon heute vom iPhone aus. Und bald werden Tablets die Desktop-PCs und Laptops fast völlig verdrängt haben. Dann braucht man eigentlich gar keinen Schreibtisch mehr und ist viel freier in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes.

Es geht also weniger um das Design an sich, das natürlich – logisch – auch irgendwann zur Normalität dazugehört und einen langweiligen Job nicht besser macht. Die Möglichkeit, seine Arbeit selbstbestimmt und losgelöst von 9-to-5-Anwesenheitspflichten ausführen zu können, motiviert Menschen mehr als vieles andere (was die Wissenschaft schon vor Jahren erkannt hat, in der Wirtschaft aber nur schleppend ankam, wie Daniel Pink hier ausführt:

).

Und zu guter Letzt ist eine solch motivierende Innenarchitektur immer auch Werbung in eigener Sache: nicht nur, um die besten Absolventen anwerben zu können, sondern auch, um sich als cooles, hippes, junges, modernes Unternehmen nach aussen zu positionieren. Denn bei weitem nicht alle Google-Offices sind so extravagant wie die in Zürich oder London… Das in Hamburg zum Beispiel sieht ja fast schon ein wenig erbärmlich aus gegen die Flagschiffe… 🙂

Ein Gedanke zu „„Ich rutsch‘ mal schnell zum Essen“ – Arbeiten bei Google

  1. Pingback: makketing spricht… über Googles Rutsche | talketing

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