Chuck, der Mörderturnschuh

…oder verwechsele ich da gerade was?

Anläßlich meines „2aufeins„-Interviews bei „radioeins“ (das hier im talketing-Blog nachgehört werden kann) möchte ich ein bißchen etwas zu den „Converse All Star Chuck Taylor“ erzählen.

Die Chucks sind ein natürlich nicht nur eine Übermarke, sondern ein kulturelles Phanömen, schafft es dieser Turnschuh doch, trotz Massenproduktion (der Absatz liegt weltweit bei einer Milliarde Paar) immer noch ein Stück Subkultur und Teil einer Gegenkultur zu bleiben: Keine Turnschuhmarke steht mehr für Rebellion als die Chucks.

Mit dem Älterwerden der rebellierenden Jugendlichen wird deren Produkt vom Zeichen des Anders-Seins zum Massenprodukt – und taugt für die nachwachsende Generation natürlich nicht mehr als Zeichen des Protestes: Wer will schon gegen die Eltern-Generation aufbegehren – mit deren Symbolen? So ist ein Che Guevara – T-Shirt heute eher ein modisches Statement als ein politisches… Doch der „Chuck“ hat dies geschafft.

Die Firma Converse Rubber Shoe Company wurde 1908 in den USA von Marquis M. Converse gegründet und stellte zunächst nur winterfestes Schuhwerk her. 1917 kam dann der erste Basketballschuh „All Star“ für die noch sehr junge Sportart auf den Markt, denn Basketball wurde erst seit 1891 nach Regeln gespielt. Und zwar zumeist in Tanzsälen und auf deren Parkettböden quietschten die Gummisohlen der Turnschuhe – das typische Geräusch ist bis heute geblieben.

Marquis Converse

Bekanntester Vertreter des vornehmlich noch von Weißen gespielten Sportes war Chuck Taylor, der seit 1918 die Schuhe trug (er war zufälligerweise auch Converse-Mitarbeiter) und bewarb. Er war somit eines der ersten Testimonials für eine Sportmarke in der noch jungen Werbegeschichte.

Seine Signatur prägte dann den runden Knöchelschutz an den Seiten – und so war der „Converse All Star Chuck Taylor“, kurz „Chuck“ geboren.

Der Schuh trat einen Siegeszug an: Bald spielten viele Basketball-Mannschaften mit Chucks, und als der Sport 1936 olympisch wurde, gewannen die Amerikaner die Goldmedaille – natürlich in Chucks.

In den 50er wandelte sich der Sportschuh zum Alltagsschuh und wurde damals in erster Linie von Rockabillies getragen, auch von James Dean und Elvis Presley. Das College-Modell hatten die Beach Boys an den Füßen, Mick Jagger heiratete im Anzug mit Chucks, John Lennon und Yoko Ono trugen sie ebenso.

In den 70ern entdeckten dann die Punks den Chuck – als einzig wirklich tragbaren Turnschuh, wie ein Fanzine damals vermerkte. Die Ramones waren leidenschaftliche Chuck-Träger. In den 80ern vereinnahmte der Hard Rock den Schuh und das damit verbundene Lebensgefühl, als Beispiel sei nur Van Halen genanntn. Und in den 90er wurde mit Grunge ein neuer Höhepunkt der Chuck-Geschichte erreicht (Kurt Cobain trug Chucks, als er sich erschoß).

Die Marke zeigt also eine unglaublich hohe Anpassungsfähigkeit, was zum einen in dem klaren, einfachen Design begründet zu liegen scheint, zum anderen aber mit der Individualisierbarkeit des Produktes: Das weiße Leinen lässt sich hervorragend mit Filzstiften beschriften – vom Peace-Symbol über das Anarchy-Zeichen bis hin zum Band-Schriftzug.

gehört irgendwie zusammen

2001 ging Converse-Konkurs, doch die Produkte gab es immer noch, sie wurden schwarz in China weitergefertigt und auf den Markt geworfen. 2003 kauften Nike die Marke und übernahm offiziell die Massenproduktion, doch selbst dies tat der Kultmarke keinen Abbruch – so trugen in den 2000ern u.a. die Strokes Chucks…

Ob sich die Chucks als Zeichen der Rebellion auch weiterhin halten werden? Ich weiß es nicht, aber selbst Harry Potter trug Chucks… und somit bleibt der „Converse All Star Chuck Taylor“ wohl noch lange der Schuh der „Anders-Seienden“….

Ein Gedanke zu „Chuck, der Mörderturnschuh

  1. Pingback: makketing spricht… über Chucks | talketing

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