Leistungskommunikaton ist ein Arschloch

…lautet der Titel zu meinem kurzen Vortrag im Rahmen der garage-Gründerwoche am 13. November um 10.00h.

Doch warum nur? Ist doch ein jedes (Unternehmen) darauf erpicht, uns in den schönsten Farben und den blumigsten Worten kund zu tun, was es alles tolles kann. Nur hat deren vermeintliche Objektivität (es handelt sich hier ja nur um einen unternehmenssubjektiven Blick auf das eigene Produkt) nichts zu tun mit meinem individuellen Bedürfnis. Und so nervt reine Leistungskommunikation enorm: Wir sind satt vor Superlativen, überfressen mit langweiligen Produktdaten und abgeschreckt von dieser „Wir sind,wir können, wir machen“-Kommunikation. Denn was uns wirklich interessiert, ist unser ganz eigener Nutzen: „Und was hab ICH davon???“

Kluge Unternehmen haben das schon längst erkannt und begriffen, dass Nutzen- VOR Leistungskommunikation kommt. Und dass diese Zusatznutzen von Kunden zu Kunden sehr unterschiedlich sein können. Zum Beispiel beim MINI Countryman:

Daher ist dieser Wagen auch nicht „super“, sondern: „Killer!“

Oder man konzentriert sich gleich auf Leistungsmerkmale, die wirklich wirklich wichtig sind, wie das Handschuhfach und sein Fassungsvermögen:

Oder die tatsächliche Kraft der Pferdestärke:

Da möchte man dann auch auf gar keinen Fall gestört werden:

Merke: Erst der Nutzen macht die Leistung… 🙂

Spiel das Leben!

Eines meiner persönlichen Highlights auf der diesjährigen re:publica war neben dem Vortrag von Günther Dueck  Sebastian Deterding mit  seinen Ausführungen zu „Gamification“. Natürlich stürzen sich besonders die Marketing-Menschen auf dieses Thema, scheint dies doch die perfekte Kundenbindung zu ermöglichen…. aber wie funktioniert Gamification wirklich?

Deterding zeigt Möglichkeiten, Irrwege und Gefahren in seinem sehr kurzweiligen Vortrag auf – und letztendlich erfährt man mehr darüber, wie wir heute „Lernen“ gestalten sollten, wenn wir die dauerhafte Aufmerksamkeit und ein starkes Involvement der Lernenden erzielen wollen.

I’ve seen the future….

Viel wurde geschrieben, viel wurde geklagt über die diesjährige re:publica XI: Das WLAN gab unerwartet schnell seinen Geist auf (ganz schlecht bei einem „Blogger-Kongress“) und in der Folge dann auch das eine oder andere Mobilfunknetz (O2 can’t do). Die Räumlichkeiten waren für den Ansturm der Massen nicht groß genug und und und.

Dennoch: Ich habe eine Menge toller neuer Gedankenfunken erhalten. Ob es nun so herausragende Vorträge von Gunter Dueck (den ihr euch hier anschauen könnt) oder von Sebastian Deterding (hier die Folien seines Vortrages über „Gamefication – Spiel das Leben!“; ich hoffe, der Mitschnitt wird demnächst veröffentlicht) waren – die trösteten dann übrigens darüber hinweg, was für eine unglaublich schlechte Präsentationskultur deutsche Vortragende im Gegensatz zu den angloamerikanischen Redner haben – oder die vielen kleinen Workshops, die Aspekte wie „Gaming“, „Design“, „digitales Lernen“ oder „Crowd-Funding“ vertieften, es wurde immer wieder klar gemacht, dass die digitale Gesellschaft keine elitäre kleine Gruppe ist. Die Veränderungen können wir in unserem eigenen Alltag natürlich schon wiederfinden, aber in kurzer Zeit werden sämtliche Bereiche unseres Leben von „Digitalität“ durchzogen sein. In manchen Fällen wird es revolutionäre Auswirkungen haben, in anderen werden wir diese Veränderungen begrüßen und in wiederum einigen Fällen werden sie uns verängstigen, nur: Rückgängig werden sie sich nicht mehr machen lassen.

Die Besucherzahl ist auf 3.000 angestiegen, zunehmend sind die „Nerds“ nicht mehr nur männlich, sondern auch weiblich. Aber: Sind das denn noch die Nerds? Oder sind es eher die, die sich diesen Entwicklungen verschliessen?

Einiges von dem, was ich gehört habe, klang visionär, einiges banal; doch ich bin mir sicher, in den Menschen dort vor Ort, in denVorträgen, in den Köpfen der Besucher: Ich habe die Zukunft gesehen!

Klebt Blut an den iPads?

wired 3/2011

In Vorträgen und im Unterricht erzähle ich gerne am Beispiel von Foxconn, die nicht nur für Apple iPhones und iPads herstellen, sondern auch für Sony und Nokia arbeiten und demnächst Hersteller der MediaMarkt/Saturn-Eigenmarken sein werden, wie problematisch es werden könnte, wenn die Arbeitsbedingungen beim Hersteller die Marke beeinträchtigen.

„Fair“ in der Herstellung wird für den Konsumenten ein immer wichtigeres Kaufkritertium – und deshalb wurde es von Apple auch nicht gerne gesehen, dass sich zunehmend Arbeiter von Foxconn in den Tod gestürzt haben. Der Druck vom Abnehmer wirkte: Foxconn spannte Fallnetze auf und lässt sich in den Arbeitsverträgen zusichern und unterschreiben, dass der Arbeiter keinen Selbstmord begehen werde; ansonsten drohe den Hinterbliebenen eine Vertragsstrafe….

Lief die Berichterstattung bislang eher unauffällig, so hat die amerikanische Wired das Thema nun zum Aufmacher der aktuellen Ausgabe gemacht. Hier könnt ihr den Artikel nachlesen.

Das dürfte insbesondere Apple nicht wirklich in den Kram passen, denn gerade für Apple-Kunden spielen ethische Aspekte durchaus eine größere Rolle….

Ich bin auf die offiziellen Reaktionen schon sehr gespannt….

Nachtrag: Ein Artikel dazu aus der „taz“. Apple bedauert zwar die Todesfällt, lässt aber verlautbaren, dass „Foxconns Maßnahmen (…) definitiv Menschleben gerettet“ haben.

Jubel-Chinesen

Werbung – Manipulation oder Verführung?

Als Nachtrag zu dem kleinen Vortrag, den ich am 22. Februar gehalten habe, hier nun noch ein paar Ausführungen…

Haben wir heute schon jemanden verführt? Und jemanden manipuliert? Wurden wir vielleicht verführt oder haben wir uns manipuliert gefühlt? Und worin liegt da eigentlich der Unterschied? Letztendlich bezeichnen beide Begriffe eigentlich das gleiche: Wir möchten erreichen, dass eine Person das tut, was sie ursprünglich gar nicht wollte. Den Unterschied macht die Betrachtungsweise des Adressaten: Will er sich verführen lassen? Oder muss man mit mehr Tricks arbeiten, um ihn dahin zu bewegen, wo man ihn gerne hätte?

Der Autor Robert Greene beschrieb diesen Vorgang einmal wie folgt: „Verführung ist die ultimative Form von Machtausübung. Wer sich verführen lässt, tut das freiwillig und ist dabei glücklich.“

Um gekonnt zu verführen brauchen wir Sinnlichkeit:

da fließt einem doch das Wasser im Munde zusammen...

da fließt einem doch das Wasser im Munde zusammen…

Botschaften, die möglichst alle unsere Sinne ansprechen.

Und wir benötigen Aufmerksamkeit – und das wird heutzutage immer schwieriger. Sich deutlich von den vielen Eindrücken und Informationen, die zu jedem Zeitpunkt auf uns einprasseln, abzuheben, ist gar nicht so einfach. Wir können noch so sehr verführen wollen; auf einer großen Single-Party wird uns das wesentlich schlechter gelingen als bei einem romantischen Abendessen. Die Chancen steigen jedoch – auch auf der Party – wenn wir auffallen. Und das gilt in der Konsumwelt ebenso:

Wir lassen uns also gerne verfhren und ungern manipulieren – und doch bieten wir den Manipulatoren leichtes Spiel. Das hängt u.a. damit zusammen, dass wir im alltäglichen Umgang miteinander darauf angewiesen sind, schnelle Urteile und Entscheidungen zu fällen und uns dabei an Oberflächlichkeiten orientieren. Wir vertrauen daher leichter auf manche Signale wie zum Beispiel

– Autorität (transportiert durch Titel, Kleidung/Uniformen, Statussymbolen)

– Ehrlichkeit (ein guter Ruf ist schwer zu erwerben, aber leicht wieder zu verlieren; ein schlechter Ruf entsteht leicht und ist schwer wieder loszuwerden)

– Sympathie (Menschen, die wir mögen, vertrauen wir mehr. Wer gemocht wird, dem verzeiht man Fehler)

er bricht die Herzen der Frauen...

er bricht die Herzen der Frauen…

Diese Sympathie-Falle spiegelt sich im Gesetz der Reziprozität (Gegenseitigkeit) wider: In jeder Kultur finden wir Beispiele dafür, dass Menschen, die etwas geschenkt bekommen (und das kann auch Zeit oder Aufmerksamkeit sein) versuchen, sich für das Erhaltene erkenntlich zu zeigen. Und das öffnet der Manipulation Tor und Türe…. Ein klassisches Beispiel der Reziprozität finden wir – bei der Mafia (wer hätte das gedacht):

Man bekommt einen Dienst erwiesen und schuldet einen Gefallen – dieses einfache, aber nachhaltige Prinzip der Reziprozität eröffnet die Trilogie des „Paten“, denn es erklärt uns so bereits den ganzen Film.

Ein anderes wichtiges Gesetz ist das der sozialen Bewährtheit: Wir orientieren uns gerne an dem, was andere tun, besonders, wenn wir unsicher sind. Ob es die eingespielten Lacher in den Sitcoms sind oder der Umstand, dass wir uns nie in ein leeres Restaurant setzen würden, sondern lieber weiterlaufen, bis ein volleres kommt – all diese Verhalten beruhen auf diesem Gesetz.

Schon der Zirkuspionier P.T. Barnum wußte: „Nichts zieht eine Menge so sehr an wie eine Menge.“ Und so finden wir auch diese Methode häufig in der Werbung:

100.000 zufriedene Kunden haben dieses Buch gekauft...

100.000 zufriedene Kunden haben dieses Buch gekauft…

Weder bei der sozialen Bewährtheit noch bei der Reziprozität hinterfragen wir großartig unser Tun und Handeln, sondern wir lassen uns einfach leiten. Und genau das kann ausgenutzt werden….

Wir können nicht viel machen, denn würden wir allem und jedem mißtrauen, würden wir zu paranoiden Einzelgängern werden. Vielleicht reicht ja ein bißchen mehr Aufmerksamkeit aus – und die Vorsicht bei Geschenken!