This is the end of the Supermarkt as we know it

Was nervt am Einkaufen im Supermarkt am meisten? Die sperrigen Einkaufwagen, die einem immer im Weg rumstehen? Die langen Schlangen an den Kassen? Die Kundin vor einem, die die 67 Cent einzeln aus ihrem Portemonnaie sucht? Oder doch eher der Kunde, der seinen Einkauf für 3,89 € mit der Kreditkarte zahlt, 2x seine Geheimnummer falsch eingibt und dann erst noch die in seinem Kalender verschlüsselte Geheimnummer entschlüsseln muss, bevor er endlich zahlen kann?

Oder ganz einfach: alles zusammen??

Unsere Qualen haben ein Ende, denn Amazon hat sich nun daran gemacht, den stationären Lebensmitteleinzelhandel neu zu denken – und das ist dabei herausgekommen:

Keine Schlangen, keine Kassen. Pack & Go sozusagen. Noch ist der Shop in der Betaphase und nur für Angestellte von Amazon zu nutzen, aber 2017 soll der erste Laden in Seattle eröffnet werden. Und wie schon zuvor bei seinen Buchgeschäften wird Amazon das Konzept bei Erfolg breit streuen.

Doch nicht nur Lebensmittel und andere „klassische“ Supermarkt-Artikel, sondern auch fertige Mahlzeiten will Amazon anbieten sowie eine Art „Kochhaus„: Rezepte und genau proportionierte Zutaten, die man dann zuhause in kurzer Zeit zubereiten kann. Und natürlich wird es in den Läden genau das geben, was beim Online-Handel so sehr vermisst wird: das Einkaufserlebnis, z.B. an Live-Kochstationen.

Bitter ist diese Entwicklung für den deutschen Handel, der (wieder einmal) aus dem Mustopp kommt: In Vorbereitung auf den Konkurrenten „Amazon fresh“ haben alle großen Ketten eigene Lieferservices aufgebaut, bei denen sie jedoch nach wie vor draufzahlen, jede Lieferung kostet sie Geld. Doch Amazon denkt gar nicht daran, sich weiter´nur am Online-Handel zu orientieren. Sie haben die Logistik, die Technologie und die Kunden, um solche Konzepte durchzuziehen – und sie sparen Personalkosten, denn Kassierer sind in diesem Modell nicht mehr nötig.

Amazon Go: 2017 in Seattle – und ganz bald auch bei uns um die Ecke…

 

Dufte! Wenn die Cola nach Sommer riecht…

Wer kennt das nicht: Wenn im Ofen der Kuchen vor sich hin backt, in der Pfanne der Knoblauch bruzzelt oder im Topf das Gulasch schmort, dann läuft uns das Wasser im Munde zusammen, wenn bereits nur der Duft aus der Küche uns in die Nase steigt…. Das klappt heute natürlich auch an der Bushaltestelle:

Gerüche gehen direkt ins limbische System und haben daher eine große Wirkung – und werden immer häufiger gezielt im Marketing eingesetzt. Anlass genug, um bei den Herren von „Zweiaufeins“ im „radioeins„-Studio über Marketing für alle Sinne zu sprechen. Nachzuhören hier:

Den Geruch von Vanille lieben wir, weil er uns an Muttermilch erinnert, Lavendelgeruch öffnet das Portemonnaie, Zwiebelgeruch lässt Männer männlicher wirken, Zitronenduft macht sie femininer… die Liste der Duftwirkung ist lang – und wissenschaftlich nicht unumstritten. Wer nun nicht als lebende Zwiebel auf die Pirsch gehen möchte, kann es ja einmal mit den kernigen Duft von Speck versuchen:

 

Doch Hotels, Shops und selbst Zahnärzte setzen immer häufiger auf den richtigen Geruch, wenn es ums Marketing geht:

Auch die Deutsche Bahn experimentierte in den letzten Jahren mit bedufteten Zügen; Jasmin, Veilchen und Rosenholz  lassen den Bahnfahrer gnädiger werden, wenn der Zug Verspätung hat. Oftmals riechen wir diese Duftnoten nicht bewusst, manche Menschen können auf die synthetischen Stoffe allerdings allergisch reagieren.

Gerüche werden somit zum „Corporate Smell“, zum unsichtbaren Duftlogo: Das Swissotel riecht zum Beispiel nach Enzian, Edelhölzern und roter Pfefferbeere – so wie die Schweiz eben….  Dieser Markenduft wird dann oftmals auch konsequent weitergeführt bis zum Geruch der Seifen und Shampoos auf den Hotelzimmern. Ziel ist es, dass die Hotels der Kette weltweit dann bereits am Geruch erkannt werden können und sich ein wohliges Gefühl der Vertrautheit einstellt.

Doch natürlich werden Düfte auch manipulativer benutzt: Kunstleder-Schuhe werden mit Ledergeruch aufgepimpt, Orangen mit Orangenduft besprüht, damit sie intensiver riechen, und Gebrauchtwagen werden mit „Neuwagenduft“ behandelt, was zu einem deutlich höher erzielbaren Verkaufspreis führt. Experimente zeigen, dass der gezielte Einsatz von Produktgerüchen am Point-of-Sale bis zu 80% mehr Verkauf erzielen kann. Kein Wunder also, dass wir zunehmenden Geruchsattacken ausgesetzt sind. Manchmal ist es dann auch zuviel: Die Kleiderkette Abercrombie & Fitch sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, da das massive Verströmen ihres süßlichen Parfüms in den Ladenräumen ganze Einkaufszentren olfaktorisch verseuchte. Was die Erwachsenen störte, kam bei den Kids an, denn die erkannten die Produkte der ehemaligen Kultmarke an eben diesem Duft.

Wer jetzt noch Zweifel am Duftmarketing hat, der erinnere sich doch einmal an die Sommer seiner Kindheit. Welcher Geruch steigt einem da in die Nase? Wer jetzt an Sonnencreme denkt, könnte demnächst Opfer von Coca Cola werden: In den USA wurden an den Verkaufsregalen die Düfte der beliebteste US-Sonnencreme der 60er & 70er Jahre verströmt, der die Kunden an Sommer, Sonne, Strand und Kindheit erinnerte – und sie zugreifen ließ…

 

 

 

makketing spricht… über Weihnachtsgebäck

Vorweihnachtszeit, 1. Advent – und endlich Lebkuchen, Spekulatius und Dominosteine…. wenn man das Zeug nur noch sehen könnte! Denn seit September gibt es den Weihnachtssüßkram ja schon im Handel zu kaufen – und alle Gelüste (diesbezüglich) sind längst schon befriedigt.

Aber warum ist das denn so, wollten die Herren von 2aufeins bei radioeins wissen und luden mich zum Interview (diesmal nur telefonisch, da ich noch zur Weihnachtsmarktforschung in Leipzig weilte) – das sich hier nachhören lässt:

Die Antwort ist so schnöde wie einfach und ist auf den ewiglichen Grundsatz von Märkten zurückzuführen: Angebot und Nachfrage. Selbst wenn sich, wie die Marktforscher von YouGov jüngst veröffentlicht haben, 63% der Deutschen von dem frühen Verkaufsstart genervt fühlen und 47% sich sogar in ihrer Vorfreude beeinträchtigt sehen, so greifen jedoch 37% der Bevölkerung gierig zu, sobald der erste Lebkuchen im Regal auftaucht.

Regalplätze sind wertvoll – und daher teuer. Und kein Supermarkt der Welt würde Platz verschwenden, für Artikel, die nicht nachgefragt werden. Gäbe es also keine Käufer, würde es auch keinen frühen Verkaufsstart geben.

Die Händler haben zudem das große Bestreben, das Zeug auch loszuwerden, denn Weihnachtsschokolade & Co lassen sich nach dem Fest selbst stark reduziert kaum noch absetzen – das Ziel lautet daher, die Bestände so früh wie möglich ab- und auszuverkaufen. Das „Herbstgebäck“ wie es in der Handelsfachsprache so schön heißt, wird dabei stets ab der KW (Kalendarwoche) 35 angepriesen – und Conaisseure geifen auch deshalb dann schon zu, weil die Ware so frisch wie nur möglich ist, schließlich wurde sie ja gerade erst produziert.

Lebkuchen gab es zudem früher einmal das ganze Jahr über zu kaufen. Erst während des 30jährigen Krieges wurde es zunehmend schwieriger, an die Zutaten zu gelangen, so dass die Produktion nur noch auf „besondere Anlässe“ beschränkt wurde.

So wird es also weiterhin heißen: des einen Freud, des anderen Leid. Vielleicht entdeckt ja im kommenden Jahr ein Supermarkt die Nische und wirbt mit „Lebkuchenfrei bis zum 1. Advent!“…