Und, wer guckt heut noch Werbung?

Der Kampf um die Aufmerksamkeit nimmt immer merkwürdigere Formen an: Alle Welt fieberte dem Superbowl entgegen – und das nicht mehr wegen des Spiels, sondern angeblich wegen der Werbeblöcke. Unternehmen, die in die bis zu 4 Millionen Dollar (für einen 30-Sekünder) teuren Werbeplätze investierten, stellten schon Wochen vorher Teaser, Trailer und Making-Ofs ihrer Spots ins Internet, um den Hype noch ordentlich zu befeuern – denn schließlich musste sich der invest ja lohnen.

Und? Ging die Rechnung auf? Guckten auch alle?

Es ist in der Tat zu befürchten, dass die teuer erkauften Kontakte in der Werbepause…, nun, …. besseres zu tun haben und der Hype in der Social Media Welt eher funktioniert als in den klassischen Medien. Nur: Muss man dafür 4 Millionen Dollar zahlen?

Werbung – 100% natürlich

Jaja, die Werbung gibt ja immer nur vor, als ob sie in realen Welten spielen würde. Aber am Ende ist doch alles künstlich: Slice-of-life? Künstlich. Die Wohnung immer blitzeblank, die Kinder immer ordentlich, gescheitelt und altklug. Lifestyle-Stil? Wer lässt denn schon einzelne Rochers an Fallschirmen abwerfen? Und auch eine Rocher-Pyramide habe ich – leider – noch nie erlebt…

Den Wissenschaftlern dürfen wir ebenso wenig trauen wie den Promis… alles nur Lüge! Da wäre es doch erfrischend wie ein…. gut gekühlter Smoothie, wenn endlich einmal ein Anbieter auf die Idee käme, auf all den Trara und die Special Effects zu verzichten und uns stattdessen 100% natürliche Werbung schenken würde. Ach, das gibt es jetzt? 0% Spezialeffekte?

100% Spaß??

Nee, und dann auch noch ein Smoothie-Anbieter??? Zufälle gibt’s….

Die Werbewelt ist doch nicht so schlecht, wie ich immer dachte… 🙂

The World’s Most Downloaded Man

Zum Marketing der alten Schule gehört auch, dass Kampagnen global funktionieren müssen. Und entweder werden sie dann so durchgenormt, dass sie wirklich jeden und alles ansprechen (und schlussendlich nichts und niemanden) – oder man bedient sich einfach bereits vorhandener Kampagnen. Kostet ja auch viel weniger, als selber kreativ zu werden.

Beispiel gefällig? Kommt euch das bekannt vor?

Richtig, bei uns wurde damit für ein Mineralwasser geworben:

Wir sehen also immer häufiger die gleichen Spots und – viel schlimmer noch – die immer gleichen Gesichter in der Werbung.

In der Diskussion um Urheberrecht und Kosten wird eben leider gerne vergessen, dass wir Kreativität verlieren, wenn wir nicht mehr bereit sein werden, dafür zu bezahlen – oder immer nur so wenig wie möglich bezahlen wollen. Gerade auch im Marketing.

Nicht „Video killed the Radiostar“, sondern „Stockimages killed the Photographer“ – zeigt zumindest folgendes schöne Video:

Wenn wir einzigartige Produkte vermarkten wollen, dann müssen wir eigene kreative Wege gehen. „Copy & paste“ ist auch in der Werbung der schlechteste Ansatz…