Galileo, Galileo, Galileo!

Jeder der nach dieser Titelzeile sofort einen Song im Kopf hat, der ist hier richtig. Allerdings wird nun nicht kollektiv gesungen… was im Falle von William Shatner aka Captain James T. Kirk wahrscheinlich auch angenehmer ist:

Herzerwärmend, oder? Kinder, einäugige Teddybären und ein Sonnenuntergang PLUS ein Kultsong und eine Kultstimme und schon ist der perfekte Spot fertig – discover your smile!

Hast du kein Kind, nimm ’nen Hund….

Kinder ziehen ja immer in der Werbung: süß, niedlich (solange sie noch sehr klein sind), gut riechend (wenn die Windel nicht gerade voll ist) und einfach so…. gutschigutschigutschi.

Ist kein Kind zur Hand, dann erfüllt ein Tier diesen Zweck nicht minder gut: Besonders beliebt sind hier natürlich die klassischen Kindersatztiere Katze und Hund. Und schon denken die werten Konsumenten wieder: süüüß, niiiiedlich, gutschigutschigutschi…

Sind wir wirklich so einfach gestrickt? Ja. Den Beweis führen zwei Spots aus den Vereinigten Staaten. Zunächst die menschliche Variante:

Ist doch schon ganz schön, oder? Aber eben noch nicht so richtig gutschi. Daher hier nun die Version in Hund:

Und – sind sie nicht süüüüß und niiiiiedlich? Eigentlich fehlt jetzt nur noch die Baby-Variante, aber die dürfen ja nicht Auto fahren….

Guten Rutsch! / Werbung, die glücklich macht 2

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und so ist es an der Zeit, schnell noch ein paar Beispiele ganz besonderer Werbung zu zeigen: opulent erzählend und atmosphärisch dicht.

Den Anfang möchte ich machen mit einem Spot (nun ja, eher Kurzfilm) des Kult-Regisseurs Wes Anderson, mit dem er seine Arbeit für „Prada“ fortgesetzt hat:

Auch Dolce & Gabbana zeigen, dass man Uhren mit viel Herzschmerz und Gefühl bestens verkaufen kann – insbesondere, wenn große Kinderaugen dabei noch eine Rolle spielen:

Kleine Geschichten erhalten eben die Kunden…

Bleiben wir bei den Nobelmarken und feiern wir mit Louis Vuitton und David Bowie in die Silvesternacht:

makketing wünscht allen Leserinnen und Lesern und Freunden des Blogs einen guten Rutsch und ein gesundes, erfolgreiches 2014!

Zombies sind weder hirn- noch herzlos!

Halloween steht vor der Tür und wenn wir über den Einsatz von Kult und Mythen in Marketing und Werbung sprechen, dann kommen wir natürlich an Zombies nicht vorbei.

Dank „The Walking Dead“ erleben sie nicht nur als Serie auf unseren Bildschirmen ein Revival (wenn man bei Untoten überhaupt von Revival sprechen kann…), sondern auch Baumärkte oder Lotterien besinnen sich auf die Marketing-Power der Halbverwesten.

Dabei werden sie immer als herzlose Monstren dargestellt, die ohne Sinn und Verstand ihren Blutdurst stillen wollen. Dass das nicht stimmt, zeigt sehr eindrucksvoll der folgende Spot:

 

Zombies können sich sehr wohl auf entscheidende Telefonnummer und Handgriffe besinnen, wenn es darum geht, Leben zu retten. Nun ja, nicht ganz uneigennützig, denn tot schmeckt halt nur halb so gut…

Es geht natürlich darum, Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, dass schon mit wenigen Handgriffen im Falle eines Herzanfalles geholfen werden kann. Nur: Wenn das langweilig per Animation erklärt wird, dann guckt doch wieder keiner hin.

Also müssen Sex & Crime her, denn diese beiden sind aufmerksamkeitsstark. Crime hatten wir nun schon mit den Zombies, hier das andere:

 

Ob die Botschaft haften bleibt? Egal… nur: Lieber Gott, lass bitte bitte einen Zombie oder ein halbnacktes Model in der Nähe sein, wenn mich mal der Herzschlag trifft…!

Media Markt will Werbegeschichte schreiben – und aufwecken

Da sitzt man nichtsahnend vor dem Fernseher, freut sich auf den nächsten Werbeblock (ich schau natürlich berufsmäßig nur wegen der Werbung fern…) – da rauscht ein über 2minütiger Spot an mir vorbei und und lässt mich augenreibend auf dem Sofa zurück… Was war das? LSD im Fernsehen?

 

Nein, der neue Spot vom Media Markt! Mario Barth wurde von einen guten Fee anscheinend in ein kleines Schweinchen verwandelt, aber das ist nur der Anfang des Irrsinns…  Selbst nach dem 3. Anschauen fühlt sich mein Gehirn noch an als wäre gerade ein Zug durchgerattert.

Aufklärung brachte mir die Sonntagszeitungs meines Vertrauens, die „FAS“. Dort wurde ein Interview mit dem Media-Saturn-Chef Horst Norberg veröffentlicht, in voller Länge nachzulesen hier.

Kernstück: Media Markt will Schluss machen mit dem (eigenen) Preisirrsinn und dauerhaft Tiefstpreise anbieten:

„Ja, wir stoppen die überzogenen Preisaktionen. Wann immer Sie in einen Media Markt kommen, Sie können sicher sein, Sie erhalten einen hoch attraktiven Preis. Das ist nicht nur Werbung, sondern ist Teil unserer Multikanalstrategie. Wir werden zukünftig das Online- und das stationäre Geschäft eng miteinander verknüpfen.“

Das ist auch zwingend notwendig, denn wenn das eigene Online-Geschäft starten wird (bei Saturn schon im Oktober, bei Media Markt erst im kommenden Jahr), dann darf der eigene Internetshop eben nicht dem eigenen stationären Handel preislich torpedieren.

Doch im Spot wird deutlich, gegen wen noch gezielt wird: Preisvergleichsportale, Käuferbewertungen und andere „unseriöse“ Online-Händler:

„Mag sein, dass manche Kunden unsere Botschaften mit den Aktionspreisen falsch interpretiert haben, wenn sie reguläre Ware andernorts günstiger gesehen haben. Tatsache aber ist: Media Markt hat in der Branche den Preis gesetzt, daran haben sich die anderen orientiert, vielleicht auch mal unterboten – ohne dass klar war, was an Nebenkosten, Kreditkartengebühren, Liefergebühren obendrauf kommt. Gerade das Internet suggeriert Transparenz und hält das Leistungsversprechen oft nicht ein. Dagegen stellen wir jetzt unser Konzept: klare Preise, klare Ansage.“

Dennoch beteuert Norberg, dass sich die Kampagne gegen niemanden direkt richtet:

„Wir persiflieren nur den täglichen Irrsinn an der Preisfront, die Mac-Cheapies, die Super-Duper-Flatrates.“

Nun ja, es liest sich schon komisch, wenn einer der stärksten Akteure im aggressiven Preis-Marketing auf einmal die Wendung vom Saulus zum Paulus hinlegt – und gleich wieder großes Sendungsbewusstsein ausstrahlt:

„Die Kampagne wird Werbegeschichte schreiben, vor allem aber: Sie wird den Handel insgesamt verändern, sie ist ein Weckruf, den Preisirrsinn auch in anderen Bereichen des Handels – Möbel, Baumärkte, etliches mehr – zu stoppen: Wer hat da noch den Überblick, was ist der reale Preis?“

Notgedrungen legt der Media Markt hier eine Vollbremsung hin. Fraglich ist nur, ob der Konsument, der jahrelang an die Angebotswerbung gewöhnt wurde, diese Vollbremsung auch mitgehen wird. Oder ob sich letztendlich alles nur als schlechter Traum entpuppen wird – also als einfache Werbung….

H&M als „Verfechter des Gleichheitsgedankens“ – Design von der Stange

Wieder einmal war ich zu Gast bei „radioeins„, denn „Stange“ war das Thema der „2aufeins„-Sendung – und es ging um die Frage, wieso Star-Designer Kollektionen bei H&M auf die Stange hängen. Nachzuhören ist das Interview wie immer hier im talketing-Blog.

Und der alten Tradition folgend nutze ich den makketing-Blog, um noch ein bißchen mehr Material auszubreiten, denn die Zeit verfliegt im Studio ja immer….

2004 ging es los: Karl Lagerfeld war der erste Mode-Designer, der das Unerhörte tat – er entwarf einige Modestücke für H&M! Diese galten mit ihren heute 2.200 Filialen in 35 Ländern eigentlich eher als „Feind“ der Haute-Couture-Stars, denn schließlich wurden die Ideen ihrer Kollektionen von H&M schnellstens kopiert und landeten dann günstig als neuester Trend in den Laden-Regalen. Lagerfeld adelte das schwedische Modehaus mit seiner Kollektion: „In meinen Augen ist H&M ein Verfechter des Gleichheitsgedankens im positiven Sinne.“ sprach Karl, der Große, und fügte noch hinzu: „Design ist extrem wichtig, aber Design ist nicht nur eine Frage des Preises„. H&M bezeichnete die Kollektion als Geschenk für unsere Kunden. Eine Einladung in eine andere Dimension des Mode-Business at it’s best. (Quelle jeweils: Nachtagenten)

Es wurde also schon im Vorfeld mächtig getrommelt und der Hype nahm mit dem Ankündigungsspot seinen weiteren Lauf:

 

Der Erfolg war – beim ersten Mal zumindest – riesig, auch vom Umsatz her betrachtet – das Plus von 24% wurde allerdings nie wieder mit einem anderen Designer so erreicht. Und auch, wenn Karl Lagerfeld nach der Aktion ein wenig indigniert war (er monierte, dass zu geringe Stückzahlen produziert wurden, so dass nicht alle Kunden einen „Lagerfeld“ erwerben konnten, und verurteilte dies als „Snobismus im Antisnobismus“ (Quelle: SZ) ), so folgten jedes Jahr neue DesignerInnen: 2005 Stella McCartney, 2006 Viktor & Rolf, 2007 Roberto Cavalli, dann Sonia Rykiel, Lanvin, Jimmy Choo und und und…

H&M geht es dabei nicht um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern in erster Linie um die Aufmerksamkeit. Denn schon Stella McCartneys Textilien brachten nur noch ein Umsatzplus von 11%, einiges von ihr landete sogar auf den Grabbeltischen. Nein, der Hype ist, was zählte und zählt. Dazu wurde die Anzahl der belieferten Filialen nach und nach verringert: Bekamen noch 800 Filialen die Lagerfeld-Waren, so wurden nur noch 400 mit den McCartney-Teilen beliefert, bei Viktor&Rolf waren es noch 250, bei Roberto Cavalli 200… Begründung: Derartige Kollektionen ließen sich am besten in den Zentren der Metropolen verkaufen – und auch nur dort. Pech für die Landbevölkerung….  (Quelle: stern) Diese künstliche Verknappung sorgte dafür, dass es zu regelrechten „Kampfszenen“ in den Geschäften kam…

Noch 3 Beispiele für den „Wahnsinn“ 🙂

 

H&M zeigt in diesen Spot deutlich, dass es Richtung „Luxus“ geht: kleine Auflage, exklusiv – aber bezahlbar. Zumal es bei H&M und Co keine klassischen Kollektionen mehr gibt, sondern die neue Ware stets nach und nach in die Filialen geliefert wird. Da sind solche „Highlights“ dann ganz recht.

Was haben die Designer davon? Sie können einmal junge Mode im Gegensatz zur Haute Couture entwerfen, erreichen dank H&M eine hohe Aufmerksamkeit in einer großen Zielgruppe – und fixen potentielle zukünftige Kundinnen mit diesen kleinen „Einstiegsdrogen“ an.

H&M sind dabei schon lange nicht mehr die einzigen; auch Desigual lassen sich von Christian Lacroix ihre „Dream“-Kollektion entwerfen und Tchibo punktet mit dem deutschen Design-Star Michael Michalsky, der dort exklusiv seine Linie „Mitch & Co“ verkauft – hat leider nur nicht so gut funktioniert.

Was kommt als nächstes? Versace. Ab Herbst 2011 bei H&M, diesmal auch mit Accessoires wie Kissen und Decken:

 

Denn H&M hat in der Zwischenzeit gelernt, dass sich diejenigen Artikel am besten verkaufen, bei denen auf Anhieb erkannt wird, welcher Designer dahinter steckt: also auffällige Muster oder besondere Schnitte. Versace kommt bunt und mit viel Leder – wir dürfen also gespannt sein!

 

 

…aber wir sind doch in einer Werbung!

So, meine Herren, gewinnt man Frauenherzen – und das eine oder andere Bier:

 

Stella Artois führt mit diesem Spot nicht nur seinen bekannten Sixties-Style fort, sondern demonstriert uns auch die Werte der „guten, alten Zeit“. So wohlerzogen waren die jungen Männer damals….

Der makketeer lacht jedoch noch an ganz anderer Stelle, denn der Spot spielt herrlich selbstreferentiell mit sich selbst: „Können wir nicht einfach reden? Über das Leben, die Liebe….“

„But we are in a commercial“ lautet die lakonische Antwort – und krönt diesen Spot dadurch augenzwinkernd mit einem Sahnehäubchen!

Immerhin: der redliche Galan wird belohnt, Kavalierstugenden lohnen sich wieder! Also Jungs: der nächste Regen kommt bestimmt! 🙂