So sehen Gewinner aus!

Da plant man nichtsahnend im Winter ein langes Wochenende in Wien und findet sich dann unvermittelt in der Hölle der Vengaboys wieder: Whoah! We’re going to…..

…Ibiza!

Und natürlich gibt es heutzutage nichts mehr, was nicht werbemäßig ausgeschlachtet werden könnte…zum Beispiel dieses „beste Gewinnspiel“

Erleben Sie zwei aufregende Tage und Nächte (28.– 30. Mai) in der Location, die als Kulisse für den größten Skandal der jüngeren innenpolitischen Geschichte diente.

ÖSTERREICH und oe24.at fliegen Sie und eine Begleitperson nach Ibiza (Teilnahme siehe Kasten). Dort wohnen Sie in dem derzeit berühmtesten Luxus-­Anwesen der Insel. Das Wohnzimmer mit dem Sofa, auf dem Strache in der feuchtfröhlichen Nacht saß, als er sich um seine Karriere redete, steht ­Ihnen zwei Tage lang zur exklusiven Verfügung.

Natürlich auch inkludiert: vier Schlafzimmer, vier Bäder, ­eigenes Gästehaus (2 Schlafzimmer) und ein Traum-Pool. ­Alles eingebettet in die ma­lerische Landschaft in den ­Hügeln der Mittelmeer-Insel.

In den nächsten Wochen ist das Haus völlig ausgebucht, wir konnten für Sie noch die letzten beiden Tage reservieren. (Quelle)

Laut „oe24“ hatten sie bei keinem Gewinnspiel bisher mehr Teilnehmer – und wer möchte nicht am Ort der Geschichte weilen und das Sofa streicheln, das vom Hinterteil der scharfen Oligarchennichte berührt wurde?! Kleiner Tipp für deutsche Sender:

„Besuchen Sie die deutsche Sozialdemokratie, solange es sie noch gibt! Erleben Sie zwei Tage im Willi-Brandt-Haus und spüren Sie den historischen Moment in der Location nach, in der Andrea Nahles rausgemobbt wurde!“

Da geht noch was…

Doch es gibt noch einen weiteren Gewinner des Skandals: Red Bull!

Denn die Zauberkraft des Product Placements wirkt auch, wenn es gar nicht geplant wurde. So meldete die „Kleine Zeitung“:

Alleine die Nennungen in den österreichischen Printmedien innerhalb der ersten Woche nach dem Platzen des Skandals ergab einen Werbewert von 1,32 Millionen Euro, ergab eine Analyse der APA-DeFacto. Nicht berücksichtigt sind dabei audiovisuelle Erwähnungen oder gar die vielen Memes in den sozialen Netzen (Quelle)

Man kann sich ja nicht gegen die Nutzer seines Produktes wehren, aber wenigstens von ihnen profitieren. Und auch bei Sixt reagierte man gewohnt zügig:

Lachen soll eine befreiende Wirkung haben, was nach dem Schock ja ganz hilfreich sein mag. Doch das Lachen bleibt im Halse stecken, wenn man betrachtet, wie schnell die Spin Doktoren das „Re-Framing“ hinbekommen haben, denn es redet kaum noch jemand über die Inhalte des Videos, sondern nur noch über die Frage, wer es gemacht hat, ob die Veröffentlichung rechtmäßig war und es ist jetzt bereits klar, dass der Verlierer zum Gewinner, der Täter zum Opfer wird. Denn wer hat nicht schon mal im Urlaub einen Wodka Red Bull über den Durst getrunken und dann ein bißchen fantasiert? Eben.

Aber wen kümmert’s, wenn man doch glückliche Gewinner präsentieren kann:

Such den besten Mitarbeiter, such ihn…

Es ist ja nichts neues: Die Alterpyramide steht kopf, die Jungen werden immer weniger und qualifizierte Arbeitskräfte müssen jetzt schon mit der Lupe gesucht werden. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

„Employer branding“ heißt das Zauberwort, mit dem viele Arbeitgeber versuchen, sich so attraktiv wie möglich darzustellen, um im Kampf um die Talente Erfolg zu haben. Fand dieses Schaulaufen in der Vergangenheit zumeist in den Stellenanzeigen statt, so werden nun alle Kanäle benutzt, um potentielle Arbeitssuchende zu erreichen. Zum Beispiel bei der Bahn:

 

Na, da bekommt man doch direkt Lust, am nächsten Schaffner-Lehrgang teilzunehmen….

Die Positionierung im Social Media – Bereich baut den direkten Kontakt zu den gewünschten Zielgruppen auf. Das kann mal ganz gut gehen…

 

… und manchmal nicht:

 

Immerhin: Unfreiwillige Komik bringt hohe Klickzahlen, die „Movie Stars“ geniessen schon fast so etwas wie Kultstatus.

Wenn ich mir noch einmal einen Arbeitsplatz suchen müsste, dann würde ich zu einem Unternehmen gehen, dass sich selbst auf die Schippe nimmt, denn auch dies hier ist durchaus als „Employer Branding“ zu verstehen: