Die schönste Zeit unseres Lebens – dank Kinderschokolade

Wieder einmal wurde ich von den freundlichen Herren von „Zwei auf Eins“ in das „radioeins„-Studio eingeladen, um über ein kleines Thema aus der großen, bunten Marketing-Welt zu sprechen (nachzuhören ist dies wie immer hier auf dem talketing-Blog).

Diesmal ging es um ein Produkt, mit dem viele von uns aufgewachsen sind: Kinderschokolade. Die mit der Extra-Portion Milch. Milch ist da jedoch höchstens in homöopathischen Dosen vorhanden, denn bei der Füllung handelt es sich um eine Milchcreme, die aus Milchpulver gewonnen wird. Leider gehen bei der Herstellung von Milchpulver so gut wie alle wertvollen Inhaltsstoffe verloren – und dafür muss man ordentlich Zucker und Fett hinzufügen, damit es überhaupt noch schmeckt.
Um den Tagesbedarf eines Kindes beispielsweise an Kalzium abzudecken, müßte es 13 Riegel Kinderschokolade essen – und würde damit 48 Stück Würfelzucker und eine 1/2 Packung Butter zu sich nehmen…

Nun macht es sich in der Werbung allerdings nicht so gut, neben dem Glas mit der Extraportion Milch auch eine kleine Würfelzucker-Pyramide und eine Packung Butter abzubilden, daher „schönt“ man das ein bißchen… so wie es die Piemont-Kirsche nicht gibt (die Kirschen kommen von überall her, aber nicht aus dem Piemont), man nicht mit Vitaminen gesund naschen kann und auch in den seltensten Fällen „frische Landmilch“ in den Produkten steckt.

Kinderschokolade gibt es in Deutschland seit 1967 – und hat von Anfang an das Ziel verfolgt, sich als „gesunde Schokolade“ zu positionieren, die Eltern ihren Kindern mit gutem Gewissen geben können. Einzeln proportioniert verpackt musste man dem kleinen Racker nicht die ganze Tafel geben und schon in den 60ern pries Ferrero die viele Milch, die dazu führt, dass Kinderschokolade leicht verdaulich sei und das Kind „tüchtig“ wachsen lasse.
Mittlerweile gibt es Kinderschokolade auf 4 Kontinenten und in jedem 5. Land der Erde, wie Ferrero kundtut.

Und da wir alle als Kinder schon Kinderschokolade gegessen haben, kann Ferrero nun auch getrost auf die Extraportion Milch in der Werbung verzichten: Denn die Eltern geben natürlich freiwillig das weiter, was sie selbst als Kinder schon geliebt haben:

Aktuell wird in der Werbung daher Kinderschokolade als DER unverzichtbare Begleiter der Kinderjahre inszeniert – ohne Kinderschokolade keine schöne Kindheit:

Heute ist Ferrero vielmehr angreifbar mit dem Vorwurf der Kinderarbeit bei der Kakaogewinnung (und nicht nur dort, auch bei der Haselnussernte werden oft Kinder eingesetzt). Das betrifft grundsätzlich fast alle Schokoladenanbieter, da Kakao in der Regel über Börsen eingekauft wird und sich damit die ständig wechselnden Erzeuger schwer kontroliieren lassen. Ferrero agiert allerdings sehr unglücklich, was die Transparenz angeht: Sie haben die Vorwürfe bislang nicht ein einziges Mal dementiert, sondern verweisen stets nur auf ihr grundsätzliches Engagement gegen mißbräuchliche Kinderarbeit. Gut 10% des Kakao bei Ferrero stammt aus fairem, kontrollierten Anbau, laut eigener Aussage soll bis 2020 die gesamte Produktion nachhaltig sein. Warten wir es ab….

Klebt Blut an den iPads?

wired 3/2011

In Vorträgen und im Unterricht erzähle ich gerne am Beispiel von Foxconn, die nicht nur für Apple iPhones und iPads herstellen, sondern auch für Sony und Nokia arbeiten und demnächst Hersteller der MediaMarkt/Saturn-Eigenmarken sein werden, wie problematisch es werden könnte, wenn die Arbeitsbedingungen beim Hersteller die Marke beeinträchtigen.

„Fair“ in der Herstellung wird für den Konsumenten ein immer wichtigeres Kaufkritertium – und deshalb wurde es von Apple auch nicht gerne gesehen, dass sich zunehmend Arbeiter von Foxconn in den Tod gestürzt haben. Der Druck vom Abnehmer wirkte: Foxconn spannte Fallnetze auf und lässt sich in den Arbeitsverträgen zusichern und unterschreiben, dass der Arbeiter keinen Selbstmord begehen werde; ansonsten drohe den Hinterbliebenen eine Vertragsstrafe….

Lief die Berichterstattung bislang eher unauffällig, so hat die amerikanische Wired das Thema nun zum Aufmacher der aktuellen Ausgabe gemacht. Hier könnt ihr den Artikel nachlesen.

Das dürfte insbesondere Apple nicht wirklich in den Kram passen, denn gerade für Apple-Kunden spielen ethische Aspekte durchaus eine größere Rolle….

Ich bin auf die offiziellen Reaktionen schon sehr gespannt….

Nachtrag: Ein Artikel dazu aus der „taz“. Apple bedauert zwar die Todesfällt, lässt aber verlautbaren, dass „Foxconns Maßnahmen (…) definitiv Menschleben gerettet“ haben.

Jubel-Chinesen

Tue grünes und sprich darüber

„Grün“, „öko“, „nachhaltig“ – das sind die Etiketten, die sich in den letzten Wochen immer mehr Unternehmen an die Marketing-Stirn gepappt haben. Ob Bionade, deren Kampagne mich nur noch zu einem müden Schmunzler veranlasst:

genau, die Bionade-Boheme soll mal schon in Prenzlberg bleiben

genau, die Bionade-Boheme soll mal schon in Prenzlberg bleiben

oder McDonalds, die auf einmal tatsächlich grün werden. Auch Puma denkt um und spart sich in Zukunft den Schuhkarton – stattdessen gibt es nun stylishe Turnschuhbeutel:

chic, schön, grün

chic, schön, grün

Doch mittlerweile beschleicht mich immer häufiger das Gefühl, dass es in erster Line darum geht, sich mit einem grünen Anstrich zeitgerecht und zielgruppennah zu geben. Und dabei ist es egal, ob es sich um offensichtliche Werbung handelt oder um PR-Maßnahmen. Ich glaube auch, dass die Konsumenten sich von diesen Versuchen des „green washing“ nicht täuschen lassen: Fällt beispielsweise der Name „Krombacher“ im Freundeskreis, antwortet mindestens einer in der Gruppe mit „jaja, Saufen für den Regenwald“….

So kam es auch nicht von ungefähr, dass sich Greenpeace bei seiner Palmöl-Kampagne mit Kitkat ein Produkt des Nestlé-Konzerns ausgesucht hatte, der sich gerne in letzter Zeit darin gefiel, sich als nachhaltig wirtschaftend darzustellen. Und auch Lidl sind seine angeblichen „fair trade“-Textilien wieder vor die Füsse gefallen – das Werbeverbot wurde diese Woche verhängt und Lidl darf seine Prospekte einstampfen.

Mehr denn je gilt es also, ehrlich, ernsthaft und authentisch zu handeln – denn die Zielgruppe ist aufgeklärter und kritischer geworden und beäugt solche Äusserungen mit wachsender Skepsis. Grünes zu tun, nur um sich Aufmerksamkeit zu sichern, funktioniert einfach nicht mehr.

Was jedoch immer funktioniert, ist Humor. Auch grüner… 🙂