Aus dem Wald ertönt die Bitte…

Na, wer kann diesen Titel vervollständigen? Ich würde mal vermuten, niemand aus meiner geschätzten Leserschaft, der unter 30 ist….. unter 40? Wird auch schon schwer. „…nimm die Hand von meiner Paechbrot-Schnitte!“ Diese und andere Werbereime der Firma Paechbrot konnte man in den 80ern in den Berliner U-Bahnen finden – und sie haben sich hervorragend in unsere Gehirne eingebrannt.

Ralf Maltzahn Bauabteilungsleiter Amt Bad Oldesloe-Land
Ulli-Frechdachs: Ich bin Produkttester für die Milka Lila Pause!!!

So wie die Farbe der schönsten Pausen. „Pause“ ist auch das Thema bei den Jungs von „Zweiaufeins“ und coronabedingt sprachen wir am Telefon über das Verschwinden der gut merkbaren Werbeclaims und nicht im radioeins-Studio.

„Wenn einem also Gutes widerfährt, dann ist das einen Asbach-Uralt wert.“ Nur einer von vielen Klassikern der deutschen Werbesprüche, der selbst schon „asbachuralt“ ist, aber dennoch in vielen Köpfen herumgeistert. Doch was bleibt von den aktuellen Werbungen in unseren Köpfen? So gut wie nichts.

Das hat nun mehrere Gründe. Der erste liegt in der Zersplitterung der Medien-Landschaft. Wir hatten ja früher nichts, und vor allen Dingen keine große Auswahl an Medien. Im Fernsehen gab es lange Zeit nur zwei Sender, die äußerst begrenzte Werbeblöcke ausstrahlten (ARD & ZDF) und selbst als die privaten Sender dazu kamen, war das noch ziemlich überschaubar. Gleiches galt für die Radiosender. Gut, dafür ging man häufiger ins Kino, wo die Werbeblöcke noch deutlich länger waren. Aber das alles ist nichts im Vergleich zu der Vielzahl der analogen und digitalen Medienkanäle, die wir heute zur Auswahl haben.

Hat ein Unternehmen früher also seine Spots im deutschen Werbefernsehen plaziert, konnte es sicher sein, eine große Zahl von Menschen damit zu erreichen – und durch viele Wiederholungen auch die nötige Frequenz an Kontakten herzustellen, die es benötigt, um eine Botschaft dauerhaft in den Köpfen unterzubringen. Heute gilt es zunächst einmal, die zielgruppenkonformen Kanäle zu bestimmen – und selbst dann ist die Auswahl der buchbaren Medien noch riesig. Das Dilemma der Werbetreibenden liegt darin, sich entweder auf wenige Kanäle zu konzentrieren und diese hochfrequent zu bespielen, was aber stets bedeutet, auch viele Menschen nicht zu erreichen, oder aber breit zu streuen und viele Kanäle auszuwählen, wo man dann aber (auch aus Kostengründen) selten die nötige „Verankerungskontaktzahl“ erreicht.

Ein zweiter Grund ist in unserem Medienkonsum-Verhalten zu finden: Wir haben Antikörper gegen Werbung entwickelt und wissen, diese gut zu vermeiden. Bei Fernsehen wird einfach weggezappt, wenn der Werbeblock beginnt, falls wir überhaupt noch werbefinanziertes Fernsehen schauen und nicht schon längst die oft werbefreien oder zumindest -reduzierten Mediatheken oder Streamingdienste nutzen. Auch Radiosender werden zumindest von jungen Zielgruppen nicht mehr gehört, wozu auch, es gibt doch Soundcloud, Spotify & Co.

Das ist dahingehend für unsere Werbesprüche besonders dramatisch, da sich diese über unseren Hörsinn in unsere Gehirne einnisten, und zwar besonders gut, wenn sie sich reimen oder gar gesungen werden. Brechen nun aber die Medien weg, die die Ohren ansprechen (und wir haben momentan auch dank der sozialen Medien eine sehr starke Bildlastigkeit in der Kommunikation), dann verankert sich eben nichts mehr.

Zu guter Letzt gibt es einfach kaum noch gute Claims. Viele Unternehmen agieren multinational oder gar global und wählen deshalb englische Claims, die hier von vielen gar nicht verstanden und auch nicht so gut gemerkt werden wie die guten alten deutschen Reime. Statt „Hoffentlich Allianz versichert“ heißt es heute eben „Axa – Know You Can“. Na vielen Dank auch.

Kleiner Test: Wer kennt den aktuellen Claim

a) des „Spiegel“?

b) von Zalando?

c) von Obi?

Lösung

a) Wir halten der Welt den Spiegel vor.

b) free to be

c) Alles machbar. Mit Obi.

Die schönsten Pausen sind Milka

Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel das sind die Herren von „Zwei auf eins„… nein, natürlich nicht, aber das Thema der heutigen Sendung lautet „Kuh“ und ich bin in das radioeins-Studio geladen, um über die berühmteste lila Kuh ever zu sprechen: die Milka-Kuh.

Die lila Kuh, wer kennt sie nicht? Selbst, wenn sie als so plumpe Fälschung daher kommt:

Doch wie kam die Kuh zur Schokolade und vor allen Dingen: Wie wurde sie lila?

Die Geschichte beginnt mit dem Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard, der mit Schweizer Uhren und Stickereien bestückt in die USA auswanderte. Sein Plan, damit zum erfolgreichen Geschäftsmann zu werden, ging jedoch nicht auf und so kehrte er 1824 in die Schweiz zurück. Er eröffnete dort seine eigene Confiserie und stieg in die Massenproduktion von Schokolade ein, indem er bis zu 30 kg Schokolade am Tag selber herstellte. Diese Schokolade enthielt jedoch noch keine Alpenmilch und war zartbitter. Erst ab 1890 entwickelte Suchard die Milchschokolade und 1901 wurde dann die Marke „Milka“ registriert (MILch und KAkao).

Die ersten Tafel waren bereits lila und auch die Kuh lässt sich auf ihnen schon wiederfinden:

Doch es gab harte Konkurrenz für unsere Kuh: Um die Exotik des Kakaos zu betonen wurde Milka beispielsweise 1913 mit Papageien beworben, selbst ein Kamel war auf der Verpackung zu finden. Größter Konkurrent wurde jedoch ein Bernhardiner, der statt des berühmten Fäßchens eine Tafel Milka um den Hals trug.

Aber die Kuh setze sich letztendlich durch.

Lila wurde die Kuh dann 1973: Adelheid, ein mehrfach preisgekröntes Rind aus Simmenthal, hatte die Idealmaße, einen großen Kopf, geschwungene Hörner und einen gerade Rücken. Unter tierärztlicher Aufsicht wurde sie – nur auf einer Seite, wahrscheinlich ihrer Schokoladenseite – mit wasserlöslicher Farbe besprüht, was durchaus etwas länger dauern konnte, steht so ein Rindvieh doch nicht gerne lange still…

Seit 2004 ist das Milka-Lila geschützt, keine andere Schokolade darf so lila sein. Dabei ist dies ja eine sehr ungewöhnliche Farbe für Lebensmittel… wenn das Brot lila schimmert, solltet ihr es lieber nicht mehr essen…

Milka hat mit seinen Agenturen zusammen ein gutes Gespür für kultige Werbung entwickelt. Erinnert sei hier an den Alm-Öhi Peter Steiner:

oder auch an die sportlichen lila Pausen:

Und mittlerweile geht die Kuh sogar zur Schule:

Apropos Schule: Tatsächlich hat 1995 bei einem Malwettbewerb mit 40.000 bayrischen Schülern jedes dritte Kind die Kühe auf dem Malbogen lila ausgemalt….