Flugsicherheit gilt auch für Hobbits

Wie Kult & moderne Mythen (Zombies, Darth Vader, Pulp Fiction, MacGyver usw.) im Marketing eingesetzt und genutzt werden, hat mich in letzter Zeit schon häufiger beschäftigt – und kann hier weiter unten im Blog nachgelesen werden.

Aktuell gibt es ein sehr schönes Beispiel, wie ein kleiner Clip hohe Aufmerksamkeit schafft. Air New Zealand hat sich nämlich überlegt, wie man die gelangweilten Fluggäste dazu bekommt, sich diese schnöden Sicherheitsvideos anzusehen:

 

Es werden gleich mehrere Elfen mit einer Klappe geschlagen: Die Passagiere schauen hin, das Video verbreitet sich rasend schnell viral (über 6 Millionen Clicks bislang) und wirbt so für Air New Zealand und zu guter Letzt ist da noch die zusätzliche Werbewirkung für die kommende Film-Premiere „Der Hobbit“:

 

Und wieder hat sich der Einsatz von Mythen gelohnt: Der hohe Bekanntheitsgrad der Figuren sichert den schnellen Erfolg. Und witzig sind die Sicherheitshinweise allemal…

Zombies sind weder hirn- noch herzlos!

Halloween steht vor der Tür und wenn wir über den Einsatz von Kult und Mythen in Marketing und Werbung sprechen, dann kommen wir natürlich an Zombies nicht vorbei.

Dank „The Walking Dead“ erleben sie nicht nur als Serie auf unseren Bildschirmen ein Revival (wenn man bei Untoten überhaupt von Revival sprechen kann…), sondern auch Baumärkte oder Lotterien besinnen sich auf die Marketing-Power der Halbverwesten.

Dabei werden sie immer als herzlose Monstren dargestellt, die ohne Sinn und Verstand ihren Blutdurst stillen wollen. Dass das nicht stimmt, zeigt sehr eindrucksvoll der folgende Spot:

 

Zombies können sich sehr wohl auf entscheidende Telefonnummer und Handgriffe besinnen, wenn es darum geht, Leben zu retten. Nun ja, nicht ganz uneigennützig, denn tot schmeckt halt nur halb so gut…

Es geht natürlich darum, Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, dass schon mit wenigen Handgriffen im Falle eines Herzanfalles geholfen werden kann. Nur: Wenn das langweilig per Animation erklärt wird, dann guckt doch wieder keiner hin.

Also müssen Sex & Crime her, denn diese beiden sind aufmerksamkeitsstark. Crime hatten wir nun schon mit den Zombies, hier das andere:

 

Ob die Botschaft haften bleibt? Egal… nur: Lieber Gott, lass bitte bitte einen Zombie oder ein halbnacktes Model in der Nähe sein, wenn mich mal der Herzschlag trifft…!

Kult schafft Kult

Dass man mit Darth Vader und dem ganzen „Star Wars“- Imperium viel Aufmerksamkeit bekommt, habe ich schon an anderer Stelle erörtert – doch die Werbung setzt immer häufiger auch auf andere Kultfiguren. Vorteil: Man kann (zumindest in der entsprechenden Zielgruppe) einen reichen Wissensschatz voraussetzen. Wer unter 20 kennt schon noch MacGyver? In meiner Generation ist das schon etwas ganz anderes – und unsereins kauft sich ja potentiell viel eher einmal einen Citan…

Mercedes belässt es aber nicht nur einfach so bei einem Spot, sondern hat eine ganze Mini-Web-Serie geschaffen, die aufwändig produziert wurde:

Die weiteren Folgen findet ihr selbstverständlich bei Youtube.

Mit „Pulp Fiction“ können auch die Jüngeren etwas anfangen. Immerhin war dieser Meilenstein der Filmgeschichte DAS Comeback für John Travolta, der sich schön schmierig ins Zeug legte. Womit ich nicht sagen möchte, dass diese beiden hier ein Comeback nötig hätten, aber schön schmierig ist es schon…

Das Kalkül geht auf, denn „Pick Fiction“ geniesst jetzt schon Kultstatus im Internet. Mit Kultfiguren kann man also durchaus auch Werbekult schaffen…

Große Irrtümer: You’ll never sell a vacuum cleaner where you can see the dirt!

Diesen Satz hörte Sir James Dyson von den Händlern, als er seinen neuen, durchsichtigen Staubsauger vorstellte. Selbst die Marktforschung gab den Händler recht – doch Dyson ignorierte sie einfach und sollte damit richtig liegen.

Zum Gespräch bei „2aufeins“ in „radioeins„, dass wie immer auf talketing nachgehört werden kann, gibt es noch ein paar mehr Informationen und Geschichten über den Erfolg des beutellosen Staubsaugers und seines Erfinders – natürlich aus makketing-Sicht.

Dyson studierte Möbeldesign und Innenarchitektur, bevor er sich den Ingenieurswissenschaften zuwandte – und brachte dadurch ein ganz anderes Verständnis in die Produktion ein. Mitte der 80er ärgerte er sich darüber, dass die Saugleistung seines Staubsaugers abnahm, wenn sich der Staubsaugerbeutel füllte. Und so erfand er den beutellosen Staubsauger:

 

Das ging jedoch nicht mal eben so, sondern dauerte 5 Jahre und verschlang 5.127 Prototypen. Doch es waren gerade diese Fehler, die ihm letztendlich seinen Erfolg brachten:

 

Seinen ersten Staubsauger, den „G-Force“, ließ er in Lizenz ausschließlich für Japan herstellen – die waren dort von der Saugleistung so begeistert, dass er schnell zum Statussymbol wurde und zum stolzen Preis von 2.000$ verkauft werden konnte. Erst diese Lizenzeinnahmen ermöglichten es Dyson, seine Firma und die Entwicklungsabteilung aufzubauen – und die notwendigen Patentkosten zu tragen.

 

Dyson hat stets Wert auf das Design gelegt, die Transparenz des Produktes, die eben doch den Blick auf den Dreck freigibt – aber auch auf die faszinierende Technik, die auf dem Prinzip des Fliehkraftabscheiders basiert. Mit Dyson’s Modellen kam Farbe in die Welt der Staubsauger, die bis dahin meist braun, grün, grau und klotzig waren – und sein „Ghostbusters„-Design brachte den Dyson-Staubsauger zudem in einige Museen, was den Kult-Charakter natürlich nur noch erhöht.

Doch nicht überall in unserer globalisierten Welt ist Design allein ausschlaggebend für den Kult-Erfolg:

„We have trouble in Brazil, China and India, because people who can afford vacuum cleaners have servants. They’re interested in Burberry and Gucci, but not vacuum cleaners.“ (Dyson im Interview mit wired.com)

Im selben Interview erzählt er, dass es – mittlerweile – ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist, dass die Produkte seinen Namen tragen und eng mit ihm verbunden sind:

„Right at the beginning, the retailers wouldn’t take me, because they said, “You’re not a brand name. Nobody’s going to want to buy a ‘Dyson.’ They’d rather buy an Electrolux, Bosch, or Siemens” or something like that. The only way to overcome that was to be a person. They’re all big, anonymous corporations, and the founders are long since gone. So the thing is to be different, and to be responsible for what you do.“

Design macht Produkte einzigartig und begehrenswert. Doch Design allein reicht nicht aus – erst in der Kombination mit innovativer Technik kann ein Erfolg daraus werden. Und aus diesem Grund hat Sir Dyson den „James Dyson Award“ ins Leben gerufen:

 

Die scheinbar simple Aufgabenstellung lautet: „Entwickle etwas, das ein Problem löst.“

Aus makketing-Sicht lehrt uns James Dyson nun vier wichtige Punkte:

– Design ist ein „value generator

– die Person hinter dem Produkt/der Idee wird immer wichtiger

– Fehler sind die Pflastersteines des Pfades zum Erfolg

– traue nie der Marktforschung, denn schon Henry Ford wusste“If I had asked customers what they wanted, they would have said faster horses.”