Nimm die rote Kapsel!! Aber bloß nicht runterschlucken!!

Rote Kapsel, blaue Kapsel? Da war doch was? Richtig:

Ein altes Thema, das auf dem Höhlengleichnis von Platon beruht (*klugscheiß*), doch neulich wurde auch mir die rote Kapsel angeboten:

DSC03040Sollte ich mich wirklich in den Kaninchenbau hinabwagen?? Wieso hat mir eigentlich niemand die blaue Kapsel angeboten? Das nenne ich mal Entscheidungsfreiheit…. Als ich sie mit zitternder Hand gerade zum Munde führen wollte, da fiel mir jemand in den Arm:

„Do not swallow!! Open it!“

Scheinbar hatte ich den Film falsch verstanden. Doch dann offenbarte mir die Kapsel ihr Innenleben:

DSC03044eine Visitenkarte (nun ja, „kind of“…) des miba, des „museu d‘ idees i invents de barcelona“. Ein kleines, feines, privates Museum der sinnigsten und unsinnigsten Erfindungen, in dem das Fotografieren nicht verboten, sondern ausdrücklich erlaubt ist:

2015-07-28 16.47.40 Im Museum gibt es dann nicht nur aufregend interaktive Toiletten, sondern auch lauter Erfindungen, die uns das Leben deutlich leichter machen könnten – wie z.B die Treppenstufen-Verkürzer für Rentner oder.den FdH-Teller, der ab sofort jede Diät-Bemühung begleiten sollte: 2015-07-28 17.10.02 Auch Hygiene-Paranoiker mit ausdrücklicher Türgriff-Phobie können tief durch ihren Mundschutz durchatmen, denn diese einfach Idee löst jegliches Sauberkeitsproblem auf der Toilette:

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Irgendwie fragte ich mich bei jedem 2. Exponat, warum ich denn nicht auf diese simple Idee gekommen bin – doch kein Grund zum Verzweifeln, denn es ist:DSC02861Nun war es grundsätzlich zu heiß im Urlaub (und nach dem Besuch des Rum-Museums „Casa del Bacardi“ inkl. ausgiebiger Verkostung auch zu schwer, noch klare Gedanken zu fassen – doch dazu an anderer Stelle mehr), aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben!

Kreativität, frische Ideen, ungewöhnliche Visitenkarten, davon können wir im Marketing nie genug bekommen – doch:

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The World’s Most Downloaded Man

Zum Marketing der alten Schule gehört auch, dass Kampagnen global funktionieren müssen. Und entweder werden sie dann so durchgenormt, dass sie wirklich jeden und alles ansprechen (und schlussendlich nichts und niemanden) – oder man bedient sich einfach bereits vorhandener Kampagnen. Kostet ja auch viel weniger, als selber kreativ zu werden.

Beispiel gefällig? Kommt euch das bekannt vor?

Richtig, bei uns wurde damit für ein Mineralwasser geworben:

Wir sehen also immer häufiger die gleichen Spots und – viel schlimmer noch – die immer gleichen Gesichter in der Werbung.

In der Diskussion um Urheberrecht und Kosten wird eben leider gerne vergessen, dass wir Kreativität verlieren, wenn wir nicht mehr bereit sein werden, dafür zu bezahlen – oder immer nur so wenig wie möglich bezahlen wollen. Gerade auch im Marketing.

Nicht „Video killed the Radiostar“, sondern „Stockimages killed the Photographer“ – zeigt zumindest folgendes schöne Video:

Wenn wir einzigartige Produkte vermarkten wollen, dann müssen wir eigene kreative Wege gehen. „Copy & paste“ ist auch in der Werbung der schlechteste Ansatz…

Spenderorgan? Bitte ziehen Sie eine Nummer…

Einige haben es wahrscheinlich mitbekommen, kürzlich wurde im Bundestag eine Neuregelung der Organspende verabschiedet. Die Krankenkassen sollen ihre Versicherten nun regelmäßig fragen, ob sie nicht Lust hätten, Organspender zu werden. Toll. Wird das etwas verändern? Wird das zum Nachdenken anregen? Ich fürchte, nein.

Aber auch dieses Problem kann kreativ gelöst werden, wie folgender Spot zeigt:

Anders als Informationsbroschüren oder offizielle Krankenkassenanschreiben entfaltete diese kleine Aktion eine wesentlich höhere Wirkung  – da man nämlich persönlich ein Gefühl bekommt, der allerallerletzte in der Warteschlange zu sein.

Social Marketing leidet zum einen unter knappen Budgets, zum anderen will es aber – wie beispielsweise Produktmarketing – nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern wenn möglich eine Verhaltensänderung erreichen. Gute Ideen und Aktionen müssen also her, denn: Idee schlägt Budget, wie ich hier schon an einem anderen Beispiel (Spenden sammeln mit Erfolg) aufgezeigt habe.

Vielleicht sollten – analog zum freiwilligen sozialen Jahr – alle Werbeagenturen ein freiwilliges soziales Projekt übernehmen? In Kombination mit einem Wettbewerb und einem entsprechenden Preis könnte das für alle Beteiligten interessant werden…

marketing is talketing

Ein Grundproblem der „klassischen“ Werbung ist es, dass sie stets um unsere Aufmerksamkeit buhlen muss. Davon ausgehend, dass wir uns nicht wirklich für die Botschaften interessieren und Begehren erst geweckt, Bedürfnisse erst geschaffen werden müssen, gilt es, sich in unser Leben, unsere Wahrnehmung, unsere Köpfe mit aller Macht hineinzustören. Filme, Serien, Shows werden im Fernsehen mit Werbeblöcken unterbrochen, in Zeitschriften versuchen Anzeigen und „Störer“ (sic!) unseren Blick auf sich zu ziehen, auf Websites blinkt und tönt es und auch im Stadtbild drängen sich die Werbebotschaften ungefragt und uneingeladen auf.

Bislang war es den Werbetreibenden reichlich egal, denn die Botschaften gelangten unbewusst trotzdem in die Köpfe, selbst wenn sie nicht als angenehm empfunden wurden („Carglass“ und „Seitenbacher“ seien hier nur Beispiele genannt), doch wir entwickeln zunehmend Antikörper gegen diese Form der Störungen und Unterbrechungen und Strategien, wie wir diesen aus dem Weg gehen können. Was stört, nervt, und was nervt, fliegt raus.

Do not disturb“ lautet daher die Devise – nicht mehr Botschaften rausposaunen, sondern sich die Mühe machen, lieber zielgerecht mit leisen Tönen zu kommunizieren. Das Megaphon hat ausgedient…. Ohne Frage, diese Methode ist herausfordernder für den Werbenden, denn er muss sich mehr Gedanken machen, mehr Kreativität entwickeln und die richtigen Kanäle kennen und bedienen können.

Märkte sind Gespräche. Wenn ich auf einem Markt erfolgreich sein möchte („to market bring“), muss ich ins Gespräch kommen – und gute Gespräche leben nicht davon, dass man sich anschreit, sondern dass man sich zuhört. Sie leben von individuellen Botschaften und nicht von Allgemeinplätzen, die mir nur zeigen, dass mein Gegenüber mich nicht ernst nimmt.