57 Varieties of „Wie die Tomate in den Ketchup kam“

Der Titel ist natürlich übertrieben, aber „rot“ war das Thema der „Zweiaufeins„-Sendung am Sonntag – und ihr Hilferuf nach Aufklärung zum Thema „Ketchup“ ereilte mich diesmal in weiter Ferne, nämlich im vorweihnachtlichen Kopenhagen. Dort gibt es die weltbekannten Hot Dogs, natürlich mit Tomatensoße:

Daher gab es das „radioeins„-Interview diesmal nur am Telefon:

(die Qualität ist bescheiden, aber wahrscheinlich kann ich noch vor Weihnachten den Take mit einer besseren Variante austauschen)

   

Dass Tomate und Ketchup nicht unbedingt das Gleiche sind, merken wir schon daran, dass in der deutschen Sprache mit der Bezeichnung „Tomatenketchup“ die Eigenständigkeit der beiden betont wird. Schon die Frage, woher der Begriff „Ketchup“ kommt, ist nicht genau geklärt: Da gibt es auf der einen Seite die Verfechter der französischen Abstammung von dem Wort für eine scharf gewürzte Marinade, der escabêche. Auf der anderen Seite die Theorie der chinesischen Fischsoße kê-tsiap, ein Konzentrat, mit dem britische Seefahrer im 17. Jahrhundert auf der Rückfahrt ihre fade Seemannskost an Bord aufgepeppt haben sollen. Noch heute findet man im wohlsortierten Asia-Shop „Kejap Manis“, eine süße, dicke Sojasoße.

In England versuchten dann einige Fabrikanten, diese Würze „nachzubauen“ und verwendeten dafür allerlei abenteuerliche Zutaten wie Austern, Pilze oder Nüsse – nur keine Tomaten. Diese Soßen waren noch weit von dem entfernt, was wir heute Ketchup nennen.

Auftritt James Mease, ein amerikanischer Wissenschaftler und Gärtner, der das erste Tomatenrezept 1812 in Philadelphia veröffentlichte. Er versuchte in erster Linie einen Weg zu finden, die zu der Zeit als ungenießbar geltende Tomate irgendwie zu verarbeiten. Erst um 1830 wurde die Tomate in den USA populär, in Deutschland übrigens erst Jahrzehnte später. Doch auch in seiner Rezeptur überwogen noch die Gewürze und vor allen Dingen der Brandy, um die Soße haltbar zu machen, denn aufgrund der kurzen Erntezeit mussten diese irgendwie konserviert werden. Neben den schon genannten Zutaten wurde dafür auch Kohleteer verwendet, dennoch bildeten sich immer wieder toxische Mengen an Bakterien und Sporen. Das angebliche Wundermittel mit Heilkräften konnte also durchaus giftig wirken….

Henry J. Heinz, Sohn deutscher Auswanderer, verkaufte in den 1870ern zunächst eingelegten Meerettich – aber nicht in Dosen, sondern in Gläsern, denn er wollte, dass man die Qualität des Produktes von aussen sehen konnte. Im wachsenden Markt der Lebensmittelkonserven kam er dann auf die Idee, das toxische Ketchup zu entgiften und auf die gefährlichen Zusatzstoffe zu verzichten. Er nutzte Essig, also Säure als konservierendes Element, musste aber zur Geschmacksbalance ordentlich Zucker hinzufügen. Ketchup ist also ein Produkt, dessen Geschmack nicht wegen des Geschmackes, sondern wegen der Haltbarkeit kreiert wurde. Noch heute befindet sich in Heinz-Ketchup 25,5 gr Zucker auf 100 gr Ketchup, was einer Menge von 48 Stück Würfelzucker entspricht, wie Stiftung Warentest 2016 feststellte.

Doch das Produkt erfreute sich großer Beliebtheit, schon 1900 war Heinz Marktführer, 1905 stellte er 5 Mio. Flaschen pro Jahr her, 1907 bereits 13 Mio. In Deutschland blieb Ketchup zunächst ein Importprodukt, erst 1937 wurde die erste Produktion in Bremen aufgenommen. Den Durchbruch erlebte das Ketchup aber bei uns erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als GIs und Briten ihre Lieblingssoße bei uns einführten.

Berühmt wurde Heinz mit seiner Flaschenhals-Banderole und dem Begriff „57 Varieties“. Angeblich soll man hier draufklopfen, wenn der Ketchup nicht schnell genug aus der Flasche fließt, die ideale Flußgeschwindigkeit soll übrigens bei 0,045 km/h liegen…. Heinz sah in New York das Werbeschild eines Schusters, der 21 verschiedene Schuharten anbot, und fand die Idee so umwerfend, dass er seine beiden Glückszahlen 5 und 7 miteinander kombinierte und so die „57 Varieties“ erfand.

Auch wenn die Familie Heinz die Marke und die Produktion schon lange verkauft hat, so werden immer noch in jeder Sekunde 3 Flaschen Heinz-Ketchup in einer der über 140 Ländern, in denen sie erhältlich sind, verkauft. Nur ein Rückschlag musste in jüngster Zeit verkraftet werden: Nach einer über 40jährigen Beziehung kündigte McDonalds Heinz 2013 seine Freundschaft, da der neue Geschäftsführer Bernado Hess früher bei Burger King tätig war….da versteht man keinen Spaß.

Und abschließend noch eine kleine Anekdote: Der Vetter von H.J. Heinz kam ebenso wie er aus Kallstadt in der Pfalz und hieß Friedrich Trump, ein Vorfahr des jetzigen Präsidenten…die Welt ist klein.