Ice, Ice Hasso

Kaum steigen die Temperaturen sanft, schon denken die Herren von „Zweiaufeins“ nur an eines: Eis! Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass es nicht um die eigenen Genüsse geht, sondern Eis für Hunde! Was es damit auf sich hat, erzählte ich im radioeins-Interview:

Denn tatsächlich bietet die Kult-Eisfirma Ben & Jerry’s seit Ende Januar Speiseeis für Hunde an. Bislang gibt es die „Doggie Desserts“, so der Name, jedoch nur in den USA.

Zum Auftakt gibt es das Hunde-Eis in zwei Sorten: „Pontch’s Mix“ ist mit Erdnussbutter und salzlosen Knabberbrezeln angerührt, „Rosie’s Batch“ erfreut den Waldi mit Kürbis und Mini-Keksen.

Auf der Website von „Ben & Jerry’s“ erfährt der interessierte Leser, dass Hunde jedoch eigentlich gar kein Eis essen sollten. Denn auch Hunde können laktoseintolerant sein. Aber selbst bei den Vierbeinern, die keine Laktoseintoleranz haben, können Milchprodukte Verdauungsprobleme verursachen. Deshalb wurden die Hundedesserts mit sehr begrenzten Milch-Mengen und stattdessen mit Sonnenblumenbutter zubereitet.

Der Rest der Zutaten ist identisch mit denen, die für die veganen Sorten des Hauses genutzt werden. Das Eis wurde zwar nicht für den menschlichen Genuss entwickelt, wer aber unbedingt kosten möchte, könne dies tun, er müsse eben nur die Kombination aus Kürbis und Keksen mögen.

Die „Doggie Desserts“ gibt es im Einzelbecher und im Viererpack. Und sie sind, wie auch das B&J-Eis für Zweibeiner, nicht gerade günstig: Der Einzelbecher kostet 2,99 Dollar, der Viererpack ist für 4,99 Dollar zu haben. Doch Tierfreunden ist für ihre Lieblinge nichts zu teuer.

Für Unilever, dem Unternehmer, zu dem die Marke Ben & Jerry’s gehört, ist dies der späte Einstieg in den Milliarden-Markt „Tierfutter“, der in erster Linie von der Mars-Corporation (u.a. Marken wie Trill, Cesar, Pedigree, Royal Canin, Sheba, Whiskas, Frolic, kitekat, Chappi, Catsan) und Nestlé (Purina) dominiert wird.

Doch auch in Deutschland ist der Markt für Tierfutter milliardenschwer: Mit einem Gesamtumsatz von 4,325 Milliarden Euro konnte der Fach- und Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2019 ein Umsatzplus von 2,4 Prozent verzeichnen. Für 2020 ist mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, da viele Deutsche sich in Corona-Zeiten ein Haustier zulegten, um ihre Einsamkeit durch den Lockdown zu lindern. Oder auch, weil dank Homeoffice die Lebensumstände für die Tierhaltung gegeben waren. So sind Haustiere nicht nur für viele Familien ein „Muss“, 33 Prozent aller Singles haben ebenso ein Heimtier.

Im Jahr 2019 besaßen 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland Haustiere. Insgesamt lebten die Menschen hierzulande mit 34 Millionen Hunden, Katzen, Kleinsäugern und Ziervögeln zusammen.

Die Katze ist dabei weiterhin Deutschlands Liebling: 14,7 Millionen Fellknäuel leben in 23 Prozent der Haushalte. Hunde belegen den zweiten Platz der Lieblingstiere: So stieg die Anzahl im Jahr 2019 auf 10,1 Millionen Hunde in 20 Prozent der deutschen Haushalte; das sind 700.000 Hunde mehr als noch im Jahr 2018.

Doch für viele Tierhalter ist das Haustier nicht nur sozialer Begleiter, sondern es wird wie ein Familienmitglied behandelt und ist oftmals Kindersatz, z.B. wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind. Das Geschäft mit Tierfutter und -zubehör scheint also fast so krisensicher zu sein wie das mit Babynahrung und -ausstattung, zumindest solange es Tierhalter gibt, die ihre Lieblinge ebenso verwöhnen wie ihre Kinder.

So verwundert es nicht, dass das Geschäft rund um domestizierte Hunde, Katzen, Nager, Vögel, Fische und Reptilien ausgerechnet in der Adventszeit boomt und auch für den deutschen Tierfachhandel der Dezember der stärkste Verkaufsmonat des Jahres ist. Und das nicht etwa nur, weil viele Kinder ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen unter dem Weihnachtsbaum finden. Die Toprenner sind: Adventskalender, Spielzeug und Bekleidung, denn fast die Hälfte der deutschen Herrchen und Frauchen beschenken auch ihr Tier zum Weihnachtsfest.

Ben & Jerry’s sind also in den großen Markt „Tierfutter“ eingestiegen – und beweisen auch sonst oft ein gutes Näschen für Trends. So gibt es nun schon seit geraumer Zeit das „Netflix-Eis“ in Kooperation mit dem Streaming-Anbieter: Netflix & Chill’d.

Denn wer schiebt sich nicht beim Netflix-Gucken den einen oder anderen süßen oder salzigen Snack in den Mund? Es lag deshalb nahe, dass Netflix selbst etwas an den Snacks verdienen will. In „Netflix & Chill’d“ kommt nun das Beste aus allen Welten zusammen: Erdnussbutter-Eis mit „süß-salziges Brezel Swirl und Fudge Brownie“. Also süß und salzig und kalt: der perfekte Binge-Begleiter!

Hast du kein Kind, nimm ’nen Hund….

Kinder ziehen ja immer in der Werbung: süß, niedlich (solange sie noch sehr klein sind), gut riechend (wenn die Windel nicht gerade voll ist) und einfach so…. gutschigutschigutschi.

Ist kein Kind zur Hand, dann erfüllt ein Tier diesen Zweck nicht minder gut: Besonders beliebt sind hier natürlich die klassischen Kindersatztiere Katze und Hund. Und schon denken die werten Konsumenten wieder: süüüß, niiiiedlich, gutschigutschigutschi…

Sind wir wirklich so einfach gestrickt? Ja. Den Beweis führen zwei Spots aus den Vereinigten Staaten. Zunächst die menschliche Variante:

Ist doch schon ganz schön, oder? Aber eben noch nicht so richtig gutschi. Daher hier nun die Version in Hund:

Und – sind sie nicht süüüüß und niiiiiedlich? Eigentlich fehlt jetzt nur noch die Baby-Variante, aber die dürfen ja nicht Auto fahren….