Grünes Lego? Na Logo!

„Wandel“ lautet das heutige Thema der „Zweiaufeins„-Sendung und ich habe mich in Richtung Babelsberg zum radioeins-Studio aufgemacht, um über den Wandel in Sachen Nachhaltigkeit zu sprechen:

Unsere Ausgangsfrage lautet: Lego produziert jetzt nachhaltige Bauklötzchen – ist das wirklich ein Wandel oder doch nur Green Washing?

Bislang werden Lego-Steine aus sogenannten ABS („Acrylnitril-Butadien-Styrol“) – Kunststoffen hergestellt, die nur aus Erdöl produziert werden können. Die Lego-Büsche, -Blätter und -Bäume werden nun auf Basis von pflanzlichen Polyethylen aus Zuckerrohr fabriziert, ein Material, das einerseits besonders fest und stabil, zum anderen aber biegsamer sein wird. Dafür verwendet Lego nachhaltig erzeugtes Zuckerrohr von zertifizierten Produzenten. Durch diesen Materialumstieg können nach eigener Angabe die CO2-Emissionen für die Produktion zukünftig um 70 Prozent reduziert werden.

Ist das jetzt gut oder nur grüne Augenwischerei? Grundsätzlich gilt:

Jedes Unternehmen, das sich ernsthaft, glaubwürdig und nachweisbar darum bemüht, seine Produkte nachhaltiger herzustellen, beispielsweise durch die Verwendung klimaneutraler Rohstoffe, durch die Vermeidung von Müll während der Produktion und nach dem Gebrauch, aber auch durch soziale Verbesserung im Bereich der gesamten Wertschöpfungskette, leitet einen dringend notwendigen Wandel ein und verdient unsere Anerkennung.

Von Green Washing reden wir, wenn Unternehmen diese Maßnahmen umsetzen, um damit ihren Profit zu steigern, indem sie beispielsweise das Thema absatzfördernd einsetzen, also wenn erst mit jedem verkauften Kasten Bier ein Stück Natur gerettet wird. Über dieses Thema sprachen wir vor zwei Jahren schon einmal, hier kann es nachgelesen und  -gehört werden:

Green Washing bertreibt Lego meiner Meinung nach (noch) nicht: Außer einigen Pressemitteilungen, die natürlich auf öffentliche Aufmerksamkeit gestoßen sind, was aber auch völlig normal und konform ist, findet noch kein „Ausschlachten“ des Themas statt.

Seit 2015 investiert Lego in einen eigenen “ LEGO Sustainable Materials Centre“ über 100 Millionen € in die Forschung, Entwicklung und Umsetzung von neuen, nachhaltigen Rohstoffen. Dazu gehört auch die Maßnahme, bis 2030 Produktionsabfälle komplett vermeiden zu wollen. Und doch sollte leise, konstruktive Kritik angebracht sein:

Lego verwendet nach eigenen Angaben nachhaltig angebautes Zuckerrohr aus Brasilien, das den Richtlinien der Bioplastic Feedstock Alliance (BFA) entspricht, aber es stellt sich die Frage, ob für den erhöhten Zuckerrohr-Bedarf nicht andere Nutzflächen, z.B. für den Nahrungsanbau, verdrängt werden oder gar Waldflächen gerodet werden müssen. Gerade bei der Verwendung von essbaren Pflanzen als Rohmaterial konkurriert der Anbieter daher mit der Nahrungsmittelproduktion. Das gilt auch für die anderen Rohstoffvarianten, die Lego nach eigenen Angaben testet: Getreide, Mais und Zucker.

Auch sind die Bauteile nicht komplett biologisch abbaubar und damit nicht kompostierfähig. Es ist und bleibt ein Kunststoff und so besteht nach wie vor die Gefahr, dass  wenn dieser in die Umwelt gelangt, er zum Problem für viele Lebewesen werden könnte. Zwar können die neuen Bausteine theoretisch auch genauso recycelt werden wie die bisherigen, interessanter wäre es jedoch, wenn man Materialien aus Recycling zur Herstellung neuer Klötzchen gewinnen könnte.

Grundsätzlich problematisch ist zudem, dass es keine klare Definition von Biokunststoff oder Bioplastik gibt: Biobasierter Kunststoff ist nicht automatisch biologisch abbaubar, während erdölbasierter es sein kann. Zudem gibt es zahlreiche Plastikprodukte, die aus Mischungen von konventionellem mit Bioplastik bestehen.

Die neue Kollektion macht bislang gerade einmal 1 bis 2 Prozent der gesamten Lego-Bauteile aus und zwar nur die „botanischen Elemente“ wie Blätter, Büsche und Bäume. Allerdings will Lego bis 2030  seine gesamte Produktion umstellen und nur noch Bausteine aus nachhaltigen Materialien herstellen.

Bei rund 55 Milliarden jährlich produzierten Bausteine ist dies also erst ein Anfang,  aber ein wichtiger Schritt im Wandel hin zu nachhaltiger Produktion ist gemacht!

 

 

Es grünt so grün….

Blauer Himmel, Sonnenschein – und schon ergrünt und erblüht die Natur. Auch die Macher von „Zweiaufeins“ sind aus ihrem Winterschlaf erwacht und luden mich zum Thema „grün“ ins radioeins-Studio:

Wir sprachen über „Green Marketing“, ein Thema zum dem ich gerade eine erste kleine Einführung in das Thema veröffentlicht habe – als Ebook und Book-on-demand. Reinlesen kann man hier.

Die Grundfrage bei „Green Marketing“ lautet: Wie können wir die bewährten Marketing-Instrumente dazu einsetzen und nutzen, um gute „grüne“ Ideen, Konzepte, Projekte und Produkte erfolgreich im Markt zu platzieren. Viele Start-Ups, die ich auch im Schwesterblog greenmakketing vorstelle, haben nachhaltige Werte von Anfang an quasi in der DNA ihres Unternehmens verinnerlicht. Schwer tut sich hier eher der Mittelstand, der jedoch nach wie vor die eigentliche Stütze unserer Wirtschaft ist. Dabei sind es gerade die Familienunternehmen, die, ohnehin stark werteorientiert, am ehesten dazu in der Lage wären, umzudenken und sich umzustellen.

Als Beispiel sei wie im Buch die Firma Patagonia genannt, die durchaus hochpreisige Outdoor-Kleidung anbietet: Patagonia liegt immer noch in den Händen der Gründerfamilie und ist daher keiner Gewinn-Maximierung und keinem Zwang zur Aktionärsbefriedigung unterworfen. Es leistet sich daher den Luxus, mit teuren Materialien wie Biobaumwolle oder recyceltem Nylon oder Polyester zu arbeiten und aufwändige Produktionsprozesse beizubehalten. So kontrollieren sie ihre Zulieferbetriebe in China, Vietnam und Bangladesch selbst und stellen besonders hohe soziale Anforderungen an die Fabrikanten, bevor sie Aufträge erteilen. Sie geben Geld für Forschung und Entwicklung aus, zum Beispiel um Bio-Gummi herzustellen, und spenden 1 % ihres Gesamtumsatzes an Umweltschutzgruppen.

Patagonia hat sich zum Ziel gesetzt, hochqualitative, langlebige Produkte herzustellen – und bietet seinen Kunden sowohl einen Reparatur-Service an als auch die Möglichkeit, die alten Produkte zurückzusenden und sie direkt dem Recycling zuzuführen, sodass aus den alten Kleidungsstücken wieder neue entstehen können. Aber auch noch tragbare Ware möchte Patagonia so lange wie möglich in diesem Kreislauf behalten und hat deshalb das „Worn Wear“-Programm ins Leben gerufen, bei dem sie die Besitzer auffordern, ihre alten Sachen doch weiterzugeben und weiterzuverkaufen.

Es geht um den Wert der Dinge, den wir ihnen beimessen. Patagonia-Kunden kaufen laut Unternehmensaussage weniger, aber dafür nachhaltig produzierte und länger haltende Dinge. Gerade in der Wirtschaftskrise entwickelte sich der Umsatz von Patagonia rasant: Seit 2008 stieg der Umsatz Jahr für Jahr um 25 %, denn gerade in der Krise achten die Menschen auf Qualität.

Qualität im Produkt, Verantwortung für die Zulieferer, Recycling der Produkte, klare, transparente Kommunikation, gesellschaftliches Engagement… Patagonia zeigt auf, wie man erfolgreich mit „Green Marketing“ auch in umkämpften Märkten bestehen kann.

Regelmäßig mehr zum Thema findet sich im greenmakketing-Blog. Wer nun zu faul zum Lesen ist, der kann sich auch die Einführung in die „Green Marketing“-Video-Vorlesung ansehen:

Und als besonderes Schmankerl hier noch das Interview mit dem Soulbottles-Gründer Georg Tarne:

Tue grünes und sprich darüber

„Grün“, „öko“, „nachhaltig“ – das sind die Etiketten, die sich in den letzten Wochen immer mehr Unternehmen an die Marketing-Stirn gepappt haben. Ob Bionade, deren Kampagne mich nur noch zu einem müden Schmunzler veranlasst:

genau, die Bionade-Boheme soll mal schon in Prenzlberg bleiben

genau, die Bionade-Boheme soll mal schon in Prenzlberg bleiben

oder McDonalds, die auf einmal tatsächlich grün werden. Auch Puma denkt um und spart sich in Zukunft den Schuhkarton – stattdessen gibt es nun stylishe Turnschuhbeutel:

chic, schön, grün

chic, schön, grün

Doch mittlerweile beschleicht mich immer häufiger das Gefühl, dass es in erster Line darum geht, sich mit einem grünen Anstrich zeitgerecht und zielgruppennah zu geben. Und dabei ist es egal, ob es sich um offensichtliche Werbung handelt oder um PR-Maßnahmen. Ich glaube auch, dass die Konsumenten sich von diesen Versuchen des „green washing“ nicht täuschen lassen: Fällt beispielsweise der Name „Krombacher“ im Freundeskreis, antwortet mindestens einer in der Gruppe mit „jaja, Saufen für den Regenwald“….

So kam es auch nicht von ungefähr, dass sich Greenpeace bei seiner Palmöl-Kampagne mit Kitkat ein Produkt des Nestlé-Konzerns ausgesucht hatte, der sich gerne in letzter Zeit darin gefiel, sich als nachhaltig wirtschaftend darzustellen. Und auch Lidl sind seine angeblichen „fair trade“-Textilien wieder vor die Füsse gefallen – das Werbeverbot wurde diese Woche verhängt und Lidl darf seine Prospekte einstampfen.

Mehr denn je gilt es also, ehrlich, ernsthaft und authentisch zu handeln – denn die Zielgruppe ist aufgeklärter und kritischer geworden und beäugt solche Äusserungen mit wachsender Skepsis. Grünes zu tun, nur um sich Aufmerksamkeit zu sichern, funktioniert einfach nicht mehr.

Was jedoch immer funktioniert, ist Humor. Auch grüner… 🙂