ERGO – und (k)ein Ende?!

Laut Statistik sind die Postings über ERGO die Dauerbrenner in meinem Blog…. und eigentlich hatte ich mir ja auch fest vorgenommen, nicht nachzutreten, wenn einer schon am Boden liegt, aber ich werde doch genötigt…

Während „Spiegel online“ hier über den Kundenverlust bei der ERGO nach den Skandalen berichtet, geht Kristina Läsker bei der „Süddeutschen“ noch einen Schritt weiter und deckt auf, dass solche und ähnliche Feierlichkeiten durchaus zur Firmenkultur der HMI gehörten – mehr findet ihr hier.

Bei der „taz“ hat sich Rüdiger Kind auf die Recherche begeben – und bringt die erstaunliche Wahrheit ans Licht: Die Vertreter waren nur „scharf auf Abschluss„! Denn: Die angebliche Sexsause, [war] eine unglaubliche Massenversicherung von ahnungslosen Opfern…

Unbedingt lesen! 🙂

ERGO sagt sorry – leider nicht für die Kampagne

Man glaubt es kaum, aber bei ERGO bewegen sie sich doch! Gut zwei Monate nach dem Bekanntwerden denkwürdiger Incentive-Reisen (sie haben eigentlich alles richtig gemacht…), denkwürdiger Trinkrituale (Tequila trinkt man durch die Nase…) und denkwürdiger Ansichten („unsere neue Kampagne hat ja eh noch keiner wahrgenommen“) kam man bei ERGO nun auf die Idee, dass eine Entschuldigung vielleicht gar nicht so fehl am Platze wäre…wow! Besser spät als gar nicht.

Doch das Timing war denkbar schlecht. Entschuldigungen sollten zeitnah kommen – und nicht erst, nachdem alle internen Instanzen daran herumgedoktert haben. Denn zwischenzeitlich existieren ja wunderbare Werbeparodien, die z.B.  aus ERGO „Orgie“ machen – und die mit Sicherheit länger in den Köpfen der Konsumenten hängen bleiben werden als eine großformatige Anzeige.

Und viel schlimmer noch: zeitgleich mit der Anzeige wurden neue Verkaufstricks der „grauen Herren“ ruchbar.

„Süddeutsche Zeitung “ und „Welt“ berichteten, dass Vertreter der Versicherung sich an den Haustüren gerne als Mitglieder eines Sozialvereines (DFV – Deutscher Familienverband) ausgeben, um somit Zugang zu den Kunden zu bekommen. Ziel: Versorgungslücken aufdecken und dann Versicherungen verkaufen.

„Auch die Ergo findet, alles sei in bester Ordnung. In einer Stellungnahme des Versicherers heißt es: „Unsere Außendienstpartner kontaktieren Privathaushalte mit einer Meinungsumfrage. In der Ansprache erklären sie, auf Empfehlung des DFV zu kommen und nutzen in diesem Zusammenhang ein Empfehlungsschreiben des DFV.“ Und genau so solle es auch bleiben.“

schreibt die SZ.

Ach, Marketingmensch bei der ERGO möchte ich im Moment aber auch nicht sein…

Übrigens: Ausdrücklich nicht entschuldigt hat sich ERGO für diese furchtbare Werbekampagne, mit der sie sich an die Kunden heranzuwanzen versuchte – ganz im Gegenteil, sie soll demnächst wieder aufgenommen werden…

Motivation, Motivation, Motivation – HMI hat doch alles richtig gemacht!

Ein schöneres Beispiel für den Unterricht als das berüchtigte HMI-Incentive kann man doch nicht bekommen – denn die HMI hat alles lehrbuchmäßig richtig gemacht:

1. Ein Incentive dient der Motivation.

2. Es schafft Leistungsanreize und belohnt damit die Spitzenkräfte.

3. Man benötigt exklusive Orte und Programm-Bestandteile, die sich der Teilnehmer sonst so nicht leisten kann.

4. Um den nötigen Anreiz zu schaffen, muss ich den“Daheimgebliebenen“ von dem Incentive berichten, um ihre künftige Leistung anzustacheln:

„Das Mitgliedsmagazin der HMI „Profil“ schwärmte später von der Veranstaltung: „Unglaublich, was man in der HMI wirklich erleben kann. Aus welchem Blickwinkel auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der nicht dabei war und sofort wieder loslegen möchte.““

(Quelle: Handelsblatt)

5. Alle Teilnehmer müssen ordentlich den geldwerten Vorteil versteuern.

„Im Budapester Fall wurden die Lasten für den Steuerzahler zumindest dadurch gemindert, dass die rund 100 Teilnehmer 3000 Euro an geldwertem Vorteil versteuern mussten, wobei die Abendveranstaltung in der Gellert-Therme nur einen Teil der Gesamtreisekosten ausmachte.“

(Quelle: Welt)

6. Wenn alles ordentlich durchgeführt wurde, kann man die Kosten als Betriebsausgabe absetzen.

„Der Mutterkonzern Ergo bestätigte der „Welt am Sonntag“, dass die Hamburg-Mannheimer die Kosten in Höhe von 83.000 Euro vollständig steuerlich geltend gemacht und dadurch Gewinn und Steuerlast vermindert hat.

 „Die Rechnung ist in voller Höhe als Betriebsausgabe behandelt worden“, sagte ein Ergo-Sprecher. „Nach unseren bisherigen Prüfungen war das steuerrechtlich in Ordnung. „“

(Quelle: Welt)

Also alles lehrbuchmäßig vorbildlich…. Na nur das mit den Drogen war ein bißchen ärgerlich, aber das kann man ja richtigstellen:

„Die Berichterstattung in der heutigen Ausgabe der BILD-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen der Akteure auf den von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain. Der ERGO liegen dazu inzwischen auch eidesstattliche Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen vor .“

(Quelle: ERGO)

Ich frage mich nur: Wie motivieren die eigentlich ihre weiblichen Führungskräfte??