If a had a hammer, I’d hammer on my cybertruck

Trotz aller Podcasterei bin ich natürlich ab und zu noch zu Gast bei den Herren von „2auf1“ bei radioeins. Diesmal lautete ihr Thema „Hammer“ und wir unterhielten uns über die PR-Katastrophe, die Elon Musk jüngst bei der Präsentation seines Cybertrucks passierte. Nachzuhören wie immer demnächst hier!

Es war eine eindrucksvolle Präsentation, die der wenig präsi-begabte Elon Musk kürzlich ablieferte: Ein Auto wie direkt dem „Balde Runner“ entsprungen und quasi unkaputtbar. Als Beweis dafür hämmerte ein Mitarbeiter auf die Tür, die dies auch unbeschadet überstand. Doch als danach die Unverwüstlichkeit des Panzerglases durch den Wurf einer Eisenkugel vorgeführt werden sollte, kam es zur Katastrophe: die Scheibe riss. Auch der zweite, vorsichtigere Wurf führte zu einer Beschädigung, wie sich gut im folgenden Bild erkennen lässt:

Um mehr als sechs Prozent schoß der Aktienkurs an der New Yorker Börse daraufhin in die Tiefe, das Vertrauen war verloren, die PR-Katastrophe nahm ihren Lauf.

Nun ist das kein Einzelfall, PR-Krisen gibt es zuhauf: Ob H&M einen dunkelhäutigen Jungen mit einem Pulli zeigt, den der Spruch „Coolest monkey in the jungle“ ziert, ob United Airlines einen Passagier mit Gewalt aus dem Flugzeug entfernen lässt, weil die Maschine überbucht ist, und ihm dabei die Nase gebrochen wird – und der CEO sich dann für die Unannehmlichkeiten dieser „Umsetzung“ bei seinem Kabinenpersonal entschuldigt oder ob Dolce & Gabbana ein chinesisches Model mit Stäbchen Pizza essen lassen:

Alle diese Aktionen führten zu Shitstorms, Umsatzrückgängen und heftigen Protesten; das Image bekam eine Delle, die Reputation wurde beschädigt.

Wie sollte ein Unternehmen nun darauf reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? In Wirklichkeit geht es aus der PR-Sicht natürlich nicht um die Krise an sich, nicht um Fakten, sondern darum, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, welche Meinung man sich bildet.

Dazu könnte man beispielsweise die ganze Angelegenheit herunterspielen, Gegenmaßnahmen ankündigen oder aber einfach leugnen, dass der Vorfall wirklich so passiert ist oder böse Gegner für diese Verleumdung verantwortlich machen – möglichst aggressiv (es soll ja gewisse Politiker geben, die sich dieser Taktik gerne bedienen). Man kann aber auch die Verantwortung übernehmen, sich vollmundig entschuldigen, Besserung geloben – und die verantwortlichen Mitarbeiter feuern als Zeichen des Neuanfangs. Das bislang sehr beliebte Präsentieren eines Sündenbocks funktioniert in letzter Zeit jedoch immer schlechter: Es wird heute erwartet, dass der oberste Verantwortliche sich stellt und sein Gesicht zeigt, also der CEO, der Big Boss. Und das sollte er professionell und gut geschult tun, ansonsten gießt er nur noch mehr Öl ins Feuer:

Die Gefahr jedoch ist, dass trotz ehrlicher (*räusper*) Entschuldigung ein Geschmäckle bleibt und das Image auf lange Sicht beschädigt ist. Dies hängt nicht nur von der Ernsthaftigkeit und der Glaubwürdigkeit der Entschuldigung ab, sondern zunehmend von der Schnelligkeit. Lässt sie zu lange auf sich warten, dann ahnt der Konsument, dass hier die PR-Abteilung im Hintergrund gewerkelt hat, und nimmt diese nicht mehr als authentisch wahr.

Elon Musk hingegen fand schnell eine Erklärung für sein Desaster: Der Fehler lag in der Reihenfolge, denn durch den Hammerschlag auf die Tür sei das Glas in seiner Struktur beschädigt worden und daraufhin beim Kugelwurf gerissen. Hätte man es andersrum gemacht, also erst die Kugel, dann der Hammer, dann wäre alles perfekt gewesen – und überhaupt: Die Scheiben haben doch gehalten!

Und bei über 150.000 Vorbestellungen für den Cybertruck relativiert sich das mit dem Kursrutsch dann auch wieder ganz schnell….

ERGO sagt sorry – leider nicht für die Kampagne

Man glaubt es kaum, aber bei ERGO bewegen sie sich doch! Gut zwei Monate nach dem Bekanntwerden denkwürdiger Incentive-Reisen (sie haben eigentlich alles richtig gemacht…), denkwürdiger Trinkrituale (Tequila trinkt man durch die Nase…) und denkwürdiger Ansichten („unsere neue Kampagne hat ja eh noch keiner wahrgenommen“) kam man bei ERGO nun auf die Idee, dass eine Entschuldigung vielleicht gar nicht so fehl am Platze wäre…wow! Besser spät als gar nicht.

Doch das Timing war denkbar schlecht. Entschuldigungen sollten zeitnah kommen – und nicht erst, nachdem alle internen Instanzen daran herumgedoktert haben. Denn zwischenzeitlich existieren ja wunderbare Werbeparodien, die z.B.  aus ERGO „Orgie“ machen – und die mit Sicherheit länger in den Köpfen der Konsumenten hängen bleiben werden als eine großformatige Anzeige.

Und viel schlimmer noch: zeitgleich mit der Anzeige wurden neue Verkaufstricks der „grauen Herren“ ruchbar.

„Süddeutsche Zeitung “ und „Welt“ berichteten, dass Vertreter der Versicherung sich an den Haustüren gerne als Mitglieder eines Sozialvereines (DFV – Deutscher Familienverband) ausgeben, um somit Zugang zu den Kunden zu bekommen. Ziel: Versorgungslücken aufdecken und dann Versicherungen verkaufen.

„Auch die Ergo findet, alles sei in bester Ordnung. In einer Stellungnahme des Versicherers heißt es: „Unsere Außendienstpartner kontaktieren Privathaushalte mit einer Meinungsumfrage. In der Ansprache erklären sie, auf Empfehlung des DFV zu kommen und nutzen in diesem Zusammenhang ein Empfehlungsschreiben des DFV.“ Und genau so solle es auch bleiben.“

schreibt die SZ.

Ach, Marketingmensch bei der ERGO möchte ich im Moment aber auch nicht sein…

Übrigens: Ausdrücklich nicht entschuldigt hat sich ERGO für diese furchtbare Werbekampagne, mit der sie sich an die Kunden heranzuwanzen versuchte – ganz im Gegenteil, sie soll demnächst wieder aufgenommen werden…