Achtung! Lesen Sie diesen Blogeintrag NICHT!

Jajaja… was verboten ist, macht gerade scharf…und da unser Gehirn nicht positiv und negativ unterscheiden kann (denke jetzt nicht an einen Elefanten…), sondern ziemlich plump jedesmal darauf reinfällt, denkt sich eben auch so mancher Marketing-Novize, wie unglaublich komisch und effektvoll es doch wäre, den Konsumenten vor dem Produkt zu warnen, Weil: Dann greift er ja erst recht zu!! Haha, ausgetrickst!!

Dass dabei durchaus auch großer großer Schwurbelunsinn entstehen kann, zeigen folgende Beispiele:

EPSON MFP image

Achtung, lieber Kunde, der Inhalt dieser Tüte ist gesund!! Iii bäh!  Bloss nicht kaufen. Lieber Backwaren beim Bäcker in der Nähe erwerben. Moment mal… das hab ich doch gerade getan. Sonst würde ich doch diese Tüte nicht in den Händen halten… häääh?? Wie jetzt ? Nochmal: Also ich lege Wert auf natürliche Zutaten und habe das Brot beim Bäcker gekauft, darf das aber nun nicht essen, weil „Vorsicht, gesund!“??

Ach, dann lass ich das mit dem Brot lieber und schnapp mir mal ein schönes Buch….

SAMSUNGUaaah, lieber doch nicht, das ist ja auch gefährlich…. „Vorsicht, Buch!“ Bitte gehen Sie weiter, bleiben Sie nicht stehen, hier gibt es nichts zu sehen, weitergehen bitte….

Stimmt aber. Bücher sind echt viel zu gefährlich: Man kann sich an den scharfen Seiten schneiden, es kann einem auf den Fuss fallen, es kann brennen… da lob ich mir doch meinen federleichten Ebook-Reader! Und da die deutsche Buchbranche anscheinend auch gar keine Bücher mehr verkaufen will, muss ich wenigstens kein schlechtes Gewissen mehr haben. Da beiß ich doch gleich noch mal herzhaft von meinem Discounterbrötchen ab… 🙂

 

Lies mich – sonst bin ich weg

Lesen als Erpressung, aber was soll denn so ein armer Autor heutzutage auch machen? Die Menschen kaufen (noch) Bücher um Bücher – und stellen sie dann halbgelesen in den Schrank!! Un-vor-stell-bar!!

Zeit, die Daumenschrauben beim Leser anzuziehen: mit einem Buch, dessen Text sich nach und nach auflöst, bis er nach 60 Tagen komplett verschwunden ist:

Was bleibt, ist immerhin noch ein schickes Notizbuch….

Letztendlich: Alle Literatur ist flüchtig und nur wenige ganz große Bücher überleben die Generationen. Doch auch das Medium Buch steht unter Druck, denn Haptik alleine reicht nicht aus. Das ebook, das weniger Platz wegnimmt, Multimedialität bieten kann und zum social reading einlädt, liefert nämlich eine Antwort auf diese Flüchtigkeit: Bücher (insbesondere Sachbücher) können immer wieder aktualisiert werden und bringen den Besitzer so auf den stets neuesten Stand.

Dieser kleine, feine Marketing-Gag, denn nichts anderes als das ist es nämlich (außer der ersten Auflage, die hauptsächlich verschenkt wurde, wurde keines dieser Bücher verkauft – trotz hoher Nachfrage), regt zum Nachdenken über Bücher und Literatur gestern, heute und morgen an. Beides wird im Zeitalter der Digitalisierung nicht sterben, aber sich den neuen Techniken und Gewohnheiten anpassen müssen.

Meine Lieblingsbücher habe ich übrigens alle mehrmals gelesen – mit fliehender Tinte unvorstellbar… und was würden die Bibliotheken machen, wenn alle Bücher nur noch zwei Monate halten würden?

Ab heute: McDonalds macht klüger!

Ich habe mich ausnahmsweise einmal für die positive Sichtweise entschieden, es könnte nämlich genauso gut heißen: „Vorsicht! Lesen gefährdet die Gesundheit!“.

Ab heute gibt es bei McD zum Happy Meal kein Spielzeug, sondern ein Buch. Insgesamt sollen gemeinsam mit der Stiftung Lesen 4 Millionen Bücher an Drei- bis Neunjährige verteilt werden. Hintergrund: Fast 7,5 Millionen Menschen gelten in Deutschland als „funktionale Analphabeten“; sie sind nicht in der Lage, einfache Texte zu verstehen. Viele Jugendlichen mangelt es zudem an Schreib- und Lesekompetenzen.

Natürlich ist das ein ernster Anlass, aber in meinem Kopf passen Fast Food und langes Lesevergnügen irgendwie nicht ganz zusammen. Mit erscheint das eher wie eine unheilige Marketing-Allianz: Die „Stiftung Lesen“ erhält die höchstmögliche Aufmerksamkeit – und McD kann sich als Freund der Kinder (und der Eltern) und als Retter des Buches inszenieren. Letztendlich geht es aber wie immer darum, Burger zu verkaufen.

Und ob die an Plastikspielzeug gewöhnten Racker jetzt in Begeisterungsstürme ausbrechen werden, wenn es auf einmal „ein Buch“ zum Happy Meal gibt, wage ich auch zu bezweifeln.

Kinder das Lesen (und Eltern das Vorlesen) über Fast Food schmackhaft machen zu wollen ist irgendwie wie Rezepte twittern…

Das App-Book – Zukunft des Buches?

E-Book hin oder her, ich glaube, dass wir auch in Zukunft noch Bücher lesen werden – nur: Wie werden diese Bücher aussehen?

Ich habe ja bereits angeschnitten, wie man die Generation 2.0 zum Lesen bekommt und wie bereits die ersten Kinderbücher augmented reality nutzen, um schon die Kleinsten auf die Zukunft vorzubereiten, doch nun gibt es ein spannendes Projekt, dass einen weiteren Hybriden vorstellt, das App-Book:

Die App ist übrigens kostenlos im App-Store downloadbar und zeigt auch ohne Buch, wie sich spannende Inhalte multimedial darstellen lassen. Letztendlich sollen eines Tages E-Books genau das leisten können – mehr als nur ein einfaches Buch sein und in klickbare Tiefen entführen. Super wird das dann für’s Marketing: Wenn im Buch sich ein Protagonist eine Cola öffnet, dann ist Cola-Spot klickbar (und geht hoffentlich nicht als Pop-Up auf…). Vielleicht werden Autoren in Zukunft auch gleich von Unternehmen gesponsert, wenn er deren Produkte in die Geschichte einbaut und diese im E-Book dann Klicks auf die Unternehmensseiten generieren…

Nur: Wie werden wir dann noch lesen? Und wie lange brauchen wir für ein Buch, wenn auf jeder Seite Filmausschnitte, interaktive Spielereien und Audio-Dateien uns ablenken? Können nachfolgende Generationen dann überhaupt noch die Aufmerksamkeit und die Zeit für einen langen Text aufbringen? Oder downloaden wir uns irgendwann ohnehin nur noch einzelne Kapitel als Lesehäppchen?

Bücher werden bestimmt (so schnell) nicht aussterben, aber sie werden nach und nach verschwinden, so wie die Plattensammlungen verschwunden sind, die CD-Regale oder auch die VHS-Filmsammlung und demnächst die DVD-Sammlung. Irgendwann eines Tages haben wir dann nur noch einen Ipod für die Musik, einen Kindle für die Bücher und ein Tablet für die Filme im Regal zu stehen…. schöne neue Welt?