I put a smell on you

Weihnachten steht vor der Tür, es riecht bald lecker nach Zimtsternen, Glühwein, gebrannten Mandeln – und dem Duft eines frisch geöffneten Apple Mac-Kartons.

Denn für alle Apple-Jünger ist sie endlich da, quasi Weihrauch und Taufkerze in einem, die „New Mac“-Duftkerze!

Für lachhafte 24 $ plus Versandkosten bekommt man den einmaligen und unwiderstehlichen Geruch eines frisch ausgepacktes Mac-Books nach Hause geliefert. Da oller Karton jetzt auf Dauer (bis zu 55 Stunden Brennzeit) nicht sooo gut riecht, ist die selbstverständlich handgegossene Kerze mit dezenten Duftnoten von wahlweise Minze, Pfirsich, Basilikum, Lavendel oder Salbei angereichert.

Und – Donald wird es freuen – sie wird in South Carolina hergestellt, ein uramerikanisches Produkt also (was man vom Mac nun nicht wirklich behaupten kann…)

Was kommt als nächstes? Die Deutsche Bahn plant wahrscheinlich schon einen Versuch mit der Berliner-S-Bahn-Duftkerze und auch der andere Mac überlegt bestimmt schon, wie man die Pommes-Verpackung als Aroma einfangen kann. Und auf einmal wird der Schnupfen mein Freund….

 

Let’s get physical!

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer….“, ach nein, es ging ja diesen Sonntag bei „Zwei auf eins“ um das Thema „Raum“, nicht „Weltraum“. Ich war in#s „radioeins„-Studio geladen, um ein wenig den Marketingaspekt von Räumen, insbesondere vom POS (point of sale) zu beleuchten, also dem Ort, an dem Dienstleistungen erbracht werden.

„Physical evidence“, der Sachbeweis, ist der englische Ausdruck für das, was in der deutschen Theorie „Ausstattungspolitik“ genannt wird, oder kurz gesagt: eine C&A-Filiale sieht anders aus als ein Prada-Shop.

Wer sich heute zum einen von den Wettbewerbern abgrenzen und zum anderen den Kunden zum Verweilen bringen möchte, der sollte heutzutage ein großes Augenmerk auf die Gestaltung jener Räume legen, in denen der Kontakt zum Endkunden stattfindet. Kein anderer Laden darf beispielsweise so aussehen wie ein Apple-Store:

Das besondere Design der Apple-Stores hat Erfolg: In den USA macht kein Unternehmen mehr Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche als Apple, Juweliere inklusive. Naheliegend, dass sich Apple die Gestaltung seiner Shops markenrechtlich schützen ließ. Kein anderer Shop darf nun so aussehen wie Apple.

Auch Banken sehen heute ganz anders aus als früher: Statt Tristesse grau in grau samt vor sich hinsterbenden Hydrokultur-Pflanzen und Kassierer hinter Glas sind moderne Banken nun hell, farbig und freundlich:

Denn der Kunde soll nun nicht mehr wie früher seinem Fluchtinstinkt Folge leisten, sondern verweilen, entspannen, sich wohlfühlen – ist er dann doch wesentlich offener für Beratung sowie die Angebote von Versicherungen, Fonds und anderen lieblichen Produkten.

Ja, auch dieses Bild zeigt eine Bankfiliale (der Deutschen Bank in der Berliner Friedrichstraße) – es handelt sich hierbei jedoch noch nur um eine Test-Filiale des Konzerns. Umgesetzt wird hier, was eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Kreditkarten-Firma Visa Europe ergeben hatte: Demnach wünschen sich 56 Prozent der Befragten die Bankfiliale der Zukunft wie einen Laden des US-Technologieunternehmens Apple, eben hell, luftig und modern. 46 Prozent nannten die US-Kaffeehauskette Starbucks als Vorbild.

Wiedererkennung (auch global), Image, Sympathie, Markenbild, Corporate Design, Verweildauer, das alles sind natürlich klassische Marketing-Werte, so dass es kein Wunder ist, dass sich die Marketing-Abteilungen immer mehr und stärker in die innenarchitektonische Gestaltung einmischen – bis hin zu den Licht-, Musik- und Geruchskonzepten.

Gewiss nicht meine Lieblingsmarke, aber die Abercrombie & Fitch – Stores ( und gleiches gilt für die Schwestermarke Hollister), kann man schon Meilen gegen Wind riechen. Der Beat peitscht ohrenbetäubend, das gesamte Ambiente ist im Halbdunklen gehalten – perfekte Inszenierung für alle, die nach 1995 auf die Welt gekommen sind, abschreckend genug für alle zuvor Geborenen.

Was uns bei Shops, Hotels und Restaurants noch halbwegs nachvollziehbar erscheint, gilt jedoch zunehmend auch für andere Dienstleister; seit Ärzte beispielsweise nicht mehr besucht werden, um gesund zu werden, sondern um gesund zu bleiben (von Kranken kann ja kein Arzt mehr überleben, die kostenpflichtigen Vorsorgeuntersuchungen bringen heute das Geld), müssen sie konsequenterweise sich auch dem Look der Wellness-Tempel öffnen: helle, freundliche Farben, Räucherstäbchen, in der einen Ecke ein Zier-Buddha und in der anderen plätschert ein Zimmerspringbrunnen.

Nein, das hier ist weder ein Club noch eine Bar, sondern es handelt sich um die Räumlichkeiten der Zahnarztpraxis KU64, entwickeltt von den CRAFT-Designern. Und damit sind wir dann doch wieder bei „Weltraum“, „Space“ und „Enterprise“ angekommen…

Marken wollen erfahren, erlebt werden – und gerade für den Handel kann hier eine rettende Lösung liegen, um sich von Online-Anbietern abzusetzen. Laden-Design als Wettbewerbsvorteil: Let’s get physical!

 

…denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Ein jeder Gründungsmythos trägt einen guten Anteil am „legend share“ einer Marke oder eines Unternehmens. Über diesen magischen Moment lassen sich die aufregendsten Geschichten erzählen und es wird vollkommen egal, ob diese dann stimmen oder nicht. So sind beispielsweise die kuriosisten Stories im Umlauf, warum „Apple“ „Apple“ heißt: Beginnend von dem Apfelgarten, auf den der Blick von Steve Jobs fiel, bis hin zu dem Umstand, dass Jobs angeblich stark transpirierte und ihm die Ärzte daher empfohlen hätten, täglich Äpfel zu essen.

Doch nicht nur die Geschichten sind spannend, auch die Orte bekommen etwas von diesem Zauber ab:

Legenden lassen sich aus allem stricken, man muss sie nur erzählen…

Übrigens, keine der oben genannten Apfelgeschichten stimmt. Es hat auch nicht mit Adam & Eva oder Schneewittchen zu tun. Das allererste Apple-Logo verrät, wer geistiger Vater des Namens ist: Sir Isaac Newton.

 

Klebt Blut an den iPads?

wired 3/2011

In Vorträgen und im Unterricht erzähle ich gerne am Beispiel von Foxconn, die nicht nur für Apple iPhones und iPads herstellen, sondern auch für Sony und Nokia arbeiten und demnächst Hersteller der MediaMarkt/Saturn-Eigenmarken sein werden, wie problematisch es werden könnte, wenn die Arbeitsbedingungen beim Hersteller die Marke beeinträchtigen.

„Fair“ in der Herstellung wird für den Konsumenten ein immer wichtigeres Kaufkritertium – und deshalb wurde es von Apple auch nicht gerne gesehen, dass sich zunehmend Arbeiter von Foxconn in den Tod gestürzt haben. Der Druck vom Abnehmer wirkte: Foxconn spannte Fallnetze auf und lässt sich in den Arbeitsverträgen zusichern und unterschreiben, dass der Arbeiter keinen Selbstmord begehen werde; ansonsten drohe den Hinterbliebenen eine Vertragsstrafe….

Lief die Berichterstattung bislang eher unauffällig, so hat die amerikanische Wired das Thema nun zum Aufmacher der aktuellen Ausgabe gemacht. Hier könnt ihr den Artikel nachlesen.

Das dürfte insbesondere Apple nicht wirklich in den Kram passen, denn gerade für Apple-Kunden spielen ethische Aspekte durchaus eine größere Rolle….

Ich bin auf die offiziellen Reaktionen schon sehr gespannt….

Nachtrag: Ein Artikel dazu aus der „taz“. Apple bedauert zwar die Todesfällt, lässt aber verlautbaren, dass „Foxconns Maßnahmen (…) definitiv Menschleben gerettet“ haben.

Jubel-Chinesen