Ich geh‘ mal in den Garten und pflück‘ mir frischen Fisch!

Klingt absurd, oder? Aber es gibt eben auch „veganen Fisch“ und darüber sprach ich vor einiger Zeit mit Daniel von „Zwei auf eins“ im radioeins-Interview:

Nun sind vegane Produkte keine Neuheit mehr und auch vegane Fischprodukte oder Meeresfrüchte gibt es als Nischenprodukte schon seit geraumer Zeit. Aber Frosta hat sich des Themas angenommen und ist nun – wenn auch vorsichtig – in die Offensive gegangen mit „Fisch vom Feld„.

Die Überfischung der Meere, wachsendes Umweltbewusstsein und der Umstieg der Verbraucher auf nicht-tierische Produkte beschäftigen die Fischbranche, wobei der generelle Trend zu veganen Produkten nach wie vor ungebrochen ist: So verzeichnet die Firma Quorn, die seit 1985 vegetarische Lebensmittel herstellt, gerade die besten Verkaufszahlen in ihrer Geschichte und die Rügenwalder Mühle wird in 2020 voraussichtlich fast 40% ihres Umsatzes mit Fleischalternativ-Produkten erwirtschaften.

Für Frosta geht es dabei nicht nur um ein gutes Image, sondern tatsächlich auch um ein ökonomisches Problem: Fisch und Gemüse werden im Einkauf immer teurer: Der Preis für Alaska-Seelachs stieg in 2019 allein um fast 50%. Aber diese Preiserhöhung lässt sich nicht einfach an den Kunden weiterreichen und im Handel durchsetzen, so dass die Margen in den Keller fielen.

„Fisch vom Feld“ soll also nun der Rettungsschlag aus diesem Dilemma werden:

Weiße Bohnen, Blumenkohl und andere weiße Gemüsearten bilden die Grundlage, denn der Gemüse-Fisch muss ja weiß aussehen, was bei vielen anderen proteinhaltigen Lebensmitteln einfach nicht der Fall ist. So färben Algen oder grüne Bohnen den Fisch eben – grün. Nicht so appetitlich….

Auch auf Soja wurde aus Umweltgründen verzichtet. Doch der alternative Fisch sollte nicht nur wie Fisch aussehen, er musste auch so schmecken und das gleiche Mundgefühl erzeugen. Da kommt nun ein kleiner Trick zugute, denn viele der Fischprodukte werden ja paniert verzehrt – und da sitzt das knusprige Gefühl und viel von dem Geschmack. Und, Hand auf’s Herz, so ein Fischstäbchen schmeckt nun wirklich selten nach Fisch…. Panade, Soße, Beilage und schon ist die Illusion perfekt!

Und so ist „Fisch vom Feld“ frei von deklarations­pflichtigen Zusatz­stoffen, Geschmacks­verstärkern, Aromen, Farb- und Konservierungs­stoffen.

Wem jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft und wer sofort zum nächsten Supermarkt des Vertrauens sprinten möchte, den muss ich leider enttäuschen: Die Produkte werden zunächst in Großküchen, Kantinen und der Systemgastronomie getestet.

Wer jedoch in Berlin wohnt, der könnte sich die Wartezeit ein wenig verkürzen, in dem er vegane Sushi probiert, zum Beispiel im Secret Garden in Friedrichshain!

Ich persönlich muss bei diesem Thema ja die ganze Zeit an etwas völlig anderes denken, nämlich an „Findet den Fisch!“ (Guck doch mal im Rüssel nach!). Aber ich gehöre ja auch zur Generation W (?!). Für alle anderen:

 

 

 

 

Auch Sie, ja Sie, können mit Porno ganz groß rauskommen!

Dass ich so etwas titeln würde, habe ich mir auch nie träumen lassen, aber es ist wahr: Porno kann kleinen Unternehmenden den großen Erfolg bringen. Und Sie müssen sich noch nicht einmal ausziehen dafür!!

Pornhub, die kanadische Plattform für die schnelle Befriedigung zwischendurch, bietet kleinen Betrieben nämlich „ein großes Paket“ an:

Weltweit (!) können sich Unternehmen dafür bewerben, solange diese weniger als 100 Mitarbeitende haben. 1.000 Businesses werden ausgewählt und erhalten kostenfreie Werbeschaltungen, die zudem von der Pornhub Agentur Officer & Gentleman ebenso kostenfrei gestaltet werden.

Ok, warum sollte man als aufstrebende kleine Firma nun ausgerechnet auf Pornhub werben? Simple Antwort: Reichweite. Laut Pornhub besuchen 120 Millionen „unique visitors“ die Seite täglich. Pornhub verspricht, insgesamt 1 Milliarde Page-Impressions zu verschenken.

Porno ist ja zwischenzeitlich gesellschaftsfähig und Mainstream geworden – und hat nichts mehr mit den schmuddeligen Bahnhof-Kinos zu tun, in die sich früher Männer mit hochgestellten Mantelkrägen hineingeschlichen haben. Alle Altersklassen, alle Geschlechter, alle Bildungsgrade tummeln sich auf den xxx-Seiten. Und die zehn ausgewählten Beispiele im Video zeigen ja auch, dass die Betreiber*innen sich nie vorstellen konnten, je auf einer Pornoseite zu werden, es ihrem Geschäft aber durchaus einen kleinen Turbo gebracht hat.

Natürlich ist dies auch ein cleverer Marketing-Stunt von Pornhub, um damit das eigene Werbegeschäft zu promoten. Kreativ waren sie schon immer, ob sie nun Familienspots zu Weihnachten produzierten, Gutscheine für den Valentinstag verschenkten oder einfallslosen Kindern bei der Wahl des Muttertagsgeschenkes halfen:

Einfacher war es jedenfalls nie für kleine Unternehmen, kostenfrei eine hohe Reichweite zu bekommen. Also bewerbt euch und mit etwas Glück sprechen auch eure Neukunden euch demnächst mit „Ich hab da ihre Anzeige bei Pornhub gesehen“ an….

Das bisschen Werbung macht sich doch von selbst, sagt mein Chef…

Der schlimmste Satz lautet in allen Unternehmen gleich: „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Dicht gefolgt von: „Das bisschen Marketing macht bei uns der Chef mit“. Warum das zu kurz gedacht ist, habe ich im radioeins-Interview mit den Herren von „Zweiaufeins“ erörtert:

Wie im Interview erzählt, gibt es immer die Möglichkeit, Botschaften in die Köpfe der Konsumenten reinzuhämmern – wenn man das entsprechende Budget dafür zu Verfügung hat. Wenn nicht, dann heißt es: „Auffallen um jeden Preis!“. Aber ob ich beim nächsten Mal, wenn ich „Gas, Wasser, Scheiße“ denke, mich automatisch an Werner Harm erinnern werde….ich bezweifle es.

Neudeutsch gesprochen ist es in diesem Beispiel jedoch schon einmal gelungen, „Content“ zu schaffen, denn natürlich habe ich das Bild auf allen meinen sozialen Kanälen geteilt und Herrn Harm damit mehr Kontakte beschert, als er vielleicht auf klassische Weise erreicht hätte.

Im Marketing verschieben sich die Schwerpunkte: Es geht heute nicht mehr darum, mit langweiligen Werbebotschaften den Menschen auf die Nerven zu gehen, sondern stattdessen diese lieber quasi magisch anzuziehen, in dem man ihnen an möglichst vielen Kontaktpunkten spannende Inhalte anbietet. Inbound-Marketing wird das genannt und soll die neue Allzweckwaffe gegen Werbemüdigkeit sein (meine Skepsis schimmert hier etwas durch…).

Aber im Grunde mache ich hier nicht anderes: Mit dem radioeins-Interview habe ich unterhaltsamen Content geschaffen, den ich hier im Blog noch einmal aufbereite. Und natürlich poste ich dieses Blogbeitrag bei Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing und Instagram und multipliziere so den Content – wie seid ihr zu diesem Post gekommen?

Und wenn jetzt irgendwann mal jemand einen Workshop, Vortrag oder einen Dozenten zum Thema „Inbound-Marketing“ sucht – bei Google beispielsweise -, dann findet er/sie diesen Blogbeitrag und nimmt mit mir Kontakt auf und bucht mich.

Doch das ist natürlich noch nicht alles, den zum Inbound Marketing gehören auch Themen wie Suchmaschinen-Optimierung und -Werbung, Whitepaper, Podcasting, PR, Webinare und vieles mehr dazu.

Wer sich für dieses Thema interessiert – kann natürlich Kontakt mit mir aufnehmen – oder aber einen Blick auf das Angebot der XU-Group werfen, denn für diese habe ich gerade zwei Learning Journeys zu den Themen „Inbound Marketing“ und „Paid Media“ entwickelt und kuratiert mit einem Umfang von jeweils 160 Stunden.

Es ist also komplex – und weit mehr als nur „ein bisschen Werbung“. Natürlich sollte der Chef wissen, was in seinem Marketing passiert, aber alles alleine machen….?!

P.S.

Auch den Titel dieses Posts habe ich einem Song-Klassiker entlehnt, den die „alten Säcke“ unter uns noch kennen – für alle anderen hier noch das Original:

How I never met your mother

Viele Branchen sind von der Corona-Krise hart gebeutelt, so auch die Gastronomie. Gemütlichkeit und schöne Atmosphäre mögen angesichts der Hygiene-Auflagen nicht aufkommen, so dass nach wie vor Take-away und Home-Cooking angesagt sind. Doch:

Bei uns sind nicht nur Menschen zu Gast, sondern auch Innovation und Austausch, Trends und Tradition, Kultur und Politik.

schreiben die Initiatoren des „Leaders Club“ und deshalb versuchen sie, mit der Kampagne #ohnegastokeinhappyend auch darauf aufmerksam zu machen, welch wichtige Rolle Cafés, Bars und Restaurants in unseren Lieblingsfilmen und -serien spielen.

Auf der Website finden sich alle Motive zum Download  und zur Weiterverbreitung, in Hamburg hängen die Motive dank der freundlichen Unterstützung der Wall AG auch in der Öffentlichkeit.

Und in der Tat: Was wäre „Friends“ ohne das Central Perk?

Ein gelungener Ansatz, mit viel Kreativität aufzuzeigen, dass Orte, an denen wir uns treffen, um gemeinsam zu speisen, so viel mehr sind als nur Essen und Trinken:

Wir sind Zuflucht, Treffpunkt, Wohnzimmer und Speisekammer. Wir begleiten Menschen ihr ganzes Leben. (…)

Wir sorgen dafür, dass unsere Zunge Augen macht. Bei uns schmeckt, fühlt, riecht, sieht und hört man sich einmal um die Welt.

führt der Leaders Club aus. Und vielleicht ist dieser Ansatz auch eine Vorlage für andere Branchen? Wo hätte Bastian Balthasar Bux die unendliche Geschichte mitnehmen können, wenn die Buchhandlung geschlossen gewesen wäre? Und wohin hätte Tony Lip im „Green Book“ den Pianisten Don Shirley gefahren, wenn keine Konzerte mehr stattgefunden hätten? Und auch der „Little Shop of Horrors“ funktioniert nur schlecht, wenn der Amazon-Bote Audrey II nach Hause bringt…

Events, kleine Geschäfte, Buchläden, Reisen sind so viel mehr als nur die wirtschaftlichen Aspekte, die momentan im Vordergrund stehen mögen. Aber diese Aspekte sind für viele Menschen abstrakt. Doch wenn man Mneschen erreichen, berühren und aufrütteln möchten, dann muss man konkreter werden. Der Leaders Club geht meiner Meinung nach hier einen Schritt in die richtige Richtung. Dringend zur Nachahmung empfohlen!

 

 

Wenn bei Genua die rote Sonne hinter der Akropolis versinkt…

Manchmal werde ich ja das Gefühl nicht los, dass einige Marketing-Abteilungen ihre Kunden für komplett blöde halten, so z.B. Barilla.

 

Zappe ich doch neulich entspannt durch die Werbeblöcke und entdecke folgenden Spot:

Basilikum, Parmesan, Pesto alla Genovese – doch halt, was läuft denn da im Hintergrund? Ein Sirtaki?? Ein Tanz in der Tradition griechischer Volkstänze? Das nenne ich mal Beliebigkeit.

Nun könnte man ja argumentieren, dass im vereinten Europa das alles egal ist und irgendwie Mittelmeerraum eben Mittelmeerraum sei. Hauptsache, es klingt nach Urlaub. Und schließlich gab es in der Antike auch griechische Kolonien auf dem italienischen Festland und Sizilien (gut, bis nach Genua sind sie nie gekommen, aber egal…). Aber warum nennt man das Pesto dann nicht gleich „mediterraneo“? Die betreuende Agentur sitzt wohl in Amsterdam, bei der Entfernung kann man schon mal etwas verwechseln, aber hat denn bei Barilla niemand diesen Spot abgenommen?

Wie man es dreht und wendet, es stimmt vorne wie hinten nicht. Und ich finde es ärgerlich. Denn wenn beim Spot schon geschummelt wird, dann möchte ich gar nicht wissen, was beim Produkt alles nicht ganz „sauber“ ist. Nebenbei bemerkt, kann man sich sein Pesto auch ganz leicht selbst machen – und es gibt übrigens auch sehr schöne traditionelle Musik aus Genua:

Billie, Billie don’t you lose my number…

„Kunde droht mit Anruf“, ist ja immer noch ein gern gemachter Scherz in manchen Büros, gemacht oftmals von dem leicht feisten Kollegen mit den Diddl-Socken. Tatsächlich lässt sich an der Kunden-Hotline bestens ablesen, wie viel wir dem Unternehmen wirklich wert sind und wie ernst man uns nimmt.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bereich Mobilfunk: Bei Anbieter 1 sprach ich immerhin mit Menschen, allerdings weiß ich bis heute nicht, wo die eigentlich saßen und ob sie meiner Sprache überhaupt mächtig waren, denn anscheinend lasen sie nur ab, was auf dem Monitor vor ihnen stand. Auf meine Rückfragen konnten sie nicht antworten, so dass das Gespräch leider erfolglos beendet wurde. Aber mir wurden wiederholt irgendwelche Gigabyte angeboten, die ich weder brauchte noch wollte.

Bei Anbieter Nummer 2 sprechen nur noch die Chatbots – und damit es nicht zu eintönig wird, gibt es eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber auch die haben mir bei meinem Problem nicht helfen können. Ich rief dann übrigens direkt bei dem Shop an, wo ich tags zuvor das sündhaft teure Handy gekauft hatte, das nun Probleme bereitete, aber auch dort gelangte ich – egal zu welcher Zeit – nach 2x Klingeln direkt zum Anrufbeantworter.

Ich glaube, von diesen Geschichten hat jeder welche auf Lager. Wenn man ein Problem hat, dann soll man bloß nicht anrufen, denn im Zweifelsfall gibt es bereits bei YouTube ein Video dazu.

Wie un-end-lich dumm und kundenunfreundlich. Es geht nämlich auch ganz anders:

Taika cans with telephone number on it

Taika, finnisch für Magie, bringt Kaffee in Dosen auf den Markt. Das besondere sind hier die beigefügten Adaptogene, biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Doch es geht mir gar nicht um das Produkt. Sondern um die nicht sehr unauffällig platzierte Telefonnummer auf den Dosen.

Kalle Freese, einer der Gründer, erklärte dies im Interview:

This is the perfect example of the “wow” experience I love to create for my customers. (…) With Taika, we’re building the version 3.0 of what I call “scalable hospitality:” leveraging technology to accentuate the product experience and enable our customers to connect with the brand in a fun and accessible way.

In the beginning, I put my personal number on the cans so people could text us feedback and order more. It worked so well that we decided to put the number front and center. We’ve had some hilarious philosophical discussions with people trying to figure out whether they’re talking to a bot or a human. It’s fun and weird—a pretty good substitute for not being able to go to your local coffee shop right now.

(Quelle)

Jetzt könnte man meinen, das sei ja nur ein kleiner Gag, aber an anderer Stelle berichteten die Gründer, dass diese direkte Erfahrung, die die Kunden mit der Marke machen, nicht nur die Bindung erhöht, sondern auch eine hervorragende Form der Marktforschung ist und sie viele Interessenten, die sich nur mal „just for fun“ gemeldet hatten, nach 15 – 20 Textnachrichten zum bestellenden Kunden verwandelten.“Ruf! Mich! An!“ funktioniert also auch, wenn man seine Kunden nicht anschreit und mit der Peitsche bedroht…

Man muss eben nur zuhören und seine Kunden als Impulsgeber verstehen – und schon bekommt der Begriff „Kundenwert“ eine ganz neue Bedeutung! Es liegt an der grundsätzlichen Philosophie hinter dem Produkt, denn die Ausgangsfrage der Gründer lautete: „Wie fühlst du dich, wenn du Kaffee trinkst?“. Das führt zu ganz unterschiedlichen Aspekten, denn der eine Kaffee morgens soll uns wach (und ansprechbar) machen, der Kaffee am Nachmittag uns entspannen und der Espresso nach dem Essen soll das Völlegefühl nehmen.

James Hoffmann, einer der Investoren, nennt diesen Ansatz: „Coffee as a destination“

Ok, um ehrlich zu sein, der Kundenwert funktioniert natürlich auch bei Taika (folgt ihnen auf Instagram!) noch im ganz klassischen Sinne, denn eine Dose kostet 5 – 6 $….

Als ich diesen Preis das ersten Mal las, brauchte mein schwaches Herz erst einmal einen frisch gebrühten Kaffee – ganz ohne Adaptogene.

Abschließend für alle diejenigen, die sich an den tollen, titelgebenden Song von Phil Collins aus dem Jahre 1985 nicht erinnern können, hier noch zum Abschluß – vielleicht als Begleitung zum Heißgetränk –  das *räusper* epische Musik-Video: