Alles hat ein Ende, nur der Ladenschluss hat zwei…drei….viele!

Jetzt ist aber Schluss mit lustig – denn die Herren von „Zweiaufeins“ entschwinden pünktlich zum Ferienbeginn in die wohlverdiente Sommerpause. Heute ist nun die letzte Sendung vor den Ferien, „Schluss“ ist das Thema und ich bin ins radioeins-Studio geladen, um ein wenig über den „Ladenschluss“ zu parlieren:

Im Deutschland des 19. Jahrhundert waren die Geschäfte in der Regel an sieben Tagen in der Woche geöffnet – und das von 5 – 23 Uhr. Die Geschäfte wurden oftmals von der Familie geführt, Ladenraum und Wohnraum waren kombiniert, häufig zudem zusammen mit der Produktion (die gute alte Backstube). Ende des 19. Jahrhunderts eröffneten die ersten Warenhäuser in Deutschland, Wohnen, Produzieren und Verkaufen war nicht mehr unter einem Dach und in Familienhand, sondern nun gab es eine wachsende Zahl von angestellten Verkäufern – und die galt es zu schützen. So wurde bereits 1891 zunächst geregelt, dass sonntags nur noch 5 Stunden verkauft werden darf. Das erste „Ladenschlussgesetz“ trat im Jahre 1900 in Kraft: Geschäfte durften werktags nur noch von 5 bis 21 Uhr öffnen, die Sonntagsruhe wurde gewahrt und für die jüdischen Geschäftsinhaber auf den Samstag erweitert.

Nach und nach verkürzten sich die Ladenöffnungszeiten weiter, mal auf freiwilliger Absprache mit den Städten und Gemeinden, mal gesetzlich geregelt: So einigte man sich erst auf einen Ladenschluss werktags um 20 Uhr, dann wurden die Öffnungszeiten auf 7 bis 19 Uhr festgelegt und die Nationalsozialisten setzten dann 18.30h als Ladenschluss fest.

Ausnahmen gab es jedoch schon immer: Für Lebensmittelgeschäfte, Kioske, Bäckereien Tankstellen, Bahnhofsgeschäfte, Apotheken und Gaststätten konnten Sonderregelungen vereinbart werden. Seit 1957 galt: Geschäfte dürfen montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr und samstags bis 14 Uhr geöffnet sein. Schon damals gab es den „langen Samstag“; am ersten Sonnabend in einem Monat durften die Geschäfte bis 18.00h offen bleiben.

1989 wurde dann der„lange Donnerstag“ eingeführt, Läden durften an diesem Tag bis 20.30h verkaufen. Lange wurde um diesen „Dienstleistungsabend“ politisch gestritten, der so genannt wurde, weil auch Behörden und Dienstleister wie Banken länger arbeiten sollten. Die Verbraucher nahmen aber diesen langen Donnerstag dankbar an.

Nach und nach wurden die Öffnungszeiten weiter liberalisiert, der „lange Donnerstag“ entfiel, da an jedem Tag bis 20.00h geöffnet sein durfte, dann kam der Samstag noch hinzu und nun dürfen Geschäfte werktags von 6 bis 20 Uhr ihre Waren anbieten und verkaufen. Sonn- und feiertags bleiben die Läden geschlossen. Natürlich gibt es auch weiterhin Sonderregelungen für Bäckereien, Geschäfte in Bahnhöfen, Flughäfen und in bestimmten Urlaubsregionen wie Kurorte. Die Ladenöffnungszeiten sind zudem nun Ländersache, d.h. jedes Bundesland kann selbst entscheiden, welche Ausnahmen es zulässt, z.B. Sonderöffnungszeiten zu Messen, Märkten, Großveranstaltungen, usw. Ging es früher noch um den Schutz der Arbeitnehmer (der zwischenzeitlich gesetzlich gesondert geregelt ist), so gerät heute immer stärker der Aspekt des Anwohnerschutzes,  insbesondere vor der Lärmbelästigung bei Anlieferung oder durch die Kunden in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Ebenso wurden europaweit die Ladungsöffnungszeiten dereguliert, so gibt es in Tschechien kein Ladenschlussgesetz, in England gibt es werktags keine Beschränkungen, dafür aber sonntags besondere Regeln: Märkte mit mehr als 280 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen lediglich für sechs Stunden öffnen, und um 18 Uhr muss Schluss sein. Kleinere Läden dürfen auch sonntags rund um die Uhr verkaufen.In Österreich wird der Ladenschluss etwas strenger gehandhabt.

„Öffnungszeiten 24/7“ (24 Stunden, 7 Tage die Woche) sind weltweit zur Normalität geworden: Ob in China, Brasilien oder den USA, überall können zumindest kleine Anbieter ihre Waren rund um die Uhr anbieten. Oftmals sind diese Läden wieder Familienbetriebe, geführt von Immigranten und Zuwanderern, die sich damit etablieren und einen Lebensunterhalt schaffen, in dem sie es den wachsenden und lang arbeitenden Mittelschichten ermöglichen, zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren zu können.

Und wir hier in Berlin? Wir haben unsere Spätis! Doch auch diese sind unter Druck geraten, was die Öffnungszeiten angeht, wie ihr in diesem makketing-Beitrag nachlesen und -hören könnt.

 

 

 

So sehen Gewinner aus!

Da plant man nichtsahnend im Winter ein langes Wochenende in Wien und findet sich dann unvermittelt in der Hölle der Vengaboys wieder: Whoah! We’re going to…..

…Ibiza!

Und natürlich gibt es heutzutage nichts mehr, was nicht werbemäßig ausgeschlachtet werden könnte…zum Beispiel dieses „beste Gewinnspiel“

Erleben Sie zwei aufregende Tage und Nächte (28.– 30. Mai) in der Location, die als Kulisse für den größten Skandal der jüngeren innenpolitischen Geschichte diente.

ÖSTERREICH und oe24.at fliegen Sie und eine Begleitperson nach Ibiza (Teilnahme siehe Kasten). Dort wohnen Sie in dem derzeit berühmtesten Luxus-­Anwesen der Insel. Das Wohnzimmer mit dem Sofa, auf dem Strache in der feuchtfröhlichen Nacht saß, als er sich um seine Karriere redete, steht ­Ihnen zwei Tage lang zur exklusiven Verfügung.

Natürlich auch inkludiert: vier Schlafzimmer, vier Bäder, ­eigenes Gästehaus (2 Schlafzimmer) und ein Traum-Pool. ­Alles eingebettet in die ma­lerische Landschaft in den ­Hügeln der Mittelmeer-Insel.

In den nächsten Wochen ist das Haus völlig ausgebucht, wir konnten für Sie noch die letzten beiden Tage reservieren. (Quelle)

Laut „oe24“ hatten sie bei keinem Gewinnspiel bisher mehr Teilnehmer – und wer möchte nicht am Ort der Geschichte weilen und das Sofa streicheln, das vom Hinterteil der scharfen Oligarchennichte berührt wurde?! Kleiner Tipp für deutsche Sender:

„Besuchen Sie die deutsche Sozialdemokratie, solange es sie noch gibt! Erleben Sie zwei Tage im Willi-Brandt-Haus und spüren Sie den historischen Moment in der Location nach, in der Andrea Nahles rausgemobbt wurde!“

Da geht noch was…

Doch es gibt noch einen weiteren Gewinner des Skandals: Red Bull!

Denn die Zauberkraft des Product Placements wirkt auch, wenn es gar nicht geplant wurde. So meldete die „Kleine Zeitung“:

Alleine die Nennungen in den österreichischen Printmedien innerhalb der ersten Woche nach dem Platzen des Skandals ergab einen Werbewert von 1,32 Millionen Euro, ergab eine Analyse der APA-DeFacto. Nicht berücksichtigt sind dabei audiovisuelle Erwähnungen oder gar die vielen Memes in den sozialen Netzen (Quelle)

Man kann sich ja nicht gegen die Nutzer seines Produktes wehren, aber wenigstens von ihnen profitieren. Und auch bei Sixt reagierte man gewohnt zügig:

Lachen soll eine befreiende Wirkung haben, was nach dem Schock ja ganz hilfreich sein mag. Doch das Lachen bleibt im Halse stecken, wenn man betrachtet, wie schnell die Spin Doktoren das „Re-Framing“ hinbekommen haben, denn es redet kaum noch jemand über die Inhalte des Videos, sondern nur noch über die Frage, wer es gemacht hat, ob die Veröffentlichung rechtmäßig war und es ist jetzt bereits klar, dass der Verlierer zum Gewinner, der Täter zum Opfer wird. Denn wer hat nicht schon mal im Urlaub einen Wodka Red Bull über den Durst getrunken und dann ein bißchen fantasiert? Eben.

Aber wen kümmert’s, wenn man doch glückliche Gewinner präsentieren kann: