Volle Gönnung!

Die Herren von Zweiaufeins gelten ja als gut betucht – um diesen Status zu wahren, senden sie jeden Sonntag eine kluge Radioshow. Und auch heute habe ich meinen Luxuskörper nach Babelsberg geschwungen, um mit meiner Eloquenz zu protzen. Und schon sind die Themen des heutigen radioeins-Gespräches in einem Satz untergebracht…

„Tuch“ war das Thema heute und wir haben uns gefragt, warum manche gut betuchten Leute viel Geld für Luxus-Objekte ausgeben. Nachzuhören ist dies wie immer demnächst hier.

Jedes Produkt, das wir erwerben und bezahlen, gibt uns einen Gegenwert: den Material- und Aufwandswert, den Gebrauchswert und einen ideellen Wert, oftmals repräsentiert durch die Marke. Diese Werte sind eng miteinander verwoben, so dass wir als Verbraucher meistens gar nicht exakt trennen und erklären können, warum wir etwas erworben haben.

Als Luxus-Produkte werden nun Dinge verstanden, bei denen im Aufwand der Herstellung und in der Verwendung von Ressourcen (wie Zeit, Material) mehr verbraucht wird, als notwendig ist. Überspitzt gesagt also Gegenstände, die in Produktion, Besitz und Aufwand überflüssig sind. Was man nicht unbedingt sofort mit Verschwendung gleichsetzen sollte. Luxus unterlag historisch betrachtet lange Zeit strikten Regeln, einem Code, der von Standes- und Klassenverhältnissen geprägt war. Er folgte einer Reihe von geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen wie Kleiderordnungen, Tischsitten und zeremoniellen Vorschriften.

Doch wer definiert das, wer legt das fest, was „überflüssig“ ist? Wenn wir uns etwas Luxuriöses gönnen, dann kann das von außen als Verschwendung betrachtet werden, wir aber haben das Produkt gekauft, weil es ein Wohlbefinden bei uns auslöst. Jeder entscheidet also für sich selbst, was Luxus ist, denn Luxus wird zur Selbstdarstellung (Status)  wie auch zur Selbsterfahrung genutzt.  Kaufen wir den teuren Pulli, weil er sich so schön weich anfühlt oder damit die anderen an der Marke sehen können, was ich mir leisten kann?

Konsum macht Menschen immer dann am glücklichsten, wenn der Kauf verspricht, dass man hinterher ein anderer Mensch ist. Und das will natürlich gezeigt werden – über Statussymbole. Doch das Darstellen dieser Symbole wird immer häufiger als Protzen verstanden (was natürlich immer nur die anderen machen…) Protz, das ist die soziale Darstellung von Luxus.Dicke Uhren, große Autos, das goldene Feuerzeug,  teure, häßliche Klamotten – das waren die Statussymbole von vorgestern: Teure Küchen, exklusive Messer, das limitierte Olivenöl, das waren Statussymbole von gestern. Im Moment liegt das Nicht-Zeigen im Trend: Stealth Wealth (getarnter Wohlstand) bzw. „inconspicuous consumption“ (unauffälliger Konsum). Die alten Statussymbole sind nichts mehr wert, wenn Aldi monatlich eine Gourmet-Woche ausruft oder man sich den Porsche auch leasen oder leihen kann.Die alten Statussymbole haben ihre Exklusivität verloren: die Verknappung. Die Exklusivität, die uns in der Werbung versprochen wird, ist natürlich eine Illusion. Was sich alle leisten können, ist kein Merkmal mehr zur Abgrenzung und zur Unterscheidung. Wo Überfluss Standard ist, wird freiwillige Einschränkung  und Understatement sexy, man schmückt sich mit dem, was man nicht hat:  kein Marken-Logo, keine Erreichbarkeit, kein Facebook-Account, keine bösen Industrie-Produkte im Kühlschrank.

Luxus wird scheinbar immateriell: die meisten Menschen geben heute an, dass Zeit zu haben für sie der größte Luxus wäre. Auch Gesundheit, Bildung, und „Self-Care“, also Achtsamkeit für sich selbst, werden als neue Statussymbole hoch gehalten. Cocooning, der Rückzug in die eigene Wohnhöhle, Gemütlichkeit… doch auch all die kleinen und größeren Anschaffungen zum hygge-Feeling dienen als Unterscheidungsmerkmal, als Statussymbol ( „ich bin entspannter als du!“)  und letztendlich lässt sich damit dann auch wieder sehr gut Geld verdienen….

Die Zukunft des Luxus könnte im Vermeiden liegen: Minimalismus und Unsichtbarkeit statt Protzen und Aufdrängen. Bis es aber soweit ist, kaufe ich mir noch schnell eine fette Blingbling-Goldkette….

 

 

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