Nicht mehr alle heißen Tassen im Schrank…

Selbst im fernen Sauerland bin ich immer erreichbar für die Fragen und Nöte des „Zweiaufeins„-Teams – und diesmal trieb sie die Frage um, ob in der heissen Tasse mehr drin ist als nur heisse Marketing-Luft. Das radioeins-Interview kann hier nachgehört werden:

Ein bißchen mehr als Luft ist schon in den Tütensuppen zu finden: Kartoffelstärke für die Sämigkeit, billige Süßungsmittel wie Maisfruktose, Anti-Klumpmittel, Phosphate, zu viel Salz, viele, viele Kalorien… viel interessanter ist jedoch, was in diesen „ready-to-heat“-Mahlzeiten nicht zu finden ist: Vitamine, Mineralstoffe oder irgendetwas Nahrhaftes. Selbst die auf der Tüte oder Tasse abgebildeten Bestandteile sind nur in winzigen Spuren vorhanden: Champignoncreme enthält nur 0,6 gr Pilzextrakt, Rindfleischsuppe nur 0,3 gr Rindfleischextrakt – und Extrakte sind letztendlich nichts anderes als billig herzustellende Aromastoffe.

Wie zum Beispiel bei Hefe-, aber auch Soja- oder Weizenextrakten handelt es sich hierbei um die löslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Zellen und diese Extrakte bilden die Grundlage der wahrgenommenen Aromen. Sie enthalten viel natürliches Glutamat (wie zum Beispiel auch Parmesan oder Pilze), das im Mund das Umami-Geschmacksgefühl auslöst, aber eben auch im Verdacht steht, unsere Sättigungsbremse auszuhebeln und somit die Appetitregulation zu verändern. Diese Aromastoffe gauklen unserem Körper vor, etwas Gesundes zu essen, obwohl er eigentlich nur nicht verwertbaren Müll bekommt.

Das Tolle (für die Food-Industrie) ist jedoch, dass das natürliche Glutamat laut der deutschen Zusatzstoff-Zulassungsverordnung eben kein Zusatzstoff, sondern eine Zutat, also ein Lebensmittelbestandteil ist – und daher nicht gesondert ausgewiesen werden muss (im Gegensatz zu künstlichem Glutamat) Und somit können die Hersteller nun frank und frei damit werben, dass ihre Produkte „natürlich ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“ oder „ohne künstliche Geschmacksverstärker“ angerührt wurden. Das macht sich natürlich gut auf den Verpackungen, auf denen wir auch keine E-Stoffe mehr zu lesen bekommen, denn diese schrecken den Verbraucher ab. Im Zuge des „Clean Labeling“ werden diese Zutaten nun ausgeschrieben, denn „Zitronensäure“, „Milchzucker“ und „Weizenextrakt“ klingen gleich viel besser.

Doch was will man als Konsument auch anderes erwarten bei einem Preis von 0,89 € für 3 Teller Steinpilzsuppe? Und selbst bei diesen Preisen wäre selbstgemacht immer noch billiger, schmackhafter und gesünder, wie die Verbraucherzentrale Hamburg nachweist.

Aber Schnelligkeit und Bequemlichkeit und die leckeren, leckeren Aromastoffe sind eben unwiderstehliche Argumente….