Lassen Sie mich durch, ich bin Art!

Kunst und Marketing, Marketing und Kunst, diese zwei Begriffe gehören untrennbar zueinander. Und da die Herren von „Zweiaufeins“ live von der Ausstellung „The Art of Bansky“ senden, wurde ich eingeladen, diesen Zusammenhang einmal kurz zu beleuchten:

Das Thema ist unerschöpflich: Kunst hatte schon immer einen hohen Symbol- und somit auch Statuswert. Schon früh gehörte es quasi zum guten Ton, von den erfolgreichen Feldzügen auch Beutekunst mitzubringen: Ein bekanntes Beispiel sind hier die vier Pferde auf der Loggia des Markusdoms in Venedig, die nach der Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1204 montiert wurden. Neben der Kirche wurden zunächst die Königs- und Fürstenhäuser Auftraggeber der Künstler, gefolgt von den aufstrebenden Kaufleuten und dem Bürgertum. Und wenn es um Geld geht, dann ist das Marketing und die Frage, wie vermarkte ich mich als Künstler am besten, nicht mehr weit. Die Vorstellung dabei, dass ein Künstler jemand ist, der quasi eine genialische Eingebung umsetzt und auch sonst außerordentlich schöpferisch tätig ist, entspringt der Romantik. Zuvor waren insbesondere bildende Künstler in erster Linie Handwerker.

Als ein Beispiel dafür seien Lukas Cranach der Ältere und auch der Jüngere, sein Sohn genannt. Lucas Cranach der Ältere wurde 1472 geboren und war Inhaber einer Apotheke, eines Weinausschanks und einer Druckpresse, zudem auch Ratsherr und Bürgermeister von Wittenberg. Ihm gehören die prächtigsten Wohnhäuser direkt am Marktplatz. Berühmt war er jedoch vor allen Dingen als Maler, der seine Bilder an zahlreiche Höfe Europas lieferte. Cranach signierte diese mit seinem Markenzeichen, einer geflügelten Schlange, ein Signet, das ihm Friedrich der Weise verliehen hatte, als er Cranach 1505 zum Hofmaler bestellte.

Zusammen mit seinem Sohn betrieb er eine Art „Turbo-Werkstatt“: Mindestens 5.000 Bilder erschafften Vater und Sohn, von denen rund 1.500 heute noch erhalten sind. Damit sie alle fünf bis sechs Tage ein Bild fertigstellen konnten, zeichneten die Cranachs nur noch vor, was ihre Gesellen dann ausmalten. Für ihre „Bestseller“, wie die Quellnymphe, fertigten sie Schablonen zur schnelleren Bearbeitung.

Die Cranachs verhielten sich damals so wie heute die Star-Architekten oder -Fotografen: Sie wollten maximalen Output, arbeiten effizient und gewinnorientiert. Eine Vielzahl von Mitarbeitern setzten um, was die Meister sich ausdachten, immer darauf bedacht, die Marke „Cranach“ zu stärken. Ein weiterer ihrer „Bestseller“ prägt unser Bild von ihm bis heute: Martin Luther. Über 130 Mal porträtierten ihn die Cranachs, auch im kleinen, günstigen Format und vor allen Dingen auf Vorrat, denn sie verkauften die Luther-Bilder auch auf Messen und in ihrem eigenen Buchladen.

Ein weiteres Vermarktungsgenie war Albrecht Dürer. Er war der vielleicht erste Dandy in der Kunstgeschichte. 1471 geboren, verstand er es wie kaum ein Zweiter vor ihm, dass zum Künstlerberuf auch die Selbstinszenierung gehörte. Schon als 13jähriger skizzierte er sich zum ersten Mal, später dann malte er sich als entrückt Liebender oder als eleganten Patrizier. Dann drehte er sich die Haare auf Lockenwickler, kämmte sich  Ponyfransen in die Stirn und feilte sich die Fingernägel. Und malte sich und malte sich und malte sich – in einer Art, wie sie bislang nur Christus-Bildern angemessen war:

Doch Dürer war nicht nur Maler und Grafiker, sondern auch Architekt und Schriftsteller – und sehr klug in seiner Vermarktung, denn seine Selbstbildnisse dienten ihm als Referenzen zur Kundengewinnung. Die Mächtigen und Wohlhabenden in Nürnberg wollte ebenso porträtiert werden wie er sich selbst malte. Nürnberg war eine reiche Stadt und für Dürer der Markt also groß und lukrativ. Und damit der Auftraggeber auch damit prahlen konnte, dass er einen „echten“ Dürer hatte, signierte der Künstler alle seine Bilder mit seinem Namen, bzw. genauer: mit seinem Logo.

Dürer hat als einer der ersten Künstler sein Monogramm wie ein Logo benutzt und somit die Marke Dürer bis zum heutigen Tage erfolgreich gemacht.

Was damals begann, lässt sich bis heute fortsetzen: Künstler sind Marken, sie vermarkten sich und suchen die (mediale) Aufmerksamkeit, um so auch ihren Marktwert hochzutreiben. Ob man einen Schädel mit 8.601 Diamanten besetzt, um ihn dann für fast 75 Millionen Euro zu verkaufen, wie Damien Hirst:

oder ob man mit seiner Graffiti-Kunst und dem Gehemnis um seine Person nicht nur einen mediengerechten Hype produziert, sondern gleichzeitig eine Steilvorlage für die Marketing-Manager dieser Welt gibt, die jetzt alle über Guerilla-Strategien a la Bansky nachdenken. Dass dieser sich dann mit seinem Ex-Manager über die Vermarktung seiner Werke streitet, ist nur ein weiterer Aspekt in dieser genialen Marketing-Strategie, die sich heute Kunst nennt….

 

 

 

 

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