Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä – Hauptsache: Geschenke!!!!

Auch am heiligsten aller heiligen Sonntage führt mich mein Weg ins romantische Potsdam-Babelsberg zum „radioeins„-Studio, um dort mit den Jungs von „Zweiaufeins“ ein wenig über Geschenke, Marketing und Weihnachten zu plauschen:

Jedes Jahr das gleiche Bild: Kaum ist der Totensonntag vorbei, startet die vorweihnachtliche Schlacht um den Konsumenten, besser gesagt, um seine Euros. Und jedes Jahr kommt es uns so vor, als würde es immer noch mehr, noch lauter und noch bunter….

Aber wieso schenken wir uns überhaupt etwas zu Weihnachten? Dazu gibt es die verschiedensten Erklärungsansätze: So hat uns Gott ja quasi seinen Sohn an Weihnachten geschenkt, was den Menschen Anlass genug sein sollte, ebenso Gaben zu verteilen. Auch die heiligen drei Könige brachten Geschenke (Weihrauch, Gold und Myrrhe) für das Christkind mit, weshalb in manchen Ländern erst am 6. Januar die Geschenke übergeben werden. Historisch betrachtet wurde hier von den Christen ein heidnischer Brauch übernommen: Die alten Römer feierten zum Jahresende die Saturnalien, an denen die Reichen den Armen gute Gaben schenkten, auch um den eigenen Wohlstand zu demonstrieren. So sammeln Christen am 17. Dezember, dem Lazarus-Tag, Essen, Kleidung und andere lebensnotwendige Dinge, damit diese dann zu Weihnachten an Bedürftige verschenkt werden können.

Im Mittelalter rückten die Kinder in den Mittelpunkt des Schenkens: Zunächst erhielten sie am 28. Dezember Gaben zum „Fest der unschuldigen Kinder“, dann verlagerte sich dies jedoch auf den 6. Dezember (St. Nikolaus) für die Jungs und auf den 13. Dezember für Mädchen (St. Lucia). Es war Luther, der sich daran störte, denn im protestantischen Glauben war kein Platz für Heilige als Mittler zwischen Mensch und Gott. Und so setzte er den Anspruch, dass die Geschenke am 24.12., zur Geburt des Heiligen Christus, zu übergeben seien, wie auch hier im Clip erklärt wird:

Erst im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten dann „bürgerlich“ und als Fest für die ganze Familie verstanden, was dazu führte, dass die Zahl der Beschenkten und der Geschenke merklich anwuchs:

Und so sagt der HDE, der Handelsverband Deutschland, auch dieses Jahr wieder einen neuen Rekord für den Einzelhandel voraus: 94,5 Milliarden Euro sollen umgesetzt werden, was 466,- € pro Kopf entspricht. Doch nicht alle Beteiligten profitieren in gleicher Weise davon, denn von dem Gesamtplus von 3% im Handel wird der Online-Handel mit 10% erwartetem Umsatzplus der größere Gewinner sein. 51% der Deutschen gaben einer Umfrage zufolge an, dieses Jahr ihre Geschenke ausschließlich online einzukaufen. Der stationäre Handel muss sich also etwas einfallen lassen – und das führt genau zu dem oben beschriebenen Weihnachtsoverkill: noch mehr Event, mehr Clowns, mehr Livemusik, mehr Modenschauen….. Und mit noch mehr Gedöns werden dann weitere Kunden aus den Städten vor die Rechner getrieben, denn mir geht beispielsweise dieser Rummel so auf die Nerven, dass auch ich immer mehr online bestelle. Ein Teufelskreislauf also?

Könnte der Handel nicht einfach auf das rummelige Weihnachtsgeschäft verzichten? Wohl kaum, denn fast 20% des Jahresumsatz werden in den Adventswochen erzielt – durchschnittlich. Manche Branchen wie Spielwaren, Bücher, Unterhaltungseletronik, Uhren machen zwischen 25 – 40% ihres Gesamtumsatzes in diesem Zeitraum, ein Wegbrechen des Weihnachtsgeschäftes wäre also katastrophal. Eher wird versucht, die Einkaufszeit zu verlängern, um noch mehr Umsatz zu machen, z.B. mit dem „Black Friday“ und dem „Cyber Monday“. 1,7 Milliarden Euro Umsatz haben den deutschen Einzelhändlern diese beiden Tage im letzten Jahr beschert – und damit war der „Black Friday“ 2016 der drittstärkste Umsatztag im Weihnachtsgeschäft nach dem 12. und dem 19.12.

Der Geschenke-Wahnsinn wird also vermutlich immer so weiter gehen, denn der Kreativität des Handels sind keine Grenzen gesetzt. Zu wichtig sind die Einnahmen aus den letzten Wochen des Jahres, als dass man auf diese verzichten könnte.

Ich habe ja beschlossen, mich diesem ganzen Stress zu entziehen, Für mich hat Weihnachten nichts mehr mit Konsum zu tun. Ich setze mich heute abend mit meinem Lieblingsessen zu meinem Weihnachtsbaum, den ich passend feierlich geschmückt habe:

In diesem Sinne wünsche ich allen makketing-Freunden: Frohe Weihnachten und:

Bevor es zu spät ist: Support your local Späti!

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? – das könnte man sich am 3. Advent glatt fragen, wenn man noch kein einziges Weihnachtsgeschenk hat… „Spät“ ist jedoch das Thema der heutigen „Zweiaufeins„-Sendung und aus diesem Anlass widme ich mich einer bedrohten Spezies, dem Späti:

Spätis sind aus Berlin nicht mehr wegzudenken und als Nahversorger ein wichtiger Bestandteil der Kiez-Kultur. In Berlin gibt es gut 1.000 Spätis, man findet sie jedoch auch in Leipzig, Dresden und vielen anderen ostdeutschen Bundesländern. Denn tatsächlich ist der „Spätverkauf“ ein Überbleibsel der DDR-Zeit, sollten doch die Schichtarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit Lebensmittel wie auch Genußartikel erhalten können. Im Westen Deutschlands gab und gibt es hingegen die „Trinkhallen“, in denen die im Zuge der Industrialisierung rasch anwachsende Zahl an Arbeitern und Arbeiterinnen mit Trinkwasser versorgt wurden. Später kamen dann Bier, Schnaps und Tabak hinzu. Was dem einen sein Späti, ist also dem anderen seine Trinkhalle und dem Rheinländer sein Büdchen….

Was früher „Tante Emma“ war, ist heute „Onkel Ahmed“, denn neben dem Verkauf haben alle diese Läden eine wichtige soziale Funktion: Sie sind Orte des kommunikativen Austausches; man trifft sich, kommt ins Gespräch, pflegt soziale Kontakte und erfährt hier ganz konkrete Nachbarschaftshilfe, wie der folgende arte-Beitrag zeigt:

Doch es droht Ungemach in Form des Berliner Ladenöffnungsgesetzes, hier heißt es nämlich in §4:

(1) An Sonn- und Feiertagen dürfen öffnen:Verkaufsstellen, die für den Bedarf von Touristen ausschließlich Andenken, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiseführer, Tabakwaren, Verbrauchsmaterial für Film- und Fotozwecke, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch sowie Lebens- und Genussmittel zum sofortigen Verzehr anbieten, von 13.00 bis 20.00 Uhr und am 24. Dezember, wenn dieser Tag auf einen Adventssonntag fällt, von 13.00 bis 17.00 Uhr

sowie

Verkaufsstellen, deren Angebot ausschließlich aus einer oder mehreren der Warengruppen Blumen und Pflanzen, Zeitungen und Zeitschriften, Back- und Konditorwaren, Milch und Milcherzeugnisse besteht, von 7.00 bis 16.00 Uhr

also ganz eindeutig Spätis nicht, denn auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist sonntags nicht erlaubt. Gestattet sind also Bedarfsartikel für Touristen, Zeitungen, Andenken, Tabakwaren, Bedarfsartikel für den alsbaldigen Verbrauch (Anti-Mückenspray, Wundpflaster) sowie Lebensmittel und Genussmittel zum sofortigen Verzehr, also Getränke, Süßwaren, Eis, belegte Brötchen, Obst, Konditorwaren und abgepacktes Eis. Nicht erlaubt sind Lebensmittel zur Zubereitung, Tiefkühlwaren, Gerichte in Dosen, sowie Waren zur Vorratshaltung im Haushalt, etwa große Waschmittelpackungen. Und auch wenn manche Spätis diese Waren sonntags mit Decken verhüllen und „unsichtbar“ machen, so verhängt das Ordnungsamt dennoch unerbittlich Bußgelder bis zu 2.500 € (inbesondere in Neukölln).

Für Tankstellen gilt hingegen eine Ausnahmeregelung, wenden sich diese doch an Reisende und die Mitreisenden. Konsequenterweise dürften also Tankstellen ihre Waren nicht an Fußgänger verkaufen (außer er ist deutlich als Wanderer auf der Durchreise zu identifizieren…). Den Spätis wird es also zum Verhängnis, dass sie Nahversorger im Kiez sind und deren Kunden dort wohnen. Und die menschliche Funktion des Spätis ist im Gesetzt nicht vorgesehen. Doch es regt sich Widerstand:

Und auch der Berliner Späti e.V. will den Tankstellen nicht kampflos das Feld überlassen. Wer seinen Späti also liebt, der sollte ihn auch weiterhin unterstützen, und Druck auf die Politik machen, denn die Tankstellen verfügen über eine starke Lobby, denen die Spätis natürlich ein Dorn im Auge sind, wenn es um den Umsatz geht. Rettet euren Späti, denn:

Oh Wunderbaum, oh Wunderbaum, wie grün riecht jetzt der Innenraum…

„Üble Gerüche überdecken“ – auf dieses Thema kam der begnadete Redakteur Dave von 2auf1, als es um den Marketing-Aspekt des Themas „Decke“ gehen sollte. Und so sprach ich nun am Sonntag im radioeins-Studio über das Thema „Wunderbaum“:

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Bäumchen im zweistelligen Millionenbereich  verkauft und man kann die deutsche Bevölkerung getrost einteilen in diejenigen, die den Wunderbaum lieben – und diejenigen, die ihn hassen. Vater des Wunderbaums ist Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker mit deutschen Wurzeln. Dieser forschte über die Gewinnung von Kiefernadelöl und wie es der Zufall (oder die Legende) so wollte, traf er eines Tages den Fahrer eines Milchwagens, der sich über die üblen Gerüche ausgelaufener Milch in seinem Fahrzeug beklagte. Sämann konzentrierte den Kieferduft auf einen Karton und gründete 1952 sein Unternehmen.

Die in den USA „Little Trees“ genannten Bäumchen fanden großen Anklang bei Taxifahrern, die ihren Fahrgästen frischen Duft und eine schöne Dekoration bieten wollten. Mittlerweile erfreuen sich die Geruchsbomben fast weltweit großer Beliebtheit:

Wunderbaum – erfrischt nicht nur die Luft, sondern auch das Herz. Dieser Satz ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern der Claim der Marke.

Von den über 60 Düften, die es mittlerweile gibt, führt in Deutschland mit Abstand „Vanille“ das Feld an, gefolgt von „Sportfrische“ und „Neuwagen“, es gibt aber auch „Cocktail Trees“ in den Geschmacks…ääh…Geruchsrichtungen „Pina Colada“, „Mai Tai“ und „Margarita“ (wonach reicht eigentlich eine Margarita??) oder auch die „Rock Range“, unter anderem mit den Düften „Born to Rock“ und „Wild Child“.

Auf der nach oben offenen Odeur-Skala ist also noch vieles möglich, nur eines sollte man nie: die Folie ganz vom Bäumchen entfernen, denn dann kommt es zum olfaktorischen Overkill. Also immer nur Stückchen für Stückchen runterziehen und tief durchatmen….

Schließen möchte ich jedoch mit diesem sehr sehenswerten Beitrag: Unboxing the Wunderbaum 🙂