FOC me Baby one more time

Ohne Anzüglichkeiten bekommt man in dieser Zeit der knappen Aufmerksamkeit ja gar keine Beachtung mehr… Es geht also um FOC, um Factory Outlet Center, und zu diesem Thema war ich zu Gast bei Zwei auf eins im radioeins-Studio:

Seit wann es Factory Outlets, also den Fabrikverkauf, überhaupt gibt, lässt sich dabei nicht genau feststellen. Schon früh fingen Fabrikbesitzer damit an, unverkaufte Ware oder fehlerhafte Produkte sehr sehr günstig direkt ab Werk zu verkaufen, zunächst nur an die eigenen Mitarbeiter, später dann an alle Interessenten, Günstig war die Ware auch, da bem Kauf ab Werk die Marge wegfällt, die der Händler auf das Produkt aufschlägt. Der Einzelhandel mit seinem ganz eigenen Kostenblock (teure Innenstadtlagen, Personal, Ladenausstattung) wurde und wird also gezielt umgangen. Um es sich mit dem Fachhandel nicht ganz zu verderben, setzen die Hersteller daher auf Produkte „2. Wahl“, also Ware mit kleinen Fehlern oder nicht verkaufte Ware der vorrigen Saison. Da es jedoch die üblichen Saisonphasen nicht mehr gibt und heute bis zu 30 Kollektionen im Jahr herausgebracht werden, gilt in der Regel, dass die Produkte zunächst 3 Monate dem Verkauf durch den Fachhandel vorbehalten bleiben, bevor sie im Outlet-Center angeboten werden.

1974 wurde in Pennsylvania die erste Outlet-Mall errichtet, also der Zusammenschluss mehrerer Fabrikverkäufe an einem Ort. In der Folge entstanden über 325 weitere Outlet-Center in den Vereinigten Staaten. Ab Mitte der 80er Jahre entstanden die ersten FOC dann in Frankreich und Großbritannien, seit Mitte der 90er breiten sich diese auch in Deutschland aus. Heute gibt es bei uns 257 Outlet-Center.

Erstes Outlet-Center in Reading, PA

Mittlerweile gibt es über 13.000 Outlet-Stores allein in den USA und selbstredend werden dort die Produkte in aller Regel auch gar nicht mehr produziert, sondern kommen aus asiatischen Fabriken. Aber die Schnäppchenjäger-Mentalität der Konsumenten hat die Unternehmern schnell reagieren lassen: Es wird geschätzt, dass lediglich 10 – 15% der angebotenen Produkte noch 2.Wahl- oder Second-Season-Ware ist und der Rest extra für die Outlets produziert wird, oftmals auch in minderer Qualität, die den kleinen Preis dann rechtfertigt. Zudem kommt es häufiger vor, dass mit falschen Preisauszeichnungen ein höherer Preisabschlag signalisiert wird, als er tatsächlich stattgefunden hat.

Doch ganz egal, das Konzept funktioniert nach wie vor bestens, so zum Beispiel in Metzingen, einem der bekanntesten Outlet-Center in Deutschland.3,5 Millionen nationale und internationale Kaufwillige (rund 37% kommen aus dem Ausland, weitere 35% reisen bundesweit an) zieht der ursprünglich als Fabrikverkauf von BOSS gestartete FOC-Bereich an, um weitere 10.000 qm soll erweitert werden.

Der Bürgermeister freut sich, bringen doch die Center-Touristen reichlich Steuern ins Geldsäckl (allein in Metzingen fallen 75.000 Übernachtungen im Jahr durch Shopping-Gäste an), aber natürlich ziehen die Outlet-Center den Innenstädten die Kaufkraft ab – Verödung droht. Nicht nur unmittelbar am Outlet-Ort, sondern auch in den Nachbarstädten. So klagten 2014 die Städte Reutlingen und Tübingen gegen die geplante Erweiterung der Outlet-City.

Ganz anders hat es da Bad Münstereifel gemacht, denn hier wurde die gesamte Stadt zum Outlet-Center: Nach dem Ausbleiben der Kurgäste war es wirtschaftlich schlecht bestellt um die kleine Stadt. Privatinvestoren kauften 30 Häuser in der mittelalterlichen Innenstadt und bauten diese für 40 Millionen Euro um. Von den 14.000 qm Verkaufsfläche der Stadt gehören ihnen nun 10.000 qm, 12.500 qm sollen es werden. Nicht ganz ohne Vorteil ist es dabei, dass Bad Münstereifel als Kurstadt 40 verkaufsoffene Sonn- und Feiertage im Jahr hat – und so konnten 600 Vollzeitsarbeitsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig aber gibt es nun in der Innenstadt keine Apotheke, keine Drogerie und keine Kindergeschäfte mehr.

 

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