Schlüpfrig in den 90ern

Zu Gast bei den Herren von Zweiaufeins im radioeins-Studio drehte sich diesmal alles um das Thema „klein“. Doch was ist im Marketing schon klein? Weder das Ego der Werber, noch die erforderlichen Etats und klein denken geht schon mal gar nicht.

Was bleibt noch übrig? Richtig, der Ritt in die Vergangenheit und da zu einem Herren namens Calvin Klein und seiner Unterwäsche:

Na, wer einnert sich noch an diesen schmucken Kerl? Mark Wahlberg, damals noch als Marky Mark bekannt. Werbung machte er für den schnieken Feinripp-Schlüppi von Calvin Klein, der es damit schaffte, ein Kleidungsstück, das eigentlich unsichtbar war, zur Status-Marke machte.

Klein machte bereits seit den 60ern Mode und schuf in den 70ern quasi den Prototyp der Designerjeans. Sein Team und er hatten jedoch stets auch ein Gespür für den nötigen Werbehype. So ließ er 1979 die damals 14jährige Brooke Shields mit unschuldiger Miene auf Plakaten und in Anzeigen sagen: „Nothing comes between me and my Calvins“ . Ein Skandal im damals noch sehr prüden Amerika, für den Klein, der seine Motive stets selbst wählte und umsetzte, jährlich 5 Millionen Dollar ausgab.

Klein holte damals schon das Label aus der Hose auf die Hose. Was lag da näher, als auch bei der Unterhose das Label markant auf dem Bund zu positionieren und dafür zu sorgen, dass dieser schön weit aus der Jeans herausschaut?

Und wieder hatte Klein ein gutes Gespür für den Zeitgeist: In den körpervernarrten 90ern, der Ära der Supermodels, präsentierte er den Six-Pack-Beau Wahlberg und das ultimative Magermodel Kate Moss und traf damit wie kein Zweiter die Körperkult-Ideale der westlichen Welt.

Die Unterwäsche gab es bereits seit 1982, doch war die Marke lange Zeit auf den amerikanischen Raum beschränkt, bevor sie in die große weite Welt hinausstürmte (und dann auch eine Menge Nachahmer fand….). Einzug in die popkulturelle Welt fand sie bereits 1985, als ein junger Mann in die Vergangenheit reiste und das Logo auf dem Bund als Namenswäschezeichen verstanden wurde….

Klein brachte den Sex in die Werbung und das ganz mit Absicht, denn er bekannte, Unterwäsche zu entwerfen, damit die Menschen Sex hätten. Die Rechnung ging auf:  5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz machte Calvin Klein zu Spitzenzeiten, bis der heute 73jährige bis er das Unternehmen 2002 für 430 Millionen US-Dollar verkaufte.

Heutzutage mutet das alles ziemlich harmlos an, vor 25 Jahren jedoch war dies erst der Startpunkt für den späteren Porno-Chic in der Mode-Werbung, wie er beispielsweise von Terry Richardson für Sisley umgesetzt wurde.

Und: Es ist natürlich alles nur Werbung. Denn die Realität sieht – leider – meistens anders aus:

 

Rollin‘ rollin‘ rollin‘

…though the streams are swollen, keep them doggies rollin‘, Rawhide!!!!!

Wer jetzt an Jake und Elwood Blues denkt, ist zwar popkulturell mit mir auf einer Wellenlänge, aber leider noch nicht im Thema, denn es geht um das Fahrrad. Mobil, be- und geliebt, von wachsender Bedeutung für den städtischen Verkehr, aber ein kaum benutzter Werbeträger – bis jetzt!

Bislang waren Sattelbezüge und bunte Fähnchen das höchste der Werbegefühle, doch nun wagt Kino-Mo mit seinen Video-Bikes den Sprung in die Zukunft:

Fahrräder fahren langsam genug, so dass die Botschaft von Fußgängern wie Autofahrern bestens wahrgenommen werden können – in der dunklen Jahreszeit ebenso wie in der hellen. Es stellt sich nur die Frage: Will man das?

Was für den einzelnen Biker ein schöner kleiner Nebenverdienst sein kein, ist für normalsterbliche Passanten nur noch eine weitere Werbebelästigung im öffentlichen Raum. Weggucken ist kaum möglich, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, unter die Räder zu geraten.

Wo ist aber das Ende? Laufbänder mit Werbebotschaften rund um Kinderwägen? Laufräder, die bei der Betätigung Werbesongs für Barbie absondern? Gibt es denn wirklich nirgends mehr Ruhe??

Wenn schon kommerzielle Botschaften, dann doch bitte mit Sinn und Understatement, wie es zum Beispiel Volvo mit seinem „Life Paint“ praktiziert:

Wasserbasiert, abwaschbar, ohne Rückstände auf der besprühten Fläche und der Erlös geht zudem noch an die Stiftung „Wings for Life“. Leider nur limitiert.

Und so kommen wir auf das stets gleiche Fazit: Kontakte schinden und um Aufmerksamkeit buhlen ist heute nicht mehr der Schlüssel in die Köpfe und Herzen der Konsumenten. Gutes Engagement schon.

 

 

Und bist du nicht viral, so brauch ich Gewalt!

Über 10 Jahre ist es nun schon her, dass auf Youtube das erste Video hochgeladen wurde. Es besticht nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine raffinierte Machart:

Ein früher Viralerfolg, denn über 29 Millionen Menschen haben sich dieses zu Herzen gehende Stück digitaler Kultur zu Gemüte geführt. Heute werden in jeder Minute 400 Stunden Material bei Youtube eingestellt und natürlich stellt sich die Frage: Wer soll das alles ansehen? Und dann noch womöglich weiterteilen? Denn natürlich träumen viele der Uploader von der viralen Verbreitung ihres ganz persönlichen Katzenvideos – und damit verbunden den Vermarktungsmillionen via Google.

Doch leider werden mehr als die Hälfte der Videos keine 500 mal angeklickt und sind somit eher virale Rohrkrepierer. Doch könnte es nicht sein, dass sich in diesem Bodensatz der Clip-Kultur nicht doch noch das ein oder andere Goldnugget finden lassen könnte?  Das vermutet zumindest Junk Jukin Media und so wühlen sich deren Mitarbeiter durch die unendlichen Weiten des Webs auf der Suche nach bislang erfolglosen Videos mit Potential. Werden solche Trüffel gefunden, dann erwirbt Jukin Media für kleines Geld die Urheberrechte und startet danach den viralen Großangriff: Via Tumblr, Twitter und anderer Kanäle wird der Clip nun so massiv geteilt, bis andere on- wie offline-Medien darauf aufmerksam werden. Und schon greift das Lizensierungsmodell, bei dem – so die Kritik – viel bei Jukin hängen bleibt und wenig an den Urheber weitergegeben wird.

Spannendes Modell, aber wenn man sich bei Jukin einmal durch die Videos (die meisten sind doch eher auf dem Upps-Pannenshow-Niveau) klickt, dann stellt man schnell fest, dass die meisten davon zurecht nicht beachtet worden sind *gähn*. Ob das Prinzip „mit aller Gewalt viral machen“ so erfolgversprechend ist, sei dahingestellt.

Von sich aus viral wirkt alles, was überrascht, berührt und zum Lachen bringt:

oder Menschen aktiviert, wie dieser Clip gegen Mobbing in der Schule zeigt:

Anstatt sich jetzt einfach mit dem Smartphone auf die Lauer zu legen und zu warten, dass Onkel Jürgen ausrutscht, könnte man sich eben doch lieber ein paar gute Gedanken zum Inhalt machen…. das wäre nicht nur unterhaltsamer für uns Betrachter, sondern vielleicht dann auch der größere virale Erfolg.