Message in a bottle

Egal, wie weit man zu fliehen versucht, „Zwei auf eins“ finden dich immer und überall…. Und so haben sie mich bei meinem Adventsausflug im traumhaften Prag erwischt, um mich für ihre radioeins-Sendung zum Thema „Flaschen“ zu befragen:

Dabei geht es um die prominenteste Flasche der Welt, die just 2015 100 Jahre alt wurde: die Coca Cola Flasche! Tusch!

Das Getränk gab es natürlich schon länger, nämlich seit 1886, aber so richtig zum Erfolg wurde Coca Cola erst durch seine Verpackung, durch das Flaschendesign. Ursprünglich wurden Produkte unter Lager- und Transportaspekten verpackt (viereckige Whiskey-Flaschen ließen sich einfach besser stapeln und transportieren als runde), im Laufe der Jahre wurden diese Verpackungen aber zum Markenzeichen: Wir würden eine Toblerone-Schokolade ebenso nur an der Form erkennen wie das Odol-Mundwasser, die Maggiwürze oder das Tabasco-Fläschen.

Eine gute Verpackung hat also das Zeug, zur Ikone zu werden – und ist damit äußerst bedeutend für die Markenkommunikation.

So steht die Coca-Cola-Flasche als Kultgegenstand des Produktdesigns im Museum of Modern Art in New York und wurde unter anderem von Salvador Dali, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol zum Kunstobjet erhoben. 2013 erzielten die von Andy Warhol 1962 gemalten „Coca-Cola-Bottles“ bei einer Auktion den Erlös von 37,5 Millionen Euro….

Alexander Samuelson von der „Root Glass Company“ ließ sich die hocherotische Form dieser Flasche sichern, denn die sehr feminine 90-60-90-Taillierung soll, so sagt man, dem männlichen Trinker die Illusion vermitteln, er hielte seine Traumfrau in den Händen – und nur eine Coke vermochte es, diese geweckten, heißen Fantasien wieder zu löschen. In den zwanziger Jahren gab es nur eine Frau, der man diesen perfekten Körper zusprach: Mae West!

Doch weit gefehlt, denn eigentlich ist diese Flaschenform ein einziger Irrtum und hat mehr mit der Kakaobohne als mit Mae West zu tun: Das Getränk Coca Cola wurde bereits zu diesen frühen Zeiten von vielen anderen Herstellern kopiert, so dass es höchste Zeit war, das Produkt zu „branden“, also mit schützbaren Markenzeichen zu versehen. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt mit der Vorgabe, dass die Flasche wiedererkennbar, im Dunkeln zu ertasten und zu erfühlen  und auch dann noch identifizerbar sein sollte, wenn sie in Scherben auf dem Boden liegt. Und grundsätzlich sollte die Form natürlich auch den Inhalt kommunizieren. Irgendwie.

Chapman J. Root, der Chef der Root Glass Company aus Vigo County, Indiana, wollte diesen Wettbewerb unbedingt gewinnen und überlegte mit seinen Mitarbeitern, wie man das Extrakt des Kokablattes („Coca“) und der Kolanuss („Cola nut“), in eine Flaschenform bringen konnte.Man orientierte sich folgerichtig an der Kakaobohne. Kakaobohne? Es ist kein µ Kakao in Coca Cola enthalten! Aber „cacao“ ist im Lexikon nicht weit von „coca“ entfernt und so diente nun – versehentlich – die Kakaobohne als Formgeber für die Cola-Flasche….

Original…. und „Fälschung“….

Die ungewöhnliche Form lässt zum einen mehr Inhalt vermuten, als da tatsächlich drin ist und brachte zum anderen eine hohe Stabilität mit sich.   Im Laufe der nächsten Jahrzehnte verlor die Flasche allerdings an Üppigkeit und wurde nach und nach schmaler – und handlicher. Und erotischer. Ok, die schlanken Flaschen passen auch wesentlich besser in die Abfüllanlagen, aber mit so prosaischen Details wollen wir uns hier gar nicht abgeben…

Vielleicht geht es aber einfach auch nur um Brause. Zuckerwasser mit Britzel, das wir als Kinder nie trinken durften („Für dich nur die gelbe Brause“) und das heute mit so viel Erinnerungen und Emotionen aufgeladen ist wie kaum ein zweites Erfrischungsgetränk. Ein taillierte Dose haben sie bei Coca Cola zumindest bislang noch nicht erfunden….

P.S.

Mae West war ja nicht nur eine der ersten „Sexbomben“ des Film-Zeitalters, sondern zudem auch sehr clever und schlagfertig. Hier eine kleine Verbeugung vor der großen Dame:

 

 

 

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